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Crossed Monster Edition 2

Nachdem Garth Ennis 2010 seine von Jacen Burrows gezeichnete 10-teilige Serie Crossed beendete, hatte er kein Interesse an einer Fortsetzung. Er glaubte, es wäre alles erzählt über eine Welt, in der sich fast alle Menschen in mordlustige und sexsüchtige Wilde mit einem blutigen Kreuz auf dem Gesicht verwandelt hatten. Ennis war sehr zufrieden mit seinem Comic und befürchte, dass eine mittelprächtige Fortsetzung ein schlechtes Licht darauf werfen würde.

Crossed Monster Edition 2

Doch die Herausgeber von Avatar Press waren anderer Meinung. Garth Ennis untersagte zwar die Verwendung seiner Figuren, war aber durchaus neugierig, was jemand wie David Lapham (Stray Bullets) mit dem völlig aus den Fugen geratenen Universum von Crossed anstellen würde. Laphams erste Story Family Values enttäuschte keineswegs und ist in Band 1 von Paninis Crossed Monster Edition enthalten.

Crossed Monster Edition 2

Doch noch sehr viel toller treibt Lapham es in der die zweite Monster Edition eröffnenden Storyline Psychopath. Hier beschreibt er, wie ein geisteskranker Mörder die Crossed-Seuche ausnutzt um seine perversen Gelüste zu befriedigen. Lorre schleicht sich in eine vierköpfige Gruppe von menschlichen Überlebenden ein, um die zwei Männer und Frauen nach und nach abzuschlachten…

Crossed Monster Edition 2

Was David Lapham hier, unterstützt von Raulo Caceres` kunstvoll-kranken Bildern, anzettelt, ist so ziemlich der härteste Horror-Stoff, dem ich jemals ausgesetzt war. Als Leser befand ich mich im kranken Hirn eines Psychopathen und erlebte mit, wie dieser die sympathischen und hilfsbereiten Menschen seiner Umgebung manipuliert, bis hin zum ganz schön bösen Ende.

Crossed Monster Edition 2

Da war es schon fast eine Entspannung, als die Monster Edition danach eine neue Story von Ennis und Burrows präsentierte, die die umfangreiche Storyline Badlands einläutete. Ennis zeigt hier nachvollziehbar, wie normale Menschen (darunter ein Mitglied der britischen Königsfamilie) sich in barbarischen Zeiten in Barbaren verwandeln. Eine zentrale Aussage, die sich durch sein ganzes Werk zieht, legt Garth Ennis hier der Hauptfigur in den Mund, die sich wie folgt charakterisiert: “Ich der binnen sieben Tagen entzaubert wurde und seine papierdünnen Ideale für den nächsten Atemzug verscherbelte.“

Crossed Monster Edition 2

Den Abschluss dieser Monster Edition bildet mit Homo Superior eine vom britischen Comic-Urgestein Jamie Delano (Hellblazer) getextete und von Leandro Rizzo gezeichnete weitere Badlands-Story, die sich auf weibliche Hauptfiguren konzentriert und zum Ende hin auf eine perverse Art fast schon so etwas wie Hoffnung verbreitet.

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Garth Ennis: Crossed

Avatar Press startete Crossed im August 2008 mit der Nummer 0 und Anfang 2010 endete die Serie nach neun weiteren Ausgaben. Doch das war nur der Anfang, denn Garth Ennis (Preacher, The Boys) hatte zusammen mit dem Zeichner Jacen Burrows etwas Außergewöhnliches geschaffen.

Garth Ennis: Crossed

Auf den ersten Blick scheint es sich um eine Variante von The Walking Dead zu handeln, die auf einer Erde spielt, deren Bewohner sich nicht in Zombies, sondern in mordlustige und sexsüchtige Wilde mit einem blutigen Kreuz auf dem Gesicht, verwandelt haben. Ennis erzählt von einigen der letzten Menschen, die in einem verzweifelten Kampf nahezu vergeblich versuchen in einer plötzlich barbarisch gewordenen Welt zu überleben.

Garth Ennis: Crossed

Fast noch erschreckender als die Brutalitäten der “Gekreuzigten“, die detailreich und voller kranker Fantasie in großformatigen Panels dargestellt werden, ist die rasche Verrohung der Überlebenden. Selbst die eigentlich sympathischen menschlichen Hauptcharaktere Stan und Cindy begehen um am Leben zu bleiben einige eigentlich unverzeihbare Gewalttaten. Ennis und Burrows zeigen auch dies in aller Drastik. Der Comic glorifiziert Waffengewalt nicht, lädt aber den Leser zum Nachdenken darüber ein, ob er in einer Extremsituation nicht ähnlich gehandelt hätte.

Garth Ennis: Crossed

Garth Ennis hielt Crossed nach 10 Comicheften für abgeschlossen. Er wollte keine Endlosserie (wie The Walking Dead) daraus machen. Ennis hatte jedoch nichts dagegen, dass andere Autoren und Zeichner Geschichten erzählen, die im Crossed-Universum angesiedelt sind. Er wollte jedoch nicht, dass die von ihm geschaffenen Figuren darin auftauchen. Im Laufe der Jahre haben daher Autoren wie Kieron Gillen (Über) oder Alan Moore (Watchmen) die fast menschenleere Erde am Leben erhalten und auch Ennis hat weitere Crossed-Stories geschrieben.

Garth Ennis: Crossed

Daher ist es erfreulich, dass Panini eine gebundene Gesamtausgabe im leichten Überformat (19 x 29 cm) gestartet hat. Der erste Band dieser Monster Edition enthält auf 420 Seiten neben der ersten Crossed-Serie von Ennis und Burrows auch noch die im Anschluss erschienene in die selber Kerbe hauende Miniserie Family Values, die von David Lapham (Stray Bullets) geschrieben und von Javier Barreno gezeichnet wurde. Die Monster Edition ist günstiger als Paninis teilweise schon vergriffene Softcover-Ausgabe!

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Garth Ennis: Crossed

Alan Moore: Neonomicon

Um nicht zu hohe Erwartungen zu erwecken, ist im Vorwort zu diesem Band zu lesen, dass Comic-Legende Alan Moore (Watchmen, From Hell) diese Serie schrieb, weil er “eine Steuernachzahlung erwartete und das Geld brauchte“. Außerdem ist zu erfahren, dass Moore ohnehin nur vier der sechs in diesem Sammelband enthaltenen Hefte textete. Die ersten beiden Ausgaben tragen den Titel The Courtyard und wurden nach einem Prosawerk von Moore von Anthony Johnston adaptiert.

Alan Moore: Neonomicon

Hauptfigur ist hier ein FBI-Agent namens Aldo Sax, der eine eigenwillige Anomalie-Theorie entwickelt hat. Er ermittelt damit in einer Serie von nahezu identischen Ritualmorden, die von völlig unterschiedlichen nicht miteinander bekannten Tätern begangen wurden. Sax ist zwar auf der richtigen Spur, wird aber schließlich selbst zum Mörder und landet in einer geschlossenen Anstalt. Hier setzt die von Moore getextete vierteilige Miniserie Neonomicon an, die von Sax’ Kollegin Merril Brears erzählt. Diese wird mit noch seltsameren Vorkommnissen konfrontiert.

Alan Moore: Neonomicon

Hauptinspirationsquelle sind die seltsamen Bücher vom merkwürdigen H. P. Lovecraft, die von uralten den Menschen nicht eben freundlich gesinnten Göttern und dem geheimnisvollen Buch Necronomicon handeln. An diesem sogenannten Cthulhu-Mythos haben bereits andere Autoren wie Robert Bloch (Psycho), Robert E. Howard (Conan) oder Wolfgang Hohlbein herumgeschraubt und jetzt eben auch noch Alan Moore.

Alan Moore: Neonomicon

Sein Neonomicon ist recht gutes Fantasy-Horror-Lesefutter. Dabei kann der von Anthony Johnston adaptierte zweiteilige Prolog The Courtyard durch seinem strengen Bildaufbau mit zwei Hochkant-Panels pro Seite und sehr viel Moore-Prosa als innerer Monolog der Hauptfigur etwas stärker überzeugen als das dann doch gar nicht so große Finale. Die sexsüchtige FBI-Agentin Merril Brears erinnert hier eher an eine Figur aus dem kranken Universum von Garth Ennis (Preacher, Rover Red Charlie), was nicht verwundert, denn der Zeichner Jacen Burrows setzte auch schon dessen fulminanten Auftakt zu Crossed ansprechend ekelig in Szene.

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