Archiv der Kategorie: COMIC

Die neusten Comicalben auf dem Markt!

80 Jahre Marvel

Das Jubiläum “80 Jahre Marvel Comics“ feiert Panini mit einer ganz besonderen Buchreihe. Monatlich erscheinen Hardcover-Bände, die sich jeweils auf über 200 Seiten mit den Schwerpunkten beschäftigen, die die einzelnen Jahrzehnte dominieren.

80 Jahre Marvel

Zwar erschien bereits im Oktober 1939 das Heft Marvel Comics # 1, mit dem alles begann, doch der erste Panini-Band widmet sich den 40er-Jahren und das Vorwort kann auch gute Gründe dafür benennen. Die bereits ab Ausgabe zwei in Marvel Mystery Comics umbenannte Serie präsentierte mit The Human Torch alias Die Fackel und Prinz Namor zwei Charaktere, die noch heute im Marvel-Universum aktiv sind.

80 Jahre Marvel

Sie agierten jedoch zunächst jeweils in separaten Geschichten und erst im Juni 1940 in Marvel Mystery Comics # 8 geschah etwas, was fortan zur Spezialität des Verlags wurde. Der Sub-Mariner will seinen Hass auf die Menschheit ausleben und die Fackel versucht ihn bei seinem Zerstörungstrip durch New York zu bremsen.

80 Jahre Marvel

Das Aufeinandertreffen zweier zunächst in verschiedenen Serien eingeführter Charaktere wurde immer wieder gerne bei Marvel praktiziert und zelebriert. Ein zusätzlicher Aspekt ist, dass sich die Abenteuer der Helden nicht wie bei DC in fiktiven Städten wie Metropolis oder Gotham City abspielten, sondern zumeist im realistisch dargestellten New York.

80 Jahre Marvel

Captain America ist ein Marvel-Held, der ebenfalls in den frühen 40er-Jahren debütierte, doch nachdem der Zweite Weltkrieg gewonnen war und er keine Nazis bekämpfen konnte, wurde er 1949 erst einmal in den Ruhestand geschickt. 1953 kam es zu einer kurzen Wiederbelebung und Captain America tritt jetzt im Kalten Krieg gegen die “rote Gefahr“ an.

80 Jahre Marvel

Der Versuch aus der in den USA herrschenden Angst vor dem Kommunismus und der Sowjetunion erzählerisches Kapital zu schlagen dauerte nur ein Jahr. Captain America wurde “auf Eis“ gelegt und in den 60er-Jahren spektakulär wieder aufgetaut. Doch auch die ab 1953 zunächst in der Reihe Young Men veröffentlichten Kurzgeschichten haben ihren ganz speziellen Reiz, zumal sie knackig erzählt und recht ansprechend vom späteren Spider-Man-Zeichner John Romita Sr. gezeichnet wurden.

80 Jahre Marvel

Der zweite Band der Reihe „80 Jahre Marvel enthält alle diese Geschichten und als Bonus mit Captain America: Theater of War – America First noch einen thematisch passenden Comic von 2008, der sich mit der McCarthy-Ära beschäftig. Zwar heißt die Figur, die sich Zeichner und Autor Howard Chaykin als Gegenspieler für Captain America ausgedacht hat, Joseph R. McMurphy, doch es wird sofort klar, wer gemeint ist.

80 Jahre Marvel

Der dritte Band widmet sich den 60er Jahren und trägt den passenden Titel “Aufbruch in eine neue Zeit“. Naheliegend wäre es gewesen, hier zu präsentieren, wie es nach der Veröffentlichung von Fantastic Four # 1 im November 1961 Schlag auf Schlag weiterging mit Tales to Astonish # 27 (Januar 1962, erster Auftritt von Ant-Man), The Incredible Hulk # 1 (Juni 1962), Amazing Fantasy # 15 (August 1962, Spider-Man), Tales of Suspense # 39 (März 1963, Iron Man), X-Men # 1 (September 1963), The Avengers # 1 (September 1963), Daredevil # 1 (April 1964) usw.. Wer diese Comic-Hefte alle lesen möchte, dem sei der Band Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung Classic I: Marvel Origins – Die Sechzigerjahre empfohlen.

80 Jahre Marvel

“80 Jahre Marvel – Aufbruch in eine neue Zeit“ geht jedoch einen anderen Weg und präsentiert in zahlreichen Geschichten von unterschiedlicher Länge wie Spider-Man in diversen Heftreihen der 60er-Jahre seine Marvel-Kollegen besucht und Abenteuer mit ihnen erlebt. Das Resultat hätte auch den Untertitel “Net-Swinging Sixties“ tragen können und ist ein unterhaltsamer Exkurs, durch das damalige Marvel-Universum.

80 Jahre Marvel

Der vierte dem 70er Jahren gewidmete Band kommt fast ganz ohne Superhelden aus und beschäftigt sich unter dem Motto “Die Monster kommen“ mit den Horror-Comics aus dem Hause Marvel. Enthalten sind natürlich die beiden ersten Hefte der recht erfolgreichen Serien um die klassische Horror-Mythen Tomb of Dracula (70 Ausgaben) und The Monster of Dracula (18 Ausgaben).

80 Jahre Marvel

Auch von der Serie Werewolf by Night hat der eine oder andere Marvel-Freund schon einmal etwas gehört und vom Ghost Rider oder Blade sowieso. Eine gute und teilweise ähnlich zusammengestellte Übersicht zum “Marvel Horror“ bietet übrigens Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung Classic XXI.

80 Jahre Marvel

Der vierte Band der Reihe “80 Jahre Marvel“ kann jedoch auch noch punkten durch den kompletten den Abdruck der ersten (und einzigen Ausgabe) des schwarzweißen Magazins The Legion of Monsters. Hier wurde 1971 versucht das Erbe der EC-Comics anzutreten und zugleich den Warren Comics Konkurrenz zu machen. Dies schlägt sich auch in den redaktionellen Seiten nieder, die in dem Band komplett und auf Deutsch übersetzt zum Abdruck kommen. Genau wie in Famous Monsters of Filmland wurden “neue“ Horror-Filme wie Der weiße Hai oder Frankenstein Junior besprochen.

80 Jahre Marvel

Enthalten ist aber auch eine von Dick Giordano gezeichnete Adaption von Bram Stokers Dracula. Noch bemerkenswerter ist die Geschichte The Flies, die recht geschickt die Atmosphäre des  Tod Brownings Filmklassiker  Freaks von 1932 einfängt. Die Hauptfigur Chuckles hat große Ähnlich mit dem als Schlitzie the Pinhead bekannten Darsteller aus Freaks.

80 Jahre Marvel

Abgerundet werden die Bücher noch durch Skizzen und informative Vorworte. Sehr unterhaltsam wird hier vermittelt wie und was in den jeweiligen Jahrzehnten bei Marvel erzählt wurde.

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Gung Ho 4: Zorn

Gung Ho spielt in einer Welt, die nur noch sehr schwach von Menschen bevölkert wird. Auslöser war eine Katastrophe über deren genaue Ursachen uns Autor Benjamin von Eckartsberg und Zeichner Thomas von Kummant auch im vierten und vorletzten Band nichts verraten. Doch immerhin gibt es eine Rückblende, die erklärt, warum die beiden ungleichen Brüder Archer und Zack vom Waisenhaus in die abgeriegelten Siedlung Fort Apache verfrachtet wurden.

Gung Ho 4: Zorn

Gung Ho erzählt davon, wie sich Menschen in extremen Situationen verhalten und wieviel “Menschlichkeit“ im Ernstfall noch übrig bleibt. Diese Thematik beackert auch Robert Kirkmans Endzeit-Saga The Walking Dead, die ebenfalls bei Cross Cult erscheint. Doch anstatt auf Tausenden von routiniert gezeichneten schwarzweißen Seiten einen Endlos-Zombie-Film zu inszenieren, haben von Eckartsberg und von Kummant formal einen völlig anderen Ansatz.

Gung Ho 4: Zorn

Sie erzählen ihre Geschichte in großartig komponierten und kolorierten Bildern, die nur im europäischen Album-Großformat ihre volle Wirkung enthalten. Die “Schönheit“ der Einzel-Panels und Seiten steht jedoch seltsamerweise der immer wieder drastische Momente enthaltenden Geschichte nicht im Wege. Gung Ho handelt von jungen Menschen, die die undurchsichtig organisierte Welt der Erwachsenen hinterfragen und versuchen eigene Wege zu beschreiten. Dies ist in einer Welt, in der an jeder Ecke hungrige Reißer-Monster lauern noch um einiges gefährlicher als in unserer Realität.

Gung Ho 4: Zorn

Auch von Band 4 gibt es eine auf 888 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe, die für 15 Euro Aufpreis noch 40 Seiten mit Bonusmaterial enthält. Geboten wird ein interessantes Werkstatt-Gespräch mit Benjamin von Eckartsberg, ein aussagekräftiges Making Of zur Inszenierung der Action-Sequenzen, sowie wieder eine Galerie.

Gung Ho 4: Zorn
Regis Loisel

Hier ist es einmal mehr bemerkenswert, wer hier alles mit beeindruckenden Hommage-Bildern Gung Ho seinen Tribut erweist. Diesmal sind u. a. Jordi Lafebre (Lydie, Wundervolle Sommer), Frank Pé (Jonas Valentin, Zoo) sowie der Großmeister Régis Loisel (Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit, Peter Pan) vertreten. Beim Blättern kommt schon etwas Wehmut darüber auf, dass Gung Ho schon mit dem nächsten Band endet.

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Frank Schmolke: Nachts im Paradies

In seinem ersten Comic-Album Trabanten erzählte Frank Schmolke von Menschen, die sich im Abseits der Gesellschaft befinden. Auch in seinem neusten Werk zeigt Schmolke seine Heimatstadt München nicht gerade von ihrer besten Seite. Basierend auf eigenen Erlebnissen schildert er, was der Taxifahrer Vincent während des ja eigentlich für hohe Umsätze sorgenden Oktoberfests erlebt.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Frank Schmolke hat selbst eine Weile als Taxifahrer gearbeitet und tat es immer wieder, wenn “Auftragsflauten oder finanzielle Krisen“ herrschten. Die ersten Skizzen zu Nachts im Paradies sind im Taxi entstanden. Schmolke sieht Ähnlichkeiten zwischen Taxifahren und Zeichnen: “Das Suchen einer Fahrtroute ist ähnlich dem Ziehen einer Linie mit dem Stift. Der Fahrgast ist wie ein weißes Stück Papier. Vorerst neutral. Während der Fahrt füllt sich das Blatt mehr und mehr. Bis zum Ende der Fahrt entsteht so ein Bild des Fahrgastes.“

Frank Schmolke: Nachts im ParadiesSchmolkes Comic-Erzählung ist zwar mit klaren schwarzen Linien gezeichnet, doch sind die Bilder wie skizzenhaft geblieben. Es wirkt fast so, als wenn Schmolkes Zeichengeschwindigkeit ähnlich hoch war, wie das Umblätter-Tempo, das er seinen Lesern durch die spannende Erzählung aufzwingt. Die Bilder scheinen sich schmuck- und schnörkellos auf das Wesentliche zu beschränken, entfalten ihre volle Wirkung jedoch erst durch das Großformat, das die Edition Moderne der Veröffentlichung dankenswerterweise spendiert hat.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Bemerkenswert ist auch, dass Nachts im Paradies, obwohl Schmolke einige selbsterlebte Sequenzen in die 350-seitige Geschichte eingebaut hat, kein Episoden-Comic geworden ist. Die Story vom Taxifahrer Vincent, der sich um seine 16-jährige Tochter sorgt, aber auch nicht gerade als Vorbild taugt, hat Schmolke mitreißend und emotional aufwühlend zu Papier gebracht. Es gibt wenige Comics, die einen so stark mitten ins Geschehen hineinziehen wie dieser!

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Batman: Die Pforten von Gotham

Auf drei Brücken in Gotham City wird gleichzeitig ein Bombenanschlag verübt. Zunächst können Batman (Dick Grayson) und seine Helfer Red Robin (Tim Wayne), Blackbat (Cassandra Cain) und Robin (Damian Wayne) zwischen den Brücken keinen Zusammenhang herstellen. Aber als sie herausfinden, wie die Brücken früher hießen und wer ihre Erbauer waren, sehen sie klarer.

Batman: Die Pforten von Gotham

Die Brücken wurden vor ca. 130 Jahren von drei Männern in Auftrag gegeben und leiteten den wirtschaftlichen Aufschwung von Gotham City ein: Die drei Männer waren der Industrielle Alan Wayne, der Bürgermeister Theodore Cobblepot und der Zeitungsverleger Edward Elliot. Bekannte Namen also, deren Nachkommen auch heute noch das Batman-Universum maßgeblich beeinflussen!

Batman: Die Pforten von Gotham

In vielen Rückblicken schildern die Autoren spannend die geschäftlichen Verbindungen der drei gleichen Partner und den Aufstieg und Wandel von Gotham City zur Weltmetropole. Maßgeblich an den Prachtbauten und Wolkenkratzern waren auch die beiden begnadeten Architekten, die die kühnen Pläne der Geldgeber in Stahl realisierten. Der Wortsinn der Namen der beiden Architekten-Brüder geht bei der Eindeutschung des Titels verloren: Sie heißen Bradley Gate und Nicholas Gate – sie sind die Gates von Gotham.

Batman: Die Pforten von Gotham

Ihr Schicksal ist leider weniger erfreulich und ihr dunkles Geheimnis ist Ursache für die bedrohlichen Verwerfungen von Gotham City. Wer sich wundert, dass hier Dick Grayson im Batman-Kostüm steckt: Die Story spielt kurz nach FINAL CRISIS, also zu einem Zeitpunkt, wo Bruce scheinbar starb und im Zeitstrudel verloren ging. Den Autoren – allen voran Scott Snyder – gelingt eine packende Szenerie, die in sich schlüssig ist.

Batman: Die Pforten von Gotham

Zuvor hatte Snyder mit Batman erste Erfahrungen in DETECTIVE COMICS #871 bis #881 (Januar bis Oktober 2011; Der schwarze Spiegel) gesammelt. Hier wusste er zu überzeugen. Es folgt dann eben diese Miniserie und danach prägte er für lange Zeit das Erscheinungsbild des Mitternachtsdetektiven in der monatlichen Batman-Serie, beginnend mit einer neuen Nummer #1 in DC-Rebirth.

Batman: Die Pforten von Gotham

Die Zeichnungen der Rückblicke sind im Steam-Punk-Stil gestaltet und verleihen der Story die perfekte Atmosphäre. Generell sind die Zeichnungen klar und scharf – die Farbgebung überaus gelungen.

Norbert Elbers

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Micky Maltese: Eine Mäuseballade

Der 1947 in Venedig geborene Italiener Giorgio Cavazzano war bereits als 12-Jähriger professionell in der Comic-Branche tätig! Er tusche zunächst die Zeichnungen seines auch für Disney tätigen Cousins Luciano Capitanio und wurde dann Mitarbeiter von Romano Scarpa (Der fliegende Schotte), dem wohl einflussreichsten italienischen Disney-Zeichner.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Bereits mit 19 Jahren realisierte Cavazzano eigene Comic-Geschichten für Disney Italien. Er arbeitet meistens mit Textern zusammen, wie etwa bei der viel beachteten Fantasy-Serie Drachenritter mit Egmonts Disney-Chefredakteur Byron Erickson. Doch Cavazzano kann nicht nur Disney, wie seine Geschichte Spider-Man in Venedig belegt, und ist auch ein talentierter Autor, wie seine bei uns in der Lustiges Taschenbuch Jubiläumsedition Nr. 3 und im Band Entenhausener Filmklassiker veröffentlichte Parodie des Kultfilms Casablanca beweist.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Ein weiterer Höhepunkt im Werk von Cavazzano ist eine von Bruno Enna geschriebene Geschichte. Der Titel Micky Maltese: Eine Mäuseballade lässt zwar vermuten, dass es sich hierbei um eine Parodie von Hugo Pratts ersten Comic-Abenteuer mit Corto Maltese handelt. Doch für Autor und Zeichner ist der 1967 erschienene Comic Die Südseeballade ein alles überragender Meilenstein.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Daher ist Eine Mäuseballade weniger eine Parodie, sondern – genau wie viele der italienischen Disney-Comics – eine liebevolle Hommage. Es wird sich nicht über die Vorlage lustig gemacht, sondern – ähnlich wie in frühen Disney-Kurzfilmen – ist die Freude daran zu spüren, Micky und seine Freunde in die Helden- oder Schurken-Rollen von Klassikern aus Literatur oder Kino schlüpfen zu lassen.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

So ist es bei Cavazzano und Enna nicht der aufbrausende Donald, der für die Corto-Maltese-Rolle gecastet wurde, sondern der gelegentlich auch melancholische Micky. Diesem wird fast die Show gestohlen, durch einem sehr charismatisch die Schurkenrolle des Katputin (Rasputin bei Pratt) spielenden Kater Karlo. Natürlich gibt es im Comic auch dankbare Rollen für Minnie (“Minniedora Gruyère-Moore, Tochter eines bekannten Reeders aus Cape Maus“) und Goofy als Südsee-Insulaner.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Obwohl die Geschichte ganz offensichtlich für die Veröffentlichung im (Lustigen) Taschenbuch-Format vorgesehen ist, hat die Egmont Comic Collection eine luxuriöse Edition spendiert. Das hat mit 50 Euro seinen Preis, ist aber durchaus angemessen. Die klaren Bilder von Cavazzano und das kongeniale Inking von Alessandro Zemolin kommen im Großformat besser zu Wirkung. Als Ergänzung gibt es noch aussagekräftige Texte von Enna, Cavazzano. Zemolin und dem Journalisten Vicenzo Mollica.  Als krönenden Abschluss enthält das Buch noch den Abdruck sämtlicher Bleistiftzeichnungen von Cavazzano, die dieser ganz lässig – und ohne jemals ein Radiergummi zu benutzen! – zu Papier gebracht hat.

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Dave Stevens: Rocketeer

Das war schon lange überfällig! Nach der stimmungsvollen Disney-Verfilmung von 1991 und der noch länger zurückliegenden deutschen Veröffentlichung des ersten Rocketeer-Comics beim Hethke Verlag erscheint endlich eine Gesamtausgabe von Dave Stevens liebevoller Hommage an Hollywoods Film-Serials der 30er und 40er Jahre.

Dave Stevens: Rocketeer

Wer sich einmal eine Episode der Filmfortsetzungsreihe King of the Rocket Men angesehen hat, wird dies Erlebnis sein Leben lang nicht vergessen. Das billig produzierte 12-teilige Serial um einen Helden im Flugkörper-Anzug strotzt nur so vor naiven Charme.

Dave Stevens: Rocketeer

1982 schuf der begnadete und 2008 viel zu früh verstorbene Zeichner Dave Stevens seinen ganz eigenen König der Raketenmänner. In einer Comic-Fortsetzungsserie erzählte vom ebenso tollkühnen wie naiven Bruchpiloten Cliff Secord, der zufällig in den Besitz eines Raketenrucksacks gerät. Sein Kumpel der Mechaniker Peevy schmiedet dazu noch schnell einen stylischen Helm mit integrierter Heckfloße und ab geht es in die Luft und ins Abenteuer.

Dave Stevens: Rocketeer

The Rocketeer entstand nicht als Auftragsarbeit sondern in der Freizeit des vielbeschäftigten Storyboard-Künstlers, der auch an Jäger des verlorenen Schatzes und Michael Jacksons Video Thriller mitwirkte. Jedem Panel von The Rocketeer ist anzumerken, dass Stevens die Ästhetik der 30er Jahre liebt. Zusätzlichen Reiz bekommt der Comic noch dadurch, dass er nicht nur viel Spaß an der Darstellung von nostalgischen Autos und Fluggeräten hatte, sondern auch am Zeichnen von Pin-Up-Girls (Cliff Secords Freundin sieht aus wie das Sexsymbol Betty Page).

Dave Stevens: Rocketeer

Unter dem Motto Der Rocketeer hebt ab erscheint bei Cross Cult eine mit informativen und wunderschönen Bonusmaterial garnierte exzellent neu kolorierte Gesamtausgabe, die auch die direkte Fortsetzungsgeschichte Cliffs Abenteuer in New York enthält, die hier erstmals auf Deutsch erscheint. Dieser Klappentext ist ausnahmsweise nicht übertrieben: “Das Flair der 30er Jahre, eingefangen in der Fabulierlust der 80er Jahre und optisch aufbereitet für das neue Jahrtausend“.

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Die Kong Crew

Wer den 1933 entstandenen Monsterfilm King Kong und die weiße Frau in seiner Jugend sah, wird die ebenso spannende wie romantische Story Zeit seines Lebens nicht mehr vergessen. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Geschichte vom Riesenaffen immer wieder neu erzählt wird. Kürzlich kam mit Kong: Skull Island eine originelle Neuinterpretation in die Kinos, die in den 70er Jahren spielte und sich darum bemüht, der Geschichte einen politischen Background mit einer Prise Apocalypse Now zu geben.

Die Kong Crew

Auch der französische Comiczeichner Eric Herenguel (Krän der Barbar, Geister von Troy) hat sich eine recht originelle Variante der Geschichte um King Kong ausgedacht. In seinem Paralleluniversum ist es 1933 nicht gelungen den Riesenaffen durch Flugzeugattacken und Augengeklimpere von Ann Darrow dazu zu bringen, sich vom Empire State Building zu stürzen. Stattdessen hat King Kong Manhattan zu seiner neuen Hood gemacht.

Die Kong Crew

Herenguels Comic-Geschichte spielte 1947 und aus irgendwelchen Gründen haust mittlerweile im Zentrum von New York auch allerlei prähistorisches Getier, genau wie auf King Kongs Heimatinsel Skull Island. Es bleibt abzuwarten ob Eric Herenguel hierfür in den nächsten Bänden von Die Kong Crew noch eine Erklärung abliefert oder das saurier-verseuchte New York einfach weiterhin wie selbstverständlich als Hintergrund für eine nostalgisch-liebenswerte Hommage an Hollywood-Abenteuerfilme der 30er und 40er Jahre einsetzt.

Die Kong Crew

Nicht ohne Grund erinnert Eric Herenguels Geschichte um den tollkühnen Airforce Piloten Virgil Bradley, der nicht an Befehle glaubt, und auch der leicht karikierende Zeichenstil, an Dave Stevens ähnlich gelagerten Comic Rocketeer. Dies – und natürlich die King-Kong-Elemente- unterscheiden Herenguels Serie angenehm von sonstigen frankobelgischen Flieger-Comics, die oft wie Werbeprospekte für das Arsenal der nationalsozialistischen Luftwaffe wirken.

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José Luis Munuera: Die Campbells

Es war eine große Überraschung, als der Spanier José Luis Munuera, der von 2004 bis 2008 offizieller Spirou-Zeichner war, knapp 10 Jahre später zur Traditionsserie zurückkehrte. Aktuell beschäftigt er sich mit dem tollpatschigen Schurken Zyklotrop und lässt ihn als überbesorgten Helikopter-Vater vergeblich versuchen, seine lebenslustige Teenager-Tochter Zandra zu überwachen. Munuera fungiert bei dieser munteren Familien-Geschichte auch als Texter.

José Luis Munuera: Die Campbells

Bereits 2014 hatte Munuera eine Serie gestartet, in der es ebenfalls um komplizierte Vater-Tochter-Verhältnisse geht. Was anfangs wie eine locker gezeichnete Ansammlung von spaßigen Kurzgeschichten über den alleinerziehenden Piraten Campbell und seine beiden Töchter Itaca und Genova wirkt, entpuppt sich nach der Lektüre des ersten Albums als ebenso witziger wie wuchtiger Auftakt eines Epos.

José Luis Munuera: Die Campbells

Jede Story liefert neben sehr guten Gags auch Hintergrundinfos zur ganz schön tragischen Familiengeschichte der Campbells. Dass gelegentlich auch etwas traurige Momente oder gar eine Kolonie von Lepra-Kranken keine Fremdkörper in der sehr souverän in einem eigenständigen Funny-Stil gezeichneten Serie sind, belegt die Meisterschaft des erfahrenen Comic-Künstlers Munuera.

José Luis Munuera: Die Campbells

In Frankreich und Spanien liegen bereits alle fünf Bände von Die Campbells vor, auf die wir uns dank Carlsen ebenfalls freuen dürfen.

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Mark Millar: The Magic Order

Mit seiner neusten Serie wildert Mark Millar (Kick-Ass, Kingsman) ein wenig im Harry-Potter-Universum. Seine Variante handelt jedoch von der magisch begabten Familie Moonstone, die nicht nur gegen die rücksichtslose Madame Albany ankämpfen muss, sondern auch Probleme hat, die jedem Leser vertraut vorkommen dürften.

Mark Millar: The Magic Order

Der allseits beliebte Magier Leonard Moonstone liebt seine drei Kinder, auch wenn sie wohl nicht in seine Fußstapfen treten werden und sich anders entwickelt haben als erhofft. So ist die Tochter Cordelia eine begnadete Entfesselungskünstlerin, doch es gelingt ihr nicht (wie es im Klappentext des Comics so schön heißt) “sich vom Alkohol zu befreien“. Die große magische Hoffnung war Gabriel, doch nachdem dessen Tochter unter tragischen Umständen gestorben ist, mag er von Zauberei nichts mehr wissen…

Mark Millar: The Magic Order

Der bei Panini erschiene erste Band von The Magic Order enthält sechs US-Hefte, die eine abgeschlossene Geschichte erzählen. Als Zeichner fungiert der Franzose Olivier Coipel (Avengers vs. X-Men), dem in seinem ausgereiften realistischen Stil interessante Protagonisten und atmosphärische Bilder gelangen.

Mark Millar: The Magic Order

In den USA wird die Serie zwar bei Image veröffentlicht, doch der eigentliche Verleger ist Netflix. Nachdem es dort nicht weitergeht mit dem Marvel-TV-Serien wurde Millarworld gekauft und viele der künftigen Comic-Produktionen von Mark Millar werden künftig die Grundlage für TV-Serien bilden.

Mark Millar: The Magic Order

Das geht sogar so weit, dass Netflix nicht nur einen Trailer zum Comic produzierte, sondern auch beim Design der Figuren ein Wörtchen mitzureden hatte. Millars Geschichte jedenfalls ist diesmal ungewöhnlich hastig erzählt. Wer noch mehr über die Familie Moonstruck erfahren möchte, der wird höchstwahrscheinlich mit der Netflix-Serie gut bedient werden. Den Pilotfilm wird James Wan (Aquaman) inszenieren.

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Steffen Kverneland: Ein Freitod

Der Norweger Steffen Kverneland hat sich zuvor gemeinsam mit seinem Kollegen Lars Fiske im Comic Olaf G. mit dem Leben von Olaf Gulbransson beschäftigt. Anschließend gestaltete er im Alleingang eine aufregende Comic-Biografie des norwegischen National-Künstlers Edvard Munch (Der Schrei). Während in diese Comics auch autobiografische Momente eingeflossen sind, ist sein neues Werk Ein Freitod die fast schon erschreckend intime Auseinandersetzung mit seinem Vater Odd, der freiwillig aus dem Leben schied, als Kverneland gerade 18 Jahre alt war.

Steffen Kverneland: Ein Freitod

Mit Hilfe seiner erstaunlichen Fähigkeit in verschiedenen Stilen – mal fast schon fotorealistisch und dann wieder sehr treffend  karikierend – arbeiten zu können, sucht Kverneland nach Gründen, warum Odd an seinem auf den ersten Blick erfolgreich anmutenden Leben verzweifelte. Wieso entfloh der Ehemann einer attraktiven lebenslustigen Frau, der Vater zweier Söhne, der einfallsreiche Erfinder zunächst in den Alkoholismus und schließlich in den Freitod?

Steffen Kverneland: Ein Freitod

Indizien sucht Kverneland in alten Familienfotos und auch in den tragischen Kriegserlebnissen seines Großvaters. Beides macht er dem Leser zugänglich. Nur beiläufig wahrgenommene Beobachtungen über den oft weggetreten vor dem Fernsehen sitzenden Vater oder über dessen ihm immer stärker entgleitende Ehe gewinnen posthum an Wichtigkeit.

Steffen Kverneland: Ein Freitod

Steffen Kvernelands Trauer scheint im Laufe der Zeit auch ein wenig dem Verständnis zu weichen, denn er gesteht mittlerweile auch einige Gewohnheiten von Odd – wie das Bedürfnis nach Einsamkeit und Alkohol – übernommen zu haben. Ein Freitod ist ein Meisterwerk, das aufzeigt, dass im Comic völlig anders als im Kino oder in der Literatur erzählt werden kann!

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