Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Der Pariser Privatdetektiv Nestor Burma scheint sich im September 1940 ganz wohl in deutscher Kriegsgefangenschaft zu fühlen. Er versucht französische Soldaten für das deutsche Militär zu klassifizieren, doch dann stößt er auf einen seltsamen Gefangenen, der kurz vor seinem Tode noch die Worte “120, Rue de la Gare“ stammelt.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Kurz danach wird Burma entlassen und ins unbesetzte Lyon transportiert. Auf dem Bahnsteig trifft er auf Bob, einen Angestellten seiner Detektei. Doch plötzlich hält eine Frau, die wie ein Filmstar aussieht eine Knarre in der Hand. Bob wird erschossen, doch nicht ohne noch zuvor “120, Rue de la Gare“ zu stammeln.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Im Roman “120, Rue de la Gare“ verarbeitete Léo Malet Teile seiner eigenen Biografie, auch er war in deutscher Kriegsgefangenschaft, und ließ erstmals Nestor Burma auftreten. 28 weiteren Bücher mit dem Detektiv, die sich oftmals bestimmten Pariser Arrondissements widmeten, folgten und wurden teilweise mit Michel Galabru, Michel Serrault oder Guy Marchand verfilmt und teilweise ebenfalls von Jacques Tardi („Elender Krieg 1914–1919„, „Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB„) zu Comics verarbeitet.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Bei “120, Rue de la Gare“ ist die reichlich unglaubwürdige und arg konstruierte Geschichte (zu der auch noch ein Gangster namens Eiffelturm Jo gehört) ganz sicher nicht der Hauptanreiz dieses durchaus faszinierenden Comics. Besonders interessant wird die Geschichte dadurch, dass Malet sie 1942 geschrieben und das Buch 1943 veröffentlicht wurde, also noch während Paris von der deutschen Wehrmacht besetzt war. Daher war es Malet nicht möglich direkte Kritik an den damaligen Zuständen zu üben, die aber dennoch eine nicht unwichtige Rolle innerhalb der Handlung spielen.

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Jaques Tardi zeigt in seinen atmosphärischen Zeichnungen Details aus dem besetzten Paris, wie z. B. eine Propaganda-Ausstellung über die jüdische Weltverschwörung oder ein Kino, das nur deutsche Soldaten betreten dürfen. Gerade diese scheinbar beiläufig ablaufenden Dinge im Hintergrund machen die Comicadaption von “120, Rue de la Gare“ zu mehr als einem Krimi.

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