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Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Dass Clever & Smart (Mortadelo y Filemon) zu den anerkannten Meisterwerken der Comic-Geschichte zählt, ist mittlerweile klar. Doch das war nicht immer so. Erst ab 2018 kam es hierzulande zu päten Würdigung der Serie durch die Neuauflage beim renommierten Carlsen Verlag. Ein Ritterschlag, den das bis dato zwar als Kult- aber auch als Kiosk-Trash-Comic angesehene Lebenswerk des spanischen Meister-Zeichners Francisco Ibáñez endlich verdient hat.

Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Konzentrierte sich Carlsen bisher auf die albenlangen Geschichten, liegt dort jetzt auch ein über 200-seitiger, gebundener Sonderband vor, der ein Best Of der Kurzgeschichten mit den beiden tollpatschigen Geheimagenten enthält.

Dabei lässt sich sehr schön von Anfang an die Entwicklung des 1958 gestarteten Comics verfolgen. Die frühen Comics kommen auf 70 Seiten wechselweise im simplem Schwarzweiß oder rot- bzw. grünstichig hinterlegt und schließlich auch in allen Farben leuchtend zum Abdruck. Hier kann miterlebt werden, wie aus dem ursprünglichen Onepager (und Aufmacher) der Kinderzeitung Pulgarcito (Däumling) ein auch bei uns erfolgreiche Kiosk-Renner wurde.

Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Bemerkenswert ist dabei, dass Fred Clever und Jeff Smart anfangs selbstständig in ihrer eigenen Privatdetektei, der sogenannten „Agentur für Informationen“ arbeiteten, ein Mr. L als Vorgesetzter war da noch lange nicht in Sicht.

Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Smart (ursprünglich der Chef des Duos) wurde zuerst tatsächlich wie Sherlock Holmes mit Karomantel, Schlapphut und Pfeife im Mund dargestellt, während Clever- bis auf eine schwarz-glänzende Melone auf dem Kopf – schon so aussah wie heute. Fred Clever hatte von Anfang an einen ausgeprägten Hang zum Verkleiden.

Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Die Gags der Comics drehten sich meist um Verwechslungen oder Missverständnisse bei der Annahme und Ausführung von Aufträgen. Auch finden sich in dieser Zeit bereits die typischen Nachrichten-Meldungen am Ende der Geschichten, gefolgt von den Vergeltungs-Maßnahmen der Opfer, bzw. der Flucht der vermeintlichen Täter in exotische Gegenden wie z.B. den Nordpol oder die Wüste. Erstaunlich ist, dass in der Frühphase oft Fred Clever den rächenden und Jeff Smart den flüchtenden Part übernahm. Später wurde dieses Konzept weitestgehend umgekehrt.

Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Ähnlich wie bei den genialen Gaston-Onepagern von André Franquin mündete jede Geschichte zielstrebig und zwangsläufig in einen Schlussgag. Bei den späteren, mehrseitigen und albenlangen Geschichten wurde die Gag-Dichte dann auf zwei Lacher pro Seite erhöht und somit das Tempo quasi verdoppelt.

Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Alle im Band abgedruckten Seiten hatten laut Verlag Digitalisierungen der Originalpublikationen als Vorlage. Selten hat das Artwork von Ibáñez so gut ausgesehen. Außerdem wurden die Frühwerke mit Datumsangabe am oberen Rand versehen. Was die grafische Entwicklung anbelangt, so gestaltete sich diese anfangs noch sehr viel experimenteller, stilisierter- und dadurch auch irgendwie interessanter.

Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Nach und nach wurde schließlich aus dem ursprünglich sechszeiligen Onepagern durch einen kantigen Strich ein vierzeiliger, abgerundeter Mainstream-Comic, der dank seiner herrlichen Details und Nebenfiguren wie Mr. L., Dr. Bakterius oder Miss Ophelia mehr als nur eine Massenproduktion war. Vielen Dank an den Carlsen Verlag, dass wir diese Entwicklung jetzt nachverfolgen können.

Clever und Smart: Das Große Buch der kurzen Geschichten

Einziges Manko: Das Sekundär-Material ist dünn gesät und enthält nur wenige kommentierende Texteinschübe von Steffen Haubner. Dabei hätten die Fans doch gerne die ersten Entwurfsskizzen zu den Agenten ihrer Majestät gesehen. Vielleicht gibt es ja irgendwann ein Making-Of- Band für echte Hardcore-Fans (wie mich). Bis dahin lassen wir die Comics selbst sprechen, denn das tun sie immer noch!

Matthias Schäfer

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Tom Tiger

Vor etwas über zwei Jahren startete der Carlsen Verlag ein ambitioniertes Projekt, mit dem – zumindest in diesem Verlag- nicht unbedingt zu rechnen war: Die Neuauflage des spanischen Comic-Klassikers Clever & Smart von Francisco Ibáñez. Seitdem sind ein Dutzend Alben mit den kultigen Geheimagenten erschienen und ein Ende ist- dank des großen Erfolgs- nicht abzusehen.

Tom Tiger

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Carlsen das das Oeuvre des Vielzeichners um weitere Figuren und Serien unter dem Titel F. Ibáñez präsentiert erweitert. Den Startschuss der Reihe macht seine vielleicht zweitbekannteste Schöpfung: Der trottelige Zeitungsbürobote Tom Tiger (im Original: El Botones Sacarino). Diesem war jedoch kein langes Leben beschieden. Nur drei Jahre zeichnete Ibáñez die Serie, dann verlor er das Interesse daran und andere Zeichner führten die Reihe fort. In Deutschland erschien die Serie ab 1980 und beim selben Verlag wie Clever & Smart (Condor!) und erreichte einen Umfang von 22 Bänden sowie eine zweite Auflage.

Tom Tiger

Wer sich mit der Entstehungsgeschichte von Tom Tiger beschäftigt, wird nicht nur feststellen, dass es sich hierbei um einen Schnellschuss von Ibáñez handelt. Sein Verlag bat den Zeichner 1963 – trotz dessen Auslastung mit dem gerade durch die Decke gehenden Erfolg von Clever & Smart – parallel dazu schnell noch eine weitere Serie zu kreieren. Entstanden ist ein ziemlich dreistes und unverschleiertes Plagiat des frankobelgischen Comic-Klassikers Gaston. Das Äußere der beiden Figuren ist- bis auf den Harschnitt und die Kleidung- nahezu identisch und Tom Tigers Pagenuniform ist schlicht von Spirou ausgeliehen. Funktion und Charakter der Hautfigur sind ebenfalls identisch, wenn auch im Falle von Tom Tiger weniger vielschichtig.

Tom Tiger

Wirklich erstaunlich ist, wie Ibáñez anfangs seinem offensichtlichem zeichnerischen Idol André Franquin nacheifert: In den frühen Folgen übernimmt er praktisch komplette Nebenfiguren: Fräulein Trudel, Herr Bruchmüller (unter anderem Namen selbstverständlich), orientiert sich an Stil, Strich und Gesten des frankobelgischen Meisters.

Tom Tiger

Noch dreister wird es, wenn Ibáñez komplette Gag-Ideen nahezu identisch kopiert. Beispielsweise fragt Tom Tiger eine Kollegin, ob sie mit ihm zu einem Kostümfest gehen will, ohne ihr jedoch zu sagen, dass sie dabei das Hinterteil eines Zentauren-Kostüm füllen soll. Vergleicht man das Vorbild aus dem Gaston– Comic, wirkt die Zeichnung von Ibáñez beinahe wie durchgepaust, ohne jedoch die Qualität eines Franquin zu erreichen.

Tom Tiger

Auch den Humor von Ibáñez und Franquin trennen Welten: Während die Gaston-Onepager kunstvoll und auf den Punkt komponierte Meisterwerke sind, die stets den humanistischen Ansatz Franquins durscheinen lassen, verliert sich der Humor bei Tom Tiger in routinierten den Zynismus feiernden, kalauernden Gagfeuerwerken. Wo bei Gaston letzten Endes immer ein gewisser menschlicher Zusammenhalt (selbst zwischen Gaston und seinen Vorgesetzten) besteht, da herrscht in Tom Tiger die unerbittliche hierarchische Hackordnung der kapitalistischen Arbeitswelt: Sir Winston vs. Harry Humbug vs. Tom Tiger. Und die einzige Waffe des Unterdrückten ist das Chaos.

Tom Tiger

Das soll allerdings keinesfalls bedeuten, dass die Comics von Ibáñez wertlos oder minderwertig sind. Die meistens zweiseitigen Stories dieses Best Of Tom Tiger– Albums bereiten durchaus Vergnügen. Die geschickte, chronologische Auswahl ermöglicht einen Blick auf einen anfangs noch unsicheren, suchenden Zeichner, der schließlich seinen unverwechselbaren Stil und Humor findet. Die Comicseiten sind (ebenso wie die der Clever & Smart– Reihe) neu eingescannt, ansprechend coloriert und neu getextet. Außerdem gibt es ein aufschlussreiches Nachwort von Steffen Haubner.

Tom TigerEs bleibt zu hoffen, dass wir im Fortbestand der Reihe F. Ibáñez präsentiert auch in den Genuss seiner zahlreichen anderen Schöpfungen, wie beispielsweise: Mein Gott, Walter! oder Fischstraße 13 kommen. Für Clever & Smart– Fans, 80er-Jahre-Nostalgiker und Verklärer der eigenen Kindheit ist dieser Band ein absolutes Muss!

Matthias Schäfer

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Paco Roca: Der Winter des Zeichners

Paco Rocas (Die Heimatlosen, La Casa) preisgekrönter und bereits als Zeichentrick verfilmter Comic Arrugas (Kopf in den Wolken) über die Freundschaft zweier Bewohner eines Altersheims im Schatten einer Alzheimer-Erkrankung, kam bei uns erst sehr viel später heraus. Daher verwundert es, dass es sich bei der ersten deutschen Veröffentlichung des spanischen Comickünstlers um ein sehr stark regional geprägtes Werk handelt.

Unbenannt

Basierend auf tatsächlichen Ereignissen erzählt Der Winter des Zeichners von fünf spanischen Lohn-Zeichnern, die im unfreien Franco-Spanien des Jahres 1957 den Schritt in die Freiheit wagten. Beim auf junge Leser spezialisierten Verlagshaus Bruguera hatten sie zwar ein gesichertes Einkommen, aber keinerlei Rechte an den von ihnen gezeichneten und getexteten Comics.

Paco Roca: Der Winter des Zeichners

Auch künstlerische Freiheit galt dort nichts, denn es herrschte Angst vor der Zensur. Daher gründete das Quintett ein eigenes Comicmagazin namens Tio Vivo, das sich an ein erwachsenes Publikum richtete. Das Projekt scheiterte, weil Brugera seine Beziehungen spielen ließ und Vertriebswege blockierte.

Paco Roca: Der Winter des Zeichners

Die Zeichner kehrten wieder an ihre ungeliebten Arbeitsplätze zurück oder veröffentlichten nur noch im Ausland. Eine kleine Rolle innerhalb der Geschichte spielt der junge Newcomer Francisco Ibáñez, dessen Serie Mortadelo y Filemón in Deutschland als Clever & Smart ein großer Erfolg wurde.

Paco Roca: Der Winter des Zeichners

Paco Rocas Bilder der Straßen und Bars von Barcelona sowie der Verlagsräumlichkeiten sind ebenso akkurat wie atmosphärisch ausgeführt. Die Figuren, die diese Szenerien bevölkern, wirken hingegen etwas steif und emotionslos. Doch diese Schwäche gleicht Roca durch einen originellen Einfall aus: Um zu verdeutlichen wie zwischen den ineinander verschachtelten Zeitebenen seiner Geschichte die Jahreszeiten wechseln, verwendet er verschiedenfarbiges Papier.

Paco Roca: Der Winter des Zeichners

Der hoffnungsvolle Frühling des Aufbruchs schimmert rötlich, der Winter, in dem die Zeichner zurück in die Verlags-Knechtschaft kehren, ist mit einem kalten Blau unterlegt, während die Erlebnisse im Sommer und Herbst auf gelben bzw. brauen Papier gedruckt wurden.

PACO ROCA
PACO ROCA AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Der Winter des Zeichners richtet sich nicht nur an eingefleischte Comicfans. Die mit vielen Zwischentönen versehene Geschichte zeichnet gut nachvollziehbar das Bild eines Nachkriegs-Spaniens in dem relativer Wohlstand und das beständige Aufsuchen von Bars nicht wirklich helfen, damit klarzukommen in einer Diktatur zu leben. Zugleich erzählt Paco Roca wie wichtig es ist, eine Sache gewagt zu haben, selbst wenn sie am Ende scheitert.

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