Jiro Taniguchi: Die Wächter des Louvre

Aus der alljährlichen Zusammenarbeit zwischen dem Pariser Verlag Futuropolis und dem Museum Louvre sind schon etliche Comic-Perlen hervorgegangen. Einige davon, wie David Prudhommes “Einmal durch den Louvre“, Marc-Antoine Mathieus “Die Zeichnung“ oder “Der schielende Hund“ von Étienne Davodeau (“Die Ignoranten“), wurden auch bei uns veröffentlicht.

Jiro Taniguchi: Die Wächter des Louvre

2014 fand der Japaner Jiro Taniguchi (“Vertraute Fremde“, “Die Sicht der Dinge“) Aufnahme in die Collection “Le Louvre et la bande dessinée“. Hierfür sprengte er ein wenig sein ansonsten übliches Veröffentlichungs-Schema. “Die Wächter des Louvre“ erscheint zwar in japanischer Leserichtung, ist jedoch ein großformatiges gebundenes und farbiges Album. Dass Taniguchi nicht nur ein Meister der schwarzweißen Comic-Erzählung sondern auch ein begnadeter Maler ist, hat er immer wieder durch seine stimmungsvollen Titelbilder oder den viel zu wenigen farbigen Eröffnungsseiten von einigen seiner Mangas bewiesen.

Jiro Taniguchi: Die Wächter des Louvre

Der Protagonist von “Die Wächter des Louvre“ ist, wie bereits häufiger bei Taniguchi, eine eher passive Figur. Die namenlose Hauptfigur bekommt erst am Ende des Comics durch ein persönliches Erlebnis etwas Kontur. Ansonsten lässt sich der vom Comicfestival in Barcelona kommende Manga-Zeichner einfach einige Tage in Paris treiben. Er wird von Fiber und Grippe geplagt und hat einige seltsame Begegnungen, als er durch den Louvre flaniert.

Jiro Taniguchi: Die Wächter des Louvre

Als erstes trifft er auf eine Dame in historischen Gewändern, die sich als Nike von Samothrake entpuppt, also als jene griechische Siegesgöttin, deren kopf- und armlose Statue eins der bemerkenswertesten Ausstellungsstücke des Louvres ist. Bei einem Ausflug in das kleine Örtchen Auvers-sur-Oise erscheint dem Zeichner Vincent Van Gogh und nastürlich spielt auch die Mona Lisa eine gewisse Rolle innerhalb des Comics.

Jiro Taniguchi: Die Wächter des Louvre

Doch die Episoden handeln auch von der Wechselwirkung zwischen japanischer und europäischer Malerei. Ein längeres Kapitel des Comics widmet sich der Evakuierung der Kunstwerke des Louvres im Jahre 1939. Anscheinend war damals die französische Kunstwelt hellsichtiger als Politik und Militär. Angesichts einer deutschen Besetzung von Paris, wurde ein Großteil der Bilder, aber auch die Nike von Samothrake, unter großem Aufwand außerhalb der Stadt in Sicherheit gebracht.

Jiro Taniguchi: Die Wächter des Louvre

Jiro Taniguchi gelang mit “Die Wächter des Louvre“ ein Werk, das in der Tradition seiner sensiblen Comic-Reportagen wie “Der spazierende Mann“ oder “Der Gourmet“ steht, doch durch die französischen Schauplätze und das zentrale Thema „Kunst im Wandel der Zeit“ auch neue Akzente setzt.

Diesen Comic bei AMAZON bestellen, hier anklicken

Comics von Jiro Taniguchi bei ebay kaufen, hier anklicken