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Uli Oesterle: Kopfsachen

In seinem neuen Comic Vatermilch wird Uli Oesterle vom Absturz eines gut situierten Familienvaters in Alkoholsucht und Obdachlosigkeit erzählen. Für diese fiktive, aber zum Teil auch biografische Geschichte über den eigenen Vater erhielt Uli Oesterle 2016 den recht hoch dotierten Comic-Buchpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung, der für Graphic Novels in der Entstehung vergeben wird. Vatermilch wird in zwei Bänden voraussichtlich 2019 und 2020 bei Carlsen erscheinen.

Uli Oesterle: Kopfsachen

Um den Lesern die Wartezeit zu verkürzen, wurden Uli Oesterles in unterschiedlichen Publikationen erschienenen Kurzgeschichten neu aufgelegt. In der Anthologie Kopfsachen sind Short Stories aus den Jahren 1999 bis 2016 enthalten. Sein Comicalbum Schläfenlappenphantasien erschien 1999 im Zwerchfell Verlag und  enthielt fünf recht unterschiedliche Kurzgeschichten. Das absolute Highlight ist zweifelsohne Vier Minuten sechsundvierzig. Der (Anti-)Held dieser Story hat seine Freundin an einen Vertreter für Hundebürsten verloren. Aus Frust geht er in seine Stammkneipe und wählt aus der Musikbox ein Stück von Tom Waits. Als er sich gerade so richtig seinem Kummer hingeben will, erscheint ihm der leibhaftige Tom Waits und baut ihn wieder so stark auf, dass sein nächster Musikwunsch ein Lied von Madonna ist.

Uli Oesterle: Kopfsachen

So kurz geschildert mag die Story vielleicht etwas banal klingen, aber Oesterle hat sie sehr souverän und auch eigen erzählt. Die dicken schwarzen Balken an den Seitenrändern mit der Waits-Lyrik sorgen dabei für eine sehr atmosphärische Umrahmung der Kneipenszenen. Ebenfalls recht gelungen ist Der Unsichtbare, die tragische Geschichte eines Durchschnittsmenschen, der von seiner Umwelt nicht wahrgenommen wird und nach seinem Tod einfach unter dem Asphalt verschwindet. Auch die restlichen drei Geschichten um Irrenhaus-Insassen, einen beinlosen Dieb und einen seltsamen Karnevalszwerg verfügen immer wieder über originelle Einfälle und sehr starke Bildsequenzen. Für Kopfsachen wurden diese Kurzcomics sehr einfühlsam von Thomas Gilke (Leroy & Dexter) mit der Schmuckfarbe Blau koloriert.

Uli Oesterle: Kopfsachen

Doch das ist noch längst nicht alles, was in Kopfsachen enthalten ist. Den krönenden Abschluss bildet die erstmals 2000 bei der Edition 52 veröffentlichte albumlange Story Frass. Im Mittelpunkt des tragikomischen Geschehens steht ein Gourmet, dem sein Geschmackssinn abhanden kommt, woraufhin er nur noch sich selbst mag. Sehr gelungen ist auch Oesterles Short Story Forever, die 2003 in den USA in The Dark Horse Book of Hauntings ihre Premiere erlebte und mit einer originellen Schlusspointe im makabren Stil der legendären EC-Comics endet. Dies ist auch bei Getrennte Wege der Fall, einem Comic in dem es zu einer Wiederbegegnung mit Oesterles bekanntester Figur Hector Umbra kommt.

Uli Oesterle: Kopfsachen

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Uli Oesterle: Hector Umbra

Mitten in einer wilden Nacht verschwindet Osaka, der beste DJ der Stadt, ganz plötzlich auf höchst merkwürdige Weise, während er in der angesagten Münchner Diskothek Robot Mitchum Platten auflegt. Seinen Freund den Maler Hector Umbra trifft das besonders hart und er beginnt Nachforschungen anzustellen. Dabei erfährt er Dinge über Osaka von denen er zuvor noch nichts wusste. Außerdem erhält Hector einen Anruf von einem verstorbenen Freund und muss feststellen, dass es in der Nähe des Hofbräuhaus eine ihm bisher unbekannte Bar gibt, die nicht ohne Grund Jenseits heißt…

Uli Oesterle: Hector Umbra

Diesen Teil der Geschichte erzählte Uli Oesterle (Kopfsachen) bereits 2003 in seinem bei der Edition 52 erschienenen großformatigen Album Fern von Osaka, von dem auch eine französische Ausgabe erschienen ist. Carlsen veröffentlichte sechs Jahre später eine kleinformatigere 216-seitige Gesamtausgabe. Hierin wurde das alte Album integriert, allerdings in leicht überarbeiteter Form und um einen Prolog ergänzt. Lettering und Text wurde noch einmal überarbeitet und upgedatet, so wurde aus einem “Plasma-TV“ ein “HD-Ready-TV“. Das nur noch halb so große US-Format bekommt den stark auf Schwarzflächen setzenden und im Riesenformat oft etwas leer wirkenden Zeichnungen von Uli Oesterle sehr gut.

Uli Oesterle: Hector Umbra

Uli Oesterle bezeichnet Hector Umbra als eine Mischung aus Szene und Mystery. Er bedient zwar einige altbekannte Klischees, ironisiert sie jedoch immer wieder in Wort und Bild. Doch bei allem Humor möchte Oesterle seine Geschichte auch als Hymne an die Freundschaft verstehen. Er hat dabei eigene Erlebnisse verarbeitet. Besonders der Tod eines Freundes hat ihn sehr stark zu dieser Geschichte angeregt.

Uli Oesterle: Hector Umbra

Während sich Verlauf (und Sinn) der Haupthandlung nicht immer voll erschließen, überzeugt der eigenwillige und unverwechselbare Zeichenstil. Die nicht mit übersinnlichen Phänomenen geizende Geschichte hat ihren ganz eigenen Reiz dadurch, dass sie nicht in einer beliebigen und anonymen Metropole spielt, sondern unverkennbar in München. So findet das große Finale in der Frauenkirche statt. Auch ansonsten hat Oesterle viele Örtlichkeiten der bayerischen Landeshauptstadt als Handlungsorte eingesetzt. Diese wurden allerdings oft umbenannt und karikierend verfremdet. Dies wirkt besonders reizvoll dadurch, dass Oesterles Zeichenstil überhaupt nichts „typisch deutsches“ an sich hat und vertraute Umgebungen dadurch plötzlich zu etwas völlig Neuem werden.

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