Schlagwort-Archive: Asterix

Franz Gerg: Max & Luzie

1982 bei einer Autofahrt durch München hörte Friedrich Niendieck im Radio den Slogan “Hoffentlich Allianz versichert!“ Der Verleger stoppte an der nächsten öffentlichen Telefonzelle und rief den Werbeleiter der Allianz an. Niendieck hatte mit einem kleinen Team vor zwei Jahren das Konzept für einen Comic entwickelt, der Kinder für Geschichte begeistern konnte, doch es konnte noch kein Interesseent für Max & Luzie gefunden werden.

Franz Gerg: Max und Luzie

Das änderte sich schnell, denn im Februar 1983 erschien das erste Heft, in dem die Kinder Max und Luzie zusammen mit dem kauzigen Kieks ins alte Ägypten reisten. Die Auflage betrug 250.000 Exemplare und die Hefte gingen an Allianz-Versicherungsvertreter, die diese zur Kundenbindung einsetzten. Max & Luzie wurde zu einem Erfolg und das 16-seitige Comicheft erreichte 1994 mit einer Auflage von einer halben Million eine Marke, die nur noch von Asterix getoppt wurde.

Franz Gerg: Max und Luzie

Bis 2002 erschienen 74 Hefte mit den Zeitreise-Abenteuern von Max und Luzie. Hauptverantwortlich war Franz Gerg, der 1961 in Bad Tölz geboren wurde, studierte drei Jahre an der Berufsfachschule für Grafik und Werbung in München und begann dann als Werbegrafiker zu arbeiten. Ab 2004 gehört Gerg zum Künstlerteam des Sparkassen-Werbecomics KNAX und zeichnete außerdem bis 2007 den Comic Eddie Erdmann für die Kinderzeitschrift Eddie des Fertighausbauers SchwörerHaus.

Franz Gerg: Max und Luzie

Obwohl Gerg zweifelsohne einer der besten Comic-Zeichner Deutschlands ist, blieb er bisher weitestgehend unbekannt, da er fast ausschließlich Werbe-Comics zeichnet, diese jedoch auf einem international konkurrenzfähigen Niveau. Mit dem voluminösen Buch Max & Luzie – Ein Comic macht Geschichte erhält Gerg endlich die Würdigung, die er schon lange verdient hat.

Franz Gerg: Max und Luzie

Das 250-seitige Buch enthält zahlreiche Beispiele von Gergs Zeichenkunst und auch Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Werbe-Comics. Herausgeber Siegmund Riedel konnte aber auch 48 Comic-Künstler dazu bewegen Hommagen zu Max & Luzie zu zeichnen. Vertreten sind u. a. Werke von Willi Blöß (Künstler-Biografien), Ulf S. Graupner (Das UPGrade), Eric Heuvel (Die Suche), Bernd Kissel (Freistaat Flaschenhals), Alfred Neuwald (Karl der Kleine) und Andreas Pasda (Mosaik), die sich alle vor der Virtuosität von Frank Gerg verbeugen.

Das Buch kann hier bestellt werden: info@comicboerse.info

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Asterix: Die Tochter des Vercingetorix

Bei diesem nach Asterix bei den Pikten, Der Papyrus des Cäsar und Asterix in Italien vierten Album des neuen Kreativteams Jean-Yves Ferri und Didier Conrad waren – zumindest bei mir – die Erwartungen auf dem Nullpunkt angelangt. Doch dem deutschen Herausgeber Egmont ist es dennoch gelungen eine gewisse Spannung aufzubauen, und so habe ich mich – allen Befürchtungen zum Trotz –sofort nach Erhalt des neuen Albums an die Lektüre gemacht.

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix

Ferri und Conrad meinten in Hinblick auf ihre neue Geschichte: „Wir wollten uns stärker auf weibliche Figuren konzentrieren. Und bislang spielten Jugendliche in der Asterix-Reihe keine allzu große Rolle.“ Das ist eine zutreffende Beobachtung und auch ein guter Ansatz für das neue Album. Hauptfigur ist – wie der Titel zurecht vermuten lässt – Adrenaline „Die Tochter des Vercingetorix“. Der legendäre Arverner-Fürst führte 52 vor Christi gallische Krieger im Kampf gegen die Römer an.

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Vercingetorix unterlag und warf Julius Cäsar seine Waffen vor die Füße. Der schmerzhafte Aufschrei AUVEE!, nachdem dem großen römischen Feldherren ein beträchtliches Bündel an Waffen (und der legendäre Arvernerschild) auf die Füße flogen, war vor 60 Jahren der erste Gag im Album Asterix der Gallier und wurde jetzt von Didier Conrad noch einmal neu gezeichnet.

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Jean-Yves Ferri dichtet dem Arverner-Fürsten eine Tochter an, die zudem von ihrem Vater kurz vor dessen Niederlage noch einen Wendelring (Halsring für verdiente Krieger) erhielt und somit die letzte große Hoffnung des gallischen Widerstands gegen die Römer ist. Dass diese Vereinigung in der deutschen Fassung sich APO, als Abkürzung für “Arverner Proben Opposchttschion“ (die Arverner lieben das SCH!), nennt, ist der erste schlechte Gag des Albums und zum Glück auch der letzte!

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Die Bewohner des gallischen Dorfes sollen eine Weile auf Adrenaline aufpassen, damit die APO Zeit hat, um ein Schiff für die Fahrt ins britische Exil aufzutreiben. Die junge Dame ist jedoch nicht wirklich bereit, ihre Rolle als Hoffnungsträgerin anzunehmen. Sie ist ein rebellischer Teenager, trägt anstatt Kleidern lieber gotische Klamotten, die besser zum Halsring passen, und hängt gerne mit der Dorfjugend ab.

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Es ist erfreulich, dass Albert Uderzo erlaubt hat, das Ensemble des gallischen Dorfes um einige sympathische Charaktere zu erweitern. So lernen wir Aspix und Selfix, die Söhne des Fischhändlers Verleihnix und des Schmiedes Automatix, kennen, die sich schnell mit Adrenaline anfreunden. Auch diese sind nicht bereit in die Fußstapfen ihrer Väter oder gar von Obelix zu treten, denn “Hinkelstein und Zaubertrank sind die Stützen des Wildschweinesystems.“ Dennoch pfeifen sich die Jungs gelegentlich ganz gerne eine Prise Zaubertrank rein…

Asterix: Die Tochter des Vercingetorix
© 2019 LES ÉDITION ALBERT RENÉ / GOSCINNY – UDERZO

Die Story von Die Tochter des Vercingetorix ist ein mehr als solider Aufhänger für einen vergnüglichen und gelegentlich auch spannenden Comic mit überraschenden Wendungen, an dem René Goscinny seinen Spaß gehabt hätte.

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Siggi und Babarras

Lange bevor die Comics über die Gallier Asterix und Obelix bei uns zum absoluten Bestseller wurden, traten das ungleiche Duo als Germanen unter dem Namen Siggi und Barbarras auf. Rolf Kauka, der ab 1953 mit Fix & Foxi eine erfolgreiche Konkurrenz zu den Micky-Maus-Heften aufgebaut hatte, kaufte in den 60er-Jahren verstärkt Lizenzen aus dem frankobelgischen Raum ein.

Siggi und Babarras

Bei den Übersetzungen nahm er sich allerlei Freiheiten. So hießen Spirou & Fantasio bei ihm Pit und Pikkolo, ihr originelles Haustier Marsupilami wurde zu Kokomiko, Gaston stotterte unter dem Namen Jojo, während Boule & Bill zu Schnieff und Schnuff wurden. Die Piloten Tanguy & Laverdure hießen bei Kauka Rolf Randers & Miki Kabel und wurden zu „zwei deutschen Jagdfliegern in einer geheimen Spezialstaffel.“  Doch so radikal wie bei Asterix – ja man kann durchaus sagen: rechtsradikal – fiel bei keiner anderen Serie die deutsche Bearbeitung aus. Diese „freie Übersetzung “ nahm das vorweg, was später – unter anderem politischen Vorzeichen – in Raubdrucken wie Asterix und das Atomkraftwerk mit der Erfolgsserie angestellt wurde.

Siggi und Babarras

1965 in Ausgabe 6 des Comic-Magazins Lupo, das kurz darauf in Lupo modern umbenannt wurde, startete der Comic Siggi und die goldene Sichel. Auf der einleitenden Seite mit der Landkarte liegt das kleine Dörfchen “so um die Zeitenwende herum“ nicht etwa an der Küste des heutigen Frankreichs, sondern “am rechten Ufer des Rheins“ und heißt Bonhalla. Dort leben “Restgermanen“, die von den “Feinden nicht ernsthaft behelligt werden“, doch vielleicht als “Verbündete oder Gladiatoren“ gebraucht werden könnten.

Siggi und Babarras

Die römischen Legionäre sprechen bei Siggi und Barbarras nicht etwa lateinisch, sondern englisch, genau genommen amerikanisch und die Serie wurde in Lupo zu einer “Satire“ auf das Nachkriegsdeutschland. In Kaukas Version von Die goldene Sichel brachen Siggi und Barbarras auf, um den Druiden Wernher von Braunsfeld (der später Talentix hieß)  zu finden, den auch die römischen Besatzer suchten, ähnlich wie Russen und Amerikaner kurz vor Kriegsende nach dem für die Nazis tätigen Raketen-Pionier Wernher von Braun fahndeten.

Siggi und Babarras

Die großteils von Rolf Kauka persönlich durchgeführte Verfremdung ging sogar so weit, dass eine schurkische Figur mit jiddischen Akzent sprach und der Hinkelstein von Barrabas alias Obelix zum (Auschwitz-) Schuldkomplex wurde. Zitat: „Babarras, musst du denn ewig diesen Schuldkomplex mit rumschleppen? Germanien braucht Deine Kraft wie nie zuvor.“

Siggi und Babarras

In Lupo modern folgte direkt im Anschluss an Siggi und die goldene Sichel unter dem Titel Kampf um Rom eine verfremdete Version von Asterix als Gladiator. Besonders extrem fiel die deutsche Bearbeitung von Asterix und die Goten aus.

Siggi und Babarras

Unter dem Titel Siggi und die Ostgoten treffen hier die freiheitsliebenden Bewohner von Bonhalla auf die bösen Ostgoten und ihren “Führer Hulberick“, deren Sprechblasen nicht – wie im französischen Original – mit Texten in Fraktur gefüllt sind, sondern mit sächsischen Dialekt in roten Maschinensatz-Buchstaben.

Siggi und Babarras

Dem Magazin PARDON war schon recht bald aufgefallen, dass hier “Politische Bildung für die Kleinen“ (so der Titel eines Artikels in Ausgabe 6 von 1965) betrieben wurde und Peter Sulzbach verglich Lupo modern mit Landser-Heften und bezeichnete es als “rechtsradikales Kindermagazin“.

Siggi und Babarras

Im seinem Buch Albert Uderzo erzählt sein Leben schildert der Asterix-Zeichner, wie er durch die PARDON erfuhr, dass die deutsche Asterix-Übersetzung “rechtsradikale Propaganda verbreitete“. Rolf Kauka wurde daraufhin die Asterix-Lizenz  entzogen und dieser hat sich danach laut Uderzo “bei Pressekonferenzen in Deutschland unter die Journalisten gemischt um mich zu beschimpfen. Jedes Mal wurde er resolut vor die Tür gesetzt.

Siggi und Babarras

1966 erschien in Lupo modern unter dem trotzigen Titel Siggi der Unverwüstliche noch eine halbwegs moderate Version des ersten Albums Asterix der Gallier, in dem die Römer auch schon einmal lateinisch sprachen. Doch danach war Schluss mit Asterix bei Kauka. Auf der Suche nach Ersatz wurden Die Pichelsteiner als die “legendären Vorfahren von Siggi und Barbarras“ aus der Steinzeit präsentiert.

Siggi und Babarras

Auch mit der Eigenproduktion der Serie Fritze Blitz und Dunnerkiel versuchte Kauka ab 1967 die Lücke zu schließen, wobei diese nicht mehr Erfolg hatte, nachdem  die Germanen zwei Jahre später in Siggi und Barbarras umbenannt wurden. Zeitgleich feierte Asterix passabel übersetzt in Kaukas Konkurrenz-Magazin MV Comix erste Erfolge. Doch erst nachdem Gudrun Penndorf ab 1968 als Übersetzerin fungierte, stellte sich nach und nach der große Erfolg ein.  Die Veröffentlichung einer kritisch kommentierten Gesamtausgabe der Kaukaschen Asterix-Verunglimpfung wäre dennoch wünschenswert!

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Albert Uderzo erzählt sein Leben

Anstatt mit witzigen Anekdoten garnierte Albert Uderzo seine Autobiographie lieber mit reaktionären Seitenhieben (á la “Wer Wehrdienst schiebt, zündet keine Autos an“) und persönlichen Abrechnungen. Hauptschurke des Buches ist der Verleger Georges Dargaud, der laut Uderzo öffentlich gerne so tat, als wenn hauptsächlich er für den Erfolg von Asterix gesorgt hätte. Doch auch Kollegen wie etwa Morris und Greg kommen zum Teil nicht allzu gut weg.

Albert Uderzo erzählt sein Leben

Witzig hingegen sind die kurzen Passagen über Rolf Kaukas “verdrehte Übersetzung“. Der Fix und Foxi-Schöpfer hatte 1965 die Gallier Asterix und Obelix in die Germanen Siggi und Barbarras verwandelt. Diese traten in Lupo modern gegen Besatzer an, die nicht lateinisch, sondern amerikanisch sprachen. Uderzo erfuhr davon durch die Satirezeitschrift Pardon, die berichtete, dass hier ein Comic “rechtsradikale Propaganda verbreitete“. Uderzo entzog Kauka die Asterix-Lizenz und dieser hat sich danach laut Uderzo “bei Pressekonferenzen in Deutschland unter die Journalisten gemischt um mich zu beschimpfen. Jedes Mal wurde er resolut vor die Tür gesetzt.

Albert Uderzo erzählt sein Leben
Wer nicht jedes Wort in diesem Buch für bare Münze nimmt, bekommt (auch durch die interessant ausgewählten Fotos) immerhin einen recht lebendigen Eindruck in die wilden Gründerjahre des Comicmagazins Pilote und in die äußerst produktive Freundschaft zwischen dem genialen Zeichner Uderzo und dem unersetzlichen René Goscinny.

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Asterix – Das Geheimnis des Zaubertranks

Zum 40-jährigen Jubiläum des Zeichentrickfilms Asterix erobert Rom ist bereits ein Bilderbuch erschienen. Diese Adaption war bisher der einzige Asterix-Film, der nicht auf einer Comic-Vorlage basiert. Doch auch für der neuste – diesmal am Computer animierte – Film Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks erzählt eine komplett neue Geschichte.

Asterix -Das Geheimnis des Zaubertranks

Hierzu hat Egmont ein Album im “Asterix-Format“ veröffentlicht, das jedoch kein Comic, sondern ein Bilderbuch ist. Mir hat der Kinofilm nicht besonders gut gefallen, doch die sich oft über eine Doppelseite ziehende Bebilderung von Fabrice Tarrin (Violetta) ist prachtvoll. Es drängt sich die Frage, ob dieser Künstler, der bereits 2007 die Spirou-Geschichte Die Gruft derer von Rummelsdorf zeichnete, bei Asterix nicht vielleicht ein noch besserer Uderzo-Nachfolger als Didier Conrad wäre.

Asterix -Das Geheimnis des Zaubertranks

Sehr viel weniger als die Bilder überzeugt jedoch die Geschichte, die auch nicht besser dadurch wurde, dass Olivier Gay bei der Adaption des Drehbuchs von Louis Clichy und Alexandre Astier so manche Abkürzung ging. Dadurch bleibt z. B. unklar, warum Obelix plötzlich in Hypnose-Schlaf fällt, oder wieso der Fischhändler Verleihnix beim großen Schlussbankett in der Luft schwebt.

Asterix -Das Geheimnis des Zaubertranks

Angesichts von Tarrins sich stark an Albert Uderzo orientierenden Zeichnungen wird jedoch noch deutlicher als beim Anschauen des computeranimierten Films, dass viele Bestandteile der Geschichte einfach nicht zur Welt von Asterix passen. So wirkt es seltsam, dass Miraculix mit Wildschweinen sprechen kann und diese einsetzt um mit seinen Druiden-Kollegen zu kommunizieren. Das größenwahnsinnige Bombast-Finale in dem der Bösewicht “gegen einen Meteoriten“ knallt, weckt unangenehme Erinnerungen an den Asterix-Tiefpunkt Gallien in Gefahr.

Asterix -Das Geheimnis des Zaubertranks

Doch beinharte Asterix-Fans kommen um diese Publikation nicht herum und haben garantiert schon sehr viel schlimmeres im Regal stehen, wie z. B. das Souvenir-Programm zu Asterix on Ice!

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Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

Der erste computeranimierte Film Asterix im Land der Götter erzählte 2014 noch mehr oder weniger werkgetreu den Comic-Klassiker Die Trabantenstadt nach. Fünf Jahre später brachte das selbe Team unter der Leitung von Louis Clichy und Alexandre Astier erstmals seit Asterix erobert Rom von 1976 wieder eine Geschichte ins Kino, die nicht auf einer (oder mehreren) Comic-Vorlagen basiert.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

Im Zentrum des 14. Asterix-Film steht Miraculix, der – nachdem er sich verletzt hat – nachdenklich wird und versucht einen Nachfolger zu finden, dem er das Geheimnis des Zaubertranks anvertrauen kann. Der hinterhältige Druide Dämonix versucht an das Rezept des unbesiegbar machenden Wundermittels zu gelangen. Seine Methoden mögen zweifelhaft sein, doch dass er die Frage aufwirft, warum der Zaubertrank nur einem sehr kleinen Bruchteil der von den Römern unterdrückten Gallier zugänglich gemacht wird, ist ein durchaus ernsthafter Ansatz.

asterix und das geheimnis des zaubertranks

Diese Ausgangssituation hätte zu einer wirklich interessanten Geschichte führen können, doch leider ist sie wenig mehr als ein Vorwand für die Zurschaustellung der diesmal deutlich verbesserten Tricktechnik (man achte auf die flauschigen Haare und die prachtvollen Kulissen). Die Gags sind jedoch eher albern, zumal sich viele Figuren betont anders verhalten als ihre Comic-Ebenbilder, Während Asterix mit seiner Rolle als bester Krieger des kleinen Dorfes hadert, macht Obelix schlapp und Troubadix vollbringt Heldentaten.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

Ein gar nicht so schlechter Gag ist, dass ein Römer Tomcrus heißt, doch der Name ist leider Programm. Die die eher ungeschickt erzählte Geschichte von der Suche nach einem vertrauenswürdigen Druiden mündet in ein größenwahnsinniges Finale, dass eher an Harry Potter oder an hirnlose Bombast-Blockbuster mit Tom Cruise denken lässt.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

Es ist nicht leicht eine wirklich originelle Geschichte über das gallische Dorf zu erzählen. Daran sind nach dem Tode des großen René Goscinny schon Albert Uderzo, sowie dessen Nachfolger Jean-Yves Ferri und Didier Conrad gescheitert. Mit der in Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks aufgebotenen Tricktechnik wäre es jedoch möglich erstmals eine rundum gelungene Adaption der klassischen Asterix-Comic zu realisieren. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

Recht gelungen ist allerdings das von Fabrice Tarrin gezeichnete Buch zum Film.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

Die Blu-ray von Universum Film enthält neben dem 85-minütigen Hauptfilm noch ein französischsprachiges Making Of (23:52 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln), Berichte zu den Synchronsprechern Milan Peschel (2:51 min + 3:08 min) und Charly Hübner (3:58 min + 1:57 min), sowie zwei deutschsprachige Trailer (1:27 min + 2:14 min)

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Bryan Talbot: Grandville – Noël

Gleich zu Beginn des vierten Bandes der fulminanten Steampunk-Serie Grandville, werden wir Zeugen eines Massenmordes an den verblendeten Jüngern einer amerikanischen Sekte. Deren Oberhaupt Apollo, ein Einhorn mit charismatischen Fähigkeiten, macht sich mit seinen Untergebenen anschließend auf nach Grandville, um weitere Schandtaten zu begehen.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

Verfolgt wird er nicht von einer anthropomorphen Figur, sondern von dem Teiggesicht Chance Lucas, alias Lucky Luke, der bald auf Achibald LeBrock von Scotland Yard trifft, um mit ihm gemeinsam die mörderischen Verbrecher zur Strecke zu bringen.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

Der Lonesome Cowboy wird am Ende der Geschichte übrigens nicht nur wie gehabt den Gegnern die Pistole aus der Hand schießen, sondern tatsächlich ein Lebewesen töten.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

Weitere Reminiszenzen an die frankobelgische Comic-Historie sind u.a. Asterix und Obelix, die mit einem Kurzauftritt als aufrührerische Bürgerrechtler überzeugen.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

Die Geschichte ist flott erzählt, geizt nicht mit intelligenten Anspielungen auf Rassismus und ethnischen Vorurteilen und kann als Paradebeispiel für dramatisch humorvolle Unterhaltung gelten. Nebenbei wird die Geschichte der Evolution neu überarbeitet und dem hauptsächlich von Tieren bevölkerten Grandville-Universum angepasst.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

In einer humorigen Szene wird einer arroganten Pflanzenfresserin vermittelt, dass sich Vegetarier nicht zu vernunftbegabten Wesen entwickeln hätten, da es keiner großen Intelligenz bedarf, um einen Grashalm zu erbeuten. Was für ein famoser Comic! Durchatmen, eintauchen, genießen.

Rainer Schneider

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Will Eisner: PS Magazine

Anfang der 40er Jahre startete der Zeichner und Autor Eisner seine Serie mit dem maskierten Detektiv The Spirit. Auf oft meisterlich gestalteten Seiten überraschte er mit spannenden, komischen aber auch tragischen Kurzgeschichten. Vierzig Jahre später erlebte Eisner mit Ein Vertrag mit Gott ein grandioses Comeback. Um diese Storysammlung auch außerhalb der Comicszene vermarkten zu können, erfand er den auch bei uns immer gängiger werdenden Begriff Graphic Novel. Dass Eisner zwischen Spirit und Vertrag mit Gott für die US-Army arbeitete war nie ein Geheimnis, doch erst jetzt werden ausgewählte Beispiele seiner Militärcomics veröffentlicht.

Will Eisner: PS Magazine

Nachdem Will Eisner 1942 eingezogen, arbeitete er zunächst für Militär-Magazine wie Firepower oder Army Motors. Aus letzterem ging zur Zeit des Koreakrieges das PS Magazine hervor, eine monatlich erscheinende handliche Broschüre. Eisner war damals bereits wieder Zivilist und die Geschäfte seines Studios mit Zeitungscomics liefen nicht besonders. Daher stellte er seine künstlerischen Talente erneut in den Dienst der Armee.

Will Eisner: PS Magazine

Eisner konnte die Militärs davon überzeugte, dass Comics sich bestens dazu eignen Soldaten anzuleiten, sorgsam mit ihrem Material umzugehen. Es konnte für die G.I.s lebensgefährlich und für die Army sehr teuer werden, wenn unachtsam mit Ausrüstung umgegangen wird. Eisner griff auf seine während seiner Militärzeit entwickelte komische Figur des Gefreiten Joe Dope zurück. Dieser sorgte in “PS“ für Slapstick und diente als abschreckendes Beispiel.

Will Eisner: PS Magazine

Um sich der Aufmerksamkeit der Truppe auch wirklich sicher zu sein, stellte Eisner ihm die wohlproportionierte Soldatin Connie Rodd zur Seite. Das Konzept ging auf und Eisner fand die richtige lässige und manchmal auch etwas zotige Tonart um trockene Informationen zu vermitteln. Seine lehrreich-witzigen Comics erfreuten sich bei der Truppe sehr viel größerer Beliebtheit als Betriebsanleitungen und Handbücher.

Will Eisner: PS Magazine
Eisner suchte im Rahmen dieser Tätigkeit immer wieder den direkten Kontakt zu den Soldaten. Seine Recherchen trieben ihn bis nach Korea und Vietnam, wobei er seine Gattin Ann über diese nicht eben ungefährlichen Trips erst im Nachhinein informierte. Eisner war kein Befürworter des Vietnamkriegs, jedoch fest davon überzeugt, dass er den meist nicht freiwillig kämpfenden Soldaten durch seine Comics half den Krieg unbeschadet zu überstehen. Für ihn war es eine wichtige Erfahrung erstmals mit Comics mehr machen zu können als zu unterhalten. Er war stolz darauf den “Spielraum“ und den “Wirkungsgrad der sequenziellen Kunst“ zu erweitern.

Will Eisner: PS Magazine

Zur intensiveren Beschäftigung mit diesem Thema sei die Will Eisner gewidmete 53. Ausgabe der Comicfachzeitschrift Reddition oder ein leider nur in englischer Sprache erschienener Sammelband mit den PS-Comics empfohlen. Zusammengestellt und eingeleitet wurde das schön aufgemachte Büchlein vom schottischen Zeichner Eddie Campbell, der am bekanntesten durch seinen von Alan Moore getexteten und mit Johnny Depp verfilmten Jack the Ripper Comic From Hell sein dürfte.

Will Eisner: PS Magazine

Die aus 227 PS-Ausgaben ausgewählten Comics enthalten auch Gastauftritte von populären Figuren wie Donald Duck oder Popeye und belegen, dass der Comic-Pionier Eisner auch bei seinen Arbeiten für das Militär voll bei der Sache war. In einer im Städtchen “Schnitzleburg“ spielenden Geschichte füllte Eisner die Sprechblasen der in Deutsch redenden Nebenfiguren mit Buchstaben in Frakturschrift, lange bevor René Goscinny und Albert Uderzo in Asterix als Legionär diesen Kunstgriff verwendeten.

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Die Rückkehr aufs Land

Der Comiczeichner Manu verlässt mit Freundin Mariette die Metropole Paris und zieht aufs scheinbar idyllische Land. Doch das Leben wird dadurch nicht übersichtlicher, schon wegen der zahllosen noch nicht ausgepackten Umzugskartons. Neben selbst gebranntem Schnaps drohen lebensgefährliche “freiwillige“ Einsätze als Holzfäller oder interessante Jobs wie das Entwerfen des Plakats für das alljährliche Schweine-Fest im Dorf.

Die Rückkehr aufs Land

Das Einkaufen beim schwerhörigen Barkeeper, der auch noch Computer-Vertragshändler ist, aber Radier- mit Kaugummis verwechselt, ist ein einziges Abenteuer, die Tipps vom seltsamen Eremiten im Walde sind mit Vorsicht zu genießen und dann schwärmt Marietta auch noch immer wieder von kleinen Kindern, die sie gerne hätte…

Die Rückkehr aufs Land

Innerhalb dieses Comics wird auch erklärt, wie dieser zustande kam. Manu Larcenet (Der alltägliche Kampf, Brodecks Bericht) kam auf die Idee sich vom neuen Asterix-Autor Jean-Yves Ferri ein Szenario über sein eigenes Leben auf dem Lande schreiben zu lassen. Dies zeichnete Larcenet dann so, dass man nicht sieht dass er es selber gezeichnet hat. Diese Vorgehensweise leuchtete schon Manus Freundin Mariette im Comic nicht ein, doch das Resultat überzeugt, weil es voller Menschlichkeit und Humor ist.

Die Rückkehr aufs Land

Reprodukt veröffentlicht die ersten beiden Die Rückkehr aufs Land-Alben Das wahre Leben und Zukunftspläne gebündelt in einem hübschen querformatigen Hardcover-Buch. Das ist sehr gut so, denn Larcenet und Ferri entwerfen durch aufeinander aufbauende Gagstrips nach und nach eine Welt voller schrulliger Individuen in der sich der Leser sehr gerne verweilt.

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Asterix in Italien

Das neue Asterix-Album beginnt gleich auf Seite 2 mit der Geschichte. Auf die Landkarte mit Lupe, Dorf und Römer-Garnisonen sowie die Vorstellung “einiger Gallier“ wird zu Gunsten einer auf der letzten Seite platzierten Anzeige für Egmonts “edle Asterix-Luxus-Sammelbox“ verzichtet. Klar, ein so riskantes Produkt wie ein neuer Asterix-Comic muss knallhart kalkuliert werden, denn jede zusätzliche Seite verursacht aufgrund der Auflage von knapp 2 Millionen Exemplaren gewaltige Kosten.

Asterix in Italien

Ansonsten wird jedoch versucht ganz in der Tradition der Serie zu bleiben. Die Zeichnungen von Didier Conrad wirken auf den ersten Blick wirklich so, als wenn hier ein neues  Asterix-Album von Albert Uderzo vorliegen würde. Auch Jean-Yves Ferri hat sich von den Klassikern inspirieren lassen. Er schickt die Gallier auf eine Reisemission, wobei erstmals Obelix und nicht Asterix die Sache lostritt. Doch schon mit der Motivation hapert es.

Asterix in Italien

Obelix lässt sich auf einem Markt (der CEltisches Brauchtum und Innovative Technik anbietet und daher CEBIT genannt wird, was haben wir gelacht…) von einer Wahrsagerin aus der Hand lesen. Diese sieht einen geflügelten Wagen und Obelix als bejubelten Sieger. Prompt schafft sich der Hinkelsteinlieferant einen schicken Wagen mit Holzflügeln an. Wie es der Zufall will, wird im selben Moment auch noch das große Transcaligarennen quer durch das damalige Italien ausgerufen und Obelix ist nicht mehr zu bremsen. Auch der Grund für diese Großveranstaltung leuchtet nur bedingt ein: Ein fauler römischer Senator mit dem unwitzigen Namen Lactus Bifidus will dadurch beweisen, dass die in Straßen im römischen Reich, für die er zuständig ist, “einwandfrei in Schuss sind“.

Asterix in Italien

Doch der Auftakt der Geschichte wäre nicht weiter schlimm, wenn daraus ein spannendes Abenteuer voller witziger Situationen und Anspielungen resultieren würde. Dies ist eher nicht der Fall. Es ist spürbar, dass Ferri sich am Meisterwerk Asterix als Legionär orientiert und versucht nationale Stereotypen aufeinander los zu lassen. Doch leider sind die Teilnehmer am Rennen, die teilweise zu seltsamen Regionen wie dem germanischen Volk der Markomannen oder dem fernen Reich von Kusch (dem heutigen Sudan) gehören, keine sonderlich originellen Charaktere. Hinzu kommen noch die sich ebenfalls am Rennen beteiligenden Piraten, sowie ein maskierter Wagenlenker, dessen schließlich enthüllte Identität die Geschichte auch nicht weiterbringt.

Asterix in Italien

Doch die weder spannende noch sonderlich originelle Handlung wäre ebenfalls noch zu verkraften, wenn die Gags und das Zusammenspiel zwischen Asterix und Oberlix stimmen würden. Auch hier ist leider nichts Erfreuliches zu vermelden. Die Gallier fallen zwischen den zahllosen blassen Nebencharakteren nicht weiter auf, während die Anspielungen auf italienische Besonderheiten wie Pizza oder Mona Lisa unwitzig und überraschungsfrei daherkommen.

Asterix in Italien

Damit die Auseinandersetzung mit dieser Neuerscheinung überhaupt irgend einen Sinn macht, sollte Asterix-Erstlesern noch mitgeteilt werden, dass die ersten Alben der Serie immer noch zu den allerbesten Comics der Welt gehören und jederzeit lieferbar sind…

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