Archiv der Kategorie: COMIC

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Ambulanz 13: Das blutrote Kreuz

Der 1948 in Paris geborene Patrick Cothias ist einer der eifrigsten Autoren in der französischen Comicbranche. Von seinen in über 150 Einzelbänden veröffentlichten knapp 40 Serien dürften die bei uns bei Feest und Carlsen veröffentlichten von André Juillard gezeichneten Serien “Der rote Falke“ und “Die sieben Leben des Falken“ am bekanntesten sein. Zu diesen im 17. Jahrhundert angesiedelten Abenteuergeschichten, gibt es auch noch allerlei ebenfalls von Cothias getextete Nebenserien, die nur zum Teil bei uns erschienen sind.

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In “Ambulanz 13“ erzählt Cothias gemeinsam mit Patrice Ordas, der schon recht häufig sein Co-Autor war, eine Geschichte vor dem Hintergrund des bereits zwei Jahre wütenden Ersten Weltkriegs. Hauptfigur ist der junge Mediziner Louis-Charles Bouteloup, der aus gutem Hause stammt. Trotzdem wird er Anfang 1916 gleich nach Beendigung seines Studiums direkt an die Front geschickt. Dort versucht er mit seiner kleinen Einheit „Ambulanz 13“ die Grausamkeit des Kriegs zu lindern. Dabei muss sich der Frischling nicht nur den Respekt seiner Kameraden verdienen, sondern wird auch noch mit den unsinnigen teilweise lebensgefährlichen Befehlen seiner Vorgesetzten konfrontiert. Unterstützung erfährt Bouteloup von ungewöhnlicher Stelle, denn die als Krankenschwester tätige Nonne Schwester Isabelle ist sehr angetan vom Enthusiasmus des jungen Arztes…

“Ambulanz 13“ wurde vom Zeichner Alain Mounier grundsolide zu Papier gebracht und gelegentlich wird tatsächlich etwas von der Sinnlosigkeit jenes Krieges vermittelt, der alle anderen Kriege beenden sollte. Der Hauptreiz des Comics ist jedoch die interessant verschachtelte Geschichte, die durch Rückblenden Details aus dem Leben von Bouteloup erzählt und neugierig auf die weiteren Alben von “Ambulanz 13“ macht.

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Johann & Pfiffikus 4: Die Schlumpfjahre

Nachdem Pierre Culliford alias Peyo 1958 im neunten Album seiner Serie Johann und Piffikus die Schlümpfe auftreten ließ, begann damit die Weltkarriere der blauhäutigen Wichte. Peyo läutete mit “Die Schlümpfe und die Zauberflöte“ zugleich aber leider auch das Ende seiner im Mittelalter angesiedelten Serie um den kühnen Recken Johann und dessen Knappen Pfiffikus ein.

Johann & Pfiffikus 4: Die Schlumpfjahre

Der vierte Band der Hardcover-Gesamtausgabe von toonfish enthält mit “Der Streit um die sieben Quellen“, “Der Ring derer von Hohenfels“, “Das verwunschene Land“ und “Der Hexenbann von Habichtstein“ (zuvor bei Carlsen als “Der Zauberer von Schwarzenfels“ erschienen) die vier letzten von Peyo konzipierten Alben der Serie. In drei dieser zwischen 1961 und 1970 entstandenen Geschichten spielen die Schlümpfe eine maßgebliche Rolle. Nach dem Tode von Peyo erschienen in den Neunziger Jahren noch vier weitere Geschichten mit Johann und Piffikus, die im fünften und letzten Band der Gesamtausgabe enthalten sind.

Johann & Pfiffikus 4: Die Schlumpfjahre

Im Gegensatz zur ebenfalls bei toonfish veröffentlichten Gesamtausgabe der einzelnen Schlumpf-Alben heißt der Große Schlumpf hier nicht Papa Schlumpf und die Johann und Piffikus Edition verfügt zudem über interessantes Bonusmaterial. Neben Skizzen, Kurzgeschichten und Hintergrundinfos zu den einzelnen Geschichten, sowie zu deren deutschen Veröffentlichung, wurde auch dokumentiert an wie vielen Comics Peyo in den Sechziger Jahren gleichzeitig arbeitete. So erschienen zur selben Zeit wie die heute klassischen ersten Schlumpf-Abenteuer auch noch fünf Alben mit “Benni Bärenstark“, zahlreiche Kurzgeschichten mit der Katze “Pussy“ (von der toonfish ebenfalls eine Gesamtausgabe veröffentlicht hat) sowie etliche bei uns eher unbekannte Comic-Reihen wie “Jackie und Celestine“ oder “Pierrot und die Zauberlampe“. Kein Wunder, dass Peyo wenig Zeit fand um an seiner persönlichen Lieblingsserie zu arbeiten.

Peyo: Die Schlümpfe Kompaktausgabe

Dennoch gehören die vier in diesem Band enthaltenen albenlangen Geschichten mit Johann und Pfiffikus inhaltlich, aber auch optisch – da die Hauptfiguren hier langsam aber sicher ihr knuffiges Aussehen erhielten – zu den absoluten Höhepunkten in Peyos umfangreichem Werk.

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Asterix: Die Trabantenstadt – Sonderausgabe

Das 17. Asterix-Album beginnt ganz besonders erinnerungswürdig. Dem kleinen gallischen Dorf droht diesmal kein Angriff von römischen Legionen, sondern die Verstädterung. Zwar ist das eingangs gezeigte Bild auf dem das Dörfchen von römischen Monumentalbauten umgeben ist, (zunächst) noch ein Modell, doch Gaius Julius Cäsar setzt alles daran um diesen Zustand Wirklichkeit werden zu lassen.

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Da er die unbeugsamen Gallier militärisch nicht besiegen konnte, versucht er es diesmal architektonisch und schickt seinen jungen Baumeister Quadratus. Dieser versucht zunächst den Wald in der Nähe des kleinen Dörfchens durch Sklaven roden zu lassen. Doch wie durch Zauberkraft – bzw. tatsächlich durch die Zauberkraft des Druiden Miraculix – wachsen die Bäume zur Freude des Hündchens Idefix sofort wieder nach.

Die Geschichte entwickelt sich sehr spannend und äußerst komisch weiter. Wie in vielleicht keinem anderen Album gelang es René Goscinny in “Die Trabantenstadt“ völlig selbstverständlich Probleme der Moderne leicht überzeichnet ins Altertum verlagern. Die Sklaven und später auch die Legionäre beginnen zu streiken und fordern humanere Arbeitsbedingungen. Die zunächst den direkt neben ihrem Dorf angesiedelten Römern gegenüber skeptischen Gallier lassen sofort alle Bedenken fallen, nachdem sie durch diese gut verdienen können. Eine von Albert Uderzo grandios als Prospekt ausgemalte Doppelseite macht sich pointiert über moderne Werbekampagnen lustig.

Anlässlich des Filmstarts des computeranimierten Films “Asterix im Land der Götter” erscheint die Vorlage “Asterix – Die Trabantenstadt” als Sonderausgabe. Diese schmückt ein schickes, neues Cover und sie enthält als zusätzlichen Bonus 16 redaktionelle Seiten mit ausführlichen Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte des Albums.

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Deutsche Comicforschung 2015

Der elfte Band der seit 2005 alljährlich erscheinenden Reihe “Deutsche Comicforschung“ enthält trotz gewohntem Umfang etwas weniger Beiträge als gewohnt. Doch dafür sind diese teilweise etwas ausführlicher ausgefallen.
Deutsche Comicforschung 2015

Da aktuell gerade wieder eine Ausstellung stattfindet, die Wilhelm Busch als Urvater des deutschen Comics feiert, war es dem Herausgeber Eckart Sackmann einmal mehr ein besonderes Anliegen durch einen reich bebilderten Beitrag darauf hinzuweisen, dass es hierzulande schon etliche Jahre vor “Max und Moritz“ Bild-Erzählungen gab.

Deutsche Comicforschung 2015

Sehr interessant ist auch ein Beitrag, der sich mit jenen Karikaturen und Bildergeschichten beschäftigt, die der 1871 in New York geborene Lyonel Feininger in Deutschland zeichnete und veröffentlichte, bevor er mit seinen gar nicht so zahlreichen Arbeiten für die Chicago Sunday Tribune Comicgeschichte schrieb.Das Titelbild des Buchs ziert ein ungewöhnliches Motiv des “Nick Knatterton“-Schöpfers Manfred Schmidt. Es handelt hierbei um das Cover des von ihm illustrierten Buchs “Wir beginnen das Wunschkonzert für die Wehrmacht“. Passend dazu beschreibt Ralf Palandt in einem Artikel wie Schmidt, der sich später immer wieder als Anti-Militarist geoutet hat, durchs Dritte Reich gekommen ist. Palandt hat hierzu zahlreiche Bild-Beispiele zusammengetragen, die zeigen wie sich Schmidt humoristisch vor den Karren der Nazis hat spannen lassen. Er überlässt es jedoch dankenswerterweise dem Leser selbst darüber moralisch zu urteilen.

Deutsche Comicforschung 2015

Die restlichen Artikel beschäftigen sich mit einer speziellen Ausgabe des “Simplicissimus“ von 1914, die eine durchgehende Bildergeschichte erzählte, damit wie US-Comics in der deutschen “Zeitungsforschung“ vor 1945 beurteilt wurden und mit dem 1930 in einer Elsässer Illustrierten erschienenden Comic “Zip und Zap“. Außerdem schildert Doris Hethke sehr lebendig die turbulenten Anfänge des Verlages ihres Mannes Norbert.

Deutsche Comicforschung 2015

Einmal mehr gelang es Eckart Sackmann eine bunte Mischung zusammen zu stellen, für jeden Comic-Interessierten dürfte mindestens ein interessanter Beitrag dabei sein. Das nächste Jahrbuch ist laut Vorwort bereits halb gefüllt. Freuen wir uns drauf!

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Ulf. K.: Geschichten vom Herrn Keuner

Ab 1926 verfasste bzw. sammelte Bertold Brecht in unregelmäßigen Abstand bis zu seinem Tode im Jahr 1956 mehr als 120 kurze Geschichten um einen gewissen Herrn Keuner. Manchmal handelte es sich dabei einfach um ein kleines irgendwo aufgeschnapptes Witzchen, dessen Moral Brecht gut gefiel, doch es sind auch einige absolute Genie-Streiche darunter.

Ulf. K.: Geschichten vom Herrn Keuner

Mein persönlicher Favorit ist die Antwort, die Keuner einem Bekannten gibt, nachdem diesem ihn gefragt hat, ob es einen Gott gibt: “Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann könnten wir die Frage fallenlassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.“

Ulf. K.: Geschichten vom Herrn Keuner

In manchen Geschichten nennt Bertold Brecht seinen Keuner auch einfach Herrn K. und da passt es recht gut, dass der Zeichner Ulf Keyenburg, der sich selbst Ulf K.  („Neue Geschichten von Vater und Sohn„) nennt, einige der Geschichten von Herrn K. zu Papier gebracht hat. Nach einer Vorabveröffentlichung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist ein Sammelband mit K.s Comics über Herrn K. beim Suhrkamp Verlag erschienen. Dort wird auch das Gesamtwerk von Brecht inklusive der Geschichten von Herrn Keuner verlegt. Ulf K. hat eine Auswahl daraus getroffen und Highlights wie “Herr Keuner und die Frage ob es einen Gott gibt“ oder “Wenn die Haifische Menschen wären“ in seinem simplen aber eleganten Stil als Comic umgesetzt. Unter den von Ulf K. gezeichneten 34 Geschichten befinden sich auch vier Stories, die nicht von Brecht stammen sondern vom Zeichner. Dies ist zwar im Inhaltsverzeichnis kenntlich gemacht, wirkt aber etwas anmaßend und hätte angesichts der Tatsache, dass noch genügend weiteres Keuner-Material von Brecht zum Adaptieren hätte genutzt werdden können, nicht unbedingt sein müssen.

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Insgesamt gelang Ulf K. jedoch eine sehr ansprechende Literaturadaption. Nachdem die FAZ ihr Comic-Prrogramm eingestellt hat, und daher die gut besoldete Vorab-Veröffentlichungsmöglichkeit in der Zeitung für die Zeichner wegfällt, bleibt zu hoffen, dass trotzdem weiterhin so hochkarätige Comics wie die “Geschichten vom Herrn Keuner“ bei Suhrkamp erscheinen werden.

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Mark Millar: The Secret Service

Die Idee zu “The Secret Service“ entwickelte der schottische Autor Mark Millar gemeinsam mit dem Regisseur Matthew Vaughn während der Dreharbeiten zur Verfilmung seines Comics “Kick-Ass“. Vaughn war von dem Konzept so angetan, dass er darauf verzichtete “Kick-Ass 2“ zu inszenieren und sich voll und ganz auf die Verfilmung des Comics, die jetzt den Titel  “Kingsman: The Secret Service“ trägt zu konzentrierten. In den Hauptrollen sind neben Colin Firth, Samuel L. Jackson, Mark Strong, Taron Egerton und Michael Caine zu sehen.

Mark Millar: The Secret Service

„The Secret Service“ ist eine aufregende Mischung aus James Bond und Sozialdrama. Hauptfigur ist Gary, der in einem Londoner Problemviertel aufwächst und höchstwahrscheinlich genauso kriminell und asozial wird, wie die wechselnden Lover seiner Mutter. Doch sein Onkel Jack macht ihm ein ungewöhnliches Angebot. Jack enthüllt ihm, dass er als Super-Agent für den britischen Geheimdienst tätig ist und bietet Gary an, dort auch eine Ausbildung zu absolvieren. Gary ist nicht abgeneigt von Profis zu lernen wie man schießt und Frauen befriedigt, doch sein sozialer Background macht ihm zum Außenseiter der Agentenschule.

Mark Millar: The Secret Service

Millar erzählt zugleich aber auch vom sehr seltsamen größenwahnsinnigen Plan eines Superschurken, der zahlreiche Prominente aus Science-Fiction-Filmen und TV-Serien entführt, wodurch es gleich zu Beginn des Comics zu einem unvergesslichen Gastauftritt von Mark Hamill kommt. Als Zeichner konnte Millar die “Watchmen“-Legende Dave Gibbons gewinnen. “The Secret Service“ ist eine weitere abgefahrene Geschichte aus der “Millarworld“ wie der Autor sein bei verschiedenen US-Verlagen veröffentlichtes Oeuvre nennt.

The Secret Service

Spannung, allerlei überraschende Wendungen, Humor, sowie interessant charakterisierte Hauptfiguren wurden zu einem gut geschüttelten Cocktail zusammen gemixt, der gelegentlich sogar rührt.

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Reinhard Kleist: Der Boxer – Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Dass an den Titel “Der Boxer“ noch der Zusatz “Die wahre Geschichte des Hertzko Haft“ angehängt wurde, ist durchaus sinnvoll. Es ist in der Tat nahezu unglaublich, dass ein polnischer Jude, der im KZ erstmals mit dem Boxsport in Verbindung kam und zum Vergnügen des Wachpersonals gegen andere Häftlinge in den Ring stieg, in New York als Profiboxer gegen Rocky Marciano antrat und das auch noch hauptsächlich um dadurch die Aufmerksamkeit seiner verschollenen in den USA vermuteten Jugendliebe auf sich zu ziehen.

Reinhart Kleist: Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Erst 2003 im Alter von 78 Jahren, erzählte Hertzko Haft seinem Sohn Alan Scott seine Lebensgeschichte, die dieser niederschrieb und unter dem Titel “Eines Tages werde ich alles erzählen“ veröffentlichte. Im äußerst lesenswerten Nachwort zu diesem Comic zeigt Martin Krauß anhand von zahlreichen Beispielen, dass Boxkämpfe in Konzentrationslagern keine Seltenheit waren und zitiert den Sportpublizisten Bernd M. Beyer, der Hafts Schilderung trotz einiger fehlerhafter historisch nicht korrekter Details für “wahrhaftig und eindringlich“ hält.

Reinhart Kleist: Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Reinhard Kleist (“Der Traum von Olympia“, “Castro“) adaptierte das Buch als Comic, der zuerst als Fortsetzungsserie in der F. A. Z. erschien und hier in dieser Form komplett nachzulesen ist. Für die Buchausgabe bei Carlsen überarbeitete Kleist den Strip noch einmal kräftig und ergänzte ihn um zahlreiche Zeichnungen. Das Resultat ist ein weiteres in einer ausgereiften und sehr eigenständigen Schwarzweißtechnik zu Papier gebrachtes Comic-Meisterwerk, das sich auch vor Art Spiegelmans thematisch etwas ähnlichen Meilenstein “Maus“ nicht verstecken muss.

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JLA: ERDE 2

Im Jahr 2000 war die Welt noch in Ordnung – es galt die „Post-Crisis-Universe“-Zeitrechnung und andere Welten gab es nicht. Das änderte sich nun, als der Tausendsassa Grant Morrison das Antimaterie-Universum für DC einführte. Hier ist alles anders: Hier regiert das Crime Syndicate of America (Ultraman, Owlman, Superwoman, Johnny Quick, Power Ring). Hier ist „gut“ „böse“, das Herz der Menschen auf der anderen Seite und Alexander Luthor ist der einzige, der das CSA bekämpft.

JLA Erde 2

Ein verworrenes, geniales Spiel beginnt, als Luthor die Barriere von seiner Erde zur Erde 2 (so nennt er die bekannte Erde mit Superman, Batman Wonder Woman und Co.) überschreitet. Er bittet die JLA um Hilfe im Kampf gegen die CSA – ein Kampf, von dem alle viel zu spät erkennen, dass ihn keiner gewinnen kann. Seitdem Jerry Siegel und Joe Shuster die ersten waren, die für SUPERMAN sich im Jahre 1938 zusammengetan hatten, wurden die besten Comics geschaffen, wenn Künstler zusammenarbeiteten und gemeinsam Werke schufen von atemberaubender Spannung und Schönheit. Ein solches Dream-Team sind schon seit Jahren Grant Morrison und Frank Quitely. Beide arbeiteten schon mit vielen anderen Künstlern zusammen, aber wenn sie zusammen etwas schufen, dann schien jedes Mal eine bestimmte Form von Chemie ins Spiel zu kommen.

Der richtige Name von Frank Quitely ist Vincent Deighan. Er ist 1968 in Glasgow, Schottland geboren, wo er auch noch heute zusammen mit seiner Frau und drei Kindern lebt. Seine ersten Arbeiten fertigte er für einen schottischen Underground Comic („Electric Soup“) an, eine Sammlung diverser Comicgeschichten. Mit 22 Jahren schreibt und zeichnet er hierfür seinen eigenen Comic Strip („The Greens“). Da er fürchtet, dass seine Familie mit dem Inhalt nicht einverstanden sein könnte, nimmt er ein Pseudonym an – eben Frank Quitely. Der Name entsteht durch die absichtliche Vertauschung der Buchstaben in „quite frankly“. Es folgen kleinere Arbeiten für das Jugde Dredd Magazine, bevor er 1996 schließlich zusammen mit seinem Freund aus Glasgow – Frank Morrison – den großen Durchbruch mit „Flex Mentallo“ für ein DC Comics Imprint in Amerika feiert. „Batman: Scottish Connection“ wird 1998 seine erste Graphik Novel für DC, Autor ist der Engländer Alan Grant. Hier haben seine von ihm geschaffenen „Greens“ einen Gastauftritt .

Seine weitere Zusammenarbeit mit Superhirn Grant Morrison wird legendär. Mit ihm zusammen schafft er Meilensteine der Comicgeschichte: „JLA: Earth 2“ (DC Comics, 2000), „New X-Men“ (Marvel, 2001–2003), „We3“ (Vertigo, 2004–2005), „Batman and Robin“ (DC Comics, 2009). Am bekanntesten aber dürfte die zwölfteilige Miniserie „All-Star Superman“ (ebenfalls mit Grant Morrison, DC Comics, 2005–2008) sein, für die er mit Preisen überschüttet wurde: Eisner Award in 2006, 2007 und 2009; Harvey Award in 2007, 2008, 2009. Morrison ist das Superhelden-Superhirn: Versiert, magisch, intelligent, meta. Grant Morrison ist „Member of the Order oft he British Empire (MBE)“. Historisch gesehen – noch Jahre vor der Krise – hatten die bösen JLA-Gegenspieler ihren ersten Auftritt in Justice League of America #29 (August 1964) – siehe hier Die Neuauflage dieses Klassikers erscheint bei Panini im Rahmen des Mega-Events „FOREVER EVIL“!

Norbert Elbers

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Creepy präsentiert Bernie Wrightson

Bevor Bernie Wrightson 1974 für die schwarzweißen Horror-Magazine CREEPY und EERIE zeichnete, hatte er bereits einen großen Erfolg beim Superhelden-Verlag DC zu feiern. Gemeinsam mit dem Autor Len Wein schuf er die heute noch populäre Serie SWAMP THING, die Vorlage zu zwei trashigen Kinofilmen und eine erstaunlich lange laufende TV-Serie wurde. Außerdem debütierte der Brite Alan Moore (Watchmen) bei SWAMP THING als Autor eines US-Comics.

CREEPY PRÄSENTIERT BERNIE WRIGHTSON

Wrightson verließ DC, weil er es bevorzugte schwarzweiße Horror-Comics zu zeichnen in denen seine detailreichen Bilder nicht unter einer von fremder Hand vorgenommenen Kolorierung verschwanden. Seine erste Arbeit für den Warren-Verlag war eine in CREEPIE 63 veröffentlichte Adaption von Edgar Allen Poes Short Story „The Black Cat“.

CREEPY PRÄSENTIERT BERNIE WRIGHTSON

Sein zweiter Warren-Comic über eine seltsame Mensch-Monster-Love-Story sollte ein kleiner Klassiker werden. Der italienische Horror-Meister Dario Argento („Suspira“) verfilmte „Jenifer“ 2005 für die TV-Athologie-Serie „Masters of Horror„. Obwohl die Spezialeffekt-Leute – so gut wie es das TV-Budget zuließ – versuchten Wrightsons faszinierende Monsterfrau mit dem tollen Körper und dem ekeligen Gesicht nachzubauen, wurde im Vorspann als Schöpfer lediglich der Autor Bruce Jones genannt.

CREEPY PRÄSENTIERT BERNIE WRIGHTSON

Bevor Wrightson über Umwege schließlich doch wieder bei DC und Marvel landete, schuf er einzigartige detailverliebte grausige schwarzweiße Horror-Geschichten, einige der schönsten davon für CREEPY und EERIE. Diese sowie seine zugehörigen Titelbilder und Illustrationen sind alle in diesem schönen großformatigen Sammelband des Splitter Verlags abgedruckt. In ähnlicher Aufmachung liegt hier bereits die „Creepy präsentiert Richard Corben – Gesamtausgabe“ vor und es ist zu hoffen, dass weitere Editionen mit Comics aus der Gruft des Warren Verlags folgen werden.

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Hawkeye: Mein Leben als Waffe

1964 im Comicheft „Tales of Suspense“ #57 hatte der Bogenschütze Hawkeye hatte seinen ersten Auftritt im Marvel-Universum. Zunächst spielte er noch eine Schurkenrolle, doch bereits ein Jahr später trat er den Avengers bei. Gespielt von Jeremy Renner feierte er 2011 sein Debüt im Kino in einer Nebenrolle im ersten “Thor“-Film und war ebenfalls ein Jahr später Team-Mitglied im Marvel-Blockbuster “Avengers“.

Hawkeye: Mein Leben als Waffe

Auch mangels Superkräften gehört Hawkeye nicht zur allerersten Marvel-Garde. Mit diesem Thema und den damit verbundenen Minderwertigkeitskomplexen spielt der Autor Matt Fraction (“Fear Itself“) in seiner 2012 gestarteten “Hawkeye“-Serie. Hier agiert Clint Barton alias Hawkeye meist innerhalb einer relativ normalen New Yorker Nachbarschaft. Er ist froh, wenn er mit den anderen Bewohnern eines alten Gebäudes in Brooklyn auf dem Dach gemütlich abhängen und grillen kann. Doch natürlich kommen ihm immer wieder die Avengers, sowie alte Liebschaften wie Black Widow oder Mockinbird aber auch ein kriminell agierende Vermieter dazwischen.

Hawkeye: Mein Leben als Waffe

Die in diesen Sammelband enthaltenen ersten elf meist in sich abgeschlossenen Geschichten, erzählt Fraction recht pointiert. Richtig gut rüber kommen diese Storys jedoch nur, wenn sie der Spanier David Aja in Szene setzt. Dies ist jedoch zum Glück zumeist der Fall und Ajas verspielter Umgang mit den Möglichkeiten des Mediums Comic sucht seinesgleichen. Einzigartig ist der Einstieg in die herrlich verschachtelt erzählte Geschichte “Sechs Tage im Leben von Hawkeye“. Hier verzweifelt Hawkeye (aber auch der zur Hilfe herbeigeeilte Tony Stark alias Iron Man) dabei die diversen Unterhaltungs-Elektronik-Geräte im kleinen Appartement von Barton richtig zu verkabeln. Am rechten und unteren Panelrand zeigt Aja die komplizierte Anordnung der Anschlusskabel. Sensationell ist auch die fast nur durch Piktogramme erzählte Geschichte “Pizza für eine Leiche“ in der zwei Hunde die Hauptrolle spielen. Völlig zurecht erhielt David Aja für diese Comics 2012 den Eisner Award.

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