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Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

Wally Woods faszinierende Bilder von außerirdisch schönen  Frauen und tollkühnen Raumfahrern, deren Helme aussehen wie umgedrehte Goldfischgläser wurden in sehr vielen Bildbänden und Kunstbüchern abgedruckt. Woods tragischer selbst verursachte Tod, 1981 im Alten von nur 54 Jahren trug zudem auch noch einiges zum Mythos des Comiczeichners als begnadeter Künstler bei.

Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

Dabei geriet ein wenig in Vergessenheit, dass der auch für MAD und Will Eisner The Spirit arbeitende Wood hervorragende Geschichten in Szene setzte, vor allem in seiner Anfangszeit bei EC Comics. Es ist daher sehr erfreulich, dass der All Verlag seine in Eigenregie erstellte und hoffentlich noch viele Blüten treibende Reihe Aus dem EC-Archiv mit drei Bänden startet, die “alle Science-Fiction & Fantasy Storys“ enthalten, die Wood ab 1950 für die Hefte des US-Verlags zeichnete.

Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

Bemerkenswert ist, dass Wally Wood seine ersten vier innerhalb der EC-Serien Weird Fantasy und Weird Science veröffentlichte Comics gemeinsam mit Harry Harrison zeichnete. Dieser merkte jedoch recht bald, dass er ein sehr viel talentierterer Autor als Zeichner war. Harry Harrison schrieb anschließend die erfolgreiche Science-Fiction-Reihe über die “Stahlratte“ Jim DiGriz und mit dem Roman Make Room! Make Room! die Vorlage zum Erfolgsfilm Soylent Green (deutscher Titel … Jahr 2022 … die überleben wollen) mit Charlton Heston.

Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

 

Im Alleingang steigerte Wally Wood seine graphische Meisterschaft so stark, dass er auch verstärkt Cover für die EC-Comichefte zeichnete. Zwar strahlen viele Bilder von Wood für sich betrachtet einen naiv anmutenden Optimismus aus, der eine Zukunft voller Abenteuer verspricht, doch die von ihm detailreich in Szene gesetzten Geschichten sind eher Dystopie als Space-Opera. Auch heute noch überraschen die ganz schön bösen “No Future“-Schlusspointen der Short Stories.

Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

Für diese Geschichten, die sich nicht hinter den zeitgleich erschienenen Science-Fiction-Geschichten von Isaac Asimov oder Arthur C. Clarke verstecken müssen, zeichneten sich zumeist EC-Herausgeber William C. Gaines und der auch als Zeichner tätige spätere MAD-Chefredakteur Al Feldstein verantwortlich. Doch so manches Mal ließ sich das Duo von zuvor genossener Lektüre nicht nur inspirieren, sondern es schuf ziemlich dreiste Plagiate.

Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

Daher bekam der Verlag 1952, nach dem Abdruck der von Wally Wood gezeichneten Story Heimgekehrt um zu bleiben! (abgedruckt in Band 2 der Wally-Wood-Reihe des All Verlags), einen Brief vom damals noch aufstrebenden SF-Autor Ray Bradbury (Fahrenheit 451), der 50 Dollar forderte, da im Comic die Handlungen von zwei seiner Kurzgeschichten kombiniert wurden. Der in einem sehr freundlichen Ton gehaltene Brief begann mit der freundlichen Anrede “Dear Sir“ und Bradbury schlug vor, auch offiziell für EC zu arbeiten.

Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

Er träumte sogar von einer Ausgabe, die ausschließlich Comic-Adaptionen seiner Geschichten enthält. Daraus wurde zwar nichts, doch im Laufe der nächsten Zeit erschienen bei EC insgesamt 24 von Bradbury autorisierte Comic-Geschichten, zwei davon gezeichnet von Wally Wood. Band 2 der Wally-Wood-Reihe des All Verlags dokumentiert diesen Vorgang ausführlich im sehr gut zusammengestellten Anhang.

Aus dem EC-Archiv: Wally Wood

Es ist großartig, dass es endlich möglich ist, alle diese tollen klassischen Science-Fiction-Geschichten in deutscher Sprache, gut gedruckt in Farbe, im leichten Überformat, in chronologischer Reihenfolge und garniert mit interessanten Anmerkungen lesen zu können!

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Richard Corben: Schatten auf dem Grab

Der ehemalige Undergroundzeichner Richard Corben feierte große Erfolge im Superhelden Genre. Er illustrierte mit Banner, Luke Cage und The Punisher – Das Ende Geschichten von angesagten Autoren wie Garth Ennis (Preacher) oder Brian Azarello (Batman: Dark Knight III) und beeindruckte auch als Hellboy-Zeichner. Corben war auch der einzige US-Amerikaner, der gemeinsam mit genialen französischen Zeichnern wie Moebius, Druilet und Caza beim Start des bahnbrechenden bewusstseinserweiternden Magazin Métal Hurlant dabei war.

Richard Corben: Schatten auf dem Grab

Doch da Corben in den 50er Jahren mit dem EC-Comics groß geworden ist, kehrte er immer wieder zum Horror-Genre zurück. Ab 1970 arbeitete er für die Warren-Magazine Creepy und Eerie. 2005 setzte er die Grusel-Geschichte Bigfoot von Rob Zombie und Steve Niles (30 Days of Night) kraftvoll in Szene. Kurz darauf folgten mit Haunt of Horror beeindruckende schwarzweiße Adaptionen der Werke von Edgar Allen Poe und H. P. Lovecraft.

Richard Corben: Schatten auf dem Grab

Doch damit nicht genug, für Dark Horse schuf Richard Corben die Reihe Shadows on the Grave. Ab 2016 erschienen acht schwarzweiße Hefte, die bei uns der All Verlag gebündelt in einer schönen Hardcover-Edition herausbrachte. Corben erzählt hier zumeist kurze Horror-Stories die in der Tradition der EC-Comics stehen und oft in den 50er Jahren in ländlichen Gegenden der USA angesiedelt sind. Ausnahme ist die fast schon epische Fantasy-Erzählung Denaeus, die Motive der griechischen Mythologie verarbeitet und an Corbens Klassiker Den erinnert.

Richard Corben: Schatten auf dem Grab

Mit der Augenklappe tragenden Mag the Hag gibt es auch eine modrige “Moderatorin“, die an ECs Trio Creept Keeper, Vault Keeper and Old Witch denken lässt. Bei den Geschichten fand Corben Unterstützung bei seinen alten Kumpels Jan Strnad und Mike Shields, während seine Tochter Beth bei der für grausige Stimmung sorgenden Grauton-Kolorierung half.

Richard Corben: Schatten auf dem Grab

Insgesamt sind es weniger die Geschichten – es entsteht immer mehr der Eindruck im Bereich Horror und Fantasy ist es kaum noch möglich zu überraschen – , sondern Corbens perfekt dazu passendes, unverkennbares Artwork, das dieses Buch zu einem Fest für Genre-Freunde macht.

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Reddition 62: EC-Comics

Die 62. Ausgabe der “Fachzeitschrift für Graphische Literatur“ Reddition widmet sich wieder einem besonders interessanten Thema. Im Zentrum stehen diesmal die EC-Comics, die besonders im Bereich Horror für Furore gesorgt haben, man denke nur an die auch als Film und TV-Serie adaptierte Serie “Tales from the Crypt“.

Reddition 62

Der Erfolg der meisterlich erzählten und gezeichneten Short-Stories war so groß, dass der in Nürnberg geborene Dr. Fredric Wertham in seinem Machwerk “Seduction of the Innocent” anhand von zahlreichen Illustrationen aus den EC-Comicheften nachzuweisen versuchte, dass Comics junge Menschen verderben. Der “Erfolg” des Buches war dann wiederum so groß, dass prompt Comic-Verbrennungen organisiert wurden. Herausgeber William M. Gaines musste aufgrund der innerhalb der US-Branche hastig eingeführten Selbstzensur-Aktivitäten (“Comics Code“) schließlich seine Horror-Comicreihen einstellen.

Crime Suspence Stories

In diesem Zusammenhang wirkt es etwas befremdlich, dass die heutigen EC-Rechteverwalter versuchten Einfluss zu nehmen auf die Ausrichtung der Reddition. Die Erlaubnis Bilder aus den EC-Comics sollte nur erteilt werden, wenn die Gaines Agent Inc. zuvor die Texte des Comicfachmagazins gegenlesen durfte. Herausgeber Volker Hamann verzichtete daher auf entsprechende Abbildungen, was zwar schade ist, doch inhaltlich kann die neue Reddition wieder voll überzeugen.

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Der interessanteste Beitrag dürfte ein erstmals veröffentlichtes ausführliches Interview sein, das Cuno Afolter 1981 mit William M. Gaines in New York führte. Sehr amüsant liest sich ein Auszug aus Herbert Feuersteins Autobiographie “Die neun Leben des Herrn F.“, der sich mit einem Besuch von Gaines in Deutschland beschäftigt. Gaines war auch Herausgeber des legendären Satiremagazins MAD und reiste mit seinem Team, zu dem Zeichner wie Don Martin, Sergio Aragones oder Al Jaffee gehörten, gerne in der Weltgeschichte herum.

Feuerstein Mad
© schuerbeln.de

Abgerundet wird die Ausgabe der Reddition durch Porträts von einflussreichen EC-Künstlern wie Al Feldstein, Harvey Kurtzman, Graham Ingels, Jack Davis, Johnny Craig und Bernard Krigstein, sowie eine Auflistung der leider nicht allzu zahlreichen deutschen EC-Veröffentlichungen.

Zu bestellen unter: www.reddition.de

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