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Suite française

60 Jahre hat es  gedauert bis die zwei Romane “Sturm im Juni“ und “Dolce“ der französischen Bestsellerautorin Autorin Irène Némirovsky nach ihrer Niederschrift endlich erschienen sind. Die jüdische Schriftstellerin wurde 1942 von der Polizei im von Deutschen besetzten Frankreich verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Einen Monat später starb sie dort an Typhus. Denise und Elisabeth Némirovsky bewahrten 50 Jahre lang einen Koffer ihrer Mutter auf, in dem sich ein in Leder gebundenes Buch befand. Sie trauten sich lange Zeit nicht das vermeintliche Tagebuch zu lesen und waren erstaunt, als sie in der Kladde stattdessen die Niederschrift von zwei Romanen vorfanden.

Suite française
Irène Némirovsky

2004 schließlich erschienen die beiden Bücher – Némirovsky plante einen aus fünf Romanen bestehenden Zyklus – gemeinsam unter dem Titel “Suite française“ und wurden zum Weltbestseller. Mittlerweile ist bei btb eine schöne, preiswerte, kleinformatige, in Leinen gebundene Edition mit Leseband erschienen, die als Anhang eine umfangreiche Dokumentation mit Hintergrundinformationen enthält.

Suite française

Némirovsky beschrieb in “Suite française“ detailreich und fast schon dokumentarisch den Zusammenbruch der französischen Gesellschaft während und nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Dabei ist es angesichts des großen Ensembles nicht immer leicht den Überblick zu behalten, doch wer sich auf die Lektüre einlässt, wird als Leser reich belohnt und zum Zeitzeugen eines düsteren Stücks europäischer Geschichte.

Suite française

Ein guter Einstieg in das Werk sind zwei gelungene Adaptionen. Beim Verlagshaus Jacoby & Steward ist eine Comic-Version von Némirovskys ersten “Suite française“-Roman “Sturm im Juni“ erschienen. Diese stammt von Emmanuel Moynot, dessen Zeichenstil an den großen Jaques Tardi (“Elender Krieg 1914 – 1919“, “Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB“) erinnert, weswegen dieser ihn auch zu seinem Nachfolger bei den Comic-Adaptionen von Léo Malets Kriminalromanen um den Detektiv Nestor Burma (“120, Rue de la Gare“) kürte.

Suite française

Bei seinem Comic “Sturm im Juni“ arbeitet Emmanuel Moynot mit klaren oft sehr lässig hingehauenen Zeichnungen, die durch die Grautöne von Chantal Quillec wie Standbilder aus einem Schwarzweiß-Film der vierziger Jahre wirken. Das schafft die richtige Atmosphäre für die breitangelegte Darstellung des Schicksals von drei französischen Familien, die 1940 versuchen der heranrückenden Wehrmacht zu entkommen. Am Anfang des Comic-Buchs befindet sich eine Übersicht über die Hauptfiguren, was den Einstieg in die vielschichtige Geschichte erleichtert.

Suite française

Irène Némirovskys zweiter “Suite française“-Roman “Dolce“ diente als Vorlage für den großteils in Belgien gedrehten britisch-französisch-kanadischen Kinofilm “Suite française – Melodie der Liebe“. Diese Schilderung der deutschen Besetzung eines französischen Dorfs ist u. a. mit Kristin Scott Thomas, Tom Schilling, Sam Riley und Heino Ferch großartig besetzt. Der Film konzentriert sich hauptsächlich auf die problematische Liebesgeschichte zwischen der jungen unglücklich verheirateten Lucile Angellier (Michelle Williams) und dem musisch veranlagten Wehrmachts-Offizier Bruno von Falk (Matthias Schoenaerts), der im Zivilleben Komponist war.

Suite française
Michelle Williams und Matthias Schoenaerts

Vor dem Hintergrund dieser Love Story vernachlässigt der britische Regisseur Saul Dibb (“Die Herzogin“) keineswegs den zeitgeschichtlichen Hintergrund. Sein Film erzählt auch vom fragilen alles andere als sozial gerechten Machtgefüge im Dorfe, das durch die deutschen Besatzer erheblich ins Schwanken gerät. Film und Comic sind eine gute Grundlage um danach zu Irène Némirovskys großartiger Prosa zu greifen und noch tiefer in die Materie einzudringen.

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Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Unglaublich mit welcher Hartnäckigkeit, Akribie und Kunstfertigkeit Jacques Tardi (120, Rue de la Gare) die Geschichte der vergangenen Jahrhunderte aufarbeitet.

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Nach Comics über die Pariser Kommune von 1871 (Die Macht des Volkes) und vor allem über den ersten Weltkrieg – am beeindruckendsten wohl das Mammutwerk Elender Krieg 1914-1919 – widmet er sich der Geschichte seines Vaters René, der den Großteil des Zweiten Weltkriegs in einem deutschen Gefangenenlager in Pommern verbrachte.

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Grundlage des zweibändigen Comics sind drei Schulhefte, die der 1986 verstorbene René Tardi seinem Sohn hinterließ. Jacques Tardi bricht in seiner Erzählung zu einer Reise auf. Als kleiner Junge begleitet er seinen Vater bei seinen Erlebnissen, die er in seinen wenigen Tagen als aktiver Soldat der französischen Armee und danach fast fünf Jahre als Kriegsgefangener hatte. Obwohl der 1946 geborene Jacques Tardi während des geschilderten Zeitraums noch gar nicht auf der Welt war, funktioniert der erzählerische Kunstgriff mit dem kleinen Jacques, der seinem Vater naive Fragen stellt oder freche Kommentare abgibt, sehr gut.

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Tardi gestaltete seine schwarzweißen Comicseiten, in denen er gelegentlich als Effekt rote Farbflächen einsetzt, genau wie in Elender Krieg in Form von drei sehr breiten untereinander angeordneten detailreich ausgeführten Einzelpanels.

Jacques Tardi: Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB

Das triste Grauen, das Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg erlitten haben, wurde in manchem Film allzu harmlos komisch dargestellt und steht zwangsläufig natürlich im Schatten des Grauens der Konzentrationslager. Auch daher war es dringend nötig, dass Tardi äußerst akkurat aufzeigt, wie grausam bei seinem Vater die verlorenen Jahre der Kriegsgefangenschaft verlaufen sind und wie viel Elend etliche Generationen im letzten Jahrhundert durch die zwei Weltkriege erleiden mussten.

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Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Der Pariser Privatdetektiv Nestor Burma scheint sich im September 1940 ganz wohl in deutscher Kriegsgefangenschaft zu fühlen. Er versucht französische Soldaten für das deutsche Militär zu klassifizieren, doch dann stößt er auf einen seltsamen Gefangenen, der kurz vor seinem Tode noch die Worte „120, Rue de la Gare“ stammelt.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Kurz danach wird Burma entlassen und ins unbesetzte Lyon transportiert. Auf dem Bahnsteig trifft er auf Bob, einen Angestellten seiner Detektei. Doch plötzlich hält eine Frau, die wie ein Filmstar aussieht eine Knarre in der Hand. Bob wird erschossen, doch nicht ohne noch zuvor “120, Rue de la Gare“ zu stammeln.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Im Roman 120, Rue de la Gare verarbeitete Léo Malet Teile seiner eigenen Biografie, auch er war in deutscher Kriegsgefangenschaft, und ließ erstmals Nestor Burma auftreten. 28 weiteren Bücher mit dem Detektiv, die sich oftmals bestimmten Pariser Arrondissements widmeten, folgten und wurden teilweise mit Michel Galabru, Michel Serrault oder Guy Marchand verfilmt und teilweise ebenfalls von Jacques Tardi (Elender Krieg 1914–1919, Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB) zu Comics verarbeitet.

Jacques Tardi: 120, Rue de la Gare

Bei 120, Rue de la Gare ist die reichlich unglaubwürdige und arg konstruierte Geschichte (zu der auch noch ein Gangster namens Eiffelturm Jo gehört) ganz sicher nicht der Hauptanreiz dieses durchaus faszinierenden Comics. Besonders interessant wird die Geschichte dadurch, dass Malet sie 1942 geschrieben und das Buch 1943 veröffentlicht wurde, also noch während Paris von der deutschen Wehrmacht besetzt war. Daher war es Malet nicht möglich direkte Kritik an den damaligen Zuständen zu üben, die aber dennoch eine nicht unwichtige Rolle innerhalb der Handlung spielen.

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Jaques Tardi zeigt in seinen atmosphärischen Zeichnungen Details aus dem besetzten Paris, wie z. B. eine Propaganda-Ausstellung über die jüdische Weltverschwörung oder ein Kino, das nur deutsche Soldaten betreten dürfen. Gerade diese scheinbar beiläufig ablaufenden Dinge im Hintergrund machen die Comicadaption von 120, Rue de la Gare zu mehr als einem Krimi.

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Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919

Der Erste Weltkrieg wird in Frankreich “La Grande Guerre“ genannt, dies allerdings meist ohne Anführungszeichen. Dieser “große Krieg“, von dem viele glaubten er würde alle anderen Kriege beenden, hat den Zeichner Jacques Tardi („120, Rue de la Gare„, “Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag IIB“ ) immer wieder beschäftigt. Dies hat sehr persönliche Gründe. Durch seinen Großvater, der die Schlachtfelder von Verdun u. a. neben einer verwesenden Leiche überlebte, ist der 1946 geborene Tardi sehr sensibilisiert für dies Thema, denn er hat erlebt, was die traumatischen Erlebnisse aus dem Mann gemacht haben.

Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919

In Comics wie „Soldat Varlot“ oder “Grabenkrieg“ zeigt Tardi in eindringlichen meist schwarzweißen Bildern das Elend und Grauen, das die Frontsoldaten jahrelang durchleiden mussten. 2008 begann er mit der Veröffentlichung seines ambitioniertesten Comic-Projekts zu diesem Thema. Unter dem Titel “Putain de guerre“ (wörtlich übersetzt “Hure des Krieges“) schilderte er in sechs 30 x 40 cm großen Heften jeweils auf 20 Seiten die Kriegsjahre 1914 bis 1919 (auch nach dem Waffenstillstand am 11.11.1914 war der Konflikt noch lange nicht beendet). Die Hefte enthielten zudem noch einen ausführlichen dokumentarischen Anhang von Tardis Szenaristen, dem Historiker Jean-Pierre Verney. Danach erschien “Putain de guerre“ zunächst in zwei Bänden und schließlich als Gesamtausgabe, in der am Ende des Buches auch Verneys umfangreiche Anhänge enthalten ist.

Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919

2014 wurde auf dem Comicfestival in Angoulême mit “Tardi et la Grande Guerre“ die größte Ausstellung der Veranstaltung gezeigt. Hier waren Tardis Comics inmitten einer beeindruckenden Installation zu sehen. Die Besucher gingen durch Gänge, die wie Schützengräben wirkten. Dies wurde akustisch unterstützt durch fernes Kriegsgrollen, aber auch durch zumindest inhaltlich passende Chansons von Tardis Gattin Dominique Grange. Das Kernstück der Ausstellung waren alle schwarzweißen und farbigen Originalzeichnungen sowie erstmals auch Skizzen aus “Putain de guerre“. Die Ausstellung endet konsequenterweise in einem Raum voller Soldatengräber und zerlumpter Nationalflaggen, deren Farben kaum noch zu erkennen sind.

Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919
“Elender Krieg“ – so lautete der deutsche Titel von “Putain de guerre“ – ist alles andere als ein konventioneller Comic über den Krieg. Tardi gestaltete seine Comicseiten fast immer in Form von drei sehr breiten untereinander angeordneten detailreich ausgeführten Einzelpanels. Diese sind zunächst – die damalige erste Begeisterung über “La Grande Guerre“ darstellend – noch recht farbenfroh koloriert, doch im weiteren Verlauf der Geschichte bzw. des Krieges dominieren graue, braune aber auch immer wieder blutrote Farbtöne die Bilder.

Jacques Tardi: Elender Krieg 1914-1919

Tardi verzichtet ganz auf Sprechblasen und ergänzt seine eindringlichen Bilder stattdessen durch Kästen mit Jean-Pierre Verneys erläuternden aber oft auch bitter-zynischen Texten. Dadurch gelingt es im Kleinen wie auch im unfassbar Großen einen Eindruck zu vermitteln von den zermürbenden Jahren dieses völlig sinnlosen Konfliktes, der 10 Millionen Menschen das Leben kostete.

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Marvin Clifford: Schisslaweng

2014 gewann Marvin Clifford auf dem Comic Salon in Erlangen den Publikumspreis für seinen Online-Comic “Schisslaweng“. Der 1983 in Berlin geborene Zeichner gibt in der 2012 gestarteten Serie “einen (saloppen) Einblick“ in seinen Alltag. Da er sich vorgenommen hat „jeden Mittwoch und 15. des Monats“ einen Comic auf schisslaweng.net online zu stellen, sind der ständige Stress vor dem Abgabetermin und die daraus resultierenden Probleme im Beziehungsleben natürlich ein wiederkehrendes Thema der Serie.

Marvin Clifford: Schisslaweng

Erschwerend kommt für Marvin Clifford hinzu, dass er nicht einfach nur einen Cartoon oder einen aus drei Bildern bestehenden Strips zeichnet, sondern zumeist längere Geschichten online stellt, die er auch noch aufwändig gezeichnet und koloriert hat. Zumeist haben seine Comics über den witzigen Einfall hinaus auch noch tolle grafische Einfälle. So wird Clifford in der Geschichte “Geht das?“ – nachdem ihn ein Kunde gebeten hat die aufwändigen und bereits mehrmals korrigierten Zeichnungen nochmal neu anzufertigen – in einem Tagtraum auf opulent in Szene gesetzten Panels zum wild wütenden Hulk.

Marvin Clifford: Schisslaweng

Für Comicfans, die Bücher bevorzugen, gibt es bei Panini unter dem Titel „Locker durch die Hose“ bereits eine zweite Zusammenstellung mit ausgewählten “Schisslaweng“-Comics. Meiner Meinung nach kommen viele von Marvin Cliffords Comics im Netz besser zur Geltung, da er hier ohne festgelegtes Format Geschichten in unterschiedlicher Länge erzählen kann. Manche der Comics wirken hingegen etwas seltsam, nachdem sie auf das quadratische Format des Buchs ummontiert wurden. Doch dem Spaß tut dies keinen Abbruch.

Marvin Clifford: SchisslawengIm großen Finale des Bands erzählt Clifford von seiner Reise zur Kölner Comicmesse. Zu seinem großen Entsetzen trifft er dort auf seinen Berliner Postboten, der ein großer Fan von ihm ist und Clifford nicht von der Seite weicht. Doch damit nicht genug, denn der Postillion feiert in Köln auch noch große Erfolge mit seiner sehr simplen Figur “Captain Pixel-Typ“ und stellt Clifford in den Schatten. Das ist natürlich ein reines Phantasie-Produkt, denn in der real existierenden deutschen Comicszene kann kaum ein anderer Zeichner und Autor bei Marvin Clifford mithalten.

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Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Der Aachener Zeichner Willi Blöß leistete schon als Herausgeber des Comicmagazins „Outside“ Beachtliches. Das Heft enthielt nicht nur irre komische Onepager mit seiner Figur „Pastor Zipfel“ sondern auch zahlreiche Erstveröffentlichungen internationaler Zeichner. Seit 2002 hat Blöß mehr als 25 Comic-Biografien von Künstlern herausgebracht.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Diese erscheinen zum Preis von 3,- Euro als Heftchen mit 24 Comicseiten. Sie sind etwas kleiner als eine Postkarte. Für die Präsentation hat Blöß ein Verkaufsdisplay entwickelt und die Reihe ist in immer mehr Museen und Galerien erhältlich.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Romantik: Caspar David Friedrich, William Turner

Blöß schrieb die gut recherchierten und sehr aufschlussreichen Texte dieser Serie immer selbst, war von Anfang an bei den Comic-Biografien auch als Zeichner tätig. So brachte er das Leben von Vincent van Gogh selbst in seinem lockeren und unverwechselbaren Cartoon-Stil zu Papier. Die Biographie von Andy Warhol erzählte Annette Schulze-Kremer in Bildern, die an die immer treffenden Karikaturen des MAD-Zeichners Mort Drucker erinnern. Auch Bernd Jünger fand für das unter dem Titel „Der lächelnde Schamane“ erschienene Comic über Joseph Beuys einen passenden Strich und hat dabei die unverwechselbaren Gesichtszüge des „Fett und Filz“-Künstlers sehr gut im Griff.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Joseph Beuys

Weitere Höhepunkt waren die beiden von Thomas Thiesen gezeichneten Comics. Während seine Pablo Picasso-Biographie im Stil eines verspielten Kinderbuches gehalten ist, setzte er das Leben von Hieronymus Bosch in einem harten und kontrastreichen Strich um. Beide Comics sind auf ihre Art sehr eigen und gelungen, wobei kaum zu glauben ist, dass sie vom selben Künstler stammen.
Die weiteren Künstler-Biografien hat Willi Blöß fast komplett im Alleingang als Autor und Zeichner in verschiedenen Stilen realisiert. Die Kolorierung stammt von seiner Lebensgefährtin Beatriz López-Caparrós, die für das kurze aber bewegte Leben des Graffiti-Künstlers Keith Haring natürlich auf poppige Kontraste setzte.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Keith Haring

Die Comic-Biographie von Frida Kahlo ist eine optimale Ergänzung zum erfolgreichen Kinofilm, da sie andere Akzente setzt und etwas mehr auf die politische Entwicklung der Künstlerin eingeht.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Frida Kahlo

Ein weiterer Höhepunkt ist der Band zu Niki de Saint Phalle. Hier bringt Blöß erstaunlich sensibel (auch in Anbetracht das ihm lediglich 24 kleinformatige Seiten zur Verfügung standen) nicht nur das Werk, sondern auch die tragische Kindheit der von ihrem Vater vergewaltigten Künstlerin zu Papier.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Niki de Saint Phalle

Auch zum Leben von Salvador Dali hat Willi Blöß einen Band in gewohnter Qualität gezeichnet und veröffentlicht. Unter dem Titel “Die Paranoia-Methode“ wird zugleich Biografie, Interpretation und kritische Würdigung zu Leben und Werk des nicht unumstrittenen spanischen Surrealisten und Franco-Anhänger geboten.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Egon Schiele

Den Comic “In Wien ist Schatten“ über Egon Schiele setzte Stefan F. in bräunlich kolorierte Zeichnungen um. Hier ist in kompakter aber nicht oberflächlicher Erzählweise auch zugleich einiges über Schieles Zeitgenossen Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu erfahren.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Danach erschienen Comic-Biografien zu Otmar Alt, Horst Janssen, Nam June Paik und Der Blaue Reiter, die Willi Blöß im Alleingang realisierte. Ein weiterer Band beschäftigt sich mit George Grosz, der Anfang des letzten Jahrhunderts in seinen Gemälden das deutsche Spießbürgertum, den Militarismus und den aufkommenden Faschismus ebenso bissig wie treffsicher attackierte.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
George Grosz

Für diesen Band war ursprünglich Ulf K. (“Neue Geschichten von Vater und Sohn“) vorgesehen, der auch schon einige Seiten anfertigte. Doch dessen eher unverbindlich-harmloser Stil wollte nicht so recht zum Thema passen. Thomas Thiesen sprang ein und illustrierte Leben und Werk von Grosz in einem kunstvoll holzschnittartigen Stil, der gelegentlich an Mike Mignola (“Hellboy“) denken lässt.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Genau wie George Grosz steht auch bei Klaus Staeck satirische Überzeichnung im Zentrum des künstlerischen und auf politische Aufklärung setzenden Wirkens. Inspiriert von den politischen Collagen John Heartfields hat der als Jurist ausgebildete Staeck auf seinen Plakaten ebenfalls immer wieder über die “Stützen der Gesellschaft“ gespottet. Diese provozierte er u. a. durch gefakte CDU-Plakate mit Slogans wie “Die Reichen müssen noch reicher werden“ oder “Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen in Tessin wegnehmen.“

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Klaus Staeck

Die von Willi Blöß getextete und gezeichnete Biografie sollte Klaus Staeck eigentlich als Geburtsgeschenk überreicht werden von der Berliner Akademie der Künste, deren Präsident er ist. Doch dann kam es anders und die Comic-Biografie entstand – ein Novum innerhalb der Reihe – in sehr enger Zusammenarbeit mit Staeck. Willi Blöß übernahm in die Veröffentlichung sogar Staecks handschriftlichen Freigabevermerk “gut zum Druck“. Dieser Expertise aus erster Hand kann nur beigepflichtet werden.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Auf Nummer sicher ging Blöß innerhalb der Reihe nicht. Anstatt im achtzehnten Band (nach “Romantik: Caspar David Friedrich, William Turner„) aus den Leben von mehrheitsfähigen (und eigentlich längst überfälligen) Künstlern wie Monet oder Chagall zu erzählen, kommt er uns mit Paula Modersohn-Becker. Diese dürfte etwas weniger bekannt als Lena Meyer-Landshut sein, doch auf dem Cover ist als Orientierungshilfe noch der Reim “und von Worpswede sei die Rede“ zu lesen.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Paula Modersohn-Becker

In eine Reihe mit Vincent van Gogh gehört Modersohn-Becker schon dadurch, dass sie zu Lebzeiten fast gänzlich unbekannt und unausgestellt blieb. Erst nach ihrem Tod im Jahre 1907 – sie wurde nur 31 – entdeckte man in ihrem Atelier eine Unzahl höchst bemerkenswerter Gemälde und Zeichnungen. Diese wurden z. T. von ihrem Ehemann Otto Modersohn, einem Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede, nachsigniert und danach erfolgreich ausgestellt.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics

Wer die Comic-Biografie über Paula Modersohn-Becker liest, dem wird sehr schnell klar warum Willi Blöß diese bemerkenswerte Persönlichkeit porträtiert hat. Zwar vermittelt er wie immer auch eine Unmenge von sauber recherchierten Fakten, erzählt aber auch die zeitlos-moderne Geschichte einer selbstbewussten Frau, die gegen den Zeitgeist anschwimmt und alles dransetzt um sich ihre (künstlerische) Freiheit zu bewahren. Wenn Willi Blöß demnächst wieder einen unbekannten Prominenten porträtiert, werde ich mich nicht mehr wundern, sondern mich vertrauensvoll auf das Büchlein stürzen.

Willi Blöß: Künstler-Biografien als Comics
Blauer Reiter

Es folgten ebenso lesenswerte von Blöß gezeichnete und geschriebene Biografien über Hundertwasser, Gustav Klimt, David Hockney, Robert Capa, Peter Paul Rubens, Magritte, Camille Claudel und Wilhelm Busch. Einige der Comic-Biografien liegen mittlerweile auch im größeren Format von 17 x 24 cm als Hardcover-Ausgaben zum Preis von 10,- Euro  vor.

Die Comic-Biografien können hier direkt bei Willi Blöß bestellt werden.

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Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics

Am 7.1.2016 verstarb in Freiburg im Alter von 87 Jahren Hansrudi Wäscher, der Pionier der deutschen Comics. 2009 erhielt er auf dem Comicfestival München den PENG!-Preis für sein Lebenswerk.

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics

Sein Agent Hartmut Becker schrieb: „In den Fünfzigerjahren hat er dem Lehning Verlag mit Sigurd, Akim, Nick der Weltraumfahrer, Falk und Tibor Millionenauflagen beschert. Und schuf damit im zerbombten Nachkriegsdeutschland eine erste Jugendkultur. Wäschers Abenteuerhelden sind bis heute unvergessen geblieben und inzwischen sogar als iPhone-App verfügbar.“

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics

Hartmut Becker verlegte 2011 unter dem Titel “Allmächtiger!“ auch das wohl schönste Fachbuch über Wäscher. Eine so dicke und fundierte Schwarte war schon lange fällig! Gefeiert wurde Wäscher zuvor als emsiger Schöpfer von Abenteuercomics wie Sigurd, Tibor und Nick zwar schon eine ganze Weile. Doch dies geschah eher innerhalb einer eingeschworenen Gemeinschaft von Fans, die oftmals wenig Interesse haben an Comics, die nicht von Wäscher gezeichnet wurden. Große Teile der Comicszene hingegen nahmen Wäscher wenn überhaupt nur naserümpfend zur Kenntnis. Erst 2008 erhielt Hansrudi Wäscher auf dem Comic-Salon in Erlangen einen Max-und-Moritz-Preis und musste sich diesen auch noch mit dem (ebenfalls eigenständig mehr als preiswürdigen) DDR-Comic-Pionier Hannes Hegen teilen.

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics
Knigge und Becker © Comicforum.de

Andreas C. Knigge hat als Mitbegründer der Fachzeitschrift Comixene und als Cheflektor des Carlsen Verlages viel dazu beigetragen, dass Comics in Deutschland salonfähig wurden. Im Vorwort zu diesem Buch räumt Knigge ein, nicht ganz unschuldig daran zu sein, dass Wäschers Comics als “Instrumente zur Zementierung bürgerlicher Moral entlarvt und somit als reaktionär einsortiert“ wurden. Doch Knigge hat nicht nur durch das Verfassen dieses Buches Abbitte geleistet, sondern auch durch den Weg dorthin. Zur Vorbereitung hat er “in einem Crashkurs“ (mit Ausnahme der meisten Buffalo Bills und Gespenster Geschichten) sämtliche von Hansrudi Wäscher gezeichneten und geschriebenen Comics gelesen. Dies geschah “fast ausnahmslos zum ersten Mal und mit einem ähnlichen Sog als würde man alle Staffeln von Prison Break hintereinander gucken.“

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics
Das Cover der vergriffenen Hardcover-Ausgabe.

Hinzu kamen noch einige aufschlussreiche Gespräche mit Wäscher und heraus ein bemerkenswertes Stück Comic-Fachliteratur. Der versierte Sachbuchautor Knigge widmet sich nicht nur ausführlich Wäschers Figurenensemble. Er erzählt zugleich auch die Geschichte der Comics im Nachkriegsdeutschland sowie von den Verlegerpersönlichkeiten Walter Lehning und Norbert Hethke, die Wäscher mehr zu verdanken hatten als ihnen zunächst bewusst war. Auch die Bebilderung des großformatigen Buches ist exquisit, wobei es recht praktisch war, dass der Herausgeber zugleich auch der Agent von Hansrudi Wäscher ist.

Allmächtiger! Hansrudi Wäscher – Pionier des deutschen Comics

Nach einigen etwas von der eigenen Begeisterung vernebelten Fan-Publikationen ist es schön, dass endlich ein Werk über Wäscher erscheint, das dessen Lebenswerk und Bedeutung für die deutschsprachigen Comics voll gerecht wird.

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Superman for all Seasons

Die vierteilige Miniserie “Superman for all Seasons“ erzählt vom jungen Clark Kent, der das ländliche Smallville verlässt um in der großen Stadt Metropolis sein Glück zu machen.

Superman for all Seasons

Dem Autor Jeph Loeb und dem Zeichner Tim Sale gelang 1998 ein absoluter Meilenstein des Superhelden-Comics, der leider dank seines naiv-optimistischen Charmes der (zumindest ansonsten) eher sterilen Hauptfigur nur selten einem Atemzug mit den eher düsteren Meisterwerken ”Watchmen” und ”Return of the Dark Knight” genannt wird.

Superman for all Seasons

Im ersten Band ”Frühling” fungiert Jonathan Kent als Erzähler. Er schildert die letzten Tagen, die sein Adoptivsohn Clark in Smallville verbringt, bevor der seinen Job als Reporter beim Daily Planet antritt. Clark trifft sich noch einmal mit seinem Kumpel Pete Ross und seiner großen Liebe Lana Lang, die er schwer verwirrt als er gemeinsam mit ihr über die heimischen Felder fliegt.

Superman for all Seasons

In zweiten Band ”Sommer” beschreibt Lois Lane ihre ersten Begegnungen mit dem Mann aus Stahl. Auch mit Lois schwebt Superman durch die Lüfte, während ihr der neue Kollege Clark Kent gewaltig auf den Zeiger geht.

Superman for all Seasons

Band 3 ”Herbst” nimmt dann die Sichtweise Lex Luthors an. Da deser bisher der Alleinherrscher über Metropolis war, vertreibt er aus Eifersucht Superman mit einer sehr fiesen Intrige Superman aus „seiner“ Stadt. Besonders interessant ist in diesem Comic die Charakterisierung von Lex. Lois Lane hat geschätzt, dass dieser 150 Dollar pro Sekunde verdient und es sich daher für ihn nicht lohnt sich zu bücken, wenn er einen 100 Dollar Schein auf der Straße findet.

Superman for all Seasons

Im abschließenden vierten Band ”Winter” schließlich ergreift Lana Lang das Wort. Sie schildert noch einmal ihrer Empfindungen, als Clark Kent ihr im Frühling eröffnete, dass er Superkräfte hat. Sie erwartete von ihm eigentlich einen Heiratsantrag. Damals wie heute fühlt sich Lana außerstande ein so mächtiges Wesen mit einer hilfsbedürftigen Welt zu teilen. Das abschließende Kapitel zeigt aber auch einen sehr nachdenklichen Clark, dem unklar ist ob Smallville noch oder Metropolis schon seine Heimat ist.

Superman for all Seasons

Einen großen Reiz gewinnt der Comic dadurch, dass es in den vier Kapiteln zwar immer einen anderen Erzähler gibt, die zu den Texten gezeigten Bilder verlassen jedoch oft dessen Sichtweise und dadurch wird die Geschichte sehr vielschichtig. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollte Bjarne Hansen, der für atemberaubend schön kolorierte Bilder, wie etwa von einem rotstrahlenden Superman vor einem winterlich schimmernden Himmel sorgt. Der Leser wird den Comic sehr schnell verschlungen aber garantiert nicht so schnell vergessen haben.

Superman for all Seasons

Carlsen veröffentlichte die Geschichte ab 1999 unter dem Titel “Superman für alle Zeiten“ zunächst in vier schon lange vergriffenen Einzelbänden und danach in einer gebundenen auf 500 Exemplare limitierten Gesamtausgabe. Es ist höchste Zeit für eine Neuauflage dieses grandiosen Comics!

„Superman for all Seasons“ war auch die Hauptinspirationsquelle zur erfolgreichen TV-Serie „Smallville„.

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Meister der komischen Kunst: Rudi Hurzlmeier

Es gibt wohl kaum einen bildenden Künstler, der so vielseitig begabt ist, wie Rudi Hurzlmeier. Er kann in altmeisterlicher Technik großartige (und großformatige) Gemälde auf die Leinwand zaubern, siehe seine „Meisterwerke der Goldigen Periode“. Zugleich beherrscht er aber auch einen reduzierten rotzigen Stil, wie etwa in seinen Einbildwitzen, die regelmäßig in der Rubrik „Hier lacht der Betrachter“ der Satire-Zeitschrift TITANIC zum Abdruck kommen. Vielleicht noch wichtiger ist jedoch, dass Hurzlmeier auch noch über einen großartigen Humor verfügt!

Meister der komischen Kunst: Rudi Hurzlmeier

Wer sich mit dem ganzen Hurzlmeier beschäftigen möchte, der ist mit dem innerhalb der auch ansonsten empfehlenswerten Reihe “Meister der komischen Kunst“ veröffentlichten Band des Kunstmann Verlags bestens bedient. Hier finden sich neben großartigen Cartoons, wie jenem mit dem Huhn, das Fieber hat und daher ein Spiegelei legt, oder großangelegten seltsamen Gemälden auch sehr treffende Karikaturen von Loriot oder Helge Schneider. Abgerundet wird das Buch durch informative aber zugleich auch sehr komische Texten zu Leben und Werk.

Meister der komischen Kunst: Rudi Hurzlmeier LAND DER BERGE

Unter dem Motto “Schwindelerregende Steilwandmalerei und Hochgebirgspoesie“ präsentiert der Band “Land der Berge“ des Wiener Holzbaum Verlags einen etwas spezielleren Hurzlmeier. Flankiert von passend ausgewählten Texten von Thomas Gsella, Kurt Tucholsky, Erich Kästner oder Luis Trenker wird eine Auswahl der meisterlich gemalten Bilder von Hurzlmeier gezeigt, die auf den ersten Blick idyllisch wirken, doch durch seltsame Details wie Riesengurken oder röhrende Kamele ein ganz klein wenig  verwirren.

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André Franquin: Der ganze Gaston

Volker Hamann (Reddition) hatte es in seinem in dieser Ausgabe enthaltenen Artikel bereits erahnt, denn er zweifelt an, dass in der “nun vorliegenden Gaston-Edition (…) wirklich alles aus der Feder des genialen André Franquin enthalten ist, was er jemals rund um seinen schusseligen Verlagsmitarbeiter Gaston zu Papier gebracht hat.“ Hamann vermutete prophetisch: “es werden wohl nur 98,9 % sein, denn bei Gaston weiß man nie!“

André Franquin: Der ganze Gaston

Tatsächlich ist in Band 2 dieser fünfbändigen Hardcover-Ausgabe der Gaston-Onepager mit der Nummer 422 doppelt enthalten und stattdessen fehlt Gag # 432. Der Carlsen Verlag hat mittlerweile vermeldet, dass noch weitere Comics mit Gaston nicht enthalten sind und ein ergänzendes Beiheft nachgeliefert wird. Daher stellt sich die Fragen, ob es dennoch sinnvoll ist, diese Edition anstelle der zuvor veröffentlichten Hard- und Softcover-Ausgaben zu erwerben.

André Franquin: Der ganze Gaston
Der „abgewickelte“ Schuber © comicguide.de

Ich besaß zuvor die 19-bändige Hardcover-Ausgabe, konnte diese verkaufen, habe mir vom Erlös die neue Gaston-Edition zu Weihnachten geschenkt und dies nicht bereut. Im Buchregal nimmt der Ganze Gaston nur halb so viel Platz ein und über die Comics hinaus enthalten die Bücher zusätzliche Illustrationen sowie Texte, die teilweise eigens für die deutsche Ausgabe erstellt wurde und die Lektüre noch vertiefen.

André Franquin: Der ganze Gaston

Doch der Hauptreiz der Edition ist natürlich der Spaß, den die Geschichten mit Gaston immer noch machen. Band 1 startet quasi mit dem Urknall der Figur. Zunächst kommen jene Gaston-Illustrationen zum Abdruck mit denen Franquin die Leser des Magazins Spirou ab Februar 1957 durch “eine Figur ohne eigentliche Funktion“ verwirrte, lange bevor Endes des Jahres schließlich die (zunächst halbseitige) Comic-Serie startete.

Andre Franquin: Der ganze Gaston

Umfasst von blauen Fußabdrücken gibt es hier alle jene einzelnen Illustrationen zu bewundern, die zeigen wie Gaston nutzlos in der Spirou-Redaktion herumhängt und langsam das Misstrauen von Fantasio erweckt, der danach auch in den Comics zum immer etwas verkrampften Gegenspieler des nicht wirklich arbeitenden Gastons wurde.

André Franquin: Der ganze Gaston

Ende der 60er Jahre beendete Franquin seine Arbeit an der Serie Spirou und Fantasio, innerhalb der Gaston in der (nicht in dieser Ausgabe enthaltenen) Geschichte Die Bravo Brothers einen großen Auftritt hatte.

André Franquin: Der ganze Gaston

Daher ließ Franquin Fantasio sowie den gelegentlich gastierenden Spirou aus dem Gaston-Universum verschwinden. Damit begann die Hochzeit der Serie, denn Franquin ließ anstelle des nicht von ihm (sondern 1939 von Jean Doisy) kreierten Fantasio sehr eigene Figuren, wie den Redaktionsassistenten Demel oder das immer attraktiver werdende Fräulein Trudel (alias Mademoiselle Jeanne) , ins Zentrum des turbulenten Geschehens rücken.

André Franquin: Der ganze Gaston

Doch diese chronologisch geordnete Ausgabe zeigt auch, wie schnell André Franquin bei Gaston seinen ganz eigenen Stil fand und wie schreiend komisch bereits die ersten Comics mit dem sympathischen Chaoten sind.

André Franquin: Der ganze Gaston

Da ich die Gesamtausgabe direkt bei Carlsen bestellt habe, wurde mir ein 16-seitiges Heftchen mit den “fehlenden Strips, die wir im Nest der Möwe fanden“ zugeschickt, das noch allerlei lustige Comics und Illustrationen enthält.

Gaston Lagaffe

2018 kam übrigens mit Gaston Lagaffe eine Verfilmung des Comics in die belgischen und französischen Kinos.

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