Jiro Taniguchi – Seine letzten Werke

Der Manga-Künstler Jiro Taniguchi (Die Sicht der Dinge) ist 2017 im Alter von 70 Jahren verstorben. Wie zwei Veröffentlichungen des Carlsen Verlags belegen, hat er bis zuletzt an neuen Projekten gearbeitet. Die Fantasy-Geschichte Im Jahrtausendwald sollte eine ökologisch motivierte Geschichte in einem “Ost-West-Stil“ erzählen, der durch sein zur schnellen Lektüre verführendes Seiten-Layout mit knappen Texten japanisch und durch die aufwändige Kolorierung frankobelgisch anmutet.

Jiro Taniguchi - Seine letzten Werke

Wie von Taniguchi vorgesehen, hat Carlsen in einem querformatigen Hardcover-Band das erste von fünf geplanten Kapiteln veröffentlicht, das 38 Seiten umfasst. Im Zentrum der Geschichte steht der 10-jährige Wataru, der bisher in Tokyo lebte, doch nach der Trennung seiner Eltern und der Erkrankung der Mutter zu den Großeltern aufs Land geschickt wird. Der dortige Wald ist etwas Besonderes und Magisches, doch nach dem Fund von Bodenschätzung droht Raubbau an der Natur. Zusammen mit den einheimischen Kindern versucht Wataru dies zu verhindern.

Jiro Taniguchi - Seine letzten Werke

Dieses noch durch aussagekräftige Skizzen und Anhänge ergänzte Fragment macht deutlich, dass dieser Comic, dessen Grundmotive an Filme aus dem Studio Ghibli wie Mein Nachbar Totoro, Pom Poko oder Prinzessin Mononoke erinnern, höchstwahrscheinlich ein absoluter Höhepunkt im ohnehin schon beeindruckenden Werk von Jiro Taniguchi geworden wäre.

Jiro Taniguchi - Seine letzten Werke

Ebenfalls noch vom Krankenhaus aus zeichnete Taniguchi an der Geschichte Die Begleiterin, die den Abschluss von Carlsens hochinteressanter aus Comics und Texten bestehenden Hardcover-Sammelband Unruhige Geister und stille Gefährten bildet. Dieses auf einer Erzählung von Hyakken Uchida basierende 30-seitige Fragment hat Taniguchi im Krankenhaus skizziert und zum Großteil auch getuscht, nachdem Assistenten die Vorzeichnungen auf entsprechendes Papier übertragen hatten.

Jiro Taniguchi - Seine letzten Werke

Es fällt schwer diese zuletzt nur noch aus zarten Skizzen bestehende mystische Geschichte eines Mannes, der einer geheimnisvollen Frau während eines Feuerwerks in einen seltsamen Salon folgt, nicht als Vermächtnis des japanischen Künstlers zu sehen. In seinem letzten Interview sagte Jiro Taniguchi: “Es gibt noch unendlich viele Dinge, die ich ausprobieren möchte.“ Doch zu unserem Glück hat er bereits sehr viel ausprobiert und hinterlässt ein beeindruckend vielfältiges Gesamtwerk.

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