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Der Junge muss an die frische Luft

Auf seinen erfolgreich, aber nicht besonders gut, verfilmten Jakobsweg-Bestseller Ich bin dann mal weg ließ Harpe Kerkeling ein weiteres biographisches Buch folgen, das sich ebenfalls sehr gut verkaufte. In Der Junge muss an die frische Luft reiste er noch weiter in der Zeit zurück. Kerkeling schildert seine ersten Gehversuche als Komiker, die er als kleiner Junge auch unternahm, um seine schwer erkrankte Mutter.

Der Junge muss an die frische Luft

Charlotte Link, deren Film Nirgendwo in Afrika den Oscar erhalten hatte, inszenierte Kerkelings Buch, das den Untertitel Meine Kindheit und ich trät. Mit dem 11-jährigen Julius Weckauf fand sie den optimalen Hauptdarsteller, der in den komischen Szenen wirklich komisch ist und – was noch wichtiger ist – glaubhaft auch die Ratlosigkeit eines kleinen Jungen vermittelt, dessen Mutter Margret (Luise Heyer) langsam aber sicher in ihrer Krankheit in den Freitod entschwindet.

Der Junge muss an die frische Luft

Da ist es dann Joachim Król als Opa Willi, der mit der Faust auf den Tisch schlägt und sagt: “Der Junge muss an die frische Luft!“ Denn nur so kann er für eine Weile dem häuslichen Elend entkommen. Charlotte Link gelang vor den akribisch rekonstruierten 70er-Jahre-Hintergrund eine Tragikomödie, der deutlich anzumerken ist, dass sie nicht nur von Kerkeling, sondern auch vom Leben geschrieben wurden.

Der Junge muss an die frische Luft

So gibt es eine Szene, in der Papa Kerkeling nach dem Tode seiner Frau, zu seinen glücklich auf dem Lande lebenden Großeltern fährt. Als er den alten Leuten mitteilt, dass er es alleine nicht mehr schafft, nickt Opa wortlos, und Oma verlässt ihre ländliche Idylle um den kleinen Harpe aufzuziehen.  Der Film zeigt, wie sich Schicksalsschläge sich durch Familie und Freundeskreis als funktionsfähige Hilfsgemeinschaften bewältigen lassen (oder ließen?) .

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Ich bin dann mal weg

Anno 2001 war Harpe Kerkeling auf dem Jakobsweg unterwegs und seine dortigen Erlebnisse verarbeitete er zum Buch Ich bin dann mal weg. Dies wurde zu einem weltweiten Bestseller und sorgte dafür, dass sich die spanische Regierung darum kümmerte die hygienischen Bedingungen in den Pilger-Herbergen zu optimieren. Obwohl Kerkeling kein typischer Pilger war – er legte größere Teile des Weges per Zug oder Bus zurück und übernachtete oft in Hotels – sorgte das Buch dafür, dass viele Menschen sich auf den Weg nach Santiago de Compostella machten.

Ich bin dann mal weg

Wie bei Bestsellern üblich, wurde schon recht bald eine Verfilmung geplant. Diese verzögerte sich, da Kerkeling sich nicht davon überzeugen ließ die Hauptrolle selbst zu übernehmen. Ein weiterer Grund warum es 14 Jahre dauern sollte, bis der Film in die Kinos kam, war sicher auch, das sich das Buch nicht wirklich zum Verfilmen eignet. Dies belegt auch der am Heiligabend 2015 gestartete Kinofilm in dem der Kerkeling oftmals sehr ähnlich sehende Devid Striesow die Hauptrolle übernahm.

Ich bin dann mal weg

Von der Optik her kann Ich bin dann mal weg voll überzeugen, weder in Saint Jacques… Pilgern auf Französisch noch in Dein Weg mit Martin Sheen sahen die Örtlichkeiten des Jakobsweg so wunderschön aus. Es wurde versucht die Buchvorlage halbwegs werkgetreu umzusetzen. Der Film wechselt daher genauso unvorhersehbar zwischen Kerkelings Erlebnissen auf dem Jakobsweg mit Erinnerungen an seine Jugend und die ersten Erfolge als Komiker. Dies stört bei der Buchlektüre nicht weiter, funktioniert als Kinofilm jedoch nicht wirklich. Entstanden ist ein chaotisches Flickwerk, das zwar dank der guten Darsteller – Striesow wird assistiert von Martina Gedeck und Karoline Schuch – einige nette Momente enthält, doch ein guter Film sieht allerdings anders aus.

Der Junge muss an die frische Luft

Sehr viel besser gelungen war Charlotte Links 2018 entstandene Verfilmung von Harpe Kerkelings Bestseller Der Junge muss an die frische Luft.

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Harpe Kerkeling: Ich bin dann mal weg

Bei der Lektüre dieses Bestsellers entsteht der Eindruck, dass sich der Titel Ich bin dann mal weg darauf bezieht, dass der Autor seine Pilgerroute immer mal wieder per Bus, Bahn, Anhalter oder mit dem Viehtransporter verlassen hat. Fairerweise muss jedoch angemerkt werden, dass Hape Kerkeling keineswegs verschweigt, dass er Anno 2001 “nur“ 600 der knapp 800 Kilometer langen Strecke des spanischen Jakobsweges von Saint-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago de Compostela tatsächlich zu Fuß zurücklegte.

Harpe Kerkeling: Ich bin dann mal weg

Insgesamt ist es allerdings recht seltsam, dass ein Buch, das keinen besonders authentischen Blick auf den Jakobsweg wirft, eine Unmenge von Menschen dazu animierte ebenfalls mal weg zu sein. Nach ein oder zwei schlechten Erfahrungen mied Kerkeling die Massenunterkünfte entlang des Weges und quartierte sich individuell und möglichst komfortabel in Hotels ein. Das ist sein gutes Recht, allerdings kein Grund auf andere (zumeist etwas weniger wohlhabende) Pilger herabzuschauen.

Harpe Kerkeling: Ich bin dann mal weg
© abendblatt.de

Zehn Jahre später bin ich die 500 Kilometer von Burgos nach Santiago de Compostela gepilgert und manches mag sich auf dem Jakobsweg gebessert haben, was sicher auch daran lag, dass Kerkeling den Zustand der Herbergen sehr drastisch beschrieb. Ich machte nur gute Erfahrungen in den Herbergen, die mal schlicht und durchaus auch mal komfortabel ausgestaltet waren (allerdings auf den letzten 100 Kilometern sehr stark überlaufen sind). Gerade das abendliche Beisammensein und der Austausch mit anderen “Leidensgenossen“ (im Gegensatz zu Kerkeling klagte jeder, den ich traf, über Blasen an den Füßen) hat für mich den ganz besonderen Reiz der Pilgerschaft ausgemacht.

Harpe Kerkeling: Ich bin dann mal weg
In Ich bin dann mal weg geht Kerkeling weniger auf die Besonderheiten des Weges ein, sondern beschreibt seine teilweise etwas seltsamen mystischen Erlebnisse, wobei ihm durchaus manche kleine humoristische oder auch nachdenklich machende Szene gelingt. DAS Standartwerk zum Jakobsweg ist das Buch jedoch keineswegs und Kerkeling schrieb es auch eher für sich selbst als für das dann erreichte Millionenpublikum. Ich fand das mittlerweile auch verfilmte Buch in einer Herberge in Sahagún, wo es ein Pilger hatte liegen lassen. Möglicherweise mochte er es nicht mehr weiterlesen, als er auf jene Stelle stieß in der Kerkeling mal wieder sehr schnell weg war. Angesichts der “bereits aufsteigenden Hitze“ in Sahagún dachte er “praktisch“ und fuhr mit der Eisenbahn ins 50 km entfernte Leon.

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