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Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge

Der Spiegel hat dieses Buch in keiner Weise unterstützt, aber – wie Juan Moreno schreibt – auch nicht versucht es zu verhindern. Spiegel-Chefredakteur Steffen Klusmann meint, dass es ihm lieber ist, “es schreibt einer,  der wirklich nah dran war, und nicht irgendein Honk.“ In der Tat war es für das Hamburger Nachrichtenmagazin Glück im Unglück, dass Juan Moreno als zwar freier aber dennoch dem Spiegel stark verbundener Mitarbeiter dem Fälscher Klaas Relotius auf die Schliche. Dadurch konnte Der Spiegel das Problem offensiv angehen und ab Ende 2019 so umfassend über den Skandal berichten, dass der Konkurrenz kaum noch neues Material für die eigene Berichterstattung übrigblieb.

Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge

Doch ganz richtig ist dies nicht, denn selbst wer sich seinerzeit intensiv mit der Relotius-Affäre beschäftigte, dem beschert dieses hochspannende Buch noch sehr viele neue Erkenntnisse. Es ist erstaunlich, wie knapp es damals war. Moreno belegt mit dem Abdruck von Schriftwechseln, wie geschickt Relotius seine frei erfundenen Reportagen gegen Einwände verteidigte. Juan Moreno ist sich nicht sicher, ob ohne jene Reportrage “Jaegers Grenze“, die er gemeinsam mit Relotius schreiben sollte, der Fälscher nicht doch noch sein Ziel erreicht hätte. Dieser Bericht war als seine journalistische Abschiedsvorstellung geplant und Relotius sollte danach in der Spiegel-Hierarchie eine Führungsposition bekleiden, in der er keine weiteren Artikel mehr hätte schreiben müssen.

Juan Moreno: Tausend Zeilen Lüge

Das Kernstück des Buchs ist die spannende Entstehungsgeschichte von “Jaegers Grenze“. Moreno durfte den kompletten Text der Reportage durfte “mit freundlicher Genehmigung“ des Spiegels veröffentlichen . Der Kontrast kann kaum größer sein. Juan Moreno stand Ende 2019 jeden Tag frühmorgen um “drei, vielleicht vier Uhr“ auf, um jener Flüchtlings-Karawane zu begleiten, die auf die US-Grenze zumarschierte und vor Ort Eindrücke zu sammeln. Klaas Relotius hingegen schien zunächst Schwierigkeiten zu haben, auf US-Seite eine illegale Bürgerwehr zu finden, die in der Reportage als Gegenpol dienen sollte. Doch einmal mehr übertraf er alle Erwartungen, fand einen Haufen Rednecks, der ihn mit starken Sprüchen dazu verhalf, alle Erwartungen, die bezüglich des geistigen Zustands von Trump-Fans bestanden,  überzuerfüllen. Einmal mehr hat Relotius mit diese Menschen und ihre Auusagen frei erfunden. Bereits lange vor der Aufdeckung des Skandals brachte Franziska Augstein, die Tochter des Spiegel-Gründers, das Erfolgskonzept von Klaas Relotius auf den Punkt, als sie begründete, warum sie dessen Texte nicht mochte: Weil ich beim Lesen das Gefühl hatte, dass ich das alle schon weiß.“

Juan Morenos Buch liest sich spannend wie ein Krimi und ist zugleich eine Analyse dessen, was zurzeit falsch läuft in der deutschen Presselandschaft.

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Kittyhawk: Lebenslanges Lernen

Steckt ‘n Mann den Kopf in die Waschmaschine, meint seine Frau dazu: “Ich habe Dir doch schon hunderttausend Mal gesagt, wie ein Gasherd aussieht.“ So ein Witz ist schnell erzählt, sieht passend dazu aus der Feder der Wahlberlinerin Christiane Lokar alias Kittyhawk auch schnell gezeichnet aus (auf dem zweiten Blick sind jedoch noch ein paar schmückende Details wie eine gut ausgestattete Küche im Hintergrund oder eine recht stilvolle Farbgebung zu entdecken).

Kittyhawk: Lebenslanges Lernen

Wer nun nach Ansicht dieses Titelbildes einen Haufen männerfeindlicher Cartoons erwartet, kann gar nicht falscher liegen. Kittyhawk hat auch Kracher im Angebot, die auf jedem Herrenabend bestens zünden dürften. So sagt ‘n Mann zur gerade bohnernden Putzfrau: “Guten Tag, sind Sie Fräulein Doreen, das feuchte Luder?“ (die Haustür mit Herzchen und Schild “Bei Ekstase klingeln“ rundet die Sache noch etwas ab), oder der Ehemann, dessen Frau gerade eine Schönheitsoperation an der Brust machen ließ, hat sich “auch gleich dementsprechend die Hände vergrößern lassen.

Kittyhawk: Lebenslanges Lernen

Wenn Martin Sonneborn, der ehemalige Chef von TITANIC im Vorwort zu diesem Buch schreibt “Über die allermeisten Gags musste ich sehr lachen, bei einer Handvoll sogar, wenn ich sie zum dritten oder vieren Mal ansehe“, dann kann dem Mann nur uneingeschränkt zugestimmt werden. So sah es auch der Spiegel, der Kittyhawk allwöchentlich das politische Geschehen in einem schrägen Cartoon auf den Punkt bringen lässt.

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