Joe R. Lansdale: Drive-In

In den 80ern fand man seine Kurzgeschichten bei uns in Deutschland auf diverse Horror-Anthologien verteilt, wo er als neue, originelle und außerordentlich brutale Stimme des (Splatterpunk-)Horrors angepriesen wurde. Seit einigen Jahren gilt Joe R. Lansdale bei uns in Deutschland als Geheimtipp unter den Krimiautoren (u.a. die Hap- und Leonard- Reihe), Buchhändler und Kritiker loben ihn in höchsten Tönen.

Joe R. Lansdale: Drive-In

In Amerika ist Lansdale längst zum Star avanciert und wurde mit Preisen überhäuft. Er schreibt Prosa, Scripts für Comics und Drehbücher (u. a. zu “Bubba-Ho-Tep“ und “Son of Batman“); seine Handlungen sind in beinahe jedem erdenklichen Genre angesiedelt: Horror, Science Fiction, Fantasy, Krimi, Drama, Historienroman und oft werden diese miteinander vermischt. Bei uns hat er sich leider noch immer nicht so recht  durchgesetzt.

Joe R. Lansdale: Drive-In
© Marijan Murat

Vielleicht ändert sich das nun, denn mit der „Drive In“- Trilogie, ist eines seiner berüchtigtsten Werke komplett in einem Band bei Heyne Hardcore erschienen. Der erste Band (bereits 1997 in Deutschland bei Pulp Master/Maas Verlag Berlin erschienen) schildert noch recht bodenständig, was passiert, wenn ein Autokino während eines nächtlichen Horrorfilmmarathons von einem rotglühendem Komet von der Außenwelt abgeriegelt wird und die Monster die Macht übernehmen.

Joe R. Lansdale: Drive-In
Art by Jacen Burrows, color by Nimbus

Hier haben wird den obligatorischen Film-Nerd, der sich mit Monstern und Special Effects bestens auskennt. Die Nahrungsmittel (in diesem Fall das besonders fiese Pockencorn) werden knapp, Leute fangen an durchzudrehen und schließlich kommt es zu Mord- und Totschlag, Mutationen, Kannibalismus und Sektenkult. Das Ganze kann als Satire auf unsere heutige Zivilisation, die Konsumwelt und besonders auf Die Scheinwelt des fantastischen Kinos verstanden werden.

Joe R. Lansdale: Drive-In

Doch der zweite Band dreht noch mehr auf: Hier scheint es auf einmal keine Logik mehr zu geben außer der Logik des Absurden an sich. Nachdem die Hauptfiguren endlich einen Weg aus dem Autokino herausgefunden haben, stellen sie fest, dass sie in einer Art Zwischenwelt gefangen sind, die alles Erdenkliche beherbergt, was jemals einem Trashfilm entsprungen ist. Selbsternannte Götter wie Popalong-Cassidy (ein ehemaliger Mensch mit einem Fernseher als Kopf), haben hier das Sagen. Die Protagonisten irren durch eine Welt die aus Monstern oder auch nur Fragmenten des Kinos besteht. Hier greifen sogar an Bäumen wachsende Filmschlaufen Leute an!

Joe R. Lansdale: Drive-In

Im dritten Band schließlich laufen die Fäden zusammen. Einen riesigen Ozean in einem zum Schiff umgebauten Schulbus durchquerend reisen unsere Freunde der großen Brücke entgegen, in der Hoffnung dort endlich auf den Schöpfer dieser Welt, hinter die Kulissen und damit wieder in ihre eigene Welt zu gelangen. Besonders der dritte Band ist, was die absurden Einfälle (beispielsweise die Exkursion durch die Eingeweide eines gigantischen Katzenwelses), den Lansdale-typischen trockenen Humor und zu guter Letzt den Versuch, Sein und Schein philosophisch zu hinterfragen angeht, der stärkste und überzeugendste.

Joe R. Lansdale: Drive-In

Sicherlich nicht jedermanns Sache, aber kompromisslos und abgefahren bis zum Geht nicht mehr ist diese Trilogie, um es mit Lansdales eigener Wortschöpfung zu bezeichnen: „Mojo-Telling“ vom Feinsten.

Matthias Schäfer

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