Archiv der Kategorie: COMIC

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Batman / Superman: Gefahr für zwei Welten

Ja, so ein Neustart bietet viele Möglichkeiten, alte Geschichten neu zu erzählen.Eine beliebte und klassische Geschichte ist das erste Zusammentreffen der beiden größten Helden des Hauses DC: Batman und Superman. Historisch geschehen ist dies in der Mai/Juni Ausgabe von Superman #76 im Jahr 1952 auf der S.S. Varania geschehen. Weil das Schiff überbucht war mussten sich Bruce Wayne und Clark Kent eine Kabine teilen und lernten doch recht schnell die jeweils andere geheime Identität des anderen kennen. Nachzulesen ist dies auf Deutsch in Superman/Batman 6/1969 „Doppelrollen“ (Ehapa) bzw. in der DC Archiv Edition #10 von Panini von 2002.

Batman / Superman: Bd. 1: Gefahr für zwei Welten

In World’s Finest #94 von 1958 wurde dann noch einmal das allererste Aufeinandertreffen erzählt, bevor dann schließlich in Adventure Comics #275 („Origin of the Superman-Batman Team“, August 1960) doch noch erzählt wurde, wie das aller-allererste Zusammentreffen doch in Wirklichkeit war. Auf Deutsch erschienen beide Geschichten mehrmals bei Ehapa. Im Gedächtnis geblieben sein dürfte die Geschichte von dem jungen Bruce, der als Fliegender Fuchs in Smallville auftaucht, als er seinen Onkel und seine Tante dort besuchte. Klar, dass er in Smallville natürlich auf Superboy traf!

Batman / Superman: Bd. 1: Gefahr für zwei Welten

Nach der Krise der unendlich vielen Welten, war all dies ja nie geschehen und so konnte man abermals ein erstes Zusammentreffen von Superman und Batman erzählen: So passiert durch John Byrne in Man of Steel #3 im Jahr 1986. Nach dem kompletten Relaunch in New 52 glaubte man lange Zeit, dass sich die beiden in Justice League #1 zum ersten Mal trafen. Aber weit gefehlt: Nun endlich erfahren wir, wie es wirklich war!

Batman / Superman: Bd. 1: Gefahr für zwei Welten

All den alten Geschichten ist gemeinsam, dass man sie nicht vergessen konnte. Aber ob das Greg Pak mit seiner Geschichte gelungen ist? Er führt eine neue Gegnerin ein: Kaiyo. Sie verfügt über magische und mächtige Kräfte. Sie ist eine Göttin und gehorcht Darkseid. Sie möchte herausfinden, welches Batman/Superman-Team stärker ist – das von Erde-1 oder Erde-2. Auf Erde-1 sind sich unsere beiden Helden noch nie begegnet, aber die beiden Gegenstücke auf Erde-2 sind schon ein Team. Das Erde-1 (noch nicht-)Team ist unerfahren und weiß auch noch nichts von der Parallelwelt. Sie hauen aufeinander ein, begegnen alten Vertrauen und doch ist alles so fremd. Erde-2 Batman ist mit Catwoman verheiratet, die Eltern von Erde-2 Superman leben noch, wohingegen die von Erde-1 Superman schon tot sind.

Batman / Superman: Bd. 1: Gefahr für zwei Welten
Variant-Cover

Zeitlich einzuordnen ist es also vor den Geschichten in Action Comics #1 und Justice League #1. Clark ist 22 Jahre alt und erst seit ein paar Monaten läuft er mit dem Cape rum. Abgerundet wird die Geschichte durch poetische Rückblenden aus der Kindheit von Bruce un Clrak, in denen Alfred kurz nach der Ermordung von Martha und Thomas Wayne eine Autopanne in Smallville hat und Bruce hier auf Clark trifft. Die Zeichnungen von Jae Lee sind sehr schön anzusehen.

Norbert Elbers

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Blacksad 5: Amarillo

Im Umfeld der unglaublich produktiven frankobelgischen Comiclandschaft sind fünf Blacksad-Alben in dreizehn Jahren kein gewaltiger Output. Dennoch wurde die Serie der beiden Spanier Juan Diaz Canales und Juanjo Guarnido zu einem der größten Erfolge in Frankreich und die Comicfans sehnen sich nach weiteren Bänden dieses im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaften Comics. Bei uns läuft die Reihe ebenfalls recht gut, was sich schon dadurch bemerkbar macht, dass bei Carlsen im Gegensatz zu anderen Serien-Importen alle Blacksad-Alben und der sehr schöne Hinter den Kulissen-Band immer noch lieferbar sind.

Blacksad 5: Amarillo

Der hartgesottene Detektiv John Blacksad ist ein schwarzer Kater, der meist einen grünlichen Anzug und eine locker geschnürte gestreifte Krawatte trägt. Sein bester Kumpel ist der kleine Wiesel Weekly und eine wichtige Rolle spielt der bei der Polizei arbeitende deutsche Schäferhund Smirnov. Auch die restliche Belegschaft entstammt dem Tierreich. Da gibt es Nilpferde, Flamingos, Krokodile, Gorillas, Ziegen oder Eisbären, die alle im Stile der 40er Jahre gekleidet sind.

Blacksad 5: Amarillo

Die Proportionen zwischen den Figuren entsprechen zwar nicht immer den Vorgaben von Mutter Natur, im neusten Band sitzt etwa die Katze Blacksad im Auto neben einer Hyäne und einem Papagei, die alle nahezu die gleiche Körpergröße haben. Doch Juanjo Guarnido, dem beim Disney-Trickfilm Tarzan mitarbeitete, gelang ein glaubhaftes Universum, in dem tierische Figuren Abenteuer erleben, die an die Romane von Chandler und Hammett aber auch an Hollywoods “Schwarzer Serie“ erinnern.

Blacksad 5: Amarillo

Guarnidos direkt kolorierte detailverliebte Zeichnungen lassen sofort den Grund erahnen, warum hier nicht wie am Fließband, alljährlich ein weiteres Album erscheinen kann. Sein Stil ist im fünften Band lockerer und ausdrucksstärker denn je, was bestens zur alles andere als schreiend komischen Geschichte passt.

Blacksad 5: Amarillo

Sind es auch auf dem ersten Blick Guarnidos Bilder, die Blacksad zu einer herausragenden Comicserie machen, soll nicht vergessen werden, dass Juan Diaz Canales‘ Geschichten ebenfalls großartig sind, was sicher auch daran liegt, dass dieser ebenfalls ein sehr guter Zeichner ist. Der ersten Blacksad-Band Irgendwo zwischen den Schatten erzählte noch einen eher konventionellen Kriminalfall, hatte aber schon ein paar tragische Untertöne.

Dies setzte sich weiter fort und es menschelte immer mehr in Blacksads Tierreich. Im fünften Band Amarillo gibt es wieder allerlei clevere Anspielungen u. a. auf Filme wie Ist das Leben nicht schön und Freaks oder die Motorradbande aus Der Wilde. Am schönsten ist vielleicht Guarnidos Verlagerung eines klassischen Comic-Covers von Harvey Kurtzmans MAD ins Blacksad-Universum.

Blacksad 5: Amarillo

Doch in erster Linie bangt der Leser um den literarisch begabten und von zerstörerischen Selbstzweifeln geplagten jungen Löwen Chad. Wenn Guarnido und Canales dieses Niveau halten, warte ich gerne ein paar Jährchen auf den nächsten Blacksad-Band!

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In der Sekte: Mein Leben in Scientology

Marion strampelt sich vergeblich ab, um ihren Job in einer Werbeagentur zu stabilisieren, mit ihrem Freund nimmt sie LSD, doch allzu lange wird er nicht mehr ihr Freund sein… Der Alltag nimmt Marion also her, doch da ist Raphael, der sie mit Scientology in Verbindung bringt. Sie lernt neue Leute kennen, alles wirkt so freundlich. Vor allem tut ihr die Aufmerksamkeit gut, die man ihr entgegenbringt. Und schwupp… hängt sie schon am Haken der Sekte.

In der Sekte

Schließlich unterschreibt sie einen Mitarbeitervertrag über eine Milliarde Jahre und wird nach Kopenhagen in die europäische Zentrale geschickt, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten muss. Trotzdem ist Marion höchst motiviert und wird sogar als toughe Missionarin nach Paris geschickt, um den dortigen Geldfluss in Richtung Zentrale wieder in Schwung zu bringen. Nach ihrer Rückkehr schleicht sich allerdings eine Depression ein und plötzlich fragt sie sich: „Was mache ich hier bloß?“

Louis Alloing („Der Fall E. P. Jacobs„) und Pierre Guillon erzählen hier eine wahre Geschichte. Die Graphic Novel liest sich sehr flüssig und spannend, obwohl die Zustände, die sie beschreibt, durch Presseberichte und Bücher über die Sekte längst bekannt sind, doch das persönliche Schicksal der Frau, das authentisch und unaufgeregt erzählt wird, berührt.

Das Vorwort mit der frechen Überschrift „Scientology, der Star unter den Sekten“ verfasste der Schweizer Sektenexperte Hugo Stamm, das Nachwort durfte ich schreiben, da ich selbst in den 70ern in der Sekte tätig war. Was mich als Kenner der Materie wundert, ist, dass das sehr umfangreiche Scientologen- Kauderwelsch hier praktisch keine Rolle spielt – häufigdachte ich, Scientologen würden sich anders ausdrücken –, was einerseits daran liegen könnte, dass das Sektenopfer nicht selbst die Geschichte niederschrieb, andererseits an der Übersetzung. Vielleicht wollte man auch den Leser schonen. Mir fiel auch auf, dass Sektengründer L. Ron Hubbard, um den sich in Scientology alles dreht, mit keinem Wort erwähnt wird. An rechtlichen Gründen kann das nicht liegen, es dürfte eher ein Hinweis darauf sein, dass Marion keinerlei Sehnsucht nach einem Guru hatte, sondern Freunde und die Geborgenheit einer Gruppe suchte. Sektenmitglieder ticken eben nicht alle gleich, wie mancher zu glauben scheint.

Gerhard Förster

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Constantine: Der Funke und die Flamme

Im Rahmen des im September 2011 erfolgten “New 52“-Relaunch startete DC gleichzeitig 52 Comic-Serien neu und feierte dies mit Ausgaben, die alle die Nummer 1 auf dem Cover trugen. Hierzu musste teilweise ganz schön tief in die Mottenkiste gegriffen werden und Serientitel wie “Mister Terrific“, “Captain Atom“, “Blue Beetle“ oder “Resurrection Man“ wurden mittlerweile schon längst wieder eingestellt.

Constantine

Immer noch am Laufen (und auch bei Panini auf Deutsch lieferbar) ist die von Peter Milligan getextete Serie “Justice League Dark“. Hier formierten sich “düstere“ DC-Figuren mit einem Hang zu Zauberei und Magie wie Madame Xanadu, Deadman, Shade, the Changing Man, Zatanna aber auch Frankenstein zu einem Team. Mit dabei ist natürlich auch der britische Mystery-Detektiv John Constantin, der sich zuvor innerhalb der Serie “Hellblazer“ eher bei der für erwachsenere Comic-Geschichten zuständigen DC-Tochter Vertigo herumtrieb.

Constantine: Der Funke und die Flamme

Nachdem “Hellblazer“ kurz zuvor mit Ausgaben 300 eingestellt wurde, bekam John Contantine ab Anfang 2013 eine eigene Serie im DC-Universum. “Constantine“ startete mit der vierten Welle der “New 52“-Comics und wird von den beiden auch als Zeichner tätigen Kanadiern Jeff Lemire (“Essex Country“, “Sweet Tooth“) und Ray Fawkes getextet. Beide haben auch schon für “Justice League Dark“ geschrieben. Ihr John Constantine reist innerhalb der fünfteiligen Eröffnungs-Serie “Der Funke und die Flame“, die Panini gebündelt veröffentlicht, über Norwegen und Myanmar (alias Birma oder Burma) zwar auch in seine Heimatstadt London, doch sein Hauptwohnsitz ist jetzt New York.

Constantine: Der Funke und die Flamme

Gezeichnet wurden die Miniserie, in der es um einen magischen Kompass geht, recht ansprechend von den Brasilianern Renato Guedes und Fabiano Newes. Zwar fehlt der Geschichte ein wenig der gesellschaftskritische gegenwartsbezogene Touch den Autoren wie Garth Ennis immer wieder bei “Hellblazer“ einbrachten, doch als Mystery-Serie funktioniert „Constantine“ bestens.

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Ralf König: Konrad und Paul – Raumstation Sehnsucht

Ralf Königs langlebigsten Figuren sind der Schöngeist Konrad und der ewige Rammler Paul, wobei diese so etwas wie das Über-Ich und das Es des zeichnenden Autors sein könnten. König hat seit 1990 zahllose Kurzgeschichten mit dem ungleichen schwule Pärchen erzählt, viele davon sind im Ehapa-Sammelband “Ist der Ruf erst ruiniert…“ enthalten, doch mit dem Duo lassen sich auch längere Geschichten erzählen, siehe “Bullenklöten“ (Männerschwarm) oder “Sie dürfen sich jetzt küssen“ (Rowohlt) oder „Herbst in der Hose„.

Ralf König: Konrad und Paul - Raumstation Sehnsucht

Auch im Zentrum von “Raumstation Sehnsucht“ stehen Konrad und Paul. Die Comicgeschichte enthält einige Anspielungen auf das Werk von Tennessee Williams und besteht aus drei Teilen. Zum einen geht es um die schwärmerischen Gefühle, die Konrad für seinen jungen sensiblen rumänischen Klavierschüler Anton hegt, der eine ganze “Glasmenagerie“ von Likörgläsern besitzt. Antons Mutter möchte ihren Sohn am liebsten mit Konrad verkuppeln. Doch Konrad hat moralische Bedenken, genau wie der eigentlich sehr viel unbedenklichere Paul. Dieser soll eigentlich seiner hochschwangeren Schwester Edeltraut beistehen, fühlt sich aber zugleich zu seinem behaarten muskelbepackten Schwager Porky hingezogen, der an Stanley Kowalski aus “Endstation Sehnsucht“ erinnert, aber auch eine “tätowierte Rose“ am Oberarm trägt.

Ralf König: Konrad und Paul - Raumstation Sehnsucht

Als dritte Ebene der Geschichte gibt es noch schwarzweiß illustrierte Prosa-Auszüge aus einem Science-Fiction-Roman an dem Paul gerade arbeitet. Im Laufe der nur bedingt futuristischen Erzählung “Im Weltraum hört Dich keiner grunzen“ hat der von Barry Hoden, dem Piloten des Raumschiffs “Libido XL“, begehrte Monteur Brick immer mehr Ähnlichkeit mit Pauls Schwager Porky.

Ralf König: Konrad und Paul - Raumstation Sehnsucht

König erweist sich einmal mehr als souveräner Erzähler. Seine ansprechend kolorierten Zeichnungen sind scheinbar lässig hingehauene Skizzen und das Lettering wirkt fast schon geschmiert. Trotzdem wird der Leser stärker in Königs Welt hineingezogen als dies den Schöpfern von vielen optisch aufwändiger gestalteten Comics gelingt.

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Der vergessene Garten von Émile Bravo

In den letzten Jahren hat der Autor und Zeichner Émile Bravo durch eine Vielzahl interessanter Comic-Konzepte begeistert. In der Serie Die sieben Zwergbären veralbert er Märchen, bei Pauls fantastische Abenteuer wandelt er auf den Spuren von Hergé, mit Der kluge Fischer adaptierte er Heinrich Böll, den frankobelgischen Traditions-Helden Spirou porträtiert er vor dem Hintergrund des aufziehenden Zweiten Weltkrieges als “jungen Tor“ und in Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen erzählt er kindgerecht davon, wie einem kleinen Jungen vorgegaukelt wird, dass seine Mutter noch am Leben ist.

Der vergessene Garten von Emile Bravo

Diese thematische aber auch stilistische Vielfältigkeit dokumentiert ganz besonders der Band Der vergessene Garten von Émile Bravo. Enthalten sind Arbeiten, die für diverse Magazine entstanden sind. Darunter befinden sich aber auch provokante Entwürfe zu Plakaten für Comicfestivals, die anscheinend nur konzipiert wurden um versehen mit dem fetten roten Aufdruck ABGELEHNT in diesem Buch abgedruckt zu werden. In dieser Hinsicht bemerkenswert ist auch ein Cartoon, der unterstellt, dass wenn Jules Verne und Gustave Doré den Comic-Klassiker Schritte auf dem Mond anstelle von Hergé getextet und gezeichnet hätten, das Duo nicht gerade der Hit auf Comicfestivals gewesen wäre.

Der vergessene Garten von Émile Bravo

Nur bedingt zur Serienreife taugt Bravos Serie Sonntags bei René, dem Freund von Michel vom Restaurant LA BRUNOISE, die sich um allerlei Ecken herum denkend über die französische Küche lustig macht und komplett mit allen drei Episoden namens Die Vorspeise, Das Hauptgericht und Das Dessert in diesem Band enthalten ist.

Der vergessene Garten von Émile Bravo

Sehr viel böser kommen andere Comics daher, die sich mit dem Holocaust beschäftigen. So ist der äußerst schwarzhumorige Zweiseiter Die Abenteuer von Swartz und Totenheimer im Stil von E. P. Jacobs Blake und Mortimer gehalten, im Titel ist jedoch zu lesen, dass der Comic “nach den Figuren von Adolf Hitler“ gestaltet wurde. Ganz ohne Worte kommt eine dreiseitige Geschichte aus, die sehr sensibel von den Schwierigkeiten eines befreiten KZ-Häftlings im Paris des Jahres 1945 erzählt und mit einer bitteren Pointe endet.

Der vergessene Garten von Émile Bravo

Auf 80 Seiten fackelt Émile Bravo hier ein Comic-Feuerwerk ab, das seinesgleichen sucht.

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Reddition # 60: 30 Jahre deutschsprachige Comic-Szene

Die Initialzündung zum Entstehen einer bundesweiten deutschen Comic-Szene war ganz gewiss, der im Juni 1984 erstmal veranstaltete Comic Salon in Erlangen. Doch bereits Anfang 1984 kam es zu einem ebenfalls bedeutenden comic-historischen Ereignis. Mit einer Auflage von 32 Exemplaren erschien zum Nulltarif die Reddition # 0, die erste reguläre Ausgabe der Zeitschrift für Graphische Literatur kostete dann 1,50 DM.

Reddition 60

Um den 30. Geburtstag von Comic Salon und Reddition gebührend zu feiern, widmet sich die 60. Ausgabe der Zeitschrift dem Thema “30 Jahre deutschsprachige Comic-Szene“. Das Heft ziert ein Cover von Reinhard Kleist und es ist chronologisch gegliedert. Schwerpunkte der deutschen Comicgeschichte wie “Matthias Schultheiss veröffentlicht 1985 in Frankreich“, “Deutschsprachige Zeichner bei Carlsen“, “Aufstieg und Fall des Dino-Verlags“, “ZACK kehrt an den Kiosk zurück“ oder “Der Tod von Norbert Hethke“ werden in unterschiedlicher Form und Länge abgehandelt.

Den bunten Artikel-Reigen hält eine im unteren Seitenbereich angeordnete Timeline zusammen. Hier sind die Cover aller Ausgaben der Reddition abgebildet. Dazu wird aus der bewegten Geschichte des Magazins erzählt, die einen Rechtsstreit mit den Nachlass-Verwaltern von Hergé oder die Rückmeldung des fälschlicherweise in der Nummer 31 für tot erklärten niederländischen Zeichners Marten Toonder mit einschloss..

Zu bestellen unter: www.reddition.de/bestell.htm

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LAUTER LEBEN!

In ihrem Comic-Debüt schildern Autor Nicolas Wouters und Zeichner Mikael Ross wichtige Stationen aus dem Leben zweier höchst unterschiedlicher Freunde. Während der zumeist total unberechenbar agierende Thomas im Brüssel der 80er und im Berlin der 90er Jahre voll in der Punk-Bewegung aufgeht, kann sich der eher schüchterne Martin nicht zwischen “No Future“ und Karriere- bzw. Familienplanung entscheiden…

Lauter Leben

Anscheinend haben sich Wouters und Ross das Zitat von Jean-Luc Godard zu Herzen genommen, in dem es heißt dass jede Geschichte einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben sollte, “aber nicht unbedingt in dieser Reihenfolge“. Sie präsentieren völlig unchronologisch aneinandergereiht Schlüsselereignisse aus dem Leben zweier Freunde. Dabei fragt sich der Leser immer wieder, warum der scheinbar halbwegs “normale“ Martin so stark an dem sich total rücksichtslos verhaltenen Thomas hängt. Doch ein Epilog liefert eine mögliche Erklärung dafür.

LAUTER LEBEN!

Zeichnerisch kann “Lauter Leben!“ mit seinen wilden Zeichnungen und der kontrastreichen Aquarell-Kolorierung durchaus gefallen. Manchmal fällt es allerdings etwas schwer der Handlung innerhalb der einzelnen Episoden zu folgen, doch insgesamt funktioniert der Ansatz mit den scheinbar willkürlich aneinandergereihten Lebensabschnitten recht gut. Während der Lektüre des Comics werden die beiden Hauptfiguren plastischer und der Leser nimmt immer mehr Anteil am Schicksal der Hauptfiguren, welches stärker an den Regeln des wirklichen Lebens als an irgendwelchen Dramaturgien orientiert ist.

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Asterix: Die große Überfahrt – Ultimative Edition

Mit Die große Überfahrt traten Asterix und Obelix im Jahre 1977 n. Chr. ihre vielleicht spektakulärste Reise an. Schuld daran war der Fischhändler Verleihnix, der seine verderbliche Ware lieber aus dem fernen Lutetia kommen lässt, anstatt im nahen Meere zu fischen. Doch ein “einigermaßen frisches Stück Fisch“ ist eine unverzichtbare Zutat des Zaubertrankes und daher stechen unsere beiden Gallier in See.

ASTERIX: DIE GROSSE ÜBERFAHRT - UTIMATIVE EDITION

Dass Obelix auf Befehl von Asterix mitten im stärksten Sturm ordnungsgemäß das Netz auswirft ohne es jedoch zuvor am Boot zu vertäuen ist, noch das geringste Problem bei dieser Reise. Nach einer stürmischen Seefahrt bei der sie natürlich auf die Piraten treffen und eine merkwürdige nächtliche Begegnung haben (auf zwei Seiten dieses Comics ist wegen Nacht und Nebel gar nicht zu erkennen), landen sie auf einer seltsamen Insel. Hier treffen sie auf Truthähne, einen Bären und Eingeborene mit Federschmuck, die Obelix für getarnte Römer hält…

ASTERIX: DIE GROSSE ÜBERFAHRT - UTIMATIVE EDITION
Die große Überfahrt ist zwar erschreckend schnell durchgelesen, da viele Sequenzen ohne große Worte auskommen, doch optisch ganz gewiß eins der schönsten Alben der Reihe. Goscinny und Uderzo versuchen so viele US-amerikanische Nationalsymbole wie möglich in ihrer Geschichte unterzubringen. So stellt sich Asterix als menschlicher Leuchtturm in der selben Pose (und möglicherweise sogar an der selben Stelle) wie später die Freiheitsstatue auf. Ein zu Boden gehender Indianer sieht weiße Sterne auf blauen Grund genau wie auf der US-Flagge und nachdem die Gallier die Neue Welt verlassen haben, werden sie durch einen wunderschönen Marterpfahl verewigt.

Asterix: Gallien in Gefahr

In der Ultimativen Edition kommt die Pracht von Uderzos Bildern erst richtig zur Geltung und langsam aber sicher liegen zum Glück alle Bände der Reihe in dieser optimalen Form vor.

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Moebius & Stan Lee: Silver Surfer – Parabel

Ende der Achtziger Jahre kam es zu einer höchst merkwürdigen Zusammenarbeit. Als sich Stan Lee und der französische Star-Zeichner Jean Giraud alias Moebius („Sternwanderer„) in den USA trafen, tauschten sie zunächst Komplimente aus, kamen jedoch schon recht bald auf ein gemeinsames Projekt zu sprechen. Nachdem Moebius erwähnte, dass er die Figur des Silver Surfers besonders schätzt, beschloss Stan Lee eine “poetische und philosophische“ Geschichte zu schreiben. Die 1966 erstmals innerhalb der Serie “Fantastic Four“ auftauchende Figur des Silver Surfers neigt zu Grübeleien und ist alles andere als begeistert davon wie die menschliche Zivilisation funktioniert bzw. nicht funktioniert.

Moebius & Stan Lee: Silver Surfer - Parabel

In der 1988 bei Marvels Label Epic erschienenen zweiteiligen Heftserie “The Silver Surfer“, die später denn Titel “Parabel“ bekam, kehrt der riesige Weltenverschlinger Galactus auf die Erde zurück und wird von der Menschheit als Gott verehrt. Doch dem Silver Surfer, der Galactus einst dienen mußte, ist sofort klar, dass der Planetenfresser nichts anderes im Sinn hat als seinen Hunger zu stillen…

Moebius & Stan Lee: Silver Surfer - Parabel
Stan Lees Geschichte handelt davon wie schnell Menschen bereits sind falschen Propheten zu folgen. Moebius liefert dazu höchst eigenständige Bilder der Marvel-Figuren Silver Surfer und Galactus. Das Umfeld in dem die Geschichte spielt erinnert dabei aber keineswegs an die realistisch dargestellte Erde des Marvel-Universums, sondern es scheint sich eher um die Welt des Incals oder der Hermetischen Garage zu handeln.

Moebius & Stan Lee: Silver Surfer - Parabel
“Silver Surfer – Parabel“ bekam 1989 einen Eisner Award als beste Miniserie. Bei uns erschien der Comic zunächst 1989 bei als Hardcover-Band bei Splitter und zwei Jahre später bei Carlsen als viertes Album innerhalb der Moebius-Reihe “Universum der Wunder“. Die neue Panini-Ausgabe ist zwar etwas kleinformatiger als die Splitter-Edition, hat aber sehr viel mehr Bonusmaterial zu bieten. Neben den bereits bekannten Vor- und Nachworten gibt es noch es noch Abbildungen von diversen Titelbildern der Miniserie sowie die Marvel Press Poster von Moebius, die ungewöhnliche Versionen von Figuren wie Wolverine, Iron Man oder dem Punisher zeigen.

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