Schlagwort-Archive: Israel

7 Tage in Entebbe

Am 4. Juli 1976 beendete eine israelische Eliteeinheit eine Geiselnahme auf dem Flughafen von Entebbe, der ehemaligen Hauptstadt von Uganda. Eine Woche zuvor hatten zwei deutsche und zwei palästinensische Terroristen eine Air-France-Maschine, die von Paris nach Tel Aviv unterwegs war, in ihre Gewalt gebracht. Die nichtjüdischen Passagiere wurden von den Entführern bereits zuvor freigelassen.

7 Tage in Entebbe

Direkt nach der Entführung kamen gleich drei Spielfilme in die Kinos, die hauptsächlich von der Vorbereitung und Durchführung des israelischen Kommando-Unternehmens konzentrierten. Der 2018 entstandene Film bemüht sich um eine etwas differenziertere Darstellung der damaligen Vorgänge.

7 Tage in Entebbe

Neben dem Konflikt zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin, und seinem Verteidigungsminister Schimon Peres, darüber, ob mit den Geiselnehmern über die Freilassung von inhaftierten Palästinensern verhandelt werden solle, stehen vor allem die beiden deutschen Entführer im Zentrum der Geschichte. Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann werden von Daniel Brühl und Rosamund Pike verkörpert, wobei die Britin in der Originalfassung fast akzentfrei deutsch spricht.

7 Tage in Entebbe
Ihr Entsetzen darüber, dass ihre palästinensischen Mitentführer die jüdischen Geiseln separieren, ist einer der zentralen Momente des Films. Doch trotz einige in die Handlung eingestreuten Rückblenden ist nur wenig über die Motivation von Böse und Kuhlmann zu erfahren.

7 Tage in Entebbe

Etwas lächerlich wird das Ganze beim großen Befreiungs-Finale, dessen Inszenierung immer wieder von Gegenschnitten auf eine Tanzaufführung unterbrochen wird. Die sehr schwache Begründung für dies seltsame Mätzchen ist ein israelischer Soldat, dessen Freundin Tänzerin ist, und der daher auch noch diesen cleveren Satz sagt: “Ich kämpfe, damit Du tanzen kannst.“ Naja.

7 Tage in Entebbe

Die DVD von Participant Media enthält neben dem 102-minütigen Film noch Deleted Scenes von der Tanzaufführung (5:13 min), sowie ein kurzes Making Of (7:05 min, wahlweise mit deutschen Untertiteln)

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Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Die jüdische Schauspielerin Channa Maron war in Deutschland nur in zwei kurzen Zeiträumen bekannt. 1931 wurde sie von Erich Kästner höchstpersönlich dazu auserkoren, am Deutschen Theater in Berlin das erste “Pünktchen“ in einer Inszenierung seines Kinderbuchs “Pünktchen und Anton“ zu spielen. Noch im selben Jahr war die Jungdarstellerin in der Anfangsszene von Fritz Langs Film-Klassiker “M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ als jenes Mädchen zu sehen, das den Abzählreim “Warte, warte nur ein Weilchen…“ aufsagte.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Channa Maron verließ Deutschland zusammen mit ihrer Mutter, nachdem die Nazis an die Macht kamen. In Israel wurde sie zur bekanntesten Bühnenkünstlerin des Landes und 1970 nach London zu einem Casting für das Musical “Anatevka“ eingeladen. Auf dem Weg dorthin hatte sie eine Zwischenlandung in München und fiel dort einem von palästinensischen Terroristen verübten Sprengstoffattentat zum Opfer. Sie verlor ihr linkes Bein, kehrte aber an die Bühne zurück. Bis zu ihrem Tode im Jahre 2014 engagierte sie sich für ein friedliches Miteinander von Israelis und Palästinensern.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Das bewegte Leben von Channa Maron steht im Zentrum eines biographischen Comics, der bei Reprodukt erschienen und zugleich auch der Katalog einer vom Goethe Institut Israel initiierten Ausstellung ist. Hieran sind gleich zwei Künstler beteiligt. Der israelische Illustrator David Polonsky, der am Animationsfilm “Waltz with Bashir“ mitarbeitete, hat zehn Bilder von Channa Maron angefertigt, die diese in ihren größten Rollen zeigen. Kurze Texte erklären sowohl die zugehörigen Inszenierungen, als auch die zeitgleich stattfindenden privaten und politischen Ereignisse.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treu

Noch interessanter ist der Ansatz der deutschen Comic-Zeichnerin  Barbara Yelin (“Gift“, “Irmina“), die in Form von jeweils zweiseitigen Comicgeschichten zehn wichtige Abschnitte aus Channa Marons Leben in Szene setzte. Grundlage dieser Erzählungen sind Gespräche, die Barbara Yelin mit Verwandten und Bekannten der Schauspielerin führte.

Barbara Yelin: Vor allem eins: Dir selbst sei treuDas schön aufgemachte querformatige Buch bietet einen ebenso spannenden wie menschlich anrührenden Einblick in ein sehr bewegtes Künstlerleben, das Channa Maron konsequent  unter dem Motto “Manchmal ist es wichtiger ein Mensch zu sein, als ein Schauspieler“ führte.

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Harvey Pekar: Ein anderes Israel

Das Lebensmotto von Harvey Pekar (“American Splendor“) könnte fast in einem Zitat aus diesem Comic zusammengefasst werden: “Was weiß ich schon? Ich mache Comics und schreibe über Jazz.“ Doch zugleich ergänzt er diesen Satz noch: “Aber ich kenne den Unterschied zwischen Recht und Unrecht.“

Harvey Pekar: Ein anderes Israel

Es erscheint zunächst etwas anmaßend wenn Pekar sich im letzten von ihm geschriebenen Comic auf 170 Seiten mit Israel beschäftigt, ohne jemals selbst dort gewesen zu sein. Doch seine auf angelesenes Wissen und lebenslanger Beobachtungen seines jüdischen Familienumfelds basierenden Überlegungen führen zum selben Resultat, wie Joe Saccos vor Ort gewonnenen Erkenntnisse, die er zu seinem Reportage-Comic “Palästina“ verarbeitete.

Harvey Pekar: Ein anderes Israel

Sacco beobachtete, wie drei israelischen Soldaten einen palästinensischen Jungen verhören und diesen dabei einem starken Regenguss aussetzen, während sie selbst trocken unter einem Vordach stehen. Sacco schlussfolgert, dass der Junge bestimmt nicht denken wird: “Eines Tages werden wir eine bessere Welt haben und diese Soldaten und ich, wir werden uns als Nachbarn grüßen.“

Harvey Pekar: Ein anderes Israel

Harvey Pekar schreibt am Ende von “Ein anderes Israel“: “Wir sind nicht automatisch frei von Schuld, weil wir Juden sind. Auch wenn Juden lange unterdrückt wurden, Israels Ruf nach Fairness klingt falsch, wenn die Palästinenser so behandelt werden.“ Woher Pekar seine Informationen bezieht, die bei ihm zu dieser Schlussfolgerung führten, davon handelt sein Comic. Die Geschichte spielt scheinbar nur an einem einzigen Tag, umfasst aber dennoch einen deutlich längeren Zeitraum, denn Pekars historischer Exkurs beginnt bei Adam und Eva.

Harvey Pekar: Ein anderes Israel

Pekar erzählt in “Ein anderes Israel“ wie ihn der ebenfalls jüdisch stämmige Zeichner JT Waldman Pekar in seiner Heimatstadt Cleveland besucht und beide ein riesiges Antiquariat und eine Bibliothek besuchen. Zwischendrin gehen die beiden essen, wobei Waldman gerade noch verhindern kann, dass es zu Burger King geht. Die ganze Zeit über erzählt Pekar von der Geschichte Israel und Waldman setzt diese manchmal etwas trockenen Fakten sehr lebendig – aber oft auch arg schlampig – in Szene.

Harvey Pekar: Ein anderes Israel

Das Resultat ist eine faszinierende Geschichtsstunde und zugleich eine letzte Begegnung mit dem eigenwilligen Comic-Autor Harvey Pekar, der 2010 verstarb und auch in diesem Comic sehr viel Persönliches preisgibt. Abgerundet wird “Ein anderes Israel“ durch einen Prolog von Pekars Witwe Joyce Brabner, die von Pekars komplizierten Verhältnis zu seinen Eltern erzählt.

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Joe Sacco: Palästina

Im Winter 1991/92 verbrachte der in Malta geborene US-Amerikaner zwei Monate in den besetzten Gebieten Palästinas. Seine Eindrücke hat er in einem kräftigen an Underground-Meister Robert Crumb erinnernden Zeichenstil zu Papier gebracht. Erzähltechnisch betrat Sacco mit „Palästina“ und dem Vorgänger „Bosnien“ jedoch absolutes Comic-Neuland und er selbst bezeichnet sich als Cartoon-Journalist. Die zahlreichen Gespräche, die Sacco mit sehr vielen Palästinensern und einigen Israelis führte, setzte er ohne den erhobenen Zeigefinger und so direkt in Szene, dass der Leser den Eindruck hat dabei zu sein.

Joe Sacco: Palästina

Im hochinteressanten Vorwort des Buches schreibt der aus einem „arabisch-protestantischen“ Umfeld stammende Schriftsteller und Literaturdozent Edward W. Said, dass die „Flut von Saccos Comicbildern und -texten in ihrer kompromisslosen Schärfe und – wo es die extreme Situation, die darin zum Ausdruck kommen soll, erfordert – ihrer manchmal grotesken Überzeichnung“ einen Gegenpol bildet zu „salbungsvollen Berichten über israelische Siege und demokratische Errungenschaften.“

Joe Sacco: Palästina

Saccos zunächst in Form von neun Comicheften erschienenen Berichte streifen scheinbar ziellos umher, vermitteln aber gerade dadurch den Eindruck, dass der Autor hier nicht belehren sondern seine selbst vor Ort gewonnenen Erkenntnisse über die Leiden der Palästinenser unter der brutalen Willkür der israelischen Siedler und Soldaten möglichst ungefiltert mitteilen möchte.

Joe Sacco: Palästina

Im Schlusskapitel erzählt Sacco von drei israelischen Soldaten, die einen palästinensischen Jungen verhören und dabei dem starken Regenguss aussetzen, während sie selbst trocken unter einem Vordach stehen. Mit dieser selbst vor Ort erlebten leider alltäglichen Geschichte gelingt Sacco ein eindringliches Gleichnis zur verfahrenen Situation in Palästina. Sacco schlussfolgert, dass der Junge bestimmt nicht denken wird: „Eines Tages werden wir eine bessere Welt haben, und diese Soldaten und ich, wir werden uns als Nachbarn grüßen.“

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Der Tel Aviv Krimi

Eigentlich scheint es in der ARD keinen Mangel an Krimi-Formaten zu geben. Doch neben dem allwöchentlichen “Tatort“ am Sonntag wird dort fleißig an einer Krimi-Reihe mit „Traumschiff“-Appeal für den Donnerstag gebastelt. In „Der Athen Krimi“, „Der Urbino-Krimi“, „Der Kroatien-Krimi“ „Der Bozen-Krimi“ oder gar „Der Island-Krimi“ (mit Franka Potente) wird das Ermittlung bei Mordfällen mit Sightseeing kombiniert.

Der Tel Aviv Krimi

Für sich betrachtet ist der zweiteilige Auftakt von „Der Tel Aviv Krimi“ eine recht spannende Angelegenheit. Bevor es die Kommissarin Sara Stein in die israelische Hafenstadt verschlägt, hat sie noch ihre Koffer in Berlin. Der neunzigminütige Serienauftakt “Tod in Berlin“ zeigt wie gut die taffe Polizistin in der deutschen Multikuli-Metropole zurechtkommt. Ihre jüdischen Wurzel spielen bei dem Mord an einer israelischen DJane mit palästinensischem Freund natürlich eine gewisse Rolle. Doch die Auflösung des Falls (Vorsicht Spoiler!), zeigt, dass nicht alles gleich einen politischen Background hat.

Der Tel Aviv Krimi
Während der Ermittlung hat Sara Stein einen israelischen Musiker kennen und lieben gelernt, Daher ist sie nicht unglücklich als sie in dessen Heimatstadt Tel Aviv versetzt wird. Ihre neuen Kollegen freuen sich jedoch weniger über die neue Kollegin, die bei ihrer ersten Ermittlung nur scheinbar die falschen Fragen stellt. Das ganz große Plus dieses zweiteiligen Serien-Auftakts ist neben der oft etwas düsteren Optik die Hauptdarstellerin Katharina Lorenz. Die Burg-Schauspielerin hat keins dieser omnipräsenten TV-Gesichter (was sich natürlich ändern kann), sondern spielt unaufgeregt eine Frau, die ihren Mann steht, aber trotzdem verletzlich ist. Wenn die Serie das Niveau hält, bleibe ich dran.

Der Tel Aviv Krimi
Die ersten Folgen des “Tel Aviv Krimi“ erscheinen gleich nach der Ausstrahlung als Doppel-DVD.

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Asaf Hanuka: Der Realist

“Die Idee an sich ist egal, Hauptsache es hat ein witziges Ende. Etwas, das jeder Versteht, nicht nur Du!“ Dies antwortet seine Ehefrau dem Zeichner Asaf Hanuka („The Divine„) , nachdem dieser sie beim Entwerfen eines Comics um Rat fragte. Hanuka baut das Zitat gleich in einen Comic seiner Reihe “Der Realist“ ein, dessen Pointe (wenn ich den Comic richtig kapiert habe) darin besteht, dass auch dieser Onepager kein witziges Ende hat und wohl nur von Hanuka selbst restlos verstanden wird.

Asaf Hanuka: Der Realist

So richtig erschlossen haben sich mir längst nicht alle der knapp 180 in diesem Buch enthaltenen Comic-Geschichten, gefesselt hat mich “Der Realist“ dennoch. Asaf Hanuka erzählt zumeist aus seinem Leben als Familienvater und Illustrator in Tel Aviv. Die Onepager fügen sich zu einem interessanten Mini-Universum zusammen.

Asaf Hanuka: Der RealistAsaf hat einen kleinen Sohn, später kommt noch eine Tochter dazu. Die Beziehung zu seiner Frau und deren Eltern läuft alles andere als rund. Auch mit den politischen Verhältnissen in Israel ist Asaf alles andere als zufrieden. Nicht nur dadurch, dass er arabische Wurzeln und eine dunklere Hautfarbe als die meisten seiner Mitmenschen hat, eckt Asaf immer wieder an. Doch nicht nur die Schwierigkeiten des Familienlebens und Kommentare zum politischen Tagesgeschehen stehen im Zentrum der Kurzgeschichten. Manchmal enthalten die Stories kleine philosophische Erkenntnisse oder sind Liebeserklärungen an US-Superhelden wie Batman oder Hulk, aber auch an deren israelischen Kollegen Uri-On.

Asaf Hanuka: Der RealistDort wenn Asaf Hanukas Ideen etwas im Trüben bleiben, kommt stärker noch dessen großes Talent als Zeichner zum Tragen. Die zumeist entweder aus neun Panels oder einer großen Einzelzeichnungen bestehenden Onepager überraschen immer wieder durch ein interessantes Spiel mit Farben, Formen oder Formaten. Auch daher kann ich “Der Realist“ als anregende aber auch fordernde Lektüre empfehlen.

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