Schlagwort-Archive: Graphic Novel

Isabel Kreitz & Peer Meter: Haarmann

1924 wurde Fritz Haarmann hingerichtet nachdem er des Mordes an über 24 Jungen schuldig gesprochen wurde. Doch Haarmann lebte trotzdem einfach weiter, schon durch das Lied mit dem “kleinen Hackebeilchen“ aber vor allem durch Fritz Langs Filmklassiker “M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ sowie durch Götz Georges beängstigendes Psychogram des Massenmörders in Romuald Karmakars “Der Totmacher“.

Isabel Kreitz & Peer Meter: Haarmann

1990 erschien bei Carlsen von einer vom Texter Peer Meter auf drei Bände angelegten und von Christian Gorny gezeichneter “Haarmann“-Serie lediglich der erste Teil. Doch nachdem Meter 2010 mit dem von Barbara Yelin gezeichneten Album “Gift“ über die Bremer Giftmörderin Gesche Gottfried ein glanzvolles Comic-Comeback feierte, wurde – warte, warte nur ein Weilchen – auch “Haarmann“ vollendet bzw. in einer Gesamtausgabe komplett neu angegangen. Danach widmete sich Peer Meter in „Vasmers Bruder“ dem Serienmörder Karl Denke.

Isabel Kreitz & Peer Meter: Haarmann

Während Christian Gorny auf karge aber doch irgendwie beeindruckende (wenn auch nicht sonderlich lesefreundliche) Grafik setzte, hat Isabel Kreitz (“Die Entdeckung der Currywurst“, “Der 35. Mai“, „Die Sache mit Sorge„) die Geschichte des Massenmörders in ihrem ausgereiften Zeichenstil mit manchmal fast schon zu detailfreudigen schwarzweißen Bildern in Szene gesetzt.

Isabel Kreitz & Peer Meter: Haarmann
Isabel Kreitz

Ähnlich wie schon bei “Gift“ lässt Peer Meter den Leser zwar auch über die Morde schaudern aber noch mehr darüber wie wenig die offiziellen Stellen unternahmen um die Untaten zu verhindern. Im Falle Haarmann verfügte der auch als Spitzel für das Diebstahlskommisariat Hannover arbeitende Mörder gar über einen Polizeiausweis. Wenn die verzweifelt nach ihren verschollenen Söhnen suchenden Eltern von der Polizei wie Bittsteller von oben herab behandelt werden, verbreitet sich dabei fast ebenso viel Grusel wie bei der Vorstellung das Haarmann die örtlichen Gaststätten höchstwahrscheinlich mit Menschenfleisch beliefert hat.

Isabel Kreitz & Peer Meter: Haarmann

Sehr nah an historischen Tatsachen orientiert gelang Meter und Kreitz ein beängstigend faszinierender Blick in menschliche Abgründe.

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Cyril Pedrosa: Auto-Bio

In stimmungsvollen Schwarzweiß-Bildern erzählte Cyril Pedrosa (“Ring Circus“) sein düster-bedrohliches Fantasy-Epos “Drei Schatten“, das 2008 auf dem Comicfestival in Angouleme als Bestes Album prämiert wurde. Doch der auch als Disney-Animator tätig gewordene Zeichner kann aber auch ganz anders, was er mit “Auto-Bio“ beweist.

Cyril Pedrosa: Auto-Bio

In einem ebenso lockeren wie eigenständigen Funny-Stil macht sich Pedrosa auf höchst amüsante Weise darüber lustig, dass es nicht immer einfach ist ein politisch-korrektes-ökologisch-linkes Leben zu führenden. Da das Werk den Titel “Auto-Bio“ trägt, wird der Versuch halbwegs unegoistisch und umweltschonend durchs Leben zu kommen nicht denunziert (aber auch nicht heroisiert).

Cyril Pedrosa: Auto-Bio

Im Zentrum des Geschehens steht der alltägliche Kampf eines ökologisch orientierten Familienvaters, der eine heimliche Schwäche für Cocktail-Würstchen aus der Dose hat. Ständigen Schwankungen unterworfen ist auch das Verhältnis der Hauptfigur zu den Deutschen. Zunächst sind diese schießwütige Fußball-Boches, dann sanftmütige Grüne und “eine Nation mit blühender Kultur“, was jedoch wieder in Frage gestellt wird nachdem der Sohn “Tokio Hotel“ entdeckt hat.


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Alex Robinson: Ausgetrickst

Der schon fast vergessene Rockstar Ray, der Sportautogramm-Verkäufer Nick, die ihren Vater suchende Phoebe, der kurz vor dem Durchdrehen stehende Musik-Freak Steve, die etwas füllige Kellnerin Caprice und die Büroaushilfe Lilly haben scheinbar nichts gemeinsam. Doch spätestens wenn Alex Robinson nach über 300 Seiten diese sechs Charaktere zusammenführt, kann der Leser kaum noch erwarten wie die Erzählung ausgeht.

Alex Robinson: Ausgetrickst

Der erste Eindruck von “Ausgetrickst“ war angesichts von Robinsons routinierten aber auf den ersten Blick etwas fade wirkenden Zeichnungen: “Naja, packen wir es mal beiseite und lesen es später.“ Doch nach einer freundlichen Nachfrage der freundlichen Jungs von der Edition 52 (Danke, Uwe!) nahm ich das (ge)wichtige Buch dann doch wieder in die Hand und konnte es so schnell nicht wieder weglegen.

Alex Robinson: Ausgetrickst

In kurzen Kapiteln stellt Robinson zunächst die sechs Hauptfiguren vor und zugleich beginnt auch schon der Countdown. Auf Kapitel 50 folgt Kapitel 49 und es ist klar, dass am Ende der Geschichte etwas Außergewöhnliches geschehen wird (was dann auch tatsächlich eintritt). Doch auch der Weg dahin ist voller Überraschungen. Robinson lässt Ray auf Lilly treffen, macht Phoebe zur Kollegin von Caprice, diese wiederum mit Nick flirten während sich im verwirrten Hirn von Steve etwas verdammt Gefährliches zusammenbraut. Alex Robinson mag vielleicht nur ein durchschnittlich begabter Zeichner sein, als Erzähler ist er jedoch Weltklasse.


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Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Birma

Neben eher lustigen Alben wie “Louis fährt Ski“ oder “Louis am Strand“ ist der im kanadischen Quebec geborene Guy Delisle vor allem für seine Comicreportgen bekannt. Er verarbeitete bereits seine Erlebnisse im chinesischen „Boomtown“ Shenzhen und in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang zu Comicreportagen, wobei es ihm gelang mit simplen Strich komplizierte Verhältnisse darzustellen.

Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Birma“Aufzeichnungen aus Birma“ entstand während Delisles Frau in jenem mittlerweile offiziell als Myanmar benannten Land für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen arbeitete. Während sich “John Rambo“ dort kürzlich im Kino ziemlich gewalttätig aufführte, absolvierte Delisle dort als Hausmann und Aufsichtsperson für das Söhnchen Louis eher eine Art “Damenprogramm“. Mit der Intensität seiner Eindrücke aus Pjöngjang – Delisle arbeitet in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang unter Aufsicht der Staatsmacht an einem Trickfilmprojekt – können die oft etwas beliebig wirkenden Impressionen aus Birma – mit Besuchen in Comicläden oder Treffen von Zeichnern – nur selten mithalten.

Guy Delisle: Aufzeichnungen aus Birma

Doch interessant wird es wenn fast schon beiläufig geschildert wird, wie die herrschende Militärjunta urplötzlich die Hauptstadt verlagert oder wenn Delisle nach einem erschreckend naiven Text Illustrationen für eine ihm etwas peinliche Broschüre für HIV-infizierte Kinder anfertigt (“Ich falle tot um, wenn jemand mit dem Buch bei einer Signierstunde auftaucht“) und später erfährt, dass Hilfsorganisationen damit täglich arbeiten. Hier zeigt sich einmal mehr wie gut mit lockerem Strich ernste Themen zu Papier gebracht werden können.


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David B.: Auf dunklen Wegen

Italien, um 1920. Der Soldat Lauriano und die Sängerin Mina lernen sich unter recht seltsamen Umständen kennen. In den Wirren der Kämpfe um die von D’Annunzio besetzte Stadt Fiume ist Mina Teil der Beute, die Lauriano und seine Kameraden bei einer Plünderung machen. Die beiden können sich gerade noch über die Dächer der Stadt retten, als das Haus von Freischärlern gestürmt wird. Kein Wunder, dass sie sich unter diesen Umständen ganz einfach ineinander verlieben müssen. Doch in dieser wild umkämpften Stadt voller seltsamer Existenzen ist Liebe ein Walzer in die Dunkelheit…

David B.: Auf dunklen Wegen

David B. („Die heilige Krankheit“ bei Edition Moderne) wurde in seiner Heimat Frankreich mehrfach mit wichtigen Preisen ausgezeichnet. Völlig zu Recht, wie auch sein neuestes Meisterwerk „Auf dunklen Wegen“ eindrucksvoll beweist. Der Künstler schert sich wie gehabt wenig um Konventionen. Sein avantgardistischer Strich ist von einer beeindruckenden visuellen Kraft, und dabei doch stets von einer leisen Melancholie geprägt. David B. führt den Leser von relativ ruhigen Sequenzen unvermutet auf einen surrealen Parforceritt und wieder zurück, ohne dass es je zu einem Stilbruch käme .

David B.: Auf dunklen Wegen

Auch die Story wechselt zwischen den dramatischen politischen Hintergründen und der zartbitteren Liebesgeschichte von Lauriano und Mina, die verstörend ist, aber auch ungemein berührend. Die exzellente Farbgebung kommt auf dem matten Papier hervorragend zur Geltung. Ein Geheimtipp für Leser, die das Besondere suchen.

Stefan Meduna


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Jens Harder: ALPHA – directions

In seinem Standartwerk “Comics richtig lesen“ schrieb Scott McCloud: “Die wenigen Zentimeter, die uns in einer Sequenz von einer Sekunde zur nächsten befördern, versetzen uns in einer anderen womöglich um Hundert Millionen Jahre.“ Während solche “2001 – Odyssee im Weltraum“-Momente (Knochen fliegt hoch, die nächste Einstellung zeigt ein Raumschiff) auch im Comic eher sparsam eingesetzt werden, sind sie bei Jens Harders “ALPHA – directions“ fast schon der Regelfall.

Jens Harder: ALPHA - directions

Auf 336 Seiten wird hier die Geschichte der Evolution “vom Urknall bis zu den ersten Hominiden“. Hierzu hat Jens Harder in vierjähriger Arbeit ungefähr 2.000 Zeichnungen erstellt, was bei einer sich über 14 Milliarden Jahre erstreckenden „Handlung“ “im Schnitt ein Bild alle 7 Millionen Jahre“ bedeutet.

Jens Harder: ALPHA - directions

Der 1970 in Weißwasser / Oberlausitz geborene Harder sieht sein voluminöses aber textarmes Buch zwar als eine Art Bilder-Bibel, doch er stellt keine Schöpfungsgeschichte im religiösen Sinne dar. Zwar tauchen immer wieder Querverweise zu den Weltreligionen auf, doch genauso baut er Zitate zu populärkulturellen Mythen wie King Kong oder Godzilla ein.

Jens Harder: ALPHA - directions

Harders Darstellung der Entwicklung des heutigen Universums sieht er als eine “mögliche Weltwerdung“, wobei er im Nachwort zugibt, dass bei der Entscheidung zwischen verschiedenen Evolutionstheorien auch ein möglichst “hoher Grad an Visualisierbarkeit“ eine große Rolle spielt.

Jens Harder: ALPHA - directions

Harders kapitelweise mit immer nur einer einzigen Schmuckfarbe kolorierten sehr detailreichen Bilder fesseln. Die Faszination an Dinosauriern, die maßgeblich zur Entstehung des Buches beitrug, ist den entsprechenden Zeichnungen immer noch sehr deutlich anzumerken.

Jens Harder: ALPHA - directions

Bei schneller Lektüre wird “ALPHA – directions“ zu einem beeindruckenden wild in alle Richtungen wuchernden Exkurs, der einen schier unglaublich langen Zeitraum zusammenrafft. Dank knapper aber sehr übersichtlicher Anhänge und Zeittafeln zu allen Kapiteln taugt “ALPHA – directions“ aber auch als Nachschlagewerk.

Jens Harder: ALPHA - directions

Jens Harder – der durch seine langjährige Beschäftigung mit der Entstehung unserer Welt nur noch bedingt an Lebensplanung glaubt – hat bereits die Fortsetzung “Beta …civilisations: Teil 1″ seiner Serie über die Evolutionsgeschichte fertiggestelt.


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Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

In Frankreich ist es durchaus üblich, dass mehrere Zeichner gleichzeitig an einer Serie arbeiten, um einen raschen Veröffentlichungstakt zu ermöglichen. Man denke nur an die von Frank Giroud getextete und von zehn Zeichnern realisierte Reihe “Zehn Gebote“. Ähnlich funktioniert auch die von 2013 bis 2016 zunächst in vier Alben bei Castermann veröffentlichte Serie “Femmes en Résistance“, die nach einem Konzept von Emmanuelle Polack von den Autoren Régis Hautière und Francis Laboutique verfasst wurde.

Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

Im Zentrum des Geschehens stehen vier Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs im Kampf gegen den Faschismus ihr Leben gelassen haben. Für den Zusammenhalt der Geschichte sorgen gleich zwei fiktive Rahmenhandlungen, sich über alle vier Alben erstrecken. Die Erste spielt in der Gegenwart und erzählt von einer jungen Frau, die im Nachlass ihrer verstorbenen Tante eine Schatulle mit Dokumenten vorfindet. Diese stammen von Anna Schaerer, einer geheimnisvollen Frau, die vorgab Journalisten zu sein, doch zugleich aber auch ab 1937 als Spionin tätig war. In einer zweiten Rahmenhandlung ist diese immer wieder auftauchende Dame das Bindeglied zwischen den vier Frauen des Widerstands.

Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

Das erste Album wurde von Pierre Wachs (“Das geheime Dreieck“) gezeichnet und handelt von der in den 30er Jahren sehr populären englischen Fliegerin Amy Johnson. Dieser gelang damals ein Alleinflug von Großbritannien nach Australien. Trotz ihrer Erfahrung lehnte es die RAF ab, sie im Zweiten Weltkriegs als Kampfpilotin einzusetzen. Stattdessen flog sie für eine Organisation, die auch weibliche Piloten einsetzte, um fertiggestellte Kampfflugzeuge an die Front zu überstellen. Bei einem Einsatz im Januar 1941 starb Amy Johnson unter nicht mehr genau zu klärenden Umständen. Der manchmal etwas umständlich erzählte Comic beschäftigt sich auch mit dem komplizierten Liebesleben der Flugpionierin.

Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

Der zweite Band der Reihe “Femmes en Résistance“ dürfte der Hauptgrund für das Erscheinen einer Gesamtausgabe der französischen Serie in Deutschland sein, denn im Zentrum steht hier die Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Erwähnenswert dürfte sein, dass dieses Album in Frankreich bei AMAZON bereits vergriffen ist und gebraucht schon recht hoch gehandelt wird. Die oftmals recht detaillierten Zeichnungen stammen von Marc Weber und die Story macht auch hier wieder einige komplizierte Verrenkungen, um das spannende Leben der Mitglieder der Weißen Rose an den Leser zu bringen.

Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

In der Comic-Geschichte wird Anna Schaerer von Admiral Canaris, dem den Nazis sehr skeptisch gegenüberstehenden Leiter des deutschen Militär-Geheimdienstes, nach München geschickt, um herauszufinden, wer dort antifaschistische Flugblätter verteilt. (Canaris sieht im Comic übrigens genauso aus wie O. E. Hasse im gleichnamigen deutschen Kinofilm von 1954.) In der damaligen „Hauptstadt der Bewegung“ lernt Anna Schaerer die junge Sophie Scholl kennen und freundet sich mit dieser an. Anna kann jedoch nicht verhindern, dass Sophie und ihr Bruder Hans verhaftet und durch die Guillotine hingerichtet werden.

Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

Die Mischung aus fiktiven und tatsächlichen Handlungselementen ist nur bedingt gelungen, denn das Leben von Sophie Scholl und den Mitgliedern der Weißen Rose verlief sehr viel interessanter und spannender als im Comic.

Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

Band 3 wurde von Johann Leroux alias Ullcer gezeichnet und beschäftigt sich mit dem Leben der 1893 in Marseille geborenen Berty Albrecht. Diese engagierte sich europaweit für Menschenrechte und die Gleichstellung der Frau. Ab 1933 half sie Menschen, die aus Nazi-Deutschland geflohen waren, und während der deutsche Besatzungszeit veröffentlichte sie Untergrund-Zeitungen. 1943 wurde Berty Albrecht von der Gestapo verhaftet und gefoltert, kurz darauf erhängte sie sich. Natürlich wird auch in dieser Comic-Geschichte das Schicksal der historischen Figur mit dem Leben der mysteriösen Anna Schaerer verknüpft.

Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

Die “Wahrheit“ über diese fiktive Figur enthüllt schließlich der vierte und letzte Band der Reihe. Im Zentrum steht diesmal Mila Racine, eine 1921 in Moskau geborene Jüden, die sich im antifaschistischen Widerstand engagierte und 1945 im Konzentrationslager Mauthausen ermordet wurde. Die Zeichnungen stammen von Olivier Frasier, dessen Bilder weniger in der Tradition der manchmal etwas steril wirkenden “realistischen“ frankobelgischen Comic-Alben stehen, sondern – thematisch passend – oft roh und hart wirken. Optisch ist dies Album ganz sicher der Höhepunkt der vierteiligen Serie.

Sterben für die Freiheit – Sophie Scholl und Frauen des Widerstands

Noch bevor in Frankreich eine Gesamtausgabe der „Femmes en résistance“ erschienen ist, hat Panini Comics Deutschland die Serie im etwas kleineren “Graphic-Novel-Format“ gebunden, gebündelt und garniert mit interessanten Hintergrundinfos zum günstigen Preis von 24,99 Euro veröffentlicht.

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Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Konstanze

München, April 1945. Der Zweite Weltkrieg ist für die Deutschen verloren und die Amerikaner sind in München eingetroffen. Im Nachkriegsdeutschland mangelt es an Vielem und langsam werden die Münchener mit dem Grauen der Diktatur konfrontiert. Konzentrationslager und Krematorien werden nicht ausgespart. Und irgendwie muss der Alltag wieder Einzug halten.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Konstanze

Bei der Arbeit kommen sich die 21-jährige Krankenschwester Konstanze Hofer und der 25-jährige amerikanische Sanitäter Daniel Stevens näher. Die packende Lovestory „München 1945“ nimmt weiter Fahrt auf und ersten Bewährungsproben müssen bestanden werden. Die Dialoge zwischen den beiden nehmen sehr viel Raum ein und verleihen der Geschichte Tiefe.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Konstanze

Liebevoll und prägnant charakterisiert Sabrina Schmatz die handelnden Personen. Ihre Bleistift-Zeichnungen wirken skizzenhaft, passen aber einfach zu Zeit und Stimmung, geben Dynamik und Lebendigkeit. Im Comic sprechen die Amerikaner tatsächlich Englisch – eine Übersetzung gibt es nicht, fehlt aber auch nicht, sondern verleiht Authentizität.

Sabrina Schmatz: München 1945 – Band 2: Konstanze

Ein, in allen Belangen überzeugendes Erstlingswerk von Schmatz; das Cover zieht einen von Anfang an in seinen Bann und der Inhalt lässt einen nicht los. Spannend ist, wie es weitergehen wird, der dritte Band ist für 2017 angekündigt.

Norbert Elbers

Klappenbroschur • 64 Seiten • € 8,00 • Verlag Schwarzer Turm • ISBN 978-3-934167-80-3

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COMICIADE 2016

COMICIADE 2016Vom 9. bis 11. September fand im Aachener Ludwig Forum zum zweiten Mal die COMICIADE statt.

COMICIADE 2016

Ein gewaltiges Wandgemälde mit Charlie Brown und seinen Freunden wurde exklusiv für die Comiciade von der in Aachen anwesenden Peanuts Zeichnerin Vicki Scott entworfen und wird auch weiterhin das Stadtbild der Kaiserstadt beleben.

ICIADE

Auch viele der anwesenden Zeichner erwiesen den Peanuts ihren Tribut!

COMICIADE 2016

Besonders gut gefallen hat mir der Beitrag von Timo Wuerz (Aaron und Baruch).

COMICIADE

Viele der Motive gab es auch als Klebe-Bilder zum Sammeln.

COMICIADE 2016

Haupt-Austragungsort war wieder das Ludwig Forum.

COMICIADE 2016

Bereits  bei der Eröffnung herrschte gute Stimmung bei den Gästen und beim COMICIADE-Team.

COMICIADE 2016

Eine Ausstellung war dem neuen Vater und Sohn Team Ulf K. und Marc Lizano gewidmet.

Ein weiterer Schwerpunkt waren Kinderbücher.

COMICIADE 2016

Anwesend waren Jörg Hilbert der Schöpfer von Ritter Rost

COMICIADE

… und Silvio Neuendorf, der Erfinder von Käpt’n Sharky.

COMICIADE

Zu Gast war auch YPS-Zeichner Oliver Gerke.

Ein weiterer Veranstaltungsort war die ehemalige St. Elisabeth Kirche.

COMICIADE

Dort fand Cosplay statt.  Hier im Bild: Lani von Riddle Costumes.

COMICIADE

Die Kirche ist jetzt ein Hotel und dort wo früher der Altar war, ist nun ein Altar.

COMICIADE

Natürlich war auch Spider-Man anwesend.

COMICIADE

Einer der vielen Höhepunkte war der mitreißende Auftritt von Kai Havaii & Stefan Kleinkrieg. Die beiden EXTRABREIT-Musiker begeisterten mit einer konzertanten Lesung.

COMICIADE

Kein Besucher musste hungern, denn es gab jede Menge Karl-der- Kleine-Printen.

2018 geht es weiter mit der COMICIADE!

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Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Die jüdische Schauspielerin Channa Maron war in Deutschland nur in zwei kurzen Zeiträumen bekannt. 1931 wurde sie von Erich Kästner höchstpersönlich dazu auserkoren, am Deutschen Theater in Berlin das erste “Pünktchen“ in einer Inszenierung seines Kinderbuchs “Pünktchen und Anton“ zu spielen. Noch im selben Jahr war die Jungdarstellerin in der Anfangsszene von Fritz Langs Film-Klassiker “M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ als jenes Mädchen zu sehen, das den Abzählreim “Warte, warte nur ein Weilchen…“ aufsagte.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Channa Maron verließ Deutschland zusammen mit ihrer Mutter, nachdem die Nazis an die Macht kamen. In Israel wurde sie zur bekanntesten Bühnenkünstlerin des Landes und 1970 nach London zu einem Casting für das Musical “Anatevka“ eingeladen. Auf dem Weg dorthin hatte sie eine Zwischenlandung in München und fiel dort einem von palästinensischen Terroristen verübten Sprengstoffattentat zum Opfer. Sie verlor ihr linkes Bein, kehrte aber an die Bühne zurück. Bis zu ihrem Tode im Jahre 2014 engagierte sie sich für ein friedliches Miteinander von Israelis und Palästinensern.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Das bewegte Leben von Channa Maron steht im Zentrum eines biographischen Comics, der bei Reprodukt erschienen und zugleich auch der Katalog einer vom Goethe Institut Israel initiierten Ausstellung ist. Hieran sind gleich zwei Künstler beteiligt. Der israelische Illustrator David Polonsky, der am Animationsfilm “Waltz with Bashir“ mitarbeitete, hat zehn Bilder von Channa Maron angefertigt, die diese in ihren größten Rollen zeigen. Kurze Texte erklären sowohl die zugehörigen Inszenierungen, als auch die zeitgleich stattfindenden privaten und politischen Ereignisse.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Noch interessanter ist der Ansatz der deutschen Comic-Zeichnerin  Barbara Yelin (“Gift“, “Irmina“), die in Form von jeweils zweiseitigen Comicgeschichten zehn wichtige Abschnitte aus Channa Marons Leben in Szene setzte. Grundlage dieser Erzählungen sind Gespräche, die Barbara Yelin mit Verwandten und Bekannten der Schauspielerin führte.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treuDas schön aufgemachte querformatige Buch bietet einen ebenso spannenden wie menschlich anrührenden Einblick in ein sehr bewegtes Künstlerleben, das Channa Maron konsequent  unter dem Motto “Manchmal ist es wichtiger ein Mensch zu sein, als ein Schauspieler“ führte.

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