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Gibrat: MATTÉO # 3 – AUGUST 1936

Mit “Mattéo“ ist Jean-Pierre Gibrat (“Der Aufschub“, “Von Dieben und Denunzianten“) eine Serie gelungen, die sich sehr überraschend entwickelt. Im ersten Band erzählt er, wie der Titelheld Mattéo im Jahre 1914 darunter leidet, dass er nicht mit den jungen Franzosen in den Krieg ziehen darf, da er gebürtiger Spanier ist. Die Bevölkerung des kleinen Dorfes in Süden Frankreichs schneidet den jungen Mann und die von ihm angehimmelte Juliette wendet sich einem gut betuchten Nebenbuhler zu, der als Offizier in den Krieg zieht. Obwohl sein Freund Paulin an der Front durch Senfgas erblindet ist, zieht es Mattéo in den Krieg.

Gibrat: MATTÉO # 3 - AUGUST 1936

Doch nicht allzu lange, denn im zweiten Band der Comicreihe stürzt Mattéo sich munter in ein neues Krisengebiet. Abenteuerlust und Idealismus lassen den etwas naiven Jüngling nach St. Petersburg reisen, denn “dort herrscht Revolution“. Er verliebt sich in die selbstbewusste pfeifenrauchende Revolutionärin Lea, es gibt aber auch ein Wiedersehen mit der Krankenschwester Amélie, die den verletzten Frontkämpfer Mattéo aufopfernd pflegte. Dieser Teil von Mattéos Abenteuer endet etwas abrupt und lässt den Titelhelden eine weitere Dummheit begehen. Er stellt sich den französischen Behörden freiwillig und wird als Deserteur zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Gibrat: MATTÉO # 3 - AUGUST 1936Dass Mattéo dann doch nicht ganz so lange eingesessen hat, davon erzählt der dritte Band der Serie. Im August des für Frankreich sehr hoffnungsfrohen Jahres 1936 besucht Mattéo gemeinsam mit seinem erblindeten Freund Paulin sowie mit Amélie und ihrem kommunistischen Ehemann Augustin sein Heimatdorf an der spanischen Grenze. Gibrat fängt hier sehr gut die Stimmung eines Frankreichs ein, dass sich einerseits durch die sozialistische Regierung von Leon Blum in einen Wohlfahrtstaat zu verwandeln schien, andererseits jedoch keine Position im spanischen Bürgerkrieg bezog und nichts unternahm um den dortigen Genossen gegen die Franco-Diktatur beizustehen. Davon wie sich diese politische Großwetterlage auch auf die privaten Beziehungen niederschlug, erzählt Gibrat äußerst mitreißend.

Gibrat: MATTÉO # 3 - AUGUST 1936Das konsequente Finale dieses Comics macht sehr gespannt auf die Fortsetzung. Obwohl es kaum möglich erscheint, hat Gibrat sich innerhalb der Serie künstlerisch sogar noch gesteigert. Selten waren seine Bilder so stimmungsvoll, seine Farben so flirrend und seine weiblichen Hauptfiguren so attraktiv.

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Grant Morrison: SUPERHELDEN – Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

Der Schotte Grant Morrison (“Batman: Arkham Asylum“) ist nicht nur einer der erfolgreichsten US-Comicautoren sondern auch ein Experte auf dem Gebiet der Superhelden. Eine lebenslange Liebe verbindet ihn mit der Figur des Supermans, der er in der 12-teiligen Miniserie “All Star Superman“ ein Denkmal setzte und im Neustart der klassischen Serie “Action Comics“ die Über-Unterhose wegrationalisierte.

Grant Morrison: SUPERHELDEN - Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

Im Buch “Superhelden“ erzählt Morisson sowohl die Geschichte der Superhelden-Comics als auch seine eigene Biographie. Das funktioniert zunächst sehr gut. Informativ und gelegentlich auch pointiert analysiert Morrison die ersten Auftritte von Superman und Batman, die zahllose weitere Superhelden-Comics nach sich zogen. Hier wäre eine etwas großzügigere, nicht nur DC-Comics zeigende, Bebilderung wünschenswert gewesen, während es etwas fraglich ist, ob “Panel“ mit “Panele“ wirklich optimal ins Deutsche bzw. Österreichische übersetzt wurde.

Grant Morrison: SUPERHELDEN - Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

Doch ansonsten ist Morrisons “Superhelden“ in der ersten Hälfte sowohl für Neueinsteigern aber auch für Experten ein spannend zu lesendes Comic-Sachbuch. Interessant ist die Schilderung jener Zeit in den Fünfziger Jahren als sich die Superman-Comics bedingt durch den Erfolg einer spießigen TV-Serie mit George Reeves aber auch unter dem Zensur-Druck des Comics Code mehr mit alltäglichen Problemen als mit galaktischen oder gar kapitalistischen Bedrohungen beschäftigten. Im Kapitel “Superman auf der Couch“ erzählt Morrison davon, wie sich DC-Herausgeber Mort Weisinger einer Psychotherapie unterzog und “seine Schreiber mit dem in den jeweiligen Sitzungen anfallenden Material“ versorgte. Das Resultat waren dann Hefte mit Clark Kents Kollegen Jimmy Olsen als Transvestiten oder einer gegen Superman die Peitsche schwingenden Lois Lane.

Grant Morrison: SUPERHELDEN - Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

Während Morrison anfangs nur sehr gelegentlich davon erzählt, wie er die beschriebenen Comics als jugendlicher Leser empfunden hat, gerät das Buch auf den letzten 250 Seiten merklich aus dem Gleichgewicht. Hier betritt Morrison auch als Comicschaffender die Bühne und nutzt diese zunächst ausgiebig um Spitzen gegen seinen noch etwas prominenteren Kollegen Alan Moore abzufeuern. Dessen anerkannten Meilenstein “Watchmen“ findet Morrison gar nicht so bedeutend und seine Argumentation liest sich recht amüsant. Während er sich für einen verständnisvollen “Anthropologen“ der US-Comics hält, bezeichnet er Alan Moore als rücksichtslosen “Missionar“, der Superhelden-Lesern seine “eigenen Wertvorstellungen und Vorurteile“ aufzwingen möchten. Laut Morrison sieht Moore Superhelden als primitive Eingeborene über deren “farbenprächtige Trachten“ er sich nicht nur lustig macht, sondern diese dazu zwingt “lederne Trenchcoats zu tragen“ und zudem auch noch bis zum “Nervenzusammenbruch drangsaliert“.

Grant Morrison: SUPERHELDEN - Was wir Menschen von Superman, Batman, Wonder Woman & Co lernen können

In den letzten Kapiteln versucht Morrison den Eindruck zu erwecken, dass fast jeder bedeutende Comic der letzten 20 Jahre aus seiner Feder stammte. Statt über die Werke anderer Comicschaffender zu berichten, ist der Autor hier stärker daran interessiert seine Erfahrungen mit mystischem Hokuspokus oder die Vorteile einer rasierten Glatze zu schildern. Das trübt zwar ein wenig den positiven Eindruck der ersten Hälfte des Buches, hat aber durchaus Unterhaltungswert.

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Hellblazer – Garth Ennis Collection

Nun liegen sie komplett vor, die von Garth Ennis getexteten Geschichten mit dem Mystiker John Constantine. Den Anfang des fünften diesmal besonders voluminösen Hardcover-Bandes bildet die sich Anno 1994 durch die Hellblazer-Hefte 78 bis 83 ziehende Storyline Das letzte Gefecht. Hier bekommt es Constantine mit dem Teufel höchstpersönlich zu tun und einige liebgewonnene Figuren verlassen die Serie für immer.

Hellblazer - Garth Ennis Collection

Ennis und der 2016 verstorbene Zeichner Steve Dillon befinden sich hier bereits auf der Höhe ihrer Kunst. Genau wie bei ihren nächsten Meisterwerken Preacher und Punisher wechseln sich brutale überraschende Momente mit ruhigen nachdenklich machenden Dialogen und Monologen ab. Es geht dabei um nichts Geringeres als Gottes Unfähigkeit die Menschen gut sein zu lassen und Constantines Unvermögen wirklich von ganzen Herzen zu lieben, obwohl er in der Lage ist “mit minimalem Aufwand ein Maximum an Anhänglichkeit herauszukitzeln“.

Hellblazer - Garth Ennis CollectionDeutlich ruhiger als in “Das letzte Gefecht“ geht es danach in der 58-seitigen 1997 als Hellblazer Special veröffentlichten Geschichte Heartland. John Constantine taucht hier gar nicht auf. Im Zentrum steht dessen ehemalige Freundin Kathy Ryan alias Kit, sowie ihre vier Geschwister und deren nicht eben harmonisch verlaufender Vergangenheit. Mit dieser erstaunlich gut geerdeten Geschichte ganz ohne Hokuspokus auskommende Geschichte über das nicht eben leichte Leben in Belfast verabschiedete sich der Zeichner Steve Dillon von Hellblazer.

Hellblazer - Garth Ennis Collection

Garth Ennis kehrte 1998 noch einmal kurz zurück und konfrontierte John Constantine in der fünfteiligen Hellblazer-Miniserie Menschensohn mit den brutalen Auswirkungen einer vor langer Zeit aus verständlichen Gründen begangenen magischen Untat. Das zentrale Motiv der Figur, die durch seine Versuche Böse zu verhindern Böses anrichtet, wird hier schön drastisch herausgearbeitet. Die glatten fast schon cartoonmäßig anmutenden Zeichnungen vom Watchmen-Koloristen John Higgins sind etwas gewöhnungsbedürftig. Einziges Manko dieses prall mit beeindruckenden Geschichten gefüllten Hardcover-Bandes ist, dass die beeindruckenden Cover-Gemälde von Glenn Fabry leider meist nur sehr klein auf einer Viertelseite abgedruckt wurden.

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Constantine: Der Funke und die Flamme

Im Rahmen des im September 2011 erfolgten “New 52“-Relaunch startete DC gleichzeitig 52 Comic-Serien neu und feierte dies mit Ausgaben, die alle die Nummer 1 auf dem Cover trugen. Hierzu musste teilweise ganz schön tief in die Mottenkiste gegriffen werden und Serientitel wie “Mister Terrific“, “Captain Atom“, “Blue Beetle“ oder “Resurrection Man“ wurden mittlerweile schon längst wieder eingestellt.

Constantine

Immer noch am Laufen (und auch bei Panini auf Deutsch lieferbar) ist die von Peter Milligan getextete Serie “Justice League Dark“. Hier formierten sich “düstere“ DC-Figuren mit einem Hang zu Zauberei und Magie wie Madame Xanadu, Deadman, Shade, the Changing Man, Zatanna aber auch Frankenstein zu einem Team. Mit dabei ist natürlich auch der britische Mystery-Detektiv John Constantin, der sich zuvor innerhalb der Serie “Hellblazer“ eher bei der für erwachsenere Comic-Geschichten zuständigen DC-Tochter Vertigo herumtrieb.

Constantine: Der Funke und die Flamme

Nachdem “Hellblazer“ kurz zuvor mit Ausgaben 300 eingestellt wurde, bekam John Contantine ab Anfang 2013 eine eigene Serie im DC-Universum. “Constantine“ startete mit der vierten Welle der “New 52“-Comics und wird von den beiden auch als Zeichner tätigen Kanadiern Jeff Lemire (“Essex Country“, “Sweet Tooth“) und Ray Fawkes getextet. Beide haben auch schon für “Justice League Dark“ geschrieben. Ihr John Constantine reist innerhalb der fünfteiligen Eröffnungs-Serie “Der Funke und die Flame“, die Panini gebündelt veröffentlicht, über Norwegen und Myanmar (alias Birma oder Burma) zwar auch in seine Heimatstadt London, doch sein Hauptwohnsitz ist jetzt New York.

Constantine: Der Funke und die Flamme

Gezeichnet wurden die Miniserie, in der es um einen magischen Kompass geht, recht ansprechend von den Brasilianern Renato Guedes und Fabiano Newes. Zwar fehlt der Geschichte ein wenig der gesellschaftskritische gegenwartsbezogene Touch den Autoren wie Garth Ennis immer wieder bei “Hellblazer“ einbrachten, doch als Mystery-Serie funktioniert „Constantine“ bestens.

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Ralf König: Konrad und Paul – Raumstation Sehnsucht

Ralf Königs langlebigsten Figuren sind der Schöngeist Konrad und der ewige Rammler Paul, wobei diese so etwas wie das Über-Ich und das Es des zeichnenden Autors sein könnten. König hat seit 1990 zahllose Kurzgeschichten mit dem ungleichen schwule Pärchen erzählt, viele davon sind im Ehapa-Sammelband “Ist der Ruf erst ruiniert…“ enthalten, doch mit dem Duo lassen sich auch längere Geschichten erzählen, siehe “Bullenklöten“ (Männerschwarm) oder “Sie dürfen sich jetzt küssen“ (Rowohlt) oder „Herbst in der Hose„.

Ralf König: Konrad und Paul - Raumstation Sehnsucht

Auch im Zentrum von “Raumstation Sehnsucht“ stehen Konrad und Paul. Die Comicgeschichte enthält einige Anspielungen auf das Werk von Tennessee Williams und besteht aus drei Teilen. Zum einen geht es um die schwärmerischen Gefühle, die Konrad für seinen jungen sensiblen rumänischen Klavierschüler Anton hegt, der eine ganze “Glasmenagerie“ von Likörgläsern besitzt. Antons Mutter möchte ihren Sohn am liebsten mit Konrad verkuppeln. Doch Konrad hat moralische Bedenken, genau wie der eigentlich sehr viel unbedenklichere Paul. Dieser soll eigentlich seiner hochschwangeren Schwester Edeltraut beistehen, fühlt sich aber zugleich zu seinem behaarten muskelbepackten Schwager Porky hingezogen, der an Stanley Kowalski aus “Endstation Sehnsucht“ erinnert, aber auch eine “tätowierte Rose“ am Oberarm trägt.

Ralf König: Konrad und Paul - Raumstation Sehnsucht

Als dritte Ebene der Geschichte gibt es noch schwarzweiß illustrierte Prosa-Auszüge aus einem Science-Fiction-Roman an dem Paul gerade arbeitet. Im Laufe der nur bedingt futuristischen Erzählung “Im Weltraum hört Dich keiner grunzen“ hat der von Barry Hoden, dem Piloten des Raumschiffs “Libido XL“, begehrte Monteur Brick immer mehr Ähnlichkeit mit Pauls Schwager Porky.

Ralf König: Konrad und Paul - Raumstation Sehnsucht

König erweist sich einmal mehr als souveräner Erzähler. Seine ansprechend kolorierten Zeichnungen sind scheinbar lässig hingehauene Skizzen und das Lettering wirkt fast schon geschmiert. Trotzdem wird der Leser stärker in Königs Welt hineingezogen als dies den Schöpfern von vielen optisch aufwändiger gestalteten Comics gelingt.

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ASTERIX: DIE GROSSE ÜBERFAHRT – UTIMATIVE EDITION

Mit “Die große Überfahrt“ traten Asterix und Obelix im Jahre 1977 n. Chr. ihre vielleicht spektakulärste Reise an. Schuld daran war der Fischhändler Verleihnix, der seine verderbliche Ware lieber aus dem fernen Lutetia kommen lässt, anstatt im nahen Meere zu fischen. Doch ein “einigermaßen frisches Stück Fisch“ ist eine unverzichtbare Zutat des Zaubertrankes und daher stechen unsere beiden Gallier in See.

ASTERIX: DIE GROSSE ÜBERFAHRT - UTIMATIVE EDITION

Dass Obelix auf Befehl von Asterix mitten im stärksten Sturm ordnungsgemäß das Netz auswirft ohne es jedoch zuvor am Boot zu vertäuen ist, noch das geringste Problem bei dieser Reise. Nach einer stürmischen Seefahrt bei der sie natürlich auf die Piraten treffen und eine merkwürdige nächtliche Begegnung haben (auf zwei Seiten dieses Comics ist wegen Nacht und Nebel gar nicht zu erkennen), landen sie auf einer seltsamen Insel. Hier treffen sie auf Truthähne, einen Bären und Eingeborene mit Federschmuck, die Obelix für getarnte Römer hält…

ASTERIX: DIE GROSSE ÜBERFAHRT - UTIMATIVE EDITION
“Die große Überfahrt“ ist zwar erschreckend schnell durchgelesen, da viele Sequenzen ohne große Worte auskommen, doch optisch ganz gewiß eins der schönsten Alben der Reihe. Goscinny und Uderzo versuchen so viele US-amerikanische Nationalsymbole wie möglich in ihrer Geschichte unterzubringen. So stellt sich Asterix als menschlicher Leuchtturm in der selben Pose (und möglicherweise sogar an der selben Stelle) wie später die Freiheitsstatue auf. Ein zu Boden gehender Indianer sieht weiße Sterne auf blauen Grund genau wie auf der US-Flagge und nachdem die Gallier die Neue Welt verlassen haben, werden sie durch einen wunderschönen Marterpfahl verewigt.

Asterix: Gallien in Gefahr

In der Ultimativen Edition kommt die Pracht von Uderzos Bildern erst richtig zur Geltung und langsam aber sicher liegen zum Glück alle Bände der Reihe in dieser optimalen Form vor.

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Moebius & Stan Lee: Silver Surfer – Parabel

Ende der Achtziger Jahre kam es zu einer höchst merkwürdigen Zusammenarbeit. Als sich Stan Lee und der französische Star-Zeichner Jean Giraud alias Moebius („Sternwanderer„) in den USA trafen, tauschten sie zunächst Komplimente aus, kamen jedoch schon recht bald auf ein gemeinsames Projekt zu sprechen. Nachdem Moebius erwähnte, dass er die Figur des Silver Surfers besonders schätzt, beschloss Stan Lee eine “poetische und philosophische“ Geschichte zu schreiben. Die 1966 erstmals innerhalb der Serie “Fantastic Four“ auftauchende Figur des Silver Surfers neigt zu Grübeleien und ist alles andere als begeistert davon wie die menschliche Zivilisation funktioniert bzw. nicht funktioniert.

Moebius & Stan Lee: Silver Surfer - Parabel

In der 1988 bei Marvels Label Epic erschienenen zweiteiligen Heftserie “The Silver Surfer“, die später denn Titel “Parabel“ bekam, kehrt der riesige Weltenverschlinger Galactus auf die Erde zurück und wird von der Menschheit als Gott verehrt. Doch dem Silver Surfer, der Galactus einst dienen mußte, ist sofort klar, dass der Planetenfresser nichts anderes im Sinn hat als seinen Hunger zu stillen…

Moebius & Stan Lee: Silver Surfer - Parabel
Stan Lees Geschichte handelt davon wie schnell Menschen bereits sind falschen Propheten zu folgen. Moebius liefert dazu höchst eigenständige Bilder der Marvel-Figuren Silver Surfer und Galactus. Das Umfeld in dem die Geschichte spielt erinnert dabei aber keineswegs an die realistisch dargestellte Erde des Marvel-Universums, sondern es scheint sich eher um die Welt des Incals oder der Hermetischen Garage zu handeln.

Moebius & Stan Lee: Silver Surfer - Parabel
“Silver Surfer – Parabel“ bekam 1989 einen Eisner Award als beste Miniserie. Bei uns erschien der Comic zunächst 1989 bei als Hardcover-Band bei Splitter und zwei Jahre später bei Carlsen als viertes Album innerhalb der Moebius-Reihe “Universum der Wunder“. Die neue Panini-Ausgabe ist zwar etwas kleinformatiger als die Splitter-Edition, hat aber sehr viel mehr Bonusmaterial zu bieten. Neben den bereits bekannten Vor- und Nachworten gibt es noch es noch Abbildungen von diversen Titelbildern der Miniserie sowie die Marvel Press Poster von Moebius, die ungewöhnliche Versionen von Figuren wie Wolverine, Iron Man oder dem Punisher zeigen.

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Obelix GmbH & Co. KG – Ultimative Edition

Fast möchte man meinen René Goscinny wurde zu diesem Asterix-Album von Heinrich Bölls “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ inspiriert, genau wie Émile Bravo zu seinem Comic-Bilderbuch “Der kluge Fischer“. Böll erzählt in seiner Kurzgeschichte von einem Touristen, der einem Fischer, der in seinem Boot vor sich hin döst, eine Lektion in Sachen Geschäftstüchtigkeit erteilen möchte. Doch dem Fischer leuchtet nicht ein, warum er eine große Fischerei-Firma gründen soll, obwohl er ist ja bereits genau dort wo er sein möchte und frei über seine Arbeitszeit verfügen kann.

OBELIX GMBH & CO. KG - UTIMATIVE EDITION

Im 23. Asterix-Album, das 1976 in Frankreich erschien (und erst zwei Jahre danach bei uns), schmieden die Römer einen besonders perfiden Plan um das militärisch nicht zu bezwingende kleine gallische Dörfchen doch noch zu unterjochen. Ein junger Römer namens Technokratus greift mit den Gesetzten der angeblich freien Marktwirtschaft an. Ausgestattet mit unbegrenzten finanziellen Mitteln kauft er Obelix zu ständig steigende Preisen seine Hinkelsteine ab. Daraufhin beginnt fast das ganze Dorf mit der Produktion von Hinkelsteinen und durch den plötzlichen Reichtum breitet sich frühgallische Dekadenz aus…

Erstmals schafft es Obelix in diesem Album zum Titelhelden zu werden und er ist die zentrale Figur dieser köstlichen Parodie auf kapitalistische Mechanismen. Bis heute weiß kein Mensch wozu Hinkelsteine eigentlich gut waren, doch durch eine ausgeklügelte Werbekampagne von Technokratus möchte für eine kurze Weile jeder Römer mindestens einen besitzen, bevor schließlich die Preise purzeln, es beim Kauf eines Sklaven zwei Hinkelsteine gratis gibt und der nächste Quatsch auf den Markt kommt.

OBELIX GMBH & CO. KG - UTIMATIVE EDITION

Auch in dieser Ausgabe der Ultimativen Edition kommt die Pracht von Uderzos Bildern besonders gut zur Geltung und jetzt liegen zum Glück nahezu alle Asterix-Bände der Reihe in dieser optimalen Form vor.

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Walt Disney: Die besten Geschichten von Al Taliaferro

Nun hat es schon wieder eine Disney-Reihe erwischt. Nachdem Egmonts sehr interessant zusammengestellte Comicreihen “Disneys Hall of Fame“ und “Disneys heimliche Helden“ nach 20 bzw. 10 Bänden beendet wurden, wird auch die danach gestartete Serie “Die besten Geschichten von…“ mit diesem 10. Band nach einer zweijährigen Laufzeit leider eingestellt. Präsentiert wurden sehr schön editierte Sammelbände von aktuellen Disney-Zeichnern wie den holländischen Brüdern Bas und Mau Heymans, aber auch von Klassikern wie Floyd Gottfredson oder Romano Scarpa.

Walt Disney: Die besten Geschichten von Al Taliaferro
© 2014 Disney Enterprises, Inc.

Nachdem der neunten Band der Reihe inhaltlich wie stilistisch sehr traditionsbewusste Enten-Geschichten vom Norweger Arild Midthun präsentierte, wird mit zum Abschluss der Serie ein Altmeister geehrt. Al Taliaferro ist als Zeichner der Duck-Familie längst nicht so bekannt wie Don Rosa oder Carl Barks (der bevor er selbst Comiczeichner wurde, bereits Gags für Taliaferros Zeitungsstrips schrieb). Doch er war es, der Walt Disney 1937 davon überzeugte, dass ein täglicher Comic mit Donald garantiert ein Hit werden würde. Im Gegensatz zu Floyd Gottfredson der – oftmals von Taliaferro getuschte – epische Fortsetzungsgeschichten mit Micky Maus in Szene setzte, war Taliaferro ein Mann der kurzen ohne viel Worte auskommenden Slapstick-Gags. Seine zeitlos komischen Onepager werden auch heute noch sehr gerne in Disney-Comicheften veröffentlichtt.

Walt Disney: Die besten Geschichten von Al Taliaferro
© 2014 Disney Enterprises, Inc.

Bei Taliaferro trug Donalds seine Matrosenbluse erstmals in schwarz, wie die danach im Comic üblich. In Taliaferros Strips hatten Donalds Neffen Tick, Trick und Track sowie Oma Duck ihre ersten Auftritte. Das Buch “Die besten Geschichten von Al Taliaferro“ enthält chronologisch geordnet markante und teilweise auch kommentierte Donald-Comics aus den mehr als drei Jahrzehnten, in denen der Zeichner für Disney arbeitete. Darunter befinden sich als deutsche Erstveröffentlichung auch Silly Symphony Comics mit Bucky Bug und den drei kleinen Schweinchen. Abgerundet wird der Band noch durch eine Biographie und ein Interview mit Taliaferro.

Walt Disney: Die besten Geschichten von Al Taliaferro
© 2014 Disney Enterprises, Inc.

Es ist sehr schade, dass hierzulande jemand wie Stefan-Raab-Sidekick Elton herangeholt werden muss, um ein Buch zum 80. Geburtstag von Donald Duck an den Leser zu bringen, weil anscheinend kein Interesse an bibliophil aufgemachten und inhaltlich anspruchsvollen Sammelbänden mit Disney-Comics wie “Die besten Geschichten von…“ besteht.

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Karl der Kleine bei den Karolingern

Viel ist passiert, seit Neufred alias Alfred Neuwald („Die Weltenbummler„) seine Comicfigur “Karl der Kleine“ erfunden hat. Die wirklich lustigen Gagstrips, die sich oft mit historischen aber auch aktuellen Ereignissen in Aachen beschäftigen, sind ein Hit auf Facebook, werden in lokalen Zeitungen veröffentlicht und es liegt unter dem Titel “Karl der Kleine – Die Stadt der Printen“ auch ein erster gebundener Sammelband im Querformat mit ausgewählten Strips vor.

KARL DER KLEINE

Doch damit nicht genug. Der Aachener Karnevalsverein hat zwar bereits ein Maskottchen namens Barki, wollte aber trotzdem nicht auf eine Zusammenarbeit mit Karl dem Kleinen verzichten. Das Resultat ist ein farbiges Comicalbum im klassischen 48-Seiten-Format in dem Barki gemeinsam mit Karl den Kleinen auf eine Zeitreise durch die Aachener Geschichte geschickt werden. Ausgelöst hat diesen Zeitsprung eine allzu gut funktionierende App, die Karl und Barki fragt, “ob sie wirklich mehr Informationen“ zu einem Fresko im Krönungssaal des Aachener Rathaus möchten. Ein Klick und das Duo erfährt mehr über die ehemalige Kaiserstadt als es je wissen wollte, denn es landet im Jahre 772.

KARL DER KLEINE BEI DEN KAROLINGERN

Dabei kommt es zu einem Zeitparadoxon, denn der eher freundliche Karl der Kleine trifft auf seinen etwas zweifelhafteren Namensvetter Karl der Große. Dieser machtbewusste Herrscher setzte sich einerseits “mit aller Kraft für Reformen zum Wohle seines Volkes ein“, doch andererseits klaut er Karl und Barki ihre letzte Printe. Ganz langsam und soweit es die Energie ihres Tablets erlaubt, arbeitet sich das Duo in der Zeit vor und der Leser wird mit weiteren bemerkenswerten Ereignissen aus der Aachener Geschichte konfrontiert.

Karl der Kleine bei den Karolingern

Das Konzept des Comics humorvoll mit historischen Ereignissen zu spielen, funktioniert bestens und trägt erstaunlich Blüten. Am 1. April 2014 wurde in Aachen bei Ausgrabungen gar eine alte Münze mit dem Konterfei von Karl dem Kleinen gefunden. Außerdem konnte Alfred Neuwald auf dem Aachener Festival Comiciade bei seinen Signieraktionen alle von ihm angebotenen Ausgaben von “Karl der Kleine bei den Karolingern“ an die begeisterten Fans der Figur bringen, was kein Aprilscherz ist!

Karl der Kleine bei den Karolingern

Mittlerweile liegt “Karl der Kleine bei den Karolingern“ auch als Hörspiel-CD mit viel Musik vor und weitere Comicalben liegt auch schon vor. In “Karl der Kleine und der Talisman“ und „Die Printe des Teufels wird von weiteren  Zeitreisen erzählt.

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