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Von Gir zu Moebius – Der Smaragdsee

Jean Giraud starb im März 2012, doch sein unglaublich vielfältiges Comic-Universum lebt in zahlreichen opulenten Neuausgaben weiter. Während Egmond gerade seinen Western-Klassiker Blueberry in einer Collector’s Edition neu auflegt, feierte der Splitter Verlag in einem Prachtband jene abgefahrenen Comics, die Giraud im Magazin Metal Hurlant unter dem Pseudonym Moebius veröffentlichte.

Von Gir zu Moebius – Der Smaragdsee

Doch wie wurde der Jean Giraud, der sich eine Meisterschaft im Zeichnen von galoppierenden Pferden und Prärielandschaften angeeignet hatte, zum ebenso souveränen Schöpfer von seltsamen Welten, deren volle Bedeutung sich nur ihm selbst zu erschließen schien? Ein interessant zusammengestellter Band des Splitter Verlags versucht zu dokumentieren, wie Giraud zu Moebius wurde.

Von Gir zu Moebius – Der Smaragdsee

Im Vorwort beschreibt Girauds Lehrmeistes Joseph Gillian alias Jijé (Jerry Spring) dieses Phänomen recht plastisch: “Ich für meinen Teil hätte noch eine gewisse ästhetischhermetisch-philosophisch-esoterische Orientierung zu bedauern, die an zeichnerischer Kraft – fast hätte ich gesagt, an Virilität – einzubüßen scheint, was sie möglicherweise an Intellektualität gewinnt… Kann ich mir jedenfalls denken. Aber ich bin nur ein altmodischer Knacker, und wie Giraud spontan (aber niemals grundlos) sagte: »Sie (er siezte mich, der Lump!) sind zu normal, um es zu verstehen.«

Von Gir zu Moebius – Der Smaragdsee

Eröffnet wird der im Buch enthaltene Comic-Reigen mit den drei Western-Kurzgeschichten um Frank und Jeremy von 1956, die Giraud, wie viele seiner frühen Arbeiten in einem von André Franquin und Morris beeinflussten Funnystil zeichnete. Doch schon in den frühen 60er-Jahren wendete er sich den Abenteuer-Genre zu und eiferte Jijé nach. Sein Pseudonym Moebius wählte er auch, weil seine Signatur Gir zu sehr der von Jijé ähnelte.

Von Gir zu Moebius – Der Smaragdsee

Giraud beschränkte sich jedoch nicht auf Westerngeschichten, sondern erzählte auch von ehemaligen Galeerensträflingen, Glücksrittern im brasilianischen Dschungel oder das Leben von Madame Curie.

Von Gir zu Moebius – Der Smaragdsee

Einige der über zwanzig in diesem Band enthaltenen Comics wurden bereits im von österreichischen Fachmagazin Comic Forum herausgegebenen Sammelband Giraud: Das Frühwerk veröffentlicht, dort allerdings meist in Schwarzweiß.

Von Gir zu Moebius – Der Smaragdsee

Zum Abdruck kommen auch Arbeiten die Giraud von 1970 bis 1979 für die Magazine Tintin und Pilote in einem immer stärkeren Maße als Moebius zeichnete, darunter die beeindruckend in Szene gesetzte zweiseitige Story Musik rund um die Uhr, sowie ein Fotocomic, in dem René Goscinny einen Auftritt hatte.

Von Gir zu Moebius – Der Smaragdsee

Abgerundet wird der Band durch das fundierte 17-seitige Nachwort “Die hermetische Garage des Gir“ vom Science-Fiction-Autor und Comic-Experten Claude Ecken. Dieser beschreibt detailreich die Jugendjahre von Giraud und kommt – genau wie Jijé im Vorwort – zum Schluss, dass dieser sein Talent nicht durch Beobachtung der Wirklichkeit oder dem  Zeichnen nach der Natur entwickelte, sondern durch intensive Beschäftigung mit Comics und Filmen jeglicher Art. Alles was ihn beeindruckte übernahm, variierte und kombinierte er zu einem unvergleichlichen Comic-Kosmos. Dieser Band zeigt, wieviel es in dieser faszinierenden Welt noch zu entdecken gibt.

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Blueberry – Collector’s Edition 2

Weiter geht es mit der der Collector’s Edition von Blueberry. Nicht optimal ist nach wie vor das gewählte matte Papier. In der alten Ausgabe, den Blueberry-Chroniken, gab es leuchtendere Farbe und besser zu erkennenden Konturen der Zeichnungen. In zwei der drei in diesem Band enthaltenden Comic-Alben kam eine andere Kolorierung zum Abdruck, die “bunter“ doch insgesamt weder schlechter noch besser ist. Auch das geänderte Lettering (bei identischer Übersetzung ist weder Fort- noch Rückschritt). Hier wäre mehr drin gewesen.

Blueberry - Collector's Edition 2

Doch meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile. Die Collector’s Edition präsentiert die Comics in einem geringfügig größeren Format, aber mit einem sehr viel interessanteren Bonusmaterial, als dies in den Blueberry-Chroniken der Fall war. Die begleitenden Texte dokumentieren die Entstehungsgeschichte der Comics und machen dadurch die Lektüre zu einem noch intensiveren Erlebnis.

Blueberry – Collector’s Edition 2
Kolorierung der Collector’s Edition

Der Comic-Inhalt entspricht Band 3 der Blueberry-Chroniken. Zum Abdruck kommt mit Das Halbblut und Die Spur der Navajos der Abschluss des fünfbändigen Epos Fort Navajo. Dem Autor Jean-Michel Charlier gelang hier ein spannender Western im Stil von John Fords Kavallerie-Trilogie mit sehr viel Sympathien für die Indianer. Die sich eher an erwachsene Leser richtende Geschichte ist auch eine gute Einführung vom eigenwilligen (Anti-?) Helden Mike Blueberry.

Blueberry – Collector’s Edition 2
Kolorierung 2006 in Blueberry Chroniken 3

Künstlerisch ist bemerkenswert, dass sich Jean Giraud Anfang 1965 beim Zeichnen von Das Halbblut eine Auszeit gönnte, um sich in Mexiko vom Stress zu erholen, der auch damit zusammenhing, dass die Texte von Charlier oft erst sehr kurzfristig fertig wurden. Als Ersatz sprang Girauds Lehrmeistes Joseph Gillian alias Jijé (Jerry Spring) ein, der die Seiten auch signierte. Interessant sind in diesem  Zusammenhang auch die beiden in diesem Band abgedruckten auf dem Postweg verloren gegangenen Seiten von Jijé, die völlig anders aussehen als die neugezeichneten Varianten davon, die in Pilote und den Alben zum Abdruck kamen.

Blueberry – Collector’s Edition 2

Den Abschluss des Bandes bildet das 1966 entstandene Album Der Sheriff, das bemerkenswert weil untypisch für die Serie ist. Zum einen wird hier ein klassischer in einer Kleinstadt spielender Western, irgendwo zwischen High Noon und Rio Bravo, erzählt und zum anderen auch noch eine in sich abschlossene Geschichte, die nicht Teil eines Zyklus ist.

Blueberry – Collector’s Edition 2

In diesem Zusammenhang gefällt auch der von Volker Hamann (Reddition) zusammengestellte Anhang über die deutsche Veröffentlichungsgeschichte von Blueberry. Hier geht es um die frühen 70er-Jahre, als die Western-Serie im Magazin ZACK erschien. Dort kam Der Sheriff im Gegensatz zur Serie um Fort Navajo nicht zum Abdruck.

Blueberry – Collector’s Edition 2

Stattdessen erschien die Geschichte als Band 4 der Reihe ZACK Comic Box und war das erste deutsche Blueberry-Album. Während der gewählte Titel Der Mann mit dem Silberstern eine originalgetreuere Übersetzung als Der Sheriff war, wurde dem deutschen Leser Girauds prachtvolles Titelbildgemälde (das auch diesen Band der Collector’s Edition ziert) vorenthalten und stattdessen ließ man – wahrscheinlich von Dieter Kalenbach (Turi & Tolk) – das identische Motiv noch einmal unspektakulärer neu zeichnen.

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