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Star Trek/Planet der Affen

Manchmal werden Dinge wahr, von denen man nie gewagt hätte zu träumen. Fast 50 Jahre nachdem der Klassiker “Planet der Affen“ ins Kino kam, trifft der von Charlton Heston verkörperte Astronaut George Taylor nicht nur auf erstaunlich weit entwickelte Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas, sondern auch auf die Crew des seinerzeit ebenfalls durchs All (bzw. TV) reisende Crew der U. S. S. Enterprise.

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Dass es sich dabei nicht um ein aufwändiges Film-Projekt sondern “nur“ um eine aus fünf Heften bestehenden Comic-Miniserie handelt, trübt die Freude kein bisschen. Die als Autoren fungierenden Brüder Scott und David Tripton kennen sich in beiden Welten bestens aus und wahrscheinlich hätte selbst Mr. Spock deren Story für halbwegs logisch und faszinierend befunden . Als das Crossover auslösende Element setzten die Triptons auch noch die nicht völlig zugeschminkten Ur-Klingonen der klassischen Star Trek TV-Serie ein.

Star Trek/Planet der Affen
Variant-Cover von Juan Ortiz

Ein kleines Highlight des Comics ist ein Faustkampf zwischen Taylor und Kirk. Zum Glück hatte der US-Verlag IDW, bei dem zur Zeit die Comicversionen zu Star Trek und Planet of Apes erscheinen, auch die auch die “Likeness Rights” am Aussehen der Darsteller erworben. Daher – und natürlich auch weil der Zeichner Rachael Scott dazu in der Lage ist – kann hier „wirklich“ erlebt werden, wie Charlton Heston und William Shatner aufeinander losgehen.

Star Trek/Planet der Affen
Dieses IDW-Variant-Cover fehlt in der Cross Cult Ausgabe

Ein weiteres Plus dieses bei Cross Cult erschienenen Sammelbands ist, dass auch fast alle der teilweise von prominenten Zeichnern wie George Pérez und J. K. Woodward gestalteten Variant-Titelbilder enthalten sind, auf denen sehr phantasievoll key moments der beiden Science Fiction Mythen verschmelzen.

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Gotham Central # 1: Erfüllung der Pflicht

Gotham City – die dunkle Stadt – eine Stadt wie ein Sumpf: Die wohl härteste Stadt im DC Universum ist zweifelsohne GOTHAM CITY. Die “Stadt der Schatten“ – Territorium für jede Art von Kriminalität und organisiertem Verbrechen und das Zuhause und der Tummelplatz von unzähligen Geisteskranken, Mördern und Freaks in abgefahrenen Kostümen. Schauplatz außergewöhnlicher Ereignisse Katastrophen und Schicksalsschläge ohne Zahl. Was ist dieser Stadt nicht schon alles widerfahren? Seuchen und ein Erdbeben – so schwer, dass sie sogar für kurze Zeit vom Rest von Amerika abgeschnitten wurde: Niemandsland.

Gotham Central
Softcover-Cover

Der Name soll auf Batman-(Mit-)Erfinder Bob Kane selbst zurückgehen: Spricht man ihn schnell aus, so hört es sich an wie “God damned“ – von Gott verdammt. Kane hatte am Anfang ganz klar seine Stadt New York vor Augen und die Zustände, die damals vorherrschten. Andere Erklärungsversuche für den Namen sind „homestead where goats are kept“ und wird ausgesprochen wie „goat ‚em“. Ferner ist “Goth“ (wie in Gothic) Bestandteil des Names, welches für “dunkel, düster und schaurig“ steht. Fakt ist auf jeden Fall, dass der Spitzname von New York seit dem 18. Jahrhundert Gotham City war und im öffentlichen Bild der Stadt war der Namenszug allgegenwärtig. Der Name ist bis heute Programm geblieben.

Gotham Central

Was hat diese Stadt nicht alles schon erlebt! Wurde in DETECTIVE COMICS #31 (Sep. 1939) noch erwähnt, Batman würde in New York City leben, so änderte sich der Namen der Stadt in BATMAN #4 (Winter 1941) zu GOTHAM CITY – und dieser Name ist es auch noch heute.

Gotham Central

Ein Kind – Bonnie Lewis – ist entführt worden und die beiden Detectives Marcus Driver und Charlie Fields gehen einem Tipp nach, dem sie zwar keine großen Erfolgsaussichten zuschreiben, aber sie möchten nichts unversucht lassen – schließlich handelt es sich ja um ein Kind. Aber statt, dass sie in der angegebenen Hoteladresse irgendeine Spur von möglichen Entführern finden, steht ziemlich unvermittelt Mr. Freeze in der Tür und dieser tötet auch sogleich Fields und flieht. Für Driver ein schwerer Schlag, der ihn sehr persönlich trifft. Driver bittet den Commissioner Michael Akins, Batman aus diesem Fall herauszuhalten. Der Fall scheint noch komplizierter zu werden, als kurz darauf der Gehilfe von Mr. Freeze schockgefroren in einem Laster aufgefunden wird. Was hat Mr. Freeze vor? Die Ermittlungen der “Major Crimes Unit“ bringen aber keine Hinweise. Überall gehen sie möglichen Spuren nach: Juwelierhändler, ehemalige Gehilfen von Mr. Freeze, Einrichtungen von medizinischen Großgeräten. Das einzige, was sie ermitteln ist, dass Mr. Freeze wohl den Odessa Mob um sehr viele Diamanten erleichtert hat.

Gotham Central

Immer wieder erinnert Driver sich an die Worte von Freeze und stellt sich die Frage, warum er ihn hat überleben lassen? Und plötzlich kann er eine Verbindung zu einem Event des bevorstehenden Abends ziehen: Freeze will dem G.C.P.D. eine Lektion erteilen und es muss etwas mit der Vergangenheit zu tun haben. Heute Abend bekommt der ehemalige Commissioner James Gordon die Ehrendoktorwürde der Gotham State University verliehen – und alle werden da sein! Die Zeit drängt und so willigt er ein, Batman zu rufen. Interessant ist die Bemerkung von Driver: “Wir rufen ihn mit dem Bat-Signal, damit er Mr. Freeze festnagelt, dürfen aber nicht zugeben, dass es ihn gibt!“

Gotham Central

Trotzt eines Riesenaufgebots von Polizisten gelingt es Mr. Freeze unbemerkt auf das Dach der Universität zu gelangen und sich an der Klimaanlage zu schaffen zu machen. Aber er kann sein Ziel nicht erreichen, denn im letzten Moment erscheint Batman. Driver ist enttäuscht, dass diesen Fall die Polizei nicht alleine lösen konnte.

Gotham Central

Detective Marcus Driver bekommt einen neuen Partner: Detective Romy Chandler. Zusammen sollen sie wieder in der Entführung ermitteln. Aber aus der Entführung ist mittlerweile der Mordfall “Bonnie Lewis“ geworden. Bonnie hatte in der Nacht ihres Verschwindens in der Nachbarschaft Babysitterdienst und war danach nicht mehr nach Hause gekommen. Eine nochmalige Befragung des Paares – Mr. Und Mrs. Combs – auf dessen Baby sie aufgepasst hatte, bringt keine neuen Erkenntnisse. Von Bonnies Eltern erhalten sie ein Tagebuch und gehen einigen Spuren nach: In der Schule ist sie wohl Nachstellungen von zwei Mitschülern ausgesetzt gewesen.

Gotham Central

Noch ein anderer Fall beschäftigt die MCU: Ein Brandstifter treibt in Gotham City sein Unwesen. Man geht davon aus, dass es Firebug (Joseph Rigger) ist. Driver und Chandler machen die Jungen ausfindig und erfahren, dass die beiden von Bonnie Lewis einen Batarang stahlen, den sie auf der Strasse gefunden hatte. Sie meinten, so etwas sei nicht für Mädchen und außerdem wollten sie ihn über das Online-Aktionshaus G-Bay verkaufen….. sie kommen als Mörder nicht in Frage.

Gotham Central

Noch zwei weitere Spuren gibt es: Von Molly – Bonnies bester Freundin – erfahren sie, dass Bonnie in dem Schrank von einer Nachbarin der Combs gestöbert hatte und peinliche Fotos gefunden hatte. Die andere Spur ist ein obdachloser Penner im Wald ganz in der Nähe der Combs – nach dem Babysitten pflegte Bonnie immer auf dem Nachhauseweg hierdurch zu gehen. Nachts warten Driver und Chandler dem Obdachlosen im Park auf – dieser leistet aber Gegenwehr und wird von Driver niedergeschlagen.

Gotham Central

Inzwischen konnte die Polizei den Aufenthaltsort von Joseph Rigger – Firebug – ausfindig machen. Sie können ihn stellen, er stürzt sich aber aus dem Fenster; schwer verletzt bleibt er auf einem Autodach liegen. in seiner Wohnung finden die Polizisten aber kein Kostüm und keine Feuerwerfer. Im Krankenhaus erwacht, behauptet er alles über ein Auktionshaus als Sammlerstück verkauft zu haben – anonym. Einmal jedoch habe er sich mit dem Käufer getroffen, um ihn in den Gebrauch der Ausrüstung einzuweisen.

Gotham Central

Die Ermittlungen treten auf der Stelle – da erkennt Driver, wie die verschiedenen Hinweise eventuell zusammenhängen könnten: Er bittet Combs aufs Revier um den vermeintlichen Täter – den Obdachlosen – zu identifizieren: Aber nicht nur die Polizei ist auf dem Revier, sondern auch der arg bandagierte Joseph Rigger. Von Combs unerkannt, erkennt er hingegen in Combs den Käufer seiner Ausrüstung. Eine eiligst durchgeführte Hausdurchsuchung ergibt tatsächlich, dass dort die Ausrüstung von Firebug versteckt ist. Bonnie hatte sie auch beim Rumschnüffeln in fremden Schränken entdeckt – das war der Grund für ihren Mord. Combs ist ein gelangweilter Millionär, der auf der Suche nach einem neuen Kick ist .Driver benutzt das Bat-Signal um ihn zu rufen. Stolz erzählt er Batman, dass sie den Fall ganz ohne seine Hilfe gelöst haben.

Gotham Central

Atmosphärisch dicht kommen die Storys daher – Kriminalgeschichten aus dem Batman-Universum – und kommen (fast) ganz ohne die Fledermaus aus. Die Polizeieinheit in Gotham City bekommt hier Leben eingehaucht, ihre Arbeit und ihr Alltag werden hier vorgestellt. Zwischenmenschliche Dialoge von ganz normalen Menschen, die darüber hinaus noch Polizisten in Gotham City sind.

Gotham Central

Die Zeichnungen sind handwerklich solide und sauber. Die überaus spannenden Geschichten werden durch die Zeichnungen von Michael Lark sehr gut transportiert – seine Licht- und Schatteneffekte heben die Stimmung hervor und tauchen die Handlungen und deren Orte in unvergleichliche – real wirkende – Bilder. Die Zeichnungen lassen den agierenden Personen die Hauptrolle. Lark versteht es, dass alle Personen einen ganz eigenen Charakter bekommen – seine Fähigkeit, dass alle Personen anders aussehen – aber dieselbe Person immer wieder gleich – ist beeindruckend und im Comicgeschäft in dieser Deutlichkeit eine Seltenheit. Die Personen haben alle eine Mimik und Gestik, die sehr klar herausgearbeitet ist und immer wiederkehrt. Mitunter hat man das Gefühl, einen Film zu sehen – die Übergänge sind fließend.

Gotham Central

Die klare Aufteilung der Seiten in Panels gibt den Geschichten einen älteren Touch, was aber in keiner Weise als Nachteil wirkt – ganz im Gegenteil, sie unterstreichen den Lesefluss, die Handlungen und Dialoge. Die Serie wurde in Amerika mit vielen Preisen bedacht und man darf hoffen, dass durch die augenblickliche Fernsehserie GOTHAM das Interesse an dieser Stadt verstärkt geweckt wurde und dass weitere Bänder – der immerhin 40-teiligen Serie – bei uns veröffentlicht werden.

Norbert Elbers

Gotham Central: Bd. 1: In Erfüllung der Pflicht, enthält: US-Gotham Central: #1 bis #5 (Februar 2003 bis Juni 2003); Text: Greg Rucka und Ed Brubaker; Zeichnungen: Michael Lark; aus dem Amerikanischen von Christian Heiß; Prestige; Softcover: € 14,99, auf 555 Exemplare limitierter Hardcover: € 25,00; 124 Seiten; farbig; Cover von Michael Lark; Panini/DC Comics

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Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Das sind sechs ganz schön dicke Wälzer in denen Schreiber & Leser die Gesamtausgabe von Terry Moores Serie “Strangers in Paradise“ veröffentlicht. Band 4 enthält auf 370 schwarzweißen Seiten den Inhalt von 19 US-Heften und das ist eine Menge Lesestoff, zumal Moore gelegentlich auch Seiten mit Prosatexten eingebaut hat.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Doch wer sich auf die Lektüre einlässt, wird das Buch so schnell nicht aus der Hand legen. Zentrales Thema ist die komplizierte Liebesgeschichte zwischen Francine Peters und Katina Choovanski alias Katchoo. Während die etwas mollige Francine sich ein eher spießiges Leben als glückliche Ehefrau wünscht, möchte Katchoo an der Seite ihrer Freundin glücklich werden. Doch Francine traut sich nicht so recht das andere Ufer zu betreten und wenn doch, dann kommt immer etwas dazwischen.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Das mag vielleicht nicht nach einem Konzept klingen, das 2000 Comicseiten lang trägt, doch da Katchoo eine Frau mit einer äußerst bewegten und sehr kriminellen Vergangenheit ist, wird neben Herz und Schmerz auch reichlich – teilweise ganz schön heftige – Action geboten. Was jedoch am meisten für “Strangers in Paradise“ spricht, ist Terry Moores Experimentierfreudigkeit. Äußerst geschickt spielt er mit verschiedenen Zeitebenen, riskiert einen Blick auf das zukünftige Leben seiner Hauptfiguren, lässt diese in einem Disney-Zeichentrickfilm auftreten oder die Underground-Comix-Legende Robert Crumb einen kleinen Gastauftritt absolvieren. Das alles kann natürlich nur funktionieren, weil Terry Moore nicht nur ein begnadeter Erzähler sondern auch ein ebensolcher Zeichner ist.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Bei Schreiber & Leser erscheint übrigens auch Terry Moores neue Serie “Rachel Rising“.

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Mawil: The Singles Collection

Es scheint fast so als wäre es gestern gewesen, als Markus Witzel alias Mawil die Comicfreunde mit dem epischen Buch “Kinderland“ überraschte. Im Rahmen einer nicht nur lustigen Geschichte zeigte er, was es bedeutete während der letzten Tage der DDR im östlichen Teil Deutschlands aufzuwachsen. Als Zugabe gab es noch ein sich über 30 Seiten hinziehendes Tischtennis-Match. Etwas mehr als ein Jahr später folgt ein ebenfalls recht umfangreiches Buch, diesmal als Hardcover im LP-Format. Einmal mehr zeigt sich hier, was für ein vielseitiger Comickünstler Mawil ist.

Mawil: The Singles Collection

Seit 2006 veröffentlicht die Berliner Zeitung “Der Tagesspiegel“ regelmäßig am Sonntag farbige Seiten von Marwil, im Wechsel mit Comics von Arne Bellstorf, Tim Dinter, Olivia Vieweg („Huck Finn„) und Flix („Schöne Töchter„). Neben Geschichten über Frauen sind die zentralen Themen auf Mawils Comicseiten Hasen und Fahrräder (einmal fährt sogar ein Hase Fahrrad!). In Sachen Zeichenstil, Farbgebung und Layout des quadratischen Seitenformats zeigt sich Mawil auch hier sehr experimentierfreudig. Dennoch haben fast alle Seiten den typischen schwer zu beschreibenden rotzig-niedlichen Mawil-Touch.

Mawil: The Singles Collection

Der Sammelband “The Singles Collection” enthält nicht nur sämtliche Comics, die Mawil im “Tagesspiegel“ bis Mitte 2015 veröffentlichte, sondern auch einige Seiten, die die Redaktion ablehnte. Bei einem Comic machte Mawil 2007 zu viel (ironisch zugespitzte) Eigenwerbung für seinen neuen Comic “Action Sorgenkind“. Ein betont auf schnell hingerotzt getrimmter “Notfallcomic“ musste bisher noch nicht eingesetzt werden, da Mawil bisher immer pünktlich lieferte. Eine Comicseite, die Mawil im Stile seiner ersten längeren Story “Strandsafari“ gestaltete, war der Redaktion hingegen zu konfus.

Mawil: The Singles Collection

Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sich dem Leser der Sinn der übrigen Comics problemlos erschließt. Bei so mancher Geschichte habe ich mich schon gefragt, worum es eigentlich genau geht. Doch Mawil gelang es fast immer inhaltliche Bedenken – bzw. das verzweifelte Suchen nach einem Sinn – durch ein kunstvoll verspieltes Seitenlayout zu neutralisieren.

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Mawil: Die Band

Es ist ja eine Art (deutscher) Volkssport Kulturschaffende (aber auch Sportler) zunächst in den höchsten Tönen in den Himmel zu loben und sie dann fröhlich nieder zu machen. In diese Tradition möchte ich mich nicht einreihen. Daher seien zunächst noch einmal Mawils auf höchst unterschiedliche Art mehr als großartig gelungenen Comics „Strandsafari“ und „Wir können ja Freunde bleiben“ erwähnt, sowie seine ebenso empfehlenswerte Beiträge zu „Teufel und Pistolen“ und „Rückenwind„.

Mawil: Die Band

Bei diesen formal wie inhaltlich herausragenden Comics kann (und will?) „Die Band“ nicht mithalten. Mawil erzählt von seinen Erlebnissen in der Kombo „Tine Melk“. Lose kommen dabei Erinnerungen zu Alan Parkers Film „Commitments“ auf, etwa wenn am Ende des Comics kurz geschildert wird, was die ehemaligen Musiker heute machen. Doch Mawils erzählte Episoden wirken leider meist etwas banal und erinnern an langweilige eigene Erlebnisse, die lieber vergessen als erzählt werden.

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Formal ist das jedoch alles einmal mehr im ebenso lockeren wie unverkennbar eigenen Stil zu Papier gebracht. Sobald dann auch noch (viel zu selten!) Mädchen in der Geschichte auftauchen ist Mawil wieder in Hochform und lässt keinen Zweifel daran, dass noch Großes von ihm zu erwarten ist.

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Mawil: Action Sorgenkind

Zum Auftakt erzählt Mawil („Strandsafari„, „Wir können ja Freunde bleiben„) in Short Stories u. a. vom großen Vergnügen, dass er mit einer Demo-CD von “Hitman 2“ hatte, von einem verunglückten Zelturlaub, vom ersten Verliebtsein, von seinen Erlebnissen auf einer Sprachheilschule und als Graffiti-Künstler sowie von der großen Enttäuschung darüber, dass sein erstes Auto türkisfarben war.

All dies wurde angenehm eigenwillig (und oft sogar farbig) zu Papier gebracht und ist schon dadurch, dass hier auch von einer Jugend in der DDR erzählt wird ganz sicher nicht uninteressant. Doch gelegentlich fragt sich der Leser bei diesen kurzen Storyhäppchen schon, warum uns der Künstler gerade an diesen Erlebnissen teilhaben lässt.

All dies wurde angenehm eigenwillig (und oft sogar farbig) zu Papier gebracht und ist schon dadurch, dass hier auch von einer Jugend in der DDR erzählt wird ganz sicher nicht uninteressant. Doch gelegentlich fragt sich der Leser bei diesen kurzen Storyhäppchen schon, warum uns der Künstler gerade an diesen Erlebnissen teilhaben lässt.

Mawil: Action SorgenkindDiese Frage kommt bei der fast schon epischen Geschichte “Welcome Home“, die die letzte Hälfte von “Action Sorgenkind“ füllt, niemals auf. Hier schildert Mawil, wie er unter großen Mühen zu einem legendären Hippie-Treff nach Südfrankreich reist, der Mädels wegen. Doch vor lauter Meditationszeremonien wird daraus leider nichts. Auch ansonsten verläuft alles so fleischlos, dass erst beim ersten Döner nach der Rückkehr in Berlin wieder Freude aufkommt. Hier zeigt Mawil einmal mehr seine Meisterschaft im Erzählen von ebenso komischen wie traurigen Geschichten.

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Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

In seinem autobiographischen – mittlerweile bereits in der vierten Auflage vorliegenden – Roman “Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli“ erzählt Konrad Lorenz (nicht der Zoologe mit den Graugänsen) davon, wie es war in der Nachkriegszeit mitten auf dem Kiez aufzuwachsen. Isabel Kreiz, deren Atelier sich ebenfalls in dieser Gegend befindet, hat in Comics wie “Die Entdeckung der Currywurst“ immer wieder gerne Geschichten aus der Hansestadt erzählt und ihr gelang eine sehr lebendige Adaption von Lorenz‘ Roman.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

Zentrale Figur von “Rohrkrepierer“ ist Kalle, der mit seinen Freunden die Nachkriegszeit zwischen Reeperbahn, Großer Freiheit und Herbertstraße als oft nicht ganz ungefährliches Abenteuer erlebt. Der erste Teil der Erzählung beschäftigt sich damit, wie der zunächst von der Mutter und vor allem von seiner Oma großgezogene Kalle plötzlich mit seinem körperlich zwar unversehrten aber durch den Krieg traumatisierten heimkehrenden Vater klar kommen muss.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli
© Isabel Kreitz / Carlsen

Dies gelingt Kalle besser als seiner Mutter, die erfolgreich auf dem Schwarzmarkt handelt und große Schwierigkeiten hat, in ihre Rolle als treusorgende Ehefrau zurückzukehren. Im Anfang der Sechziger Jahre angesiedelten zweiten Teil erzählt “Rohrkrepierer“ u. a. davon, wie es Kalle gelingt seine Unschuld zu verlieren, ohne dafür die Dienste der ihm oftmals gut bekannten Damen aus dem horizontalen Gewerbe in Anspruch nehmen zu müssen.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

Isabel Kreiz machte aus Lorenz‘ Roman eine fast 300-seitige  Comicerzählung, deren nur sehr spärlich kolorierten Bilder wirken, als wenn sie Standbilder eines Schwarzweißfilms aus den Fünfziger Jahren wären.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli
Isabel Kreitz

Einmal mehr beweist die auch hier wieder sehr detailreich arbeitende Zeichnerin ihre Meisterschaft im ohne viele Worte auskommenden Comic-Erzählen, in der Rekonstruktion vergangener Zeitepochen und natürlich auch wieder bei der Wahl einer sehr gut zur Adaption geeigneten Vorlage.

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Isabel Kreitz: Die Entdeckung der Currywurst

Jeder glaubt, die wäre Currywurst eine Erfindung aus Berlin, Köln oder Bochum (man denke nur an Grönemeyers Evergreen) . Doch auf dem Hamburger Großneumarkt stand einst die Imbissbude von Frau Brücker und diese behauptete immer sie hätte 1945 kurz nach Kriegsende die Currywurst erfunden.

Isabel Kreitz: Die Entdeckung der Currywurst

Der Erzähler dieser Geschichte lebt mittlerweile in der Weißwurststadt München und hat bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Hamburg (wohl auch bedingt durch das kalte windige Wetter) Appetit auf eine scharfe Wurst. Doch Frau Brückers Bude gibt es nicht mehr. Die alte Dame wohnt jetzt im Altersheim und hat so einiges über Würste, Trümmer, Schieber und Mitläufer zu erzählen.

Isabel Kreitz: Die Entdeckung der Currywurst

Nach einem auch bereits verfilmten Roman von Uwe Timm gelang Isabel Kreitz (“Rohrkrepierer“, “Der 35. Mai“, „Die Sache mit Sorge„, „Schlechte Laune!„) 1996 eine sehr plastische und menschlich anrührende Schilderung vom letzten Kriegsjahr in Hamburg.

Isabel Kreitz: Die Entdeckung der Currywurst

Die gebundene Neuauflage wird durch ihr deutlich kleineres Format den sehr detailreichen schwarzweißen Zeichnungen zwar nur bedingt gerecht, besticht aber dafür durch ein sehr informatives und gut bebildertes Nachwort von Frank Giese.

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Karl der Kleine und der Talisman

Der gebürtige Hamburger Neufred alias Alfred Neuwald („Die Weltenbummler„) setzte seine Figur “Karl der Kleine“ zunächst in Gagstrips ein, die sich mit historischen aber auch aktuellen Ereignissen seiner Wahlheimatstadt Aachen beschäftigten und als Sammelband veröffentlicht wurden. Doch mit Karl lassen sich auch längere Geschichten erzählen. In dem im klassischen 48-seitigen Format veröffentlichten Comicalbum “Karl der Kleine bei den Karolingern“ bricht der kleine Monarch zusammen mit Barki, dem Maskottchen des Aachener Karnevalsvereins, zu einer Zeitreise auf. Dabei kommt es zu einer Begegnung zwischen Karl dem Kleinen mit Karl dem Großen.

Karl der Kleine und der Talisman

Der Comic verkaufte sich so gut, dass bereits eine zweite Auflage veröffentlicht und eine Hörspiel-CD mit viel Musik zu “Karl der Kleine bei den Karolingern“ produziert wurde. Neufred hat mittlerweile weitere Comicalben fertiggestellt. In “Karl der Kleine und der Talisman“ wird wieder von durch eine allzu gut funktionierende App, die Karl und Barki fragt, “ob sie wirklich mehr Informationen“ haben möchten, eine Zeitreise ausgelöst. Diesmal landet das Duo im Jahr 1804. Dort treffen Karl und Barki auf Napoleon Bonaparte und müssen sich mit dem Diebstahl eines Talismans von Karl dem Großen beschäftigen, der Kaiserin Joséphine geschenkt werden soll.

img892Im Rahmen einer spannenden und lustigen Geschichte gelingt es Neufred unaufdringlich viel Wissenswertes über die Aachener Historie zu vermitteln. In klaren oft sehr detailreichen wird gezeigt wie die Stadt vor 200 Jahren ausgesehen hat und wie es sich damals dort leben ließ. Das Album verfügt noch über einen netten Bonus. Wer mag kann sich eine “Karl der Kleine“-App herunterladen. Diese ermöglicht zwar leider keine Zeitreise, aber immerhin erscheinen auf einer Doppelseite des Comics Karl und Barki als 3D-Animationen und machen auf Kommando allerlei Faxen.

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Karl der Kleine – Die Stadt der Printen

Die besten Ideen sind oft die simpelsten, aber man muss sie erst einmal haben. Der gebürtige Hamburger Alfred Neuwald alias Neufred ist nach seinem Studium in Aachen geblieben und sieht die dort typischen Dinge vielleicht mit einem klareren Blick als so mancher Öcher Ureinwohner. Aus zwei markanten Aachener Persönlichkeiten bzw. Spezialitäten bastelte er einen erstaunlich abwechslungsreichen und sehr komischen Comic Strip zusammen.

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Aachen steht als ehemalige Kaiserstadt für Karl den Großen und es wird dort heute alljährlich der Karlspreis für Verdienste in Sachen Europa vergeben. Was für Nürnberg die Lebkuchen bedeuten, sind in Aachen die Printen. Diese gibt es dort allerdings nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern als “Ganzjahresgebäck“. Neufreds “simple“ Idee war es eine Figur namens Karl der Kleine zu schaffen und diesen als so “Printen-süchtig“ darzustellen, dass er eine Selbsthilfegruppe aufsuchen muss: “Guten Tag, mein Name ist Karl und ich liebe Printen.“

Karl der Kleine

Diese Grundidee trägt durchaus, zumal Neufred allerlei weitere skurrile Figuren auftreten lässt, wie etwa den Wassergott Granus (nur echt mit Dauerwelle), den Elefanten Abdul, den StromGasWasser-Superhelden Stawakus (allerdings nur ein einziges Mal) oder den Teufel höchstpersönlich, der ins Quellwasser von Bad Aachen gepupst haben soll. Der Strip-Serie ist es deutlich anzumerken, dass es dem in letzter Zeit hauptsächlich als Illustrator (u. a. von Pixi-Büchern der Serie Kapitän Sternhagel) tätigen Neufred richtig Spaß macht wieder einen Comic zu zeichnen, wie einst Die Weltenbummler oder Al Potato.

Karl der Kleine - Die Stadt der Printen

Bereits ein halbes Jahr nachdem Karl der Kleine als wöchentlicher Strip in der Aachener Woche/Super Mittwoch gestartet wurde, liegt ein schön aufgemachter Hardcover-Sammelband vor, der knapp 100 Strips enthält, die auch Lesern außerhalb von Aachen viel Freude bereiten dürften. Mitterweile liegen unter dem Titeln „Karl der Kleine bei den Karolingern„,  „Karl der Kleine und der Talisman“ und „Die Printe des Teufels  48-seitige Farbalben mit einer ebenso abenteuerlichen wie lustigen Zeitreise-Geschichten vor.

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