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Das Charlie Chaplin Archiv

Bei Taschen erschien im selben 42 x 30 cm Großformat bereits “The Stanley Kubrick Archives“. In jenem Buch wurde versucht herauszufinden, wie Kubrick seine Filme realisierte. Ähnlich wie Kubrick glaubte auch Charlie Chaplin (im Gegensatz etwa zum sich bei den Dreharbeiten langweilenden Alfred Hitchcock), dass sich beim Filmemachen nicht alles planen lässt. Kubrick und Chaplin ließen ihre Crews und Darsteller oft sehr lange warten oder immer wieder die selben Szenen durchspielen. Auch dadurch entstanden unvergessliche Kino-Momente.

Charlie Chaplin Archiv

Doch Chaplin war (genau wie Kubrick) ein akribischer Planer. Paul Duncan, der für Taschen bereits das “James Bond Archiv“ zusammenstellte, versucht herauszufinden, wie Chaplin seine Filme realisierte. In den Büchern des Komikers finden sich dazu wenig Hinweise. Duncan hatte Zugang zu Chaplin-Archiv, das dessen Halbbrüder Sydney Chaplin und Wheeler Dryden zusammentrugen, nachdem der Komiker 1952 in die Schweiz zog, weil er in den USA unerwünscht war.

Charlie Chaplin Archiv

Das Buch enthält ausführliche Statements und umfangreiches oft großformatiges Bildmaterial aus allen Schaffensperioden von Chaplin. Berücksichtigt und kommentiert werden alle Kurzfilme, die er für Keystone, Essanay, Mutual und First National drehte. Natürlich wird sich auch mit den sorgfältig geplanten Spielfilmen, wie dem Drama “A Woman in Paris“ (1923), “Goldrausch“ (1925), “Circus“ (1928), “Lichter der Großstadt“ (1931), “Moderne Zeiten“ (1936) und besonders ausführlich mit “Der große Diktator“ (1940), beschäftigt.

Charlie Chaplin Archiv

Duncan widmet sich aber auch dem ansonsten eher ignorierten Spätwerk Chaplins. Zu “Die Gräfin von Hongkong“ (1967) gibt es nicht nur großformatige Abbildungen von den Dreharbeiten, sondern auch interessante Statements der Hauptdarsteller Marlon Brando und Sophia Loren. Nachdem Brando zunächst Chaplin vergötterte, führte er sich am Set sehr flegelhaft auf. Doch Chaplin wusste damit umzugehen, denn: “Das filigranste Instrument der Welt ist der Schauspieler. Man kann ihn mit wenigen Worten zerstören. Ich muss allerdings sagen, sie erholen sich recht schnell.“

Charlie Chaplin Archiv

Das letzte Kapitel des Buchs handelt von Chaplins nicht mehr realisierten Projekten. Darunter befindet sich eine Komödie in der Chaplin – auch hierin ähnelt er Stanley Kubrick – Napolleon Bonaparte verkörpern wollte. Recht weit gediehen waren Ende der Sechziger Jahre bereits die Vorbereitungen zum Film “Freak“, der von einer jungen Frau mit Engelsflügeln handeln sollte. Hierzu existieren bereits detaillierte Storyboard-Zeichnungen, die gemeinsam mit einem Foto zum Abdruck kommen, das Chaplins Tochter Victoria mit Engelsflügeln zeigt.

Charlie Chaplin Archiv

Das Buch erscheint in englischer Sprache, es liegt jedoch ein Heft im deutscher Übersetzung bei und den ersten 10.000 durchnummerierten Exemplaren sogar ein Filmstreifen mit 12 Einzelbildern aus “Lichtern der Großstadt“, der aus dem “Charlie Chaplin Archiv stammt! Auch wer sich bereits vor der Lektüre dieses Buches intensiv mit Charlie Chaplin beschäftigt hat, dürfte überwältigt sein von der Fülle an Bildmaterial und Fakten, die hier geboten werden.

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X-Men – Zukunft ist Vergangenheit – Rogue Cut

Ein gutes Jahr nach dem Kinostart von “X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“ erscheint eine 17 Minuten längere Version des Films auf DVD und Blu-ray (hier allerdings nicht in 3D). Da hauptsächlich Sequenzen mit der von Anna Paquin verkörperten Mutantin Roque eingefügt wurden, bekam diese Version den Namen “Roque Cut“.

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit - Rogue Cut

Im Kino war Anna Paquin nur kurz am Ende des Films zu sehen. Im „Roque Cut“ hingegen taucht sie im letzten Viertel des Films auf und wird von Magneto (Ian McKellen) und dem dabei zu Tode kommenden Iceman (Shawn Ashmore) aus dem zum Geheimlabor umfunktionierten X-Mansion befreit. Anscheinend kam es doch nicht, wie in “X-Men 3: Der letzte Widerstand“ angedeutet, dazu dass Roque von ihren Kräften dauerhaft “geheilt“ wurde. In “X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“ löst sie schließlich Kitty Pryde ab und kontrolliert fortan aus der finsteren Zukunft die Zeitreise von Wolverine.

x-men - zukunft ist vergangenheit - rogue cut
© Twentieth Century Fox

Es ist durchaus verständlich, dass es die Szenen mit Anna Paquin nicht in die Kinoversion geschafft haben, da diese für die Haupthandlung unwichtig sind und den Film für Nicht-Insider noch unübersichtlicher gemacht hätten. Etwas anders verhält es sich jedoch mit einer ziemlich heißen Liebesszene zwischen Jennifer Lawrence und Nicholas Hoult, die darin gipfelt dass sich beide in die blauen Mutanten Mystique und Beast verwandeln. Dieser gar nicht so lange Moment hätte zweifelsohne den Kinofilm bereichert.

x-men - zukunft ist vergangenheit - rogue cut
© Twentieth Century Fox

Für die Freunde von Superhelden-Filmen dürfte diese Version des Film unverzichtbar sein, zumal Bryan Singer gemeinsam mit dem bei “X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“ auch als Cutter tätigen Komponisten John Ottman in einem munteren Audiokommentar die Unterschiede zwischen den beiden Versionen erläutert.

X-Men - Zukunft ist Vergangenheit - Rogue Cut

Die Blu-ray enthält den Film als Roque Cut (2:28:45) und als Kinoversion (2:11:35). Zudem gibt es noch Audiokommentare von Bryan Singer und Drehbuchautor Simon Kinberg zur Kinofassung sowie von Bryan Singer und Komponist/Cutter John Ottman zum „Rogue Cut“, die wie alle Extras deutsch untertitelt sind. Außerdem gibt es noch ein Making Of (52:41 min) , eine Gesprächsrunde mit den Darstellern und Filmemachern (30:11 min), umfangreiche Bildergalerien sowie ein Trailer zu “Fantastic Four“ (1:49 min) zu sehen. Obwohl das Bonusmaterial auf eine zweite Blu-ray gepackt wurde, sind leider nicht alle Extras der ersten Blu-ray-Edition von „X-Men – Zukunft ist Vergangenheit“ enthalten.

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Frau Müller muss weg

Die Eltern einiger Schüler machen sich Sorgen ob ihre eine Dresdner Grundschule besuchenden Kinder es aufs Gymnasium schaffen. Schuld daran soll die Lehrerin Frau Müller sein, die daher weg muss. Unterschriften werden gesammelt und eine dann doch gar nicht so große Gruppe von fünf besorgen Eltern macht sich auf in die Juri-Gagarin-Grundschule um die Lehrerin ihres Amtes zu entheben. Doch so einfach ist das auch wieder nicht…

Frau Müller muss weg

Sönke Wortmann (“Der bewegte Mann“, “Das Wunder von Bern“, „Charité„) hatte Lutz Hübners Theaterstück “Frau Müller muss weg“ bereits 2012 am Berliner Grips Theater inszeniert. Auch der zwei Jahre später entstandene Kinofilm ist einem Kammerspiel näher als die ebenfalls im Schul-Milieu angesiedelte Erfolgskomödie “Fack Ju Göhte“. Wortmann verarbeitet in seinem Film die Tatsache, dass Eltern heute sehr viel schneller aktiv werden, wenn ihre Kinder schlechte Noten bekommen, als dies zu seiner eigenen Schulzeit der Fall war. Es klingt auch an, dass es lange Zeit nach der Wende immer noch Ossies und Wessies gibt.

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Gabriela Maria Schmeide © Constantin Film

Wortmanns Sympathien sind eher bei der gemütlichen Lehrerin Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide), die versucht den schulischen Leistungsdruck durch Bastelarbeiten etwas zu lindern. Die Eltern sind manchmal etwas arg karikiert ausgefallen, auch wenn Anke Engelke als überforderte Karriere-Frau beachtlich gut schauspielert. Der nicht eben lange Film endet mit einer originellen Schlusspointe und lädt zum Nachdenken darüber ein, ob es tatsächlich sinnvoll und überhaupt möglich ist, das Leben seiner Kinder in allen Belangen zu steuern.

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Die besorgten Eltern © Constantin Film

Die DVD enthält neben dem 84-minütigen Hauptfilm (wahlweise auch mit Hörfilmfassung) noch Interviews (15:43 min), Featurette (2:31 min), Behind the Scenes (2:01 min), Trailer (1:55 min)

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Alles steht Kopf

Auch zum neuen Werk aus dem Hause Pixar wird wieder ein animierter Kurzfilm gereicht. Mit “Lava“ gibt der Animator James Ford Murphy nicht nur sein Regie-Debüt, sondern von ihm stammt auch das Drehbuch und der den Film dominierende Song.

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© 2015 Disney/Pixar

Wobei das auf Hawaii-Folklore getrimmte Liedchen, das von Kuana Torres Kahele im Stile von Israel Kamakawiwo’ole (“Over the Rainbow“) gesungen wird, vielleicht noch das Beste an „Lava“ ist. Die Story um einen einsamen sich nach Liebe sehnenden Vulkan überschreitet hingegen mit geballter technischer Brillanz recht ungeniert die Kitsch-Schwelle, ohne das bei Pixar eigentlich zu erwartende „gewisse Etwas“ zu bieten.

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© 2015 Disney/Pixar

Der Hauptfilm hingegen dürfte vom Konzept her mit das Gewagteste sein, was jemals als Grundlage für einen abendfüllenden gut budgetierten Animationsfilm für die ganze Familie in Erwägung gezogen wurde. Die Hauptfiguren heißen Freude, Kummer, Wut, Angst und Ekel. Diese bewohnen den Kopf der kleinen Riley und kümmern sich um das Wohlergehen des jungen Mädchens, das darunter leidet die lieb gewonnene ländliche Umgebung verlassen zu haben und plötzlich mitten in San Francisco zu leben.

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© 2015 Disney/Pixar

Die etwas an Disneys Fee Tinkerbelle erinnernde Freude bemüht sich leicht hysterisch darum, dass Riley immer gut gelaunt ist. Daher hält sie ihre ständig frustrierte Kollegin Kummer für ihre natürliche Feindin. Doch als nach einem Notfall im Leben von Riley sowohl Freude als auch Kummer zu einer Odyssee durch das Seelenleben des kleinen Mädchens aufbrechen müssen, wird klar, dass Freud und Leid doch mehr miteinander zu tun haben, als ursprünglich zu vermuten war.

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© 2015 Disney/Pixar

Natürlich hat das wackere Team von Pixar beim Erarbeiten der Geschichte einen ganzen Haufen von Psychologen zu Rate gezogen, doch die Hauptinspirations-Quelle ist zweifelsohne der geniale antifaschistische Disney-Cartoon “Reason and Emotion“ von 1943 sein.

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REASON & EMOTION © 1943 Disney

Hier wird der menschliche Kopf von einem kleinen vernünftigen Anzugträger (Reason) und einem triebhaften Steinzeit-Männchen  (Emotion) bewohnt. Recht anschaulich wird gezeigt, wie Adolf Hitler – vorbei an jeglicher Vernunft – den Neandertaler im Menschen ansprach und zu Untaten anstachelte. Dieses nicht völlig abwegige Gleichnis haben die Pixar-Macher für “Alles steht Kopf“ mit viel Fantasie verfeinert und einige herrlich abgefahrere Ideen auch noch im Abspann verbraten.

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© 2015 Disney/Pixar

Das Resultat ist ein in nahezu allen Belangen überzeugender Trickfilm, der technisch brillant eine ebenso spannende wie komische Geschichte mit völlig neuen Figuren erzählt. Es ist schön, dass Pixar doch mehr kann als das positive Image seiner Erfolgsfilme durch mittelprächtige Fortsetzungen zu beschädigen.

Alles steht Kopf
© 2016 Disney/Pixar

Die Blu-ray von Walt Disney enthält neben dem 95-minütigen Hauptfilm (wahlweise mit einem optional deutsch untertitelten Audiokommentar vom Regisseur Pete Doctor und Produzent Jonas Rivera), sowie den bereits aus dem Kino bekannten Kurzfilm “Lava“ (7:12 min, wahlweise in deutscher, englischer oder türkischer Sprache), noch den neu produzierten sehr lustigen Kurzfilm “Rileys erstes Date“ (4:40 min, wahlweise in deutscher, englischer oder türkischer Sprache), bei dem es sich um eine Art Fortsetzung zu “Alles steht Kopf“ handelt. Außerdem sind noch die beiden englischsprachigen optional deutsch untertitelten Dokus “Wege zu Pixar: Die Frauen von Alles steht Kopf“ (11:22 min) und “Gemischte Gefühle“ (7:17 min) enthalten.

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Jurassic World

Schon beim Betrachten des Trailers zu diesem Film kam die Frage auf, warum nicht bereits eine der beiden nur noch bedingt gelungenen Fortsetzungen von Steven Spielbergs “Jurassic Park“ davon erzählte, was passiert, wenn ein Dinosaurier-Disneyland tatsächlich seine Tore für ein großes Publikum öffnen würde.

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Mit viel Liebe zum Detail beschreibt der Film wie die Attraktionen eines von künstlich geklonten Urzeit-Giganten bevölkerten Vergnügungsparks aussehen könnten. Eingeflochten ist dabei eine etwas altbacken anmutende Geschichte um Mütter und Tanten, die sich zwischen Familiensinn und Karriere zu entscheiden haben. Da ist es umso erfreulicher, wenn schon recht bald die Dinos Amok laufen. Wobei es hier gute, weil authentisch geklont, sowie einen unerhört bösen, weil genetisch manipuliert geklonten, Indominus Rex gibt. Wer mag, kann hier einen windelweichen Aufruf zum verantwortungsvollen Umgang mit Gentechnologie vermuten.

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Als ganz große Dino-Show mit einer Flugsaurier-Hommage an Hitchcocks “Die Vögel“ kann “Jurassic World“ dank toller Bilder und Effekte voll überzeugen. Ein wenig auf der Strecke bleibt dabei der in Spielbergs Actionfilmen unverzichtbare Humor, obwohl Hauptdarsteller Chris Pratt bereits in “Guardians oft the Galaxy“ bewiesen hat, was für ein schräger Action-Hero er sein kann. Wenn er in “Jurassic World“ immer wieder im letzten Moment sich schließende Tore oder Gitter durchquert, wirkte er hingegen eher wie ein geklonter Indiana Jones.

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Avengers – Age of Ultron

Nach vier mit dem Marvel Cinematic Universe verknüpften Kinofilmen folgt der zweite große Leinwand-Auftritt der Avengers. Dieser ist der Höhepunkt von Marvels “Phase 2“ und wieder ist es Buffy-Schöpfer Joss Whedon, dem es obliegt einen großen Superhelden-Ensemble-Film mit Schauspielern und Charakteren zu drehen, die fast alle bereits bewiesen haben, dass sie auch im Alleingang einen Blockbuster stemmen können.

Avengers – Age of Ultron
Dies sollte im Kino bedacht werden, wenn der eine oder andere Zuschauer die ungebremste Downey- Jr.-Star-Power aus Iron Man 3, den unbeschwerten Fantasy-Humor aus Thor – The Dark Kingdom, die gesellschaftskritischen Ansätze aus The Return of the First Avenger und den Outsider-Charme aus Guardians of the Galaxis vermisst. Avengers – Age of Ultron ist sehr viel mehr eine Bestandsaufnahme und Neuausrichtung als ein gradlinig erzählter Superhelden-Actionfilm. Die Rächer sammeln sich in Anbetracht einer gewaltigen neuen scheinbar unüberwindbaren Bedrohung zum gemeinsamen Wundenlecken. Dies geschieht in der Mitte des Films – genau wie schon in Iron Man 3 – etwas arg plakativ  im ländlichen US-Heartland. Zum Ausgleich operiert das Marvel-Heldenteam diesmal jedoch nicht hauptsächlich im Großraum New York (sowie kurz in Stuttgart), sondern rettet weltweit die weite Welt.

Avengers – Age of Ultron

Im Gegensatz zum ersten Avengers Film findet die Action diesmal nicht hauptsächlich im großen, aber auch auf Dauer etwas ermüdenden Finale statt, sondern ist sehr viel besser über den ganzen Film verteilt. Dank seiner beträchtlichen TV- und Kino-Erfahrung mixt Joss Whedon sehr routiniert lustige, tragische, rührende sowie einige wirklich unvergessliche Momente zu einem bekömmlichen Marvel-Cocktail. Er fährt dabei die den ersten Film alles überstrahlende Star-Power von Robert Downey Jr. etwas zurück. Am Ende des Filmes erscheinen – genau wie im Comic – Avengers-Geschichten ohne die (irgendwann unbezahlbaren Darsteller der) ganz großen Marvel-Helden nicht nur denkbar, sondern als innovativer Ansatz fast schon wünschenswert.

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Marvel´s The Avengers

Nachdem die Marvel-Comicfiguren Iron Man, Thor und Captain America sowie die Charaktere Nick Fury, Hawkeye, Black Widow sowie vor allem der charismatisch von Clark Gregg verkörperte Agent Coulson dem Publikum in einigen mehr oder weniger gelungenen Filmen vorgestellt wurden, kommt es zum großen Mega-Crosover.

Marvel´s The Avengers

Mit von der Partie ist auch noch der grüne Koloss “Hulk“, der zuvor in zwei nur bedingt überzeugenden Filmen von Eric Bana und Edward Norton verkörpert wurde. In “The Avengers“ kommt jetzt der sympathische Mark Ruffalo als Bruce Banner alias Hulk zum Zuge und fügt sich sehr viel besser als das muskelbepackte schauspielerische Leichtgewicht Chris Hemsworth als Thor ins Ensemble ein.

Marvel´s The Avengers

Mit derart vielen Helden-Charakteren auch noch eine halbwegs spannende in sich abgeschlossene Geschichte zu erzählen ist kein leichtes Unterfangen. Wer dies bedenkt, muss zugeben, dass “Buffy“-Mastermind und Comic-Autor Joss Whedon als Regisseur und Drehbuchautor einen verdammt guten Job gemacht hat. In der ersten Hälfte des Filmes räumt er allen Helden ihre mehr oder weniger beeindruckenden ersten Auftritte ein.

Marvel´s The Avengers

Zentrale Figur ist zweifelsohne Robert Downey Jr. als Iron Man, dem auch noch Gwyneth Paltrow, seine kongeniale Partnerin aus den beiden Kinofilmen, in einigen kurzen aber wichtigen Szenen assistiert (während Natalie Portman, die weibliche Hauptdarstellerund aus “Thor“, nicht mit von der Partie ist). Die höchst unterschiedlichen Lebensauffassungen des moralisch sehr elastischen Tony Stark alias Iron Man und des gradlinigen Soldaten Steve Rogers alias Captain America nutzt Whedon zu einigen amüsanten Wortgefechten.

Marvel´s The Avengers

Während es in “The Avengers“ von Helden naturgemäß nur so wimmelt, sieht es auf der Schurkenseite eher mau aus. Der unscheinbare Tom Middleston ist wie schon im “Thor“-Kinofilm wieder als Loki dabei und hat sich mit einer Horde Außerirdischer verbündet, die er zum großen Finale in New York auf die Menschheit loslässt, nachdem er zuvor im Alleingang vergeblich versuchte die Wutbürger in Stuttgart zu unterjochen. Der Kampf gegen Loki und die Aliens ist zwar angemessen spektakulär in Szene gesetzt, doch spannender ist “The Avengers“ wenn Whedon die mit nicht unbeträchtlichen Egos ausgestatteten Superhelden aufeinander loslässt.

Marvel´s The Avengers

Ähnlich wie so manches sich über etliche Comichefte hinziehende Superhelden-Crossover überzeugt der Film weniger als großes ja fast schon übergroßes Ganzes, sondern durch seine zahlreichen unvergesslichen Momente, wie den sich aus dem Wasser in Luft erhebenden S.H.I.E.L.D.-Helicarrier oder wenn die an einen Stuhl gefesselte Scarlett Johansson sich in einer virtuos in Szene gesetzten Kampfszene im besten James-Bond-Stil spektakulär befreit.

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Der Böse steht noch einmal auf…

Die Tatsache, dass Filme noch längst nicht zu Ende sind, wenn der Schurke oder das Monster mit kiloweise Blei oder Silberkugeln vollgepumpt wurden, ist allgemein bekannt und gab dem Buch “Der Böse steht noch einmal auf“ seinen Titel. Doch Christian Georg Salis hat noch zahlreiche weitere Klischees aus Hollywood-Filmen zusammengetragen, die oft sehr viel weniger offensichtlich sind.

Der Böse steht noch einmal auf.... und andere Klischees in Hollywood-Filmen
So ist ihm aufgefallen, dass es in Kinofilmen gar keine Einweg-Feuerzeuge gibt, weil man “Feuerzeuge immer mit einer lässigen Geste auf- und zuklappen muss“. Ferner wird es nie wirklich dunkel sondern nur bläulich, in billigen Hotels ist der blinkende Neonschriftzug aus allen Fenstern zu sehen und aus jeder Einkaufstüte aus Papier ragt oben ein Baguette heraus (bei einer zweiten Tüte ist zusätzlich noch Grünzeug zu sehen).

Der Böse steht noch einmal auf...

Alle diese Beobachtungen hat Salis fein säuberlich in Kapiteln wie “Gut und Böse“ (“Schurken hören genüsslich klassische Musik“) oder “Natur und Weltraum“ (“Hinter jedem Wasserfall befindet sich eine Höhle“) zusammengetragen und mit Beweisfotos aus diversen Hollywoodproduktionen garniert. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht und daher bietet diese mittlerweile in der dritten Auflage vorliegende Klischeeklopädie auch noch Raum zum niederschreiben von weiteren Klischees wie z. B.: “Der Zuschauer will es gar nicht anders.“

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Tim Burton: Big Eyes

Nach “Ed Wood“ erzählt Tim Burton ein weiteres Biopic basierend auf einem Drehbuch der Genre-Experten Scott Alexander und Larry Karaszewski (“Der Mondmann“, “Larry Flint – Die nackte Wahrheit“). Eigentlich wollte das Duo erstmals auch selbst Regie führen, trat jedoch beiseite, nachdem durch die Beteiligung von Burton das etwas sperrige Projekt endlich in Gang kam.

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“Big Eyes“ erzählt ein spannendes Stück Kunst-Geschichte. In den Sechziger Jahren war ganz Amerika verrückt nach Gemälden von großäugigen Kindern, die angeblich Walter Keane gezeichnet hatte. Doch in Wirklichkeit war es dessen Gattin Margaret, die die Bilder malte. Richtig in Gang kam das Geschäft mit den Kitschbildern jedoch tatsächlich durch Walter, denn dieser entdeckte, dass sich mit Postern sehr viel mehr Geld verdienen lässt als mit Original-Gemälden. Während Walter das Leben eines Playboys führte, musste seine Ehefrau daheim Gemälde produzieren. Als die Ehe in die Brüche ging, kam es auf Hawaii zu einer skurrilen Gerichts-Verhandlung, in der Walter mit dem Pinsel in der Hand beweisen sollte, dass die Bilder von ihm und nicht von Margaret stammten…

Tim Burton: Big Eyes

Da Tim Burton auch ein talentierter Zeichner und Maler ist, liegt ihm dieser Stoff natürlich besonders am Herzen, zumal er auch schon lange bevor er “Big Eyes“ drehte,  einige Werke von Margaret Keane erworben hatte. Tim Burton setzte den Film  für seine Verhältnisse  eher konventionell in Szene. Lediglich eine Szene, in der die von Amy Adams verkörperte Margaret Keane plötzlich überall großäugige Menschen sieht, ist “burtonesk“. Ansonsten beschwört der Kult-Regisseur  in kunterbunten Bilder eine lebensfrohe Sechziger-Jahre-Atmosphäre.

Big Eyes

Größtes Plus des Films ist Christoph Waltz, der Walter Kean zunächst sehr charmant und dann immer ekeliger spielt. Sein Kabinettstück ist die Gerichtsverhandlung, in der Walter Keane sich selbst verteidigt und glaubt, dass ihm seine Kenntnisse aus TV-Filmen dabei helfen. Unglaublich wie er hier immer wieder einen anderen Charakter spielt.

Tim Burton: Big Eyes

Die DVD von Studiocanal enthält neben dem 101-minütigen Spielfilm noch ein Making Of (20:40 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln), eine Fragestunde mit den Machern des Films (32:32 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln) und den deutschen Trailer (1:22 min)

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Disney Cinderella

1950 produzierte Walt Disney mit dem Zeichentrickfilm “Cinderella“ einen seiner ganzen großen Klassiker. Nachdem es ein Jahr zuvor gelang Disneys sehr viel weniger beliebten Märchen-Trickfilm “Dornröschen“ äußerst erfolgreich als “Maleficent – Die Dunkle Fee“ mit Angelina Jolie in der Titelrolle neu zu interpretieren, wurde etwas ähnliches mit “Cinderella“ versucht.

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© 2015 Disney

Doch das Resultat ist näher am tschechischen Märchenfilm “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ als an der mit liebenswert vermenschlichten Tieren bevölkerten Welt des Disney-Klassikers. Die Zutaten zur Realfilm-Version klingen eigentlich recht vielversprechend: Inszeniert hat der große Allrounder Kenneth Branagh, der sowohl Shakespeare, Tom Clancy als auch Marvel kann. Das Drehbuch stammt vom vielseitigen Chris Weitz (“American Pie“, “About a Boy“, “Twilight: New Moon“). Böse Stiefmutter und gute Fee sind bei Cate Blanchett und Helena Bonham Carter in den besten Händen.  Doch trotzdem fehlt etwas und das sind nicht nur die 3D-Effekten, da “Cinderella“ trotz entsprechender Kamera-Fahrten nur zweidimensional gedreht wurde.

Kate Blanchett in Cinderella - © 2015 Disney
Kate Blanchett in Cinderella – © 2015 Disney

Schon bei seinem ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm “Schneewittchen und die sieben Zwerge“ wusste Walt Disney, dass er das von den Gebrüdern Grimm recht schlicht erzählte Märchen noch etwas anreichern musste, damit es kinotauglich wird. Er machte aus den sieben Zwergen unverwechselbare Einzel-Charaktere, deren Haus von den putzigen Tieren des Waldes geputzt wird. Bei “Cinderella“ fesselten die Erlebnisse der Mäuse Jacques und Karli nicht weniger als Aschenbrödels Romanze mit den Prinzen.

Branagh und Weitz hingegen dicken das Märchen mit der ausführlich erzählten Vorgeschichte an, die Disney nicht ohne Grund weggelassen hatte. Der Zuschauer lernt jetzt auch noch Cinderella Eltern kennen, die von Hayley Atwell und Ben Chaplin so farblos gespielt werden, dass nachdem ihre Charaktere gestorben sind, kaum Trauer aufkommt. Blanchett und Bonham Carter hingegen wird sehr wenig Spielraum eingeräumt.

Helena Bonham Carter in Cinderella - © 2015 Disney
Helena Bonham Carter in Cinderella – © 2015 Disney

Es dauert erschreckend lange bis der Film endlich Fahrt aufnimmt. Ein kleines Highlight ist die Szene in der sich Cinderellas Kutsche in voller Fahrt wieder in einen Kürbis und die Dienerschaft in Tiere zurückverwandelt. Doch ansonsten geht es bei Branagh in einem knallbunten multikulturellen Operetten-Europas angesiedelten Realfilm sehr viel kitschiger zu, als sich Walt Disney dies im Kino jemals getraut hätte.

Die Eiskönigin - Party-Fieber - © 2015 Disney
Die Eiskönigin – Party-Fieber – © 2015 Disney

Die Blu-ray enthält neben dem 105–minütigen Hauptfilm auch noch den ebenfalls im Kino gezeigten Cartoon “Die Eiskönigin: Party-Fieber“ (“Frozen Party“, 7:56 min), sowie die Berichte “Ein Märchen wird lebendig“ (9:23 min), “Märchenhafte Kostüme“ (2:39 min), “Inszenierung des Balls“ (11:27 min), einen alternativen Anfang mit Einleitung von Kenneth Branagh (3:02 min), „Ellas pelzige Freunde“ (3:43 min), alle in Originalfassung, wahlweise mit deutschen Untertiteln.

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