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Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Aschenbrödel (Libuše Šafránková) lässt sich von ihrer Stiefmutter und der Stiefschwester nicht unterkriegen. Sie erhält drei Haselnüsse, die sich als Zaubernüsse herausstellen. Mit Hilfe dieser Nüsse kann sie sich als Jägerin gegenüber dem Prinzen und seinen Freunden behaupten. Durch ihre Geschicklichkeit, ihre Schönheit und dem berühmten Rätsel, das sie dem Prinzen aufgibt, gewinnt sie sein Herz für sich…

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Ganz im Gegensatz zu anderen während der Zeit des “real existierenden Sozialismus“ in Osteuropa entstandenen Märchenfilmen verkneift sich Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ideologische Tendenzen. In der ostdeutsch-tschechischen Coproduktion spielt DEFA-Star Rolf Hoppe (Mephisto) einen besonnenen und menschlichen Monarchen, die mit einem gewissen Amüsement betrachtet, wie sich sein Sohn schließlich doch noch in die richtige Frau verliebt.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Anders als Walt Disney bei Cinderella verzichtet Regisseur Václav Vorlícek (Wie man Dornröschen wachküsst, Die Märchenbraut) fast komplett auf die Fantasy-Elemente der literarischen Vorlage. Der wohl schönste tschechische Märchenfilm setzt auf beeindruckende Naturaufnahmen und eine ebenso romantische wie komische Geschichte, die auch heute noch allerbestens unterhält.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Der Kultstatus von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel zeigt sich auch darin, dass der Film nun bereits in der vierten DVD-Edition vorliegt. Hierzu wurde der Ton überarbeitet und liegt nun sogar in Dolby 5.1 und dts vor. Dies ist vor allem bei der sehr schönen erinnerungswürdigen Musik von Karel Svoboda (Biene Maja, Wickie) zu hören, die jetzt raumfüllend erklingt. Als “Abfallprodukt“ dieser Überarbeitung liegt nun auch der komplette Soundtrack als CD der neuen limitierten Sonderedition bei. Ob Schnickschnack wie “Goldgeprägtes Schatzkästchen, seidenbezogene Schatulle mit Schublade und Hochzeits-Amulett mit Echtheitszertifikat“ wirklich nötig sind, muss jeder Fan des Films selbst für sich entscheiden.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Extras der Schatzkästchen-DVD-Edition: Audio-CD mit dem kompletten Soundtrack (42:27 min); Dokumentation (29:24 min); Informationen zu Darstellern, Drehstab und Drehorten; Goldgeprägtes Schatzkästchen und seidenbezogene Schatulle mit Schublade; In Seide gebundenes Begleitbüchlein; Hochzeits-Amulett mit Echtheitszertifikat

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25 Jahre Abrafaxe

In der DDR hießen Comics Bildergeschichten und bei dem Comic-Magazin Mosaik, das seit 1955 eine durchgehende Comicgeschichte erzählt, handelte es sich folglich auch um eine Bilderzeitschrift. Die Helden dieser Geschichte waren die Digedags. 1975 kam es zu einer großen Krise innerhalb der ostdeutschen Comicsgeschichte, denn Hannes Hegen, der Schöpfer der Digedags zerstritt sich seinerzeit mit dem Verlag Junge Welt.

25 Jahre Abrafaxe

Da Hegen die Rechte an diesen Figuren hatte, musste schnell für Ersatz gesorgt werden. Lothar Dräger erfand den Namen Abrafaxe und die gelernte Trickfilmzeichnerin Lona Rietschel sorgte für das koboldhafte Aussehen der Figuren Abrax, Brabax und Califax. Ihre ersten Auftritte hatte das Trio zunächst auf der Rückseite von Mosaik und im ebenfalls Comics enthaltenden DDR-Jugendmagazin Atze, das die Wende leider nicht überstanden hat.

Die Abrafaxe wurden rasch beliebter als ein eigentlich als Hauptfigur vorgesehener Harlekin, der das Trio im 18. Jahrhundert in Dalmatien an der Adriaküste kennenlernte. Die Abrafaxe traten immer stärker in den Vordergrund und der Comic leistete sich vereinzelte Spitzen gegen Realitäten in der DDR, wie etwa die waidmännischen Vorlieben gewisser SED-Größen oder langen Schlangen vor Delikat-Läden, die dann im alten Alexandropolis Delikados heißen.

Die Wende haben die Abrafaxe recht unbeschadet überstanden. Durch seltsame Entscheidungen der Treuhand musste der Verlag in  Mosaik Steinchen für Steinchen umbenannt werden, aber ansonsten floriert die monatlich erscheinende Comic-Zeitschrift (wie sie sich seit 1990 auch offiziell nennen darf). Seit 1998 erscheinen vierteljährlich unter dem Titel Abrafaxe graphisch sehr hochwertig gestaltete Zeitreise-Abenteuer mit den Kobolden und entstand auch noch ein Zeichentrickfilm fürs Kino.

25 Jahre Abrafaxe

Das vorliegende sehr schön aufgemachte und recht preiswerte Buch bildet noch einmal sämtliche Mosaik-Titelbilder seit Erscheinen der Abrafaxe ab. Es bietet auch Menschen, denen diese drei Helden bisher fremd waren, einen kurzweiligen und informativen Exkurs durch die ersten 25 Jahre der Geschichte von Abrax, Brabax und Califax.


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Schulz & Schulz

In den Kriegswirren wurden die Zwillingsbrüder Walter und Wolfgang Schulz getrennt. Während Walter in Stralsund Propaganda-Slogans für die SED entwirft, arbeitet Wolfgang in einer Hamburg Werbeagentur. Als sie sich Mitte der Achtziger Jahre schließlich wieder treffen, beschließen sie ihre Rollen für einen Tag zu tauschen. Dadurch stiften sie ziemliche Verwirrung in West und Ost…

Schulz & Schulz
Der aus der DDR geflüchtete Gerhard Gabers und der in Polen aufgewachsene Krystian Martinek entwarfen 1987 – also lange bevor das Ende der DDR abzusehen war – das Konzept des ersten “Schulz & Schulz“-Films. Beide waren seinerzeit zunächst nicht allzu begeistert als der damals hauptsächlich als “Schimanski“ bekannte Götz George die doppelte Titelrolle spielen sollte. Doch dieser lieferte hier eine seiner besten Leistungen. Während er den Wessie Wolfgang als leicht schmierige Karikatur eines Karrieristen spielte (nicht unähnlich seiner Rolle in “Schtonk!“) ist sein Ossie Walter ein sehr viel stärker moralisch denkender Gemütsmensch.

Schulz & Schulz

“Schulz & Schulz“ wurde 1989 zu einem großen Erfolg und die sich rasant wandelnde Realität der nächsten Wechseljahre versorgte die Autoren mit reichlich Stoff. Daher kam es zu vier weiteren Begegnungen mit den ungleichen Brüdern. Oft sehr nah an der Realität wurden sie mit westdeutschen Spekulanten, ostdeutschen Wendehälsen und mit dem zunehmenden Rechtsradikalismus konfrontiert. Speziell der letzte Teil “Fünf vor zwölf“ von 1993 ist trotz aller Lustspiel-Einlagen eine höchst engagierte Auseinandersetzung mit Fremdenhass und auch durch sein unversöhnliches Ende (leider) immer noch höchst aktuell.

Schulz & Schulz

Die Box von “Studio Hamburg Enterprises“ enthält auf 3 DVDs im 4:3-Vollbildformat die Filme „Schulz & Schulz“ (1989), „Schulz & Schulz II: Aller Anfang ist schwer“ (1991), „Schulz & Schulz III: Wechselspiele“ (1993), „Schulz & Schulz IV: Neue Welten“ (1992) und „Schulz & Schulz V: Fünf vor zwölf“ (1993), sowie Drehberichte zu Episode I (12:33 min) und zu Episode II (8:01 min)

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Deutsche Comicforschung 2016

Der zwölfte Band der seit 2005 alljährlich erscheinenden Reihe “Deutsche Comicforschung“ informiert wieder zuverlässig über Gebiete, die in Comicfachpresse und in Fachbüchern bisher gar nicht oder nur sehr unzureichend behandelt wurden.

Deutsche Comicforschung 2016

Die einmal mehr sehr interessant konzipierten und bebilderten Beiträge des Buchs sind wieder chronologisch angeordnet. Zunächst geht es zurück ins Mittelalter, wo – und das hat Tradition in der Buchreihe – die Comicforscher um Eckart Sackmann wieder eine Bilderzählung entdeckt haben, die mit etwas guten Willen als Comic bezeichnet werden kann. So sind in der Kölner Basilika St. Ursula 24 Bildertafeln aus dem Jahre 1456 zu sehen, die auch gereimte Texte enthalten.

Deutsche Comicforschung 2016
Comic von Friedrich Schiller

Nicht völlig neu, ist die Information, dass Friedrich Schiller humoristische Bildergeschichten zu Papier brachte, doch Dietrich Grünewald hat sich im zweiten Beitrag des Jahrbuchs sehr ausführlich mit den “Avanturen des neues Telemachs“ des deutschen Nationaldichters beschäftigt. Sackmann hingegen widmet sich in einem weiteren Beitrag der insgesamt knapp 8 Meter langen Bilderzählung “Die sieben Raben“ von Moritz von Schwindt, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand.

Deutsche Comicforschung 2016

Die restlichen Beiträge stammen aus einer Zeit als es den Begriff Comic bereits gab. Ein Artikel beschreibt die vor dem Ersten Weltkrieg in Stuttgart erschienene Zeitschrift “Die Kinderwoche“, in der unter dem Titel “Plim und Plum“ eine Art Jugendstil-Variante zu Wilhelm Buschs “Plisch und Plum“ veröffentlicht wurde. Ebenfalls auf Wilhelm Busch beruft sich der in einem weiteren Bericht beschriebene englische Zeitungsstrip “Big und Little Willie“, der sich ab 1914 im “Daily Mirror“ über den Deutschen Kaiser und den Kronprinzen lustig machte.

Deutsche Comicforschung 2016
Micky-Maus-Comic vom deutschen Zeichner Frank Behmak

Bemerkenswert sind auch die Erkenntnisse im Kapitel “Frühe Micky Maus Zeitungsstrips in Deutschland“. Hier ist zu erfahren, dass in Deutschland bereits 1930 erste Comics mit Walt Disneys Zeichentrick-Figuren erschienen sind und das auch noch in der kommunistischen “Arbeiter Illustrierte Zeitung.“ Interessant ist auch, dass die “Kölnische Illustrierte Zeitung“ ein Jahr später sogar einen Micky-Maus-Strip aus der Feder des deutschen Zeichners Frank Behmak veröffentlichte. Doch auch im Dritten Reich waren Comics nicht, wie gerne behauptet wird, völlig verpönt, sondern Sackmann belegt im reich bebilderten Bericht “Die Braune Post – Die Nazis und die Sprechblase“, dass in einer nationalsozialistischen Sonntagszeitung etliche eigens dafür konzipierte deutsche Comics zum Abdruck kamen.

Deutsche Comicforschung 2016
Wilhelm Eigener

Dass der deutschen Comic-Kultur höchstwahrscheinlich ein großes Talent verloren gegangen ist, davon erzählt ein Artikel über neun großformatige farbig kolorierte Original-Seiten, die der Comicsammler Joachim Knüppel in einem Hamburger Antiquariat kaufte. Diese Seiten entstanden in den 50er Jahren und erzählen eine in Afrika spielende Abenteuergeschichte. Wilhelm Eigner hat diese in einem nahezu perfekten Stil gezeichnet, der sehr viel ansprechender ist, als fast alles was deutsche Verlage seinerzeit an Eigenproduktionen herausbrachten. Doch Eigner stellte das Comic-Zeichnen ein, denn er fand schnell Arbeit als Illustrator, was sicher gut für ihn, aber sehr schade für die deutsche Comic-Landschaft war. Helmut Kronthaler widmet sich im nächsten Buch-Beitrag einem ab 1959 erschienenen Fortsetzungs-Comic über das Leben des Südtiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer.

Deutsche Comicforschung 2016
DDR-Comic Artikel aus dem Comics Journal

Interessant ist auch Guido Weißhahns Artikel über die Comic-Aktivitäten des ostdeutschen Museumspädagogen Paul Thiel, der versuchte sich in der DDR vorurteilsfrei mit westlichen Comics zu beschäftigen. Thies beschäftigte sich seinerzeit aber auch mit DDR-Comics und ein Artikel von ihm über „Mosaik“ erschien sogar 1979 im einflussreichen US-amerikanischen Fachblatt  „The Comics Journal“.

Tom Bunk

Den Abschluss des Buchs bildet der Artikel “Deutsche Underground-Comics – Versuch einer Annäherung“. Wie der Titel schon andeutet, ist dies nur (aber auch immerhin!) der erste Schritt der Annäherung an eine quirlige Zeichner-Szene, die teilweise sehr erfolgreich versuchte, deutschsprachige Varianten zu den subversiven Comics von Robert Crumb oder Gilbert Sheldon zu schaffen. Zahlreiche Zeichner aus diesem Umfeld wie Volker Reiche, Tom Bunk, Gerhard Seyfried, Brösel oder Gabriel Nemeth sind heute noch tätig. Eckart Sackmanns Bericht deutet an, dass hier Stoff für ein ganzes und nicht unbedingt dünnes Buch wäre.

Die 2016er Ausgabe des Jahrbuchs “Deutsche Comicforschung“ hingegen deutet an, dass es auch in Zukunft noch genügend hochinteressanten Stoff für weitere Ausgaben gibt.

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