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Tanguy und Laverdure – Die Hommage

Am 29. Oktober 1959 erschien die erste Ausgabe des französischen Magazins Pilote, das der belgischen Konkurrenz Tintin und Spirou Paroli bieten wollte (und sollte). Hierin debütierte Asterix und gleichzeitig startete der meisterliche Zeichner Albert Uderzo auch das erste Abenteuer der tollkühnen französischen Militärpiloten Tanguy und Laverdure.

Tanguy und Laverdure - Die Hommage

Uderzo nutzte seine einzigartige Zeichenkunst nicht nur zur detailgetreuen Wiedergabe von Kriegsgerät, wie dem wirklich recht elegant aussehenden Jagdflugzeug Mirage III, sondern auch immer wieder für wirklich lustige Slapstick-Einlagen. Während Michel Tanguy als gradliniger Held eine gewisse Ähnlichkeit mit Falbalas Freund Tragicomix aus Asterix hat, ist der dürre Ernest Laverdure das Ebenbild von Albert Uderzo.

Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure

Dieser lässt kein Fettnäpfchen aus und ist bei jeder attraktiven Frau sofort entflammt, also das ideale Opfer für Spioninnen. Die immer wieder die Schlagkraft der französischen Luftstreitkräfte betonenden Abenteuer dachte sich der Belgier Jean-Michel Charlier aus, dessen Meisterwerk Blueberry auch in Pilote erscheinen sollte.

Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure

1966 wurde Uderzo die Doppelbelastung durch Asterix und Tanguy & Laverdure zu viel. Er übergab die Flieger an Jijé und bis heute haben zahlreiche weitere Teams die Serie am Leben erhalten. Uderzo blieb jedoch dem Flieger-Comic verbunden und platzierte auf seinem Anwesen in Yelines eine echte Mirage III.

Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure

Bei der Egmont Comic Collection startete 2009 eine “Gesamtausgabe“ von Tanguy und Laverdure, die allerdings nur die von Uderzo gezeichneten Abenteuer enthält und bereits hoch gehandelt wird, da die neun Bände schon lange vergriffen sind. Als eine Art Nachschlag hierzu erscheint zum 60. Geburtstag der Fliegerserie ebenfalls bei Egmont ein Hommage-Buch.

Tanguy und Laverdure - Die Hommage

Wer nun hofft, die frankobelgische Comic-Elite würde dem Klassiker mit sanftem Spott in lässig hingehauenen Bildern ehren, dürfte etwas enttäuscht sein. Die sechs Tribute-Comics in diesem Buch sind alle im hyperrealistischen, aber meist etwas sterilen Stil der Uderzo-Nachfolger gehalten, bzw. stammen im Falle von Yvan Fernandez, Matthieu Durant und Sébastien Philippe auch gleich direkt von diesen.

Tanguy und Laverdure - Die Hommage

Durchaus im Sinne der Vorlage sind die in Nostalgie schwelgenden Geschichten vom Stile “seriös, aber mit einem Schmunzeln“,  gerne auch über protestierende Studenten, die sich 1965 für fortschrittlich hielten. Erzählt wird dabei nicht nur über die Väter der Helden, sondern auch gleich zweimal vom großen Charles de Gaulle, der seine Piloten zum Eskortieren von britischem Gebäck einsetzt oder Laverdures Tollpatschigkeit ausnutzt, um dem US-Präsidenten Lyndon B. Johnson einen kleinen Streich, unter dem Motto “Ich weiß, dass Du uns ausspionierst“, zu spielen.

Tanguy und Laverdure - Die Hommage
Alle Abbildungen: © Dargaud 2019

Die Begleittexte des Buchs zeigen sich stärker an Details über Militär-Flugzeuge als an der Comic-Geschichte interessiert. Immerhin fanden alle Pilote-Titelbilder mit Tanguy-Bezug den Weg in dieses Buch. Sehr erfreulich ist auch, dass der sehr lustige Zweiseiter Der Aprilscherz enthalten ist. In diesem von René Goscinny geschriebenen und von Uderzo gezeichneten Comic, der 1961 in Pilote erschien, treten neben den Fliegern auch andere bekannte Figuren wie der Rote Kosar oder Asterix und Obelix auf!

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Asterix: Die Tochter des Vercingetorix

Bei diesem nach Asterix bei den Pikten, Der Papyrus des Cäsar und Asterix in Italien vierten Album des neuen Kreativteams Jean-Yves Ferri und Didier Conrad waren – zumindest bei mir – die Erwartungen auf dem Nullpunkt angelangt. Doch dem deutschen Herausgeber Egmont ist es dennoch gelungen eine gewisse Spannung aufzubauen, und so habe ich mich – allen Befürchtungen zum Trotz –sofort nach Erhalt des neuen Albums an die Lektüre gemacht.

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix

Ferri und Conrad meinten in Hinblick auf ihre neue Geschichte: „Wir wollten uns stärker auf weibliche Figuren konzentrieren. Und bislang spielten Jugendliche in der Asterix-Reihe keine allzu große Rolle.“ Das ist eine zutreffende Beobachtung und auch ein guter Ansatz für das neue Album. Hauptfigur ist – wie der Titel zurecht vermuten lässt – Adrenaline „Die Tochter des Vercingetorix“. Der legendäre Arverner-Fürst führte 52 vor Christi gallische Krieger im Kampf gegen die Römer an.

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Vercingetorix unterlag und warf Julius Cäsar seine Waffen vor die Füße. Der schmerzhafte Aufschrei AUVEE!, nachdem dem großen römischen Feldherren ein beträchtliches Bündel an Waffen (und der legendäre Arvernerschild) auf die Füße flogen, war vor 60 Jahren der erste Gag im Album Asterix der Gallier und wurde jetzt von Didier Conrad noch einmal neu gezeichnet.

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Jean-Yves Ferri dichtet dem Arverner-Fürsten eine Tochter an, die zudem von ihrem Vater kurz vor dessen Niederlage noch einen Wendelring (Halsring für verdiente Krieger) erhielt und somit die letzte große Hoffnung des gallischen Widerstands gegen die Römer ist. Dass diese Vereinigung in der deutschen Fassung sich APO, als Abkürzung für “Arverner Proben Opposchttschion“ (die Arverner lieben das SCH!), nennt, ist der erste schlechte Gag des Albums und zum Glück auch der letzte!

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Die Bewohner des gallischen Dorfes sollen eine Weile auf Adrenaline aufpassen, damit die APO Zeit hat, um ein Schiff für die Fahrt ins britische Exil aufzutreiben. Die junge Dame ist jedoch nicht wirklich bereit, ihre Rolle als Hoffnungsträgerin anzunehmen. Sie ist ein rebellischer Teenager, trägt anstatt Kleidern lieber gotische Klamotten, die besser zum Halsring passen, und hängt gerne mit der Dorfjugend ab.

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Es ist erfreulich, dass Albert Uderzo erlaubt hat, das Ensemble des gallischen Dorfes um einige sympathische Charaktere zu erweitern. So lernen wir Aspix und Selfix, die Söhne des Fischhändlers Verleihnix und des Schmiedes Automatix, kennen, die sich schnell mit Adrenaline anfreunden. Auch diese sind nicht bereit in die Fußstapfen ihrer Väter oder gar von Obelix zu treten, denn “Hinkelstein und Zaubertrank sind die Stützen des Wildschweinesystems.“ Dennoch pfeifen sich die Jungs gelegentlich ganz gerne eine Prise Zaubertrank rein…

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Die Story von Die Tochter des Vercingetorix ist ein mehr als solider Aufhänger für einen vergnüglichen und gelegentlich auch spannenden Comic mit überraschenden Wendungen, an dem René Goscinny seinen Spaß gehabt hätte.

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Albert Uderzo erzählt sein Leben

Anstatt mit witzigen Anekdoten garnierte Albert Uderzo seine Autobiographie lieber mit reaktionären Seitenhieben (á la “Wer Wehrdienst schiebt, zündet keine Autos an“) und persönlichen Abrechnungen. Hauptschurke des Buches ist der Verleger Georges Dargaud, der laut Uderzo öffentlich gerne so tat, als wenn hauptsächlich er für den Erfolg von Asterix gesorgt hätte. Doch auch Kollegen wie etwa Morris und Greg kommen zum Teil nicht allzu gut weg.

Albert Uderzo erzählt sein Leben

Witzig hingegen sind die kurzen Passagen über Rolf Kaukas “verdrehte Übersetzung“. Der Fix und Foxi-Schöpfer hatte 1965 die Gallier Asterix und Obelix in die Germanen Siggi und Barbarras verwandelt. Diese traten in Lupo modern gegen Besatzer an, die nicht lateinisch, sondern amerikanisch sprachen. Uderzo erfuhr davon durch die Satirezeitschrift Pardon, die berichtete, dass hier ein Comic “rechtsradikale Propaganda verbreitete“. Uderzo entzog Kauka die Asterix-Lizenz und dieser hat sich danach laut Uderzo “bei Pressekonferenzen in Deutschland unter die Journalisten gemischt um mich zu beschimpfen. Jedes Mal wurde er resolut vor die Tür gesetzt.

Albert Uderzo erzählt sein Leben
Wer nicht jedes Wort in diesem Buch für bare Münze nimmt, bekommt (auch durch die interessant ausgewählten Fotos) immerhin einen recht lebendigen Eindruck in die wilden Gründerjahre des Comicmagazins Pilote und in die äußerst produktive Freundschaft zwischen dem genialen Zeichner Uderzo und dem unersetzlichen René Goscinny.

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Asterix bei den Pikten

Vier Jahre nachdem sich Albert Uderzo mit Asterix & Obelix feiern Geburtstag: Das goldene Buch noch ein letztes Mal so richtig blamiert hatte, ist es endlich so weit und die Ablösung wurde vollzogen. Mit dem Autoren Jean-Yves Ferry (Die Rückkehr aufs Land) und dem Zeichner Didier Conrad (Marsu Kids) trat ein neues Team die Nachfolge von René Goscinny und Albert Uderzo an.

Asterix bei den Pikten

Der erste Blick ins Album weckt Hoffnung. Die Zeichnungen Conrads stehen in der Tradition von Uderzo (als Vorbild diente ihm der Klassiker Asterix als Legionär) und sind detailverliebt ausgeführt. Bei manchen Nebenfiguren hapert es noch ein wenig, so fehlt es etwa der wunderschönen Frau des gallischen Dorfgreises Methusalix an Sexappeal, doch insgesamt ist Conrad als Uderzo Nachfolger eine sehr gute Wahl.

Asterix bei den Pikten

Inhaltlich sieht es leider etwas trüber aus. Zwar steht mit den Pikten, den Vorfahren der Schotten, ein durchaus gagträchtiges Volk im Mittelpunkt der Geschichte und diese erzählt – genau wie die schönsten Arbeiten von Goscinny – eine Hilfsmission zu der Asterix und Obelix aufbrechen. Die Pikten tragen lustige Namen wie Mac Aphon, Mac Abberh, Mac Abyte oder Minimac. Als Zugabe gibt es noch einen an Vincent Cassel erinnernden Schurken, sowie den römischen Volkszähler Plusminus, der der Dorfgemeinschaft auf den Keks geht.

Asterix bei den Pikten

Als Abenteuergeschichte funktioniert Asterix bei den Pikten halbwegs und es ist einigermaßen spannend die Gallier bei der Rettung eines jungen Liebespaares zu begleiten. So richtig gute Gags, naja die Pikten haben die Piktogramme erfunden und Obelix hält deren wollige Kühe für Maulwürfe, sind eher Mangelware. Das mag an der Unübersetzbarkeit mancher Wortspiele liegen oder auch daran, dass Jean-Yves Ferry, der bei Die Rückkehr aufs Land einen Schenkelklopfer nach dem anderen abfeuert, angesichts der beeindruckenden Asterix-Historie und des Erwartungsdruck an den “neuen Goscinny“ noch etwas gehemmt war. Vielleicht fungierte aber auch Uderzo als Bremser um zu verhindern, dass das erste Album des neuen Teams sehr viel besser als seine Asterix-Solos ausfiel.

Asterix bei den Pikten

Doch auf alle Fälle wird dieses Album den Fortbestand der Traditionsserie sichern und wenn sich das neue Team erst einmal freigeschwommen hat, ist noch mit allerlei Überraschungen wie dem nächsten Album Asterix: Der Papyrus des Cäsar zu rechnen.

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Asterix: Obelix auf Kreuzfahrt – Ultimative Edition

Im 30. Asterix-Album stand 1996 nach Obelix GmbH & CO. KG erneut die wohl beliebteste Figur der Serie im Mittelpunkt. Diesmal erfahren wir, dass es für den dicken Gallier tatsächlich nicht gut ist, wenn er Zaubertrank zu sich nimmt. Obelix trinkt einen ganzen Kessel davon leer und ist plötzlich völlig versteinert. Die Heilungsversuche von Miraculix führen schließlich dazu, dass Obelix zwar wieder belebt wird, doch leider ist er plötzlich ein kleiner Junge.

Obelix auf Kreuzfahrt

Obelix auf Kreuzfahrt erzählt aber auch noch von dem griechischen Sklaven Spartakis der einen Aufstand entfesselte und gemeinsam mit weiteren Sklaven die Prachtgaleere von Cäsar stiehlt. Mit der Figur des Spartakis stellt Albert Uderzo in seinem sechsten Soloalbum einmal mehr seine Meisterschaft als Karikaturist unter Beweis. Nachdem er zuvor in Die Odyssee bereits den Weltstar Sean Connery als “Nullnullsix“ auftreten ließ, ist diesmal Kirk Douglas dran, der 1960 unter der Regie von Stanley Kubrick als Sklavenführer Spartacus überzeugte. Der Einsatz dieser Figur passt auch zeitlich einigermaßen, denn der Spartacus-Aufstand fand um 70 v. Chr. statt und somit nur 20 Jahre vor den Abenteuern der Gallier.

Asterix: Obelix auf Kreuzfahrt - Ultimative Edition

Gar nicht so recht passen will jedoch, der abschließende Besuch unserer Helden in einem von Kindern bevölkerten Atlantis. Wenn diese auch noch auf geflügelten Kühen durch die Lüfte fliegen, dann hat Uderzo die Grenze zum Disney-Kitsch überschritten und sich einmal mehr als nur mäßig begabter Texter geoutet. Die Ultimative Edition präsentiert auch “Obelix auf Kreuzfahrt“ in einer sorgfältigen Neubearbeitung, die Uderzos Zeichenkunst dank der neuen Kolorierung und des Großformats besser zur Geltung bringen. Es wird aber auch deutlich, dass der Meisterzeichner zwar über einen sehr flotten Strich verfügt aber längst nicht mehr so detailfreudig wie früher arbeitet.

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