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Unter den Brücken

Nachdem er bereits in Große Freiheit Nr. 7 die nationalsozialistische und kriegsbedingte Realität völlig ignorierte, gelang Helmut Käutner dies auch mit Unter den Brücken.

Unter den Brücken

Angesiedelt auf den (vor Bombenangriffen halbwegs sicheren) Binnengewässern rund um Berlin, erzählte er die simple aber nie banale Geschichte von zwei Binnenschippern. Hendrik und Willy sind gleichberechtigte Besitzer des Schleppkahns Liese-Lotte. Nachdem sie sich in dieselbe Frau verliebt haben, fürchten sie um das Fortbestehen ihrer Freund- und Partnerschaft.

Unter den Brücken

Wer mag, kann das Entsetzten des von Carl Raddatz gespielten Binnenschiffers, als dieser gefragt wird, ob er bei der Marine sei, als Kritik am Zeitgeschehen deuten. Doch insgesamt ist Unter den Brücken ganz großes Kleine-Leute-Kino, wie es in Deutschland so selbstverständlich und unverkitscht erzählt leider viel zu selten zu sehen ist.

Unter den Brücken

Diese DVD präsentiert den Film in sehr gut restaurierter Bildqualität. Der Ton hingegen ist manchmal schwer verständlich und lädt gelegentlich gar dazu ein zu den (leider nur) englischen Untertiteln zu greifen. Das Bonusmaterial geht relativ wenig auf den Film ein, sondern besteht hauptsächlich aus einer durchaus interessanten einstündige Doku über das Frühwerk von Hildegard Knef. Diese hat am Anfang des Filmes einen Kurzauftritt, der zugleich ihr Spielfilmdebüt darstellte.

Unter den Brücken

Extras der DVD: Dokumentation „Knef – Die frühen Jahre“ (59:16 min); Bio- und Filmografien zu Carl Raddatz, Gustav Knuth, Hannelore Schroth, Hildegard Knef und Helmut Käutner; Texttafeln mit Produktionsdaten; Bildergalerie (4:55 min)

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Polizeirevier Davidswache

Hauptwachmeister Glantz (Wolfgang Kieling) ist ein erfahrener Polizist und arbeitet im wohl schillerndsten Revier von ganz Hamburg. Die Davidwache (die in Wirklichkeit nicht wie im Filmtitel “Davidswache“ heißt) liegt mitten im Kiez von St. Pauli und kommt daher niemals zur Ruhe. Daher ist es für Glantz von nicht allzu großer Bedeutung, dass ein gewisser Bruno Kapp (Günther Ungeheuer) aus dem Knast entlassen wurde. Doch Margot (Hannelore Schroth) befürchtet, dass sich ihr Freund Bruno an Glantz, der ihn einst hinter Schloss und Riegel brachte, ganz böse rächen wird.

Polizeirevier Davidswache

Ein Sprecher aus dem Off informiert den Zuschauer gleich am Anfang des Filmes darüber, dass Hauptwachmeister Glantz in 48 Stunden sterben wird. Durch diesen Kunstgriff haben Drehbuchautor Wolfgang Menge (Ein Herz und eine Seele) und Regisseur Jürgen Roland (Die Engel von St. Pauli, Zinksärge für die Goldjungen) sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zuschauers. Sie enttäuschen diesen auch nicht, sondern lassen den Film ganz anders enden als vermutet.

Polizeirevier Davidswache

Menge und Roland lieferten mit Der rote Kreis und Der grüne Bogenschütze zwar auch Beiträge zur Edgar Wallace-Reihe. Doch bei realitätsnäheren Kriminalfilmen fühlten sie sich deutlich wohler und schufen fürs TV die Serien Der Polizeibericht meldet… und Stahlnetz (Roland entwickelte auch die immer noch erfolgreich laufende Reihe Großstadtrevier.) So realitätsnah wie in Polizeirevier Davidswache waren St. Pauli und seine Menschen weder davor noch danach im Kino zu sehen. Prall gefüllt mit großen und kleinen Schicksalen, die dargeboten werden von prominenten Akteuren und markanten Laiendarstellern aus dem Milieu ist Polizeirevier Davidswache leider ein Ausnahmewerk inmitten der ansonsten eher in Edgar Wallaces England angesiedelten deutschen Nachkriegskrimis.

Polizeirevier Davidswache

Endgültig zum Klassiker geworden sein dürfte der Film als daraus 2012 ein Theaterstück geworden ist, dass erfolgreich im auf Kriminal-Stücke spezialisierten Imperial Theater “ganz weit vorn aufm Kiez“ gezeigt wurde. Hier direkt auf der Reeperbahn trug das Stück den korrekten Titel Polizeirevier Davidwache sowie den Untertitel “Kiez, Koteletten und Kanonen“.

Polizeirevier Davidswache

Auf DVD erschien der Kinofilm zunächst in der Reihe “Filmpalast – Kinohits von gestern“ des bei nicht mehr existierenden Labels e-m-s. Die mittlerweile hoch gehandelte Scheibe enthält als Extras zwar lediglich einige ganz lustige Liedchen, die aus Filmen wie Apartmentzauber oder Heintje – Einmal wird die Sonne wieder scheinen stammen, die ebenfalls in Reihe “Filmpalast“ erschienen sind, aber sonst keinerlei Bezug zum Hauptfilm haben.

Polizeirevier Davidswache
Atlas Filmheft 41

Doch zum Ausgleich gibt es neben einem 10-seitigen Booklet noch einen farbigen Reprint vom “Atlas Filmheft 41“ (Preis 50 Pfennig), das neben einem interessanten Text von Jürgen Roland zum Film und Artikeln über St. Pauli auch noch ein “Kleines Lexikon der Ganovensprache“ enthält. Wo sonst ist zu erfahren, dass es beim Juwelier auf der Reeperbahn heißt: “Was schockt der Geidling?“ und nicht etwa “Was kostet der Ring?“ Einen hab´ich noch: “Wie spät ist es?“ heißt (oder hieß) in St. Pauli “Was schmust der Osnik?“

Polizeirevier Davidswache

Bei “Polarfilm“ liegt mittlerweile in der Reihe „Filmschätze der Kinoleinwand“ eine günstige DVD-Edition des Films vor.

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