Schlagwort-Archive: Asterix

Bryan Talbot: Grandville – Noël

Gleich zu Beginn des vierten Bandes der fulminanten Steampunk-Serie Grandville, werden wir Zeugen eines Massenmordes an den verblendeten Jüngern einer amerikanischen Sekte. Deren Oberhaupt Apollo, ein Einhorn mit charismatischen Fähigkeiten, macht sich mit seinen Untergebenen anschließend auf nach Grandville, um weitere Schandtaten zu begehen.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

Verfolgt wird er nicht von einer anthropomorphen Figur, sondern von dem Teiggesicht Chance Lucas, alias Lucky Luke, der bald auf Achibald LeBrock von Scotland Yard trifft, um mit ihm gemeinsam die mörderischen Verbrecher zur Strecke zu bringen.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

Der Lonesome Cowboy wird am Ende der Geschichte übrigens nicht nur wie gehabt den Gegnern die Pistole aus der Hand schießen, sondern tatsächlich ein Lebewesen töten.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

Weitere Reminiszenzen an die frankobelgische Comic-Historie sind u.a. Asterix und Obelix, die mit einem Kurzauftritt als aufrührerische Bürgerrechtler überzeugen.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

Die Geschichte ist flott erzählt, geizt nicht mit intelligenten Anspielungen auf Rassismus und ethnischen Vorurteilen und kann als Paradebeispiel für dramatisch humorvolle Unterhaltung gelten. Nebenbei wird die Geschichte der Evolution neu überarbeitet und dem hauptsächlich von Tieren bevölkerten Grandville-Universum angepasst.

Bryan Talbot: Grandville - Noël

In einer humorigen Szene wird einer arroganten Pflanzenfresserin vermittelt, dass sich Vegetarier nicht zu vernunftbegabten Wesen entwickeln hätten, da es keiner großen Intelligenz bedarf, um einen Grashalm zu erbeuten. Was für ein famoser Comic! Durchatmen, eintauchen, genießen.

Rainer Schneider

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Will Eisner: PS Magazine

Anfang der 40er Jahre startete der Zeichner und Autor Eisner seine Serie mit dem maskierten Detektiv The Spirit. Auf oft meisterlich gestalteten Seiten überraschte er mit spannenden, komischen aber auch tragischen Kurzgeschichten. Vierzig Jahre später erlebte Eisner mit Ein Vertrag mit Gott ein grandioses Comeback. Um diese Storysammlung auch außerhalb der Comicszene vermarkten zu können, erfand er den auch bei uns immer gängiger werdenden Begriff Graphic Novel. Dass Eisner zwischen Spirit und Vertrag mit Gott für die US-Army arbeitete war nie ein Geheimnis, doch erst jetzt werden ausgewählte Beispiele seiner Militärcomics veröffentlicht.

Will Eisner: PS Magazine

Nachdem Will Eisner 1942 eingezogen, arbeitete er zunächst für Militär-Magazine wie Firepower oder Army Motors. Aus letzterem ging zur Zeit des Koreakrieges das PS Magazine hervor, eine monatlich erscheinende handliche Broschüre. Eisner war damals bereits wieder Zivilist und die Geschäfte seines Studios mit Zeitungscomics liefen nicht besonders. Daher stellte er seine künstlerischen Talente erneut in den Dienst der Armee.

Will Eisner: PS Magazine

Eisner konnte die Militärs davon überzeugte, dass Comics sich bestens dazu eignen Soldaten anzuleiten, sorgsam mit ihrem Material umzugehen. Es konnte für die G.I.s lebensgefährlich und für die Army sehr teuer werden, wenn unachtsam mit Ausrüstung umgegangen wird. Eisner griff auf seine während seiner Militärzeit entwickelte komische Figur des Gefreiten Joe Dope zurück. Dieser sorgte in “PS“ für Slapstick und diente als abschreckendes Beispiel.

Will Eisner: PS Magazine

Um sich der Aufmerksamkeit der Truppe auch wirklich sicher zu sein, stellte Eisner ihm die wohlproportionierte Soldatin Connie Rodd zur Seite. Das Konzept ging auf und Eisner fand die richtige lässige und manchmal auch etwas zotige Tonart um trockene Informationen zu vermitteln. Seine lehrreich-witzigen Comics erfreuten sich bei der Truppe sehr viel größerer Beliebtheit als Betriebsanleitungen und Handbücher.

Will Eisner: PS Magazine
Eisner suchte im Rahmen dieser Tätigkeit immer wieder den direkten Kontakt zu den Soldaten. Seine Recherchen trieben ihn bis nach Korea und Vietnam, wobei er seine Gattin Ann über diese nicht eben ungefährlichen Trips erst im Nachhinein informierte. Eisner war kein Befürworter des Vietnamkriegs, jedoch fest davon überzeugt, dass er den meist nicht freiwillig kämpfenden Soldaten durch seine Comics half den Krieg unbeschadet zu überstehen. Für ihn war es eine wichtige Erfahrung erstmals mit Comics mehr machen zu können als zu unterhalten. Er war stolz darauf den “Spielraum“ und den “Wirkungsgrad der sequenziellen Kunst“ zu erweitern.

Will Eisner: PS Magazine

Zur intensiveren Beschäftigung mit diesem Thema sei die Will Eisner gewidmete 53. Ausgabe der Comicfachzeitschrift Reddition oder ein leider nur in englischer Sprache erschienener Sammelband mit den PS-Comics empfohlen. Zusammengestellt und eingeleitet wurde das schön aufgemachte Büchlein vom schottischen Zeichner Eddie Campbell, der am bekanntesten durch seinen von Alan Moore getexteten und mit Johnny Depp verfilmten Jack the Ripper Comic From Hell sein dürfte.

Will Eisner: PS Magazine

Die aus 227 PS-Ausgaben ausgewählten Comics enthalten auch Gastauftritte von populären Figuren wie Donald Duck oder Popeye und belegen, dass der Comic-Pionier Eisner auch bei seinen Arbeiten für das Militär voll bei der Sache war. In einer im Städtchen “Schnitzleburg“ spielenden Geschichte füllte Eisner die Sprechblasen der in Deutsch redenden Nebenfiguren mit Buchstaben in Frakturschrift, lange bevor René Goscinny und Albert Uderzo in Asterix als Legionär diesen Kunstgriff verwendeten.

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Die Rückkehr aufs Land

Der Comiczeichner Manu verlässt mit Freundin Mariette die Metropole Paris und zieht aufs scheinbar idyllische Land. Doch das Leben wird dadurch nicht übersichtlicher, schon wegen der zahllosen noch nicht ausgepackten Umzugskartons. Neben selbst gebranntem Schnaps drohen lebensgefährliche “freiwillige“ Einsätze als Holzfäller oder interessante Jobs wie das Entwerfen des Plakats für das alljährliche Schweine-Fest im Dorf.

Die Rückkehr aufs Land

Das Einkaufen beim schwerhörigen Barkeeper, der auch noch Computer-Vertragshändler ist, aber Radier- mit Kaugummis verwechselt, ist ein einziges Abenteuer, die Tipps vom seltsamen Eremiten im Walde sind mit Vorsicht zu genießen und dann schwärmt Marietta auch noch immer wieder von kleinen Kindern, die sie gerne hätte…

Die Rückkehr aufs Land

Innerhalb dieses Comics wird auch erklärt, wie dieser zustande kam. Manu Larcenet (Der alltägliche Kampf, Brodecks Bericht) kam auf die Idee sich vom neuen Asterix-Autor Jean-Yves Ferri ein Szenario über sein eigenes Leben auf dem Lande schreiben zu lassen. Dies zeichnete Larcenet dann so, dass man nicht sieht dass er es selber gezeichnet hat. Diese Vorgehensweise leuchtete schon Manus Freundin Mariette im Comic nicht ein, doch das Resultat überzeugt, weil es voller Menschlichkeit und Humor ist.

Die Rückkehr aufs Land

Reprodukt veröffentlicht die ersten beiden Die Rückkehr aufs Land-Alben Das wahre Leben und Zukunftspläne gebündelt in einem hübschen querformatigen Hardcover-Buch. Das ist sehr gut so, denn Larcenet und Ferri entwerfen durch aufeinander aufbauende Gagstrips nach und nach eine Welt voller schrulliger Individuen in der sich der Leser sehr gerne verweilt.

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Asterix in Italien

Das neue Asterix-Album beginnt gleich auf Seite 2 mit der Geschichte. Auf die Landkarte mit Lupe, Dorf und Römer-Garnisonen sowie die Vorstellung “einiger Gallier“ wird zu Gunsten einer auf der letzten Seite platzierten Anzeige für Egmonts “edle Asterix-Luxus-Sammelbox“ verzichtet. Klar, ein so riskantes Produkt wie ein neuer Asterix-Comic muss knallhart kalkuliert werden, denn jede zusätzliche Seite verursacht aufgrund der Auflage von knapp 2 Millionen Exemplaren gewaltige Kosten.

Asterix in Italien

Ansonsten wird jedoch versucht ganz in der Tradition der Serie zu bleiben. Die Zeichnungen von Didier Conrad wirken auf den ersten Blick wirklich so, als wenn hier ein neues  Asterix-Album von Albert Uderzo vorliegen würde. Auch Jean-Yves Ferri hat sich von den Klassikern inspirieren lassen. Er schickt die Gallier auf eine Reisemission, wobei erstmals Obelix und nicht Asterix die Sache lostritt. Doch schon mit der Motivation hapert es.

Asterix in Italien

Obelix lässt sich auf einem Markt (der CEltisches Brauchtum und Innovative Technik anbietet und daher CEBIT genannt wird, was haben wir gelacht…) von einer Wahrsagerin aus der Hand lesen. Diese sieht einen geflügelten Wagen und Obelix als bejubelten Sieger. Prompt schafft sich der Hinkelsteinlieferant einen schicken Wagen mit Holzflügeln an. Wie es der Zufall will, wird im selben Moment auch noch das große Transcaligarennen quer durch das damalige Italien ausgerufen und Obelix ist nicht mehr zu bremsen. Auch der Grund für diese Großveranstaltung leuchtet nur bedingt ein: Ein fauler römischer Senator mit dem unwitzigen Namen Lactus Bifidus will dadurch beweisen, dass die in Straßen im römischen Reich, für die er zuständig ist, “einwandfrei in Schuss sind“.

Asterix in Italien

Doch der Auftakt der Geschichte wäre nicht weiter schlimm, wenn daraus ein spannendes Abenteuer voller witziger Situationen und Anspielungen resultieren würde. Dies ist eher nicht der Fall. Es ist spürbar, dass Ferri sich am Meisterwerk Asterix als Legionär orientiert und versucht nationale Stereotypen aufeinander los zu lassen. Doch leider sind die Teilnehmer am Rennen, die teilweise zu seltsamen Regionen wie dem germanischen Volk der Markomannen oder dem fernen Reich von Kusch (dem heutigen Sudan) gehören, keine sonderlich originellen Charaktere. Hinzu kommen noch die sich ebenfalls am Rennen beteiligenden Piraten, sowie ein maskierter Wagenlenker, dessen schließlich enthüllte Identität die Geschichte auch nicht weiterbringt.

Asterix in Italien

Doch die weder spannende noch sonderlich originelle Handlung wäre ebenfalls noch zu verkraften, wenn die Gags und das Zusammenspiel zwischen Asterix und Oberlix stimmen würden. Auch hier ist leider nichts Erfreuliches zu vermelden. Die Gallier fallen zwischen den zahllosen blassen Nebencharakteren nicht weiter auf, während die Anspielungen auf italienische Besonderheiten wie Pizza oder Mona Lisa unwitzig und überraschungsfrei daherkommen.

Asterix in Italien

Damit die Auseinandersetzung mit dieser Neuerscheinung überhaupt irgend einen Sinn macht, sollte Asterix-Erstlesern noch mitgeteilt werden, dass die ersten Alben der Serie immer noch zu den allerbesten Comics der Welt gehören und jederzeit lieferbar sind…

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Isnogud Gesamtausgabe

Ähnlich legendär wie “Ganz Gallien ist von den Römern besetzt … Ganz Gallien?“ ist der Aufschrei “Ich möchte Kalif werden anstelle des Kalifen“ eines ehrgeizigen Großwesirs. Beide Zitate zeigen wie gut es der große René Goscinny verstand Comicgeschichte(n) zu schreiben.

Isnogud Gesamtausgabe

Das sehr interessante Vorwort von Horst Berner zu den “gesammelten Abenteuern des Großwesirs Isnogud“ zeigt auf, dass Goscinny eine ähnliche Figur bereits 1961 in einer Geschichte mit dem “kleinen Nick“ beschrieb. Kurze Zeit darauf erfand er für die Zeitschrift “Record“ und den Zeichner Jean Tabary “Die Abenteuer des Kalifen Harun al Pussah“. Die eigentliche Hauptfiguren der erfolgreichen Comicserie waren dann aber der schändliche Großwesir “Iznogoud“ und sein Mietsklave “Dilat Larath“, (die bei uns durchaus passend zu Isnogud und Tunichgut wurden). Vor märchenhaften orientalischen Hintergrund beschrieb Goscinny (und nach dessen Tod Tabary) in zahlreichen Kurzgeschichten die beständig scheiternden Versuche des Großwesirs sich in Bagdad zum Kalifen aufzuschwingen.

Isnogud Gesamtausgabe

Die Gesamtausgabe von Egmond präsentiert die einzelnen Kurzgeschichten leider nicht in der Reihenfolge ihrer Entstehung, sondern folgt – handgelettert und versehen mit biografischen Angaben – der 1966 in Frankreich und 1989 in Deutschland gestarteten 27-teiligen Alben-Ausgabe. Insgesamt sind diese Hardcoverbände also die optimale Form um die Geschichten von tausendundeinem Putschversuch zu genießen.

Isnogud Gesamtausgabe

Mittlerweile führt Jean Tabarys Sohn Nicolas die Serie mit Geschichten wie „Präsident Isnogud“ fort. Pünktlich zu dessen Besuch auf dem Comicfestival München 2017 wird bei dani books dessen neuer Comic „Isnogud: Wie der Vater, so der Sohn!“ auf Deutsch erscheinen.

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Mein ziemlich kleiner Freund

Mit dem Kinohit “Ziemlich beste Freunde“ hat diese französische Komödie trotz ihres Titels wenig gemein. Passender erscheint es, dass die Heimkino-Veröffentlichung auch den Trailer zu “Natalie küsst“ mit Audrey Tautout enthält. Denn auch in “Mein ziemlich kleiner Freund“ steht ein französischer Filmstar im Zentrum einer zunächst ziemlich unmöglich erscheinenden Love Story.

Mein ziemlich kleiner Freund

Jean Dujardin ist, spätestens nachdem er den Oscar für “The Artist“ erhielt, sehr viel mehr als der amtierende Belmondo-Nachfolger. Als ihm die Hauptrolle in einem Remake des brasilianisch-argentinischen Films „Corazón de León“ angeboten wurde, sagte er innerhalb von 24 Stunden zu. Seiner Darstellung ist deutlich anzumerken, wie viel Spaß es ihm macht, einen Mann zu spielen, der sich trotz seiner Größe von nur knapp 1,40 Meter nicht klein kriegen lässt.

Mein ziemlich kleiner Freund

Inszeniert wurde „Un homme à la hauteur“ von Laurent Tirard, der in den letzten Jahren vor allem durch die Comic-Verfilmungen „Asterix & Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät“ und “Der kleine Nick“ aufgefallen war. “Mein ziemlich kleiner Freund“ ist kein Klamauk, sondern in erster Linie eine Liebesgeschichte, die davon erzählt wie zwei Menschen gegen allerlei Widerstände und Vorurteile kämpfen müssen, um zueinander zu finden.

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Die Blu-ray von Concorde enthält neben dem 99-minütigen Hauptfilm noch ein ausführliches 46-minütiges Making Of (wahlweise mit deutschen Untertiteln), eine kurze Featurette (3;55 min), sowie den deutschen und den französischen Trailer (je 1:42 min)

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Deutsche Comicforschung 2017

Auch der dreizehnte Band der seit 2005 alljährlich erscheinenden Reihe Deutsche Comicforschung informiert über Gebiete, die in der Comic-Fachpresse und in Fachbüchern bisher gar nicht oder nur sehr unzureichend behandelt wurden. Im Vorwort macht sich Herausgeber Eckart Sackmann Sorgen um die Zukunft seiner Zunft, da Comics kaum noch gesammelt bzw. archiviert wird, weder von Privatpersonen noch von Institutionen.

Deutsche Comicforschung 2017

Der erste Artikel des Buchs beschäftigt sich damit, wie im deutschen Sprachraum der Begriff “Comic“ vom “Schimpfwort zum Lehnwort“ wurde. Während in deutschen Zeitungsartikeln bereits in den 20er Jahren von amerikanischen Comics die Rede war, sollten hierzulande erst 1966 Hefte erscheinen, auf deren Titelbildern das Wort „Comic“ zu lesen war. Marvels Spider-Man erschien damals als Die Spinne in der Reihe Hit Comics, zuvor waren seltsame Wortschöpfungen wie “Bilderfolge“, “Bilderroman“, „“Bilderzeitung“, “Buch-Film“ oder “Chico-Chips“ auf den Covern von deutschen Comicheften zu lesen.

Deutsche Comicforschung 2017

Die weiteren 11 Artikel des Buchs sind wieder chronologisch geordnet. Julian Auringer befasst sich mit „Rinaldo Rinaldini als Comic-Held“, Sackmann schreibt über den schwer zu beschreibenden “Verwandlungskünstler“ Lothar Meggendorfer, Helmuth Kronthaler über “antisemitische Bildergeschichten aus der Kaiserzeit“ und Sackmann wiederum über “Geschichten aus dem Zwergenland“ von Johannes Thiel, sowie über eine Nazi-Zeitung für die “Donau-Schwaben“ namens Die Wespe, die 1937 den US-Zeitungs-Strip “Tim Tyler’s Luck“ veröffentlichte. Kurios ist auch ein seltsamer Mickey Mouse-Strip von Gerhard Brinkmann, der 1942 im zum nationalsozialistischen Propagandablatt verkommenen Magazin “Kladderadatsch“ erschien und eher skurril als anti-amerikanisch geraten ist.

Deutsche Comicforschung 2017

Ein bemerkenswerter Artikel beschäftig sich mit dem vor allem als Fix & Foxi-Zeichner bekannten Kurt Ludwig Schmidt alias KASCH über den bisher wenig bekannt war, zumal er auch als Becker-Kasch tätig war und vermutet wurde, es handele sich um zwei Personen. Doch nachdem Schmidts Tochter mit der Webseite Kaukapedia in Kontakt trat, ist sehr viel mehr bekannt. Ein reich bebilderter Text stellt Arbeiten aus allen Schaffensperioden von KASCH vor und informiert auch über seine Tätigkeiten als 3D-Zeichner u. a. für die Firma View Master, für die er Disney-Filme adaptierte.

Deutsche Comicforschung 2017

Ein Kuriosum ist die Comic-Serie Gaby, das Atommädchen, die in der die friedliche Nutzung der Atomenergie propagierenden Zeitschrift ZB erschien. Überraschend ist, dass die CDU 1961 zur Wahl-Werbung ein Comicheft einsetzte. Darüber, dass in diesem komplett im Buch abgedruckten Heftchen Die spannendste Geschichte unserer Zeit Konrad Adenauer neben Königin Elisabeth abgebildet wurde, ärgerte britische Zeitungen, was wiederum die CDU werbetechnisch freute.

Deutsche Comicforschung 2017

Interessant ist auch ein Bericht, der aufzeigt in wie vielen Varianten die Comic-Geschichte Asterix der Gallier in Deutschland veröffentlicht wurde.

Deutsche Comicforschung 2017

Den Abschluss bildet ein Beitrag über die erste deutsche Veranstaltung für Comic-Freunde. Der 1. Deutsche Comic-Congress fand 1973 in Berlin statt und ein geteiltes Echo. Die sehr lückenhafte Rekonstruktion dieser Veranstaltung, zu der Hansrudi Wäscher eingeladen war, anreiste und nur von wenigen Besuchern erkannt wurde, liest sich spannend. Auch hier zeigt sich, wie wenig Informationen selbst über die sehr zeitnahe deutsche Comic-Geschichte vorliegen und wie wichtig die weitere Forschung ist.

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Jörg Fündling: Asterix. 100 Seiten

Mit gleich 10 Bänden hat der Reclam Verlag seine Reihe “100 Seiten“ gestartet. Der Name ist natürlich Programm, denn diese Bücher hören tatsächlich mit Seite 100 auf (und – was ungewöhnlich ist – sie beginnen tatsächlich mit Seite 1). Unter den Motto “persönlich geschrieben“ und “modern gestaltet“ werden hier Themen wie Jane Austen, Ötzi, Twin Peaks, Menschenrechte, Ovid, JFK aber auch Asterix oder Superhelden “unterhaltsam präsentiert“. Weitere Bände sind bereits angekündigt.

Jörg Fündling: Asterix. 100 Seiten

Das 100-seitige Büchlein zu Asterix stammt aus der Feder von Jörg Fündling. Dieser ist “Althistoriker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen“. Auch daher ist es ihm ein besonderes Anliegen mit dem Gerücht aufzuräumen, der Leser von Asterix-Comics könne “spielend leicht klassische Bildung mitnehmen und “eine Menge über das alte Rom lernen.“ In Sachen Architektur, Bekleidung und lateinischen Zitaten hat Fündling zahllose Beispiele dafür entdeckt, dass sich René Goscinny und Albert Uderzo sehr viele Freiheiten nahmen.

Jörg Fündling: Asterix. 100 Seiten

In “Die goldene Sichel“ etwa stöhnt ein Römer “Hier sieht es ja aus wie in Pompeji“, obwohl der Vesuv Anno 50 vor Christi noch gar nicht ausgebrochen war. Im selben Album wird ein rücksichtsloser Wagenlenker mit “Du hältst Dich wohl für Ben Hur!“ beschimpft, doch der Held aus dem 1880 erschienenen Roman war seinerzeit noch gar nicht geboren. Hinzu kommt noch, dass die “berühmt-beliebten lateinischen Zitate (…) zu einem alarmierenden Prozentsatz auch noch aus der Bibel stammen.“

Jörg Fündling: Asterix. 100 Seiten

Doch das Büchlein von Fündling ist keine durchgehende Meckerei über historische Unkorrektheiten, sondern hauptsächlich eine Liebeserklärung an den Comic-Klassiker. Der Autor schwärmt von seiner Erstbegegnung mit Asterix als Sechsjähriger, beschreibt seine Enttäuschung über die von Uderzo im Alleingang realisierten Comics (seinerzeit fand er die juristischen Streitereien zwischen Uderzo und seiner Tochter Sylvie unterhaltsamer als die Comicgeschichten) und äußert verhaltenen Optimismus bezüglich des Fortbestands der Serie.

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Reddition 56: Dossier Rolf Kauka

Die 56. Ausgabe des sich auf Themenschwerpunkte konzentrierenden Comicfachmagazins Reddition beschäftigt sich mit Rolf Kauka, dem Schöpfer von Fix & Foxi und seinem Verlag. Das Heft ist erstmals komplett in Farbe gedruckt und das ist äußerst erfreulich in Anbetracht der zahlreichen – häufig leider nur sehr kleinformatigen – Abbildungen.

Reddition 56: Dossier Rolf Kauka

Im Vorwort ist zu erfahren, dass diese Ausgabe der Reddition mit Unterstützung von Kaukas Witwe Alexandra und Kauka Promedia entstand. Dort wurde anscheinend etwas umgedacht. 2007 musste auf dem Comicfestival München bei einer Kauka-Austellung unter jedes Exponat dieser Hinweis platziert werden: World Copyright: © Rolf Kauka 1953/2000 & Kauka Promedia, Inc. 2001/2007. Alle Rechte vorbehalten! Kauka Licensing by: Andromeda ccm gmbh. Mittlerweile genügt anscheinend ein relativ schlichtes © Rolf Kauka / Promedia Inc.

0001Auch inhaltlich scheint es keine Einflussnahme aus Richtung Kauka gegeben zu haben, denn auch finstere Kapitel im Leben Rolf Kaukas, wie sein alles andere als fairer Umgang mit seinen Zeichnern oder fremden Comic-Material (am schlimmsten: seine deutschnationale Übersetzung von Asterix), werden thematisiert. Die ebenso sachkundigen wie lesenswerten Texte stammen zumeist vom im Juli 2011 verstorbenen Roland Mietz, der ein spannendes Stück deutsche Comicgeschichte am Leser vorbeiziehen lässt.

Reddition 56: Dossier Rolf KaukaDiese Ausgabe der Reddition ist bereits vergriffen und wird gebraucht hoch gehandelt. Doch mittlerweile hat Volker Hamann unter dem Titel “Fix & Foxi – Rolf Kaukas großer Welterfolg“ einen großformatigen reich bebilderten Ausstellungskatalog herausgebracht, der nicht minder informativ ausgefallen ist.

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Asterix und seine Freunde – Hommage an Albert Uderzo

Während Anwälte im Auftrag von Albert Uderzo bei Asterix-Parodien wie Falsches Spiel mit Alcolix Ende der Achtziger Jahre Plagiatsklagen an deutschen Gerichte einreichten, dürfen sich in diesem Hommage-Album fremde Zeichner ungestraft an den beliebten Galliern versuchen. Zum 80. Geburtstag von Uderzo überbringen 30 Comic-Künstler ihre gezeichneten Glückwünsche.

Asterix und seine Freunde - Hommage an Albert Uderzo

Die meisten der beteiligten Comickünstler nutzen diese Gelegenheit um ihre (etwas weniger populären) Figuren einmal an die Seite von Asterix und Obelix zu stellen. So treffen die beiden Gallier u. a. auf Brösels Werner, auf Zeps Titeuf, auf Vance & Van Hammes XIII, auf Rosinskis & Van Hammes Thorgal, Walthérys Natascha, Tibets Rick Master, Gratons Michel Vaillant und die von Vicar gezeichnete Familie Duck.

Asterix und seine Freunde - Hommage an Albert Uderzo

Während diese Begegnungen zwar hübsch anzusehen sind aber nur selten wirklich komisch sind, verbreitete der Einseiter von Henk Kuijpers in dem dessen Heldin Franka durch das heutige gallische Dorf schlendert zumindest eine angenehme Ferienstimmung.

Asterix und seine Freunde - Hommage an Albert Uderzo

Das in diesem Rahmen auch allerlei an subversiver Komik (die durchaus in der Tradition von Goscinny steht) möglich ist, beweist leider nur der Beitrag von Baru (Autoroute Du Soleil), der in einem Wohnghetto “2000 Jahre nach Christi“ spielt.

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Hier bedauern zwei Jugendliche, die in ihren Trainingsanzügen und Baseballkäppis entfernt an Asterix und Obelix erinnern, dass – obwohl sie bereits alle Autos abgefackelt haben – keine Bullen mehr zum Vermöbeln aufmarschieren. Doch plötzlich taucht eine hochmotivierte Spezialeinheit der Polizei auf und Abdelix und Kaderix haben wieder ihren Prügelspaß…


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