Schlagwort-Archive: Harald Schmidt

Das persönliche Tagebuch von Wladimir Putin

Vladimir Putin spaltet die Nation. Während er für manche fast schon der Antichrist ist, zählen sich andere zu den “Putin-Verstehern“, die der verfehlten Politik des Westens mindestens eine Teilschuld an den Eskapaden des “lupenreinen Demokraten“ geben. Einen intimen Einblick könnte das jetzt veröffentlichte “Persönliche Tagebuch von Wladimir Putin“ geben. Doch bei einer Rezension ist Vorsicht geboten, denn zum einen schreibt der Verfasser: “Ich glaube so ganz ohne Atomraketen hat man‘s als Autor ziemlich schwer“ und zum anderen stammt das Buch nicht von Putin, sondern vom (laut Verlagswerbung) “wahren Multitalent“ Stefan Lehnberg.

Das persönliche Tagebuch von Wladimir Putin

Dieser schrieb bereits Gags für Harald Schmidt oder Anke Engelke und auch als Ghostwriter für Putin hat Lehnberg beträchtliches Talent. Mein Favorit ist Lehnbergs „Putin-Tagebuch-Eintrag“ vom 23. Januar: Im Autoradio die 1812-Ouvertüre von Tschaikowsky gehört. Fantastisch! Obwohl man natürlich nicht vergessen darf, dass Tschaikowsky schwul war. Trotzdem gut! Als intelligenter Mensch muss man das Werk vom Künstler trennen können. Wie hat mein alter Musiklehrer in der Schule immer gesagt: „Die Musik von Richard Wagner ist entsetzlich, aber immerhin war er Antisemit“.

Das persönliche Tagebuch von Wladimir Putin

Dieses Niveau erreicht Lehnberg zwar längst nicht bei jedem der fiktiven Tagebuch-Texte. Doch Anlass zum Schmunzeln gibt es immer wieder, etwa wenn geschildert wird wie Putin in London auf David Cameron trifft und diesem vorschlägt – um bei den vier Wörten “United State of America“ mithalten zu können – sein Land künftig “Kingdom of Great Britain“ zu nennen: Cameron ist zunächst begeistert, bemerkt dann aber, dass die Abkürzung KGB wäre und lehnt ab. Schade ich hätte es lustig gefunden.

Das persönliche Tagebuch von Wladimir Putin
Die Illustrationen stammen nicht von Putin, sondern von Jana Legal

Insgesamt habe ich das Buch auch lustig gefunden. Natürlich spielt auch die deutsche Politik eine gewisse Rolle. Als abschließender Appetizer hier noch der Tagebuch-Eintrag vom 15. Januar: Die Kanzlertrulla aus Berlin kommt auf Staatsbesuch. Der deutsche Brauch, immer erst mal über Menschenrechte zu reden, ist etwas lästig, aber ich bin da tolerant. Unser Brauch, jedem Gast erst einmal ein Glas Wodka aufzudrängen, kommt ja auch nicht bei allen Ausländern gut an. Nach zwei Minuten ist sie fertig und wir reden über Gaslieferungen. Geht doch. – Zwischendurch kommen wir auf Medwedew zu sprechen. Sie meint, er würde sie an diesen Pofalla erinnern. Was ist ein Pofalla? Frage später noch beim KGB nach, aber die wissen es auch nicht.

„Das persönliche Tagebuch von Wladimir Putin“ bei AMAZON bestellen, hier anklicken

„Das persönliche Tagebuch von Wladimir Putin“ bei ebay kaufen, hier anklicken 

Herbert Feuerstein: Die neun Leben des Herrn F.

Im TV konnte ich Herbert Feuerstein meist nur schwerlich ertragen. Zu zappelig und albern erschien er mir und auch Harald Schmidt fand ich erst erträglich, nachdem dieser ohne Feuerstein auftrat. Doch schon lange war mir bewusst, dass ich Feuerstein einige der schönsten Momente meiner Jugend verdankte. Er hatte das legendäre Satiremagazin MAD kongenial eingedeutscht. Wenn ich Anfang der Siebziger Jahre als erster frühmorgens noch vor der Schule die neue MAD-Ausgabe kaufen konnte, war ich der King im Klassenraum und wir lachten über die von Feuerstein übersetzten oder auch komplett konzipierten Beiträge mindestens so laut wie über die Gags auf einer neuen LP von Otto Waalkes.

Herbert Feuerstein: Die neun Leben des Herrn F.

In “Die neun Leben des Herrn F.“ erzählt Herbert Feuerstein genauso ausführlich über seine Zeit beim deutschen MAD, wie über seine Zusammenarbeit mit dem ihm menschlich fast völlig fremd gebliebenen Harald Schmidt. Nachdem Feuerstein beim pleite gegangenen Verlag Bärmeier & Nikel – hier hatte er u. a. Gedichte von Yoko Ono übersetzt und eine Tarzan-Ausgabe betreut – keine Zukunft mehr hatte, erhielt er 1971 einen Anruf, der sein Leben “komplett verändern“ sollte. Der Aachener Bildschriftenverlag suchte einen Übersetzter für das Feuerstein bestens bekannte Satire-Magazin MAD. Feuerstein war sofort begeistert und übernahm, zunächst noch gemeinsam mit Lutz Reinecke, der später den Verlag “Zweitausendeins“ gründen sollte, ab Ausgabe 32 die Übersetzung und komplette Konzeption der deutschen Ausgabe von MAD.

Feuerstein Mad
© schuerbeln.de

Auch als mit Klaus Recht ein neuer Geschäftsführer das MAD-Ruder übernahm, konnte sich Feuerstein behaupten und handelte für sich sogar eine Gewinnbeteiligung heraus. Diese kam sehr gut zum Tragen, als in den 8oer Jahren die Auflage auf 300.000 Exemplare gesteigert werden konnte. Herbert Feuerstein schildert diese wilden Zeiten, zu denen auch ein Besuch in der New Yorker MAD-Redaktion bei Chefredakteur Al Feldstein und Herausgeber Bill Gaines sowie ein Gegenbesuch der US-MAD-Bande in Deutschland gehört, sehr amüsant. Auch seine übrigen Erlebnisse als Musik-Student in Salzburg, als Reporter im New York der 60er Jahre und als sehr erfolgreicher aber immer von Selbstzweifeln geplagter “Laie“ in der deutschen TV-Landschaft setzen sich zu einer höchst interessanten, oft sehr komischen und niemals eitlen Lebensbeichte zusammen.

“Herbert Feuerstein: Die neun Leben des Herrn F.” als Hardcover bei AMAZON bestellen, hier anklicken

“Herbert Feuerstein: Die neun Leben des Herrn F.” als Taschenbuch bei AMAZON bestellen, hier anklicken

“Herbert Feuerstein“ bei ebay kaufen, hier anklicken