Asterix: Der Papyrus des Cäsar

Vor zwei Jahre weckte das neue Team – der Autor Jean-Yves Ferry (“Die Rückkehr aufs Land“) und der in Kalifornien lebende Zeichner Didier Conrad (“Marsu Kids“) – mit “Asterix bei den Pikten“ Hoffnung darauf, dass die Traditionsserie doch in Würde fortgeführt werden könnte. In dieser Hinsicht ist auch der zweite Band von Ferry und Conrad alles andere als eine Enttäuschung. Zwar zünden die Gags nicht ganz so knallig wie bei René Goscinny und die Frau des Dorfältesten Methusalix ist längst nicht so attraktiv, wie einst in Albert Uderzos Zeichnungen.

Asterix: Der Papyrus des Cäsar

Doch ansonsten ist so ziemlich alles beim Alten. Die Geschichte lässt dem lieb gewonnenen Asterix-Ensemble viel Spielraum, hat einen originellen Aufhänger und sogar eine wirklich lustige Schlusspointe. In “Der Papyrus des Cäsar“ wird erklärt, warum zwar im Comic aber nicht in der offiziellen Geschichtsschreibung überliefert wurde, dass es dem römischen Imperator nicht gelang ganz Gallien zu besetzen. Eigentlich wollte Cäsar in seinem Bestseller “Kommentare zum gallischen Krieg“ wahrheitsgemäß über seine Erfahrungen mit den widerspenstigen Bewohnern eines kleines Dörfchens in Armorica berichten. Er hatte auch schon alles zu Papyrus gebracht, doch sein Berater Rufus Syndicus empfahl, die entsprechenden Passagen einfach wegzulassen. Dieses brisante Material geriet jedoch in den Besitz des Aktivisten Polemix, der zum gallischen Dorf aufbricht…

Asterix: Der Papyrus des Cäsar

Wer hier nun satirische Anspielungen auf WikiLeaks oder Edward Snowden erwartet, dürfte etwas enttäuscht sein, auch wenn Polemix über gewisse Ähnlichkeiten zu Julian Assange verfügt. Doch in einer anderen Hinsicht ist “Der Papyrus des Cäsar“ bemerkenswert, denn bei den in Cäsars “Kommentaren zum gallischen Krieg“ unterschlagenen Kapiteln handelt es sich um die Inhalte der Comic-Alben “Tour de France“, “Asterix und der Avernerschild“, “Asterix in Spanien“, “Streit um Asterix“, “Die Trabantenstadt“ und “Asterix auf Korsika“. Die von Uderzo nach Goscinnys Tod im Alleingang erzählten Geschichten, wie “Der Sohn des Asterix“, “Obelix auf Kreuzfahrt“, “Asterix und Latraviata“ oder gar “Gallien in Gefahr“, finden hier keine Berücksichtigung, auch wenn Julius Cäsar darin oftmals eine große Rolle spielte. Dies könnte als Indiz darauf gedeutet werden, dass sich Uderzo tatsächlich von Asterix zurückgezogen hat und dem neuen Team völlige Freiheit lässt. Es darf sich somit durchaus auf das nächste Album gefreut werden, denn Gallien ist nicht mehr in Gefahr.

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