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Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Das sind sechs ganz schön dicke Wälzer in denen Schreiber & Leser die Gesamtausgabe von Terry Moores Serie “Strangers in Paradise“ veröffentlicht. Band 4 enthält auf 370 schwarzweißen Seiten den Inhalt von 19 US-Heften und das ist eine Menge Lesestoff, zumal Moore gelegentlich auch Seiten mit Prosatexten eingebaut hat.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Doch wer sich auf die Lektüre einlässt, wird das Buch so schnell nicht aus der Hand legen. Zentrales Thema ist die komplizierte Liebesgeschichte zwischen Francine Peters und Katina Choovanski alias Katchoo. Während die etwas mollige Francine sich ein eher spießiges Leben als glückliche Ehefrau wünscht, möchte Katchoo an der Seite ihrer Freundin glücklich werden. Doch Francine traut sich nicht so recht das andere Ufer zu betreten und wenn doch, dann kommt immer etwas dazwischen.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Das mag vielleicht nicht nach einem Konzept klingen, das 2000 Comicseiten lang trägt, doch da Katchoo eine Frau mit einer äußerst bewegten und sehr kriminellen Vergangenheit ist, wird neben Herz und Schmerz auch reichlich – teilweise ganz schön heftige – Action geboten. Was jedoch am meisten für “Strangers in Paradise“ spricht, ist Terry Moores Experimentierfreudigkeit. Äußerst geschickt spielt er mit verschiedenen Zeitebenen, riskiert einen Blick auf das zukünftige Leben seiner Hauptfiguren, lässt diese in einem Disney-Zeichentrickfilm auftreten oder die Underground-Comix-Legende Robert Crumb einen kleinen Gastauftritt absolvieren. Das alles kann natürlich nur funktionieren, weil Terry Moore nicht nur ein begnadeter Erzähler sondern auch ein ebensolcher Zeichner ist.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Bei Schreiber & Leser erscheint übrigens auch Terry Moores neue Serie “Rachel Rising“.

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Mawil: The Singles Collection

Es scheint fast so als wäre es gestern gewesen, als Markus Witzel alias Mawil die Comicfreunde mit dem epischen Buch “Kinderland“ überraschte. Im Rahmen einer nicht nur lustigen Geschichte zeigte er, was es bedeutete während der letzten Tage der DDR im östlichen Teil Deutschlands aufzuwachsen. Als Zugabe gab es noch ein sich über 30 Seiten hinziehendes Tischtennis-Match. Etwas mehr als ein Jahr später folgt ein ebenfalls recht umfangreiches Buch, diesmal als Hardcover im LP-Format. Einmal mehr zeigt sich hier, was für ein vielseitiger Comickünstler Mawil ist.

Mawil: The Singles Collection

Seit 2006 veröffentlicht die Berliner Zeitung “Der Tagesspiegel“ regelmäßig am Sonntag farbige Seiten von Marwil, im Wechsel mit Comics von Arne Bellstorf, Tim Dinter, Olivia Vieweg („Huck Finn„) und Flix („Schöne Töchter„). Neben Geschichten über Frauen sind die zentralen Themen auf Mawils Comicseiten Hasen und Fahrräder (einmal fährt sogar ein Hase Fahrrad!). In Sachen Zeichenstil, Farbgebung und Layout des quadratischen Seitenformats zeigt sich Mawil auch hier sehr experimentierfreudig. Dennoch haben fast alle Seiten den typischen schwer zu beschreibenden rotzig-niedlichen Mawil-Touch.

Mawil: The Singles Collection

Der Sammelband “The Singles Collection” enthält nicht nur sämtliche Comics, die Mawil im “Tagesspiegel“ bis Mitte 2015 veröffentlichte, sondern auch einige Seiten, die die Redaktion ablehnte. Bei einem Comic machte Mawil 2007 zu viel (ironisch zugespitzte) Eigenwerbung für seinen neuen Comic “Action Sorgenkind“. Ein betont auf schnell hingerotzt getrimmter “Notfallcomic“ musste bisher noch nicht eingesetzt werden, da Mawil bisher immer pünktlich lieferte. Eine Comicseite, die Mawil im Stile seiner ersten längeren Story “Strandsafari“ gestaltete, war der Redaktion hingegen zu konfus.

Mawil: The Singles Collection

Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sich dem Leser der Sinn der übrigen Comics problemlos erschließt. Bei so mancher Geschichte habe ich mich schon gefragt, worum es eigentlich genau geht. Doch Mawil gelang es fast immer inhaltliche Bedenken – bzw. das verzweifelte Suchen nach einem Sinn – durch ein kunstvoll verspieltes Seitenlayout zu neutralisieren.

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Mawil: Die Band

Es ist ja eine Art (deutscher) Volkssport Kulturschaffende (aber auch Sportler) zunächst in den höchsten Tönen in den Himmel zu loben und sie dann fröhlich nieder zu machen. In diese Tradition möchte ich mich nicht einreihen. Daher seien zunächst noch einmal Mawils auf höchst unterschiedliche Art mehr als großartig gelungenen Comics „Strandsafari“ und „Wir können ja Freunde bleiben“ erwähnt, sowie seine ebenso empfehlenswerte Beiträge zu „Teufel und Pistolen“ und „Rückenwind„.

Mawil: Die Band

Bei diesen formal wie inhaltlich herausragenden Comics kann (und will?) „Die Band“ nicht mithalten. Mawil erzählt von seinen Erlebnissen in der Kombo „Tine Melk“. Lose kommen dabei Erinnerungen zu Alan Parkers Film „Commitments“ auf, etwa wenn am Ende des Comics kurz geschildert wird, was die ehemaligen Musiker heute machen. Doch Mawils erzählte Episoden wirken leider meist etwas banal und erinnern an langweilige eigene Erlebnisse, die lieber vergessen als erzählt werden.

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Formal ist das jedoch alles einmal mehr im ebenso lockeren wie unverkennbar eigenen Stil zu Papier gebracht. Sobald dann auch noch (viel zu selten!) Mädchen in der Geschichte auftauchen ist Mawil wieder in Hochform und lässt keinen Zweifel daran, dass noch Großes von ihm zu erwarten ist.

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Mawil: Action Sorgenkind

Zum Auftakt erzählt Mawil („Strandsafari„, „Wir können ja Freunde bleiben„) in Short Stories u. a. vom großen Vergnügen, dass er mit einer Demo-CD von “Hitman 2“ hatte, von einem verunglückten Zelturlaub, vom ersten Verliebtsein, von seinen Erlebnissen auf einer Sprachheilschule und als Graffiti-Künstler sowie von der großen Enttäuschung darüber, dass sein erstes Auto türkisfarben war.

All dies wurde angenehm eigenwillig (und oft sogar farbig) zu Papier gebracht und ist schon dadurch, dass hier auch von einer Jugend in der DDR erzählt wird ganz sicher nicht uninteressant. Doch gelegentlich fragt sich der Leser bei diesen kurzen Storyhäppchen schon, warum uns der Künstler gerade an diesen Erlebnissen teilhaben lässt.

All dies wurde angenehm eigenwillig (und oft sogar farbig) zu Papier gebracht und ist schon dadurch, dass hier auch von einer Jugend in der DDR erzählt wird ganz sicher nicht uninteressant. Doch gelegentlich fragt sich der Leser bei diesen kurzen Storyhäppchen schon, warum uns der Künstler gerade an diesen Erlebnissen teilhaben lässt.

Mawil: Action SorgenkindDiese Frage kommt bei der fast schon epischen Geschichte “Welcome Home“, die die letzte Hälfte von “Action Sorgenkind“ füllt, niemals auf. Hier schildert Mawil, wie er unter großen Mühen zu einem legendären Hippie-Treff nach Südfrankreich reist, der Mädels wegen. Doch vor lauter Meditationszeremonien wird daraus leider nichts. Auch ansonsten verläuft alles so fleischlos, dass erst beim ersten Döner nach der Rückkehr in Berlin wieder Freude aufkommt. Hier zeigt Mawil einmal mehr seine Meisterschaft im Erzählen von ebenso komischen wie traurigen Geschichten.

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Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

In seinem autobiographischen – mittlerweile bereits in der vierten Auflage vorliegenden – Roman “Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli“ erzählt Konrad Lorenz (nicht der Zoologe mit den Graugänsen) davon, wie es war in der Nachkriegszeit mitten auf dem Kiez aufzuwachsen. Isabel Kreiz, deren Atelier sich ebenfalls in dieser Gegend befindet, hat in Comics wie “Die Entdeckung der Currywurst“ immer wieder gerne Geschichten aus der Hansestadt erzählt und ihr gelang eine sehr lebendige Adaption von Lorenz‘ Roman.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

Zentrale Figur von “Rohrkrepierer“ ist Kalle, der mit seinen Freunden die Nachkriegszeit zwischen Reeperbahn, Großer Freiheit und Herbertstraße als oft nicht ganz ungefährliches Abenteuer erlebt. Der erste Teil der Erzählung beschäftigt sich damit, wie der zunächst von der Mutter und vor allem von seiner Oma großgezogene Kalle plötzlich mit seinem körperlich zwar unversehrten aber durch den Krieg traumatisierten heimkehrenden Vater klar kommen muss.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli
© Isabel Kreitz / Carlsen

Dies gelingt Kalle besser als seiner Mutter, die erfolgreich auf dem Schwarzmarkt handelt und große Schwierigkeiten hat, in ihre Rolle als treusorgende Ehefrau zurückzukehren. Im Anfang der Sechziger Jahre angesiedelten zweiten Teil erzählt “Rohrkrepierer“ u. a. davon, wie es Kalle gelingt seine Unschuld zu verlieren, ohne dafür die Dienste der ihm oftmals gut bekannten Damen aus dem horizontalen Gewerbe in Anspruch nehmen zu müssen.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

Isabel Kreiz machte aus Lorenz‘ Roman eine fast 300-seitige  Comicerzählung, deren nur sehr spärlich kolorierten Bilder wirken, als wenn sie Standbilder eines Schwarzweißfilms aus den Fünfziger Jahren wären.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli
Isabel Kreitz

Einmal mehr beweist die auch hier wieder sehr detailreich arbeitende Zeichnerin ihre Meisterschaft im ohne viele Worte auskommenden Comic-Erzählen, in der Rekonstruktion vergangener Zeitepochen und natürlich auch wieder bei der Wahl einer sehr gut zur Adaption geeigneten Vorlage.

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Isabel Kreitz: Die Entdeckung der Currywurst

Jeder glaubt, die wäre Currywurst eine Erfindung aus Berlin, Köln oder Bochum (man denke nur an Grönemeyers Evergreen) . Doch auf dem Hamburger Großneumarkt stand einst die Imbissbude von Frau Brücker und diese behauptete immer sie hätte 1945 kurz nach Kriegsende die Currywurst erfunden.

Isabel Kreitz: Die Entdeckung der Currywurst

Der Erzähler dieser Geschichte lebt mittlerweile in der Weißwurststadt München und hat bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Hamburg (wohl auch bedingt durch das kalte windige Wetter) Appetit auf eine scharfe Wurst. Doch Frau Brückers Bude gibt es nicht mehr. Die alte Dame wohnt jetzt im Altersheim und hat so einiges über Würste, Trümmer, Schieber und Mitläufer zu erzählen.

Isabel Kreitz: Die Entdeckung der Currywurst

Nach einem auch bereits verfilmten Roman von Uwe Timm gelang Isabel Kreitz (“Rohrkrepierer“, “Der 35. Mai“, „Die Sache mit Sorge„, „Schlechte Laune!„) 1996 eine sehr plastische und menschlich anrührende Schilderung vom letzten Kriegsjahr in Hamburg.

Isabel Kreitz: Die Entdeckung der Currywurst

Die gebundene Neuauflage wird durch ihr deutlich kleineres Format den sehr detailreichen schwarzweißen Zeichnungen zwar nur bedingt gerecht, besticht aber dafür durch ein sehr informatives und gut bebildertes Nachwort von Frank Giese.

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Karl der Kleine und der Talisman

Der gebürtige Hamburger Neufred alias Alfred Neuwald („Die Weltenbummler„) setzte seine Figur “Karl der Kleine“ zunächst in Gagstrips ein, die sich mit historischen aber auch aktuellen Ereignissen seiner Wahlheimatstadt Aachen beschäftigten und als Sammelband veröffentlicht wurden. Doch mit Karl lassen sich auch längere Geschichten erzählen. In dem im klassischen 48-seitigen Format veröffentlichten Comicalbum “Karl der Kleine bei den Karolingern“ bricht der kleine Monarch zusammen mit Barki, dem Maskottchen des Aachener Karnevalsvereins, zu einer Zeitreise auf. Dabei kommt es zu einer Begegnung zwischen Karl dem Kleinen mit Karl dem Großen.

Karl der Kleine und der Talisman

Der Comic verkaufte sich so gut, dass bereits eine zweite Auflage veröffentlicht und eine Hörspiel-CD mit viel Musik zu “Karl der Kleine bei den Karolingern“ produziert wurde. Neufred hat mittlerweile weitere Comicalben fertiggestellt. In “Karl der Kleine und der Talisman“ wird wieder von durch eine allzu gut funktionierende App, die Karl und Barki fragt, “ob sie wirklich mehr Informationen“ haben möchten, eine Zeitreise ausgelöst. Diesmal landet das Duo im Jahr 1804. Dort treffen Karl und Barki auf Napoleon Bonaparte und müssen sich mit dem Diebstahl eines Talismans von Karl dem Großen beschäftigen, der Kaiserin Joséphine geschenkt werden soll.

img892Im Rahmen einer spannenden und lustigen Geschichte gelingt es Neufred unaufdringlich viel Wissenswertes über die Aachener Historie zu vermitteln. In klaren oft sehr detailreichen wird gezeigt wie die Stadt vor 200 Jahren ausgesehen hat und wie es sich damals dort leben ließ. Das Album verfügt noch über einen netten Bonus. Wer mag kann sich eine “Karl der Kleine“-App herunterladen. Diese ermöglicht zwar leider keine Zeitreise, aber immerhin erscheinen auf einer Doppelseite des Comics Karl und Barki als 3D-Animationen und machen auf Kommando allerlei Faxen.

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Karl der Kleine – Die Stadt der Printen

Die besten Ideen sind oft die simpelsten, aber man muss sie erst einmal haben. Der gebürtige Hamburger Alfred Neuwald alias Neufred ist nach seinem Studium in Aachen geblieben und sieht die dort typischen Dinge vielleicht mit einem klareren Blick als so mancher Öcher Ureinwohner. Aus zwei markanten Aachener Persönlichkeiten bzw. Spezialitäten bastelte er einen erstaunlich abwechslungsreichen und sehr komischen Comic Strip zusammen.

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Aachen steht als ehemalige Kaiserstadt für Karl den Großen und es wird dort heute alljährlich der Karlspreis für Verdienste in Sachen Europa vergeben. Was für Nürnberg die Lebkuchen bedeuten, sind in Aachen die Printen. Diese gibt es dort allerdings nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern als “Ganzjahresgebäck“. Neufreds “simple“ Idee war es eine Figur namens Karl der Kleine zu schaffen und diesen als so “Printen-süchtig“ darzustellen, dass er eine Selbsthilfegruppe aufsuchen muss: “Guten Tag, mein Name ist Karl und ich liebe Printen.“

Karl der Kleine

Diese Grundidee trägt durchaus, zumal Neufred allerlei weitere skurrile Figuren auftreten lässt, wie etwa den Wassergott Granus (nur echt mit Dauerwelle), den Elefanten Abdul, den StromGasWasser-Superhelden Stawakus (allerdings nur ein einziges Mal) oder den Teufel höchstpersönlich, der ins Quellwasser von Bad Aachen gepupst haben soll. Der Strip-Serie ist es deutlich anzumerken, dass es dem in letzter Zeit hauptsächlich als Illustrator (u. a. von Pixi-Büchern der Serie Kapitän Sternhagel) tätigen Neufred richtig Spaß macht wieder einen Comic zu zeichnen, wie einst Die Weltenbummler oder Al Potato.

Karl der Kleine - Die Stadt der Printen

Bereits ein halbes Jahr nachdem Karl der Kleine als wöchentlicher Strip in der Aachener Woche/Super Mittwoch gestartet wurde, liegt ein schön aufgemachter Hardcover-Sammelband vor, der knapp 100 Strips enthält, die auch Lesern außerhalb von Aachen viel Freude bereiten dürften. Mitterweile liegen unter dem Titeln „Karl der Kleine bei den Karolingern„,  „Karl der Kleine und der Talisman“ und „Die Printe des Teufels  48-seitige Farbalben mit einer ebenso abenteuerlichen wie lustigen Zeitreise-Geschichten vor.

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Don Lawrence: Trigan

Am 18. September 1966 startete in der ersten Ausgabe des englischen Magazins Ranger – The National Boys‘ Magazin die Comic-Serie The Rise and the Fall oft the Trigan Empire. Der Autor Mike Butterworth hat sich bei dieser epischen Science-Fiction-Reihe von der Geschichte des römischen (laut mancher Kritiker-Meinung aber auch des Dritten) Reichs inspirieren lassen.

Don Lawrence: Trigan

Butterworth schildert, wie ein charismatischer Anführer namens Trigo sein Nomadenvolk dazu bringt, auf dem Planeten Elektron ein gewaltiges Reich aufzubauen.

Don Lawrence: Trigan

Butterworth ist ein talentierter Erzähler, der seine Geschichte damit beginnt, dass er schildert, wie ein außerirdisches Raumschiff mit längst verstorbener Besatzung auf der Erde landet. Einem engagierten Wissenschaftler gelingt es durch jahrzehntelange Arbeit schließlich, die an Bord befindlichen Dokumente zu entschlüsseln. Diese Rahmenhandlung ist ein interessanter und mitreißender Einstieg in die Historie eines Planeten, auf dem sich Elemente der irdischen Historie mit Science-Fiction- und Fantasy-Versatzstücken zu einer faszinierenden Comic-Welt zusammensetzen.

Don Lawrence: Trigan

In Deutschland erschien Trigan bei unterschiedlichen Verlagen. Zunächst brachte Moewig 1973 als Super Sonderheft 7 unter dem Titel Trigo – Herr über Atlantis die erste Geschichte der Serie (Victory fort the Trigans) heraus, verlegte diese allerdings in die “Frühgeschichte der Menschheit“.

Don Lawrence: Trigan

Danach wurde Serie im Magazin Kobra (hier kam auch Lawrence‘ Frühwerk Karl der Wikinger zum Abdruck) sowie bei den Verlagen Rijpermann und Hethke veröffentlicht. Panini Deutschland veröffentlicht Trigan als Hardcover-Edition und startet damit zugleich ein Programm mit Comics im Album-Format. Der Hauptgrund für die anhaltende Popularität der Serie sind zweifelsohne die sehr plastisch ausgeführten detailreichen Bilder von Don Lawrence. Bei den ersten Trigan-Geschichten hat Lawrences Artwork natürlich noch nicht die Klasse, die er ab 1976 bei der von ihm mit konzipierten Serie Storm erreichte. Doch Trigan sah noch nie so gut aus, wie in der Panini-Edition, die neben den ersten beiden Geschichten der Serie noch allerlei interessantes Bonusmaterial mit Hintergrundinformationen enthält.

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Jean-Claude Denis: Auf nach Matha

Ziemlich überraschend wurde 2012 der bei uns kaum bekannte Jean-Claude Denis in Angoulême zum Festivalpräsidenten gewählt. Im nächsten Jahr erfreute er die Besucher des 40. Festival International de la Bande Dessinée mit einer sehr schönen Werkschau. Hier konnte sein durchaus eigenständiger Strich irgendwo zwischen Ligne Claire und École Marcinelle aber auch seine Meisterschaft als Aquarellmaler bewundert werden.

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Wer diese liebevoll präsentierte Ausstellung besuchte, die auch die Liebe des Zeichners zur Popmusik thematisierte, und den freundlich-bescheidenen Jean-Claude Denis in Angoulême erlebte, fragte sich zwangsläufig warum dessen Werk bei uns so unterrepräsentiert ist. 1984 veröffentlichte Taschen den Band “Die sieben Todsünden“ und in den Neunziger Jahren erschienen bei Carlsen drei Bände von Dennis’ 8-teiliger Serie Luc Leroi, seltsamerweise unter dem Titel Luc Lamarc. Doch jetzt hat sich Eckart Schott der Sache angenommen, dessen Engagement als Comicverleger gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Schott veröffentlichte nicht nur dessen aktuelle zweiteilige Serie “Auf nach Matha“ als schöne Hardcover-Gesamtausgabe, sondern holte auch noch Jean-Claude Denis zum Comicfestival nach München.

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JEAN CLAUDE DENNIS AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Dennis’ in schönen klaren Bildern erzählte Geschichte “Auf nach Matha“ ist ganz gewiss kein großes Spektakel. Doch für die Hauptfigur, den 16-jährigen Antoine, ist jener Sommer-Urlaub, den er erstmals nicht mit seinen Eltern verbringt, ein entscheidender Lebensabschnitt. Gegen den Willen seines Vaters fährt er mit seinen Freunden – und vor allem mit der von ihm heiß begehrten Christelle – nach Matha auf einen Campingplatz. Er lernt es sich durchzusetzen und sieht am Ende der Geschichte erstmals seiner Zukunft gelassen entgegen. Dieser mit autobiographischen Elementen versetzte Comic lebt zwar auch vom liebevoll dargestellten Zeitgeist der 60er Jahre und von der damaligen Popkultur, ist aber zugleich auch wunderbar zeitlos.

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