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Lesenswerte Bücher

Der Tod ist nur der Anfang – Ein James-Bond-Roman

Dass 007 eigentlich genug hat vom britischen Geheimdienst hat, bemerkte auch sein Chef M und schickte ihn daher zum Ausspannen und Nachdenken nach Kontinentaleuropa. Doch so ganz ohne Frauen, Action und Alkohol hält es James Bond dann doch nicht aus und ist froh als er auf einen gewissen Dr. Julius Gorner angesetzt wird. Dieser hat eine riesige Hand, einen ebensolchen Hass auf das britische Empire und natürlich einige Ideen bezüglich der Übernahme der Weltherrschaft.

Der Tod ist nur der Anfang - Ein James-Bond-Roman

Nach dem Tode von Ian Fleming beauftragten dessen Erben etliche Autoren (am häufigsten John Gardner) damit im Laufe der Jahre mehr als 30 weitere 007-Romane zu verfassen. Doch Sebastian Faulks (dessen Buch “Die Liebe der Charlotte Gray“ mit Cate Blanchett verfilmt wurde) ist der Erste der die Lizenz zum “als Ian Fleming“-Schreiben erhielt. Daher ist sein Buch – anders als der Kinofilm “Casino Royale“, der zwar von 007s Lehrjahren erzählt aber im hier und heute spielt , als direkte Fortsetzung der Flemingschen Romanreihe angelegt und konsequenterweise inmitten des noch sehr Kalten Krieges der Sechziger Jahre angesiedelt.

Der Tod ist nur der Anfang - Ein James-Bond-Roman

Bevor Faulks “Der Tod ist nur der Anfang“ in nur sechs Wochen niederschrieb, hat er noch einmal sämtliche James-Bond-Romane durchgelesen. Sein Gegenspieler Julius Gorner ist – auch durch seine raffinierten Tricks mit denen er beim Tennis mogelt – ein überlebensgroßer Schurke im Stile von Auric Goldfinger, während die undurchsichtige Scarlett sehr viel mehr als ein weiteres Bond-Girl ist. Faulks rührte und schüttelte eine bekömmliche Mixtur zusammen, die dem literarischen handfesten Bond sehr viel näher steht als dem oft zu technikgläubigen Kino-007.

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Herbert Feuerstein: Die neun Leben des Herrn F.

Im TV konnte ich Herbert Feuerstein meist nur schwerlich ertragen. Zu zappelig und albern erschien er mir und auch Harald Schmidt fand ich erst erträglich, nachdem dieser ohne Feuerstein auftrat. Doch schon lange war mir bewusst, dass ich Feuerstein einige der schönsten Momente meiner Jugend verdankte. Er hatte das legendäre Satiremagazin MAD kongenial eingedeutscht. Wenn ich Anfang der Siebziger Jahre als erster frühmorgens noch vor der Schule die neue MAD-Ausgabe kaufen konnte, war ich der King im Klassenraum und wir lachten über die von Feuerstein übersetzten oder auch komplett konzipierten Beiträge mindestens so laut wie über die Gags auf einer neuen LP von Otto Waalkes.

Herbert Feuerstein: Die neun Leben des Herrn F.

In “Die neun Leben des Herrn F.“ erzählt Herbert Feuerstein genauso ausführlich über seine Zeit beim deutschen MAD, wie über seine Zusammenarbeit mit dem ihm menschlich fast völlig fremd gebliebenen Harald Schmidt. Nachdem Feuerstein beim pleite gegangenen Verlag Bärmeier & Nikel – hier hatte er u. a. Gedichte von Yoko Ono übersetzt und eine Tarzan-Ausgabe betreut – keine Zukunft mehr hatte, erhielt er 1971 einen Anruf, der sein Leben “komplett verändern“ sollte. Der Aachener Bildschriftenverlag suchte einen Übersetzter für das Feuerstein bestens bekannte Satire-Magazin MAD. Feuerstein war sofort begeistert und übernahm, zunächst noch gemeinsam mit Lutz Reinecke, der später den Verlag “Zweitausendeins“ gründen sollte, ab Ausgabe 32 die Übersetzung und komplette Konzeption der deutschen Ausgabe von MAD.

Feuerstein Mad
© schuerbeln.de

Auch als mit Klaus Recht ein neuer Geschäftsführer das MAD-Ruder übernahm, konnte sich Feuerstein behaupten und handelte für sich sogar eine Gewinnbeteiligung heraus. Diese kam sehr gut zum Tragen, als in den 8oer Jahren die Auflage auf 300.000 Exemplare gesteigert werden konnte. Herbert Feuerstein schildert diese wilden Zeiten, zu denen auch ein Besuch in der New Yorker MAD-Redaktion bei Chefredakteur Al Feldstein und Herausgeber Bill Gaines sowie ein Gegenbesuch der US-MAD-Bande in Deutschland gehört, sehr amüsant. Auch seine übrigen Erlebnisse als Musik-Student in Salzburg, als Reporter im New York der 60er Jahre und als sehr erfolgreicher aber immer von Selbstzweifeln geplagter “Laie“ in der deutschen TV-Landschaft setzen sich zu einer höchst interessanten, oft sehr komischen und niemals eitlen Lebensbeichte zusammen.

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Das Charlie Chaplin Archiv

Bei Taschen erschien im selben 42 x 30 cm Großformat bereits “The Stanley Kubrick Archives“. In jenem Buch wurde versucht herauszufinden, wie Kubrick seine Filme realisierte. Ähnlich wie Kubrick glaubte auch Charlie Chaplin (im Gegensatz etwa zum sich bei den Dreharbeiten langweilenden Alfred Hitchcock), dass sich beim Filmemachen nicht alles planen lässt. Kubrick und Chaplin ließen ihre Crews und Darsteller oft sehr lange warten oder immer wieder die selben Szenen durchspielen. Auch dadurch entstanden unvergessliche Kino-Momente.

Charlie Chaplin Archiv

Doch Chaplin war (genau wie Kubrick) ein akribischer Planer. Paul Duncan, der für Taschen bereits das “James Bond Archiv“ zusammenstellte, versucht herauszufinden, wie Chaplin seine Filme realisierte. In den Büchern des Komikers finden sich dazu wenig Hinweise. Duncan hatte Zugang zu Chaplin-Archiv, das dessen Halbbrüder Sydney Chaplin und Wheeler Dryden zusammentrugen, nachdem der Komiker 1952 in die Schweiz zog, weil er in den USA unerwünscht war.

Charlie Chaplin Archiv

Das Buch enthält ausführliche Statements und umfangreiches oft großformatiges Bildmaterial aus allen Schaffensperioden von Chaplin. Berücksichtigt und kommentiert werden alle Kurzfilme, die er für Keystone, Essanay, Mutual und First National drehte. Natürlich wird sich auch mit den sorgfältig geplanten Spielfilmen, wie dem Drama “A Woman in Paris“ (1923), “Goldrausch“ (1925), “Circus“ (1928), “Lichter der Großstadt“ (1931), “Moderne Zeiten“ (1936) und besonders ausführlich mit “Der große Diktator“ (1940), beschäftigt.

Charlie Chaplin Archiv

Duncan widmet sich aber auch dem ansonsten eher ignorierten Spätwerk Chaplins. Zu “Die Gräfin von Hongkong“ (1967) gibt es nicht nur großformatige Abbildungen von den Dreharbeiten, sondern auch interessante Statements der Hauptdarsteller Marlon Brando und Sophia Loren. Nachdem Brando zunächst Chaplin vergötterte, führte er sich am Set sehr flegelhaft auf. Doch Chaplin wusste damit umzugehen, denn: “Das filigranste Instrument der Welt ist der Schauspieler. Man kann ihn mit wenigen Worten zerstören. Ich muss allerdings sagen, sie erholen sich recht schnell.“

Charlie Chaplin Archiv

Das letzte Kapitel des Buchs handelt von Chaplins nicht mehr realisierten Projekten. Darunter befindet sich eine Komödie in der Chaplin – auch hierin ähnelt er Stanley Kubrick – Napolleon Bonaparte verkörpern wollte. Recht weit gediehen waren Ende der Sechziger Jahre bereits die Vorbereitungen zum Film “Freak“, der von einer jungen Frau mit Engelsflügeln handeln sollte. Hierzu existieren bereits detaillierte Storyboard-Zeichnungen, die gemeinsam mit einem Foto zum Abdruck kommen, das Chaplins Tochter Victoria mit Engelsflügeln zeigt.

Charlie Chaplin Archiv

Das Buch erscheint in englischer Sprache, es liegt jedoch ein Heft im deutscher Übersetzung bei und den ersten 10.000 durchnummerierten Exemplaren sogar ein Filmstreifen mit 12 Einzelbildern aus “Lichtern der Großstadt“, der aus dem “Charlie Chaplin Archiv stammt! Auch wer sich bereits vor der Lektüre dieses Buches intensiv mit Charlie Chaplin beschäftigt hat, dürfte überwältigt sein von der Fülle an Bildmaterial und Fakten, die hier geboten werden.

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The James Bond Archiv

Zum 50. Jubiläum der James-Bond-Filmserie ist allerlei erschienen. Erstmals liegt unter dem “Best Of Bond… James Bond“ eine CD mit allen Titelsongs aus den offiziellen Filmen vor. Cross Cult verlegt eine vorbildlich editierte Reihe von Ian Flemings 007-Romanen, Sir Roger Moore schreibt als “Bond über Bond“ und Dorling Kindersley feiert großformatig “50 Jahre James Bond Filmplakate“. Den Vogel schießt jedoch (erwartungsgemäß) der Taschen Verlag ab, denn das 600-seitige Buch “The James Bond Archiv“ lässt keine Wünsche offen.

Unbenannt5Das 600-seitige Buch ist in englischer Sprache verfasst, es liegt aber ein 128-seitiges Büchlein mit den deutschen Übersetzungen der Texte bei. Beginnend mit markanten Momenten aus den jeweiligen Vorspann-Sequenzen wird die Entstehungsgeschichte jedes Bond-Filmes ausführlich dokumentiert.

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Tatsächlich wird hier wirklich jeder Kinofilm (daher nicht die frühe TV-Version von “Casino Royale“) berücksichtigt, auch das Connery-Comeback “Sag niemals nie“, die Klamauk-Version von “Casino Royale“ aus dem Jahre 1967 sowie der brandaktuelle 007-Film “Skyfall“.

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Zu jedem Film wurden interessante Statements der an den Produktionen Beteiligten zusammengetragen, wobei Kommentare von Sean Connery Mangelware sind. Noch beeindruckender ist jedoch die phantastische Bebilderung, die nicht nur aus Film-Standfotos besteht, sondern oftmals interessante Impressionen von den Dreharbeiten vermittelt.

The James Bond Archiv

Faszinierend ist auch der komplett reproduzierte Drehplan von “Liebesgrüße aus Moskau“. Abgerundet wird das Buch durch ein Playboy-Interview mit Ian Fleming von 1964 und der ersten Auflage liegt noch ein Filmstreifen aus “James Bond jagt Dr. No“ bei. Wem das noch nicht genug ist, der kann auch noch für 750 Euro (!) eine ledergebundene güldene Golden Edition des Buches im Riesenformat 42 x 80 cm (!!) erwerben, das vom Bond-Kulissenplaner Sir Ken Adam und von 007 höchstpersönlich Daniel Craig (!!!) signiert wurde!

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Die besten TV-Serien

Beim Betrachten dieses Buchs stellt sich die Frage, wie lange der Begriff „TV-Serie“ noch zutreffend ist. Fans von Serien lassen sich schon lange nicht mehr von TV-Sendern diktieren, wann sie sich Die Simpsons oder Game of Thrones ansehen sollen. Nur Amateure ärgern sich über Werbespots oder die noch ätzenderen Einblendungen mit Programmhinweisen.

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© Taschen

TV-Serien sind auch Jahrzehnte nach ihrer Erstausstrahlung immer noch verfügbar. Auf DVD, Blu-ray oder im Internet können die Episoden in der korrekten Reihenfolge, wahlweise in der Originalfassung und vor allem losgelöst von den chaotischen Programmplanungen der Sender jederzeit geguckt werden. Das sich durch DVD-Boxen oder Downloads von Serien gutes Geld verdienen lässt, hat zweifelsohne mit der gestiegenen Qualität zu tun. Während Fernsehen früher sehr viel billiger als Kino aussah, funktionieren die einzelnen Folgen von Desperate Housewives, 24 oder The Walking Dead auch bestens daheim auf den Riesenbildschirmen.

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© Taschen

Jürgen Müller, der für Taschen bereits die Dekaden-Filmbuchreihe zusammenstellte, verfolgt bei Die besten TV-Serien ein ähnliches Konzept. In seinem Vorwort weist er auf einen herausragenden Moment der jüngeren TV-Geschichte hin. In den seltsam surreal anmutenden Eingangssequenzen in der zweiten Staffel von Breaking Bad war immer wieder ein ramponierter rosa Plüschbär zu sehen. Des Rätsels Lösung liefert erst die letzte Folge von Season 2. Derart komplexe und rätselhafte Strukturen wären undenkbar gewesen, zu Zeiten als es den TV-Zuschauern jederzeit möglich sein sollte in eine Serie einzusteigen und als Fernsehen wenig mehr als lieblos bebildertes Radio war.

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BREAKING BAD © Sony Pictures Television / AMC

Für Jürgen Müller begann die Revolution 1989 mit dem Start der respektlosen Trickfilm-Serie Die Simpsons und ein Jahr später mit David Lynchs wunderbar versponnener Mystery-Reihe Twin Peaks. Gemeinsam mit 29 weiteren Autoren hat Müller insgesamt 68 Serien der letzten 25 Jahre ausgewählt. Diese werden auf den knapp 750 Seiten des Breitwand-Buches durch – wie bei Taschen immer üblich – hervorragende oft großformatige Fotos vorgestellt.

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© Taschen

Die Texte sind weniger an Faktenhuberei oder Klatsch und Tratsch interessiert, sondern liefern interessante Analysen der einzelnen Serien-Konzepte. Bezüglich der Auswahl lässt sich natürlich streiten. Abgesehen von The Office und Downton Abbey wird das britische TV nicht weiter berücksichtigt. Dänemark ist immerhin mit Lars von Triers Hospital der Geister und Borgen vertreten, im Falle von Die Brücke wurde das US-Remake bevorzugt und für besser befunden. Darüber lässt sich streiten und das soll es auch. Auf alle Fälle bietet das Buch reichlich Hinweise darauf, welche Serien vielleicht doch noch im Heimkino, am PC oder am Smartphone angetestet werden sollten.

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Sex to Sexty

Cartoons auf denen ein Cowboy seiner Frau ein Brandzeichen verpasst oder ein Dorftrottel von einem vollbusigen Weib träumt, die ebenso viel Zitzen wie seine Lieblingskuh hat, wären heute wahrscheinlich selbst für die Praline oder die St. Pauli Nachrichten zu frauenfeindlich. Doch in den Sechziger Jahren zierten derartige Obszönitäten die Titelseiten des Witzblattes Sex to Sexty. Die Bilder wurden immerhin recht kunstvoll in Öl gemalt von Pierre Davis, der heute unter seinem richtigen Namen Lowell Davis kitschige Landidyllen für eine Porzellanfirma gestaltet.

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© Taschen

Das Herrenblatt wurde zwar 1983 eingestellt, lebte jedoch in einigen 2002 entstandenen Kunstwerken von Mike Kelley weiter. Dieser hatte auf seinem riesigen Bild Missing Time Color Exercise die Titelbilder einiger Sex to Sexty-Ausgaben chronologische nebeneinander aufgeklebt und dazwischen anstelle der ihm fehlenden Ausgaben monochrome Farbflächen platziert, was der Sache einen Hauch von Mondrian verleiht. Dies wiederum brachte Benedikt Taschen auf den Plan, der sich – auch als Verleger – sowohl für Kunst wie für Sex interessiert.

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© Pierre Davis

Für die Recherche zu diesem prachtvollen Bildband reiste die Autorin Dian Hanson nach Airlington, Texas und was sie dort über die Geschichte von Sex to Sexty herausfand, ist sehr viel lustiger als die darin enthaltenen zottigen Cartoons. John Newton, der Herausgeber des Heftes, betrieb eine erfolgreiche Firma, die Werbesprüche auf Aschenbecher, Kugelschreiber, Kaffeebecher und dergleichen druckte. Er interessiert sich jedoch auch für schlüpfrige Cartoons und kaufte für 10.000 Dollar eine Privatsammlung von gezeichneten Witzen, die jemand in Aktenschränken thematisch nach Begriffen wie “einsame Insel“ oder “betrogene Ehefrau“ geordnet hatte.

Sex to Sexty

Newton ließ einige dieser Cartoons von seinen Werbegraphikern noch einmal neu zeichnen und druckte auf eigene Kosten die erste Ausgabe von Sex to Sexty. Danach schickte er an angeblich jeden Zeitungshändler der USA eine Kiste mit 50 Exemplaren und dem Text “Ich bitte Sie diese Hefte zum Verkauf anzubieten, und wenn Sie verkauft haben, meine Rechnung zu bezahlen. Wenn nicht betrachten Sie sie als Geschenk.“ Dies Konzept funktionierte. Von dem zunächst mit psychedelischen Covern und dann mit den Gemälden von Pierre Davis garnierten Heft wurden monatlich 250.000 Exemplare verkauft, bevor schließlich Magazine mit eindeutigen Hochglanzfotos beliebter wurden als die zweideutigen gezeichneten Witze in Sex to Sexty.

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© Mike Kelley / christies.com

Das Buch des Taschen Verlags enthält neben thematisch gegliederten Cartoons auch hervorragend reproduzierte Abbildungen einiger nicht verwendeter Bilder von Davis und als Gimmick noch einen Schutzumschlag, der zugleich auch noch ein Poster ist auf dem – im Gegensatz zu den Werken von Mike Kelley – sämtliche Cover von Sex to Sexty abgebildet sind.

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Die Kunst des Comic-Sammelns

Das sehr schlichte Cover, auf dem wenig mehr als eine Unterschrift des legendären Enten-Zeichners und Onkel-Dagobert-Erfinders Carl Barks zu sehen ist, stimmt nicht wirklich auf die Pracht ein, die dann zwischen den beiden Buchdeckeln enthalten ist.

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Beim ersten Blättern sind es die großformatigen aber auch großartigen Fotos von Sandra Mann, die sofort zu gefallen wissen. Zu sehen sind Porträts von Menschen, die jedem der schon einmal eine größere Comicveranstaltung besucht hat, bekannt vorkommen dürften. Umgeben sind diese Sammler von ihren Schätzen, also von Comics, von Originalzeichnungen, von Figuren und sonstigen Merchandise-Objekten. Sandra Mann fängt diese Menschen und ihre Beuteobjekte aus interessanten Perspektiven ein. Dabei arbeitet sie mit Unschärfen und Detailvergrößerungen. Sie schreckt aber auch vor schrillen Farbkontrasten nicht zurück.

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Heinz Fürst von Sayn-Wittgenstein und Gattin fotografiert von Sandra Mann

Doch auch die Texte von Alex Jakubowski sprechen für diesen Prachtband. Der Autor und Comic-Freund hat 15 verschiedene Menschen ausgewählt, die sich auf unterschiedliche Art überdurchschnittlich für Comics interessieren und deren Wohnungen oder Lagerräume regelrechte Museen sind. Herausragend ist dabei sicherlich Heinz Fürst von Sayn-Wittgenstein, der in einem Palast auf Mallorca residiert und dort seine Vorliebe für Gold, Onkel Dagobert und Original-Kunstwerken von Carl Barks ausleben kann. Der Adlige plant für seine etwas kitschig präsentierte Sammlung sogar ein öffentliches Museum irgendwo auf dem Kontinent, natürlich in Form eines Geldspeichers.

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Günther Polland fotografiert von Sandra Mann

Bemerkenswert sind aber auch Michael Gref und Günther Polland. Es gibt nur wenige namhafte Comickünstler von denen diese beiden Sammler nicht mindestens eine Originalzeichnung besitzen.

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Heiner Jahnke fotografiert von Sandra Mann

Nicht fehlen, darf in diesem Buch natürlich Deutschlands Comicsammler Nummer Eins. Der hünenhafte Zottel Heiner Jahnke hortet seit fast 50 Jahren nicht nur Comics, sondern auch Sammelalben, Filmprogramme oder Adventskalender. Er stand zwar für ein umfangreiches Interview, aber – im Gegensatz zu den anderen in diesem Buch präsentierten Sammlern – nicht für eine Fotosession inmitten seiner Schätze, zur Verfügung. Da Jahnke Unmengen von Sammelobjekte zusammengetragen hat, war in seiner Wohnung kein Platz mehr um Jakubowski und Mann zu empfangen…

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Der Böse steht noch einmal auf…

Die Tatsache, dass Filme noch längst nicht zu Ende sind, wenn der Schurke oder das Monster mit kiloweise Blei oder Silberkugeln vollgepumpt wurden, ist allgemein bekannt und gab dem Buch “Der Böse steht noch einmal auf“ seinen Titel. Doch Christian Georg Salis hat noch zahlreiche weitere Klischees aus Hollywood-Filmen zusammengetragen, die oft sehr viel weniger offensichtlich sind.

Der Böse steht noch einmal auf.... und andere Klischees in Hollywood-Filmen
So ist ihm aufgefallen, dass es in Kinofilmen gar keine Einweg-Feuerzeuge gibt, weil man “Feuerzeuge immer mit einer lässigen Geste auf- und zuklappen muss“. Ferner wird es nie wirklich dunkel sondern nur bläulich, in billigen Hotels ist der blinkende Neonschriftzug aus allen Fenstern zu sehen und aus jeder Einkaufstüte aus Papier ragt oben ein Baguette heraus (bei einer zweiten Tüte ist zusätzlich noch Grünzeug zu sehen).

Der Böse steht noch einmal auf...

Alle diese Beobachtungen hat Salis fein säuberlich in Kapiteln wie “Gut und Böse“ (“Schurken hören genüsslich klassische Musik“) oder “Natur und Weltraum“ (“Hinter jedem Wasserfall befindet sich eine Höhle“) zusammengetragen und mit Beweisfotos aus diversen Hollywoodproduktionen garniert. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht und daher bietet diese mittlerweile in der dritten Auflage vorliegende Klischeeklopädie auch noch Raum zum niederschreiben von weiteren Klischees wie z. B.: “Der Zuschauer will es gar nicht anders.“

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Charles Bukowski

Mit “Das weingetränkte Notizbuch“ und “Held außer Betrieb“ legt der Fischer Verlag unter in seiner Klassik-Reihe gleich zwei Hardcover- Bände über den Meister der Schmuddelpoesie vor: Charles Bukowski.

Charles Bukowski Das weingetränkte Notizbuch

Beide Bände beinhalten Stories und Essays aus den Jahren 1944- 1992 (also so gut wie dem gesamten Schaffenszeitraum Bukowskis). Es sind Texte, die lange als verschollen galten und bisher noch nie in Buchform erschienen sind. Auftragsarbeiten, die den Autor über Wasser hielten und in Männermagazinen, Underground- oder Literaturzeitschriften veröffentlicht wurden. Was sich in dieser Sammlung für den echten Fan sehr deutlich abzeichnet, ist ebenso die schriftstellerische Entwicklung eines der einflussreichsten amerikanischen Autoren der Neuzeit, genauso wie dessen Vielseitigkeit. Bukowski hatte alles drauf: Autobiografisches, Lyrisches, Poesie, Spannungs-, Horror-, ja sogar Science Fiction- Literatur oder Groteske (erwähnt seien hier nur die Geschichten “Jesus mit Grillsoßse“ und “Der Eindringling“ aus Held außer Betrieb und “Wie es geschah“ aus Das weingetänkte Notizbuch).
“Jesus mit Grillsoße“ beispielswiese ist eine wegweisende Splattergeschichte, die in nur acht Buchseiten fast alles zum Thema Hippies und Horror sagt und dem legendären “Kettensägen-Massaker“- FIlm von 1974 um ganze vier Jahre zuvorkam.

Charles Bukowski Held ausser Betrieb

Natürlich sind da noch seine Schmuddelgeschichten, für die der Autor ja hinlänglich bekannt ist und die meist selbsterlebt sind.
Dabei geht es um Saufen, Sex und Wetten auf der Pferderennbahn. Manchmal jedoch mündet eine jener Schmuddelgeschichten in eines der oben genannten Gernres- oder andersrum: Eine Genregeschichte endet unvorhersehbar als Schmuddelgeschichte.
Bei Bukowski muss man eben auf alles gefasst sein!

Fazit: Beide Bücher zusammengenommen ergeben ein aufregendes Mosaik aus Fundstücken über einen Mann, der seiner Zeit voraus war. Nicht nur im Schreiben und Tabubrechen, sondern auch im Genregrenzen ausloten. Einzig ein Wunsch bleibt offen: Dass der geniale Comic-Zeichner Robert Crumb außer den Umschlagillustrationen noch ein paar weitere zum Inhalt hinzugefügt hätte. Gepasst hätte es wie die Faust aufs Auge!

Matthias Schäfer

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Paul Gauguin

Gemeinsam mit Paul Cezánne und Vincent van Gogh gilt Paul Gauguin als Vaterfigur der modernen Kunst. Zu den wichtigsten Events dieses Jahres zählt die große Gauguin Ausstellung in der Fondation Beyeler in Basel.

Paul Gauguin

Die Realisierung einer derart anspruchsvollen Ausstellung war nur möglich durch die Unterstützung von Privatsammlern und den renommiertesten Kunstmuseen, die ihre wichtigsten Gauguin Werke hierfür zur Verfügung gestellt haben. Es ist fraglich ob in der Zukunft noch einmal eine Ausstellung in dieser Fülle und Qualität möglich sein wird, da die Museen sich, auch zeitlich begrenzt, nicht gerne von ihren wichtigen Werken trennen wollen und können. Zu sehen ist in Basel auch, vielleicht zum letzten Mal, das kürzlich an einen Scheich für 300 Millionen US-Dollar versteigerte Gauguin Gemälde “Nafea faa ipoipo – Wann heiratest du“.

Paul Gauguin

Zu dieser Gauguin-Ausstellung ist beim Verlag Hatje Cantz ein Katalog erschienen. Ein Katalog, nein es ist schon etwas mehr. Es ist ein Standartwerk, versehen mit ausgezeichneten Artikeln und einer sehr umfangreichen, bebilderten Biografie. Die ausgestellten Werke sind nach den Lebensstationen des Künstlers geordnet: Bretagne – Tahiti – Paris und Tahiti – sowie sein Spätwerk von dem Marquesainseln. Es ist ein reines Vergnügen sich an diesen großformatigen Abbildungen zu erfreuen.

Jason Schramm

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