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Die Kunst zu fliegen

Im Mai 2001 stürzte sich Antonio Altarriba Lopes aus dem vierten Stock seines Altersheims. Er hinterließ einen Sohn, der ebenfalls Antonio heißt, sowie einige beschriebene Blätter mit seinen Lebenserinnerungen. Antonio Altariba jr. (Ich, der Mörder) verarbeitete die Trauer über den Tod seines Vaters zu einem Comic-Skript, welches der Zeichner Kim in ebenso detaillierte wie inspirierte schwarzweiße Bilder umsetzte.

Die Kunst zu fliegen

Im Comic schlüpft Antonio Altarriba in die Haut seines Vaters, weil er “schon immer in ihm gewesen war, denn ein Vater besteht aus seinen möglichen Kindern“ und er “war das einzige Kind, das meinem Vater möglich war.“ Er kommt dabei zu der Erkenntnis, dass “obwohl es nur wenige Sekunden zu dauern schien“ sein Vater für den “Sturz aus dem vierten Stock neunzig Jahre brauchte.“

Die Kunst zu fliegen

Daher stellte Altarriba den Kapiteln, in denen er chronologisch aus dem Leben seines Vaters erzählt, Bilder voran, die zeigen wie dieser langsam an der Fassade des Altersheims entlang in die Tiefe stürzt. Dieses Gleichnis macht durchaus Sinn, denn die Biografie von Altarribas Vater ist alles andere als die Erfolgsstory eines Aufsteigers. Nach vergeblichen Versuchen das freundlose Dorf seiner Jugend zu verlassen, kämpft Antonio Senior in den Wirren des Spanischen Bürgerkriegs zunächst auf der Seite Francos und wechselt dann zu den Anarchisten, landet in einem französischen Lager, entkam den Deutschen und verzweifelte schließlich an der drögen Tristesse des Nachkriegs-Spanien.

Die Kunst zu fliegen
Doch ganz ohne Hoffnung verläuft das Leben nicht, auch wenn die erfreulichen Momente, die für den dringend benötigten Lebensmut sorgen, nur von kurzer Dauer sind. Altarriba schöpfte auch Kraft daraus, dass es ihm – trotz seiner frömmelnden Ehefrau – gelang, seinem Sohn einige anarchistische Tugenden mit auf den Lebensweg zu geben.

Die Kunst zu fliegen
“Die Kunst zu fliegen“ erzählt Geschichte im Großen wie im Kleinen so souverän und mitreißend wie kaum ein Werk der Weltliteratur.

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Manara Werkausgabe 16: Der Mann aus Papier

Der 16. Band von Paninis Manara Werkausgabe enthält gleich drei albenlange Geschichten, die zeigen, dass der italienische Star-Zeichner in allen Genres einsetzbar ist.

Manara Werkausgabe 16: Der Mann aus Papier

Der Höhepunkt ist zweifelsohne der 1982 von Milo Manara im Alleingang realisierte Western “Mann aus Papier“.  Hauptfigur ist ein naiver junger Mann, der allerlei seltsame Abenteuer erlebt. Er trifft auf einen kauzigen englischen Offizier und einen noch seltsameren eigentlich sehr frommen älteren Herren, der bei Regen zum Berserker wird.

Manara Werkausgabe 16: Der Mann aus Papier

Am meisten beeindruckt ist der Jüngling jedoch von der attraktiven Indianerin “Weißer Hase“, die ihm scheinbar die kalte Schulter zeigt und neckisch “Gelbhaar“ oder schlimmer noch “Mann aus Papier“ nennt. Der Grund hierfür ist, dass der junge Mann ein Foto seiner geliebten Gwendoline mit sich herumträgt. “Weißer Hase“ zieht daraus die logische Schlussfolgerung, dass – da “Gelbhaar“ eine Frau aus Papier liebt – er selbst ein Mann aus Papier sein muss.

Manara Werkausgabe 16: Der Mann aus Papier
1988 erschien „Mann aus Papier bei Schreiber & Leser

Mit spielerischer Leichtigkeit gelingt Manara eine ebenso spannende, wie skurrile und lustige Geschichte, die auch zeichnerisch zu seinen Meisterwerken gehört. “Mann aus Papier“ entstand für den französischen Verlag Dargaud. Zu einer geplanten Fortsetzung kam es leider nicht, nachdem Dargaud von einer katholisch geprägten Verlagsgruppe übernommen wurde, die kein Interesse an Comics mit erotischen Frauen hatte.

Manara Werkausgabe 16: Der Mann aus Papier
1991 erschien „Der Schneemensch“ bei Feest

Beim zweiten in diesem Sammelband enthaltenen Comic fungierte Manara nicht als Autor. “Der Schneemensch“ ist eine von Alfred Castelli geschriebene eher konventionelle (und schlimmer noch ganz ohne weibliche Hauptfiguren auskommende) Geschichte über eine Himalaya-Expedition, die 1978 für die italienische Comic-Serie “Ein Mann ein Abenteuer“ entstand.

Manara Werkausgabe 16: Der Mann aus Papier
Flucht von Pirandesi

Den Abschluss des Bands bildet der 2002 von Manara geschriebenen und getexteten Comics “Flucht von Piranesi“.

Manara Werkausgabe 16: Der Mann aus Papier
2003 erschien „Piranesi“ bei der Edition Erotik (Verlag Schreiber & Leser)

Inspiriert wurde die Science Fiction Geschichte u. a. von Moebius und sollte, genau wie dessen “Sternenwanderer“, zumächst Werbung für ein Auto, in diesem Fall den “Mini“ machen. Daraus wurde dann doch nicht, aber was das verwirrende Storytelling betrifft (irgendwie geht es um Genmanipulation), kann Manara locker bei Moebius mithalten, allerdings ist auch sein Artwork nahezu ebenbürtig.

Manara Werkausgabe 16: Der Mann aus Papier

Abgerundet auch dieser Band der Werkausgabe durch interessante Texte und viele wunderschöne oft ganzseitige Illustrationen.

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Django Unchained als Comic

Comics zum Film sind zumeist ein fades Abfallprodukt zum Blockbuster (Ausnahmen wie der “Alien – Der Comic zum Film“ bestätigen die Regel). Doch der Comic zu Quentin Tarantinos Kinoerfolg “Django Unchained“ ist etwas ganz Besonderes, was auch Tarantino in seinem Vorwort zum Ausdruck bringt, denn dieser liebt nicht nur Comics, sondern “ganz besonders“ Western-Comics.

Django Unchained als Comic

Die Comicadaption von “Django Unchained“ erzählt nicht nur die aus dem Kino bekannte Handlung nach. Das Buch enthält auch einige von Tarantino geschriebene Sequenzen, die es nicht in den Film geschafft haben, wie etwa eine schön in Szene gesetzte Kurzfassung der Nibelungensage. Am Interessantesten dürfte jedoch die ausführliche Schilderung der tragischen Ereignisse sein, die dazu führten, dass die schöne Sklavin Broomhilda von Shaft in die Hände des skrupellosen Plantagenbesitzers Calvin Candie geriet.

Django Unchained als Comic

Gezeichnet wurde dieser Director’s Cut, der dank seiner sorgfältigen Machart erst Monate nach dem Start des Films komplett vorliegt, großteils von R. M. Guéra. Dieser wurde 1959 in Belgrad als Rajko Miloševic geboren und hatte seit frühster Jugend den Spitznamen “Gera“. Er las schon als Kind viele Comics und wurde ganz besonders inspiriert vom Westernklassiker “Leutnant Blueberry“, der von Jean-Michel Charlier getextet und von Jean Giraud alias Moebius gezeichnet wurde. In Jugoslawien veröffentliche er einige von Sergio Leone inspirierte Western-Comics. Als 1991 die Jugoslawienkriege ausbrachen, zog er nach Barcelona und nannte sich fortan R. M. Guéra. Sein größter bisheriger Erfolg ist die in der Gegenwart angesiedelte Western-Reihe “Scalped“, die in den USA erfolgreich bei DC Vertigo erschienen ist.

Django Unchained als Comic
R. M. Guéra auf dem Comicfestival München

Tarantino-Erfahrung hatte Guéra auch schon vor “Django Unchained“, denn er zeichnete als Werbung zum Film für den Playboy einige Seiten einer Comic-Adaption von ”Inglourious Basterds” (auch hier erzählte er eine Episode, die nicht im Film enthalten war). Guèra war 2013 auf dem Comicfestival München zu Gast. Dort hatte er einige seiner schönsten Comicseiten aus “Django Unchained“, die übrigens alle noch keine Sprechblasen enthielten, für eine Ausstellung zur Verfügung gestellt und stand auch für ein Gespräch zur Verfügung. Hier war zu erfahren, dass Guéra den Comic gezeichnet hatte, ohne die Filmvorlage zu kennen und daher die Comicfiguren unabhängig von dem Aussehen der zugehörigen Darsteller entwickelt hatte.

Django Unchained als Comic

Der schön aufgemachte Hardcover-Band von Eichborn enthält nicht nur den Inhalt der sechs US-Hefte, sondern auch noch einige von Guèras Skizzen, sowie zahlreiche Coverillustrationen, die von bekannten Comickünstlern wie Jim Lee, Alex Ross (Marvels, Kingdom Come). Guillem March oder Frank Quitely gestaltet wurden.

Django Unchained Comic
Frank Quitely

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Suite française

60 Jahre hat es  gedauert bis die zwei Romane “Sturm im Juni“ und “Dolce“ der französischen Bestsellerautorin Autorin Irène Némirovsky nach ihrer Niederschrift endlich erschienen sind. Die jüdische Schriftstellerin wurde 1942 von der Polizei im von Deutschen besetzten Frankreich verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Einen Monat später starb sie dort an Typhus. Denise und Elisabeth Némirovsky bewahrten 50 Jahre lang einen Koffer ihrer Mutter auf, in dem sich ein in Leder gebundenes Buch befand. Sie trauten sich lange Zeit nicht das vermeintliche Tagebuch zu lesen und waren erstaunt, als sie in der Kladde stattdessen die Niederschrift von zwei Romanen vorfanden.

Suite française
Irène Némirovsky

2004 schließlich erschienen die beiden Bücher – Némirovsky plante einen aus fünf Romanen bestehenden Zyklus – gemeinsam unter dem Titel “Suite française“ und wurden zum Weltbestseller. Mittlerweile ist bei btb eine schöne, preiswerte, kleinformatige, in Leinen gebundene Edition mit Leseband erschienen, die als Anhang eine umfangreiche Dokumentation mit Hintergrundinformationen enthält.

Suite française

Némirovsky beschrieb in “Suite française“ detailreich und fast schon dokumentarisch den Zusammenbruch der französischen Gesellschaft während und nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Dabei ist es angesichts des großen Ensembles nicht immer leicht den Überblick zu behalten, doch wer sich auf die Lektüre einlässt, wird als Leser reich belohnt und zum Zeitzeugen eines düsteren Stücks europäischer Geschichte.

Suite française

Ein guter Einstieg in das Werk sind zwei gelungene Adaptionen. Beim Verlagshaus Jacoby & Steward ist eine Comic-Version von Némirovskys ersten “Suite française“-Roman “Sturm im Juni“ erschienen. Diese stammt von Emmanuel Moynot, dessen Zeichenstil an den großen Jaques Tardi (“Elender Krieg 1914 – 1919“, “Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB“) erinnert, weswegen dieser ihn auch zu seinem Nachfolger bei den Comic-Adaptionen von Léo Malets Kriminalromanen um den Detektiv Nestor Burma (“120, Rue de la Gare“) kürte.

Suite française

Bei seinem Comic “Sturm im Juni“ arbeitet Emmanuel Moynot mit klaren oft sehr lässig hingehauenen Zeichnungen, die durch die Grautöne von Chantal Quillec wie Standbilder aus einem Schwarzweiß-Film der vierziger Jahre wirken. Das schafft die richtige Atmosphäre für die breitangelegte Darstellung des Schicksals von drei französischen Familien, die 1940 versuchen der heranrückenden Wehrmacht zu entkommen. Am Anfang des Comic-Buchs befindet sich eine Übersicht über die Hauptfiguren, was den Einstieg in die vielschichtige Geschichte erleichtert.

Suite française

Irène Némirovskys zweiter “Suite française“-Roman “Dolce“ diente als Vorlage für den großteils in Belgien gedrehten britisch-französisch-kanadischen Kinofilm “Suite française – Melodie der Liebe“. Diese Schilderung der deutschen Besetzung eines französischen Dorfs ist u. a. mit Kristin Scott Thomas, Tom Schilling, Sam Riley und Heino Ferch großartig besetzt. Der Film konzentriert sich hauptsächlich auf die problematische Liebesgeschichte zwischen der jungen unglücklich verheirateten Lucile Angellier (Michelle Williams) und dem musisch veranlagten Wehrmachts-Offizier Bruno von Falk (Matthias Schoenaerts), der im Zivilleben Komponist war.

Suite française
Michelle Williams und Matthias Schoenaerts

Vor dem Hintergrund dieser Love Story vernachlässigt der britische Regisseur Saul Dibb (“Die Herzogin“) keineswegs den zeitgeschichtlichen Hintergrund. Sein Film erzählt auch vom fragilen alles andere als sozial gerechten Machtgefüge im Dorfe, das durch die deutschen Besatzer erheblich ins Schwanken gerät. Film und Comic sind eine gute Grundlage um danach zu Irène Némirovskys großartiger Prosa zu greifen und noch tiefer in die Materie einzudringen.

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Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Unglaublich mit welcher Hartnäckigkeit, Akribie und Kunstfertigkeit Jacques Tardi (120, Rue de la Gare) die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte aufarbeitet.

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Nach Comics über die Pariser Kommune von 1871 (Die Macht des Volkes) und vor allem über den ersten Weltkrieg – am beeindruckendsten wohl das Mammutwerk Elender Krieg 1914-1919 – widmet er sich der Geschichte seines Vaters René, der den Großteil des Zweiten Weltkriegs in einem deutschen Gefangenenlager in Pommern verbrachte.

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Grundlage des zweibändigen Comics sind drei Schulhefte, die der 1986 verstorbene René Tardi seinem Sohn hinterließ. Jacques Tardi bricht in seiner Erzählung zu einer Reise auf. Als kleiner Junge begleitet er seinen Vater bei seinen Erlebnissen, die er in seinen wenigen Tagen als aktiver Soldat der französischen Armee und danach fast fünf Jahre als Kriegsgefangener hatte. Obwohl der 1946 geborene Jacques Tardi während des geschilderten Zeitraums noch gar nicht auf der Welt war, funktioniert der erzählerische Kunstgriff mit dem kleinen Jacques, der seinem Vater naive Fragen stellt oder freche Kommentare abgibt, sehr gut.

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Tardi gestaltete seine schwarzweißen Comicseiten, in denen er gelegentlich als Effekt rote Farbflächen einsetzt, genau wie in Elender Krieg in Form von drei sehr breiten untereinander angeordneten detailreich ausgeführten Einzelpanels.

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Das triste Grauen, das Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg erlitten haben, wurde in manchem Film allzu harmlos komisch dargestellt und steht zwangsläufig natürlich im Schatten des Grauens der Konzentrationslager. Auch daher war es dringend nötig, dass Tardi äußerst akkurat aufzeigt, wie grausam bei seinem Vater die verlorenen Jahre der Kriegsgefangenschaft verlaufen sind und wie viel Elend etliche Generationen im letzten Jahrhundert durch die zwei Weltkriege erleiden mussten.

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Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Der Pariser Privatdetektiv Nestor Burma scheint sich im September 1940 ganz wohl in deutscher Kriegsgefangenschaft zu fühlen. Er versucht französische Soldaten für das deutsche Militär zu klassifizieren, doch dann stößt er auf einen seltsamen Gefangenen, der kurz vor seinem Tode noch die Worte „120, Rue de la Gare“ stammelt.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Kurz danach wird Burma entlassen und ins unbesetzte Lyon transportiert. Auf dem Bahnsteig trifft er auf Bob, einen Angestellten seiner Detektei. Doch plötzlich hält eine Frau, die wie ein Filmstar aussieht eine Knarre in der Hand. Bob wird erschossen, doch nicht ohne noch zuvor “120, Rue de la Gare“ zu stammeln.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Im Roman 120, Rue de la Gare verarbeitete Léo Malet Teile seiner eigenen Biografie, auch er war in deutscher Kriegsgefangenschaft, und ließ erstmals Nestor Burma auftreten. 28 weiteren Bücher mit dem Detektiv, die sich oftmals bestimmten Pariser Arrondissements widmeten, folgten und wurden teilweise mit Michel Galabru, Michel Serrault oder Guy Marchand verfilmt und teilweise ebenfalls von Jacques Tardi (Elender Krieg 1914–1919, Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB) zu Comics verarbeitet.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Bei 120, Rue de la Gare ist die reichlich unglaubwürdige und arg konstruierte Geschichte (zu der auch noch ein Gangster namens Eiffelturm Jo gehört) ganz sicher nicht der Hauptanreiz dieses durchaus faszinierenden Comics. Besonders interessant wird die Geschichte dadurch, dass Malet sie 1942 geschrieben und das Buch 1943 veröffentlicht wurde, also noch während Paris von der deutschen Wehrmacht besetzt war. Daher war es Malet nicht möglich direkte Kritik an den damaligen Zuständen zu üben, die aber dennoch eine nicht unwichtige Rolle innerhalb der Handlung spielen.

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Jaques Tardi zeigt in seinen atmosphärischen Zeichnungen Details aus dem besetzten Paris, wie z. B. eine Propaganda-Ausstellung über die jüdische Weltverschwörung oder ein Kino, das nur deutsche Soldaten betreten dürfen. Gerade diese scheinbar beiläufig ablaufenden Dinge im Hintergrund machen die Comicadaption von 120, Rue de la Gare zu mehr als einem Krimi.

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Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919

Der Erste Weltkrieg wird in Frankreich “La Grande Guerre“ genannt, dies allerdings meist ohne Anführungszeichen. Dieser “große Krieg“, von dem viele glaubten er würde alle anderen Kriege beenden, hat den Zeichner Jacques Tardi („120, Rue de la Gare„, “Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB“ ) immer wieder beschäftigt. Dies hat sehr persönliche Gründe. Durch seinen Großvater, der die Schlachtfelder von Verdun u. a. neben einer verwesenden Leiche überlebte, ist der 1946 geborene Tardi sehr sensibilisiert für dies Thema, denn er hat erlebt, was die traumatischen Erlebnisse aus dem Mann gemacht haben.

Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919

In Comics wie „Soldat Varlot“ oder “Grabenkrieg“ zeigt Tardi in eindringlichen meist schwarzweißen Bildern das Elend und Grauen, das die Frontsoldaten jahrelang durchleiden mussten. 2008 begann er mit der Veröffentlichung seines ambitioniertesten Comic-Projekts zu diesem Thema. Unter dem Titel “Putain de guerre“ (wörtlich übersetzt “Hure des Krieges“) schilderte er in sechs 30 x 40 cm großen Heften jeweils auf 20 Seiten die Kriegsjahre 1914 bis 1919 (auch nach dem Waffenstillstand am 11.11.1914 war der Konflikt noch lange nicht beendet). Die Hefte enthielten zudem noch einen ausführlichen dokumentarischen Anhang von Tardis Szenaristen, dem Historiker Jean-Pierre Verney. Danach erschien “Putain de guerre“ zunächst in zwei Bänden und schließlich als Gesamtausgabe, in der am Ende des Buches auch Verneys umfangreiche Anhänge enthalten ist.

Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919

2014 wurde auf dem Comicfestival in Angoulême mit “Tardi et la Grande Guerre“ die größte Ausstellung der Veranstaltung gezeigt. Hier waren Tardis Comics inmitten einer beeindruckenden Installation zu sehen. Die Besucher gingen durch Gänge, die wie Schützengräben wirkten. Dies wurde akustisch unterstützt durch fernes Kriegsgrollen, aber auch durch zumindest inhaltlich passende Chansons von Tardis Gattin Dominique Grange. Das Kernstück der Ausstellung waren alle schwarzweißen und farbigen Originalzeichnungen sowie erstmals auch Skizzen aus “Putain de guerre“. Die Ausstellung endet konsequenterweise in einem Raum voller Soldatengräber und zerlumpter Nationalflaggen, deren Farben kaum noch zu erkennen sind.

Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919
“Elender Krieg“ – so lautete der deutsche Titel von “Putain de guerre“ – ist alles andere als ein konventioneller Comic über den Krieg. Tardi gestaltete seine Comicseiten fast immer in Form von drei sehr breiten untereinander angeordneten detailreich ausgeführten Einzelpanels. Diese sind zunächst – die damalige erste Begeisterung über “La Grande Guerre“ darstellend – noch recht farbenfroh koloriert, doch im weiteren Verlauf der Geschichte bzw. des Krieges dominieren graue, braune aber auch immer wieder blutrote Farbtöne die Bilder.

Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919

Tardi verzichtet ganz auf Sprechblasen und ergänzt seine eindringlichen Bilder stattdessen durch Kästen mit Jean-Pierre Verneys erläuternden aber oft auch bitter-zynischen Texten. Dadurch gelingt es im Kleinen wie auch im unfassbar Großen einen Eindruck zu vermitteln von den zermürbenden Jahren dieses völlig sinnlosen Konfliktes, der 10 Millionen Menschen das Leben kostete.

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Marvin Clifford: Schisslaweng

2014 gewann Marvin Clifford auf dem Comic Salon in Erlangen den Publikumspreis für seinen Online-Comic “Schisslaweng“. Der 1983 in Berlin geborene Zeichner gibt in der 2012 gestarteten Serie “einen (saloppen) Einblick“ in seinen Alltag. Da er sich vorgenommen hat „jeden Mittwoch und 15. des Monats“ einen Comic auf schisslaweng.net online zu stellen, sind der ständige Stress vor dem Abgabetermin und die daraus resultierenden Probleme im Beziehungsleben natürlich ein wiederkehrendes Thema der Serie.

Marvin Clifford: Schisslaweng

Erschwerend kommt für Marvin Clifford hinzu, dass er nicht einfach nur einen Cartoon oder einen aus drei Bildern bestehenden Strips zeichnet, sondern zumeist längere Geschichten online stellt, die er auch noch aufwändig gezeichnet und koloriert hat. Zumeist haben seine Comics über den witzigen Einfall hinaus auch noch tolle grafische Einfälle. So wird Clifford in der Geschichte “Geht das?“ – nachdem ihn ein Kunde gebeten hat die aufwändigen und bereits mehrmals korrigierten Zeichnungen nochmal neu anzufertigen – in einem Tagtraum auf opulent in Szene gesetzten Panels zum wild wütenden Hulk.

Marvin Clifford: Schisslaweng

Für Comicfans, die Bücher bevorzugen, gibt es bei Panini unter dem Titel „Locker durch die Hose“ bereits eine zweite Zusammenstellung mit ausgewählten “Schisslaweng“-Comics. Meiner Meinung nach kommen viele von Marvin Cliffords Comics im Netz besser zur Geltung, da er hier ohne festgelegtes Format Geschichten in unterschiedlicher Länge erzählen kann. Manche der Comics wirken hingegen etwas seltsam, nachdem sie auf das quadratische Format des Buchs ummontiert wurden. Doch dem Spaß tut dies keinen Abbruch.

Marvin Clifford: SchisslawengIm großen Finale des Bands erzählt Clifford von seiner Reise zur Kölner Comicmesse. Zu seinem großen Entsetzen trifft er dort auf seinen Berliner Postboten, der ein großer Fan von ihm ist und Clifford nicht von der Seite weicht. Doch damit nicht genug, denn der Postillion feiert in Köln auch noch große Erfolge mit seiner sehr simplen Figur “Captain Pixel-Typ“ und stellt Clifford in den Schatten. Das ist natürlich ein reines Phantasie-Produkt, denn in der real existierenden deutschen Comicszene kann kaum ein anderer Zeichner und Autor bei Marvin Clifford mithalten.

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Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Der Aachener Zeichner Willi Blöß leistete schon als Herausgeber des Comicmagazins „Outside“ Beachtliches. Das Heft enthielt nicht nur irre komische Onepager mit seiner Figur „Pastor Zipfel“ sondern auch zahlreiche Erstveröffentlichungen internationaler Zeichner. Seit 2002 hat Blöß mehr als 25 Comic-Biografien von Künstlern herausgebracht.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Diese erscheinen zum Preis von 3,- Euro als Heftchen mit 24 Comicseiten. Sie sind etwas kleiner als eine Postkarte. Für die Präsentation hat Blöß ein Verkaufsdisplay entwickelt und die Reihe ist in immer mehr Museen und Galerien erhältlich.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Romantik: Caspar David Friedrich, William Turner

Blöß schrieb die gut recherchierten und sehr aufschlussreichen Texte dieser Serie immer selbst, war von Anfang an bei den Comic-Biografien auch als Zeichner tätig. So brachte er das Leben von Vincent van Gogh selbst in seinem lockeren und unverwechselbaren Cartoon-Stil zu Papier. Die Biographie von Andy Warhol erzählte Annette Schulze-Kremer in Bildern, die an die immer treffenden Karikaturen des MAD-Zeichners Mort Drucker erinnern. Auch Bernd Jünger fand für das unter dem Titel „Der lächelnde Schamane“ erschienene Comic über Joseph Beuys einen passenden Strich und hat dabei die unverwechselbaren Gesichtszüge des „Fett und Filz“-Künstlers sehr gut im Griff.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Joseph Beuys

Weitere Höhepunkt waren die beiden von Thomas Thiesen gezeichneten Comics. Während seine Pablo Picasso-Biographie im Stil eines verspielten Kinderbuches gehalten ist, setzte er das Leben von Hieronymus Bosch in einem harten und kontrastreichen Strich um. Beide Comics sind auf ihre Art sehr eigen und gelungen, wobei kaum zu glauben ist, dass sie vom selben Künstler stammen.
Die weiteren Künstler-Biografien hat Willi Blöß fast komplett im Alleingang als Autor und Zeichner in verschiedenen Stilen realisiert. Die Kolorierung stammt von seiner Lebensgefährtin Beatriz López-Caparrós, die für das kurze aber bewegte Leben des Graffiti-Künstlers Keith Haring natürlich auf poppige Kontraste setzte.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Keith Haring

Die Comic-Biographie von Frida Kahlo ist eine optimale Ergänzung zum erfolgreichen Kinofilm, da sie andere Akzente setzt und etwas mehr auf die politische Entwicklung der Künstlerin eingeht.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Frida Kahlo

Ein weiterer Höhepunkt ist der Band zu Niki de Saint Phalle. Hier bringt Blöß erstaunlich sensibel (auch in Anbetracht das ihm lediglich 24 kleinformatige Seiten zur Verfügung standen) nicht nur das Werk, sondern auch die tragische Kindheit der von ihrem Vater vergewaltigten Künstlerin zu Papier.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Niki de Saint Phalle

Auch zum Leben von Salvador Dali hat Willi Blöß einen Band in gewohnter Qualität gezeichnet und veröffentlicht. Unter dem Titel “Die Paranoia-Methode“ wird zugleich Biografie, Interpretation und kritische Würdigung zu Leben und Werk des nicht unumstrittenen spanischen Surrealisten und Franco-Anhänger geboten.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Egon Schiele

Den Comic “In Wien ist Schatten“ über Egon Schiele setzte Stefan F. in bräunlich kolorierte Zeichnungen um. Hier ist in kompakter aber nicht oberflächlicher Erzählweise auch zugleich einiges über Schieles Zeitgenossen Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu erfahren.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Danach erschienen Comic-Biografien zu Otmar Alt, Horst Janssen, Nam June Paik und Der Blaue Reiter, die Willi Blöß im Alleingang realisierte. Ein weiterer Band beschäftigt sich mit George Grosz, der Anfang des letzten Jahrhunderts in seinen Gemälden das deutsche Spießbürgertum, den Militarismus und den aufkommenden Faschismus ebenso bissig wie treffsicher attackierte.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
George Grosz

Für diesen Band war ursprünglich Ulf K. (“Neue Geschichten von Vater und Sohn“) vorgesehen, der auch schon einige Seiten anfertigte. Doch dessen eher unverbindlich-harmloser Stil wollte nicht so recht zum Thema passen. Thomas Thiesen sprang ein und illustrierte Leben und Werk von Grosz in einem kunstvoll holzschnittartigen Stil, der gelegentlich an Mike Mignola (“Hellboy“) denken lässt.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Genau wie George Grosz steht auch bei Klaus Staeck satirische Überzeichnung im Zentrum des künstlerischen und auf politische Aufklärung setzenden Wirkens. Inspiriert von den politischen Collagen John Heartfields hat der als Jurist ausgebildete Staeck auf seinen Plakaten ebenfalls immer wieder über die “Stützen der Gesellschaft“ gespottet. Diese provozierte er u. a. durch gefakte CDU-Plakate mit Slogans wie “Die Reichen müssen noch reicher werden“ oder “Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen in Tessin wegnehmen.“

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Klaus Staeck

Die von Willi Blöß getextete und gezeichnete Biografie sollte Klaus Staeck eigentlich als Geburtsgeschenk überreicht werden von der Berliner Akademie der Künste, deren Präsident er ist. Doch dann kam es anders und die Comic-Biografie entstand – ein Novum innerhalb der Reihe – in sehr enger Zusammenarbeit mit Staeck. Willi Blöß übernahm in die Veröffentlichung sogar Staecks handschriftlichen Freigabevermerk “gut zum Druck“. Dieser Expertise aus erster Hand kann nur beigepflichtet werden.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Auf Nummer sicher ging Blöß innerhalb der Reihe nicht. Anstatt im achtzehnten Band (nach “Romantik: Caspar David Friedrich, William Turner„) aus den Leben von mehrheitsfähigen (und eigentlich längst überfälligen) Künstlern wie Monet oder Chagall zu erzählen, kommt er uns mit Paula Modersohn-Becker. Diese dürfte etwas weniger bekannt als Lena Meyer-Landshut sein, doch auf dem Cover ist als Orientierungshilfe noch der Reim “und von Worpswede sei die Rede“ zu lesen.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Paula Modersohn-Becker

In eine Reihe mit Vincent van Gogh gehört Modersohn-Becker schon dadurch, dass sie zu Lebzeiten fast gänzlich unbekannt und unausgestellt blieb. Erst nach ihrem Tod im Jahre 1907 – sie wurde nur 31 – entdeckte man in ihrem Atelier eine Unzahl höchst bemerkenswerter Gemälde und Zeichnungen. Diese wurden z. T. von ihrem Ehemann Otto Modersohn, einem Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede, nachsigniert und danach erfolgreich ausgestellt.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Wer die Comic-Biografie über Paula Modersohn-Becker liest, dem wird sehr schnell klar warum Willi Blöß diese bemerkenswerte Persönlichkeit porträtiert hat. Zwar vermittelt er wie immer auch eine Unmenge von sauber recherchierten Fakten, erzählt aber auch die zeitlos-moderne Geschichte einer selbstbewussten Frau, die gegen den Zeitgeist anschwimmt und alles dransetzt um sich ihre (künstlerische) Freiheit zu bewahren. Wenn Willi Blöß demnächst wieder einen unbekannten Prominenten porträtiert, werde ich mich nicht mehr wundern, sondern mich vertrauensvoll auf das Büchlein stürzen.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Blauer Reiter

Es folgten ebenso lesenswerte von Blöß gezeichnete und geschriebene Biografien über Hundertwasser, Gustav Klimt, David Hockney, Robert Capa, Peter Paul Rubens, Magritte, Camille Claudel und Wilhelm Busch. Einige der Comic-Biografien liegen mittlerweile auch im größeren Format von 17 x 24 cm als Hardcover-Ausgaben zum Preis von 10,- Euro  vor.

Die Comic-Biografien können hier direkt bei Willi Blöß bestellt werden.

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Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics

Am 7.1.2016 verstarb in Freiburg im Alter von 87 Jahren Hansrudi Wäscher, der Pionier der deutschen Comics. 2009 erhielt er auf dem Comicfestival München den PENG!-Preis für sein Lebenswerk.

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics

Sein Agent Hartmut Becker schrieb: „In den Fünfzigerjahren hat er dem Lehning Verlag mit Sigurd, Akim, Nick der Weltraumfahrer, Falk und Tibor Millionenauflagen beschert. Und schuf damit im zerbombten Nachkriegsdeutschland eine erste Jugendkultur. Wäschers Abenteuerhelden sind bis heute unvergessen geblieben und inzwischen sogar als iPhone-App verfügbar.“

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics

Hartmut Becker verlegte 2011 unter dem Titel “Allmächtiger!“ auch das wohl schönste Fachbuch über Wäscher. Eine so dicke und fundierte Schwarte war schon lange fällig! Gefeiert wurde Wäscher zuvor als emsiger Schöpfer von Abenteuercomics wie Sigurd, Tibor und Nick zwar schon eine ganze Weile. Doch dies geschah eher innerhalb einer eingeschworenen Gemeinschaft von Fans, die oftmals wenig Interesse haben an Comics, die nicht von Wäscher gezeichnet wurden. Große Teile der Comicszene hingegen nahmen Wäscher wenn überhaupt nur naserümpfend zur Kenntnis. Erst 2008 erhielt Hansrudi Wäscher auf dem Comic-Salon in Erlangen einen Max-und-Moritz-Preis und musste sich diesen auch noch mit dem (ebenfalls eigenständig mehr als preiswürdigen) DDR-Comic-Pionier Hannes Hegen teilen.

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics
Knigge und Becker © Comicforum.de

Andreas C. Knigge hat als Mitbegründer der Fachzeitschrift Comixene und als Cheflektor des Carlsen Verlages viel dazu beigetragen, dass Comics in Deutschland salonfähig wurden. Im Vorwort zu diesem Buch räumt Knigge ein, nicht ganz unschuldig daran zu sein, dass Wäschers Comics als “Instrumente zur Zementierung bürgerlicher Moral entlarvt und somit als reaktionär einsortiert“ wurden. Doch Knigge hat nicht nur durch das Verfassen dieses Buches Abbitte geleistet, sondern auch durch den Weg dorthin. Zur Vorbereitung hat er “in einem Crashkurs“ (mit Ausnahme der meisten Buffalo Bills und Gespenster Geschichten) sämtliche von Hansrudi Wäscher gezeichneten und geschriebenen Comics gelesen. Dies geschah “fast ausnahmslos zum ersten Mal und mit einem ähnlichen Sog als würde man alle Staffeln von Prison Break hintereinander gucken.“

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics
Das Cover der vergriffenen Hardcover-Ausgabe.

Hinzu kamen noch einige aufschlussreiche Gespräche mit Wäscher und heraus ein bemerkenswertes Stück Comic-Fachliteratur. Der versierte Sachbuchautor Knigge widmet sich nicht nur ausführlich Wäschers Figurenensemble. Er erzählt zugleich auch die Geschichte der Comics im Nachkriegsdeutschland sowie von den Verlegerpersönlichkeiten Walter Lehning und Norbert Hethke, die Wäscher mehr zu verdanken hatten als ihnen zunächst bewusst war. Auch die Bebilderung des großformatigen Buches ist exquisit, wobei es recht praktisch war, dass der Herausgeber zugleich auch der Agent von Hansrudi Wäscher ist.

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics

Nach einigen etwas von der eigenen Begeisterung vernebelten Fan-Publikationen ist es schön, dass endlich ein Werk über Wäscher erscheint, das dessen Lebenswerk und Bedeutung für die deutschsprachigen Comics voll gerecht wird.

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