Archiv der Kategorie: COMIC

Die neusten Comicalben auf dem Markt!

Die letzten Tage der Menschheit

Zwar hat Reinhard Pietsch in seiner Jugend „die üblichen Comics“ gelesen, doch erst als er „Zahra’s Paradise“ für den Knesebeck Verlag übersetzte, wurde ihm klar was für erzählerische Möglichkeiten das Medium Comic zu bieten hat. Dadurch kam er auf die Idee „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus zu adaptieren und als Comic umsetzten zu lassen.

Die letzten Tage der Menschheit

Karl Kraus schrieb sein Mammutwerk von 1915 bis 1922. Das aus 220 lose zusammenhängenden Szenen bestehende „nicht aufführbare Theaterstück“ entstand direkt unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs und ist eine Chronik des damals (und leider auch noch heute herrschenden) Wahnsinns. Direkte Eindrücke von den Kämpfen sucht der Leser vergebens. Kraus ist eher an den Hinterzimmern der Macht – aber auch an den Meinungen der Besserwisser an der Heimatfront – interessiert, denn „die Bomben fallen immer anderswo – das Leben geht scheinbar weiter wie gewohnt“.

Die letzten Tage der Menschheit

Mit dem äußerst agilen David Boller („AÏR – Der Aufstand„) fand Pietsch einen mehr als geeigneten Zeichner, der sowohl bereit war in der Historie zu recherchieren als auch darum zu kämpfen, dass der Comic nicht zu wortlastig wurde. In jenem schönen klaren Schwarzweiß-Stil, der schon seinen biographischen Comic „Ewiger Himmel“ zu einem großen Lesevergnügen machte, brachte David Boller „Die letzten Tage der Menschheit“ zu Papier. Die beim Münchner Utz Verlag erschienene Ausgabe verfügt darüber hinaus noch über ein umfangreiches Glossar und sei allen Freunden anspruchsvoller Comic-Literatur ans Herz gelegt.

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Saga 2

Weiter geht es mit der neuen bereits mehrfach preisgekrönten Erfolgsserie von Brian K. Vaughan. Der Autor von “Y – The Last Man“ und „Ex Machina“ lässt hier das galaktische Mischlingskind Hazel eine romantische Science-Fiction-Saga erzählen. Hazels Eltern Alana und Marko gehören zwei unterschiedlichen Alien-Völkern an. Beide haben zwar menschliche Körper, doch während sie über seltsame fledermausartige (aber eigentlich viel zu kleine) grüne Flügel verfügt, hat er nicht nur spitze Elfen-Ohren sondern auch noch Hörner wie ein Widder.

Saga 2

Im zweiten „Saga„-Sammelband von Cross Cult wird nicht nur die spannende Geschichte der verfolgten frischgebackenen Eltern weiter erzählt, sondern auch in Rückblenden geschildert, wie sich Alana und Marko kennenlernten. Das ständig wachsende Ensemble von interessanten Außerirdischen mit Hang zu irdischen Klamotten wird diesmal noch ergänzt um den zyklopischen Erfolgsautor D. Oswald Heist, dessen Roman „Night Time Smoke“ Alana und Marko Markos zusammenbrachte. Außerdem lernen wir Markos besorgte und vielfältig begabte Eltern kennen, sowie dessen Ex-Freundin Gwendolyn, die sich dem Kopfgeldjäger Der Wille anschließt. Vaughan gelingt es dabei die Verfolger fast genauso sympathisch wirken zu lassen wie das junge Liebespaar.

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Dieser schön aufgemachte Hardcover-Band enthält die nur geringfügig verkleinerten US-Hefte 7 bis 12 der Serie „Saga„, die die Kanadierin Fiona Staples wieder in einem sehr lässigen Stil äußerst farbenfroh zu Papier gebracht hat. Als Bonus gibt es noch einige Skizzen sowie ein Porträt von Brian K. Vaughan. Man darf mehr als gespannt sein wie es mit Alana, Marko und der kleinen Hazel weiter geht.

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Batman – Legenden des Dunklen Ritters: Beute

Seitdem Jerry Siegel und Joe Shuster die ersten waren, die sich im Jahre 1938 zusammengetan hatten und schließlich SUPERMAN erdachten, so wurden die besten Comics geschaffen, wenn bestimmte Künstler zusammenarbeiteten und gemeinsam Werke schufen von atemberaubender Spannung und Schönheit.

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Ein solches Dream-Team sind schon seit Jahren Doug Moench und Paul Gulacy. Beide arbeiteten schon mit vielen anderen Künstlern zusammen, aber immer dann, wenn sie zusammen etwas schufen, dann schien jedes Mal eine bestimmte Form von Chemie ins Spiel zu kommen. Ihre frühen Werke bei Marvel “Master of Kung Fu“ oder aber auch das Science Fiction Epos “Six from Sirius“ (dt. die SPLITTER) zeugen davon. Ebenso “James Bond“ bei Dark Horse oder unzählige Arbeiten mit dem Mitternachtsdetektiven Batman. Angefangen von US-Batman #393 (März 1986), über “Batman versus Predator II“ (dt. bei DINO), bis hin zu “Legends of the Dark Knight“ #11 bis #15: “Prey“ (dt. zuerst bei CARLSEN).

Und nun neu übersetzt erscheint dieses Meisterwerk bei Panini innerhalb der Serie “Batman – Legenden des Dunklen Ritters“. Im Vordergrund der damals neu aus der Taufe gehobenen Serie “Legends oft he Dark Knight“ stehen Geschichten, die ganz am Anfang des Werdeganges von Bruce Wayne zu Batman stehen – neue, noch nicht erzählte Geschichten, die die ersten Abenteuerjahre des noch allein agierenden Helden und Vigilanten beleuchten.

Einige Ereignisse aus Frank Millers “Batman: Year One“ werden erwähnt und Batman ist noch ganz am Anfang seiner Helden-Karriere. Kein Robin, kein Batmobil. Dieses befindet sich noch im Bau in der Höhle. Dadurch entstehen kuriose Situationen, zum Beispiel muss Batman spät nachts zu Fuß aus Gotham City zurück nach Wayne Manor.

Gotham, seine Bürger, die Polizei und der Bürgermeister wissen noch nicht so recht, was sie von Batman halten sollen. Gordon scheint die Methoden für gut zu befinden – der Bürgermeister duldet aber keine andere Instanz für Recht und Ordnung als seine Polizei. Diese ist aber größtenteils korrupt und so ist es schwer, das Verbrechen effektiv zu bekämpfen. Eine Sondereinheit unter der Leitung von Captain James Gordon, soll Batman fangen. Ein übereifriges Mitglied seiner Truppe nimmt die Aufgabe viel zu Ernst.

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Gleichzeitig soll der Psychologe Prof. Dr. Hugo Strange die Aktivitäten von Gordons Sondereinheit mit Rat und Gutachten unterstützen. Strange aber verfolgt ganz andere – eigene Interessen. Er erstellt Psychoanalysen, was für ein Mensch hinter Batmans Maske stecken könnte. Gleichzeitig verfällt er aber selbst der Faszination der Verkleidung und der Machtausübung, die sich nicht zu rechtfertigen braucht. Er ist der wirklich Kranke, der unerfüllte Sehnsüchte hat damit nicht zurechtkommt. Seine Phantasien und brutalen Handlungen sind Ventil dafür. Anders bei Batman – er ist Bruce Wayne und gleichzeitig Batman, weil er es kann!

Auch wenn die Geschichte nun fast ein Vierteljahrhundert alt ist, ist sie grandios zu lesen, klassisch und spannend. Die großartigen Zeichnungen von Paul Gulacy geben der Story Tiefe und gehen eine geniale Symbiose ein. Die Reihe “Batman – Legenden des Dunklen Ritters“ wird fortgesetzt mit dem Präludium zu Knightfall: “Venom“.

Norbert Elbers

Der Comic enthält: US-Batman: Legends oft he Dark Knight #11 bis #15 (September 1990 bis Februar 1991); Text: Doug Moench; Zeichnungen: Paul Gulacy; Tusche: Terry Austin; aus dem Amerikanischen von Alexander Rösch; Prestige; Softcover: € 16,99, auf 333 Exemplare limitierter Hardcover: € 29,00; 140 Seiten; farbig; Cover von Paul Gulacy; Panini/DC Comics

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42. Comicfestival in Angoulême

Wie regelmäßig in den letzten Jahren habe ich auch diesmal das französische Festival de la Bande Dessinée d’Angoulême besucht.

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Meine Eindrücke von der im Schatten des Pariser Anschlages auf die Redaktion von Charlie Hebdo stehenden größten europäischen Comicfestival wurden in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht und sind mittlerweile auch online zu lesen.

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Die CHARLIE HEBDO Ausstellung in Angouleme zeigt wenig mehr als die schönsten Geschmacklosigkeiten von Wolinski, Cabut & Co.. Doch dass ein ganzes Land nach dem Anschlag verkündet hat, Charlie zu sein, wirkt plötzlich gar nicht mehr pathetisch. Die allwöchentlich an den Zeitungskiosken ausgehängten plakativ-provokanten Titelbilder sind tatsächlich ein nicht mehr wegzudenkendes Stück Frankreich.

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Das deutsche Fachblatt COMIX druckte eine Sonderausgabe mit französisch übersetzten Je suis Charlie Beiträgen von deutschen Comic-Künstlern wie Flix, Isabel Kreitz, Reinhard Kleist oder Volker Reiche.

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Die langen Schlangen vor dem Cité de la BD hingen auch mit den verschärften Einlasskontrollen zusammen.

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Doch das Festival-Leben ging weiter und das Stadtbild wurde um ein von Philippe Druillet entworfenenes tolles Wandgemälde erweitert.

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Herausragend war die Werkschau von Jiro Taniguchi ( “Vertraute Fremde“), der eine beeindruckende Menge von höchst unterschiedlichen Geschichten in die Welt gesetzt hat. So stark wie wohl kein anderer japanischer Zeichner fühlt er sich dem frankobelgischen Comic verbunden.

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Die dritte große Ausstellung des Festivals war die Werkschau des erwartungsgemäß nicht anwesenden Festival-Präsident Bill Watterson. Dessen Serie “Calvin und Hobbes“ ist immer noch äußerst beliebt, obwohl sie bereits 1995 eingestellt wurde.

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Watterson steuerte zum Festival ein eigens dafür geschaffenenes Plakat-Motiv bei.

Riad Sattoufs „Der Araber von morgen“ wurde als bestes Comic-Album des Jahres prämiert.

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Der aus Syrien stammende Zeichner und Filmregisseur (“Jungs bleiben Jungs“) hat auch für Charlie Hebdo gearbeitet.

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Auf dem Rückweg vom Comicfestival war ich noch am Ort des CHARLIE HEBDOT Anschlags in Paris. Wie viele, viele Menschen habe ich dort zwischen zahlreichen frischen Blumensträußen und Kränzen auch einen Zeichenstift niedergelegt.

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Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Nach seinem Comic „Der Boxer – Die wahre Geschichte des Hertzko Haft“ packte Reinhard Kleist wieder ein hochpolitisches Thema an, das diesmal noch stärker im Zusammenhang steht, mit der Welt in der wir heute leben.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Die Läuferin Samia Yusuf Omar vertrat Somalia 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking. Sie schnitt sportlich zwar nicht sonderlich gut ab, doch die positiven Eindrücke von ihrer Reise überwogen und halfen ihr nach der Rückkehr dabei mit den alles andere als rosigen Verhältnissen in ihrem Heimatland klar zu kommen.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Als ihr die Möglichkeit genommen wird, sich auf die Olympiade 2013 in London vorzubereiten, sah Samia nur noch eine Möglichkeit. Sie verliess ihre Heimat und brach zu einer gefährlichen Odyssee auf. Unter gefährlichen Umständen durchquerte  sie Äthiopien und den Sudan, um sich von Menschenhändler von Lybien nach Italien einschiffen zu lassen.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Kleist gelingt es in seinem Comic die Lebensumstände in Somalia zu schildern, einem Land, das laut Nachwort von Elias Bierdel, von “der Weltgemeinschaft praktisch aufgegeben wurde“. Religiöse Moralapostel mit Knüppeln, die schon ihren Vater umbrachten, machen es auch Samia fast unmöglich ihren Olympischen Traum zu leben.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Samia ertrank auf ihrer Flucht im Alter von nur 21 Jahren vor der Küste von Malta. Die letzten Monate im Leben der jungen Frau rekonstruiert Kleist gestützt auf den Erinnerungen von Verwandten und einen Facebook-Eintrag von Samia so gut wie es einem laut Selbstbeschreibung “behütet aufgewachsenen Europäer“ wie ihm möglich ist. Das Resultat ist ein in nur scheinbar simplen meisterlichen schwarzweißen Bildern erzählte Comic-Geschichte. Diese macht traurig über das Schicksal der Hauptfigur und die ungerechte Verteilung der Lebensmöglichkeiten auf unserer Erde, zeigt aber auch wie universell wichtig Träume und Ziele sind.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

“Der Traum von Olympia“ ist die letzte Serie, die die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer 2000 mit Volker Reiches STRIZZ gestarteten leider eingestellten selbst produzierten täglichen Comic-Rubrik veröffentlichte. Im Netz ist Kleists Comic in Strip-Form hier weiterhin verfügbar.

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Batman Anthologie

Dieses 372-seitige Hardcover-Buch feiert den 75. Geburtstag von Batman mit 20 interessant ausgewählten in sich abgeschlossenen Comic-Geschichten.

Batman Anthologie

Nicht fehlen dürfen natürlich Batmans erster Auftritt, die sechsseitige Geschichte “Der Fall des Chemie-Syndikats“ von Bob Kane und Bill Fingers aus “Detective Comics 27“ (Mai 1939) sowie die ein halbes Jahr später auf zwei Seiten nachgereichte Entstehungsgeschichte des Dunklen Ritters. Es folgt der erste Auftritt des Wunderknaben Robin. In dieser im April 1940 erschienenen Geschichte, an der Jerry Robinson als Zeichner beteiligt war, zeigt sich welch einen gewaltigen Fortschritt die Batman-Comics künstlerisch und erzählerisch im ersten Jahr machten.

Batman Anthologie

Dies setzt sich fort und das Buch belegt dies an gut ausgesuchten Beispielen. Interessant ist zum Beispiel die Geschichte “Unfälle nach Plan“, die eine witzige Erklärung dafür liefert, warum der zunächst sehr rundliche Butler Alfred plötzlich spindeldürr wurde. Der wahre Grund ist hierfür jedoch, dass die Comicfigur dem Darsteller William Austin angeglichen wurde, der den Butler 1943 im 15-teiligen Kino-Serial “The Batman“ verkörperte. Das erste Kapitel des Buches über den Batman des Golden Age beendet die Geschichte “Die Sensation des Jahrhunderts“ in der erstmals die später von Kim Basinger verkörperte Reporterin Vicki Vale auftrat.

Batman Anthologie

Das Silver Age schließlich wird eingeleitet mit einer Geschichte vom „Captain Future“ Schöpfer Edmond Hamilton von 1955 in der das dynamische Duo auf einen “Batman von morgen“ aus dem Jahre 3054 trifft. Die Batman-Comics wurden zu dieser Zeit immer alberner und die schwarze Fledermaus auf Batmans Brust mit einem gelben Oval unterlegt. Auf Wunsch der Produzenten der erfolgreichen TV-Serie mit Adam West debütierte 1967 in den Batman-Comics Batgirl als Identifikationsfigur für ein weibliches Publikum. Diese Story ist im Buch enthalten, genauso wie “Das Geheimnis der offenen Gräber“ das erste Batman-Team-Up von Autor Dennis O’Neil und Zeichner Neal Adams. Dieses Duo sorgte dafür, dass die Comics wieder ernsthafter wurden und dadurch ebneten sie den Weg für Frank Miller “The Dark Knight Returns“ und Tim Burtons “Batman“-Kinofilm. Ebenfalls enthalten ist Frank Millers erste Batman-Geschichte “Gesucht: Santa Klaus – Tot oder lebendig“, geschrieben von Dennis O’Neil.

Batman Anthologie

Die letzten Batman-Comics im chronologisch geordneten Buch gehören sicher nicht zu den absoluten Höhepunkten, was auch daran liegt, dass seit Ende der Achtziger Jahre im Superhelden-Comic verstärkt auf epische sich über etliche Heft-Ausgaben und –Serien hinziehende Erzählungen gesetzt wird. Gute in sich abgeschlossene Geschichten sind eher Mangelware, doch ein Beispiel aus “Batman – Black and White“ oder auch “Mad Love“ von Paul Dini und Bruce Timm hätten dem Buch zur Zierde gereicht. Auch Beiträge von Jim Lee und Grant Morrison hätten meiner Meinung nach in eine „Batman Anthologie“ gehört. Doch dafür entschädigen die ausführlichen über das ganze Buch verteilten Texten, die alle Aspekte in der abwechslungsreichen Karriere des Mitternachtsdetektiv gebührend würdigen.

Joker Antologie

So mancher Leser mag sich wundern, warum der Joker, der mit Abstand schillerndste Gegner des Dunklen Ritter, in der “Batman Antologie“ kaum auftritt. Des Rätsels Lösung ist, dass kurz darauf zum 75. Geburtstag des Clownprinzen des Verbrechens eine ebenso interessant zusammengestellte “Joker Anthologie“ erschienen ist (anschließend folgte eine „Harley Quinn Anthologie„, eine „Flash Anthologie“ und eine „Wonder Woman Anthologie„).

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Ambulanz 13: Das blutrote Kreuz

Der 1948 in Paris geborene Patrick Cothias ist einer der eifrigsten Autoren in der französischen Comicbranche. Von seinen in über 150 Einzelbänden veröffentlichten knapp 40 Serien dürften die bei uns bei Feest und Carlsen veröffentlichten von André Juillard gezeichneten Serien “Der rote Falke“ und “Die sieben Leben des Falken“ am bekanntesten sein. Zu diesen im 17. Jahrhundert angesiedelten Abenteuergeschichten, gibt es auch noch allerlei ebenfalls von Cothias getextete Nebenserien, die nur zum Teil bei uns erschienen sind.

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In “Ambulanz 13“ erzählt Cothias gemeinsam mit Patrice Ordas, der schon recht häufig sein Co-Autor war, eine Geschichte vor dem Hintergrund des bereits zwei Jahre wütenden Ersten Weltkriegs. Hauptfigur ist der junge Mediziner Louis-Charles Bouteloup, der aus gutem Hause stammt. Trotzdem wird er Anfang 1916 gleich nach Beendigung seines Studiums direkt an die Front geschickt. Dort versucht er mit seiner kleinen Einheit „Ambulanz 13“ die Grausamkeit des Kriegs zu lindern. Dabei muss sich der Frischling nicht nur den Respekt seiner Kameraden verdienen, sondern wird auch noch mit den unsinnigen teilweise lebensgefährlichen Befehlen seiner Vorgesetzten konfrontiert. Unterstützung erfährt Bouteloup von ungewöhnlicher Stelle, denn die als Krankenschwester tätige Nonne Schwester Isabelle ist sehr angetan vom Enthusiasmus des jungen Arztes…

“Ambulanz 13“ wurde vom Zeichner Alain Mounier grundsolide zu Papier gebracht und gelegentlich wird tatsächlich etwas von der Sinnlosigkeit jenes Krieges vermittelt, der alle anderen Kriege beenden sollte. Der Hauptreiz des Comics ist jedoch die interessant verschachtelte Geschichte, die durch Rückblenden Details aus dem Leben von Bouteloup erzählt und neugierig auf die weiteren Alben von “Ambulanz 13“ macht.

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Johann & Pfiffikus 4: Die Schlumpfjahre

Nachdem Pierre Culliford alias Peyo 1958 im neunten Album seiner Serie Johann und Piffikus die Schlümpfe auftreten ließ, begann damit die Weltkarriere der blauhäutigen Wichte. Peyo läutete mit “Die Schlümpfe und die Zauberflöte“ zugleich aber leider auch das Ende seiner im Mittelalter angesiedelten Serie um den kühnen Recken Johann und dessen Knappen Pfiffikus ein.

Johann & Pfiffikus 4: Die Schlumpfjahre

Der vierte Band der Hardcover-Gesamtausgabe von toonfish enthält mit “Der Streit um die sieben Quellen“, “Der Ring derer von Hohenfels“, “Das verwunschene Land“ und “Der Hexenbann von Habichtstein“ (zuvor bei Carlsen als “Der Zauberer von Schwarzenfels“ erschienen) die vier letzten von Peyo konzipierten Alben der Serie. In drei dieser zwischen 1961 und 1970 entstandenen Geschichten spielen die Schlümpfe eine maßgebliche Rolle. Nach dem Tode von Peyo erschienen in den Neunziger Jahren noch vier weitere Geschichten mit Johann und Piffikus, die im fünften und letzten Band der Gesamtausgabe enthalten sind.

Johann & Pfiffikus 4: Die Schlumpfjahre

Im Gegensatz zur ebenfalls bei toonfish veröffentlichten Gesamtausgabe der einzelnen Schlumpf-Alben heißt der Große Schlumpf hier nicht Papa Schlumpf und die Johann und Piffikus Edition verfügt zudem über interessantes Bonusmaterial. Neben Skizzen, Kurzgeschichten und Hintergrundinfos zu den einzelnen Geschichten, sowie zu deren deutschen Veröffentlichung, wurde auch dokumentiert an wie vielen Comics Peyo in den Sechziger Jahren gleichzeitig arbeitete. So erschienen zur selben Zeit wie die heute klassischen ersten Schlumpf-Abenteuer auch noch fünf Alben mit “Benni Bärenstark“, zahlreiche Kurzgeschichten mit der Katze “Pussy“ (von der toonfish ebenfalls eine Gesamtausgabe veröffentlicht hat) sowie etliche bei uns eher unbekannte Comic-Reihen wie “Jackie und Celestine“ oder “Pierrot und die Zauberlampe“. Kein Wunder, dass Peyo wenig Zeit fand um an seiner persönlichen Lieblingsserie zu arbeiten.

Peyo: Die Schlümpfe Kompaktausgabe

Dennoch gehören die vier in diesem Band enthaltenen albenlangen Geschichten mit Johann und Pfiffikus inhaltlich, aber auch optisch – da die Hauptfiguren hier langsam aber sicher ihr knuffiges Aussehen erhielten – zu den absoluten Höhepunkten in Peyos umfangreichem Werk.

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Asterix: Die Trabantenstadt – Sonderausgabe

Das 17. Asterix-Album beginnt ganz besonders erinnerungswürdig. Dem kleinen gallischen Dorf droht diesmal kein Angriff von römischen Legionen, sondern die Verstädterung. Zwar ist das eingangs gezeigte Bild auf dem das Dörfchen von römischen Monumentalbauten umgeben ist, (zunächst) noch ein Modell, doch Gaius Julius Cäsar setzt alles daran um diesen Zustand Wirklichkeit werden zu lassen.

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Da er die unbeugsamen Gallier militärisch nicht besiegen konnte, versucht er es diesmal architektonisch und schickt seinen jungen Baumeister Quadratus. Dieser versucht zunächst den Wald in der Nähe des kleinen Dörfchens durch Sklaven roden zu lassen. Doch wie durch Zauberkraft – bzw. tatsächlich durch die Zauberkraft des Druiden Miraculix – wachsen die Bäume zur Freude des Hündchens Idefix sofort wieder nach.

Die Geschichte entwickelt sich sehr spannend und äußerst komisch weiter. Wie in vielleicht keinem anderen Album gelang es René Goscinny in “Die Trabantenstadt“ völlig selbstverständlich Probleme der Moderne leicht überzeichnet ins Altertum verlagern. Die Sklaven und später auch die Legionäre beginnen zu streiken und fordern humanere Arbeitsbedingungen. Die zunächst den direkt neben ihrem Dorf angesiedelten Römern gegenüber skeptischen Gallier lassen sofort alle Bedenken fallen, nachdem sie durch diese gut verdienen können. Eine von Albert Uderzo grandios als Prospekt ausgemalte Doppelseite macht sich pointiert über moderne Werbekampagnen lustig.

Anlässlich des Filmstarts des computeranimierten Films “Asterix im Land der Götter” erscheint die Vorlage “Asterix – Die Trabantenstadt” als Sonderausgabe. Diese schmückt ein schickes, neues Cover und sie enthält als zusätzlichen Bonus 16 redaktionelle Seiten mit ausführlichen Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte des Albums.

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Deutsche Comicforschung 2015

Der elfte Band der seit 2005 alljährlich erscheinenden Reihe “Deutsche Comicforschung“ enthält trotz gewohntem Umfang etwas weniger Beiträge als gewohnt. Doch dafür sind diese teilweise etwas ausführlicher ausgefallen.
Deutsche Comicforschung 2015

Da aktuell gerade wieder eine Ausstellung stattfindet, die Wilhelm Busch als Urvater des deutschen Comics feiert, war es dem Herausgeber Eckart Sackmann einmal mehr ein besonderes Anliegen durch einen reich bebilderten Beitrag darauf hinzuweisen, dass es hierzulande schon etliche Jahre vor “Max und Moritz“ Bild-Erzählungen gab.

Deutsche Comicforschung 2015

Sehr interessant ist auch ein Beitrag, der sich mit jenen Karikaturen und Bildergeschichten beschäftigt, die der 1871 in New York geborene Lyonel Feininger in Deutschland zeichnete und veröffentlichte, bevor er mit seinen gar nicht so zahlreichen Arbeiten für die Chicago Sunday Tribune Comicgeschichte schrieb.Das Titelbild des Buchs ziert ein ungewöhnliches Motiv des “Nick Knatterton“-Schöpfers Manfred Schmidt. Es handelt hierbei um das Cover des von ihm illustrierten Buchs “Wir beginnen das Wunschkonzert für die Wehrmacht“. Passend dazu beschreibt Ralf Palandt in einem Artikel wie Schmidt, der sich später immer wieder als Anti-Militarist geoutet hat, durchs Dritte Reich gekommen ist. Palandt hat hierzu zahlreiche Bild-Beispiele zusammengetragen, die zeigen wie sich Schmidt humoristisch vor den Karren der Nazis hat spannen lassen. Er überlässt es jedoch dankenswerterweise dem Leser selbst darüber moralisch zu urteilen.

Deutsche Comicforschung 2015

Die restlichen Artikel beschäftigen sich mit einer speziellen Ausgabe des “Simplicissimus“ von 1914, die eine durchgehende Bildergeschichte erzählte, damit wie US-Comics in der deutschen “Zeitungsforschung“ vor 1945 beurteilt wurden und mit dem 1930 in einer Elsässer Illustrierten erschienenden Comic “Zip und Zap“. Außerdem schildert Doris Hethke sehr lebendig die turbulenten Anfänge des Verlages ihres Mannes Norbert.

Deutsche Comicforschung 2015

Einmal mehr gelang es Eckart Sackmann eine bunte Mischung zusammen zu stellen, für jeden Comic-Interessierten dürfte mindestens ein interessanter Beitrag dabei sein. Das nächste Jahrbuch ist laut Vorwort bereits halb gefüllt. Freuen wir uns drauf!

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