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Baru: Wut im Bauch

Anton Witkowski sieht nur einen Ausweg um dem “Vogelsiedlung“ genannten Beton-Ghetto am Rande von Paris herauszukommen. Er versucht als Boxer Karriere zu machen und erringt dank seiner Wut im Bauch etliche (meist sehr frühzeitige) KO-Siege. Doch das Glück ist trotz eines Kampfes um die Weltmeisterschaft, den Anton in die Vogelsiedlung holt, nicht auf seiner Seite.

Baru: Wut im Bauch

Anton wird von seinem Vater völlig ignoriert und von einer Frau ganz böse betrogen. Zugleich verprellt er seinen besten Freund und landet schließlich sogar wegen angeblichen Mordes vor Gericht. Doch als Anton zu Unrecht zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt wird, steht plötzlich die Öffentlichkeit auf seiner Seite. Es kommt zu Protesten und in Paris brennen die Autos…

Baru: Wut im Bauch

Wie schon zuvor Der Champion so spielt auch der zweiteilige Comic Wut im Bauch von Hervé Barulea alias Baru (Die Sputnik-Jahre, Autoroute Du Soleil) wieder im Boxer-Milieu. Doch erzählt wird nicht nur die schon oft gehörte “Ein Mann boxt sich nach oben“-Geschichte, sondern Baru liefert ein äußerst vielfältiges Werk ab und verarbeitet im Epilog auch noch die Unruhen, die im Herbst 2005 in Paris ausbrachen.

Baru: Wut im Bauch

Entstanden ist ein bildgewaltiges Epos, dessen fast  fotorealistischen (und manchmal auch teilweise aus Fotos bestehenden) Panels immer wieder gebrochen werden, von Barus Fertigkeit Typen und Charaktere mit nur wenigen Strichen äußerst lebensnah auf den Punkt zu bringen. Wut im Bauch ist keine leichte Kost, doch ganz gewiss eins der besten Werke von Baru.

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Baru: Bella Ciao

Der neue Comic von Hervé Barulea alias Baru (Autoroute Du Soleil) ist zwar der Auftakt einer dreiteiligen Reihe, die keine durchgehende Geschichte erzählt.

Baru: Bella Ciao

Als eine Art roter Faden dient das Lied Bella Ciao, das viele die Hymne der italienischen Partisanen des Zweiten Weltkriegs hielten und dadurch zum linken Kampflied schlechthin geworden ist. Seine Ursprünge hatte der Ohrwurm als Klagelied der Reispflückerinnen in der Region Bologna jedoch bereits Anfang des letzten Jahrhunderts .

Baru: Bella Ciao

Zum Auftakt seines Comics geht Baru noch weiter zurück. In beeindruckender graugetönenter schwarzweißer Grafik zeigt er wie 1893 ein Aufstand italienischer Gastarbeiter, die in den Salinen von Aigues-Mortes tätig waren, von der französischen Arbeiterschaft und Obrigkeit brutal niedergeknüppelt wurde.

Baru: Bella CiaoThematisch passend platziert Baru inmitten seiner Zeichnungen auch einen Zeitungsartikel von 1905 über angebliche Essgewohnheiten italienischer Einwanderer, in deren Mägen angeblich häufig “die im Umkreis einiger Meilen an Krankheit gestorbenen Tiere“ landeten).  Dadurch wird klar, wie selbstverständlich (seinerzeit) der Hass auf Ausländer geschürt wurde und wie schwer es schon immer war, sich in der Fremde einen Platz zum Leben zu erkämpfen.

Baru: Bella Ciao

Baru lässt in seinen Comic aber auch Erlebnisse aus seiner Jugend als Sohn italienischer Einwanderer in Lothringen einfließen, die er in seinem bewährten leicht karikierenden und leuchtend kolorierten Stil zu Papier bringt. In einer weiteren sehr viel schlichter gezeichneten Erzählebene tritt der gerade an seinem Comic arbeitende Baru auch noch selbst auf und präsentiert das Rezept zu „Cappelletti in Brühe“ .

Baru: Bella Ciao

Bei diesem aus scheinbar wahllos aneinandergereihten Episoden bestehenden Comic erschließt sich nicht, wo die autobiografischen und familiengeschichtlichen Erlebnisse aufhören und die angelesene Historie beginnt. Einzelne Episoden hinterlassen einen sehr viel stärkeren Eindruck, als das große Ganze. Das mindert jedoch kaum die Faszination am neuen Werk von Baru, der einmal mehr von den Ursachen und Auswirkungen sozialer Ungerechtigkeiten erzählt, ohne dabei zu belehren oder zu langweilen.

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Baru: Die Sputnik-Jahre

Während Hervé Barulea alias Baru (Bella Ciao) 1994 mit Autoroute Du Soleil ein gewaltiges und desillusionierendes Panorama über den Zustand der französischen Gesellschaft schuf, kam er fünf Jahre später in Die Sputnik Jahre etwas leichtfüßiger daher. Seine vierbändige Reihe spielt 1957 in einem kleinen französischen Dorf. Dort liefern sich die Jungs aus dem oberen Teil des Ortes erbitterte Kämpfe mit den unten wohnenden Artgenossen.

Baru: Die Sputnik-Jahre

„Held“ der Geschichte ist der 10-jährige Igor, der von seinen Freunden Gori genannt wird. Er wäre gerne Anführer der oberen jüngeren Jungs und muss dazu in zahlreichen Disziplinen gegen den vom Anführer der älteren Jungs favorisierten Jeannot antreten. Doch immer wichtiger wird auch eine gewisse Leila, die sich gelegentlich sogar in Goris Träume schleicht.

Baru: Die Sputnik-Jahre
Baru erzählt bei dieser vom Krieg der Knöpfe inspirierten Geschichte alles andere als nostalgisch verklärte Jugenderinnerungen. Im Hintergrund der Geschichte wird immer deutlicher, dass die erwachsenen Bewohner des Ortes – bedingt durch ihre verschiedenen Abstammungen und Ideologien – mindestens genauso verfeindet sind, wie die Jungs „da unten“ und Goris Bande von „oben auf“.

Baru: Die Sputnik-Jahre

Bei uns erschienen Die Sputnik-Jahre von 2002 bis 2004 bei Carlsen in vier Hardcover-Bänden im Albumformat. Reprodukt veröffentlicht die gesamte Geschichte in einer etwas kompakteren sehr schönen Softcover-Ausgabe.

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Asterix und seine Freunde – Hommage an Albert Uderzo

Während Anwälte im Auftrag von Albert Uderzo bei Asterix-Parodien wie Falsches Spiel mit Alcolix Ende der 80-Jahre Plagiatsklagen an deutschen Gerichte einreichten, dürfen sich in diesem Hommage-Album fremde Zeichner ungestraft an den beliebten Galliern versuchen. Zum 80. Geburtstag von Uderzo überbringen 30 Comic-Künstler ihre gezeichneten Glückwünsche.

Asterix und seine Freunde - Hommage an Albert Uderzo

Die meisten der beteiligten Comickünstler nutzen diese Gelegenheit um ihre (etwas weniger populären) Figuren einmal an die Seite von Asterix und Obelix zu stellen. So treffen die beiden Gallier u. a. auf Brösels Werner, auf Zeps Titeuf, auf Vance & Van Hammes XIII, auf Rosinskis & Van Hammes Thorgal, Walthérys Natascha, Tibets Rick Master, Gratons Michel Vaillant und die von Vicar gezeichnete Familie Duck.

Asterix und seine Freunde - Hommage an Albert Uderzo

Während diese Begegnungen zwar hübsch anzusehen aber nur selten wirklich komisch sind, verbreitete der Einseiter von Henk Kuijpers in dem dessen Heldin Franka durch das heutige gallische Dorf schlendert zumindest eine angenehme Ferienstimmung.

Asterix und seine Freunde - Hommage an Albert Uderzo

Das in diesem Rahmen auch allerlei an subversiver Komik (die durchaus in der Tradition von Goscinny steht) möglich ist, beweist leider nur der Beitrag von Baru (Autoroute Du Soleil), der in einem Wohnghetto “2000 Jahre nach Christi“ spielt.

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Hier bedauern zwei Jugendliche, die in ihren Trainingsanzügen und Baseballkäppis entfernt an Asterix und Obelix erinnern, dass – obwohl sie bereits alle Autos abgefackelt haben – keine Bullen mehr zum Vermöbeln aufmarschieren. Doch plötzlich taucht eine hochmotivierte Spezialeinheit der Polizei auf und Abdelix und Kaderix haben wieder ihren Prügelspaß…


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Baru: Autoroute Du Soleil

Karim Kemal, ein Franzose nordafrikanischer Abstammung, schläft mit der Frau eines höchst nationalistischen Franzosen. Dieser trommelt seine Neonazi-Bande zusammen und macht Jagd auf Karim, der von seinem Freund Alexandre Babiéri begleitet wird. Auf diesem Trip von Nancy nach Marseille erleben sie haufenweise haarsträubende Situation.

Baru: Autoroute Du Soleil Hervé Barulea alias Baru (Die Sputnik-Jahre, Bella Ciao) zeichnete diesen Comic ursprünglich für den japanischen Markt. Die Geschichte wurde zunächst 1994 als Fortsetzungs-Serie im Manga-Magazin Morning des Verlags Kōdansha veröffentlicht. Dort erschien drei Jahre später der von Moebius geschriebene und von Jiro Taniguchi gezeichnete Comic Ikarus.

Baru: Autoroute Du Soleil

Mit Autoroute Du Soleil gelang Baru ein für das eher Album-fixierte Europa sehr ungewöhnliches Werk. Von einigen kolorierten einführenden Seiten, die so nur in Japan veröffentlicht wurden, hat Baru alles in Schwarzweiß gezeichnet.

Baru: Autoroute Du Soleil

Der Comic verzichtet auf ausführliche Dialoge. Die Geschichte wirkt dadurch eher filmisch und der 430 Seiten starke Schmöker ist schneller weggelesen, als so manches stärker durch Worte als durch Bilder erzähltes 48-seitige Comic-Album.

Baru: Autoroute Du Soleil

Formal handelt es sich zwar um einen Manga, inhaltlich ist das Werk aber zutiefst europäisch und wurde 1996 auf dem Comic-Salon in Angoulême als bestes Album prämiert. Während die Figuren in Autoroute Du Soleil genau wie im japanischen Comic mal realistisch und mal überzeichnet als Karikaturen dargestellt werden, sind Landschaft, Gebäude und Autos immer sehr exakt der Realität nachempfunden.

Baru: Autoroute Du Soleil

Bei aller Action in der Handlung ist der Comic zugleich aber auch die teilweise sehr bittere Beschreibung einer Welt voller Hass, Rassismus und verratener Ideale. Formal und inhaltlich ist Autoroute Du Soleil ohne Zweifel ein absolutes Meisterwerk.

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