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100 Filme der 2010er

Der nach Jahrzehnten gegliederte Kino-Canon des Taschen Verlags wird nach reiflicher Überlegung des Herausgeber Jürgen Müller und seines Teams um einen achten Band erweitert. Diesmal trägt das 880-seitige Buch nicht den Titel Filme der 20er oder Die besten Filme der 90er, sondern präsentiert werden 100 Filme der 2010er.

100 Filme der 2010er

Doch dies stimmt nicht ganz, denn den Reigen der 100 ausgewählten Werke, die zwischen Anfang 2011 und Ende 2020 in die Kinos kamen, eröffnet die Würdigung eines zusätzlichen Films. Ein sehr ausführliches und reich bebildertes Essay setzt als Einleitung zu einem Lobgesang auf Once Upon A Time … in Hollywood an.

100 Filme der 2010er

Obwohl er im Jahre 1969 spielt hat Quentin Tarantinos neunter Kinofilm für Jürgen Müller und Philipp Bühler auch sehr viel mit dem Zustand des heutigen Kinos zu tun. Auch damals musste sich der in großen Sälen projizierte Film gegen neuen Medien behaupten. Dazu gehört nach wie vor das Fernsehen, aktuell kommen aber auch die häufig in Kinoqualität produzierten Serien hinzu, die und um die Uhr verfügbar sind.

100 Filme der 2010er

Das Konzept des Buchs ist gleichgeblieben und das ist gut so. Das Cover zeigt ein im Pop-Art-Stil verfremdetes Foto von Joaquin Phoenix als Joker. Zu jedem der chronologisch, gelisteten Filme kommt ein oft erstaunlich einfallsreich gestaltetes Plakatmotiv zum Abdruck und es folgen mehr oder weniger pointierte Texte der zehn Autoren.

Bereits die Aufnahme der Brachial-Komödie Brautalarm von 2011 ins Buch überrascht, doch der Film zeigt, dass vulgärer Klamauk keine Domäne der Männerwelt ist. Erstaunlich gut weg kommen in Sammel-Rezis die Avengers– Filme und die (bisher?) letzte Star-Wars-Trilogie.

100 Filme der 2010er

Platz finden auch der Animationsfilm mit Coco: Lebendiger als das Leben und Soul, der Experimentalfilm mit Boyhood sowie – nicht nur durch Parasite oder Toni Erdmann – das Weltkino. Es ist sehr schade, dass erst in einem Jahrzehnt wieder ein neuer Band dieser Reihe erscheinen wird.

Filme der Jahrzehnte

Die Wartezeit könnte jedoch vertrieben werden, durch Neuauflagen der oftmals schon lange vergriffenen Bände, die sich mit den Filmen des letzten Jahrhunderts beschäftigen.

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Iron Man

Als Iron Man 1963 in Heft 39 der Marvel-Reihe Tales of Suspense seinen ersten Auftritt hatte, erinnerte er in seiner metallgrauen Rüstung noch an einen Ritter. Es wird erzählt wie der der Rüstungsfabrikant Anthony Stark US-Truppen in Vietnam (bzw. nun im Kino in Afghanistan) besucht und dabei in Gefangenschaft des Vietcongs gerät. Er soll für diese eine Massenvernichtungswaffe produzieren, doch Yinsen ein ebenfalls gefangener Wissenschaftler hilft ihm dabei heimlich ihm eine bewaffnete Stahlrüstung zu schmieden. Stark legt diese an, kann damit entkommen und Iron Man ist geboren.

Iron Man

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte modifizierte Tony Stark (bzw, die Zeichner bei Marvel) sein Outfit ständig. Schon recht bald trug er das sehr viel schickere rotgoldene Stahlkostüm und wurde Gründungsmitglied der Superhelden-Truppe The Avengers. Oft nutzte Stark seine Zweitidentität als Iron Man um seinen Problemen mit Alkohol und Frauen zu entfliehen. Interessant war auch der Blick den der Brite Warren Ellis 2006 im Comic Iron Man: Extremis auf Tony Stark warf und ihn als an seiner Tätigkeit zweifelnden Rüstungsindustriellen zeigte.

Iron Man

Diese Charakterzüge der Figur war sicherlich der Hauptgrund, warum Robert Downey Jr., der im Leben ebenfalls wenig ausgelassen hat, 2008 den Part des Tony Starks übernahm. Den arrogant-zynischen Rüstungsfabrikanten und Weiberhelden spielt er vortrefflich. Downey Jr. schafft es aber auch glaubhaft zu vermitteln, dass Stark nach seiner Gefangenschaft Zweifel an seinem bisherigen Leben entwickelt und seine Rüstungsproduktion stoppt. Stattdessen bastelt er klammheimlich in seinem Playboy-Hobbykeller an einer fliegenden Einmann-Rüstung.

Iron Man
Auch ansonsten überzeugt der vom zuvor eher für Komödien wie Swingers, Buddy der Weihnachtself oder Zathura bekannten Jon Favreau in Szene gesetzte Film durch seine gut ausgewählten Darsteller. Gwyneth Paltow sorgt als Starks tüchtige (und heimlich in ihn verschossene) Assistentin Pepper Potts für ein paar komisch-romantische Momente.

Iron Man

Terence Howard (Hustle & Flow) ist als Starks militärischer Kontaktmann James Rhodes sicher etwas unterfordert, doch Downey hat nicht ganz unrecht, wenn er meint, dass dieser “in Air-Force-Uniform verdammt gut aussieht“. Auch bei Jeff Bridges, der Starks väterlich-intriganten Geschäftspartner Obadiah Stane verkörpert, ist dessen Aussehen mit Vollbart und Glatze mindestens so interessant wie seine darstellerischen Leistungen.

Iron Man

Tricktechnisch ist Iron Man absolut auf der Höhe der Zeit und die Kampfrüstungskämpfe sind sehr viel beeindruckender in Szene gesetzt als in Michael Bays Transformers. Noch wichtiger ist jedoch, dass Favreau und die vier Drehbuchautoren dafür sorgen, dass durch allerlei komische Einfälle Marvels erste selbstfinanzierte Filmproduktion voll in der Tradition der auch immer selbstironischen Comicgeschichten steht.

Iron Man

Nach dem ellenlangen Abspann gibt es noch eine kurze Szene, in der Samuel L. Jackson einen kurzen Gastauftritt als Nick Fury hinlegt und damit den Grundstein für das Marvel Cinematic Universe setzte.

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Marvel Cinematic Universe

Als 2008 Iron Man auch dank mit Robert Downey Jr. zu einem Überraschungserfolg wurde, konnte niemand ahnen, dass hier vor allem durch eine kurze Szene ganz am Ende des Films , in der Samuel L. Jackson einen Gastauftritt als Nick Fury hinlegte, der Grundstein für das Marvel Cinematic Universe gesetzt wurde. Es bleibt spannend, wie es weitergeht, nachdem Avengers: Endgame erst einmal einen Schlusspunkt gesetzt hatte.

Marvel Cinematic Universe

Hier die bisherigen und geplanten Filme:

PHASE 1

1.) Iron Man (2008)

2.) Der unglaubliche Hulk (2008)

3.) Iron Man 2 (2010)

4.) Thor (2011)

5.) Captain America: The First Avenger (2011)

6.) Marvel’s The Avengers (2012)

PHASE 2

7.) Iron Man 3 (2013)

8.) Thor: The Dark Kingdom (2013)

9.) The Return of the First Avenger (2014)

10.) Guardians of the Galaxy (2014)

11.) Avengers: Age of Ultron (2015)

12.) Ant-Man (2015)

PHASE 3

13.) The First Avenger: Civil War (2016)

14.) Doctor Strange (2016)

15.) Guardians of the Galaxy Vol. 2 (2017)

16.) Spider-Man: Homecoming (2017)

17.) Thor: Tag der Entscheidung (2017)

18.) Black Panther (2018)

19.) Avengers: Infinity War (2018)

20.) Ant-Man and the Wasp (2018)

21.)  Captain Marvel (2019)​

22.) Avengers: Endgame (2019)​​

23.) Spider-Man: Far From Home (2019)

PHASE 4

Disney+-Serien: WandaVision, The Falcon and the Winter Soldier, Loki, What if…?, Hawkeye, Moon Knight, Ms. Marvel

24.) Black Widow (2021)

25.) Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings (2021)

26.) Eternals (2021)

27.) Spider-Man: No Way Home (2021)

28.) Doctor Strange in the Multiverse of Madness (2022)

29.) Thor: Love and Thunder (2022))

30.) Black Panther: Wakanda Forever (11. November 2022)

31.)  Ant-Man and the Wasp: Quantumania (17. Februar 2023)

32.) Guardians of the Galaxy Vol. 3 (5. Mai 2023)

31.) The Marvels (28. Juli 2023)

34.) Fantastic Four (?)

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Spider-Man: Far From Home

Nach dem gewaltigen Epos Avengers: Endgame fragte sich so mancher Freund von Superhelden-Filmen, wie es weitergeht mit dem Marvel Cinematic Universe. Eine mögliche Antwort liefert der zweite Film mit dem neuen Spider-Man Tom Holland. Genau wie die Zuschauer der letzten bombastischen Marvel-Filme braucht auch Spidey alias Peter Parker etwas Erholung.

Spider-Man: Far From Home

Zu seinem Glück ist Peter im “wirklichen Leben“ nicht Rüstungsindustrieller, Veteran des Zweiten Weltkriegs oder Donner-Gott, sondern ein ganz normaler New Yorker Highschüler. In dieser Funktion begibt er sich auf eine Klassenreise durch Europa und sein Hauptaugenmerk liegt darauf, das Herz seiner Mitschülerin Michelle (Zendaya) zu erobern, die vom Nerd-Girl aus Spider-Man: Homecoming zur attraktiven jungen Frau erblüht ist.

Spider-Man: Far From Home

Zwar gibt es in Peters Klasse auch einen Nebenbuhler, doch eine Romanze mit Michelle stehen sehr viel stärker die übrigen Bewohner des Marvel-Universum im Wege. So sieht etwa Happy Hogan (Jon Favreau) Spidey als Nachfolger von Iron Man und Nick Fury (Samuel L. Jackson) setzt seinen gesamten Apparat von S. H. I. E. L. D. mehr oder weniger unauffällig ein, um Peter Parker als Avenger zu rekrutieren.

Spider-Man: Far From Home

An der Seite von Mysterio (Jake Gyllenhaal) soll Spider-Man in Venedig, Prag, Berlin (hier wird im Marvel Cinematic Universe anscheinend Löwenbräu gebraut) und zum großen Finale in London seltsame auf den vier Elementen basierende Monster bekämpfen. Diese Sequenzen sind beeindruckend getrickst, doch richtig gut ist der neue Spider-Man-Film dort, wo Peter Parker mit alltäglichen Problemen und Gefühlen konfrontiert wird.

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Avengers: Endgame

Bei der heißerwarteten Fortsetzung zu Avengers: Infinity War verwundert zunächst, wie menschenleer die Erde wirkt, nachdem Thanos die Hälfte der Erdbevölkerung verschwinden ließ. Ebenso erstaunlich ist, dass sich mit Iron Man, Thor, Captain America, Hulk, Black Widow, Ant-Man und Hawkeye erstaunlich viele Avengers nicht in galaktischen Staub aufgelöst haben.

Avengers: Endgame

Diese treten an, um die sechs magischen Infinity-Steine zurück zu bekommen, die Thanos absolute Macht verliehen haben. Mehr sollte nicht verraten werden, um den Zuschauern nicht den Spaß an 180 erstaunlich kurzweiligen Minuten zu nehmen. Es sei jedoch noch verraten werden, dass Avengers: Endgame ein wilder Ritt durch die das in bisher über 20 Filmen zusammengebastelte Marvel Cinematic Universe geworden ist.

Figuren bekommen so die Möglichkeit voneinander Abschied zu nehmen, kleine Episoden werden weitererzählt, heroische Heldentaten begangen und Stan Lee absolviert seinen letzten Gastauftritt. Erstaunlicherweise fesseln hierbei weniger die selbstverständlich großartigen Spezialeffekte, sondern in einem sehr viel stärkeren Maße die beeindruckenden darstellerischen Leistungen des großartigen Ensembles.

Avengers: Endgame

Für den Film spricht auch, dass er einige Geschichten erstaunlich konsequent bis zum (gelegentlich auch bitteren) Ende erzählt und die nächsten Marvel-Filme in einem stark veränderten Universum spielen werden. Zum Abschluss sei noch verraten, dass es diesmal keinen Schlussgag am Ende des Abspanns gibt, was vielleicht auch den großartigen Gesamteindruck geschmälert hätte.

Avengers: Endgame
© 2019 Marvel

Die Blu-ray-Edition von Disney enthält den 181-minütigen Film, wahlweise mit Audiokommentar von den Regisseuren Anthony und Joe Russo (wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln) und ein Intro der Regisseure (2:33 min). Hinzu kommen auf einer zweiten Blu-ray noch Featuretten (insgesamt 46:00 min, darunter ein 7-minütiger Gedenkbericht über Stan Lees Gastauftritte),  Zusätzliche Szenen (4:51 min) und Pannen vom Dreh (1:58 min)

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Captain Marvel

Das gesamte Marvel Cinematic Universe wurde am Ende von Avengers: Infinity War völlig demontiert. Die Zeit bevor in Avengers: Endgame die alte Ordnung wiederhergestellt wird, konnte genutzt werden, um einen neuen Marvel-Superhelden ins Rennen zu schicken, wobei dieser nach dem Nachspann von Infinity War als letzte Hoffnung der verschollenen Hälfte der Bewohner des Universums präsentiert wird.

Captain Marvel

Captain Marvel betrat 1967 die Bühne der Marvel-Comics. Ein zum Volke der Kree gehörender Außerirdischer namens Mar-Vell sollte das irdische Raumprogramm sabotieren, doch stattdessen wurde er zum Beschützer der Menschheit.

Captain Marvel

Die Figur starb zwar 1982 in einem überformatigen Comicheft, wurde danach aber weiter am Leben erhalten. Damit konnte verhindert werden, dass ein Superheld der 1940 als Captain Marvel ins Rennen geschickt wurde, unter diesen Namen bei DC seine Heldentaten verbringt (dort ist dieser als Shazam! auch im Kino tätig).

Captain Marvel

Nach allerlei chaotischen Entwicklungen ist bei Marvel mittlerweile eine gewisse Carol Danvers, die bereits beim ersten Auftritt von Mar-Vell dabei war, in das Kostüm von Captain Marvel geschlüpft. Die Tatsache, dass diese Rolle sowohl Erdenmenschen wie auch Aliens ausfüllten, spielt eine wichtige Rolle im ersten Kinofilm mit Captain Marvel.

Captain Marvel

Im Zentrum der Geschichte steht Vers, die als Elite-Soldatin für die Kree kämpft und bei einem Einsatz auf der Erde des Jahres 1995 landet. Sie hat den Eindruck schon einmal dort gewesen zu sein und Erinnerungen an ein Leben als US-Kampfpilotin. Zugleich wird sie in Kämpfe mit Außerirdischen verwickelt, was die Aufmerksamkeit von Nicholas Joseph Fury, der seinerzeit zwar noch über beide Augen verfügte, doch bereits – gemeinsam mit Agent Coulson (Clark Gregg) für S.H.I.E.L.D. tätig war.

Captain Marvel

Vers und Fury formieren sich nach sehr kurzen anfänglichen Schwierigkeiten zu einem schlagkräftigen und auch schlagfertigen Team. Dabei erfahren sie, wo Vers herkommt und bekämpfen eine außerirdische Bedrohung. Die Chemie zwischen Brie Larson (Kong: Skull Island) und Samuel L. Jackson schlägt dabei immer wieder schillernde Funken.

Captain Marvel

Dank seiner humorvollen Geschichte und der interessanten Erzählstruktur, ist Captain Marvel sehr viel mehr als ein weiterer hochbudgetierter und (diesmal u. a. mit Jude Law und Annette Bening) bestes besetzter Superhelden-Film.

Captain Marvel
© 2018 Marvel

Die Blu-ray von Disney enthält den 124-minütigen Film, wahlweise mit Audiokommentar von den Regisseuren Anna Boden und Ryan Fleck (wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln). Hinzu kommen neben einem Intro der Regisseure (1:32 min) noch ein mehrteiliges Making Of (23:25 min), Deleted & Extended Scenes (8:47 min), Pannen vom Dreh (2:02 min)

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Stan Lee: Helden, Götter und Mutanten

Am 12. November 2018 starb Stan Lee im Alter von 95 Jahren. Bereits zuvor erschienen mit The Stan Lee Story (Taschen) und der Marvel Treasury Edition (Panini) zwei opulente aber auch recht hochpreisige Bücher über den prominentesten Schöpfer von Superhelden. Figuren wie die Fantastic Four, die Avengers, die X-Men oder Spider-Man wurden nicht im Alleingang von Stan Lee geschaffen, der an ihn gerichtete Lobeshymen meist auch an Zeichner wie Jack Kirby oder Steve Ditko weitergab.

Stan Lee: Helden, Götter und Mutanten

Darin unterscheidet sich Stan Lee von Walt Disney, der nichts dagegen hatte, wenn das Publikum glaubte, dass er die unter seinem Namen präsentierten Animationsfilme und Comics im Alleingang realisiert hatte. Die Marvel-Comics wurden immer als Teamwork angekündigt. Es war nie ein Geheimnis, wer für die Zeichnungen verantwortlich war. Die Geschichten waren jedoch ebenfalls Gemeinschaftswerke, auch wenn Stan Lee nichts dagegen hatte als alleiniger Autor genannt zu werden.

Stan Lee: Helden, Götter und Mutanten

Auch dieser Aspekt spielt eine Rolle bei Paninis sehr zeitnah zum Tode von Stan Lee veröffentlichten Band Helden, Götter und Mutanten. Fundierte Texte von Christian Endres bemühen sich darum, die Lebensleistung von Stan Lee ins rechte Licht zu rücken. Interessant ist auch die Auswahl der Comics. Natürlich sind die ersten Comic-Auftritte der Fantastic Four, von Spider-Man (hier war es übrigens nicht, wie in den Filmen Peter Parkers Onkel Ben, sondern Stan Lee als Autor, der den legendäre Satz über große Macht und große Verantwortung zum Besten gibt) und von den X-Men enthalten. Endes weist aber auch darauf hin, dass es Jack Kirby und nicht Stan Lee war, der 1961 die Idee hatte, die Fantastic Four zuerst in Action zu zeigen und erst danach als Rückblende ihre Entstehungsgeschichte zu erzählen.

Stan Lee: Helden, Götter und Mutanten

Das Buch enthält aber ansonsten nicht nur die “üblichen Verdächtigen“, sondern auch drei kurze Beispiele aus Stan Lees Frühwerk als Autor von Horror-Geschichten oder romantischen Comics. Einen Schwerpunkt bilden auch die sozial engagierten Geschichten, die Marvel bereits in den 60er Jahren veröffentlichte. So kümmerte sich Daredevil in Take my Hand! um einen in Vietnam erblindeten Soldaten und eine Storyline der Serie Amazing Spider-Man, in der sich Peter Parker 1971 um seinen drogensüchtigen Freund Harry Osborn sorgte, kommt – ihrer Bedeutung angemessen – in der vollen Länge von 60 Seiten zum Abdruck.

Stan Lee: Helden, Götter und Mutanten

Enthalten sind auch einige Kuriositäten wie eine Kurzgeschichte von Marie Severin, die 1968  – wahrscheinlich nur leicht überzeichnet – darstellte wie wild und irre es bei Marvel zuging. Recht hübsch ist auch ein Comic in dem Stan Lee auftritt und versucht einen frustrierten Spider-Man wieder aufzubauen. Der durchaus krönende Abschluss ist ein Comic mit Captain America von 2014, den der begnadete Zeichner Bruce Timm (Batman Animated) zum 75. Jubiläum von Marvel in Szene setzte. Hierbei handelt es sich um die erste Geschichte, die Stan Lee für Marvel schrieb. 1941 kam diese Story jedoch nur als zweiseitiger Prosatext zum Abdruck.

Stan Lee: Helden, Götter und Mutanten

Erfreulich an dem gebundenen Buch ist, dass mit 29,80 Euro für 320 Seiten auch das Preisleistungsverhältnis stimmt.

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Avengers: Der endlose Krieg

Die Comics des Briten Warren Ellis zeichnen sich zumeist nicht gerade dadurch aus, dass sie leichte Kost sind. Manche mögen Werke wie Transmetropolitan oder Global Frequenzy als “anspruchsvoll“ bezeichnen, andere als “unlesbar“. Wenn Ellis jetzt einen Comic geschrieben hat, den Panini als „Graphic Novel mit den Helden aus Joss Whedons Avengers“ bewirbt, ist dies dennoch keine Trittbrettfahrerei, denn Warren Ellis ist nicht ganz unschuldig an dem Erfolg des Marvel Cinematic Universe.

Avengers: Der endlose Krieg

Die von ihm geschriebene Mini-Serie Iron Man: Extremis inspirierte den ersten Kinofilm mit dem Eisenmann.  In die Produktion flossen nicht nur die Design-Ideen des Extremis Zeichners Adi Granov ein, sondern auch der Blick, den Warren Ellis auf Tony Stark warf, fand Berücksichtigung. Robert Downey Jr. spielte den an seiner Tätigkeit zweifelnden Rüstungsindustriellen so großartig, weil Ellis in Iron Man: Extremis den Grundstein dafür gelegt hatte.

Avengers: Der endlose Krieg

Mit Der endlose Krieg gelang Ellis überraschenderweise eine Avengers-Geschichte, die auch jenen Lesern viel Vergnügen bereiten dürfte, die noch nie einen Superhelden-Comic in der Hand hatten und die Marvel-Charaktere nur aus dem Kino kennen. Das Etikett “Graphic Novel“ erhielt der Comic bereits in den USA, da er nicht wie sonst bei Marvel üblich zuerst als Fortsetzung in Heftform, sondern sofort komplett als Hardcover veröffentlicht wurde.

Avengers: Der endlose Krieg

Avengers: Der endlose Krieg ist der erste Band einer Marvel-Reihe mit “Original Hardcover Graphic Novels“. Ellis gelingt hier eine spannende Superhelden-Geschichte in der die Avengers eine große Mission zu erfüllen haben, die sowohl mit der Zweite-Weltkriegs-Vergangenheit von Captain America als auch mit Thors nordischer Götterwelt und zudem auch noch mit den real existierenden “endlosen Kriegen“ im Großraum Afghanistan zusammenhängt. Dabei wurde mit “Slorenia“ ein seit 1994 nur auf dem Marvel-Globus existierendes fiktives Land als Krisenherd gewählt wurde.

Avengers: Der endlose Krieg

Was im Kino (noch) nicht möglich ist, klappt in Der endlose Krieg problemlos: Wolverine kämpft an der Seite der Rächer. Abgerundet wird der schön aufgemachte Hardcover-Band noch durch ein Vorwort von Clark Gregg, der in den Marvel-Kinofilmen und in der leider unter Superhelden-Mangel leidenden TV-Serie Agents of S.H.I.E.L.D. den Agenten Coulson spielt. Dieser outet sich als totaler Marvel-Fan. Einziges Manko am Comic sind die oftmals etwas leeren Bilder von Mike McKone. Was hätte ein genialer Zeichner wie Bryan Hitch (The Ultimates) aus einer Geschichte wie dieser gemacht, die auch perfekt als Vorlage für einen Kinofilm wäre!

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Avengers: Infinity War

Was in Superhelden-Comics schon lange üblich war, hält jetzt auch Einzug ins Kino. Der 19. Beitrag zum Marvel Cinematic Universe versammelt erstmals nahezu alle Superhelden, an denen Disney die Filmrechte hat. Lediglich Hawkeye (Jeremy Renner) und Ant-Man (Paul Rudd) fehlen, doch letzterer war direkt im Anschluss in seinem zweiten Solo-Film zu sehen.

Avengers: Infinity War

Doch ansonsten tummeln sich neben den Avengers auch noch Doctor Strange, Loki, Spider-Man, Black Panther, Stan Lee und die Guardians of the Galaxy auf der Leinwand. Der auch in Deadpool 2 auf der dunklen Seite weilende Josh Brolin (Hail Caesar!) gibt den charismatischen Über-Bösewicht Thanos, der sechs magische Infinity-Steine benötigt, um absolute Macht zu erlangen. Diese will er nutzen um die Hälfte der Bewohner des seiner Meinung nach überbevölkerte Universums verschwinden zu lassen.

Avengers: Infinity War

Den Durchblick bei Avengers: Infinity War haben nur noch diejenigen, die alle Filme des Marvel Cinematic Universe am besten mehrmals gesehen haben. Der Film ist somit das Gegenstück zu einem großen Comic-Crossover-Ereignis, das gleichzeitig in mehreren Serien stattfindet und dem nur noch diejenigen Leser folgen können, die die gesamte Jahres-Produktion aus dem Hause Marvel durchgearbeitet haben.

Avengers: Infinity War

Das 150-minütige Spektakel endet alles andere als happy und wirkt daher wie die überlange Episode einer gigantischen TV-Serie, deren Fortsetzung Avengers: Endgame erst ein Jahr später in die Kinos kam. Doch um die Wartezeit zu verkürzen kommen mit Ant-Man and the Wasp sowie Captain Marvel mit Brie Larson (Kong: Skull Island) noch zwei weitere Marvel-Filme aus dem Hause Disney ins Kino.

Avengers: Infinity War
© 2018 Marvel

Die Blu-ray von Disney enthält den 150-minütigen Film, wahlweise mit Audiokommentar von den Regisseuren Anthony und Joe Russo, sowie den Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely (wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln). Hinzu kommen neben einem Intro der Regisseure (1:32 min) noch ein mehrteiliges Making Of (32:18 min), Deleted & Extended Scenes (10:13 min), sowie Pannen vom Dreh (2:05 min)

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Avengers vs. X-Men

Innerhalb des Marvel-Universums existieren zwei unterschiedliche Gruppen von kostümierten mehr oder minder hochbegabten Charakteren…

Avengers vs. X-Men
Softcoverausgabe

Zum einen wären da die diversen Superhelden, die oftmals eine Geheimidentität haben, zumeist einzeln wie SPIDER-MAN oder DAREDEVIL agieren, sich gerne aber auch in Teams wie den FANTASTIC FOUR oder AVENGERS zusammenfinden. Eine Klasse für sich sind die Mutanten, die entweder in Professors Xaviers Schule für Hochbegabte Pläne für eine gemeinsame Zukunft mit der Menschheit schmieden oder unter der Leitung des durchaus tragischen Antihelden MAGNETO die Herrschaft über unseren Planeten für sich beanspruchen.

Die Frage welcher Superheld am stärksten ist, hat die Fanboys schon immer brennend interessiert und die Verlage Marvel oder DC immer wieder dazu angespornt Ideen zu entwickeln, um ihre beliebtesten Figuren nicht mit Superschurken sondern gegeneinander kämpfen zu lassen. Der Klassiker dürfte die erste Begegnung zwischen SUPERMAN und SPIDER-MAN gewesen sein, die 1976 unentschieden endete. Als es 20 Jahre später zu einer Konfrontation zwischen Marvel und DC kam, durften die Fans den Ausgang von einigen der Kämpfe per Abstimmung selbst entscheiden. Daher konnten seinerzeit die Marvel-Helden mehr Siege für sich verbuchen, was auch daran liegt, dass DC abgesehen von SUPERMAN und BATMAN nicht allzu viel wirklich populäre Figuren in seinem Ensemble hat. Marvel hingegen kann ohne Probleme ein gewaltiges Epos wie komplett mit eigenen Superhelden in Szene setzen, wie der vorliegende Band belegt.

AVENGERS vs. X-MEN war bei Marvel 2012 das große Mega-Event, das simultan in etlichen Heft-Serien stattfand. Dem Team aus Star-Textern und -Zeichnern wie Brian M. Bendis, Ed Brubaker, John Romita Jr., Olivier Coipel oder Adam Kubert gelang das Kunststück eine Story zu erzählen, die mehr als nur ein Vorwand für diverse Zweikämpfe war.

Avengers vs. X-Men
Hardcoverausgabe

Hauptmotiv der Geschichte ist jene allmächtige Phoenix-Kraft, der einst die Mutantin Jean Grey zum Opfer fiel (siehe auch den dritten X-Men-Kinofilm). Diese hat bereits andere Planetensysteme zerstört und bewegt sich auf die Erde zu. Die junge Mutantin Hope Summers droht der neue Phoenix-Wirt zu werden, was sie für etliche Mutanten als neuer Messias erscheinen lässt, den meisten Avengers hingegen große Angst macht, während sich wiederum andere wie etwa der nur bedingt team-fähige WOLVERINE nicht von einer der beiden Seiten vereinnahmen lassen wollen. Die Konfrontation beginnt mit einer Schlägerei zwischen dem X-Man CYCLOPS und CAPTAIN AMERICA, ufert dann aber immer weiter aus…

Speziell die ersten fünf von John Romita Jr. gezeichneten und von Brian Michael Bendis getexteten AVENGERS vs. X-MEN sind mitreißend erzähltes ganz großes Superhelden-Kino. In den restlichen sieben ebenfalls in diesem über 400-seitigen Sammelband enthaltenen US-Hefte hingegen werden die Geschichte – aber auch die mit Unmengen von Superhelden bevölkerten Wimmelbilder – immer unübersichtlicher.

Dennoch ist es sehr erfreulich, dass dieses Stück Marvel-History komplett in einem mit reichlich Bonusmaterial wie Variantcover und Statements der Zeichner versehenen fetten Sampler erschienen ist.


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