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Daniel Clowes: Ghost World

Als Ghost World 1997 erschien, hatte Daniel Clowes (Mister Wonderful, Wilson) vier Jahre an dem 72-seitigen Comic gearbeitet. Clowes hatte die Erlebnisse der Teenager Enid Coleslaw und Rebecca “Becky“ Doppelmeyer als Fortsetzung in acht Ausgaben seines Comichefts Eightball veröffentlicht. Für die Gesamtausgabe hat er einige seiner Zeichnungen einheitlich in einem bläulichen Grün koloriert und teilweise noch etwas überarbeitet.

Daniel Clowes: Ghost World
Reprodukt-Softcover von 2000

Enid und Becky haben gerade die High School abgeschlossen und wissen nicht so recht, wie es weitergeht. Doch sie haben ihren Spaß dabei sich treiben zu lassen, ihren gemeinsamen Freund Josh genauso zu veralbern wie alle Menschen, die ihnen gerate vor die Flinte kommen.

Daniel Clowes: Ghost World

Etwaige Ängste davor, dass irgendwann der Ernst des Lebens beginnen könnte, versuchen die Mädchen mit Sarkasmus zu bekämpfen. Doch die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Enid beginnt, dem sanften Druck ihres Vaters nachzugeben und sich auf einen Studienplatz in einer anderen Stadt bewirbt…

Daniel Clowes: Ghost World

Die Geschichte weckt wehmütige Erinnerungen an jene Zeit, als es okay war, Dummheiten auszusprechen und zu begehen, sowie zu glauben, es wäre ein Naturgesetzt, dass beste Freunde auf ewig beste Freunde bleiben. Mit Sensibilität und viel schrägen Humor beschwört Clowes die Ängste aber auch Freuden in dieser weder von Kindern noch von Erwachsenen bewohnten Geisterwelt.

Daniel Clowes: Ghost World

2001 entstand eine Verfilmung mit Thora Birch, Steve Buscemi und Scarlett Johansson, die zwar die Stimmung des Comics sehr gut einfängt, doch vom Regisseur Terry Zwigoff (Crumb, Bad Santa) in Zusammenarbeit mit Clowes um zusätzliche Figuren und Sequenzen ergänzt wurde.

Daniel Clowes: Ghost World
Reprodukt-Hardcover von 2021

Zum 30. Verlagsjubiläum veröffentlicht Reprodukt 2021 schöne und preiswerte Hardcover-Ausgaben von Paco Rocas Der Winter des Zeichners, Anke Feuchtenbergers Die Spaziergängerin, Camille Jourdys Rosalie Blum, sowie zu Ghost World.

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Die Queen

31. August 1997: Der Tod von Prinzessin Diana versetzt die Welt in Schrecken. Doch Königin Elizabeth II. (Helen Mirren) verschanzt sich mit ihrer Familie auf dem schottischen Landsitz. Sie ist unfähig auf die öffentliche Trauer angemessen zu reagieren. Als der Druck der Öffentlichkeit immer größer wird und die Welt mit Unverständnis auf das Schweigen der Royal Family reagiert, ist es der neu gewählte Premierminister Tony Blair (Michael Sheen), der Elizabeth II zu einem entscheidenden Statement vor laufenden Kameras bewegen kann…

Die Queen

Sich nah an den Tatsachen entlang hangelnd, gelingen Stephen Frears (High Fidelity, Florence Foster Jenkins) und seiner königlich aufspielenden Hauptdarstellerin 2006 in Die Queen sowohl menschlich berührende Szenen wie auch satirische Glanzlichter. Wenn die Queen z. B. eher widerwillig den Labour-Politiker Blair zum neuen Premierminister ernennt, dann erinnert der planvoll-böswillige Vollzug des hierfür vorgeschriebenen Hofzeremoniells fast an eins von Loriots Glanzlichtern.

Die Queen

Recht vielschichtig und interessant ist Die Queen dadurch, dass der Film zum Teil aus der Sicht von Tony Blair erzählt wird. Ausgerechnet der Labour-Politiker tritt gegen den Widerstand von Partei (und seiner antimonarchistisch eingestellten Frau Cherie) als strahlender Retter des britischen Königshauses auf. Wenn ihm die Queen am Ende des Filmes prophezeit, dass er im weiteren Verlauf seiner Karriere auch noch einige Demütigungen erleben wird, ist das nicht nur prophetisch, sondern sagt auch sehr viel darüber aus, wie einsam Macht und vor allem ernst genommene Verantwortung machen können.

Die Queen

Extras der DVD:  Audiokommentar von Regisseur Stephen Frears und Drehbuchautor Peter Morgan (The Crown), ohne deutsche Untertitel, Making of (19:30 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln), Deutscher Kinotrailer (1:57 min), Englischer Kinotrailer (1:44 min), Galerie mit 12 Fotos, achtseitiges farbiges Booklet

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2020 Visions

1997 startete beim DC-Imprint Vertigo eine 12-teilige Reihe, in der der britische Autor Jamie Delano (Hellblazer, Crossed) seine Vision der im Jahr 2020 herrschende Zustände präsentierte. Der Dantes Verlag hatte die originelle Idee diese Comics 2020 erstmals in Deutschland zu veröffentlichen, so dass Delanos prophetische Fähigkeiten überprüft werden können.

2020 Visions

Die Serie besteht aus vier voneinander unabhängigen Geschichten, die von verschiedenen Zeichnern illustriert wurden. Die Stories verbreiten jene Freude am Erschaffen von wilden apokalyptischen Welten, die das Markenzeichen von Comics wie Judge Dredd aus dem britischen Magazin 2000 AD sind, für das auch Delano tätig war.

2020 Visions

Bei La Tormenta, der zweiten Story in diesem Band, holt Warren Pleece optisch leider nur sehr wenig heraus, aus Delanos origineller Vision eines Floridas, das sich von den USA abspaltete und – nachdem Fidel Castro 2003 gestorben war – sich Kuba einverleibte.

2020 Visions

Den von Delano in seiner Einleitung recht plastisch beschriebenen Horror mit von mit Alligatoren bevölkerten Rentner-Wohnsiedlungen, sucht der Leser in Pleeces Bildern vergeblich.

2020 Visions

Ein echter Leckerbissen, allerdings mit einem ganz schön bitteren Geschmack, hingegen ist die Story Lebensgier. Das liegt jedoch eher an den Bildern als an Delanos gar nicht so weit von unserer Realität entfernten Schilderung, eines durch Virenepidemien kollabierenden New Yorks.

2020 Visions

Als Zeichner konnte der schottische Ausnahme-Künstler Frank Quitely gewonnen werden, dem danach mit Werken wie All-Star Superman oder Jupiter’s Legacy der große Durchbruch gelang. Bei Lebensgier überzeugt nicht nur die Inszenierung eines New Yorks kurz vor dem Untergangs, sondern auch Quitelys Fähigkeit die zunächst sehr unansehnlich und unangenehm erscheinenden Hauptfiguren im Verlauf der Geschichte immer sympathischer wirken zu lassen.

2020 Visions

Ein zweiter Band wird mit Deserteur von James Romberger und Repromann von Steve Pugh die restlichen beiden 2020 Visions enthalten. Bemerkenswert ist, dass der Dantes Verlag – genau wie bei seiner Edition von Alan Moores Cinema Purgatorio – wieder einen umfangreichen Anhang mit interessanten  Erklärungen und Hintergrundinfos zu den einzelnen Storys angefügt hat.

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