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Die Bombe: 75 Jahre Hiroshima

Das chemische Element Uran die Entwicklung der Atombombe erzählen zu lassen, klingt nicht wirklich nach einer guten Idee. Doch zum Glück hält sich nach einem Prolog, der auf sieben Seiten vom Urknall bis ins Jahr 1933 eilt, das radioaktive Metall mit seinen Kommentaren ziemlich zurück und überlässt die Comic-Bühne einigen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Protagonisten.

Die Bombe: 75 Jahre Hiroshima

Zentrale Figuren in Die Bombe sind die beiden europäischen Physiker Leó Szilàrd und Enrico Fermi. Diese emigrierten in die USA und trieben die Entwicklung einer Superwaffe voran, um den Nationalsozialismus zu bekämpfen. Beiden bereitete es jedoch erhebliches Unbehagen, als die Atombombe am 6. August 1945 – also kurz vor Kriegsende – gegen das so gut wie besiegte Japan eingesetzt wurde.

Die Bombe: 75 Jahre Hiroshima

Den frankobelgischen Autoren Didier Alcante und Laurent-Frédéric Bollée gelingt es erstaunlich gut, ein fast schon unüberschaubares Ensemble aus Wissenschaftlern, Politikern und Militärs als individuelle Charaktere mit konträren Meinungen zu porträtieren. Ihre raffiniert verzahnte Abfolge von Ereignissen, die sich so oder ähnlich tatsächlich zugetragen hat, vermittelt historische Zusammenhänge.

Die Bombe: 75 Jahre Hiroshima

Bei der Lektüre entsteht der Eindruck, dass die japanischen Opfer der Bombe inmitten der sorgfältig recherchierten Geschichte nur eine Nebenrolle spielen. Doch auf den letzen Seiten des Comics sind doppelseitige und sehr ergreifend in Szene gesetzte Illustrationen des atomaren Holocaust von Denis Rodier zu sehen. Der Kanadier war bereits 1992 als Inker dabei, als Supermans Tod und die damit verbundenen Kollateralschäden in wuchtigen Bildern emotional aufwühlend zu Papier gebracht wurden.

Die Bombe: 75 Jahre Hiroshima

Es lohnt sich auch das Nachwort von Didier Alcante zu lesen, der darin erzählt, wie er sich durch die Freundschaft zu einem japanischen Mitschüler bereits seit frühster Jugend für die Atombombe interessierte. Als 11-Jähriger entdeckte er bei einem Besuch in Hiroshima einen Schatten, der “sich am 6. August 1945 in die Treppe der Sumitomo-Bank eingebrannt“ hatte. Diese dunkle Silhouette wird im letzten Bild von Die Bombe gezeigt. Im ansonsten auf Fakten basierenden Comics setzte Alcante seine Fantasie ein, um die Geschichte jenes Schattens zu erzählen, der ihn “bis ans Ende seiner Tage verfolgen“ wird.

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Superman vs. Wonder Woman

Ende der 70er-Jahre brachte der Ehapa-Verlag zwei großformatige Alben an die Kioske, die sogar mich als seinerzeit nur sehr gelegentlichen Leser von Superhelden-Comics faszinierten. In beiden Bänden kämpfte Superman gegen mächtige Kontrahenten. 1976 trat er in einer “einmaligen Sonderausgabe“ gegen Spider-Man an, der bei uns aus lizenzrechtlichen Gründen Super-Spider genannt wurde. Beeindruckend in Szene gesetzt von Neal Adams  kam es 1978 zum “größten Boxkampf aller Zeiten und Welten“, denn es trat Superman gegen Muhammad Ali an.

Superman vs. Wonder Woman

Zwischendrin erschien in den USA ein weiterer ähnlich gelagerter Superman-Comic über einen Zweikampf der Giganten. Panini reicht diesen dankenswerterweise mit 40-jähriger Verspätung nach. Recht schnell wird klar, warum Ehapa seinerzeit auf die Veröffentlichung von Superman vs. Wonder Woman verzichtete, obwohl die sich oft über zwei Comicseiten ziehenden Zeichnungen des Spaniers José Luis García-López großartig sind. Die Story von Gerry Conway, der bereits Superman vs. Spider-Man schrieb, schlägt hingegen seltsame Kapriolen.

Superman vs. Wonder Woman

Dass die Geschichte im Jahre 1942 spielt, hätte für einen angenehm nostalgischen Touch sorgen können. Seinerzeit tarnte sich Wonder Woman als beim Militärgeheimdienst angestellte Brillenträgerin Diana Prince. Sie findet heraus, dass die USA an einem geheimnisvollen Manhattan-Projekt arbeitet und ist fest entschlossen, zu verhindern, dass die Menschheit in den Besitz der Atombombe kommt.

Superman vs. Wonder Woman

Superman hingegen soll das Geheimprojekt vor Sabotage schützen. Genau dies haben zwei besonders skurrile Mitarbeiter der Achsenmächte vor. Während für Japan Sumo the Samurai antritt (und in diesem Comic debütiert), schickt das Dritte Reich mit Baron Blitzkrieg DCs ziemlich verspätete Antwort auf die Marvel-Schurken Red Skull und Doctor Doom ins Rennen.

Superman vs. Wonder Woman

Doch – so schreibt es das Regelwerk des Genres vor – bevor sich Superman und Wonder Woman ihren ulkig kostümierten Widersachern widmen dürfen, müssen sie erst einmal zu einem Zweikampf antreten. Fadenscheiniger Grund hierfür ist, dass sie nicht in der Lage waren, die Sache mit der Atombombe auszudiskutieren. Als dann auch noch die Mond-Oberfläche als Austragungsort der Klopperei ausgewählt wird, ist klar, dass der Comic nichts mit unserer Welt zu tun hat.

Superman vs. Wonder Woman

Das stimmt auch, denn die Geschichte soll sich in DCs Parallelwelt Earth-Two zugetragen haben, trotzdem gibt es Gastauftritte von Albert Einstein und Präsident Franklin Delano Roosevelt. Es ist schön, dass diese DC Skurrilität in optimaler Aufmachung als Hardcover im Riesenformat erschienen ist, auch wenn die holperige Geschichte nicht über den selben naiven Charme verfügt wie Supermans Begegnungen mit Spider-Man und Muhammad Ali.

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Keiji Nakazawa: Barfuss durch Hiroshima

Keiji Nakazawa war am 6. August 1945 sechs Jahre alt und hat damals den Abwurf der Atombombe über Hiroshima er- und überlebt. Als zwanzig Jahre später seine Mutter an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung starb, beschloss der mittlerweile als Comiczeichner tätige Nakazawa seine Erlebnisse vor und nach dem Bombenabwurf zu Papier zu bringen.

Keiji Nakazawa: Barfuss durch Hiroshima

Nach einigen kürzeren Geschichten zu diesem Thema schrieb und zeichnete er den 900-seitigen autobiographischen Manga Barfuss durch Hiroshima. Die Geschichte erschien ab 1972 in 16-seitigen Episoden in unterschiedlichen Publikationen u. a. im auflagenstärksten japanischen Manga-Magazin Shonen Jump zu einer einer Zeit als japanische Schulbücher sich überhaupt nicht mit der Atombombe beschäftigten.

Keiji Nakazawa: Barfuss durch Hiroshima

Nakazawas Geschichte beginnt vier Monate vor dem Atombombenabwurf. Hauptfigur ist der sechsjährige Junge Gen (japanisch für „Wurzel“ oder „Quelle“), dessen fünfköpfige Familie starken Repressalien ausgesetzt ist, weil sein Vater ein Gegner der aggressiven japanischen Kriegspolitik ist. Die Nachbarschaft und Umgebung von Gens Familie wird als fanatisiert geschildert und die Kriegstreiberei als selbstmörderisch. Einzige positive Figur in Gens Umfeld ist ein deportierter Koreaner, was auch noch aus heutiger Sicht sehr progressiv für japanische Verhältnisse anmutet. Der Abwurf der Atombombe erscheint in diesem Umfeld als unvermeidliche (ja beinahe schon angemessenes) Resultat einer kriegslüsternen Gesellschaft.

Keiji Nakazawa: Barfuss durch Hiroshima

Die Tatsache, dass Nakazawa „die Schuld an der Bombardierung allein dem militaristischen Nationalismus seiner Landsleute und nicht der Realpolitik des westlichen Rassismus“ gibt, ist laut dem lesenswerten Vorwort von Art Spiegelman (Maus), dann auch der einzige Makel an Barfuss durch Hiroshima.

Keiji Nakazawa: Barfuss durch Hiroshima

Das simple gezeichnete aber nicht simpel gestrickte Werk macht die Katastrophe nachfühlbar und wurde mehrmals verfilmt. Es erschien bereits 1982, also lange vor dem Manga-Boom beim Rowohlt Verlag. Doch damals wurde unter dem Untertitel „Eine Bildergeschichte gegen den Krieg“ nur der erste Band veröffentlicht, der eher die Vorgeschichte und weniger die drastischen Folgen des Atombomben-Abwurfs schildert.

Keiji Nakazawa: Barfuss durch Hiroshima

Carlsen veröffentlichte 2004 in deutlich besserer Druckqualität und ebenfalls in „westlicher Leserichtung“, aber diesmal mit meist gekonterten Einzelpanels, endlich eine vierbändige Gesamtausgabe dieses Meilensteins der Comicgeschichte.


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