Archiv der Kategorie: COMIC

Die neusten Comicalben auf dem Markt!

Garth Ennis: A Walk through Hell

Einmal mehr ist es nicht nur äußerst interessant was Garth Ennis, sondern auch wie er es erzählt. A Walk through Hell handelt von einem mysteriösen Lagerhaus, in das zunächst zwei FBI-Agenten hineingehen, aber nicht wieder herauskommen. Daraufhin folgen ihnen zwei Kollegen. Die Handlung pendelt hin und her zwischen dem, was diese Agenten erlebten bevor und nachdem sie die Schwelle des geheimnisvollen Gebäudes überquert hatten.

Garth Ennis: A Walk through Hell

Während Agent McGregor noch halbwegs idealistisch an seine oft sehr frustrierende Arbeit herangeht, gibt sich seine Kollegin Shaw abgebrüht, wird aber von Alpträumen geplagt. Den Auftakt des Comics bildet ein höchstwahrscheinlich rassistisch motivierter Doppelmord, wobei die Hate-Kommentare auf Twitter auf ihre hämische Art fast ebenso schlimm wie die Tat sind. In diesem Zusammenhang lässt Ennis seine Protagonisten auch über den amtierenden US-Präsidenten reden.

Garth Ennis: A Walk through Hell

Vor diesem realistisch anmutenden Background erscheint die von Ennis erzählte Horror-Geschichte durchaus von dieser Welt zu sein. Zur starken Wirkung der Comic-Serie, deren erste fünf Hefte dieser Sammelband enthält, tragen auch die realistischen Bilder von Goran Sudžuka bei. Beeindruckend ist die Inszenierung des Auftakts, denn die einzelnen Hefte zeigen auf Cover und Seite 1 immer die selben markanten oft ganz schön schockierenden Motive, die einmal im Blaulicht und einmal im Rotlicht der Polizeisirene schimmern.

Garth Ennis: A Walk through Hell

Der in Zagreb geborene Sudžuka, der für DC und Marvel arbeitet, hat sich schon lange gewünscht mit Ennis zusammen zu arbeiten. Cross Cult bietet im Anhang des ersten Sammelbands von A Walk through Hell neben einigen Variantcovern auch einen Einblick in den Arbeitsprozess. Erstaunlich wie detailliert das fast schon in Romanform verfasste Szenario die Handlung beschreibt und wie Sudžuka dann gelegentlich doch noch etwas uminterpretiert. Solche Einblicke sind das Salz in der Suppe bei der Veröffentlichung von bemerkenswerten Comic-Geschichten.

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Mikael Ross: Der Umfall

Nachdem Mikael Ross bei Lauter Leben! und Totem mit dem belgischen Autor Nicolas Wouters zusammenarbeitete, hat er sein neustes Werk Der Umfall im Alleingang realisiert, Im Zentrum der Erzählung steht der kleine rundliche Noel. Ross stellt ihn als etwas nervig auftretenden Jungen vor, der sehr stark auf seine Mutter fixiert ist. Nach und nach wird klar, dass Noel geistig behindert ist.

Mikael Ross: Der Umfall

Daher ist er völlig überfordert als seine Mutter plötzlich ohnmächtig und blutend im Badezimmer liegt. Nachdem er sich zunächst zur Beruhigung einen Eimer über den Kopf gezogen hat, gelingt es ihm schließlich doch die 112 anzurufen. Noels Leben droht aus den Fugen zu geraten, denn seine Mutter liegt im Koma und er kann nicht in die vertraute Wohnung zurück.

Mikael Ross: Der Umfall

Bereits mit diesem Auftakt zieht Mikael Ross den Leser in den Bann. Er zeigt Noel und seine Mutter als funktionierende Lebensgemeinschaft, wobei sofort klar wird, dass es nicht immer einfach mit dem hochemotionalen Jungen ist. Es wird auch klar, dass es nahezu unmöglich ist, jemand zu finden, der die Rolle von Noels Mutter übernehmen kann und da kommt das norddeutsche Dorf Neuerkerode ins Spiel.

Mikael Ross: Der Umfall

Hier wurde 1868 eine Initiative gegründet, die sich darum bemüht Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Zum 150. Jubiläum der heute “Evangelische Stiftung Neuerkerode“ genannten Organisation erschien dieser Comic von Mikael Ross, der zwei Jahre vor Ort recherchiert hat. Gemeinsam mit Noel lernt der Leser das Dorf kennen und erlebt mit, wie dieser mit einer Welt klarkommen muss, in der es sehr viele Menschen gibt, die sich ähnlich auffällig wie er verhalten.

Mikael Ross: Der Umfall

Mikael Ross idealisiert diesen Kosmos nicht, sondern bemüht sich darum zu vermitteln, dass es in Neuerkerode selbstverständlich reichlich Probleme gibt, doch hier insgesamt eine funktionierende Alternative zu hermetischen Pflegeeinrichtungen entstanden ist. Bei der Lektüre von Der Umfall kommt nie der Eindruck auf eine Auftragsarbeit mit Werbebotschaft zu lesen, sondern dieser großartige Comic steht auf sehr eigenen Füßen!

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Mark Millar: Jupiter’s Circle

Im April 2013 startete Mark Millar seine Superhelden-Serie Jupiter’s Legacy und erzählte von einigen Menschen, die nachdem sie 1932 eine geheimnisvolle Insel besucht hatten, plötzlich über spezielle Fähigkeiten verfügten. Doch nicht nur die Intrigen zwischen den ihre Kräfte für unterschiedliche Zwecke einsetzenden frisch gebackenen Superhelden, die sich in der nächsten Generation fortsetzten, sorgten für Aufregung.

Mark Millar: Jupiter’s Circle

Da der Zeichner Frank Quitely (All-Star Superman) sehr detailreich arbeitete, herrschte auch große Spannung bezüglich des Erscheinungsdatums des nächsten Heftes. So vergingen insgesamt fast zwei Jahre bis endlich Anfang 2015 die fünfte den ersten Zyklus abschließende Ausgabe erschien. Bevor es dann im nächsten Jahr mit der Hauptserie weiterging, schob Mark Millar noch ein Prequel-Serie dazwischen.

Mark Millar: Jupiter’s Circle

Die erste Ausgabe von Jupiter’s Circle startete im April 2015 bei Image und das zwölfte Heft erschien pünktlich im Mai 2016, kurz bevor es dann mit Jupiter’s Legacy weiterging. Die recht rasche Erscheinungsweise war möglich, da diesmal neben Hauptzeichner Wilfredo Torres mit Davide Gianfelice, Chris Sprouse, Rick Burchett und Ty Templeton noch weitere Künstler am Werk waren, was manchmal zu leichten Stilbrüchen führte.

Mark Millar: Jupiter’s Circle

Die Story ist jedoch aus einem Stück und spielt Ende der 50er-Jahre. Gastauftritte absolviert neben dem FBI-Chef J. Edgar Hoover auch Katharine Hepburn. Der Look ist weit entfernt von Frank Quitelys akribischen Stil, sondern erinnert eher an quietschbunte Pop Art. Innerhalb der Geschichte kommt es zwar auch zu Superhelden-Action, doch diese scheint die Haupthandlung kaum zu tangieren.

Mark Millar: Jupiter’s Circle

Soap-Elemente dominieren die Geschichte und dieses “Wer mit wem?“ mutete trotz aller offen angesprochener Probleme (etwa bezüglich Homosexualität in den 50er-Jahren) eher freundlich und harmlos an. Doch wer dieses in gewohnter Millar-Qualität produzierte Vorspiel gelesen hat, dürfte beim zweiten Teil der sehr viel düstereren Hauptserie Jupiter’s Legacy nicht nur besser durchblicken, sondern auch emotional stärker eingebunden sein.

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Lurchi und der Zeitreisende

Lurchi und seine Freunde machen Bekanntschaft mit einem echten Prinzen aus dem Alten Ägypten! Um alle Neuverfilmungen des Kinoklassikers Die Mumie zu sehen, reist der Prinz mit Hilfe eines Amulettes für Zeitreisen in die Zukunft. Um sich auf den neuesten Stand zu bringen, was Neuverfilmungen und Sonstiges zu dem Thema gibt, begeben sich alle in den Comic-Laden in Molchhausen.

Lurchi und und der Zeitreisende

Aber die Freunde wurden von der Bande der “Hinterlistigen Hunde“ belauscht und sie möchte das Amulett in ihren Besitz bringen. Dramatische Szenen, bis am Ende alles wieder gut ist und der Prinz in seine Zeit reisen kann: Und wieder schallt es lange noch: Salamander lebe hoch!

Lurchi und und der Zeitreisende

Im Jahr 1995 übernahm der 1962 geborene Grafiker und Illustrator Dietwald Doblies die Heftserie mit Heft Nummer 115 (Lurchi und die Zaubersteine). Wie immer sind unglaublich viele Details bei Doblies zu finden. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum sich gerade Kinder davon angesprochen fühlen – lieben sie doch Wimmelbilder, auf denen es unendlich viel zu entdecken gibt. Es macht sehr viel Spaß, die vielen Tiere und Einzelheiten aufzuspüren.

Lurchi und und der Zeitreisende

Doblies kommt mit viel Ideenreichtum und viel Liebe zum Detail diesen Erwartungen entgegen. Eine gehörige Portion Wortwitz – die drei Mitglieder der “Hinterlistigen Hunde“ heißen Schnief, Schnapp und Schnüffel und fährt einen Köter-Car mit Bellomotor – im neuesten Heft runden das Ganze ab. Im redaktionellen Teil des Lurchi-Heftes geht es diesmal selbstverständlich – dem Inhalt des Heftes entsprechend – um das Alte Ägypten. Interessant und kindgerecht erfahren wir allerlei Wissenswertes über Pyramiden.

Lurchi und und der Zeitreisende

Wer hätte im Jahre 1937 dem Geburtsjahr von Lurchi das gedacht, dass dem Feuersalamander ein so langes und erfolgreiches Leben beschieden sein würde. Aber bis heute erfreut er sich großer Beliebtheit: Der Lurch kam durch!

Norbert Elbers

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80 Jahre Marvel

Das Jubiläum “80 Jahre Marvel Comics“ feiert Panini mit einer ganz besonderen Buchreihe. Monatlich erscheinen Hardcover-Bände, die sich jeweils auf über 200 Seiten mit den Schwerpunkten beschäftigen, die die einzelnen Jahrzehnte dominieren.

80 Jahre Marvel

Zwar erschien bereits im Oktober 1939 das Heft Marvel Comics # 1, mit dem alles begann, doch der erste Panini-Band widmet sich den 40er-Jahren und das Vorwort kann auch gute Gründe dafür benennen. Die bereits ab Ausgabe zwei in Marvel Mystery Comics umbenannte Serie präsentierte mit The Human Torch alias Die Fackel und Prinz Namor zwei Charaktere, die noch heute im Marvel-Universum aktiv sind.

80 Jahre Marvel

Sie agierten jedoch zunächst jeweils in separaten Geschichten und erst im Juni 1940 in Marvel Mystery Comics # 8 geschah etwas, was fortan zur Spezialität des Verlags wurde. Der Sub-Mariner will seinen Hass auf die Menschheit ausleben und die Fackel versucht ihn bei seinem Zerstörungstrip durch New York zu bremsen.

80 Jahre Marvel

Das Aufeinandertreffen zweier zunächst in verschiedenen Serien eingeführter Charaktere wurde immer wieder gerne bei Marvel praktiziert und zelebriert. Ein zusätzlicher Aspekt ist, dass sich die Abenteuer der Helden nicht wie bei DC in fiktiven Städten wie Metropolis oder Gotham City abspielten, sondern zumeist im realistisch dargestellten New York.

80 Jahre Marvel

Captain America ist ein Marvel-Held, der ebenfalls in den frühen 40er-Jahren debütierte, doch nachdem der Zweite Weltkrieg gewonnen war und er keine Nazis bekämpfen konnte, wurde er 1949 erst einmal in den Ruhestand geschickt. 1953 kam es zu einer kurzen Wiederbelebung und Captain America tritt jetzt im Kalten Krieg gegen die “rote Gefahr“ an.

80 Jahre Marvel

Der Versuch aus der in den USA herrschenden Angst vor dem Kommunismus und der Sowjetunion erzählerisches Kapital zu schlagen dauerte nur ein Jahr. Captain America wurde “auf Eis“ gelegt und in den 60er-Jahren spektakulär wieder aufgetaut. Doch auch die ab 1953 zunächst in der Reihe Young Men veröffentlichten Kurzgeschichten haben ihren ganz speziellen Reiz, zumal sie knackig erzählt und recht ansprechend vom späteren Spider-Man-Zeichner John Romita Sr. gezeichnet wurden.

80 Jahre Marvel

Der zweite Band der Reihe „80 Jahre Marvel enthält alle diese Geschichten und als Bonus mit Captain America: Theater of War – America First noch einen thematisch passenden Comic von 2008, der sich mit der McCarthy-Ära beschäftig. Zwar heißt die Figur, die sich Zeichner und Autor Howard Chaykin als Gegenspieler für Captain America ausgedacht hat, Joseph R. McMurphy, doch es wird sofort klar, wer gemeint ist.

80 Jahre Marvel

Der dritte Band widmet sich den 60er Jahren und trägt den passenden Titel “Aufbruch in eine neue Zeit“. Naheliegend wäre es gewesen, hier zu präsentieren, wie es nach der Veröffentlichung von Fantastic Four # 1 im November 1961 Schlag auf Schlag weiterging mit Tales to Astonish # 27 (Januar 1962, erster Auftritt von Ant-Man), The Incredible Hulk # 1 (Juni 1962), Amazing Fantasy # 15 (August 1962, Spider-Man), Tales of Suspense # 39 (März 1963, Iron Man), X-Men # 1 (September 1963), The Avengers # 1 (September 1963), Daredevil # 1 (April 1964) usw.. Wer diese Comic-Hefte alle lesen möchte, dem sei der Band Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung Classic I: Marvel Origins – Die Sechzigerjahre empfohlen.

80 Jahre Marvel

“80 Jahre Marvel – Aufbruch in eine neue Zeit“ geht jedoch einen anderen Weg und präsentiert in zahlreichen Geschichten von unterschiedlicher Länge wie Spider-Man in diversen Heftreihen der 60er-Jahre seine Marvel-Kollegen besucht und Abenteuer mit ihnen erlebt. Das Resultat hätte auch den Untertitel “Net-Swinging Sixties“ tragen können und ist ein unterhaltsamer Exkurs, durch das damalige Marvel-Universum.

80 Jahre Marvel

Der vierte den 70er Jahren gewidmete Band kommt fast ganz ohne Superhelden aus und beschäftigt sich unter dem Motto “Die Monster kommen“ mit den Horror-Comics aus dem Hause Marvel. Enthalten sind natürlich die beiden ersten Hefte der recht erfolgreichen Serien um die klassische Horror-Mythen Tomb of Dracula (70 Ausgaben) und The Monster of Dracula (18 Ausgaben).

80 Jahre Marvel

Auch von der Serie Werewolf by Night hat der eine oder andere Marvel-Freund schon einmal etwas gehört und vom Ghost Rider oder Blade sowieso. Eine gute und teilweise ähnlich zusammengestellte Übersicht zum “Marvel Horror“ bietet übrigens Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung Classic XXI.

80 Jahre Marvel

Der vierte Band der Reihe “80 Jahre Marvel“ kann jedoch auch noch punkten durch den kompletten den Abdruck der ersten (und einzigen Ausgabe) des schwarzweißen Magazins The Legion of Monsters. Hiermit wurde 1971 versucht das Erbe der EC-Comics anzutreten und zugleich den Warren Comics Konkurrenz zu machen. Dies schlägt sich auch in den redaktionellen Seiten nieder, die in dem Band komplett und auf Deutsch übersetzt zum Abdruck kommen. Genau wie in Famous Monsters of Filmland wurden “neue“ Horror-Filme wie Der weiße Hai oder Frankenstein Junior besprochen.

80 Jahre Marvel

Enthalten ist aber auch eine von Dick Giordano gezeichnete Adaption von Bram Stokers Dracula. Noch bemerkenswerter ist die Geschichte The Flies, die recht geschickt die Atmosphäre von Tod Brownings Filmklassiker Freaks von 1932 einfängt. Die Hauptfigur Chuckles hat große Ähnlich mit dem als Schlitzie the Pinhead bekannten Darsteller aus Freaks.

80 Jahre Marvel

Abgerundet werden die Bücher noch durch Skizzen und informative Vorworte. Sehr unterhaltsam wird hier vermittelt wie und was in den jeweiligen Jahrzehnten bei Marvel erzählt wurde.

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Gung Ho 4: Zorn

Gung Ho spielt in einer Welt, die nur noch sehr schwach von Menschen bevölkert wird. Auslöser war eine Katastrophe über deren genaue Ursachen uns Autor Benjamin von Eckartsberg und Zeichner Thomas von Kummant auch im vierten und vorletzten Band nichts verraten. Doch immerhin gibt es eine Rückblende, die erklärt, warum die beiden ungleichen Brüder Archer und Zack vom Waisenhaus in die abgeriegelten Siedlung Fort Apache verfrachtet wurden.

Gung Ho 4: Zorn

Gung Ho erzählt davon, wie sich Menschen in extremen Situationen verhalten und wieviel “Menschlichkeit“ im Ernstfall noch übrig bleibt. Diese Thematik beackert auch Robert Kirkmans Endzeit-Saga The Walking Dead, die ebenfalls bei Cross Cult erscheint. Doch anstatt auf Tausenden von routiniert gezeichneten schwarzweißen Seiten einen Endlos-Zombie-Film zu inszenieren, haben von Eckartsberg und von Kummant formal einen völlig anderen Ansatz.

Gung Ho 4: Zorn

Sie erzählen ihre Geschichte in großartig komponierten und kolorierten Bildern, die nur im europäischen Album-Großformat ihre volle Wirkung enthalten. Die “Schönheit“ der Einzel-Panels und Seiten steht jedoch seltsamerweise der immer wieder drastische Momente enthaltenden Geschichte nicht im Wege. Gung Ho handelt von jungen Menschen, die die undurchsichtig organisierte Welt der Erwachsenen hinterfragen und versuchen eigene Wege zu beschreiten. Dies ist in einer Welt, in der an jeder Ecke hungrige Reißer-Monster lauern noch um einiges gefährlicher als in unserer Realität.

Gung Ho 4: Zorn

Auch von Band 4 gibt es eine auf 888 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe, die für 15 Euro Aufpreis noch 40 Seiten mit Bonusmaterial enthält. Geboten wird ein interessantes Werkstatt-Gespräch mit Benjamin von Eckartsberg, ein aussagekräftiges Making Of zur Inszenierung der Action-Sequenzen, sowie wieder eine Galerie.

Gung Ho 4: Zorn
Regis Loisel

Hier ist es einmal mehr bemerkenswert, wer hier alles mit beeindruckenden Hommage-Bildern Gung Ho seinen Tribut erweist. Diesmal sind u. a. Jordi Lafebre (Lydie, Wundervolle Sommer), Frank Pé (Jonas Valentin, Zoo) sowie der Großmeister Régis Loisel (Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit, Peter Pan) vertreten. Beim Blättern kommt schon etwas Wehmut darüber auf, dass Gung Ho schon mit dem nächsten Band endet.

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Frank Schmolke: Nachts im Paradies

In seinem ersten Comic-Album Trabanten erzählte Frank Schmolke von Menschen, die sich im Abseits der Gesellschaft befinden. Auch in seinem neusten Werk zeigt Schmolke seine Heimatstadt München nicht gerade von ihrer besten Seite. Basierend auf eigenen Erlebnissen schildert er, was der Taxifahrer Vincent während des ja eigentlich für hohe Umsätze sorgenden Oktoberfests erlebt.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Frank Schmolke hat selbst eine Weile als Taxifahrer gearbeitet und tat es immer wieder, wenn “Auftragsflauten oder finanzielle Krisen“ herrschten. Die ersten Skizzen zu Nachts im Paradies sind im Taxi entstanden. Schmolke sieht Ähnlichkeiten zwischen Taxifahren und Zeichnen: “Das Suchen einer Fahrtroute ist ähnlich dem Ziehen einer Linie mit dem Stift. Der Fahrgast ist wie ein weißes Stück Papier. Vorerst neutral. Während der Fahrt füllt sich das Blatt mehr und mehr. Bis zum Ende der Fahrt entsteht so ein Bild des Fahrgastes.“

Frank Schmolke: Nachts im ParadiesSchmolkes Comic-Erzählung ist zwar mit klaren schwarzen Linien gezeichnet, doch sind die Bilder wie skizzenhaft geblieben. Es wirkt fast so, als wenn Schmolkes Zeichengeschwindigkeit ähnlich hoch war, wie das Umblätter-Tempo, das er seinen Lesern durch die spannende Erzählung aufzwingt. Die Bilder scheinen sich schmuck- und schnörkellos auf das Wesentliche zu beschränken, entfalten ihre volle Wirkung jedoch erst durch das Großformat, das die Edition Moderne der Veröffentlichung dankenswerterweise spendiert hat.

Frank Schmolke: Nachts im Paradies

Bemerkenswert ist auch, dass Nachts im Paradies, obwohl Schmolke einige selbsterlebte Sequenzen in die 350-seitige Geschichte eingebaut hat, kein Episoden-Comic geworden ist. Die Story vom Taxifahrer Vincent, der sich um seine 16-jährige Tochter sorgt, aber auch nicht gerade als Vorbild taugt, hat Schmolke mitreißend und emotional aufwühlend zu Papier gebracht. Es gibt wenige Comics, die einen so stark mitten ins Geschehen hineinziehen wie dieser!

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Batman: Die Pforten von Gotham

Auf drei Brücken in Gotham City wird gleichzeitig ein Bombenanschlag verübt. Zunächst können Batman (Dick Grayson) und seine Helfer Red Robin (Tim Wayne), Blackbat (Cassandra Cain) und Robin (Damian Wayne) zwischen den Brücken keinen Zusammenhang herstellen. Aber als sie herausfinden, wie die Brücken früher hießen und wer ihre Erbauer waren, sehen sie klarer.

Batman: Die Pforten von Gotham

Die Brücken wurden vor ca. 130 Jahren von drei Männern in Auftrag gegeben und leiteten den wirtschaftlichen Aufschwung von Gotham City ein: Die drei Männer waren der Industrielle Alan Wayne, der Bürgermeister Theodore Cobblepot und der Zeitungsverleger Edward Elliot. Bekannte Namen also, deren Nachkommen auch heute noch das Batman-Universum maßgeblich beeinflussen!

Batman: Die Pforten von Gotham

In vielen Rückblicken schildern die Autoren spannend die geschäftlichen Verbindungen der drei gleichen Partner und den Aufstieg und Wandel von Gotham City zur Weltmetropole. Maßgeblich an den Prachtbauten und Wolkenkratzern waren auch die beiden begnadeten Architekten, die die kühnen Pläne der Geldgeber in Stahl realisierten. Der Wortsinn der Namen der beiden Architekten-Brüder geht bei der Eindeutschung des Titels verloren: Sie heißen Bradley Gate und Nicholas Gate – sie sind die Gates von Gotham.

Batman: Die Pforten von Gotham

Ihr Schicksal ist leider weniger erfreulich und ihr dunkles Geheimnis ist Ursache für die bedrohlichen Verwerfungen von Gotham City. Wer sich wundert, dass hier Dick Grayson im Batman-Kostüm steckt: Die Story spielt kurz nach FINAL CRISIS, also zu einem Zeitpunkt, wo Bruce scheinbar starb und im Zeitstrudel verloren ging. Den Autoren – allen voran Scott Snyder – gelingt eine packende Szenerie, die in sich schlüssig ist.

Batman: Die Pforten von Gotham

Zuvor hatte Snyder mit Batman erste Erfahrungen in DETECTIVE COMICS #871 bis #881 (Januar bis Oktober 2011; Der schwarze Spiegel) gesammelt. Hier wusste er zu überzeugen. Es folgt dann eben diese Miniserie und danach prägte er für lange Zeit das Erscheinungsbild des Mitternachtsdetektiven in der monatlichen Batman-Serie, beginnend mit einer neuen Nummer #1 in DC-Rebirth.

Batman: Die Pforten von Gotham

Die Zeichnungen der Rückblicke sind im Steam-Punk-Stil gestaltet und verleihen der Story die perfekte Atmosphäre. Generell sind die Zeichnungen klar und scharf – die Farbgebung überaus gelungen.

Norbert Elbers

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Micky Maltese: Eine Mäuseballade

Der 1947 in Venedig geborene Italiener Giorgio Cavazzano war bereits als 12-Jähriger professionell in der Comic-Branche tätig! Er tusche zunächst die Zeichnungen seines auch für Disney tätigen Cousins Luciano Capitanio und wurde dann Mitarbeiter von Romano Scarpa (Der fliegende Schotte), dem wohl einflussreichsten italienischen Disney-Zeichner.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Bereits mit 19 Jahren realisierte Cavazzano eigene Comic-Geschichten für Disney Italien. Er arbeitet meistens mit Textern zusammen, wie etwa bei der viel beachteten Fantasy-Serie Drachenritter mit Egmonts Disney-Chefredakteur Byron Erickson. Doch Cavazzano kann nicht nur Disney, wie seine Geschichte Spider-Man in Venedig belegt, und ist auch ein talentierter Autor, wie seine bei uns in der Lustiges Taschenbuch Jubiläumsedition Nr. 3 und im Band Entenhausener Filmklassiker veröffentlichte Parodie des Kultfilms Casablanca beweist.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Ein weiterer Höhepunkt im Werk von Cavazzano ist eine von Bruno Enna geschriebene Geschichte. Der Titel Micky Maltese: Eine Mäuseballade lässt zwar vermuten, dass es sich hierbei um eine Parodie von Hugo Pratts ersten Comic-Abenteuer mit Corto Maltese handelt. Doch für Autor und Zeichner ist der 1967 erschienene Comic Die Südseeballade ein alles überragender Meilenstein.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Daher ist Eine Mäuseballade weniger eine Parodie, sondern – genau wie viele der italienischen Disney-Comics – eine liebevolle Hommage. Es wird sich nicht über die Vorlage lustig gemacht, sondern – ähnlich wie in frühen Disney-Kurzfilmen – ist die Freude daran zu spüren, Micky und seine Freunde in die Helden- oder Schurken-Rollen von Klassikern aus Literatur oder Kino schlüpfen zu lassen.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

So ist es bei Cavazzano und Enna nicht der aufbrausende Donald, der für die Corto-Maltese-Rolle gecastet wurde, sondern der gelegentlich auch melancholische Micky. Diesem wird fast die Show gestohlen, durch einem sehr charismatisch die Schurkenrolle des Katputin (Rasputin bei Pratt) spielenden Kater Karlo. Natürlich gibt es im Comic auch dankbare Rollen für Minnie (“Minniedora Gruyère-Moore, Tochter eines bekannten Reeders aus Cape Maus“) und Goofy als Südsee-Insulaner.

Micky Maltese: Eine Mäuseballade
© 2019 Disney

Obwohl die Geschichte ganz offensichtlich für die Veröffentlichung im (Lustigen) Taschenbuch-Format vorgesehen ist, hat die Egmont Comic Collection eine luxuriöse Edition spendiert. Das hat mit 50 Euro seinen Preis, ist aber durchaus angemessen. Die klaren Bilder von Cavazzano und das kongeniale Inking von Alessandro Zemolin kommen im Großformat besser zu Wirkung. Als Ergänzung gibt es noch aussagekräftige Texte von Enna, Cavazzano. Zemolin und dem Journalisten Vicenzo Mollica.  Als krönenden Abschluss enthält das Buch noch den Abdruck sämtlicher Bleistiftzeichnungen von Cavazzano, die dieser ganz lässig – und ohne jemals ein Radiergummi zu benutzen! – zu Papier gebracht hat.

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Dave Stevens: Rocketeer

Das war schon lange überfällig! Nach der stimmungsvollen Disney-Verfilmung von 1991 und der noch länger zurückliegenden deutschen Veröffentlichung des ersten Rocketeer-Comics beim Hethke Verlag erscheint endlich eine Gesamtausgabe von Dave Stevens liebevoller Hommage an Hollywoods Film-Serials der 30er und 40er Jahre.

Dave Stevens: Rocketeer

Wer sich einmal eine Episode der Filmfortsetzungsreihe King of the Rocket Men angesehen hat, wird dies Erlebnis sein Leben lang nicht vergessen. Das billig produzierte 12-teilige Serial um einen Helden im Flugkörper-Anzug strotzt nur so vor naiven Charme.

Dave Stevens: Rocketeer

1982 schuf der begnadete und 2008 viel zu früh verstorbene Zeichner Dave Stevens seinen ganz eigenen König der Raketenmänner. In einer Comic-Fortsetzungsserie erzählte vom ebenso tollkühnen wie naiven Bruchpiloten Cliff Secord, der zufällig in den Besitz eines Raketenrucksacks gerät. Sein Kumpel der Mechaniker Peevy schmiedet dazu noch schnell einen stylischen Helm mit integrierter Heckfloße und ab geht es in die Luft und ins Abenteuer.

Dave Stevens: Rocketeer

The Rocketeer entstand nicht als Auftragsarbeit sondern in der Freizeit des vielbeschäftigten Storyboard-Künstlers, der auch an Jäger des verlorenen Schatzes und Michael Jacksons Video Thriller mitwirkte. Jedem Panel von The Rocketeer ist anzumerken, dass Stevens die Ästhetik der 30er Jahre liebt. Zusätzlichen Reiz bekommt der Comic noch dadurch, dass er nicht nur viel Spaß an der Darstellung von nostalgischen Autos und Fluggeräten hatte, sondern auch am Zeichnen von Pin-Up-Girls (Cliff Secords Freundin sieht aus wie das Sexsymbol Betty Page).

Dave Stevens: Rocketeer

Unter dem Motto Der Rocketeer hebt ab erscheint bei Cross Cult eine mit informativen und wunderschönen Bonusmaterial garnierte exzellent neu kolorierte Gesamtausgabe, die auch die direkte Fortsetzungsgeschichte Cliffs Abenteuer in New York enthält, die hier erstmals auf Deutsch erscheint. Dieser Klappentext ist ausnahmsweise nicht übertrieben: “Das Flair der 30er Jahre, eingefangen in der Fabulierlust der 80er Jahre und optisch aufbereitet für das neue Jahrtausend“.

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