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Will Eisner: New York – Großstadtgeschichten

Es ist sehr erfreulich, dass Carlsen recht zügig und mustergültig (bräunlicher Druck auf gelblichen Papier) die Graphic Novels von Will Eisner („The Spirit„) veröffentlicht. Nach dem Sammelband “Ein Vertrag mit Gott“ folgen unter dem Titel “New York weitere Großstadtgeschichten“  und mit „Lebensbilder“ war die Reihe leider schon beendet. Der einzige Nachteil dieses Bandes dürfte sein, dass die Storys chronologisch geordnet sind.

Will Eisner: New York - Großstadtgeschichten

Den Reigen eröffnet Eisners “Big City Blues“ (1981). Diese oft nur eine Seite umfassenden thematisch gegliederten “Eindrücke und Beobachtungen“ über Mensch und Bebauung sind zwar meisterlich gezeichnet aber meistens alles andere als pointiert oder tiefsinnig. Deutlich interessanter sind da schon die ebenfalls sehr kurzen, nach Themenkomplexen geordneten Geschichten und Beobachtungen aus Eisners “City People Notebook“ (1989). In Begleitung eines Obdachlosen setzt sich der zeichnende Eisner gelegentlich am Rande der Minidramen selbst in Szene und liefert interessante Betrachtungen über das Mit- und Gegeneinander in der Großstadt.

Noch gelungener sind jedoch “The Building“ (1987) und “Unsichtbare Menschen“ (1992). Auch hier erzählt Eisner in Episodenform, doch die einzelnen Geschichten sind deutlich länger und bilden sehr viel stärker eine Einheit. In “The Building“ geht es um vier Menschen, deren glücklose Leben mit einem an das New Yorker Flatiron Building erinnernden Gebäude verknüpft waren. Nachdem dieses abgerissen wurde, sind die Geister dieser Menschen noch immer da. Die drei Geschichten aus “Unsichtbare Menschen“ gehören zu den Höhepunkten in Eisners Schaffen. Äußerst mitreißend beschäftigt er sich hier damit, dass viele Großstädter inmitten einer Millionenschar von Mitmenschen ein sehr einsames Leben führen und dies teilweise auch nicht anders wollen.

Insgesamt ist dieser Band eine faszinierend vielschichtige nicht nur auf New York bezogene Betrachtung über das zumeist recht harte Leben in einer Großstadt. In einer Short Story stellt Eisner jedoch unmissverständlich klar, dass ein Umzug in ländlichere Regionen (zumindest für ihn) keine Alternative dazu ist.

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Will Eisner: Lebensbilder

Auch in den Geschichten aus “Ein Vertrag mit Gott“ ließ Will Eisner („The Spirit„) Teile der eigenen Biografie einfließen, wie etwa den Tod der einzigen Tochter Alice, die im Alter von 16 Jahren an Leukämie starb. Doch die Geschichten in “Lebensbilder“, dem dritten Band von Carlsens Eisner Reihe, hängen allesamt noch stärker mit dem Leben des wohl einflussreichsten US-Comickünstlers zusammen.

Will Eisner: Lebensbilder

Den Auftakt bildet “Sonnenuntergang in Sunshine City“, hier verarbeitet Eisner seinen Umzug vom geliebten New York in den Alterswohnsitz im sonnigen Florida. In “Der Träumer“ schildert er seine Erfahrungen in den Anfangsjahren der Comic-Industrie. Beide Geschichten sind bei uns bereits beim Fest Verlag unter dem Titel “Sunshine City“ erschienen. Die dort ebenfalls enthaltenen Kurzgeschichten “Detective Story“, “Menschen“ und “Der Einspruch“ fehlen in “Lebensbilder“, doch dafür gibt es ein aufschlussreiches Nachwort zu “Der Träumer“ in dem Denis Kitchen erklärt welche Comicgrößen neben dem als Jack King gut zu erkennenden Jack Kirby Eisner jeweils leicht überzeichnet porträtierte.

In der epischen Erzählung “Zum Herzen des Sturms“ tritt Eisner selbst als Soldat auf, der 1942 per Zug die USA durchquert um in den Krieg zu ziehen. In Rückblenden erinnert er sich an eigene Erlebnisse und die Biografien seiner Eltern und Großeltern, die alle geprägt sind von Vorurteilen und Antisemitismus. Im Vorwort dazu schrieb er: “Ich jedenfalls halte an der Hoffnung fest, dass die Generation, die jetzt heranwächst, nicht mehr einfach davon ausgehen kann, dass sie gesellschaftliche Überlegenheit und damit ein Recht habe andere zu diskriminieren.“

In der ebenfalls sehr umfangreichen Erzählung “So läuft das Spiel“ widmet sich Will Eisner dem Stammbaum seiner aus wohlhabenden Verhältnissen stammenden Frau Ann. Diese Geschichte aus dem Jahre 2003 wurde bei uns bisher noch nicht veröffentlicht, vielleicht auch, weil Eisner hier einen Clan von dünkelhaften jüdischen Geld-Aristokraten nicht eben vorteilhaft porträtiert und Applaus aus der falschen Richtung befürchtet wurde. Besonders interessant an “So läuft das Spiel“ ist, dass am Ende der Geschichte Eisner sich selbst als aufstrebenden Poeten auftreten lässt und darüber spekuliert, was geschehen wäre, wenn er seinerzeit dem Angebot seines Schwiegervaters gefolgt wäre und in die Welt der Hochfinanz gewechselt hätte.

Das voluminöse Buch beendet die kurze aber wohl wahre traurige Humoreske “Der Tag an dem ich zum Profi wurde“. Wenn “Lebensbilder“ tatsächlich schon der letzte Band von Carlsens Eisner-Reihe ist, dann wäre das sehr bedauerlich. Noch haufenweise hochinteressante Erzählungen von ihm warten auf ihre deutsche Erstveröffentlichung und sind allemal lesenswerter als das meiste Zeug, dass derzeit unter dem Label Graphic Novel in die Buchhandlungen gewuchtet wird.

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Will Eisner: Ein Vertrag mit Gott – Miethausgeschichten

Lange hat es gedauert, bis dieser Comic-Meilenstein wieder aufgelegt wurde. Während alle möglichen (und unmöglichen) Comics das – anscheinend zum Verkauf in Buchhandlungen unverzichtbare – Label Graphic Novel verpasst bekamen, war die „Mutter aller Grapic Novels“ bei uns seit beinahe 30 Jahre nicht mehr lieferbar. Mit “Ein Vertrag mit Gott“ erlebte Will Eisner 1978 ein grandioses Comeback innerhalb der amerikanischen Comiclandschaft, die er zuvor schon einmal – inhaltlich und formal – mit den “Spirit“-Kurzgeschichten revolutioniert hatte. Nach Einstellung der Serie arbeitete er als u. a. Illustrator für die Army. Angeregt durch die Underground-Comics machte sich Eisner daran eine Comicgeschichte (bzw. gleich vier davon) zu erzählen, die sich an ein erwachsenes Publikum richtete(n). Um hierfür einen Buchverlag begeistern zu können, erfand er den Begriff Graphic Novel.

Will Eisner: Ein Vertrag mit Gott - Miethausgeschichten

Inspiriert durch eigene tragische Erlebnisse erzählt Will Eisner in der Titelstory von “Ein Vertrag mit Gott“ wie ein frommer Mann nach dem Tode seiner Tochter an seinem Glauben zweifelt und zum rücksichtslosen Geschäftsmann wird. Die weiteren Geschichten handeln von einem talentierten Straßensänger, der kurz vor dem großen Durchbruch viel (nicht ganz unverdientes) Pech hat, sowie von einem unangenehmen Hausmeister, dem so übel mitgespielt wird, dass er dem Leser am Ende leid tut. Krönende Abschluss ist die Schilderung der Landpartie einiger Bewohner der New Yorker Dropsie Avenue (in dieser fiktiven Straße sind alle Geschichten beheimatet). Mit großem Ensemble setzt Eisner hier äußerst souverän allerlei Geschichten über das Streben nach Glück und Liebe in Szene.

Will Eisner: Ein Vertrag mit Gott - Miethausgeschichten

Doch die voluminöse sehr schön aufgemachte Carlsen Ausgabe enthält neben “Ein Vertrag mit Gott“ sowie informativen Vor- und Nachworten noch zwei weitere (ebenfalls schon lange vergriffene) Bücher von Eisner, die ebenfalls von der Dropsie Avenue erzählen. In “Lebenskraft“ wird unaufdringlich innerhalb spannender Geschichten die Frage gestellt, was den Menschen eigentlich unterscheidet von einer nur um das nackte Überleben kämpfenden Kreatur wie z. B. einer Küchenschabe. “Dropsie Avenue“ schließlich ist die sich von 1870 bis in die Gegenwart hinziehende Chronik einer Nachbarschaft. Dabei interessieren Eisner die Vor- und Nachteile ständiger gesellschaftlicher Veränderungen.

Eisners Mietshaus-Stories sind zwar meist in den Dreißiger und Vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt, wirken aber auch heute noch kein bisschen veraltet oder nostalgisch. Obwohl es recht häufig um Glaubensangelegenheiten geht, sind die Geschichten erstaunlich freizügig und äußerst mitreißend erzählt.

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Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

In seinem autobiographischen – mittlerweile bereits in der vierten Auflage vorliegenden – Roman “Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli“ erzählt Konrad Lorenz (nicht der Zoologe mit den Graugänsen) davon, wie es war in der Nachkriegszeit mitten auf dem Kiez aufzuwachsen. Isabel Kreiz, deren Atelier sich ebenfalls in dieser Gegend befindet, hat in Comics wie “Die Entdeckung der Currywurst“ immer wieder gerne Geschichten aus der Hansestadt erzählt und ihr gelang eine sehr lebendige Adaption von Lorenz‘ Roman.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

Zentrale Figur von “Rohrkrepierer“ ist Kalle, der mit seinen Freunden die Nachkriegszeit zwischen Reeperbahn, Großer Freiheit und Herbertstraße als oft nicht ganz ungefährliches Abenteuer erlebt. Der erste Teil der Erzählung beschäftigt sich damit, wie der zunächst von der Mutter und vor allem von seiner Oma großgezogene Kalle plötzlich mit seinem körperlich zwar unversehrten aber durch den Krieg traumatisierten heimkehrenden Vater klar kommen muss.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli
© Isabel Kreitz / Carlsen

Dies gelingt Kalle besser als seiner Mutter, die erfolgreich auf dem Schwarzmarkt handelt und große Schwierigkeiten hat, in ihre Rolle als treusorgende Ehefrau zurückzukehren. Im Anfang der Sechziger Jahre angesiedelten zweiten Teil erzählt “Rohrkrepierer“ u. a. davon, wie es Kalle gelingt seine Unschuld zu verlieren, ohne dafür die Dienste der ihm oftmals gut bekannten Damen aus dem horizontalen Gewerbe in Anspruch nehmen zu müssen.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli

Isabel Kreiz machte aus Lorenz‘ Roman eine fast 300-seitige  Comicerzählung, deren nur sehr spärlich kolorierten Bilder wirken, als wenn sie Standbilder eines Schwarzweißfilms aus den Fünfziger Jahren wären.

Isabel Kreitz: Rohrkrepierer – Eine Jugend auf St. Pauli
Isabel Kreitz

Einmal mehr beweist die auch hier wieder sehr detailreich arbeitende Zeichnerin ihre Meisterschaft im ohne viele Worte auskommenden Comic-Erzählen, in der Rekonstruktion vergangener Zeitepochen und natürlich auch wieder bei der Wahl einer sehr gut zur Adaption geeigneten Vorlage.

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Jean-Claude Denis: Auf nach Matha

Ziemlich überraschend wurde 2012 der bei uns kaum bekannte Jean-Claude Denis in Angoulême zum Festivalpräsidenten gewählt. Im nächsten Jahr erfreute er die Besucher des 40. Festival International de la Bande Dessinée mit einer sehr schönen Werkschau. Hier konnte sein durchaus eigenständiger Strich irgendwo zwischen Ligne Claire und École Marcinelle aber auch seine Meisterschaft als Aquarellmaler bewundert werden.

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Wer diese liebevoll präsentierte Ausstellung besuchte, die auch die Liebe des Zeichners zur Popmusik thematisierte, und den freundlich-bescheidenen Jean-Claude Denis in Angoulême erlebte, fragte sich zwangsläufig warum dessen Werk bei uns so unterrepräsentiert ist. 1984 veröffentlichte Taschen den Band “Die sieben Todsünden“ und in den Neunziger Jahren erschienen bei Carlsen drei Bände von Dennis’ 8-teiliger Serie Luc Leroi, seltsamerweise unter dem Titel Luc Lamarc. Doch jetzt hat sich Eckart Schott der Sache angenommen, dessen Engagement als Comicverleger gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Schott veröffentlichte nicht nur dessen aktuelle zweiteilige Serie “Auf nach Matha“ als schöne Hardcover-Gesamtausgabe, sondern holte auch noch Jean-Claude Denis zum Comicfestival nach München.

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JEAN CLAUDE DENNIS AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Dennis’ in schönen klaren Bildern erzählte Geschichte “Auf nach Matha“ ist ganz gewiss kein großes Spektakel. Doch für die Hauptfigur, den 16-jährigen Antoine, ist jener Sommer-Urlaub, den er erstmals nicht mit seinen Eltern verbringt, ein entscheidender Lebensabschnitt. Gegen den Willen seines Vaters fährt er mit seinen Freunden – und vor allem mit der von ihm heiß begehrten Christelle – nach Matha auf einen Campingplatz. Er lernt es sich durchzusetzen und sieht am Ende der Geschichte erstmals seiner Zukunft gelassen entgegen. Dieser mit autobiographischen Elementen versetzte Comic lebt zwar auch vom liebevoll dargestellten Zeitgeist der 60er Jahre und von der damaligen Popkultur, ist aber zugleich auch wunderbar zeitlos.

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Paco Roca: Die Heimatlosen

Paco Roca („La Casa„, “Kopf in den Wolken“) beschrieb in “Der Winter des Zeichners“ vor dem Hintergrund der Comicszene das Leben im Spanien Ende der Fünfziger Jahre unter Franco. Seinerzeit ließ es sich materiell gar nicht so schlecht leben, persönliche oder künstlerische Freiheit hingegen war Mangelware. Rocas “Die Heimatlosen“ ist eine interessante Ergänzung zu “Der Winter des Zeichners“, denn hier geht es um jene Spanier, die durch Franco entwurzelt wurden.

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Im Zentrum von Paco Rocas nah an tatsächlichen Ereignissen orientierter Geschichte stehen spanische Soldaten, die den Bürgerkrieg gegen Franco verloren haben, aber dennoch weiter gegen den Faschismus kämpften. Die erste Brigade, die 1944 im von den Nazis befreiten Paris das Rathaus zurück eroberte, bestand überwiegend aus Spaniern. Auch ansonsten kämpften spanische Soldaten an vielen Fronten des Zweiten Weltkriegs gegen die Deutsche Wehrmacht. Doch für sie ging der Krieg 1945 nicht wirklich siegreich zu Ende, denn Franco sollte in Spanien noch bis zu seinem Tode im November 1975 herrschen.

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PACO ROCA AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Paco Roca hat mit einigen jener Soldaten gesprochen, die nach dem Ende des Krieges nicht in ihre Heimat zurückkehren konnten und nicht wussten wo sie hingehören. Diese Gespräche haben ihn zur Geschichte seines Comics “Die Heimatlosen“ inspiriert, aber auch zur Rahmenhandlung, die in blassen Bildern davon erzählt, wie Paco Roca als Comicfigur einen verschlossenen alten Mann namens Miquel Ruiz in einem kleinen französischen Ort besucht.

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Nach und nach gewinnt Paco das Vertrauen von Ruiz. Dieser erzählt von seiner Odyssee, die ihn von Alicante nach Marokko, zur Ausbildung nach England und schließlich mitten hinein ins umkämpfte Frankreich führte.

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Diesen Teil seines Comics setzte Roca farbig in Szene und informiert zwischendrin in Form von Landkarten aber auch darüber, wohin es viele Spanier nach Ende des Bürgerkriegs verschlagen hat. Im Finale der Comicgeschichte kommt heraus, wieso Miquel Ruiz ausgerechnet in dem französischen Kaff hängen geblieben ist. Der Grund, warum Miquel Ruiz dort eine Ersatz-Heimat gefunden hat, ist traurig, aber menschlich genauso anrührend wie Paco Rocas gesamter Comic.

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Paco Roca: Der Winter des Zeichners

Paco Rocas („Die Heimatlosen„, „La Casa„) preisgekrönter und bereits als Zeichentrick verfilmter Comic “Arrugas“ (“Kopf in den Wolken“) über die Freundschaft zweier Bewohner eines Altersheims im Schatten einer Alzheimer-Erkrankung, kam bei uns erst sehr viel später heraus. Daher verwundert es, dass es sich bei der ersten deutschen Veröffentlichung des spanischen Comickünstlers um ein sehr stark regional geprägtes Werk handelt.

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Basierend auf tatsächlichen Ereignissen erzählt “Der Winter des Zeichners“ von fünf spanischen Lohn-Zeichnern, die im unfreien Franco-Spanien des Jahres 1957 den Schritt in die Freiheit wagten. Beim auf junge Leser spezialisierten Verlagshaus Bruguera hatte sie zwar ein gesichertes Einkommen, aber keinerlei Rechte an den von ihnen gezeichneten und getexteten Comics. Auch künstlerische Freiheit galt dort nichts, denn es herrschte Angst vor der Zensur. Daher gründete das Quintett ein eigenes Comicmagazin namens “Tio Vivo“, das sich an ein erwachsenes Publikum richtete. Das Projekt scheiterte, weil Brugera seine Beziehungen spielen ließ und Vertriebswege blockierte. Die Zeichner kehrten wieder an ihre ungeliebten Arbeitsplätze zurück oder veröffentlichten nur noch im Ausland. Eine kleine Rolle innerhalb der Geschichte spielt der junge Newcomer Francisco Ibáñez, dessen Serie “Mortadelo y Filemón“ in Deutschland als “Clever und Smart“ ein großer Erfolg wurde.

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Paco Rocas Bilder der Straßen und Bars von Barcelona sowie der Verlagsräumlichkeiten sind ebenso akkurat wie atmosphärisch ausgeführt. Die Figuren, die diese Szenerien bevölkern, wirken hingegen etwas steif und emotionslos. Doch diese Schwäche gleicht Roca durch einen originellen Einfall aus: Um zu verdeutlichen wie zwischen den ineinander verschachtelten Zeitebenen seiner Geschichte die Jahreszeiten wechseln, verwendet er verschiedenfarbiges Papier. Der hoffnungsvolle Frühling des Aufbruchs schimmert rötlich, der Winter in dem die Zeichner zurück in die Verlags-Knechtschaft kehren, ist mit einem kalten Blau unterlegt, während die Erlebnisse im Sommer und Herbst auf gelben bzw. brauen Papier gedruckt wurden.

PACO ROCA
PACO ROCA AUF DEM COMICFESTIVAL MÜNCHEN 2015 © Marion Strencioch

Der Winter des Zeichners“ richtet sich nicht nur an eingefleischte Comicfans. Die mit vielen Zwischentönen versehene Geschichte zeichnet gut nachvollziehbar das Bild eines Nachkriegs-Spaniens in dem relativer Wohlstand und das beständige Aufsuchen von Bars nicht wirklich helfen, damit klarzukommen in einer Diktatur zu leben. Zugleich erzählt Paco Roca wie wichtig es ist eine Sache gewagt zu haben, selbst wenn sie am Ende scheitern wird.

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Marjane Satrapi: Persepolis – Eine Kindheit im Iran

Nachdem in Persien der Schah abdankte „wird diese traditionsreiche Zivilisation fast ausschließlich mit Fundamentalismus, Fanatismus und Terrorismus in Verbindung gebracht“, schreibt Marjane Satrapi im Vorwort dieses Comics. Um dem entgegenzusteuern hat die 1969 im Iran geborene Zeichnerin ihre Kindheits- und Jugenderlebnisse in Form von Comics zu Papier gebracht. Ihre schwarzweißen Zeichnungen sind dabei zwar schlicht aber die Geschichte ist dennoch ergreifend.

Persepolis - Eine Kindheit im Iran

Marjane Satrapi zeigt am Anfang von „Persepolis“ in sehr einfachen aber klaren Illustrationen wie ein kleiner analphabetischer Offizier namens Reza von den Engländern zum König von Persien gemacht wurde. Reza hatte die volle Unterstützung der Großmacht, er musste nur das persische Erdöl an Großbritannien abtreten. Rezas Sohn schließlich wurde zum ungeliebten Schah und nach einer Revolution entmachtet.  Satrapi schildert wie ihre Verwandten vor, während und nach der Revolution unter den wechselnden Regimen zu leiden hatten. Sie erzählt aber auch von ihren eigenen Erlebnissen im Iran, ihren teilweise lebensgefährlichen Bemühungen um etwas Individualität, die schließlich darin gipfeln, dass sie das Land als Jugendliche verlässt und für einige Jahre in Österreich lebt. In dieser ebenfalls nicht gerade einfache Zeit als Fremde im westlichen Ausland, drohte Satrapi nach einigen persönlichen Enttäuschungen das Schicksal einer Obdachlosen. Eine Rückkehr in den Iran und die Heirat mit einem Landsmann stellt auch keine Lösung da und die Erzählung endet damit, dass Marjanes ihr Heimatlandes endgültig verlässt.

Persepolis - Eine Kindheit im Iran

Heute lebt Marjane Satrapi in Frankreich. Mit „Persepolis“ gelang ihr sowohl ein Buch über die persische Geschichte als auch die nachfühlbare Schilderung einer Kindheit und Jugend in einer instabilen und bedrohlichen Umwelt. Satrapis Familie und Freundeskreis wirken dabei weniger wie Gestalten aus 1000 und einer Nacht sondern sehr vertraut. „Persepolis“ ist ein wichtiges Buch, das dazu betragen kann, Vorurteile abzubauen und in Frankreich verfilmt und 100.000-fach verkauft wurde. Nachdem die deutschsprachige Ausgabe zunächst bei der “Edition Moderne“ in zwei Bänden erschien,  folgte dort anschließend eine Gesamtausgabe.

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