Post Americana

Dieser dystopische Comic macht Hoffnung für die nahe Zukunft, denn hierin geht unsere halbwegs zivilisierte Welt erst am Ende des 23. Jahrhunderts durch von tektonische Verschiebungen und Erdbeben unter.

Doch so manche Komponente der Geschichte wecken Zweifel daran, ob der Autor und Zeichner Steve Skroce wirklich exakt recherchiert hat oder seine Informationen einfach nur aus Werken der Trivialkultur wie Mad Max, The Walking Dead oder dem Texas Chainsaw Massacre bezogen hat.

Andererseits hat Steve Skroce bereits Großes geleistet. Er arbeitete mit den Geschwistern Wachowski bei der Matrix-Trilogie und weiteren Filmen zusammen. Als Zeichner einer von Brian K. Vaughn (Y – The Last Man) geschriebenen Miniserie absolvierte er ein perfektes Training für Post Americana. Vaughan erzählt in We Stand on Guard davon, dass im Jahre 2112 sich das Klima so verändert, dass dadurch die Wasservorräte der USA zur Neige gehen und daher versucht wird, Kanada zu besetzen.

Auch in seiner Eigenproduktion Post Americana traut der Kanadier Skroce den Bewohnern der USA nicht über den Weg. Er erzählt von einer gewaltigen Bunkeranlage namens The Bubble, in der im Falle einer Katastrophe die hellsten Köpfe des Landes daran arbeiten sollen, die alte Ordnung wiederherzustellen. Doch stattdessen verbarrikadiert sich dort der Geldadel und feiert weiter Partys. Im apokalyptischen Ödland formiert sich Widerstand, der von der jungen Carolyn angeführt wird, die Spezial-Prothesen an Armen und Beinen trägt.

Trotz markanter Auftritte von Kannibalen und Mutanten setzt Steve Skroce nicht nur auf Splatter, sondern lässt auch geisteskranke Superhelden auftreten. Seine Geschichte steht immer wieder kurz davor völlig durchzuknallen und seine Bilder quellen über vor lauter ganz schön kranker Details.

Variantcover von Geof Darrow

Passend dazu stammt eines der Variant-Cover zu Pax Americana von Skroces großem Vorbild Geof Darrow (Hard Boiled). Post Americana ist zwar nicht der große ökologische Weckruf, aber immerhin ein ganz schön subversiver Katastrophen-Comic.

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Stephen King: Im Kabinett des Todes

1993 schrieb Stephen King in Vorwort seiner dritten Kurzgeschichtensammlung Alpträume: „Sollte es je einen neuen Kurzgeschichtenband geben, so wird er ausschließlich aus Geschichten bestehen, die bis jetzt weder geschrieben noch ausgedacht sind, und ich glaube es wird erst in einem Jahr das Licht der Welt erblicken, das mit einer Zwei anfängt.“ Er sollte recht behalten, denn erst 2002 hatten sich bei King genug Stories angesammelt, um ein weiteres Buch zu füllen.

Ein absolutes Highlight befindet sich leider nicht unter den vierzehn neuen Kurzgeschichten, zu denen auch ein 80-seitiger Besuch in der öden Fantasy-Welt vom Revolvermann Roland gehört. Verwunschene Hotelzimmer (die Story Zimmer 1408 wurde mittlerweile verfilmt), Déjà vu-Erlebnisse und bedrohliche Gemälde, die sich im Laufe der Zeit verändern, sind die schon ein wenig ausgelutschten Bestandteile der Stories. Auch Kings immer wieder aufblitzende Meisterschaft im Beschreiben und Platzieren von scheinbaren Nebensächlichkeiten, die meist interessanter als die ganze Geschichte sind, kann hier leider nicht viel retten.

Stephen King bekennt sich im Vorwort zu Im Kabinett des Todes dazu, dass er sich immer wieder verpflichtet fühlt Kurzgeschichten zu schreiben, um diese „fast ausgestorbene Kunstform“ am Leben zu erhalten. Beim Schreiben von ein bis zwei Kurzgeschichten im Jahr hat King zunehmend das Gefühl „seinen Verpflichtungen nachzukommen.“ Wenn er so weitermacht, hat der Leser beim Abarbeiten von Kings Büchern auch immer mehr dieses Gefühl.

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Stephen King: Das Mädchen

Die Eltern der neunjährige Trisha sind geschieden. Ihre Mutter ist bestrebt jedes Wochenende lehrreiche Exkursionen mit dem Mädchen und ihrem Bruder Pete durchzuführen. Dabei beginnt Pete mal wieder mit seiner Mutter zu streiten. Die kleine Trish hält dies nicht aus und entfernt sich von den beiden. Sie begibt sich ein wenig in den Wald hinein. Das entpuppt sich als ganz großer Fehler, denn sie verläuft sich hoffnungslos.

Fast das gesamte Buch beschreibt, wie Trish durch den Walt irrt. Damit es nicht zu öde wird, isst sie Beeren und hat Halluzinationen. Darüber hinaus gibt es noch einige Rückblenden mit dem von ihr heiß geliebten und alkoholabhängigen Vater.

Ferner spielt noch Baseball eine große Rolle, denn Trish verirrt noch Tom Gordon, einen (tatsächlich existierenden) Spieler der Bostoner Red Socks. Daher heißt das Buch auch im Original The Girl Who Loved Tom Gordon.

Kings Roman wurde von der SZ und auch vom Spiegel halbwegs wohlwollend und vor allem recht umfangreich besprochen. Trotzdem ist das Werk nicht gerade eine mehrere Abende füllende Veranstaltung. Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum Das Mädchen 2000 nicht bei Heyne, sondern zunächst beim ebenfalls in München ansässigen Schneekluth Verlag erscheint.

Auch hier traut man dem Werk nicht so recht und verlegt es in zwei Editionen: Eine mit weißen und eine mit schwarzen Umschlag. Beide wurden auch noch vorsorglich in ganz dickes Plastik eingeschweißt.

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Stephen King: Der Sturm des Jahrhunderts

Mit Der Sturm des Jahrhunderts erschien das Drehbuch zu einer aus drei 90-minütigen Teilen bestehenden Miniserie, die im Frühjahr 1999 von ABC ausgestrahlt wurde. Stephen King hat diese Geschichte exklusiv für den TV-Film geschrieben.

Erzählt wird von einer verschworenen Inselgemeinde, die wie Pech und Schwefel zusammenhält. Ein geheimnisvoller Fremder bringt scheinbar grundlos eine alte Frau um und lässt sich dann unerwartet bereitwillig verhaften. Vom Knast aus, der gleichzeitig auch ein Lebensmittelladen ist, beginnt er dann den Ort zu terrorisieren.

Der Fremder weiß von jedem düsteren Geheimnis, das die Bewohner von Little Tall Island mit sich herumschleppen und verfügt außerdem über Zauberkräfte. Wenn die Insulaner ihm einen einzigen Wunsch erfüllt, würde er jedoch verschwinden…

Der Sturm des Jahrhunderts funktioniert sehr gut als Mini-Serie. Wer diese irgendwann einmal zu sehen bekommt, kann sich die Lektüre dieses Buchs durchaus sparen, (Der umgekehrte Fall gilt natürlich auch.) Durch die Drehbuchform, die zwar manchmal von King um weiterführende Erklärungen ergänzt wurde, ist das Buch den meisten anderen King-Romanen deutlich unterlegen, bietet aber dennoch solide Horrorkost.

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Stephen King: Das schwarze Haus

1984 erschien ein Roman namens Der Talisman. Hierin versuchten Stephen King und Peter Straub, genau 100 Jahre nach Mark Twains Tom Sawyer, dessen Namensvetter Jack Sawyer zu neuen Abenteuern entlang des Mississippi zu schicken. Sie ließen die Geschichte dabei sowohl in der Gegenwart als auch in einer märchenhaften Welt spielen, in der „Twinner“ genannte Doubles der Menschen lebten.

Die voluminöse Schwarte war in ihren Fantasy-Bestandteilen nicht besonders phantasievoll und lose mit den ebenfalls etwas nervigen Büchern um den „Schwarzen Turm“ verbandelt. Zwischen den zahlreichen gelungeneren Werken Kings – nahezu zeitgleich erschienen Friedhof der Kuscheltiere, Christine und der Bachman-Roman Thinner – Der Fluch, die der damals voll in Saft und Kraft stehende King nur so rausrotze, fiel Der Talismann nicht sonderlich auf.

Die aktuelleren Werke Kings hingegen waren zwar nicht unbedingt schlecht und enthielten genügend kleine geniale Momente, um die Lektüre zu rechtfertigen. Doch ein richtiges gutes Buch, im Sinne von dem was die Amis einen „Pageturner“ nennen, gelang King erst 2001 wieder in Zusammenarbeit mit Peter Straub. Das schwarze Haus ist eine Art Fortsetzung von Der Talisman und ein deutlich älter gewordener Jack Sawyer ist die zentrale Figur des Buches. Dieser hat sich nach einigen frustrierenden Jahren bei der Mordkommission von Los Angeles in den inmitten der Wälder von Wisconsin gelegenen Ort French Landing zurückgezogen, denn er hat sich in die idyllische Gegend verliebt. Doch plötzlich taucht dort ein „Fisherman“ genannter Serialkiller auf, der in direkter Verbindung zur Fantasywelt aus Der Talisman steht.

Zum Glück hält sich diesmal der Fantasy-Anteil diesmal in erfreulichen Grenzen. Stattdessen bieten uns Straub und King einen ganzen Haufen prachtvoll durchcharakterisierter Charaktere, um deren Schicksal sich der Leser wirklich sorgt. Herausragend die „Thunder Five“ ein Haufen gebildeter, sensibler und bierbrauender Motorradrocker oder ein blinder Radiomoderator, der seine gespaltenen Persönlichkeiten durchaus gewinnbringend einsetzt. Schon die Einführung der Figuren und ihrer Umgebung in Form einer Luftaufnahme ist beeindruckend. Dieses Buch läßt in Zukunft noch einiges von King (und Straub) erwarten.

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Stephen King: Qual

Bevor er 1974 seinen großen Durchbruch mit Carrie hatte, verfasste Stephen King fünf Romane unter dem Namen Richard Bachman (das Pseudonym setzte er auch noch für die Bücher Der Fluch und Regulator ein). Vier dieser Werke (Amok, Todesmarsch, Sprengstoff und das mit Arnold Schwarzenegger als The Running Man verfilmte Menschenjagd) erschienen in den USA zunächst als Taschenbücher.

Das fünfe zeitgleich entstandene Bachman-Buch Blaze verschwand erst einmal in der Versenkung. Nachdem King jedoch den Kurzroman Colorado Kid zur Reihe Hard Case Crime beisteuerte, erinnerte er sich an die ähnlich gelagerte Bachman-Story und überarbeitete diese „Geschichte aus der Gruft“ noch einmal.

Das Buch erzählt vom kräftigen Zweimetermann Clayton Blaisdell Junior, der meist nur Blaze genannt wird. Als kleiner Junge wurde dieser von seinem trunksüchtigen Vater im Suff mehrmals die Treppe heruntergeschmissen. Blaze hat seitdem eine üble Delle im Kopf und vergisst oft die einfachsten Dinge. Seine Jugend verlebt er in Heimen, Besserungsanstalten und Gefängnissen. Er hört oft die Stimme seines verstorbenen Komplizen George, der ihm dabei helfen will einen großen Coup durchzuziehen. Blaze entführt das Baby eines reichen Ehepaars und will eine Million Dollar Lösegeld erpressen. Doch er macht zahllose Fehler und die Polizei ist ihm auf der Fährte als er sich in seinem alten Waisenhaus verschanzt.

In diese konventionell-spannende Krimihandlung hat Bachman-King einige Rückblenden aus der trostlosen Jugend von Blaze eingeflochten, die mit zum Besten gehören was seit langer Zeit vom immer noch sehr produktiven Autor zu lesen war. Zwar hat angeblich King laut Nachwort “aus dem Text weitgehend alle Emotionen entfernt“, doch wenn sich Blaze nach dem Fund einer gut gefüllten Brieftasche für einige glückliche Tage aus dem Waisenhaus entfernt oder es beinahe schafft von einem idealistischen Farmer adoptiert zu werden, berührt die Erzählung ungewöhnlich stark. Der klobige (und gelegentlich auch brutale) Blaze wird durch die sehr wirkungsvolle Struktur des Buches zu einem plastischen Charakter und zu einem wahrhaft tragischen Helden.

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Andrew Vachss: Safe House

Auf den ersten Blick handelt es sich bei den Werken von Andrew Vachss (Born Bad) um Kriminalromane. Doch obwohl sein Held Burke ein Outlaw ist, erzählt der Anwalt mit der Augenklappe zutiefst moralische Geschichten. Vachss verteidigt ausschließlich missbrauchte Jugendliche und verbringt nur „10 Prozent seiner Zeit“ mit dem Schreiben von Büchern, obwohl sich diese beständig den Bestseller-Listen platzieren. Er sieht das Verfassen von Büchern in erster Linie als Fortsetzung seiner Arbeit und schreibt um den Missbrauch von Unschuldigen anzuprangern.

Mittlerweile hat sich ein richtiger Mikrokosmos aus Charakteren gebildet, die für den eigentlich zum Einzelgänger neigenden Burke zu seiner Familie geworden sind. Da gibt es den ständig reimenden Prof. oder den eigenbrötlerischen Maulwurf, der gemeinsam mit der Ex-Prostituierten Michelle, die früher ein Mann war, den vom Straßenstrich geretteten Clarence großzieht. Außerdem ist da noch Max, der stumme mongolische Karatekämpfer, der sich durch Ikebana-Männchen verständlich macht. Zentraler Treffpunkt ist Mamas dubioses Restaurant in Chinatown. Dort gibt es für ungebetene Gäste ganz mieses Essen. Für Burke und seine Freunde steht jedoch immer eine Süßsauersuppe bereit.

Vachss gelingt das Kunststück sein großes Ensemble auch dem neuen Leser sofort plastisch vor Augen zu führen. Gleichzeitig stellt er seine Figuren jedoch auch immer so vor, dass selbst der treueste Stammleser noch ein paar neue Details erfährt. Da dies schon die halbe Miete ist, kann es der Leser auch durchaus verkraften, wenn die Story einmal nicht so ganz den vorwärtstreibenden Drive der anderen Burke-Romane hat. In Safe House geht es hauptsächlich um Neonazis und unterdrückte Frauen, wobei die Handlung episodenhaft erzählt ist und dabei vielleicht ein wenig zu stark in alle Richtungen wuchert. Trotzdem lohnt sich ein Wiedersehen mit Burkes Familie immer.

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Andrew Vachss: Born Bad – Stories

„Kurzgeschichten zu schreiben ist wie ein Kampf in einem sehr kleinen Ring: Egal welchen Stil man hat, man muss schnell zur Sache kommen. Es ist leichter, Fehler zu machen, und der Preis ist höher, wenn es dann passiert.“, schreibt Andrew Vachss (Safe House) im Vorwort zu diesem Buch. Trotzdem versucht er sich an Short Stories und kommt in so mancher seiner 26 in diesem Buch versammelten Geschichten so schnell zur Sache, dass der mit Vachss Welt bisher nicht vertraute Leser große Schwierigkeiten haben wird, sich hier zurecht zu finden.

Doch er hat eine sehr gute Entschuldigung: „Ich bin vielleicht kein guter Schriftsteller, aber ich schreibe aus einem guten Grund.“ Hauptberuflich arbeitet der ehemalige Sozialarbeiter Vachss als Anwalt in New York und vertritt vor Gericht ausschließlich missbrauchte Jugendliche. Sein Hass gilt allen Menschen, die sich an Schwächere oder Abhängige vergreifen und er macht sich Luft, in dem er grimmige aber erschreckend realistisch wirkende Romane schreibt.

Während sich der Sinn einiger der sehr kurzen Geschichten in diesem Sammelband nicht so recht erschließen will (okay, irgendwie prangert der Mann Drogenmissbrauch und Rasereien mit Autos an), erreicht er in den besten Beiträgen durchaus sein Ziel: Er bringt die Leser zum Nachdenken, indem er drastische Dinge drastisch (also realistisch) schildert.

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Stephen King: Sunset

Mit Sunset legt Stephen King 2008 seine fünfte Sammlung mit Kurzgeschichten vor. Dem Vorwort des Bandes ist zu entnehmen, dass es dem Autor wichtig ist nicht nur epische Romane zu schreiben, sondern auch sein “Talent zur Miniaturisierung“ nicht einrosten zu lassen. Zwar gelingt King nur sehr selten eine wirklich überraschende Schusspointe, doch wie kaum ein anderer Autor schafft er es Alltags-Beobachtungen und –Ängste zu kleinen Horrordramen zu verarbeiten.

King kann so in Form einer unheimlichen Story seinen Unmut über die langweilige Zeit abreagieren, die er auf seinem Hometrainer zugebracht hat. Auch seine Ängste hilflos in einem Chemieklo eingeschlossen zu sein, sind ein passabler Aufhänger für eine Kurzgeschichte. Selbst die wohl obligatorische Geschichte zum 11. September geht ohne größere Peinlichkeit über die Rampe. Nicht alle Geschichten sind brandneu, so findet auch endlich Kings Story Die Höllenkatze, die bereits 1990 als Teil des Episodenfilms Geschichten aus der Schattenwelt verfilmt wurde, Aufnahme in diese Anthologie.

Recht interessant sind die kurzen Anmerkungen am Ende des Buches in denen King ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert und erzählt, was ihn zu den einzelnen Stories inspiriert hat. Die dreizehn in Sunset enthaltenen Geschichten beweisen, dass King auch (und vor allem!) auf der Kurzstrecke immer noch ein äußerst mitreißender Autor ist.

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Stephen King: Wahn

Das ist ja mal wieder ein ganz schön dickes Ding, das Stephen King da von Februar 2006 bis Juni 2007 auf fast 900 Seiten zusammenfabuliert hat. Es ist deutlich zu spüren, dass der 1947 geborene Autor in die Jahre kommt. Seine Hauptfiguren sind ebenfalls nicht mehr die Jüngsten und es fällt ihnen schwer die Jugendkultur, die Technik oder die eigenen Kinder zu verstehen.

Wahn erzählt vom erfolgreichen Bauunternehmer Edgar Freemantle, der bei einem schweren Unfall einen Arm verliert und fortan unter Erinnerungslücken leidet. Nachdem es seine Frau nicht mehr mit ihm aushält, beginnt Edgar ein völlig neues Leben auf der (fiktiven) Insel “Duma Key“ (so auch der Originaltitel des Buchs), die sich vor der Westküste von Florida befindet. Hier entdeckt er sein beträchtliches Talent als Maler. Doch die von Edgar geschaffenen Ölbilder und Zeichnungen verändern die Wirklichkeit…

Wie schon oft bei Stephen King sind es weniger die Enthüllung des großen Geheimnisses und das ach so erschreckende Finale, die den Reiz des Buches ausmachen. Sehr viel spannender geschildert sind fest in der Realität verankerte Komponenten, wie die Versuche der Hauptfigur mit den Folgen des Unfalls klarzukommen (hier schreibt King aus eigener Erfahrung) oder das vorsichtige und skeptische Erkennen der eigenen Kreativität. So stark wie schon lange nicht mehr zieht der begnadete Erzähler den Leser in seinen Bann und erfreut mit einem ausgereiften Spätwerk.

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