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Will Eisner: The Spirit

In den USA fanden Comics zunächst nur in den Zeitungen und dort ganz besonders in den Sonntagsbeilagen statt. Hier gab es in den dreißiger Jahren neben abgeschlossenen Cartoons und Strips atemberaubend bebilderte Fortsetzungsgeschichten um „Tarzan„, „Flash Gordon“ und „Prinz Eisenherz„. Doch die durch erste Superhelden wie Superman und Batman an Popularität rasch zunehmenden Comichefte waren für die oft nur wegen der Comicbeilage gekauften Zeitungen eine erhebliche Konkurrenz.

Will Eisner: The Spirit

Daher wurde im Herbst 1939 der 22-jährige Will Eisner („Ein Vertrag mit Gott“) beauftragt ein 16-seitiges Comic-Magazin mit abgeschlossenen Geschichten zu konzipieren. Dieses sollte Zeitungen landesweit beigelegt werden. Eisner füllte das Magazin mit der kostümierten „Lady Luck“ von Chuck Mazoujian, dem Zauberer „Mr. Mystic“ von Bob Powell und seiner eigenen Schöpfung „The Sprit“, die schließlich als Einzige übrig blieb, nachdem der Umfang des Magazins auf 8 Seiten reduziert wurde.

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Beim Spirit handelt es sich um den angeblich toten Privatdetektiv Denny Colt. Dieser trägt auch eine Maske, hat aber ansonsten wenig mit den Superhelden gemein. Eisners Zeichenstil ist von Anfang an eher cartoonhaft als bemüht realistisch. Die Stories hingegen sind oft alles andere als lustig und erzählten auf 8 Seiten richtige kleine Dramen. Dabei trat bei Bedarf die Hauptfigur schon einmal völlig in den Hintergrund. Versehen mit einigen informativen Vorworten (u. a. von Will Eisner und von Alan Moore) beginnt der Salleck Verlag jetzt erstmals in chronologischer Reihenfolge mit einer Veröffentlichung aller Spirit-Abenteuer. Der erste Band enthält die von 2. Juni bis 29. Dezember 1940 entstandenen und naturgemäß noch etwas simpleren Geschichten.

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Die interessantesten Spirit-Stories entstanden jedoch nachdem Eisner aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrte. Daher übersprang die Reihe auch zunächst einmal jene Geschichten, die ganz ohne die Beteilung des Spirit-Schöpfers entstanden. Der US-Herausgeber Denis Kitchen meint hierzu, dass “diese Geschichten von Ende 1942 bis Dezember 1945 keine hohe – noch nicht einmal mittelmäßige Comickunst sind.“ Daher ist auf dem Cover von Band 12 des “Spirit-Archives“ auch zu lesen “Will Eisner ist zurück“ und es sind einige wirklich ergreifende oder auch richtig lustige Geschichten enthalten.

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Der Reihe ist ein langes Leben zu wünschen, damit auch noch die absoluten Juwelen unter den „Spirit“-Geschichten in dieser optimalen Form erscheinen.

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Will Eisner: New York – Großstadtgeschichten

Es ist sehr erfreulich, dass Carlsen recht zügig und mustergültig (bräunlicher Druck auf gelblichen Papier) die Graphic Novels von Will Eisner („The Spirit„) veröffentlicht. Nach dem Sammelband “Ein Vertrag mit Gott“ folgen unter dem Titel “New York weitere Großstadtgeschichten“  und mit „Lebensbilder“ war die Reihe leider schon beendet. Der einzige Nachteil dieses Bandes dürfte sein, dass die Storys chronologisch geordnet sind.

Will Eisner: New York - Großstadtgeschichten

Den Reigen eröffnet Eisners “Big City Blues“ (1981). Diese oft nur eine Seite umfassenden thematisch gegliederten “Eindrücke und Beobachtungen“ über Mensch und Bebauung sind zwar meisterlich gezeichnet aber meistens alles andere als pointiert oder tiefsinnig. Deutlich interessanter sind da schon die ebenfalls sehr kurzen, nach Themenkomplexen geordneten Geschichten und Beobachtungen aus Eisners “City People Notebook“ (1989). In Begleitung eines Obdachlosen setzt sich der zeichnende Eisner gelegentlich am Rande der Minidramen selbst in Szene und liefert interessante Betrachtungen über das Mit- und Gegeneinander in der Großstadt.

Noch gelungener sind jedoch “The Building“ (1987) und “Unsichtbare Menschen“ (1992). Auch hier erzählt Eisner in Episodenform, doch die einzelnen Geschichten sind deutlich länger und bilden sehr viel stärker eine Einheit. In “The Building“ geht es um vier Menschen, deren glücklose Leben mit einem an das New Yorker Flatiron Building erinnernden Gebäude verknüpft waren. Nachdem dieses abgerissen wurde, sind die Geister dieser Menschen noch immer da. Die drei Geschichten aus “Unsichtbare Menschen“ gehören zu den Höhepunkten in Eisners Schaffen. Äußerst mitreißend beschäftigt er sich hier damit, dass viele Großstädter inmitten einer Millionenschar von Mitmenschen ein sehr einsames Leben führen und dies teilweise auch nicht anders wollen.

Insgesamt ist dieser Band eine faszinierend vielschichtige nicht nur auf New York bezogene Betrachtung über das zumeist recht harte Leben in einer Großstadt. In einer Short Story stellt Eisner jedoch unmissverständlich klar, dass ein Umzug in ländlichere Regionen (zumindest für ihn) keine Alternative dazu ist.

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Will Eisner: Lebensbilder

Auch in den Geschichten aus “Ein Vertrag mit Gott“ ließ Will Eisner („The Spirit„) Teile der eigenen Biografie einfließen, wie etwa den Tod der einzigen Tochter Alice, die im Alter von 16 Jahren an Leukämie starb. Doch die Geschichten in “Lebensbilder“, dem dritten Band von Carlsens Eisner Reihe, hängen allesamt noch stärker mit dem Leben des wohl einflussreichsten US-Comickünstlers zusammen.

Will Eisner: Lebensbilder

Den Auftakt bildet “Sonnenuntergang in Sunshine City“, hier verarbeitet Eisner seinen Umzug vom geliebten New York in den Alterswohnsitz im sonnigen Florida. In “Der Träumer“ schildert er seine Erfahrungen in den Anfangsjahren der Comic-Industrie. Beide Geschichten sind bei uns bereits beim Fest Verlag unter dem Titel “Sunshine City“ erschienen. Die dort ebenfalls enthaltenen Kurzgeschichten “Detective Story“, “Menschen“ und “Der Einspruch“ fehlen in “Lebensbilder“, doch dafür gibt es ein aufschlussreiches Nachwort zu “Der Träumer“ in dem Denis Kitchen erklärt welche Comicgrößen neben dem als Jack King gut zu erkennenden Jack Kirby Eisner jeweils leicht überzeichnet porträtierte.

In der epischen Erzählung “Zum Herzen des Sturms“ tritt Eisner selbst als Soldat auf, der 1942 per Zug die USA durchquert um in den Krieg zu ziehen. In Rückblenden erinnert er sich an eigene Erlebnisse und die Biografien seiner Eltern und Großeltern, die alle geprägt sind von Vorurteilen und Antisemitismus. Im Vorwort dazu schrieb er: “Ich jedenfalls halte an der Hoffnung fest, dass die Generation, die jetzt heranwächst, nicht mehr einfach davon ausgehen kann, dass sie gesellschaftliche Überlegenheit und damit ein Recht habe andere zu diskriminieren.“

In der ebenfalls sehr umfangreichen Erzählung “So läuft das Spiel“ widmet sich Will Eisner dem Stammbaum seiner aus wohlhabenden Verhältnissen stammenden Frau Ann. Diese Geschichte aus dem Jahre 2003 wurde bei uns bisher noch nicht veröffentlicht, vielleicht auch, weil Eisner hier einen Clan von dünkelhaften jüdischen Geld-Aristokraten nicht eben vorteilhaft porträtiert und Applaus aus der falschen Richtung befürchtet wurde. Besonders interessant an “So läuft das Spiel“ ist, dass am Ende der Geschichte Eisner sich selbst als aufstrebenden Poeten auftreten lässt und darüber spekuliert, was geschehen wäre, wenn er seinerzeit dem Angebot seines Schwiegervaters gefolgt wäre und in die Welt der Hochfinanz gewechselt hätte.

Das voluminöse Buch beendet die kurze aber wohl wahre traurige Humoreske “Der Tag an dem ich zum Profi wurde“. Wenn “Lebensbilder“ tatsächlich schon der letzte Band von Carlsens Eisner-Reihe ist, dann wäre das sehr bedauerlich. Noch haufenweise hochinteressante Erzählungen von ihm warten auf ihre deutsche Erstveröffentlichung und sind allemal lesenswerter als das meiste Zeug, dass derzeit unter dem Label Graphic Novel in die Buchhandlungen gewuchtet wird.

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Will Eisner: Ein Vertrag mit Gott – Miethausgeschichten

Lange hat es gedauert, bis dieser Comic-Meilenstein wieder aufgelegt wurde. Während alle möglichen (und unmöglichen) Comics das – anscheinend zum Verkauf in Buchhandlungen unverzichtbare – Label Graphic Novel verpasst bekamen, war die „Mutter aller Grapic Novels“ bei uns seit beinahe 30 Jahre nicht mehr lieferbar. Mit “Ein Vertrag mit Gott“ erlebte Will Eisner 1978 ein grandioses Comeback innerhalb der amerikanischen Comiclandschaft, die er zuvor schon einmal – inhaltlich und formal – mit den “Spirit“-Kurzgeschichten revolutioniert hatte. Nach Einstellung der Serie arbeitete er als u. a. Illustrator für die Army. Angeregt durch die Underground-Comics machte sich Eisner daran eine Comicgeschichte (bzw. gleich vier davon) zu erzählen, die sich an ein erwachsenes Publikum richtete(n). Um hierfür einen Buchverlag begeistern zu können, erfand er den Begriff Graphic Novel.

Will Eisner: Ein Vertrag mit Gott - Miethausgeschichten

Inspiriert durch eigene tragische Erlebnisse erzählt Will Eisner in der Titelstory von “Ein Vertrag mit Gott“ wie ein frommer Mann nach dem Tode seiner Tochter an seinem Glauben zweifelt und zum rücksichtslosen Geschäftsmann wird. Die weiteren Geschichten handeln von einem talentierten Straßensänger, der kurz vor dem großen Durchbruch viel (nicht ganz unverdientes) Pech hat, sowie von einem unangenehmen Hausmeister, dem so übel mitgespielt wird, dass er dem Leser am Ende leid tut. Krönender Abschluss ist die Schilderung der Landpartie einiger Bewohner der New Yorker Dropsie Avenue (in dieser fiktiven Straße sind alle Geschichten beheimatet). Mit großem Ensemble setzt Eisner hier äußerst souverän und sehr freizügig allerlei Geschichten über das Streben nach Glück und Liebe in Szene.

Will Eisner: Ein Vertrag mit Gott - Miethausgeschichten

Doch die voluminöse sehr schön aufgemachte Carlsen Ausgabe enthält neben “Ein Vertrag mit Gott“ sowie informativen Vor- und Nachworten noch zwei weitere (ebenfalls schon lange vergriffene) Bücher von Eisner, die ebenfalls von der Dropsie Avenue erzählen. In “Lebenskraft“ wird unaufdringlich innerhalb spannender Geschichten die Frage gestellt, was den Menschen eigentlich unterscheidet von einer nur um das nackte Überleben kämpfenden Kreatur wie z. B. einer Küchenschabe. “Dropsie Avenue“ schließlich ist die sich von 1870 bis in die Gegenwart hinziehende Chronik einer Nachbarschaft. Dabei interessieren Eisner die Vor- und Nachteile ständiger gesellschaftlicher Veränderungen.

Will Eisner: Ein Vertrag mit Gott - Miethausgeschichten

Eisners Mietshaus-Stories sind zwar meist in den Dreißiger und Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt, wirken aber auch heute noch kein bisschen veraltet oder nostalgisch. Obwohl es recht häufig um Glaubensangelegenheiten geht, sind die Geschichten äußerst mitreißend erzählt.

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Star Trek/Planet der Affen

Manchmal werden Dinge wahr, von denen man nie gewagt hätte zu träumen. Fast 50 Jahre nachdem der Klassiker “Planet der Affen“ ins Kino kam, trifft der von Charlton Heston verkörperte Astronaut George Taylor nicht nur auf erstaunlich weit entwickelte Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas, sondern auch auf die Crew des seinerzeit ebenfalls durchs All (bzw. TV) reisende Crew der U. S. S. Enterprise.

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Dass es sich dabei nicht um ein aufwändiges Film-Projekt sondern “nur“ um eine aus fünf Heften bestehenden Comic-Miniserie handelt, trübt die Freude kein bisschen. Die als Autoren fungierenden Brüder Scott und David Tripton kennen sich in beiden Welten bestens aus und wahrscheinlich hätte selbst Mr. Spock deren Story für halbwegs logisch und faszinierend befunden . Als das Crossover auslösende Element setzten die Triptons auch noch die nicht völlig zugeschminkten Ur-Klingonen der klassischen Star Trek TV-Serie ein.

Star Trek/Planet der Affen
Variant-Cover von Juan Ortiz

Ein kleines Highlight des Comics ist ein Faustkampf zwischen Taylor und Kirk. Zum Glück hatte der US-Verlag IDW, bei dem zur Zeit die Comicversionen zu Star Trek und Planet of Apes erscheinen, auch die auch die “Likeness Rights” am Aussehen der Darsteller erworben. Daher – und natürlich auch weil der Zeichner Rachael Scott dazu in der Lage ist – kann hier „wirklich“ erlebt werden, wie Charlton Heston und William Shatner aufeinander losgehen.

Star Trek/Planet der Affen
Dieses IDW-Variant-Cover fehlt in der Cross Cult Ausgabe

Ein weiteres Plus dieses bei Cross Cult erschienenen Sammelbands ist, dass auch fast alle der teilweise von prominenten Zeichnern wie George Pérez und J. K. Woodward gestalteten Variant-Titelbilder enthalten sind, auf denen sehr phantasievoll key moments der beiden Science Fiction Mythen verschmelzen.

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Gotham Central # 1: Erfüllung der Pflicht

Gotham City – die dunkle Stadt – eine Stadt wie ein Sumpf: Die wohl härteste Stadt im DC Universum ist zweifelsohne GOTHAM CITY. Die “Stadt der Schatten“ – Territorium für jede Art von Kriminalität und organisiertem Verbrechen und das Zuhause und der Tummelplatz von unzähligen Geisteskranken, Mördern und Freaks in abgefahrenen Kostümen. Schauplatz außergewöhnlicher Ereignisse Katastrophen und Schicksalsschläge ohne Zahl. Was ist dieser Stadt nicht schon alles widerfahren? Seuchen und ein Erdbeben – so schwer, dass sie sogar für kurze Zeit vom Rest von Amerika abgeschnitten wurde: Niemandsland.

Gotham Central
Softcover-Cover

Der Name soll auf Batman-(Mit-)Erfinder Bob Kane selbst zurückgehen: Spricht man ihn schnell aus, so hört es sich an wie “God damned“ – von Gott verdammt. Kane hatte am Anfang ganz klar seine Stadt New York vor Augen und die Zustände, die damals vorherrschten. Andere Erklärungsversuche für den Namen sind „homestead where goats are kept“ und wird ausgesprochen wie „goat ‚em“. Ferner ist “Goth“ (wie in Gothic) Bestandteil des Names, welches für “dunkel, düster und schaurig“ steht. Fakt ist auf jeden Fall, dass der Spitzname von New York seit dem 18. Jahrhundert Gotham City war und im öffentlichen Bild der Stadt war der Namenszug allgegenwärtig. Der Name ist bis heute Programm geblieben.

Gotham Central

Was hat diese Stadt nicht alles schon erlebt! Wurde in DETECTIVE COMICS #31 (Sep. 1939) noch erwähnt, Batman würde in New York City leben, so änderte sich der Namen der Stadt in BATMAN #4 (Winter 1941) zu GOTHAM CITY – und dieser Name ist es auch noch heute.

Gotham Central

Ein Kind – Bonnie Lewis – ist entführt worden und die beiden Detectives Marcus Driver und Charlie Fields gehen einem Tipp nach, dem sie zwar keine großen Erfolgsaussichten zuschreiben, aber sie möchten nichts unversucht lassen – schließlich handelt es sich ja um ein Kind. Aber statt, dass sie in der angegebenen Hoteladresse irgendeine Spur von möglichen Entführern finden, steht ziemlich unvermittelt Mr. Freeze in der Tür und dieser tötet auch sogleich Fields und flieht. Für Driver ein schwerer Schlag, der ihn sehr persönlich trifft. Driver bittet den Commissioner Michael Akins, Batman aus diesem Fall herauszuhalten. Der Fall scheint noch komplizierter zu werden, als kurz darauf der Gehilfe von Mr. Freeze schockgefroren in einem Laster aufgefunden wird. Was hat Mr. Freeze vor? Die Ermittlungen der “Major Crimes Unit“ bringen aber keine Hinweise. Überall gehen sie möglichen Spuren nach: Juwelierhändler, ehemalige Gehilfen von Mr. Freeze, Einrichtungen von medizinischen Großgeräten. Das einzige, was sie ermitteln ist, dass Mr. Freeze wohl den Odessa Mob um sehr viele Diamanten erleichtert hat.

Gotham Central

Immer wieder erinnert Driver sich an die Worte von Freeze und stellt sich die Frage, warum er ihn hat überleben lassen? Und plötzlich kann er eine Verbindung zu einem Event des bevorstehenden Abends ziehen: Freeze will dem G.C.P.D. eine Lektion erteilen und es muss etwas mit der Vergangenheit zu tun haben. Heute Abend bekommt der ehemalige Commissioner James Gordon die Ehrendoktorwürde der Gotham State University verliehen – und alle werden da sein! Die Zeit drängt und so willigt er ein, Batman zu rufen. Interessant ist die Bemerkung von Driver: “Wir rufen ihn mit dem Bat-Signal, damit er Mr. Freeze festnagelt, dürfen aber nicht zugeben, dass es ihn gibt!“

Gotham Central

Trotzt eines Riesenaufgebots von Polizisten gelingt es Mr. Freeze unbemerkt auf das Dach der Universität zu gelangen und sich an der Klimaanlage zu schaffen zu machen. Aber er kann sein Ziel nicht erreichen, denn im letzten Moment erscheint Batman. Driver ist enttäuscht, dass diesen Fall die Polizei nicht alleine lösen konnte.

Gotham Central

Detective Marcus Driver bekommt einen neuen Partner: Detective Romy Chandler. Zusammen sollen sie wieder in der Entführung ermitteln. Aber aus der Entführung ist mittlerweile der Mordfall “Bonnie Lewis“ geworden. Bonnie hatte in der Nacht ihres Verschwindens in der Nachbarschaft Babysitterdienst und war danach nicht mehr nach Hause gekommen. Eine nochmalige Befragung des Paares – Mr. Und Mrs. Combs – auf dessen Baby sie aufgepasst hatte, bringt keine neuen Erkenntnisse. Von Bonnies Eltern erhalten sie ein Tagebuch und gehen einigen Spuren nach: In der Schule ist sie wohl Nachstellungen von zwei Mitschülern ausgesetzt gewesen.

Gotham Central

Noch ein anderer Fall beschäftigt die MCU: Ein Brandstifter treibt in Gotham City sein Unwesen. Man geht davon aus, dass es Firebug (Joseph Rigger) ist. Driver und Chandler machen die Jungen ausfindig und erfahren, dass die beiden von Bonnie Lewis einen Batarang stahlen, den sie auf der Strasse gefunden hatte. Sie meinten, so etwas sei nicht für Mädchen und außerdem wollten sie ihn über das Online-Aktionshaus G-Bay verkaufen….. sie kommen als Mörder nicht in Frage.

Gotham Central

Noch zwei weitere Spuren gibt es: Von Molly – Bonnies bester Freundin – erfahren sie, dass Bonnie in dem Schrank von einer Nachbarin der Combs gestöbert hatte und peinliche Fotos gefunden hatte. Die andere Spur ist ein obdachloser Penner im Wald ganz in der Nähe der Combs – nach dem Babysitten pflegte Bonnie immer auf dem Nachhauseweg hierdurch zu gehen. Nachts warten Driver und Chandler dem Obdachlosen im Park auf – dieser leistet aber Gegenwehr und wird von Driver niedergeschlagen.

Gotham Central

Inzwischen konnte die Polizei den Aufenthaltsort von Joseph Rigger – Firebug – ausfindig machen. Sie können ihn stellen, er stürzt sich aber aus dem Fenster; schwer verletzt bleibt er auf einem Autodach liegen. in seiner Wohnung finden die Polizisten aber kein Kostüm und keine Feuerwerfer. Im Krankenhaus erwacht, behauptet er alles über ein Auktionshaus als Sammlerstück verkauft zu haben – anonym. Einmal jedoch habe er sich mit dem Käufer getroffen, um ihn in den Gebrauch der Ausrüstung einzuweisen.

Gotham Central

Die Ermittlungen treten auf der Stelle – da erkennt Driver, wie die verschiedenen Hinweise eventuell zusammenhängen könnten: Er bittet Combs aufs Revier um den vermeintlichen Täter – den Obdachlosen – zu identifizieren: Aber nicht nur die Polizei ist auf dem Revier, sondern auch der arg bandagierte Joseph Rigger. Von Combs unerkannt, erkennt er hingegen in Combs den Käufer seiner Ausrüstung. Eine eiligst durchgeführte Hausdurchsuchung ergibt tatsächlich, dass dort die Ausrüstung von Firebug versteckt ist. Bonnie hatte sie auch beim Rumschnüffeln in fremden Schränken entdeckt – das war der Grund für ihren Mord. Combs ist ein gelangweilter Millionär, der auf der Suche nach einem neuen Kick ist .Driver benutzt das Bat-Signal um ihn zu rufen. Stolz erzählt er Batman, dass sie den Fall ganz ohne seine Hilfe gelöst haben.

Gotham Central

Atmosphärisch dicht kommen die Storys daher – Kriminalgeschichten aus dem Batman-Universum – und kommen (fast) ganz ohne die Fledermaus aus. Die Polizeieinheit in Gotham City bekommt hier Leben eingehaucht, ihre Arbeit und ihr Alltag werden hier vorgestellt. Zwischenmenschliche Dialoge von ganz normalen Menschen, die darüber hinaus noch Polizisten in Gotham City sind.

Gotham Central

Die Zeichnungen sind handwerklich solide und sauber. Die überaus spannenden Geschichten werden durch die Zeichnungen von Michael Lark sehr gut transportiert – seine Licht- und Schatteneffekte heben die Stimmung hervor und tauchen die Handlungen und deren Orte in unvergleichliche – real wirkende – Bilder. Die Zeichnungen lassen den agierenden Personen die Hauptrolle. Lark versteht es, dass alle Personen einen ganz eigenen Charakter bekommen – seine Fähigkeit, dass alle Personen anders aussehen – aber dieselbe Person immer wieder gleich – ist beeindruckend und im Comicgeschäft in dieser Deutlichkeit eine Seltenheit. Die Personen haben alle eine Mimik und Gestik, die sehr klar herausgearbeitet ist und immer wiederkehrt. Mitunter hat man das Gefühl, einen Film zu sehen – die Übergänge sind fließend.

Gotham Central

Die klare Aufteilung der Seiten in Panels gibt den Geschichten einen älteren Touch, was aber in keiner Weise als Nachteil wirkt – ganz im Gegenteil, sie unterstreichen den Lesefluss, die Handlungen und Dialoge. Die Serie wurde in Amerika mit vielen Preisen bedacht und man darf hoffen, dass durch die augenblickliche Fernsehserie GOTHAM das Interesse an dieser Stadt verstärkt geweckt wurde und dass weitere Bänder – der immerhin 40-teiligen Serie – bei uns veröffentlicht werden.

Norbert Elbers

Gotham Central: Bd. 1: In Erfüllung der Pflicht, enthält: US-Gotham Central: #1 bis #5 (Februar 2003 bis Juni 2003); Text: Greg Rucka und Ed Brubaker; Zeichnungen: Michael Lark; aus dem Amerikanischen von Christian Heiß; Prestige; Softcover: € 14,99, auf 555 Exemplare limitierter Hardcover: € 25,00; 124 Seiten; farbig; Cover von Michael Lark; Panini/DC Comics

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Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Das sind sechs ganz schön dicke Wälzer in denen Schreiber & Leser die Gesamtausgabe von Terry Moores Serie “Strangers in Paradise“ veröffentlicht. Band 4 enthält auf 370 schwarzweißen Seiten den Inhalt von 19 US-Heften und das ist eine Menge Lesestoff, zumal Moore gelegentlich auch Seiten mit Prosatexten eingebaut hat.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Doch wer sich auf die Lektüre einlässt, wird das Buch so schnell nicht aus der Hand legen. Zentrales Thema ist die komplizierte Liebesgeschichte zwischen Francine Peters und Katina Choovanski alias Katchoo. Während die etwas mollige Francine sich ein eher spießiges Leben als glückliche Ehefrau wünscht, möchte Katchoo an der Seite ihrer Freundin glücklich werden. Doch Francine traut sich nicht so recht das andere Ufer zu betreten und wenn doch, dann kommt immer etwas dazwischen.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Das mag vielleicht nicht nach einem Konzept klingen, das 2000 Comicseiten lang trägt, doch da Katchoo eine Frau mit einer äußerst bewegten und sehr kriminellen Vergangenheit ist, wird neben Herz und Schmerz auch reichlich – teilweise ganz schön heftige – Action geboten. Was jedoch am meisten für “Strangers in Paradise“ spricht, ist Terry Moores Experimentierfreudigkeit. Äußerst geschickt spielt er mit verschiedenen Zeitebenen, riskiert einen Blick auf das zukünftige Leben seiner Hauptfiguren, lässt diese in einem Disney-Zeichentrickfilm auftreten oder die Underground-Comix-Legende Robert Crumb einen kleinen Gastauftritt absolvieren. Das alles kann natürlich nur funktionieren, weil Terry Moore nicht nur ein begnadeter Erzähler sondern auch ein ebensolcher Zeichner ist.

Terry Moore: Strangers in Paradise # 4

Bei Schreiber & Leser erscheint übrigens auch Terry Moores neue Serie “Rachel Rising“.

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Mawil: The Singles Collection

Es scheint fast so als wäre es gestern gewesen, als Markus Witzel alias Mawil die Comicfreunde mit dem epischen Buch “Kinderland“ überraschte. Im Rahmen einer nicht nur lustigen Geschichte zeigte er, was es bedeutete während der letzten Tage der DDR im östlichen Teil Deutschlands aufzuwachsen. Als Zugabe gab es noch ein sich über 30 Seiten hinziehendes Tischtennis-Match. Etwas mehr als ein Jahr später folgt ein ebenfalls recht umfangreiches Buch, diesmal als Hardcover im LP-Format. Einmal mehr zeigt sich hier, was für ein vielseitiger Comickünstler Mawil ist.

Mawil: The Singles Collection

Seit 2006 veröffentlicht die Berliner Zeitung “Der Tagesspiegel“ regelmäßig am Sonntag farbige Seiten von Marwil, im Wechsel mit Comics von Arne Bellstorf, Tim Dinter, Olivia Vieweg („Huck Finn„) und Flix („Schöne Töchter„). Neben Geschichten über Frauen sind die zentralen Themen auf Mawils Comicseiten Hasen und Fahrräder (einmal fährt sogar ein Hase Fahrrad!). In Sachen Zeichenstil, Farbgebung und Layout des quadratischen Seitenformats zeigt sich Mawil auch hier sehr experimentierfreudig. Dennoch haben fast alle Seiten den typischen schwer zu beschreibenden rotzig-niedlichen Mawil-Touch.

Mawil: The Singles Collection

Der Sammelband “The Singles Collection” enthält nicht nur sämtliche Comics, die Mawil im “Tagesspiegel“ bis Mitte 2015 veröffentlichte, sondern auch einige Seiten, die die Redaktion ablehnte. Bei einem Comic machte Mawil 2007 zu viel (ironisch zugespitzte) Eigenwerbung für seinen neuen Comic “Action Sorgenkind“. Ein betont auf schnell hingerotzt getrimmter “Notfallcomic“ musste bisher noch nicht eingesetzt werden, da Mawil bisher immer pünktlich lieferte. Eine Comicseite, die Mawil im Stile seiner ersten längeren Story “Strandsafari“ gestaltete, war der Redaktion hingegen zu konfus.

Mawil: The Singles Collection

Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sich dem Leser der Sinn der übrigen Comics problemlos erschließt. Bei so mancher Geschichte habe ich mich schon gefragt, worum es eigentlich genau geht. Doch Mawil gelang es fast immer inhaltliche Bedenken – bzw. das verzweifelte Suchen nach einem Sinn – durch ein kunstvoll verspieltes Seitenlayout zu neutralisieren.

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Mawil: Die Band

Es ist ja eine Art (deutscher) Volkssport Kulturschaffende (aber auch Sportler) zunächst in den höchsten Tönen in den Himmel zu loben und sie dann fröhlich nieder zu machen. In diese Tradition möchte ich mich nicht einreihen. Daher seien zunächst noch einmal Mawils auf höchst unterschiedliche Art mehr als großartig gelungenen Comics „Strandsafari“ und „Wir können ja Freunde bleiben“ erwähnt, sowie seine ebenso empfehlenswerte Beiträge zu „Teufel und Pistolen“ und „Rückenwind„.

Mawil: Die Band

Bei diesen formal wie inhaltlich herausragenden Comics kann (und will?) „Die Band“ nicht mithalten. Mawil erzählt von seinen Erlebnissen in der Kombo „Tine Melk“. Lose kommen dabei Erinnerungen zu Alan Parkers Film „Commitments“ auf, etwa wenn am Ende des Comics kurz geschildert wird, was die ehemaligen Musiker heute machen. Doch Mawils erzählte Episoden wirken leider meist etwas banal und erinnern an langweilige eigene Erlebnisse, die lieber vergessen als erzählt werden.

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Formal ist das jedoch alles einmal mehr im ebenso lockeren wie unverkennbar eigenen Stil zu Papier gebracht. Sobald dann auch noch (viel zu selten!) Mädchen in der Geschichte auftauchen ist Mawil wieder in Hochform und lässt keinen Zweifel daran, dass noch Großes von ihm zu erwarten ist.

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Mawil: Action Sorgenkind

Zum Auftakt erzählt Mawil („Strandsafari„, „Wir können ja Freunde bleiben„) in Short Stories u. a. vom großen Vergnügen, dass er mit einer Demo-CD von “Hitman 2“ hatte, von einem verunglückten Zelturlaub, vom ersten Verliebtsein, von seinen Erlebnissen auf einer Sprachheilschule und als Graffiti-Künstler sowie von der großen Enttäuschung darüber, dass sein erstes Auto türkisfarben war.

All dies wurde angenehm eigenwillig (und oft sogar farbig) zu Papier gebracht und ist schon dadurch, dass hier auch von einer Jugend in der DDR erzählt wird ganz sicher nicht uninteressant. Doch gelegentlich fragt sich der Leser bei diesen kurzen Storyhäppchen schon, warum uns der Künstler gerade an diesen Erlebnissen teilhaben lässt.

All dies wurde angenehm eigenwillig (und oft sogar farbig) zu Papier gebracht und ist schon dadurch, dass hier auch von einer Jugend in der DDR erzählt wird ganz sicher nicht uninteressant. Doch gelegentlich fragt sich der Leser bei diesen kurzen Storyhäppchen schon, warum uns der Künstler gerade an diesen Erlebnissen teilhaben lässt.

Mawil: Action SorgenkindDiese Frage kommt bei der fast schon epischen Geschichte “Welcome Home“, die die letzte Hälfte von “Action Sorgenkind“ füllt, niemals auf. Hier schildert Mawil, wie er unter großen Mühen zu einem legendären Hippie-Treff nach Südfrankreich reist, der Mädels wegen. Doch vor lauter Meditationszeremonien wird daraus leider nichts. Auch ansonsten verläuft alles so fleischlos, dass erst beim ersten Döner nach der Rückkehr in Berlin wieder Freude aufkommt. Hier zeigt Mawil einmal mehr seine Meisterschaft im Erzählen von ebenso komischen wie traurigen Geschichten.

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