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Riad Sattouf: Der Araber von morgen 3

Riad Sattouf schilderte 2014 in Der Araber von morgen sechs Jahren seiner sich zwischen Kurzaufenthalten in Frankreich und teilweise recht drastischen Erlebnissen im Nahen Osten (Syrien, Libyen) abspielenden Kindheit. Überraschenderweise ließ er Fortsetzungen folgen, was im Genre “Graphic Novel“ eher selten geschieht. Genau wie in Band 2 spielen sich die Ereignisse des nächsten Comics “nur“ in einem kürzeren Zeitraum von diesmal drei Jahren ab.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen 3

Sattouf ist der Sohn einer Französin aus der Bretagne und eines Syrers, der in Paris studiert hatte . Der Junge fiel schon früh durch seine langen platinblonden Haare auf und dies natürlich ganz besonders stark in der arabischen Welt. Das ungewöhnliche Äußere und seine halbeuropäische Herkunft brachten Sattouf nicht nur Vorteile, sondern grenzten ihn oftmals auch aus.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen 3

Fast wie in einer Daily Soap erzählt Riad Sattouf sehr detailreich und optisch recht ansprechend seine Jugenderinnerungen. Die Erlebnisse in der arabischen Welt hat er in rötlichen Farben koloriert und wenn es nach Frankreich geht, wählt er blau als Schmuckfarbe. Im dritten Band bricht Sattoufs Familie u. a. zu einem Kurztrip ins scheinbar luxuriösere Beirut auf und bei der Beschneidung des kleinen Riad geht allerlei schief. Sattouf hatte aus letzterer Episode mit “Meine Beschneidung“ bereits einen kleinen Comic gemacht, der 2004 erschien, also zehn Jahre vor dem ersten Band von “Der Araber von morgen“.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen 2

Sattoufs Vater kommt in der Erzählung eher ein Schwätzer denn als ein Mann der Tat rüber. Der Wunsch seiner Ehefrau mit der Familie in ihre Heimat Frankreich zurückzukehren erscheint angesichts des rustikalen Lebens in einem syrischen Kaff mehr als nachvollziehbar. Doch der Vater genießt es seine mittlerweile auf drei Söhne angewachsene Familie durch sein “Geheimwissen“ über die arabische Welt unter Kontrolle zu haben.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen 3

Da sich manche Erlebnisse im Laufe der Serie wiederholen oder sehr stark ähneln, entsteht gelegentlich der Eindruck, dass sich Sattoufs Geschichte ein wenig im Kreise dreht. So richtig nach einer Fortsetzung schrie bereits der erste “Araber von morgen“ nicht. Doch der dritte Band endet mit einem echten Cliffhanger, der gespannt auf den weiteren Verlauf der Erzählung macht.

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Riad Sattouf: Der Araber von morgen 2

Man hätte es ahnen können, denn im letzten Panel des Comics “Der Araber von morgen“ war zu lesen: “Fortsetzung folgt“. In dem Buch schildert Riad Sattouf seine ersten sechs Lebensjahre. Der Sohn eines in Paris studierenden Syrers und einer Französin aus der Bretagne, fiel schon früh durch seine langen platinblonden Haare auf und dies natürlich ganz besonders in der arabischen Welt.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen 2

Sattouf schildert, wie er zwischen 1978 bis 1984 in Libyen, Syrien und gelegentlich auch in Frankreich lebte. Der mehrfach preisgekrönte Comic überzeugte, weil es Sattouf nicht darum ging, allgemeingültigen Unterschiede zwischen dem Leben in der westlichen und dem in der arabischen Welt darzustellen. Vielmehr brachte er aus der Sicht eines Kindes seine oft am Rande zum Surrealen liegenden Erlebnisse auf originelle Art zu Papier. Dadurch gab er dem Leser die Möglichkeit eigene Schlussfolgerungen zu ziehen.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen 2

Die Fortsetzung konzentriert sich bei gleichem Seitenumfang diesmal nicht auf sechs sondern auf nur zwei Lebensjahre von Riad Sattouf. Diese verbrachte der Autor, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt in Frankreich, in Syrien. In der Geschichte dominieren Riads Erlebnisse mit sehr autoritären und unberechenbaren Lehrern in einer syrischen Dorfschule. Die Beschreibung des in rötlichen Farben dargestellten Lebens in Syrien, inklusive eines Ehrenmords, stehen nicht nur farblich im starken Kontrast zum bläulich kolorierten Kurzurlaub in Frankreich. Auf wenigen Seiten erzählt Riad Sattouf hier, wie er bei einem Besuch seiner Großeltern in Frankreich gut gefüllte Supermärkte, Hotel-Büffets und Ski-Pisten erlebte.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen 2

Riad Sattouf im ersten Band noch sehr sympathisch wirkender Vater Abdel-Razak kommt diesmal ziemlich verantwortungslos rüber, weil er sich in bedrohlichen Situationen sehr passiv verhält und seiner Frau und den beiden Söhnen die im Comic sehr drastisch geschilderten Lebensumstände zumutet. Während der Lektüre drängt sich beinahe permanent der Gedanke auf, dass es die Familie in Frankreich sehr viel besser hätte, was als Fazit eines 150-seitigen Comics ziemlich dünn ist.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen 2

Doch das Titelbild des Comics zeigt einen kleinen Riad Sattouf, der sich sowohl räumlich als auch farblich von seiner Familie entfernt, und auch diesmal steht unten rechts im letzten Panel “Fortsetzung folgt“.

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Riad Sattouf: Der Araber von morgen

Das 42. französische Festival de la Bande Dessinée d’Angoulême stand 2015 im Schatten des Pariser Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo.  Auf dem größten europäischen Comicfestival wurde Riad Sattoufs „Der Araber von morgen“ als bestes Comic-Album des Jahres prämiert. Der aus Syrien stammende Zeichner und Filmregisseur (“Jungs bleiben Jungs“) hat auch für Charlie Hebdo gearbeitet, hier erschien seine Cartoon-Reihe “La Vie secrète des jeunes“.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen

„Der Araber von morgen“ ist eine autobiographische Comic-Erzählung und Riad Sattouf schildert hierin seine ersten sechs Lebensjahre. Der Sohn eines in Paris studierenden Syrers und einer Französin  aus der Bretagne, fiel schon früh durch seine langen platinblonden Haare auf und dies ganz besonders in der arabischen Welt. Aus der Sicht eines Kindes erzählt Sattouf von den Jahren 1978 bis 1984, die er in Libyen, Syrien und gelegentlich auch in Frankreich verbrachte. Dabei geht es Sattouf nicht darum, die allgemeingültigen Unterschiede zwischen dem Leben in der westlichen und dem in der arabischen Welt darzustellen.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen

Sattoufs Vater war ein an religiösen Dingen kaum interessierter Wanderer zwischen den Welten war, der versuchte es sich dort, wo er gerade war, so angenehm wie möglich einzurichten. Sattouf beschreibt seinen Vater als ein großes Kind, das einen “Glücksbringer-Plastikstier“ mit sich herumschleppt und diesen immer dort aufstellt, wo es sich gerade zu Hause fühlt.

Riad Sattouf: Der Araber von morgenSattoufs französische Mutter hingegen scheint mit großer Leidensfähigkeit gesegnet zu sein, denn sie kommentiert das nicht immer nachvollziehbare Treiben ihres Gatten gelegentlich sarkastisch, doch insgesamt fügt sie sich nahezu nahtlos auch in die unangenehmsten Lebensumstände  ein. Nur einmal, als sie in Libyen als Nachrichtensprecherin arbeitet und in französischer Sprache Gaddafis Drohung verkündet, die USA anzugreifen und Präsident Reagan eigenhändig zu töten, bekommt sie während der Live-Übertragung einen Lachkrampf.

Riad Sattouf: Der Araber von morgen

Episoden wie diese machen den Reiz des Comics aus, der eher beschreibt als urteilt. Sehr reizvoll ist neben der von Kapitel zu Kapitel wechselnden sich zumeist auf einen Farbton beschränkenden Farbgebung vor allem Sattoufs nur scheinbar simpler Zeichenstil, der alles was ihm wichtig ist, mit wenigen Strichen auf den Punkt bringt.

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42. Comicfestival in Angoulême

Wie regelmäßig in den letzten Jahren habe ich auch diesmal das französische Festival de la Bande Dessinée d’Angoulême besucht.

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Meine Eindrücke von der im Schatten des Pariser Anschlages auf die Redaktion von Charlie Hebdo stehenden größten europäischen Comicfestival wurden in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht und sind mittlerweile auch online zu lesen.

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Die CHARLIE HEBDO Ausstellung in Angouleme zeigt wenig mehr als die schönsten Geschmacklosigkeiten von Wolinski, Cabut & Co.. Doch dass ein ganzes Land nach dem Anschlag verkündet hat, Charlie zu sein, wirkt plötzlich gar nicht mehr pathetisch. Die allwöchentlich an den Zeitungskiosken ausgehängten plakativ-provokanten Titelbilder sind tatsächlich ein nicht mehr wegzudenkendes Stück Frankreich.

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Das deutsche Fachblatt COMIX druckte eine Sonderausgabe mit französisch übersetzten Je suis Charlie Beiträgen von deutschen Comic-Künstlern wie Flix, Isabel Kreitz, Reinhard Kleist oder Volker Reiche.

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Die langen Schlangen vor dem Cité de la BD hingen auch mit den verschärften Einlasskontrollen zusammen.

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Doch das Festival-Leben ging weiter und das Stadtbild wurde um ein von Philippe Druillet entworfenenes tolles Wandgemälde erweitert.

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Herausragend war die Werkschau von Jiro Taniguchi ( “Vertraute Fremde“), der eine beeindruckende Menge von höchst unterschiedlichen Geschichten in die Welt gesetzt hat. So stark wie wohl kein anderer japanischer Zeichner fühlt er sich dem frankobelgischen Comic verbunden.

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Die dritte große Ausstellung des Festivals war die Werkschau des erwartungsgemäß nicht anwesenden Festival-Präsident Bill Watterson. Dessen Serie “Calvin und Hobbes“ ist immer noch äußerst beliebt, obwohl sie bereits 1995 eingestellt wurde.

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Watterson steuerte zum Festival ein eigens dafür geschaffenenes Plakat-Motiv bei.

Riad Sattoufs „Der Araber von morgen“ wurde als bestes Comic-Album des Jahres prämiert.

Der Araber von Morgen

Der aus Syrien stammende Zeichner und Filmregisseur (“Jungs bleiben Jungs“) hat auch für Charlie Hebdo gearbeitet.

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Auf dem Rückweg vom Comicfestival war ich noch am Ort des CHARLIE HEBDOT Anschlags in Paris. Wie viele, viele Menschen habe ich dort zwischen zahlreichen frischen Blumensträußen und Kränzen auch einen Zeichenstift niedergelegt.

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