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Reinhard Kleist: Knock Out!

In seiner 2008 erschienenen Autobiografie schrieb der ehemalige Box-Weltmeister Emile Griffith: “Ich muss immer daran denken, wie seltsam das ist… Ich töte einen Mann, und die meisten Leute verstehen das und verzeihen mir. Hingegen, ich liebe einen Mann, und so viele halten das für eine unverzeihliche Sünde, was mich zu einem schlechten Menschen macht. Wenn ich auch nicht im Gefängnis gelandet bin, so war ich trotzdem fast mein ganzes Leben lang eingesperrt.“

Reinhard Kleist: Knock Out!

Dieses Statement fasst recht gut den Inhalt des neuen Comics von Reinhard Kleist (Castro, Der Traum von Olympia) zusammen, der bereits in Der Boxer basierend auf tatsächlichen Ereignissen das Schicksal eines Ringkämpfers in Szene setzte.

Reinhard Kleist: Knock Out!

Die Eckpunkte bei Kleists Comic-Biografie Knock Out! sind der heimtückische Angriff auf Emile Griffith, nachdem dieser 1982 aus einer Homosexuellen-Bar kam, und ein Boxkampf, der zwanzig Jahre zuvor stattgefunden hat. Damals trat Griffith gegen Benny Parret an, der ihn zuvor auch dadurch besiegt hatte, dass er vor dem Kampf Witze über dessen sexuelle Ausrichtung gemacht hatte. Den Rückkampf gewann Griffith durch K. O. in der zwölften Runde. Der stark angeschlagene Parret fiel ins Koma und verstarb 10 Tage später.

Reinhard Kleist: Knock Out!

In Kleists Comic erscheint Emile Griffith der Geist von Parret und er beginnt diesem sein Leben zu erzählen. Griffith stammt aus der Karibik und war eigentlich eine Frohnatur. Er war auch ein talentierter Sänger, Tischtennis-Spieler und Hut-Designer, doch seine dunkle Hautfarbe ließ seinerzeit nur eine Karriere als Boxer zu. Dass er einen Menschen erschlagen hat, machte ihn Zeit seines Lebens zu schaffen. Es wurde nicht besser dadurch, dass Griffith zwar weiter als Profi-Boxer kämpfen, aber seine Homosexualität nicht offen ausleben durfte.

Reinhard Kleist: Knock Out!

Die schwarzweiße Grafik mit der Reinhard Kleist diese Geschichte interessant verschachtelt in Szene gesetzt hat, ist einmal mehr phänomenal. Carlsen feiert Knock Out! durch eine mit interessanten Anhängen versehenen, geschmackvoll aufgemachten Hardcover-Edition.

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COMIX Sonderausgabe zu CHARLIE HEBDO

COMIX erscheint seit 2010 mehr oder weniger monatlich. Das in Zeitungsform veröffentlichte Blatt präsentiert eine Mischung aus zumeist einheimischen Comics und Fachartikeln. Ein gewisser Informations- und Unterhaltungswert kann dem gelegentlich gratis im Comicshop oder auch immer mal wieder an Bahnhofskiosken verkauften Magazin nicht abgesprochen werden.

COMIX Charlie Hebdo

Doch zu wirklich großer Form lief COMIX erst nach dem Anschlag auf die Charlie Hebdo Redaktion auf. In einer Auflage von 20 000 Exemplaren wurde eine 16-seitige Gratiszeitung mit französisch übersetzten Beiträgen von deutschen Comic-Künstlern wie Flix (Schöne Töchter), Isabel Kreitz (Rohrkrepierer), Reinhard Kleist (Der Boxer) oder Volker Reiche (Snirks Café) gedruckt. Diese wurde auf dem 42. Comicfestival in Angoulême überall ausgelegt.

COMIX Charlie HebdoEine sehr sinnvolle Ergänzung zu dieser Aktion ist die Ausgabe 47 von COMIX. Diese enthält nicht nur noch sehr viel mehr Beiträge deutscher Zeichnungen zum Thema Je suis Charlie als zuvor in der französischen COMIX-Ausgabe zum Abdruck kamen, sondern auch noch einige interessante Ergänzungen hierzu. Der Charlie-Zeichner Luz schildert, wie er den 7. Januar 2015 er- und überlebte. Art Spiegelman (Maus) bringt in einem Interview zum Ausdruck, dass er es unerträglich findet, dass die New York Times die Charlie-Titelbilder nicht abdruckte, jedoch kein Problem damit hatte einen Gastbeitrag von Marine Le Pen zu veröffentlichen. Enthalten sind auch einige sehr schöne Beiträge aus einer SPIROU-Sonderausgabe.

COMIX Sonderausgabe zu CHARLIE HEBDO

Der Höhepunkt der COMIX-Ausgabe sind die deutsch übersetzten Texte, Cartoons und Comics aus der jetzt schon legendären Charlie Hebdo Ausgabe vom 14. Januar 2015. Hierdurch ist ein direkter Vergleich zwischen  Charlie-Satire und den hiesigen humoristischen Zuständen möglich.

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Reinhard Kleist: Der Boxer – Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Dass an den Titel Der Boxer noch der Zusatz Die wahre Geschichte des Hertzko Haft angehängt wurde, ist durchaus sinnvoll. Es ist in der Tat nahezu unglaublich, dass ein polnischer Jude, der im KZ erstmals mit dem Boxsport in Verbindung kam und zum Vergnügen des Wachpersonals gegen andere Häftlinge in den Ring stieg, in New York als Profiboxer gegen Rocky Marciano antrat und das auch noch hauptsächlich um dadurch die Aufmerksamkeit seiner verschollenen in den USA vermuteten Jugendliebe auf sich zu ziehen.

Reinhart Kleist: Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Erst 2003 im Alter von 78 Jahren, erzählte Hertzko Haft seinem Sohn Alan Scott seine Lebensgeschichte, die dieser niederschrieb und unter dem Titel Eines Tages werde ich alles erzählen veröffentlichte. Im äußerst lesenswerten Nachwort zu diesem Comic zeigt Martin Krauß anhand von zahlreichen Beispielen, dass Boxkämpfe in Konzentrationslagern keine Seltenheit waren und zitiert den Sportpublizisten Bernd M. Beyer, der Hafts Schilderung trotz einiger fehlerhafter historisch nicht korrekter Details für “wahrhaftig und eindringlich“ hält.

Reinhart Kleist: Der Boxer - Die wahre Geschichte des Hertzko Haft

Reinhard Kleist (Der Traum von Olympia, Castro) adaptierte das Buch als Comic, der zuerst als Fortsetzungsserie in der F. A. Z. erschien und hier in dieser Form komplett nachzulesen ist. Für die Buchausgabe bei Carlsen überarbeitete Kleist den Strip noch einmal kräftig und ergänzte ihn um zahlreiche Zeichnungen. Das Resultat ist ein weiteres in einer ausgereiften und sehr eigenständigen Schwarzweißtechnik zu Papier gebrachtes Comic-Meisterwerk, das sich auch vor Art Spiegelmans thematisch etwas ähnlichen Meilenstein Maus nicht verstecken muss.

Knock Out!

Mit dem Comic Knock Out! kehrte Reinhard Kleist noch einmal zum Boxsport zurück.

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