Alle Beiträge von Heiner Lünstedt

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

In seinem ersten Comic-Album Trabanten erzählte Frank Schmolke von Menschen, die sich im Abseits der Gesellschaft befinden. Auch in seinem neusten Werk zeigt Schmolke seine Heimatstadt München nicht gerade von ihrer besten Seite. Basierend auf eigenen Erlebnissen schildert er, was der Taxifahrer Vincent während des ja eigentlich für hohe Umsätze sorgenden Oktoberfests erlebt.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Frank Schmolke hat selbst eine Weile als Taxifahrer gearbeitet und tat es immer wieder, wenn “Auftragsflauten oder finanzielle Krisen“ herrschten. Die ersten Skizzen zu Nachts im Paradies sind im Taxi entstanden. Schmolke sieht Ähnlichkeiten zwischen Taxifahren und Zeichnen: “Das Suchen einer Fahrtroute ist ähnlich dem Ziehen einer Linie mit dem Stift. Der Fahrgast ist wie ein weißes Stück Papier. Vorerst neutral. Während der Fahrt füllt sich das Blatt mehr und mehr. Bis zum Ende der Fahrt entsteht so ein Bild des Fahrgastes.“

Frank Schmolke: Nachts im ParadiesSchmolkes Comic-Erzählung ist zwar mit klaren schwarzen Linien gezeichnet, doch sind die Bilder wie skizzenhaft geblieben. Es wirkt fast so, als wenn Schmolkes Zeichengeschwindigkeit ähnlich hoch war, wie das Umblätter-Tempo, das er seinen Lesern durch die spannende Erzählung aufzwingt. Die Bilder scheinen sich schmuck- und schnörkellos auf das Wesentliche zu beschränken, entfalten ihre volle Wirkung jedoch erst durch das Großformat, das die Edition Moderne der Veröffentlichung dankenswerterweise spendiert hat.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Bemerkenswert ist auch, dass Nachts im Paradies, obwohl Schmolke einige selbsterlebte Sequenzen in die 350-seitige Geschichte eingebaut hat, kein Episoden-Comic geworden ist. Die Story vom Taxifahrer Vincent, der sich um seine 16-jährige Tochter sorgt, aber auch nicht gerade als Vorbild taugt, hat Schmolke mitreißend und emotional aufwühlend zu Papier gebracht. Es gibt wenige Comics, die einen so stark mitten ins Geschehen hineinziehen wie dieser!

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Hard Powder

Bereits bei seinem 2014 entstandenen norwegischen Film Einer nach dem Anderen (Kraftidioten) hatte Hans Petter Moland (Erlösung) ein internationales Publikum im Blick. In der Hauptrolle – als Vater auf dem Rachetrip – besetzte er den auch in Hollywood gut beschäftigten Schweden Stellan Skarsgård und als serbischer Gangsterboss überzeugte Bruno Ganz.

Hard Powder

Fünf Jahre später erzählte Moland dieselbe Geschichte erneut, diesmal jedoch als mit 70 Millionen Dollar recht gut budgetierter Hollywood-Film. Die Hauptrolle übernahm jetzt Liam Neeson, der seit über einem Jahrzehnt eher Action als Arthouse dreht. Aus dieser meist eher durchschnittlich ausfallenden Aneinanderreihung von Baller- und Keilereien ragt Hard Powder weit heraus.

Hard Powder

Zwar ist Liam Neeson auch diesmal als rächender Vater ähnlich brachial wie einst in 96 Hours unterwegs. Doch er hat keinen Background als gut trainierter Spezialagent, sondern bestreitet als Nels Coxman seinen Lebensunterhalt als Schneepflugfahrer in Colorado. Da er sehr gewissenhaft arbeitet zeichnet ihn seine Heimatstadt Kehoe als “Bürger des Jahres“ aus. Am selben Abend stirbt sein Sohn Kyle an einer Überdosis Heroin.

Hard Powder

Coxman will nicht glauben, dass sein Sohn ein Junkie war und geht der Sache auf den Grund. Schuld am Tod haben einige kleine Dealer, denen Kyle zufällig in die Quere kam und die ihm das Heroin verabreichten. Coxman beginnt mit brutaler Ermittlungsarbeit und findet heraus, dass das mächtige Kartell von Trevor „Viking“ Calcote hinter dem Tod seines Jungens steckt.

Hard Powder

Zwar spielt Neeson seinen rächenden Vater mit grimmigen Ernst und Moland nimmt dessen Trauer durchaus ernst. Doch das Resultat ist keine weitere Variante von Ein Mann sieht rot, sondern ein Thriller voller skurriler Momente und Personen. Oft bewegt sich die Geschichte am Rande der Parodie, kriegt aber – auch durch teilweise ganz schön drastische Gewaltdarstellungen – immer wieder den Bogen und ist dadurch sehr viel mehr als der neuste Actionfilm mit Neeson.

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Der Tiger von Eschnapur

Gemeinsam mit seiner damaligen Frau Thea von Harbou verfasste Fritz Lang Anfang der Zwanziger Jahre das Drehbuch zu einem großen Indien-Film. Er hätte auch gerne Regie geführt, doch diesen Job übernahm der Produzent Joe May, der Lang für zu unerfahren hielt. Das indische Grabmal kam im Oktober und November 1921 in den zwei Teilen Die Sendung des Yoghi und Der Tiger von Eschnapur in die Kinos und wurde zu einem gewaltigen Erfolg.

Der Tiger von Eschnapur

Als die UFA 1938 eine Neuverfilmung drehte – diesmal hießen die beiden Teile Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal, stand Fritz Lang nicht zur Verfügung, da er bereits 5 Jahre zuvor in die USA immigriert und dort erfolgreich als Regisseur tätig war. Die Neuauflage des Indien-Epos war einer der wenigen deutschen Abenteuerfilme, die während des Dritten Reichs produziert wurden und füllte auch danke der exotischen Tänze von La Jana (alias Henriette Margarethe Niederauer) und der komischen Einlagen von Theo Lingen die Lichtspielhäuser.

Der Tiger von Eschnapur

Zwanzig Jahre später gelang es dem umtriebigen Produzenten Arthur Brauner den mittlerweile in Hollywood nicht mehr allzu stark gefragten Fritz Lang zu überreden, endlich eine eigene Version seines Indien-Films zu realisieren. Fritz Lang gelangen 1959 mit Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal zwei routiniert umgesetzte farbenprächtigen Abenteuerfilme. Die Presse in Westdeutschland schrieb zumeist Verrisse, doch in Frankreich und USA wurde der Zweiteiler sehr viel besser aufgenommen.

Der Tiger von Eschnapur

Während sich René Delten in seiner Schurkenrolle noch ganz achtbar aus der Affäre zieht, bleiben die männlichen Hauptdarsteller Paul Hubschmid und Walter Reyer erschreckend blass. Doch die tollen Bilder aus Indien und die tänzerischen Leistungen von Debra Paget (die in Hollywood-Filmen wie Der gebrochene Pfeil gerne als Indianerin eingesetzt wurde) können auch heute noch fesseln.

Der Tiger von Eschnapur Beide Filme von 1959 sind bei Universum Film als “Fritz Lang – Indien Edition Box“ erschienen. Als Bonusmaterial gibt es eine Doku (20:11 min), einen dreiminütigen schwarzweißen und stummen 8-mm-Film, den Sabine Bethmann 1958 während der Dreharbeiten aufnahm, sowie französische Trailer zu beiden Filmen (3:09 min und 3:25 min)

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Der gebrochene Pfeil

Nordamerika um 1870: Tom Jeffords (James Steward), ein ehemaliger Fährtensucher der US-Armee, setzt sich für Frieden zwischen Weißen und Apachen ein. Er wird zwar von seinen weißen Freunden misstrauisch beäugt, gewinnt aber die Freundschaft des Häuptlings Cochise (Jeff Chandler) und die Liebe des Apachen-Mädchens Sonseeahray (Debra Paget). Doch so einfach sind Vorurteile nicht auszurotten und Toms Bemühungen enden tragisch…

Der gebrochene Pfeil

Bis zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Films wurden Indianerstämme im US-Kino meist als eine Art böse Naturgewalten dargestellt, die aus heiterem Himmel über harmlose weiße Siedler herfielen. Erste zaghafte Rauchzeichen, die in eine andere Richtung wehten gab es 1950, als Der gebrochene Pfeil in die Kinos kam.

Der gebrochene Pfeil

Der Film mag seine Schwächen haben und oft hart am Kitsch vorbeischrammen. Doch das Bemühen um eine faire Darstellung der US-Ureinwohner und das berührende Spiel des wie immer zuverlässigen James Steward und der damals erst 17-jährigen Debra Paget (Der Tiger von Eschnapur) machen den Film (40 Jahre vor Der mit dem Wolf tanzt!) zu einem wegweisenden Klassiker des Westernkinos.

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Snow White & the Huntsman

Kaum ist Spieglein Spieglein aus den Kinos verschwunden, da folgt schon die nächste aufwändige Neuverfilmung von Schneewittchen und die sieben Zwerge. Ob das besonders sinnvoll ist, erscheint eher fragwürdig. Doch auf alle Fälle ist Snow White & the Huntsman ein völlig anderer Film als Tarsem Singhs leicht parodistische verspielte Neubearbeitung des klassischen Märchens der Gebrüder Grimm.

Snow White & the Huntsman

Während Julia Roberts eher eine freundliche Karikatur der bösen alle Mittel um jung zu bleiben einsetzenden Schwiegermutter ist, legt Charlize Theron die Rolle abgrundtief böse und richtig bedrohlich an. Insgesamt ist Snow White & the Huntsman ein sehr viel finsterer Film als Spieglein Spieglein. Zwar nimmt auch Singhs Schneewittchen Lily Collins Fechtunterricht, doch Snow White Kristen Stewart (Twilight) legt eine richtig schwere Rüstung an und galoppiert mit einem Reiterheer auf Schwiegermutters Festung zu.

Snow White & the Huntsman

Insgesamt scheint hier eher Peter Jacksons Der Herr der Ringe Pate gestanden zu haben als die Grimms, was sich auch darin niederschlägt, dass dem von Chris Hemsworth (Thor) ziemlich steif verkörperten Jägersmann sehr viel Raum eingeräumt wird, um diesmal statt mit einem Hammer zur Abwechslung mal mit einer Axt zu kämpfen.

Snow White & the Huntsman

Lange Zeit stellt sich die Frage, warum auf einem Film Snow White draufsteht, der kaum etwas mit Schneewittchen zu tun hat, doch dann kommen doch noch die Zwerge. Hierzu wurden die Charakterköpfe von sieben britischen Darstellern (Ian McShane, Bob Hoskins, Ray Winstone, Nick Frost, Brian Gleeson, Johnny Harris, Toby Jones, Eddie Marsan) per Computer so verkleinert, dass sie auf Zwergenkörper passen. Das funktioniert besser als erwartet, was auch auf den ganzen Film zutrifft.

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Spieglein Spieglein

Das Märchen vom Schneewittchen wird immer wieder gerne erzählt, auch im Kino. Unvergessen ist natürlich Walt Disneys alles andere als werkgetreuer Zeichentrick-Klassiker von 1937. Aus den von den Brüdern Grimm als einheitliche Gruppe beschriebenen Zwergen wurden unverwechselbare ganz individuelle Käuze gemacht. Disneys Schneewittchen und die sieben Zwerge wurde im Laufe der Jahrzehnte immer wieder in die Kinos gezeigt und ist einer der größten Blockbuster aller Zeiten.

Spieglein Spieglein

Doch es gab auch zahlreiche Realfilme mit Schneewittchen, wobei es vor allem die Rolle der bösen Schwiegermutter war, die prominente Darsteller wie Vanessa Redgrave, Diana Rigg, Sigourney Weaver, Miranda Richardson oder Nina Hagen gerne spielten. Knapp bevor es  Twilight-Star Kristen Stewart in Snow White and the Huntsman mit Charlize Theron zu tun bekommt, startet eine äußerst originelle Neubearbeitung des Stoffes, die genau wie der Disney-Zeichentrickfilm zum von Generation zu Generation weitergereichten Märchenfilmklassiker werden könnte.

Spieglein Spieglein

Der indische Regisseur Tarsem Singh drehte seit Anfang der Neunziger Jahre zwar zahlreiche vielbeachtete Werbespots und Videoclips (u. a. zu Losing my Religion von R. E. M.) doch erst vier Kinofilme. In The Cell, The Fall und Krieg der Götter zeigte er sich in erster Linie an tollen Bildern und weniger an einer interessanten Geschichte interessiert. Auch mit Spieglein Spieglein gelang ihm ein wahrhaft prachtvoller Film. Dies liegt ganz sicher auch daran, dass – abgesehen von einer schönen Eröffnungssequenz mit bewegten Porzellanfiguren – nicht nur Computertricks zum Einsatz kamen.

Spieglein Spieglein

Riesige Kulissenbauten wurden in einem kanadischen Filmstudio errichtet. Die reich mit organisch wirkenden Ornamenten verzierten Innenräume und auch der ausschließlich mit extrem gerade gewachsenen Bäumen bestückte Wald lassen an Gemälde von Gustav Klimt oder anderen Vertretern des Jugendstils denken. Dabei ist es thematisch recht konsequent einen Film über Schneewittchen in einer verschneiten Umgebung anzusiedeln. Auch bei den phantasievollen aber niemals albernen Kostümen besticht die Liebe zum Detail, wobei es sich hierbei um die letzte Arbeit der Japanerin Eiko Ishioka handelt, die einen Oscar für Coppolas Dracula erhielt.

Spieglein Spieglein

Doch nicht nur formal glänzt Spieglein Spieglein, auch das Drehbuch schmückt die altbekannte Geschichte prächtig aus. Die Autoren Jason Keller und Marc Klein (Ein gutes Jahr) trotzten dem Märchen einige interessante neue Akzente ab. Die Zwerge stellen sie als eine Gruppe von gesellschaftlich Ausgegrenzten dar, die ihren Frust dadurch abbauen, dass sie auf Stelzen steigen und sich als Diebe betätigen. Die Newcomerin Lily Collins ist als Schneewittchen kein Apfel schluckendes und vom Prinzen geküsstes Dummchen, sondern sie lässt sich von den Zwergen zur meisterlichen Fechterin ausbilden. Zentrale Figur ist auch diesmal die von Julia Roberts sehr uneitel und mit viel Spaß an Boshaftigkeiten verkörperte böse Stiefmutter, der mit dem ungebremst aufspielenden Nathan Lane ein saukomischer Lakai zur Seite gestellt wurde.

Spieglein Spieglein

Doch weder die Roberts noch die Kulissen und Kostüme überstrahlen den Film, der die Geschichte vom Schneewittchen zwar komisch und gelegentlich auch leicht parodistisch erzählt jedoch niemals veralbert. Tarsem Singh gelang ein zeitgemäßer aber nicht unnütz modernisierter Märchenfilm, der als Zugabe im Abspann auch noch eine mitreißende Bollywood-Tanznummer auffährt. Der zugehörige recht schön von Lily Collins interpretierte Song I Believe in Love stammt – genau wie der komplette Soundtrack – vom vielfachen Oscar Preisträger Alan Menken. Womit der Film zum Abschluss doch wieder bei Disney angekommen ist, denn Menken schrieb auch die Musik und Lieder zu Zeichentrick-Klassikern wie Arielle oder Die Schöne und das Biest.

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Batman: Die Pforten von Gotham

Auf drei Brücken in Gotham City wird gleichzeitig ein Bombenanschlag verübt. Zunächst können Batman (Dick Grayson) und seine Helfer Red Robin (Tim Wayne), Blackbat (Cassandra Cain) und Robin (Damian Wayne) zwischen den Brücken keinen Zusammenhang herstellen. Aber als sie herausfinden, wie die Brücken früher hießen und wer ihre Erbauer waren, sehen sie klarer.

Batman: Die Pforten von Gotham

Die Brücken wurden vor ca. 130 Jahren von drei Männern in Auftrag gegeben und leiteten den wirtschaftlichen Aufschwung von Gotham City ein: Die drei Männer waren der Industrielle Alan Wayne, der Bürgermeister Theodore Cobblepot und der Zeitungsverleger Edward Elliot. Bekannte Namen also, deren Nachkommen auch heute noch das Batman-Universum maßgeblich beeinflussen!

Batman: Die Pforten von Gotham

In vielen Rückblicken schildern die Autoren spannend die geschäftlichen Verbindungen der drei gleichen Partner und den Aufstieg und Wandel von Gotham City zur Weltmetropole. Maßgeblich an den Prachtbauten und Wolkenkratzern waren auch die beiden begnadeten Architekten, die die kühnen Pläne der Geldgeber in Stahl realisierten. Der Wortsinn der Namen der beiden Architekten-Brüder geht bei der Eindeutschung des Titels verloren: Sie heißen Bradley Gate und Nicholas Gate – sie sind die Gates von Gotham.

Batman: Die Pforten von Gotham

Ihr Schicksal ist leider weniger erfreulich und ihr dunkles Geheimnis ist Ursache für die bedrohlichen Verwerfungen von Gotham City. Wer sich wundert, dass hier Dick Grayson im Batman-Kostüm steckt: Die Story spielt kurz nach FINAL CRISIS, also zu einem Zeitpunkt, wo Bruce scheinbar starb und im Zeitstrudel verloren ging. Den Autoren – allen voran Scott Snyder – gelingt eine packende Szenerie, die in sich schlüssig ist.

Batman: Die Pforten von Gotham

Zuvor hatte Snyder mit Batman erste Erfahrungen in DETECTIVE COMICS #871 bis #881 (Januar bis Oktober 2011; Der schwarze Spiegel) gesammelt. Hier wusste er zu überzeugen. Es folgt dann eben diese Miniserie und danach prägte er für lange Zeit das Erscheinungsbild des Mitternachtsdetektiven in der monatlichen Batman-Serie, beginnend mit einer neuen Nummer #1 in DC-Rebirth.

Batman: Die Pforten von Gotham

Die Zeichnungen der Rückblicke sind im Steam-Punk-Stil gestaltet und verleihen der Story die perfekte Atmosphäre. Generell sind die Zeichnungen klar und scharf – die Farbgebung überaus gelungen.

Norbert Elbers

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Micky Maltese: Eine Mäuseballade

Der 1947 in Venedig geborene Italiener Giorgio Cavazzano war bereits als 12-Jähriger professionell in der Comic-Branche tätig! Er tusche zunächst die Zeichnungen seines auch für Disney tätigen Cousins Luciano Capitanio und wurde dann Mitarbeiter von Romano Scarpa (Der fliegende Schotte), dem wohl einflussreichsten italienischen Disney-Zeichner.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Bereits mit 19 Jahren realisierte Cavazzano eigene Comic-Geschichten für Disney Italien. Er arbeitet meistens mit Textern zusammen, wie etwa bei der viel beachteten Fantasy-Serie Drachenritter mit Egmonts Disney-Chefredakteur Byron Erickson. Doch Cavazzano kann nicht nur Disney, wie seine Geschichte Spider-Man in Venedig belegt, und ist auch ein talentierter Autor, wie seine bei uns in der Lustiges Taschenbuch Jubiläumsedition Nr. 3 und im Band Entenhausener Filmklassiker veröffentlichte Parodie des Kultfilms Casablanca beweist.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Ein weiterer Höhepunkt im Werk von Cavazzano ist eine von Bruno Enna geschriebene Geschichte. Der Titel Micky Maltese: Eine Mäuseballade lässt zwar vermuten, dass es sich hierbei um eine Parodie von Hugo Pratts ersten Comic-Abenteuer mit Corto Maltese handelt. Doch für Autor und Zeichner ist der 1967 erschienene Comic Die Südseeballade ein alles überragender Meilenstein.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Daher ist Eine Mäuseballade weniger eine Parodie, sondern – genau wie viele der italienischen Disney-Comics – eine liebevolle Hommage. Es wird sich nicht über die Vorlage lustig gemacht, sondern – ähnlich wie in frühen Disney-Kurzfilmen – ist die Freude daran zu spüren, Micky und seine Freunde in die Helden- oder Schurken-Rollen von Klassikern aus Literatur oder Kino schlüpfen zu lassen.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

So ist es bei Cavazzano und Enna nicht der aufbrausende Donald, der für die Corto-Maltese-Rolle gecastet wurde, sondern der gelegentlich auch melancholische Micky. Diesem wird fast die Show gestohlen, durch einem sehr charismatisch die Schurkenrolle des Katputin (Rasputin bei Pratt) spielenden Kater Karlo. Natürlich gibt es im Comic auch dankbare Rollen für Minnie (“Minniedora Gruyère-Moore, Tochter eines bekannten Reeders aus Cape Maus“) und Goofy als Südsee-Insulaner.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Obwohl die Geschichte ganz offensichtlich für die Veröffentlichung im (Lustigen) Taschenbuch-Format vorgesehen ist, hat die Egmont Comic Collection eine luxuriöse Edition spendiert. Das hat mit 50 Euro seinen Preis, ist aber durchaus angemessen. Die klaren Bilder von Cavazzano und das kongeniale Inking von Alessandro Zemolin kommen im Großformat besser zu Wirkung. Als Ergänzung gibt es noch aussagekräftige Texte von Enna, Cavazzano. Zemolin und dem Journalisten Vicenzo Mollica.  Als krönenden Abschluss enthält das Buch noch den Abdruck sämtlicher Bleistiftzeichnungen von Cavazzano, die dieser ganz lässig – und ohne jemals ein Radiergummi zu benutzen! – zu Papier gebracht hat.

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Rocketeer

Nachdem Liebling, ich hab die Kinder geschrumpft gutes Geld einspielte und auch fortgesetzt wurde, heuerte die Disney-Tochter Touchstone ein zweites Mal den ehemaligen Trickspezialisten Joe Johnston (Captain America – The First Avenger) als Regisseur an und konnte sich auch diesmal auf ihn verlassen. Das Drehbuch nimmt zwar reichlich Änderungen an Dave Stevens‘ Rocketeer-Comic vor, schafft es aber dennoch sehr gut den nostalgischen Reiz der bewusst naiven Geschichte in den Film hinüber zu retten.

Rocketeer

Die wesentlichste Änderung liegt wohl in der Gestaltung der weiblichen Hauptfigur. Im Comic träumt Betty, die optisch an Bettie Page angelehnte Freundin von Rocketeer Cliff Secord, davon Filmstar zu werden und lässt, hierzu andauernd Nacktfotos von sich machen. Im Film heißt sie Jenny, wird von Jennifer Connelly (Es war einmal in Amerika, Die Reise ins Labyrinth) gespielt, ist viel naiver und arbeitet tatsächlich in einem Filmstudio.

Rocketeer

Diese Änderung liegt sicher nicht nur daran, dass der Film ja quasi eine Disney-Produktion ist (Touchstone hatte hingegen keine Bedenken in Pretty Woman zu zeigen, wie prima das Leben einer Hure ist), sondern durch das Filmmilieu kann der interessanteste Charakter des Films eingeführt werden. Der etwas glücklose 007-Darsteller Timothy Dalton (Der Hauch des Todes) spielt den für die Nazis spionierenden und an Errol Flynn erinnernde Filmstar Neville Sinclair als überzeugende Mischung aus Herzensbrecher und Schurke.

Rocketeer
Während in Dave Stevens Comic der Raketenrucksack des Rocketeers von Doc Savage, einem Pulp-Helden der dreißiger Jahre, entwickelt und die Erfindung nur fälschlicherweise Howard Hughes zugeschrieben wurde, ist im Film der öffentlichkeitsscheue Flugfetischist und besessene Filmproduzent Hughes tatsächlich der Erfinder des Einmann-Flugkörpers.

Rocketeer

Ansonsten nutzt das Drehbuch alle markanten Action-Momente des Comics und bringt durch das Hollywood der 30er Jahre noch zusätzliche Reize mit ein. Bill Campbell ist überzeugend als naiver und gradliniger Held, Alan Arkin spielt den kauzigen Mechaniker Peevy und auch die Nebenrollen (u. a. Paul Sorvino und Ed Lauter) sind in guten Händen. Ein sehr schöner Film, der zwar an Indiana Jones erinnert, aber durch Konzentration auf Personen und Geschichte und durch Verzicht auf permanente Reizüberflutung durchaus eigene Wege geht.

Rocketeer

2014 erschien die schon lange erwartete Blu-ray. Leider ist die deutsche Tonspur genau wie schon auf der DVD nur in Dolby Digital 2.0 enthalten, während die Originalfassung in DTS-HD 5.1 zu hören ist. Als einziges Extras ist ein englischsprachiger Trailer enthalten. Doch die Bildqualität ist gut, die Metallbox und auch das gezeichnete Rocketeer-Motiv auf der Innenseite der Blu-ray-Edition sind sehr hübsch geraten und der FSK-Flatschen lässt sich leicht entfernen.

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Dave Stevens: Rocketeer

Das war schon lange überfällig! Nach der stimmungsvollen Disney-Verfilmung von 1991 und der noch länger zurückliegenden deutschen Veröffentlichung des ersten Rocketeer-Comics beim Hethke Verlag erscheint endlich eine Gesamtausgabe von Dave Stevens liebevoller Hommage an Hollywoods Film-Serials der 30er und 40er Jahre.

Dave Stevens: Rocketeer

Wer sich einmal eine Episode der Filmfortsetzungsreihe King of the Rocket Men angesehen hat, wird dies Erlebnis sein Leben lang nicht vergessen. Das billig produzierte 12-teilige Serial um einen Helden im Flugkörper-Anzug strotzt nur so vor naiven Charme.

Dave Stevens: Rocketeer

1982 schuf der begnadete und 2008 viel zu früh verstorbene Zeichner Dave Stevens seinen ganz eigenen König der Raketenmänner. In einer Comic-Fortsetzungsserie erzählte vom ebenso tollkühnen wie naiven Bruchpiloten Cliff Secord, der zufällig in den Besitz eines Raketenrucksacks gerät. Sein Kumpel der Mechaniker Peevy schmiedet dazu noch schnell einen stylischen Helm mit integrierter Heckfloße und ab geht es in die Luft und ins Abenteuer.

Dave Stevens: Rocketeer

The Rocketeer entstand nicht als Auftragsarbeit sondern in der Freizeit des vielbeschäftigten Storyboard-Künstlers, der auch an Jäger des verlorenen Schatzes und Michael Jacksons Video Thriller mitwirkte. Jedem Panel von The Rocketeer ist anzumerken, dass Stevens die Ästhetik der 30er Jahre liebt. Zusätzlichen Reiz bekommt der Comic noch dadurch, dass er nicht nur viel Spaß an der Darstellung von nostalgischen Autos und Fluggeräten hatte, sondern auch am Zeichnen von Pin-Up-Girls (Cliff Secords Freundin sieht aus wie das Sexsymbol Betty Page).

Dave Stevens: Rocketeer

Unter dem Motto Der Rocketeer hebt ab erscheint bei Cross Cult eine mit informativen und wunderschönen Bonusmaterial garnierte exzellent neu kolorierte Gesamtausgabe, die auch die direkte Fortsetzungsgeschichte Cliffs Abenteuer in New York enthält, die hier erstmals auf Deutsch erscheint. Dieser Klappentext ist ausnahmsweise nicht übertrieben: “Das Flair der 30er Jahre, eingefangen in der Fabulierlust der 80er Jahre und optisch aufbereitet für das neue Jahrtausend“.

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