Die Comic-Trilogie von François Boucq & Jerome Charyn

Comicfreunde kennen den begnadeten französischen Comiczeichner François Boucq durch die seltsame, von Alejandro Jodorowsky geschriebene, Westernserie “Bouncer“ und seine Figur Horst Katzmeier. Bei letzterem handelt es sich um einen älteren Versicherungsvertreter, der Hut und Mantel mit Leopardenmuster, sowie im Original den Namen Jérôme Moucherot, trägt. Ein Höhepunkt im Schaffen von Boucq sind drei Comics, die er nach Geschichten des New Yorker Autors Jerome Charyn schrieb.

Die Comic-Trilogie von François Boucq & Jerome Charyn

“Die Frau des Magiers“ (1986) und “Teufelsmaul“ (1990) sind schon lange vergriffen, während  “Little Tulip“ (1992) zuvor bei uns noch nicht erschienen ist. Der Splitter Verlag veröffentlicht diese Trilogie in drei schönen Hardcover-Bänden. Die Comics stehen zwar nicht im direkten Zusammenhang, doch sie verbinden einige markante Leitmotive. Immer ist es die schillernde Stadt New York, in der die Protagonisten mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden. Mystische Elemente wie prophetische Träume fließen ganz selbstverständlich in die spannenden Geschichten mit ein. “Teufelsmaul“ und “Little Tulip“ verbinden zudem Tätowierungen als wichtiges Handlungsmoment, sowie die drastische Vorgeschichte, die die Hauptfiguren in Stalins Russland durchleben mussten.

Die Comic-Trilogie von François Boucq & Jerome Charyn

“Die Frau des Magiers“ erzählt die nur selten zauberhafte Geschichte der jungen Rita. Diese muss dabei zusehen, wie ihre Mutter Dolores nach vielen anstrengenden Jahren voller Demütigungen nicht mehr als attraktive Assistentin des despotischen Illusionisten Edmond arbeiten kann. Als Edmond dann auch noch Rita zu seiner neuen Assistentin macht und sogar heiratet, treibt dies Dolores in den Tod.

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Rita versucht Edmond daraufhin zu entkommen. Diese Flucht hat Boucq setzt in großartigen Bildern  in Szene. Er zeigt wie Rita in einen Spiegel blickt. Dieser zerbricht und plötzlich befindet sich Rita in einem nebeligen Venedig voller Menschen, die Masken und historische Kostüme tragen. Rita überquert eine Brücke und befindet sich plötzlich mitten in New York.

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Im Big Apple geht die Geschichte eine Weile halbwegs realistisch weiter. Doch auch in New York gelingt es Rita nicht, Edmond zu entkommen und ihre Vergangenheit holt sie wieder ein.

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Auch mit ihrem nächsten Comic “Teufelsmaul“ gelang Boucq und Charyn eine faszinierende Geschichte. Die Hauptfigur ist Juri, der als kleiner Junge am Ende des Zweiten Weltkriegs in der Ukraine aufgefunden wird und über dessen Vergangenheit nichts bekannt ist.

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Da er eine Lippenspalte hat, erhält er den Spitznamen “Teufelsmaul“. Juri gerät in die Fänge der Sowjets und wird in einem ehemaligen Kloster mit brutalen Methoden zu einem Spion ausgebildet, der unter dem Tarnnamen Billy Budd in die USA geschickt wird.

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In New York arbeitet Juri alias Billy  gemeinsam mit schwindelfreien Indianern auf Wolkenkratzer-Baustellen und gewinnt das Herz der netten Nancy. Doch er wird von unheilvollen Träumen gequält, die sich erschreckend oft als wahr erweisen und natürlich hat der russische Geheimdienst auch noch einige mit ihm vor…

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“Teufelsmaul“ ist als mystischer Thriller genauso meisterlich erzählt und in Szene gesetzt wie “Die Frau des Magiers“.  Das Schicksal der Hauptfigur berührt vielleicht sogar noch etwas mehr, da für die Geschichte von Juri mit knapp 120 Seiten mehr „Spielraum“ zur Verfügung stand und die übernatürlichen Elemente noch etwas glaubhafter eingearbeitet wurden.

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Krönender Abschluss der Trilogie ist schließlich “Little Tulip“. Die Geschichte von Charyn wechselt scheinbar übergangslos zwischen einer im New York des Jahres 1970 spielenden Rahmenhandlung und Rückblenden, die im Russland der Stalin-Zeit angesiedelt sind.

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Hauptfigur ist der in den USA geborene Pawel, der kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit seinen Eltern in die Sowjetunion auswanderte. Der Vater wurde Assistent des Regisseurs Sergei Eisensten (“Panzerkreutzer Potemkin“), fiel jedoch in Ungnade und wurde mit seiner Familie in einen Gulag deportiert.

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Pawel gelingt es dort zu überleben, da er die künstlerischen Fähigkeiten seines Vaters geerbt hat und ein begehrter Tätowierer wird. Unter abenteuerlichen Umständen landet er in den USA. Hier betreibt er ein Tattoo-Studio und arbeitet gelegentlich auch als Zeichner um im Auftrag der New Yorker Polizei Täter zu identifizieren. Die Cops versuchen verzweifelt “Bad Santa“ zu fassen, der verborgen unter einer Weihnachtsmann-Mütze junge Frauen brutal vergewaltigt und ermordet. Pawel muss feststellen, dass diese Morde im Zusammenhang mit seiner Vergangenheit im Gulag stehen.

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In allen drei Comics fängt Boucq die Phantasien von Jerome Charyn in einzigartigen Bildern ein. Sein ganz besonderer Zeichenstil, irgendwo zwischen Karikatur und Realismus, seine Fähigkeit zugleich detailreich und skizzenhaft zu arbeiten, sowie seine interessanten Farbverläufe sind unvergleichlich. Die Comics haben auch nach 30 Jahren nichts von ihrem Reiz verloren.

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