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Asterix: Die Trabantenstadt – Sonderausgabe

Das 17. Asterix-Album beginnt ganz besonders erinnerungswürdig. Dem kleinen gallischen Dorf droht diesmal kein Angriff von römischen Legionen, sondern die Verstädterung. Zwar ist das eingangs gezeigte Bild auf dem das Dörfchen von römischen Monumentalbauten umgeben ist, (zunächst) noch ein Modell, doch Gaius Julius Cäsar setzt alles daran um diesen Zustand Wirklichkeit werden zu lassen.

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Da er die unbeugsamen Gallier militärisch nicht besiegen konnte, versucht er es diesmal architektonisch und schickt seinen jungen Baumeister Quadratus. Dieser versucht zunächst den Wald in der Nähe des kleinen Dörfchens durch Sklaven roden zu lassen. Doch wie durch Zauberkraft – bzw. tatsächlich durch die Zauberkraft des Druiden Miraculix – wachsen die Bäume zur Freude des Hündchens Idefix sofort wieder nach.

Die Geschichte entwickelt sich sehr spannend und äußerst komisch weiter. Wie in vielleicht keinem anderen Album gelang es René Goscinny in “Die Trabantenstadt“ völlig selbstverständlich Probleme der Moderne leicht überzeichnet ins Altertum verlagern. Die Sklaven und später auch die Legionäre beginnen zu streiken und fordern humanere Arbeitsbedingungen. Die zunächst den direkt neben ihrem Dorf angesiedelten Römern gegenüber skeptischen Gallier lassen sofort alle Bedenken fallen, nachdem sie durch diese gut verdienen können. Eine von Albert Uderzo grandios als Prospekt ausgemalte Doppelseite macht sich pointiert über moderne Werbekampagnen lustig.

Anlässlich des Filmstarts des computeranimierten Films “Asterix im Land der Götter” erscheint die Vorlage “Asterix – Die Trabantenstadt” als Sonderausgabe. Diese schmückt ein schickes, neues Cover und sie enthält als zusätzlichen Bonus 16 redaktionelle Seiten mit ausführlichen Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte des Albums.

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Deutsche Comicforschung 2015

Der elfte Band der seit 2005 alljährlich erscheinenden Reihe “Deutsche Comicforschung“ enthält trotz gewohntem Umfang etwas weniger Beiträge als gewohnt. Doch dafür sind diese teilweise etwas ausführlicher ausgefallen.
Deutsche Comicforschung 2015

Da aktuell gerade wieder eine Ausstellung stattfindet, die Wilhelm Busch als Urvater des deutschen Comics feiert, war es dem Herausgeber Eckart Sackmann einmal mehr ein besonderes Anliegen durch einen reich bebilderten Beitrag darauf hinzuweisen, dass es hierzulande schon etliche Jahre vor “Max und Moritz“ Bild-Erzählungen gab.

Deutsche Comicforschung 2015

Sehr interessant ist auch ein Beitrag, der sich mit jenen Karikaturen und Bildergeschichten beschäftigt, die der 1871 in New York geborene Lyonel Feininger in Deutschland zeichnete und veröffentlichte, bevor er mit seinen gar nicht so zahlreichen Arbeiten für die Chicago Sunday Tribune Comicgeschichte schrieb.Das Titelbild des Buchs ziert ein ungewöhnliches Motiv des “Nick Knatterton“-Schöpfers Manfred Schmidt. Es handelt hierbei um das Cover des von ihm illustrierten Buchs “Wir beginnen das Wunschkonzert für die Wehrmacht“. Passend dazu beschreibt Ralf Palandt in einem Artikel wie Schmidt, der sich später immer wieder als Anti-Militarist geoutet hat, durchs Dritte Reich gekommen ist. Palandt hat hierzu zahlreiche Bild-Beispiele zusammengetragen, die zeigen wie sich Schmidt humoristisch vor den Karren der Nazis hat spannen lassen. Er überlässt es jedoch dankenswerterweise dem Leser selbst darüber moralisch zu urteilen.

Deutsche Comicforschung 2015

Die restlichen Artikel beschäftigen sich mit einer speziellen Ausgabe des “Simplicissimus“ von 1914, die eine durchgehende Bildergeschichte erzählte, damit wie US-Comics in der deutschen “Zeitungsforschung“ vor 1945 beurteilt wurden und mit dem 1930 in einer Elsässer Illustrierten erschienenden Comic “Zip und Zap“. Außerdem schildert Doris Hethke sehr lebendig die turbulenten Anfänge des Verlages ihres Mannes Norbert.

Deutsche Comicforschung 2015

Einmal mehr gelang es Eckart Sackmann eine bunte Mischung zusammen zu stellen, für jeden Comic-Interessierten dürfte mindestens ein interessanter Beitrag dabei sein. Das nächste Jahrbuch ist laut Vorwort bereits halb gefüllt. Freuen wir uns drauf!

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Ulf. K.: Geschichten vom Herrn Keuner

Ab 1926 verfasste bzw. sammelte Bertold Brecht in unregelmäßigen Abstand bis zu seinem Tode im Jahr 1956 mehr als 120 kurze Geschichten um einen gewissen Herrn Keuner. Manchmal handelte es sich dabei einfach um ein kleines irgendwo aufgeschnapptes Witzchen, dessen Moral Brecht gut gefiel, doch es sind auch einige absolute Genie-Streiche darunter.

Ulf. K.: Geschichten vom Herrn Keuner

Mein persönlicher Favorit ist die Antwort, die Keuner einem Bekannten gibt, nachdem diesem ihn gefragt hat, ob es einen Gott gibt: “Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann könnten wir die Frage fallenlassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.“

Ulf. K.: Geschichten vom Herrn Keuner

In manchen Geschichten nennt Bertold Brecht seinen Keuner auch einfach Herrn K. und da passt es recht gut, dass der Zeichner Ulf Keyenburg, der sich selbst Ulf K.  („Neue Geschichten von Vater und Sohn„) nennt, einige der Geschichten von Herrn K. zu Papier gebracht hat. Nach einer Vorabveröffentlichung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist ein Sammelband mit K.s Comics über Herrn K. beim Suhrkamp Verlag erschienen. Dort wird auch das Gesamtwerk von Brecht inklusive der Geschichten von Herrn Keuner verlegt. Ulf K. hat eine Auswahl daraus getroffen und Highlights wie “Herr Keuner und die Frage ob es einen Gott gibt“ oder “Wenn die Haifische Menschen wären“ in seinem simplen aber eleganten Stil als Comic umgesetzt. Unter den von Ulf K. gezeichneten 34 Geschichten befinden sich auch vier Stories, die nicht von Brecht stammen sondern vom Zeichner. Dies ist zwar im Inhaltsverzeichnis kenntlich gemacht, wirkt aber etwas anmaßend und hätte angesichts der Tatsache, dass noch genügend weiteres Keuner-Material von Brecht zum Adaptieren hätte genutzt werdden können, nicht unbedingt sein müssen.

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Insgesamt gelang Ulf K. jedoch eine sehr ansprechende Literaturadaption. Nachdem die FAZ ihr Comic-Prrogramm eingestellt hat, und daher die gut besoldete Vorab-Veröffentlichungsmöglichkeit in der Zeitung für die Zeichner wegfällt, bleibt zu hoffen, dass trotzdem weiterhin so hochkarätige Comics wie die “Geschichten vom Herrn Keuner“ bei Suhrkamp erscheinen werden.

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Mark Millar: The Secret Service

Die Idee zu “The Secret Service“ entwickelte der schottische Autor Mark Millar gemeinsam mit dem Regisseur Matthew Vaughn während der Dreharbeiten zur Verfilmung seines Comics “Kick-Ass“. Vaughn war von dem Konzept so angetan, dass er darauf verzichtete “Kick-Ass 2“ zu inszenieren und sich voll und ganz auf die Verfilmung des Comics, die jetzt den Titel  “Kingsman: The Secret Service“ trägt zu konzentrierten. In den Hauptrollen sind neben Colin Firth, Samuel L. Jackson, Mark Strong, Taron Egerton und Michael Caine zu sehen.

Mark Millar: The Secret Service

„The Secret Service“ ist eine aufregende Mischung aus James Bond und Sozialdrama. Hauptfigur ist Gary, der in einem Londoner Problemviertel aufwächst und höchstwahrscheinlich genauso kriminell und asozial wird, wie die wechselnden Lover seiner Mutter. Doch sein Onkel Jack macht ihm ein ungewöhnliches Angebot. Jack enthüllt ihm, dass er als Super-Agent für den britischen Geheimdienst tätig ist und bietet Gary an, dort auch eine Ausbildung zu absolvieren. Gary ist nicht abgeneigt von Profis zu lernen wie man schießt und Frauen befriedigt, doch sein sozialer Background macht ihm zum Außenseiter der Agentenschule.

Mark Millar: The Secret Service

Millar erzählt zugleich aber auch vom sehr seltsamen größenwahnsinnigen Plan eines Superschurken, der zahlreiche Prominente aus Science-Fiction-Filmen und TV-Serien entführt, wodurch es gleich zu Beginn des Comics zu einem unvergesslichen Gastauftritt von Mark Hamill kommt. Als Zeichner konnte Millar die “Watchmen“-Legende Dave Gibbons gewinnen. “The Secret Service“ ist eine weitere abgefahrene Geschichte aus der “Millarworld“ wie der Autor sein bei verschiedenen US-Verlagen veröffentlichtes Oeuvre nennt.

The Secret Service

Spannung, allerlei überraschende Wendungen, Humor, sowie interessant charakterisierte Hauptfiguren wurden zu einem gut geschüttelten Cocktail zusammen gemixt, der gelegentlich sogar rührt.

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Reinhard Kleist: Der Boxer – Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Dass an den Titel “Der Boxer“ noch der Zusatz “Die wahre Geschichte des Hertzko Haft“ angehängt wurde, ist durchaus sinnvoll. Es ist in der Tat nahezu unglaublich, dass ein polnischer Jude, der im KZ erstmals mit dem Boxsport in Verbindung kam und zum Vergnügen des Wachpersonals gegen andere Häftlinge in den Ring stieg, in New York als Profiboxer gegen Rocky Marciano antrat und das auch noch hauptsächlich um dadurch die Aufmerksamkeit seiner verschollenen in den USA vermuteten Jugendliebe auf sich zu ziehen.

Reinhart Kleist: Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Erst 2003 im Alter von 78 Jahren, erzählte Hertzko Haft seinem Sohn Alan Scott seine Lebensgeschichte, die dieser niederschrieb und unter dem Titel “Eines Tages werde ich alles erzählen“ veröffentlichte. Im äußerst lesenswerten Nachwort zu diesem Comic zeigt Martin Krauß anhand von zahlreichen Beispielen, dass Boxkämpfe in Konzentrationslagern keine Seltenheit waren und zitiert den Sportpublizisten Bernd M. Beyer, der Hafts Schilderung trotz einiger fehlerhafter historisch nicht korrekter Details für “wahrhaftig und eindringlich“ hält.

Reinhart Kleist: Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Reinhard Kleist (“Der Traum von Olympia“, “Castro“) adaptierte das Buch als Comic, der zuerst als Fortsetzungsserie in der F. A. Z. erschien und hier in dieser Form komplett nachzulesen ist. Für die Buchausgabe bei Carlsen überarbeitete Kleist den Strip noch einmal kräftig und ergänzte ihn um zahlreiche Zeichnungen. Das Resultat ist ein weiteres in einer ausgereiften und sehr eigenständigen Schwarzweißtechnik zu Papier gebrachtes Comic-Meisterwerk, das sich auch vor Art Spiegelmans thematisch etwas ähnlichen Meilenstein “Maus“ nicht verstecken muss.

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Creepy präsentiert Bernie Wrightson

Bevor Bernie Wrightson 1974 für die schwarzweißen Horror-Magazine CREEPY und EERIE zeichnete, hatte er bereits einen großen Erfolg beim Superhelden-Verlag DC zu feiern. Gemeinsam mit dem Autor Len Wein schuf er die heute noch populäre Serie SWAMP THING, die Vorlage zu zwei trashigen Kinofilmen und eine erstaunlich lange laufende TV-Serie wurde. Außerdem debütierte der Brite Alan Moore (Watchmen) bei SWAMP THING als Autor eines US-Comics.

CREEPY PRÄSENTIERT BERNIE WRIGHTSON

Wrightson verließ DC, weil er es bevorzugte schwarzweiße Horror-Comics zu zeichnen in denen seine detailreichen Bilder nicht unter einer von fremder Hand vorgenommenen Kolorierung verschwanden. Seine erste Arbeit für den Warren-Verlag war eine in CREEPIE 63 veröffentlichte Adaption von Edgar Allen Poes Short Story „The Black Cat“.

CREEPY PRÄSENTIERT BERNIE WRIGHTSON

Sein zweiter Warren-Comic über eine seltsame Mensch-Monster-Love-Story sollte ein kleiner Klassiker werden. Der italienische Horror-Meister Dario Argento („Suspira“) verfilmte „Jenifer“ 2005 für die TV-Athologie-Serie „Masters of Horror„. Obwohl die Spezialeffekt-Leute – so gut wie es das TV-Budget zuließ – versuchten Wrightsons faszinierende Monsterfrau mit dem tollen Körper und dem ekeligen Gesicht nachzubauen, wurde im Vorspann als Schöpfer lediglich der Autor Bruce Jones genannt.

CREEPY PRÄSENTIERT BERNIE WRIGHTSON

Bevor Wrightson über Umwege schließlich doch wieder bei DC und Marvel landete, schuf er einzigartige detailverliebte grausige schwarzweiße Horror-Geschichten, einige der schönsten davon für CREEPY und EERIE. Diese sowie seine zugehörigen Titelbilder und Illustrationen sind alle in diesem schönen großformatigen Sammelband des Splitter Verlags abgedruckt. In ähnlicher Aufmachung liegt hier bereits die „Creepy präsentiert Richard Corben – Gesamtausgabe“ vor und es ist zu hoffen, dass weitere Editionen mit Comics aus der Gruft des Warren Verlags folgen werden.

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Matthias Schultheiss: Die Haie von Lagos

Matthias Schultheiss war einst völlig zu Recht die größte Hoffnung des deutschen Comics. Für „Zack“ gestaltete er eine Trucker-Comicserie, die nach der Einstellung des Comicmagazins erst sehr viel später erschien. Viel Aufsehen erregte er mit Comicadaptionen der Short Stories von Charles Bukowski und so richtig hob er dann mit „Die Wahrheit über Shelby“ und „Die Haie von Lagos“ ab. Diese Serien erschienen auch in Frankreich. Nachdem er sich auf dem US-Markt mit „Propellerman“ bei Dark Horse eine blutige Nase geholt hatte, konzentriert sich Schultheiss auf das Verfassen von Drehbüchern für TV-Serien bis er schließlich 2010 mit „Die Reise mit Bill“ zum Comic zurückkehrte.

Matthias Schultheiss: Die Haie von Lagos

Die drei Alben „Die Haie von Lagos“ erschienen zwischen 1987 und 1990 unter den Titeln „Schwarze Seelen“, „Lamberts Beute“ und „Die Spur“ erstmals beim Carlsen Verlag. Die Serie spielt im damaligen Nigeria und schildert die ziemlich abschreckenden Erlebnisse des weißen Abenteurers Patrick Lambert, der sich als Pirat versucht. Schultheiss erzählte diese Geschichte in beeindruckenden direkt kolorierten Comicseiten.

Matthias Schultheiss: Die Haie von Lagos

2001 veröffentlichte comicplus+ eine „überarbeitete Neuauflage“ der Serie. Schon auf den Titelbildern fiel sofort der sattere Grünton auf, der das Bild sehr viel plastischer wirken lässt als bei der Carlsen-Ausgabe. Dieser positive Eindruck setzte sich auch in den Alben fort. Die Farben wirkten sehr viel schillernder und auch das Computerlettering wurde sorgfältiger in die Sprechblasen platziert als dies beim alten (nicht von Schultheiss ausgeführten) teilweise recht ungelenken Handlettering bei Carlsen der Fall war.

Matthias Schultheiss: Die Haie von Lagos

2014 überraschte Splitter nicht nur durch eine gebundene Hardcover-Gesamtausgabe, sondern auch dadurch dass auf dieser auch noch „Erster Zyklus“ zu lesen war. Noch vor der Gesamtausgabe brachte Splitter den Schultheiss-Comic „Die Haie von Lagos: Die Geister des Meeres“ heraus, der einen zweibändigen zweiten Zyklus startete und weitere Abenteuer von Patrick Lambert erzählt.

Matthias Schultheiss: Die Haie von Lagos

Wie bei oft bei seinen neuen Comics setzt Schultheiss auch hier häufig auf große Einzelpanels. In Sachen plastischer schillernder Farbigkeit ist er weiterhin einzigartig. Auch die Gesamtausgabe des „Ersten Zyklus“ sieht in der neuen Splitter-Edition besser aus denn je. Schultheiss hat dafür ein neues Titelbild gestaltet und das klassische Cover des ersten Bandes liegt als Druck bei. So machen Neuauflagen wirklich Spaß!

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Gibrat: MATTÉO # 3 – AUGUST 1936

Mit “Mattéo“ ist Jean-Pierre Gibrat (“Der Aufschub“, “Von Dieben und Denunzianten“) eine Serie gelungen, die sich sehr überraschend entwickelt. Im ersten Band erzählt er, wie der Titelheld Mattéo im Jahre 1914 darunter leidet, dass er nicht mit den jungen Franzosen in den Krieg ziehen darf, da er gebürtiger Spanier ist. Die Bevölkerung des kleinen Dorfes in Süden Frankreichs schneidet den jungen Mann und die von ihm angehimmelte Juliette wendet sich einem gut betuchten Nebenbuhler zu, der als Offizier in den Krieg zieht. Obwohl sein Freund Paulin an der Front durch Senfgas erblindet ist, zieht es Mattéo in den Krieg.

Gibrat: MATTÉO # 3 - AUGUST 1936

Doch nicht allzu lange, denn im zweiten Band der Comicreihe stürzt Mattéo sich munter in ein neues Krisengebiet. Abenteuerlust und Idealismus lassen den etwas naiven Jüngling nach St. Petersburg reisen, denn “dort herrscht Revolution“. Er verliebt sich in die selbstbewusste pfeifenrauchende Revolutionärin Lea, es gibt aber auch ein Wiedersehen mit der Krankenschwester Amélie, die den verletzten Frontkämpfer Mattéo aufopfernd pflegte. Dieser Teil von Mattéos Abenteuer endet etwas abrupt und lässt den Titelhelden eine weitere Dummheit begehen. Er stellt sich den französischen Behörden freiwillig und wird als Deserteur zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Gibrat: MATTÉO # 3 - AUGUST 1936Dass Mattéo dann doch nicht ganz so lange eingesessen hat, davon erzählt der dritte Band der Serie. Im August des für Frankreich sehr hoffnungsfrohen Jahres 1936 besucht Mattéo gemeinsam mit seinem erblindeten Freund Paulin sowie mit Amélie und ihrem kommunistischen Ehemann Augustin sein Heimatdorf an der spanischen Grenze. Gibrat fängt hier sehr gut die Stimmung eines Frankreichs ein, dass sich einerseits durch die sozialistische Regierung von Leon Blum in einen Wohlfahrtstaat zu verwandeln schien, andererseits jedoch keine Position im spanischen Bürgerkrieg bezog und nichts unternahm um den dortigen Genossen gegen die Franco-Diktatur beizustehen. Davon wie sich diese politische Großwetterlage auch auf die privaten Beziehungen niederschlug, erzählt Gibrat äußerst mitreißend.

Gibrat: MATTÉO # 3 - AUGUST 1936Das konsequente Finale dieses Comics macht sehr gespannt auf die Fortsetzung. Obwohl es kaum möglich erscheint, hat Gibrat sich innerhalb der Serie künstlerisch sogar noch gesteigert. Selten waren seine Bilder so stimmungsvoll, seine Farben so flirrend und seine weiblichen Hauptfiguren so attraktiv.

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Grant Morrison: SUPERHELDEN – Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

Der Schotte Grant Morrison (“Batman: Arkham Asylum“) ist nicht nur einer der erfolgreichsten US-Comicautoren sondern auch ein Experte auf dem Gebiet der Superhelden. Eine lebenslange Liebe verbindet ihn mit der Figur des Supermans, der er in der 12-teiligen Miniserie “All Star Superman“ ein Denkmal setzte und im Neustart der klassischen Serie “Action Comics“ die Über-Unterhose wegrationalisierte.

Grant Morrison: SUPERHELDEN - Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

Im Buch “Superhelden“ erzählt Morisson sowohl die Geschichte der Superhelden-Comics als auch seine eigene Biographie. Das funktioniert zunächst sehr gut. Informativ und gelegentlich auch pointiert analysiert Morrison die ersten Auftritte von Superman und Batman, die zahllose weitere Superhelden-Comics nach sich zogen. Hier wäre eine etwas großzügigere, nicht nur DC-Comics zeigende, Bebilderung wünschenswert gewesen, während es etwas fraglich ist, ob “Panel“ mit “Panele“ wirklich optimal ins Deutsche bzw. Österreichische übersetzt wurde.

Grant Morrison: SUPERHELDEN - Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

Doch ansonsten ist Morrisons “Superhelden“ in der ersten Hälfte sowohl für Neueinsteigern aber auch für Experten ein spannend zu lesendes Comic-Sachbuch. Interessant ist die Schilderung jener Zeit in den Fünfziger Jahren als sich die Superman-Comics bedingt durch den Erfolg einer spießigen TV-Serie mit George Reeves aber auch unter dem Zensur-Druck des Comics Code mehr mit alltäglichen Problemen als mit galaktischen oder gar kapitalistischen Bedrohungen beschäftigten. Im Kapitel “Superman auf der Couch“ erzählt Morrison davon, wie sich DC-Herausgeber Mort Weisinger einer Psychotherapie unterzog und “seine Schreiber mit dem in den jeweiligen Sitzungen anfallenden Material“ versorgte. Das Resultat waren dann Hefte mit Clark Kents Kollegen Jimmy Olsen als Transvestiten oder einer gegen Superman die Peitsche schwingenden Lois Lane.

Grant Morrison: SUPERHELDEN - Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

Während Morrison anfangs nur sehr gelegentlich davon erzählt, wie er die beschriebenen Comics als jugendlicher Leser empfunden hat, gerät das Buch auf den letzten 250 Seiten merklich aus dem Gleichgewicht. Hier betritt Morrison auch als Comicschaffender die Bühne und nutzt diese zunächst ausgiebig um Spitzen gegen seinen noch etwas prominenteren Kollegen Alan Moore abzufeuern. Dessen anerkannten Meilenstein “Watchmen“ findet Morrison gar nicht so bedeutend und seine Argumentation liest sich recht amüsant. Während er sich für einen verständnisvollen “Anthropologen“ der US-Comics hält, bezeichnet er Alan Moore als rücksichtslosen “Missionar“, der Superhelden-Lesern seine “eigenen Wertvorstellungen und Vorurteile“ aufzwingen möchten. Laut Morrison sieht Moore Superhelden als primitive Eingeborene über deren “farbenprächtige Trachten“ er sich nicht nur lustig macht, sondern diese dazu zwingt “lederne Trenchcoats zu tragen“ und zudem auch noch bis zum “Nervenzusammenbruch drangsaliert“.

Grant Morrison: SUPERHELDEN - Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

In den letzten Kapiteln versucht Morrison den Eindruck zu erwecken, dass fast jeder bedeutende Comic der letzten 20 Jahre aus seiner Feder stammte. Statt über die Werke anderer Comicschaffender zu berichten, ist der Autor hier stärker daran interessiert seine Erfahrungen mit mystischem Hokuspokus oder die Vorteile einer rasierten Glatze zu schildern. Das trübt zwar ein wenig den positiven Eindruck der ersten Hälfte des Buches, hat aber durchaus Unterhaltungswert.

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Hellblazer – Garth Ennis Collection

Nun liegen sie komplett vor, die von Garth Ennis getexteten Geschichten mit dem Mystiker John Constantine. Den Anfang des fünften diesmal besonders voluminösen Hardcover-Bandes bildet die sich Anno 1994 durch die Hellblazer-Hefte 78 bis 83 ziehende Storyline Das letzte Gefecht. Hier bekommt es Constantine mit dem Teufel höchstpersönlich zu tun und einige liebgewonnene Figuren verlassen die Serie für immer.

Hellblazer - Garth Ennis Collection

Ennis und der 2016 verstorbene Zeichner Steve Dillon befinden sich hier bereits auf der Höhe ihrer Kunst. Genau wie bei ihren nächsten Meisterwerken Preacher und Punisher wechseln sich brutale überraschende Momente mit ruhigen nachdenklich machenden Dialogen und Monologen ab. Es geht dabei um nichts Geringeres als Gottes Unfähigkeit die Menschen gut sein zu lassen und Constantines Unvermögen wirklich von ganzen Herzen zu lieben, obwohl er in der Lage ist “mit minimalem Aufwand ein Maximum an Anhänglichkeit herauszukitzeln“.

Hellblazer - Garth Ennis CollectionDeutlich ruhiger als in “Das letzte Gefecht“ geht es danach in der 58-seitigen 1997 als Hellblazer Special veröffentlichten Geschichte Heartland. John Constantine taucht hier gar nicht auf. Im Zentrum steht dessen ehemalige Freundin Kathy Ryan alias Kit, sowie ihre vier Geschwister und deren nicht eben harmonisch verlaufender Vergangenheit. Mit dieser erstaunlich gut geerdeten Geschichte ganz ohne Hokuspokus auskommende Geschichte über das nicht eben leichte Leben in Belfast verabschiedete sich der Zeichner Steve Dillon von Hellblazer.

Hellblazer - Garth Ennis Collection

Garth Ennis kehrte 1998 noch einmal kurz zurück und konfrontierte John Constantine in der fünfteiligen Hellblazer-Miniserie Menschensohn mit den brutalen Auswirkungen einer vor langer Zeit aus verständlichen Gründen begangenen magischen Untat. Das zentrale Motiv der Figur, die durch seine Versuche Böse zu verhindern Böses anrichtet, wird hier schön drastisch herausgearbeitet. Die glatten fast schon cartoonmäßig anmutenden Zeichnungen vom Watchmen-Koloristen John Higgins sind etwas gewöhnungsbedürftig. Einziges Manko dieses prall mit beeindruckenden Geschichten gefüllten Hardcover-Bandes ist, dass die beeindruckenden Cover-Gemälde von Glenn Fabry leider meist nur sehr klein auf einer Viertelseite abgedruckt wurden.

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