Süße Versuchung

Als 2009 „Sonnenfinsternis“ bei Splitter erschien, war dies eine echte Überraschung und das nicht nur, weil inmitten großformatiger farbiger Fantasy-Comics plötzlich eine schwarzweiße Beziehungs-Tragikomödie veröffentlicht wurde. Die von den beiden Franzosen Jim und Fane gemeinsam geschriebene und in einem wilden spontanen Stil zu Papier gebrachte Geschichte fesselte den Leser über ihre volle Länge von knapp 300 Seiten.

Süße Versuchung

Splitter veröffentlichte daraufhin weitere Comics von Jim alias Thierry Terrasson, wie etwa die zweibändige von ihm im Alleingang realisierte Geschichte „Eine Nacht in Rom„. Bei „Süße Versuchung“ hingegen fungierte Jim, genau wie schon bei „Die Einladung„, ausschließlich als Autor. Für die sehr dekorativen und aufwendig am Computer kolorierten Bilder sorgte der 1980 in Grenoble geborene Grelin. Dessen auch in einem Sketchbook bei „Comix Buro“ veröffentlichten Zeichnungen von Frauen, die „sexy aber auch etwas unnahbar“ wirken“, inspirierten Jim zu einer Geschichte über „Versuchung, Begehren und Besitzstreben“.

Das Titelbild von „Süße Versuchung“ zeigt eine junge Frau, die den Betrachter etwas unsicher anblickt und gerade ihre bequemen Turnschuhe gegen hochhackige Sandalen getauscht hat. Hierbei handelt es sich um die etwas schüchterne Studentin Calista, die im luxuriösen Appartement des gut situierten Ehepaars Jean und Ines als Babysitterin jobbt. Durch ihre leichtlebige Freundin Anna wird Calista auf die Idee gebracht Jean zu verführen um anstelle von Ines mit Jean in der Luxus-Bude zu wohnen. Calista lässt sich schließlich sogar auf eine Wette mit Anna ein, in der es darum geht, wer Jean zuerst verführt hat. Aus dem Spiel wird recht bald Ernst…

Jim erzählt eine Geschichte aus einer Welt in der Männer wenig mehr sind, als leicht manipulierbare Spielkameraden attraktiver Frauen. Zynisch ist die Story jedoch nicht, denn Jim trotz ihr noch ein hochmoralisches Ende ab. Grelins Zeichnungen sind ziemlich spektakulär, vor allem wenn bedacht wird, dass er hauptsächlich alltägliche Situationen abbildet, die jedoch häufig erotisch aufgeladen sind. „Süße Versuchung“ ist das Comic-Gegenstück zu einer gut besetzten und versiert in Szene gesetzten leicht gesellschaftskritischen französischen Filmkomödie.

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Die letzten Tage der Menschheit

Zwar hat Reinhard Pietsch in seiner Jugend „die üblichen Comics“ gelesen, doch erst als er „Zahra’s Paradise“ für den Knesebeck Verlag übersetzte, wurde ihm klar was für erzählerische Möglichkeiten das Medium Comic zu bieten hat. Dadurch kam er auf die Idee „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus zu adaptieren und als Comic umsetzten zu lassen.

Die letzten Tage der Menschheit

Karl Kraus schrieb sein Mammutwerk von 1915 bis 1922. Das aus 220 lose zusammenhängenden Szenen bestehende „nicht aufführbare Theaterstück“ entstand direkt unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs und ist eine Chronik des damals (und leider auch noch heute herrschenden) Wahnsinns. Direkte Eindrücke von den Kämpfen sucht der Leser vergebens. Kraus ist eher an den Hinterzimmern der Macht – aber auch an den Meinungen der Besserwisser an der Heimatfront – interessiert, denn „die Bomben fallen immer anderswo – das Leben geht scheinbar weiter wie gewohnt“.

Die letzten Tage der Menschheit

Mit dem äußerst agilen David Boller („AÏR – Der Aufstand„) fand Pietsch einen mehr als geeigneten Zeichner, der sowohl bereit war in der Historie zu recherchieren als auch darum zu kämpfen, dass der Comic nicht zu wortlastig wurde. In jenem schönen klaren Schwarzweiß-Stil, der schon seinen biographischen Comic „Ewiger Himmel“ zu einem großen Lesevergnügen machte, brachte David Boller „Die letzten Tage der Menschheit“ zu Papier. Die beim Münchner Utz Verlag erschienene Ausgabe verfügt darüber hinaus noch über ein umfangreiches Glossar und sei allen Freunden anspruchsvoller Comic-Literatur ans Herz gelegt.

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Saga 2

Weiter geht es mit der neuen bereits mehrfach preisgekrönten Erfolgsserie von Brian K. Vaughan. Der Autor von “Y – The Last Man“ und „Ex Machina“ lässt hier das galaktische Mischlingskind Hazel eine romantische Science-Fiction-Saga erzählen. Hazels Eltern Alana und Marko gehören zwei unterschiedlichen Alien-Völkern an. Beide haben zwar menschliche Körper, doch während sie über seltsame fledermausartige (aber eigentlich viel zu kleine) grüne Flügel verfügt, hat er nicht nur spitze Elfen-Ohren sondern auch noch Hörner wie ein Widder.

Saga 2

Im zweiten „Saga„-Sammelband von Cross Cult wird nicht nur die spannende Geschichte der verfolgten frischgebackenen Eltern weiter erzählt, sondern auch in Rückblenden geschildert, wie sich Alana und Marko kennenlernten. Das ständig wachsende Ensemble von interessanten Außerirdischen mit Hang zu irdischen Klamotten wird diesmal noch ergänzt um den zyklopischen Erfolgsautor D. Oswald Heist, dessen Roman „Night Time Smoke“ Alana und Marko Markos zusammenbrachte. Außerdem lernen wir Markos besorgte und vielfältig begabte Eltern kennen, sowie dessen Ex-Freundin Gwendolyn, die sich dem Kopfgeldjäger Der Wille anschließt. Vaughan gelingt es dabei die Verfolger fast genauso sympathisch wirken zu lassen wie das junge Liebespaar.

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Dieser schön aufgemachte Hardcover-Band enthält die nur geringfügig verkleinerten US-Hefte 7 bis 12 der Serie „Saga„, die die Kanadierin Fiona Staples wieder in einem sehr lässigen Stil äußerst farbenfroh zu Papier gebracht hat. Als Bonus gibt es noch einige Skizzen sowie ein Porträt von Brian K. Vaughan. Man darf mehr als gespannt sein wie es mit Alana, Marko und der kleinen Hazel weiter geht.

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The Cut

Das ganz große Politikum ist der neue Film von Fatik Akin ((„Kurz und schmerzlos„, „Im Juli„, „Solino„, „Gegen die Wand“) nicht geworden, obwohl er sich mit einem türkischen Reizthema beschäftigt, dem während des Ersten Weltkriegs begangenen Völkermord an den Armeniern. Akin zeigt den von türkischen Soldaten begangenen Genozid zwar in einer ziemlich drastischen Szene. Doch das Massaker ist weniger das zentrale Thema von „The Cut“ sondern eher das auslösende Moment für die Geschichte, die Akins Film erzählt.

The Cut

Der Titel “The Cut“ bezieht sich  dabei sowohl auf den Schnitt mit einem türkischen Messer, der den armenischen Schmied Nazaret Manoogian 1915 seiner Stimme aber nicht seines Lebens beraubt, aber auch auf den darauf folgenden Schnitt innerhalb der Geschichte, der den Film in eine andere Richtung als erwartet driften lässt. Akin schildert in epischer Breite die Odyssee zu der Nazaret aufbricht um seine in den Kriegswirren verschollenen Zwillingstöchter zu finden.

Für Akin ist „The Cut“ nicht in erster Linie ein Film über den Völkermord, sondern die Geschichte eines Vaters sowie eine „Geschichte über Einwanderung und Auswanderung“, die zeigt wie weit manche Armenier aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Der von Akin in Zusammenarbeit mit dem armenisch stämmigen Drehbuchautor Mardik Martin, der für Martin Scorsese „Hexenkessel“ und „New York, New York“ schrieb, erarbeitete Film ist aber auch ein Western, denn Nazaret reist auf seiner Suche über Kuba westwärts bis nach Amerika.

Die Kritik ging mit Akins neuem Film nicht eben gnädig um und es wurde ihm vorgeworfen, dass er in der Originalfassung die Türken zwar türkisch aber die Armenier englisch sprechen ließ. Doch dieser im US-Kino übliche Kunstgriff, erlaubte es Akin u. a. für die Hauptrolle Tahar Rahim zu verpflichten, einen in Frankreich sehr populären Darsteller mit algerischen Wurzeln. Sehr gefreut haben dürfte sich Akin über Martin Scorseses Meinung zu seinem Film: „“The Cut“ ist ein echtes Epos in einer Tradition, an die sich heute niemand mehr heranwagt. Fatih Akins sehr persönliche Antwort auf ein tragisches Kapitel der Weltgeschichte ist von großer Intensität, Schönheit und beeindruckender Erhabenheit. Dieser Film ist mir in vielerlei Hinsicht sehr wertvoll.“

Die Blu-ray von Pandora enthält den 138-minütigen Film in deutscher, armenischer, englischer Sprachfassung sowie in einer Hörfil-Fassung. Als einzigen Bonus gibt es einen 2-minütigen Teamfilm.

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Parenthood – Season 3

Das Leben des Braverman-Clans ist vor allem eines: total chaotisch. Im Mittelpunkt der nicht perfekten aber liebenswert-turbulenten Großfamilie stehen vier erwachsene Geschwister mit ihren Partnern, Kindern, und Problemen.

Parenthood - Season 3

Die knapp 40-jährige Sarah (Lauren Graham) hat ihren Mann, einen drogensüchtigen Rockmusiker verlassen und zieht mit ihren beiden Kinder im Teenager-Alter wieder bei den Eltern (Bonnie Bedelia und Craig T. Nelson) ein. Adam Braverman (Peter Krause) und seine Frau Kristina (Monica Potter) sind die Eltern eines autistischen Kinds und einer rebellischen Tochter. Die ehrgeizige Julia (Erika Christensen) macht als Anwältin Karriere, während ihr Gatte Joey als Hausmann fungiert. Das Paar möchte unbedingt noch ein drittes Kind haben. Crosby Braverman (Dax Shepard) hingegen wird plötzlich  damit konfrontiert Vater zu sein und möchte unbedingt die Mutter des kleinen Jabbar zurückerobern. Außerdem hat er gemeinsam mit seinem Bruder Adam ein Ton-Studio eröffnet, das sich zu einem riesigen Erfolg entwickelt.

Parenthood - Season 3

Bereits 1991 wurde versucht aus Ron Howards einem Jahr zuvor erfolgreich im Kino gelaufenen Film “Parenthood“ (deutscher Titel: “Eine Wahnsinnsfamilie“) mit Steve Martin eine TV-Serie zu machen. Doch obwohl David Arquette, Thora Birch und Leonardo DiCaprio (die damals allerdings noch kaum jemand kannte) seinerzeit dabei waren, floppte die Serie bereits nach 12 Episoden. Dies klappte 20 Jahre später sehr viel besser, sicher auch weil sich sehr viel weniger eng am Kinofilm orientiert wurde.

Parenthood - Season 3

Ein Grund dafür, dass es die Neuauflage von “Parenthood“ auf immerhin sechs Staffeln mit insgesamt 103 Episoden brachte, lag sicher auch daran, dass beliebte TV-Stars zum Einsatz kamen. Lauren Graham war nach 153 TV-Auftritte als das ältere der “Gilmore Girls“ ein Household Face, Monica Potter immerhin in der ersten Staffel von „Boston Legal“ dabei und Peter Krause hat sich als das halbwegs geerdete Mitglied einer Chaos-Familie bereits im Bestatter-Drama “Six Feet Under“ bestens bewährt.

Parenthood - Season 3

Ähnlich wie Ron Howards Kinofilm ist auch die TV-Serie “Parenthood“ viel besser als befürchtet. Auf den ersten Blick wird hier gezeigt, wie wichtig ist, dass Großfamilien zusammenhalten. Doch das Konzept “Familie“ wird nicht glorrifiziert, sondern als Modell bzw. Angebot gezeigt, das funktionieren und helfen aber auch ganz schön anstrengen kann. Durch die sorgfältig fast schon kinotaugliche Machart hebt sich “Parenthood“ von Studio-Sitcoms mit eingespielten Lachern angenehm ab. Der Probleme zwar durchaus vertiefende aber insgesamt optimistische Grundton der Serie ist im HBO-Zeitalter fast schon wieder innovativ.

Parenthood - Season 3

Die deutsche DVD-Box von Universal Pictures enthält die 18 Episoden der dritten Staffel auf 5 Scheiben. Als Bonusmaterial gibt es Deleted Scenes (10:15 min) und einen aus der Serie herausgeschnittenen Handlungsstrang um Sarahs Sohn Drew (4:55 min), beides ohne deutsche Untertitel. Die auf der US-Veröffentlichung enthaltenen Audiokommentare fehlen leider.

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Batman – Legenden des Dunklen Ritters: Beute

Seitdem Jerry Siegel und Joe Shuster die ersten waren, die sich im Jahre 1938 zusammengetan hatten und schließlich SUPERMAN erdachten, so wurden die besten Comics geschaffen, wenn bestimmte Künstler zusammenarbeiteten und gemeinsam Werke schufen von atemberaubender Spannung und Schönheit.

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Ein solches Dream-Team sind schon seit Jahren Doug Moench und Paul Gulacy. Beide arbeiteten schon mit vielen anderen Künstlern zusammen, aber immer dann, wenn sie zusammen etwas schufen, dann schien jedes Mal eine bestimmte Form von Chemie ins Spiel zu kommen. Ihre frühen Werke bei Marvel “Master of Kung Fu“ oder aber auch das Science Fiction Epos “Six from Sirius“ (dt. die SPLITTER) zeugen davon. Ebenso “James Bond“ bei Dark Horse oder unzählige Arbeiten mit dem Mitternachtsdetektiven Batman. Angefangen von US-Batman #393 (März 1986), über “Batman versus Predator II“ (dt. bei DINO), bis hin zu “Legends of the Dark Knight“ #11 bis #15: “Prey“ (dt. zuerst bei CARLSEN).

Und nun neu übersetzt erscheint dieses Meisterwerk bei Panini innerhalb der Serie “Batman – Legenden des Dunklen Ritters“. Im Vordergrund der damals neu aus der Taufe gehobenen Serie “Legends oft he Dark Knight“ stehen Geschichten, die ganz am Anfang des Werdeganges von Bruce Wayne zu Batman stehen – neue, noch nicht erzählte Geschichten, die die ersten Abenteuerjahre des noch allein agierenden Helden und Vigilanten beleuchten.

Einige Ereignisse aus Frank Millers “Batman: Year One“ werden erwähnt und Batman ist noch ganz am Anfang seiner Helden-Karriere. Kein Robin, kein Batmobil. Dieses befindet sich noch im Bau in der Höhle. Dadurch entstehen kuriose Situationen, zum Beispiel muss Batman spät nachts zu Fuß aus Gotham City zurück nach Wayne Manor.

Gotham, seine Bürger, die Polizei und der Bürgermeister wissen noch nicht so recht, was sie von Batman halten sollen. Gordon scheint die Methoden für gut zu befinden – der Bürgermeister duldet aber keine andere Instanz für Recht und Ordnung als seine Polizei. Diese ist aber größtenteils korrupt und so ist es schwer, das Verbrechen effektiv zu bekämpfen. Eine Sondereinheit unter der Leitung von Captain James Gordon, soll Batman fangen. Ein übereifriges Mitglied seiner Truppe nimmt die Aufgabe viel zu Ernst.

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Gleichzeitig soll der Psychologe Prof. Dr. Hugo Strange die Aktivitäten von Gordons Sondereinheit mit Rat und Gutachten unterstützen. Strange aber verfolgt ganz andere – eigene Interessen. Er erstellt Psychoanalysen, was für ein Mensch hinter Batmans Maske stecken könnte. Gleichzeitig verfällt er aber selbst der Faszination der Verkleidung und der Machtausübung, die sich nicht zu rechtfertigen braucht. Er ist der wirklich Kranke, der unerfüllte Sehnsüchte hat damit nicht zurechtkommt. Seine Phantasien und brutalen Handlungen sind Ventil dafür. Anders bei Batman – er ist Bruce Wayne und gleichzeitig Batman, weil er es kann!

Auch wenn die Geschichte nun fast ein Vierteljahrhundert alt ist, ist sie grandios zu lesen, klassisch und spannend. Die großartigen Zeichnungen von Paul Gulacy geben der Story Tiefe und gehen eine geniale Symbiose ein. Die Reihe “Batman – Legenden des Dunklen Ritters“ wird fortgesetzt mit dem Präludium zu Knightfall: “Venom“.

Norbert Elbers

Der Comic enthält: US-Batman: Legends oft he Dark Knight #11 bis #15 (September 1990 bis Februar 1991); Text: Doug Moench; Zeichnungen: Paul Gulacy; Tusche: Terry Austin; aus dem Amerikanischen von Alexander Rösch; Prestige; Softcover: € 16,99, auf 333 Exemplare limitierter Hardcover: € 29,00; 140 Seiten; farbig; Cover von Paul Gulacy; Panini/DC Comics

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Hulk als Hercules

1985 trat der vor allem durch die TV-Serie “Der unglaubliche Hulk“ bekannte Lou Ferrigno in einem unglaublich durchgeknallten Fantasy-Film auf.

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“Die Abenteuer des Herkules“ ist die Fortsetzung eines zwei Jahre zuvor entstandenen Filmes in dem der Sohn des griechischen Gottes Zeus zwölf nahezu unlösbare Aufgaben zu knacken hatte. Einige Szenen aus diesem Film, in denen Ferrigno als Herkules gegen Monstren antritt, die wirken als hätte sie jemand aus seinem Stabil-Baukasten zusammengeschraubt, sind im Vorspann “Die Abenteuer des Herkules“ zu sehen. Doch was dann folgt, ist noch viel verrückter.

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Genau wie bereits 1979 in seinem kunterbunten “Star Wars“-Abklatsch “Star Crash – Sterne im Duell“ outet sich der italienische Regisseur Luigi Cozzi alias Lewis Coates auch hier als ganz großer Fanboy des phantastischen Films. “Die Abenteuer des Herkules“ ist eine Liebeserklärung an die mit Stop Motion bewegten Kinomonstren des legendären Trick-Experten Ray Harryhausen. So gibt es eine Hommage an dessen meisterlich von Hand animierte Medusa aus “Kampf der Titanen“ zu bewundern. Zwischendrin schaut aber auch das bunt flimmernde Energiewesen aus “Alarm im Weltall“ vorbei und im ganz großen Finale verwandeln sich Herkules und seine Widersacher König Minos in knallig schimmernde Neonwesen. Bei einem Kampf im Weltraum Szenen werden sie hier zu einem Riesenaffen und einen Dinosaurier. Schlüsselszenen aus dem Klassiker “King Kong und die weiße Frau“ wurden hier einfach durchgepaust. Der Effekt ist dennoch immer noch beeindruckend und genau wie der ganze sich niemals ernst nehmende Film einfach unglaublich!

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Koch Media hat eine schöne DVD und Blu-ray-Edition herausgebracht, die zudem noch ein interessantes Gespräch mit Luigi Cozzi (19:43 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln) sowie den englischsprachigen Trailer (1:18 min) und eine fast nur aus Standbildern bestehende Galerie mit 44 Fotos enthält. Es bleibt zu hoffen, dass Cozzis erster längst nicht so amüsanter „Herkules“-Film demnächst in einer ähnlich gut gelungenen Edition veröffentlich wird.

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42. Comicfestival in Angoulême

Wie regelmäßig in den letzten Jahren habe ich auch diesmal das französische Festival de la Bande Dessinée d’Angoulême besucht.

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Meine Eindrücke von der im Schatten des Pariser Anschlages auf die Redaktion von Charlie Hebdo stehenden größten europäischen Comicfestival wurden in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht und sind mittlerweile auch online zu lesen.

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Die CHARLIE HEBDO Ausstellung in Angouleme zeigt wenig mehr als die schönsten Geschmacklosigkeiten von Wolinski, Cabut & Co.. Doch dass ein ganzes Land nach dem Anschlag verkündet hat, Charlie zu sein, wirkt plötzlich gar nicht mehr pathetisch. Die allwöchentlich an den Zeitungskiosken ausgehängten plakativ-provokanten Titelbilder sind tatsächlich ein nicht mehr wegzudenkendes Stück Frankreich.

COMIX Charlie Hebdo

Das deutsche Fachblatt COMIX druckte eine Sonderausgabe mit französisch übersetzten Je suis Charlie Beiträgen von deutschen Comic-Künstlern wie Flix, Isabel Kreitz, Reinhard Kleist oder Volker Reiche.

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Die langen Schlangen vor dem Cité de la BD hingen auch mit den verschärften Einlasskontrollen zusammen.

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Doch das Festival-Leben ging weiter und das Stadtbild wurde um ein von Philippe Druillet entworfenenes tolles Wandgemälde erweitert.

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Herausragend war die Werkschau von Jiro Taniguchi ( “Vertraute Fremde“), der eine beeindruckende Menge von höchst unterschiedlichen Geschichten in die Welt gesetzt hat. So stark wie wohl kein anderer japanischer Zeichner fühlt er sich dem frankobelgischen Comic verbunden.

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Die dritte große Ausstellung des Festivals war die Werkschau des erwartungsgemäß nicht anwesenden Festival-Präsident Bill Watterson. Dessen Serie “Calvin und Hobbes“ ist immer noch äußerst beliebt, obwohl sie bereits 1995 eingestellt wurde.

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Watterson steuerte zum Festival ein eigens dafür geschaffenenes Plakat-Motiv bei.

Riad Sattoufs „Der Araber von morgen“ wurde als bestes Comic-Album des Jahres prämiert.

Der Araber von Morgen

Der aus Syrien stammende Zeichner und Filmregisseur (“Jungs bleiben Jungs“) hat auch für Charlie Hebdo gearbeitet.

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Auf dem Rückweg vom Comicfestival war ich noch am Ort des CHARLIE HEBDOT Anschlags in Paris. Wie viele, viele Menschen habe ich dort zwischen zahlreichen frischen Blumensträußen und Kränzen auch einen Zeichenstift niedergelegt.

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Kingsman: The Secret Service

Um es gleich vorweg zu nehmen, diese vergnügliche Verfilmung des 007-Hommage  Comic von Mark Millar und Dave Gibbons hat wenig mehr als lediglich eine gute Idee der (aus)gezeichneten Vorlage verschenkt.

Kingsman: The Secret Service

Der von Samuel L. Jackson gespielte nerdige Superschurke Richmond Valentine will zwar auch im Kino die Welt zu zerstören, doch diesmal versucht er nicht gleichzeitig das Leben seiner Lieblings-Stars aus Science-Fiction-Filmen zu retten. Mark Hamill ist im Kinofilm dennoch dabei, doch leider spielt er nicht sich selbst sondern einen Wissenschaftler. Daher kommt sein Kino-Tod sehr viel weniger überraschend als das Ableben des Luke Skywalker Darstellers im grandiosen Auftakt des Comics .

Unbenannt

Doch ansonsten gelang es Kick-Ass Regisseur Matthew Vaughn, der auch Co-Autor bei der Comicserie war, im Kino fast immer noch einen drauf zu setzen. Recht geschickt hat Vaughn das Verhältnis des Schüler-Mentor-Duos bestehend aus dem Super-Agenten Harry Hart (Colin Firth) und Eggsy Unwin (Taron Egerton), dem Nachwuchs-Spion aus der Unterschicht, noch um eine gemeinsame tragische Vergangenheit bereichert. Natürlich ist im Kino auch das Finale deutlich knalliger ausgefallen als im Comic, auch wenn es manchmal mehr wie bei Austin Powers und weniger wie bei James Bond zugeht. Deutlich splattriger kommt hingegen eine schier endlose in langen durchgehenden Einstellungen in Szene gesetzte Kampfszene in einer spießigen US-Kirche rüber. Dieses grandiose Gemetzel inszenierte Vaughn ungeheuer unterhaltsam in einem Stil irgendwo zwischen Robert Rodriguez und Edgar Wright, während sich Colin Firth dabei bestens als Action-Held bewährt.

Kingsman: The Secret Service

Auch der übrige Cast ist großartig. Die vielleicht undankbarste Rolle hat wohl Michael Caine, doch dessen legendären Auftritte als als bebrillter britischer Agent Harry Palmer im britischen Kino der Sechziger Jahre haben ohne Zweifel viele der elegant-intelligenten Szenen mit Firth oder Egerton inspiriert. Eine Augenweide ist die algerische Tänzerin Sofia Boutella, trotz der mörderischen Metall-Unterschenkel, die sie als Killer-Mietze tragen muss. Die größte Überraschung dürfte jedoch der ansonsten auf Schurken abonnierte Mark Strong sein, der Merlin, eine Art Gegenstück zu James Bonds Q, unvergleichlich cool auf die Leinwand zaubert.

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Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia – Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Nach seinem Comic „Der Boxer – Die wahre Geschichte des Hertzko Haft“ packte Reinhard Kleist wieder ein hochpolitisches Thema an, das diesmal noch stärker im Zusammenhang steht, mit der Welt in der wir heute leben.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Die Läuferin Samia Yusuf Omar vertrat Somalia 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking. Sie schnitt sportlich zwar nicht sonderlich gut ab, doch die positiven Eindrücke von ihrer Reise überwogen und halfen ihr nach ihrer Rückkehr dabei mit den alles andere als rosigen Verhältnissen in ihrem Heimatland klar zu kommen.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Als ihr die Möglichkeit genommen wird, sich auf die Olympiade 2013 in London vorzubereiten, sah Samia nur noch eine Möglichkeit. Sie verliess ihre Heimat und brach zu einer gefährlichen Odyssee auf. Unter gefährlichen Umständen durchquerte  sie Äthiopien und den Sudan, um sich von Menschenhändler von Lybien nach Italien einschiffen zu lassen.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Kleist gelingt es in seinem Comic die Lebensumstände in Somalia zu schildern, einem Land, das laut Nachwort von Elias Bierdel, von “der Weltgemeinschaft praktisch aufgegeben wurde“. Religiöse Moralapostel mit Knüppeln, die schon ihren Vater umbrachten, machen es auch Samia fast unmöglich ihren Olympischen Traum zu leben.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Samia ertrank auf ihrer Flucht im Alter von nur 21 Jahren vor der Küste von Malta. Die letzten Monate im Leben der jungen Frau rekonstruiert Kleist gestützt auf den Erinnerungen von Verwandten und einen Facebook-Eintrag von Samia so gut wie es einem laut Selbstbeschreibung “behütet aufgewachsenen Europäer“ wie ihm möglich ist. Das Resultat ist ein in nur scheinbar simplen meisterlichen schwarzweißen Bildern erzählte Comic-Geschichte. Diese macht traurig über das Schicksal der Hauptfigur und die ungerechte Verteilung der Lebensmöglichkeiten auf unserer Erde, zeigt aber auch wie universell wichtig Träume und Ziele sind.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

“Der Traum von Olympia“ ist die letzte Serie, die die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer 2000 mit Volker Reiches STRIZZ gestarteten leider eingestellten selbst produzierten täglichen Comic-Rubrik veröffentlichte. Im Netz ist Kleists Comic in Strip-Form hier weiterhin verfügbar.

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