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Coogans großer Bluff

Coogans großer Bluff – der um ein Wort reduzierte Originaltitel Coogan’s Bluff ist zugleich auch der Name eines Aussichtspunkts in Manhattan – ist zwar in der damaligen 1968er-Gegenwart angesiedelt, dennoch handelt es sich um einen Western. Clint Eastwood spielt als Coogan einen “Mann ohne Vornamen“, der als Gesetzeshüter in eine große Stadt kommt und dort ohne Rücksicht auf die örtlichen Gepflogenheiten versucht einen Mörder dingfest zu machen um ihn seine Heimat Arizona zu verfrachten.

Coogans großer Bluff

Dabei geht es teilweise durchaus lustig zu und es ist sehr amüsant Eastwoods Gesicht zucken zu sehen, wenn er zum x-ten Mal aufgrund seines großen Cowboy-Huts für einen Texaner gehalten wird und immer wieder korrigiert, dass er aus Arizona kommt. Besonders vergnüglich ist wie der knorrige von Lee J. Cobb verkörperte New-York-Cop McElroy beständig und fast erfolgreich versucht Coogan auf die Palme zu bringen. Auch die sich langsam entwickelnde Beziehung zur liberalen Bewährungshelferin Julie bringt Humor in den Film und führt sogar dazu, dass Coogan sich am Ende des Filmes sich etwas menschlicher gegenüber seinem Gefangenen verhält.

Coogans großer Bluff
Coogans großer Bluff“ist der erste von fünf Eastwood-Filmen – darunter auch der drei Jahre später entstandene Auftakt der Dirty Harry-Serie – bei denen Don Siegel Regie führte (während Clint Eastwood in seinem Regiedebüt Sadistico Don Siegel als Schauspieler einsetzte) und hat sich erstaunlich gut gehalten. Es ist ein immer noch ein großer Spaß wie sich Coogan als Cowboy im Anzug souverän durch die New Yorker Flower-Power-Clubs bewegt, nichts gegen ein Techtelmechtel mit einem Hippie-Mädchen hat, aber nie seine Mission aus den Augen verliert.

Coogans großer Bluff

Endlich liegt dieser frühe Eastwood-Klassiker, der bereits zwei Jahre nach seinem letzten Italo-Western entstand – auf Blu-ray vor. Die Bildqualität reißt keine Bäume aus, auch wenn das Kunstblut jetzt wie Plaka-Farbe aussieht. Auch das Bonusmaterial wäre ausbaufähig gewesen, doch der Film selbst wirkt frisch wie am ersten Tag! Hier das Bonusmaterial der Blu-ray: Featurette mit einem Interview, das 1969 für „Ein Fressen für die Geier“ entstand (8:02 min), schwarzweiß und in sehr schlechter Bildqualität aber sehr interessant, wahlweise mit deutschen Untertiteln; US-Trailer (2:01 min); Eine interessant zusammengestellte Bildergalerie mit Musik (10:07 min)

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Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme

Der 1912 in Chicago geborene Donald Siegel begann seine Filmkarriere im Schneideraum von Warner Brothers und gestaltete hier auch die Montagesequenzen die den Klassiker Casablanca eröffneten. Siegels beiden ersten Kurzfilme, darunter die Dokumentation Hitler Lives?, wurden prompt mit dem Oscar ausgezeichnet. Daraufhin begann eine fruchtbare Periode als Spielfilmregisseur. Der erste Höhepunkt war der Science-Fiction-Klassiker Invasion der Körperfresser (von dem es drei Remakes gibt), während Flaming Star (1960) als bester Elvis-Presley-Film gilt (was allerdings nicht viel bedeutet).

Dirty Harry - Don Siegel und seine Filme

Höhepunkt in Don Siegels Karriere war zweifelsohne seine Zusammenarbeit mit Clint Eastwood. Insgesamt fünf recht unterschiedliche Werke drehte er mit dem durch seine Italo-Western zum Star gewordenen Darsteller. In Coogans großer Bluff (1968) war Eastwood ein Polizist aus Arizona mit Cowboy-Manieren, der nach New York geschickt wird. Im Western Ein Fressen für die Geier bildeten Eastwood und Shirley MacLaine (ursprünglich war Elisabeth Taylor vorgesehen) ein Dream-Team. Eine faszinierende Ausnahme im Werk von Siegel und Eastwood ist das seltsam-schillernde Bürgerkriegs-Südstaaten-Drama Betrogen, während Dirty Harry zu einem gewaltigen kommerziellen Erfolg wurde. An den Fortsetzungen beteiligte sich Siegel jedoch nicht mehr, sondern inszenierte 1979 mit Flucht von Alcatraz noch einen letzten Film mit Eastwood.

Dirty Harry - Don Siegel und seine Filme

Dies von insgesamt 24 Autoren gestaltete Buch ist eine höchst abwechslungsreiche Würdigung des zwar eher unauffälligen aber höchst einflussreichen Regisseurs. Die ersten Kapitel widmen sich dem „vergleichsweise subtilen und facettenreichen“ ersten Dirty Harry-Film und der Nachfolge-Werke, die diese Qualität nur sehr selten ereichten. Auch Siegels „Waffenbrüder“ erfahren hier eine Würdigung. Im Anschluss werden Siegels 39 Filmen auf jeweils zwei Seiten von diversen Autoren auf höchst unterschiedliche Weise interpretiert. Den Abschluss bildet dann eine umfassende Bio- und Filmographie. Nach der Lektüre des Buches wird klar, warum Clint Eastwood zugab, von Don Siegel „das meiste gelernt“ zu haben.

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Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

Clint Eastwood feierte am 31.5.2020 seinen 90. Geburtstag. Passend dazu und zu seinem neuen Film Der Fall Richard Jewell bringt der Schüren-Verlag Kai Blieseners Hommage an die Schauspielikone und den Meisterregisseur heraus. Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften ist keine reine Biographie, sondern mehr eine Collage aus biografischen, analytischen und filmhistorischen Texten ergänzt durch Interviews mit diversen Fachleuten, anhand derer der Autor sich seinem Idol, dessen Werdegang und Lebenseinstellung behutsam nähert.

Clint Eastwood - Mann mit Eigenschaften

Clint Eastwood, der sich als junger Mann mit harter, körperlicher Arbeit seinen Lebensunterhalt verdiente, kam eher zufällig zur Schauspielerei. In der Western-Serie Tausend Meilen Staub (Rawhide) wurde er erstmals dem amerikanischen Publikum vorgestellt, ehe ihn Sergio Leone in seinem Spagetti-Western Für eine Handvoll Dollar zu einer internationalen Größe machte.

Dollar-Western von Sergio Leone

Eastwood, der schon früh Interesse an der Arbeit hinter der Kamera zeigte, lieferte bereits 1971 seine erste Regiearbeit Sadistico (Play Misty For Me) ab, in der er auch eine der Hauptrollen spielte. Mit seiner Darstellung des schießwütigen Polizisten Dirty Harry setzte Eastwood nicht nur seine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem zweiten, für seine Karriere wichtigen Regisseur Don Siegel fort, sondern galt fortan auch als erzkonservativer Rechter.

Clint Eastwood - Mann mit Eigenschaften

Dabei bezeichnet sich Eastwood selbst weder als rechts- noch linksorientierter, sondern – in seinen eigenen Worten- als „liberaler“ Filmemacher, der mehr an Menschen und deren Geschichten als an Politik interessier ist. Tatsächlich – so das Resümee des Buches – besitzt Eastwood als Filmemacher heute den Stellenwert den Woody Allen einst hatte: Jeder Schauspieler, der was auf sich hält, möchte einmal in einem seiner Filme mitspielen.

Clint Eastwood - Mann mit Eigenschaften

Kann man es Clint Eastwood da verübeln, dass er 1973  gemeinsam mit John Wayne, Charlton Heston und Glenn Ford einer Einladung Richard Nixon ins Weiße Haus folgte, um sich von diesem vor den republikanischen Wagen spannen zu lassen? Schließlich geht in Hollywood nichts ohne Beziehungen.

Gran Torino

Doch auch auf Clint Eastwoods vielleicht fragwürdigsten Auftritt kommt im Buch zur Sprache. Im Interview mit Jo Schuttwolf geht es um die Frage, ob man sich als Eastwood-Fan für dessen Rede auf dem Parteitag der Republikaner 2012 fremdschämen muss. Jo Schuttwolf beantwortet das mit einem klaren Ja.

Mystic River

Derlei Ausrutscher neutralisierte der gealterte Cowboy mit Erbarmungslos (1991) seinen letzten Western, der sein reifes Spätwerk mit zahlreichen  preisgekrönten Dramen einläutete. Etliche Meisterwerke wie Mystic River, Million Dollar Baby und Gran Torino folgten.

Million Dollar Baby

Ein fundiertes, gut 25-seitiges Essay des renommierten Filmjournalisten Georg Seeßlen bildet den Abschluss des Buchs und wertet es deutlich auf. Seeßlens Text ist sehr viel fundierter und kunstvoller als die Beiträge der anderen, eher unbekannten Autoren und Eastwood-Spezialisten.

Matthias Schäfer

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Letters from Iwo Jima

Nachdem Clint Eastwood mit Flags of our Fathers einen verhalten kritischen und chaotisch strukturierten Film über US-Heldenpropaganda im Zweiten Weltkrieg drehte, wechselte er direkt im Anschluss an die Dreharbeiten die Fronten. Letters from Iwo Jima spielt am selben Kriegsschauplatz. Der Film schildert die blutige Schlacht um die Pazifikinsel Iwo Jima jedoch aus der Sicht der japanischen Soldaten, die vergeblich versuchen einen technisch weit überlegenen und oft unmenschlich operierenden Gegner aufzuhalten.

Letters from Iwo Jima

Hauptfiguren des sich an erst kürzlich aufgefundene Soldatenbriefe orientierenden Films sind der besonne Generalleutnant Tadamichi Kuribayashi (Ken Watanabe aus Batman Returns und Inception) und der Bäcker Saigo, der hofft zu überleben, um einmal seine neugeborene Tochter sehen zu können. Kuribayashi, der genau wie der ihm unterstellte Baron Nishi, ein Olympia-Sieger im Springreiten, die USA bereist hat und das Land bewundert, weiß dass er keine Chance gegen die Hightech-Armee hat. Er setzt aber trotzdem alles daran, es den US-Streitkräften so schwer wie möglich zu machen…

Letters from Iwo Jima

Eastwood stellt in kurzen (diesmal aber sinnvollen) Rückblenden die Hauptfiguren vor und lässt sich Zeit die Ruhe (und Angst) vor dem Sturm zu schildern. Die dann folgenden Kampfszenen wirken ähnlich drastisch wie in Der Soldat Ryan. Doch im Gegensatz zu seinem damals regieführenden Produzenten Steven Spielberg gelang Eastwood ein trotz seiner nicht gerade kurzen Laufzeit durchgehend bewegender Film über die Schrecken des Krieges.

Flags of our Fathers

Dieser schnitt an der Kinokasse sogar besser ab als Flags of our Fathers, obwohl die Farben so blass waren, dass es fast wie Schwarzweiß wirkte und nur die japanische Originalfassung mit Untertiteln gezeigt wurde. Auf DVD gab es zu Letters from Iwo Jima seltsamerweise eine deutsche Tonspur.

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Flags of our Fathers

Es ist eins der bekanntesten Fotos überhaupt und zeigt wie sechs US-Soldaten anscheinend unter großen Schwierigkeiten einen Mast mit einer Flagge aufrichten. Das Bild entstand im Februar 1945 auf dem Mount Suribachi, der auf der japanischen Pazifikinsel Iwo Jima lag und Schauplatz einer blutigen Schlacht war. Das Foto wurde in den USA sehr häufig abgedruckt (und diente später auch als Vorlage für ein National-Monument), um zu zeigen, dass die amerikanischen Streitkräfte langsam aber sicher dabei waren den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen. Drei jener sechs US-Soldaten überlebten die Schlacht um Iwo Jima und tourten anschließend durch ihr Heimatland um für Kriegsanleihen zu werben.

Flags of our Fathers

Doch das vom Fotografen Joe Rosenthal aufgenommene Bild zeigt lediglich das zweite Hissen der US-Flagge, das unter relativ ungefährlichen und sicheren Bedingungen durchgeführt werden konnte. Ein hoher Militär wollte die zuerst gesetzte Fahne als Souvenir haben und befahl einen Austausch der Flagge. Somit hatten die drei durch die USA tingelnden Soldaten mehr oder weniger große Schwierigkeiten damit, sich als Helden feiern zu lassen und vor großem Publikum einen Pappmaché-Felsen zu stürmen. James Bradley, der Sohn eines der “Fahnenhisser“, schrieb einen Bestseller über seine Recherchen zur Vergangenheit seines Vaters.

Flags of our Fathers

Clint Eastwood verwandelte das Buch in einen verhalten kritischen Film, der in bleichen Bildern und durch eine auf vielen Zeitebenen spielende etwas wirr anmutende Erzählstruktur versucht sein Thema langsam einzukreisen. Flags of our Fathers soll zeigen, dass viele Menschen ein Bild vom Heldentum in sich herumtragen, dem sie unmöglich gerecht werden können. Doch diese Aussage erscheint etwas lauwarm. Sehr viel spannender ist es, wenn ganz nebenbei gezeigt wird, wie naive junge Männer für Propagandazwecke eingesetzt werden (und einer der drei Soldaten, der scheue Indianer Ira Hayes, dadurch in den Alkoholismus getrieben wurde).

Letters from Iwo Jima

Zum selben Thema drehte Eastwood gleich anschließend den Film Letters from Iwo Jima, der die selben Ereignisse aus japanischer Sicht schildert und sehr viel interessanter ausfallen ist.

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Hereafter – Das Leben danach

Clint Eastwood hatte sich nach dem grandiosen Gran Torino als Darsteller (erst einmal) verabschiedet und wollte fortan  als Regisseur nur noch Filme drehen, die ihm wichtig sind. Mit Invictus – Unbezwungen gelang ihm ein warmherziger Film über Nelson Mandelas Kampf gegen die Apartheid in Südafrika. Doch was reizte Eastwood 2010 daran, eine erschreckend konventionelle Spielberg-Produktion über die Konversationen mit Toten in Szene zu setzen?

Hereafter – Das Leben danach

Hereafter – Das Leben danach erzählt gleich drei Geschichten, die sich langsam aber sicher aufeinander zu bewegen. In San Francisco arbeitet George Lonneman (Matt Damon) als Lagerist, obwohl er einst viel Geld dadurch verdiente, dass er bei Berührung von Menschen mit deren verstorbenen Freunden und Verwandten Kontakt aufnehmen konnte. Doch diese Fähigkeit bescherte George kein Glück, denn es ist ihm unmöglich eine Beziehung zu führen.

Hereafter – Das Leben danach

Die erfolgreiche französische Journalistin Marie Lelay (Cécile de France) hat in Thailand zwar eine Tsunami-Katastrophe überlebt, doch die damit verbundene Nahtod-Erfahrung führte dazu, dass sie ihr Leben in Paris nicht mehr in den Griff bekam. In London muss der 12-jährige Marcus erleben, wie sein Zwillingsbruder Jason bei einem Unfall ums Leben kommt und er versucht danach alles Mögliche um mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Hereafter – Das Leben danach

Verfasst hat diese Ansammlung von Klischees über das Leben nach dem Tode immerhin Peter Morgan, der Experte für anspruchsvolle Polit-Dramen wie Die Queen oder Frost/Nixon. Auch hier bleibt nach Sichtung des Filmes unklar, warum uns Morgan ein so vorhersehbares Fantasy-Mischmasch servierte und dieses auch noch erschreckend lahm enden ließ.

Hereafter – Das Leben danach

Als Regisseur versuchte Clint Eastwood zu retten, was zu retten ist. Die internationalen Schauplätze hat er in schönen Bildern eingefangen, der von ihm komponierte Soundtrack sorgt für die passende Stimmung und die Darsteller machen ernste Gesichter, wenn sie dumme Dinge sagen.

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Blood Work

Genau wie 10 Jahren zuvor in Wolfgang Petersens In the Line of Fire ist Clint Eastwood 2002 wieder als Profi zu sehen, der in die Jahre gekommen ist und sich noch einmal beweisen muss, dass er es noch draufhat. Diesmal spielt er den pensionierten FBI-Profiler Terry McCaleb. der von der Schwester eines Opfers beauftragt wird den berüchtigten „Code-Killer“ zu fangen. Bei der Jagd auf diesen Mörder erlitt er zwei Jahre zuvor einen Herzinfarkt und war gezwungen sich in den Ruhestand zu begeben.

Blood Work

Trotz dieser eigentlich hochdramatischen Geschichte setzt der Regisseur Clint Eastwood den Film (und damit auch den Darsteller Eastwood) sehr entspannt in Szene. Turbulente Action oder brutale Gewalt sind dabei absolute Mangelware. Doch gerade dank seiner schnörkellosen Gradlinigkeit nimmt der Film seine Geschichte und Figuren sehr viel ernster als die meisten zeitgleich entstandenen schnellgeschnittenen Hochglanz-Thriller.

Blood Work

Dabei ist Mc Caleb meilenweit entfernt vom einsamen Wolf Dirty Harry Calahan. Er wohnt auf einem alten Boot, sucht die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und findet in seinem ulkigen Nachbarn Buddy (Jeff Daniels in einer ungewohnten Rolle) einen allerdings etwas nervigen Partner. Unaufhaltsam arbeitet dieses ungleiche Duo auf ein wirklich überraschendes Finale hin.

Blood Work

Extras der DVD:  “Making Blood Work“, eine 18-minütige recht interessante Dokumentation über die Dreharbeiten, wie alle Extras wahlweise mit deutschen Untertiteln; Interviews mit Clint Eastwood, Wanda De Jesús und Paul Rodriguez auf Englisch und Spanisch mit englischen, deutschen und spanischen Untertiteln (14:21 min); Zwei US-Kinotrailer (0:54 min + 1:33 min, 1 : 2,35, anamorph, Stereo 2.0); Zwei Texttafeln mit Angaben zu Cast & Crew

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Mystic River

Im Bostoner Arbeiterviertel East Buckingham werden die drei Kinder Jimmy Markum, Sean Devine und Dave Boyle von zwei angeblichen Polizisten wegen einer Bagatelle aufgegriffen. Dave wird „verhaftet“ und in ein Auto gezerrt. Anschließend wird er von den beiden Männern in einem Kellerraum mehrere Tage vergewaltigt.

Mystic River

25 Jahre später wird die 19-jährige Tochter von Jimmy (Sean Penn) brutal ermordet. Bei seinen Ermittlungen findet der jetzt für die Polizei arbeitende Sean (Kevin Bacon) zahlreiche Indizien, die andeuten, dass der psychisch immer noch unter den Folgen der Kinderschändung leidende Dave (Tim Robbins) den Mord begangen hat.

Mystic River

In diesem auch als spannender Thriller funktionierenden Film stellen sich die von Sean Penn und Kevin Bacon verkörperten Figuren immer wieder die Frage, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie anstelle von Dave in den Wagen gezerrt worden wären. Doch anstatt mit ihren Freund offen darüber zu reden, verbringen sie so wenig Zeit wie möglich miteinander und ihre Wege kreuzen sich erst wieder durch tragische Umstände.

Mystic River
In seinem zuvor entstandenen etwas konventionelleren (aber durchaus gelungenen) Film Blood Work, der ebenfalls nach einem Drehbuch von Brian Helgeland (Ritter aus Leidenschaft) entstand, spielte Clint Eastwood auch noch die Hauptrolle. Bei Mystic River begnügt er sich 2003 damit den Film mit viel Sinn für atmosphärische Details zu inszenieren. Das Resultat ist ganz sicher eins der gelungensten Werke im abwechslungsreichen Oeuvre Eastwoods.

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Million Dollar Baby

Frankie Dunns (Clint Eastwood) Leben dreht sich um den Boxring. Er hat Boxer trainiert und diesen eingehämmert auf ihre Deckung zu achten. Hinter seiner harten Schale verbirgt sich ein sehr weicher Kern, denn Dunn zögerte immer, wenn es darum ging seine Schützlinge gegen starke Gegner antreten zu lassen.

Million Dollar Baby

Daher verließen ihn viele später erfolgreiche Boxer und andere Manager haben Ruhm und Geld geerntet. Seit einiger Zeit trainiert schon eine gewisse Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) in Dunns Trainingscenter. Sie ist mit mehr als 30 Jahren eigentlich schon zu alt für eine Box-Karriere, doch ihre Hartnäckigkeit beeindruckt Dunn…

Million Dollar Baby

Zunächst sieht es so aus wenn Clint Eastwood hier eine weibliche Rocky-Variante, ergänzt um ein von ihm selbst verkörpertes sentimentales Portrait eines langsam in Rente gehenden Box-Trainers, präsentieren will, doch der erste Eindruck täuscht. Trotzdem ist Million Dollar Baby nicht ohne Schwächen und ein leichter Rückschritt gegenüber Mystic River, der vorherigen Regiearbeit Eastwoods.

Million Dollar Baby

Einen eher aus dem Kino als aus dem Leben entnommenen Charakter wie den unnahbar wirkenden Frankie Dunn, der in Maggie langsam aber sicher einen Ersatz für die eigene entfremdete Tochter sieht, spielt Eastwood natürlich schon fast im Blindflug. Dies scheint ihm auch bewusst zu sein, daher schickt er Dunn als Variante zu seinen sonstigen ähnlichen Rollen täglich in die Kirche. Doch auch durch kurze theologische Diskussionen mit dem genervten Pfarrer wird Dunn nicht wirklich zu einer runderen Persönlichkeit.

Million Dollar Baby

Auch der seltsamerweise Oscar-prämierte Morgan Freeman als Maggies etwas weniger harter und etwas herzlicher zweiter Mentor ist eher klischeehaft. Doch das gleicht die völlig zu Recht mit einem Oscar ausgezeichnete Hilary Swank (Boys Don´t Cry) als Maggie locker aus, die voller Dynamik und Humor aber durchsetzt mit tragischen Zwischentönen die hartnäckige Maggie verkörpert.

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Invictus – Unbezwungen

Ein Jahr nachdem er 2008 mit Gran Torino eine grandiose Vorstellung als Darsteller gab, schien der Regisseur Clint Eastwood bei seinem nächsten Projekt auf Nummer Sicher zu gehen. Mit einem Film über die Apartheid in Südafrika (bzw. dem Ende davon) dürften in den USA die entsprechenden Betroffenheitsgefühle geweckt werden, zumal der Schauplatz nicht direkt vor der eigenen Haustür liegt.

Invictus - Unbezwungen

Passend dazu ist der väterliche Morgan Freeman, der schon zweimal sehr glaubhaft den lieben Gott spielte, eine allzu offensichtliche Wahl für die Darstellung eines übermenschlich guten Nelson Mandela. Das hätte ganz schön ins Auge bzw. auf die Nerven gehen können, auch weil Morgan Freemans Filmfiguren oft so erhaben wirken, dass ihnen kaum noch Alltäglichkeiten wie Klo-Besuche zuzutrauen sind. Es wäre auch für dem größten Gutmenschen etwas zu viel gewesen, Freeman zwei Stunden lang dabei zuzusehen, wie er den Märtyrer im Knast gibt, der auf seine Freilassung verzichtet, weil ihm dies politische Mäßigung abverlangt hätte.

Invictus - Unbezwungen

Doch zum Glück geht Eastwood mit Invictus einen völlig anderen Weg. Sein auf dem Buch Playing the Enemy: Nelson Mandela and the Game That Made a Nation von John Carlin basierender Film beginnt im Jahre 1994 als Mandela bei den ersten freien Wahlen zum Präsidenten von Südafrika gewählt wurde. Seine Kampfgenossen erwarten von ihm, dass er nun den Spieß umdreht. Doch Mandela feuert keine Regierungsangestellten nur wegen ihrer blassen Hautfarbe.

Invictus - Unbezwungen

Clint Eastwood konzentriert sich innerhalb der Geschichte hauptsächlich auf zwei Randgebiete, die zugleich auch beliebte Genres des US-Kinos sind. Recht heimisch dürfte er sich in der Welt der Leibwächter des Präsidenten gefühlt haben, schon durch seine überzeugende Darstellung eines Bodyguards in Wolfgang Petersens In the Line of Fire. In kurzen aber markanten Szenen zeigt Eastwood hier eine Macho-Welt in der ehemals Unterdrückte, die sicher nicht zufällig an Black-Panther-Aktivisten erinnern, plötzlich mit ehemaligen Gegnern – knüppelharten weißen Spezialagenten – zusammenarbeiten müssen.

Invictus - Unbezwungen

Noch ausführlicher wird vom erfolglosen fast ausnahmslos aus weißen Spielern bestehenden südafrikanischen Rugby-Team erzählt. Diese sogenannten “Springboks“ wurden von den schwarzen Zuschauern im Stadion als Relikt der Apartheid angesehen und ausgepfiffen. Als 1995 die Rugby-Weltmeisterschaften in Südafrika stattfanden, machte es sich Mandela zur Chefsache die “Springboks“ und deren Kapitän Francois Pienaar (Matt Damon) aufzupäppeln.

Invictus - Unbezwungen

Clint Eastwood kann ganz sicher vorgeworfen werden, dass er die südafrikanischen Verhältnisse gelegentlich allzu stark amerikanisiert. So erinnern das Amtszimmer des Präsidenten an das “Oval Office“ und die Diskussionen unter den Regierungsmitgliedern an einschlägige Film- oder TV-Darstellungen der Verhältnisse im Weißen Haus. Auch die Mär vom Erfolg im Sport durch den alle Rassenschranken überwunden werden können, wurde schon einige Male zu häufig (und in Invictus vielleicht ein wenig zu ausführlich) erzählt.

Invictus - Unbezwungen

Doch zum Glück sind dies nur Zutaten zu einem insgesamt sehr schlüssigen und äußerst warmherzigen Film. Dankbar darf man dem Regisseur dafür sein, dass er die Angst vor einem Anschlag auf den Präsidenten per Zivilflugzeug sehr hübsch ins Leere laufen lässt. Einige Male dürfte kaum ein Auge trocken bleiben. Etwa wenn der Film zeigt wie das elitäre Rugby-Team von Mandela dazu verdonnert wird mit schwarzen Ghetto-Kindern zu trainieren und dann – im wahrsten Sinne des Wortes – spielerisch Berührungsängste überwunden werden.

Invictus - Unbezwungen

In Erinnerung bleibt auch Matt Damons Gesichtsausdruck als er jene kleine Gefängniszelle aufsucht, in der Nelson Mandela jahrelang inhaftiert war oder jene kurze Szene, die zeigt, dass es plötzlich für eine weiße Mittelschichtfamilie kein Problem mehr ist die schwarze Hausangestellte mit zum Rugby-Finale ins Stadion zu nehmen. Es erstaunt einmal mehr was für ein reifer Regisseur (und Mensch!) aus dem einstigen Darsteller wortkarger Revolvermänner geworden ist.

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