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Étienne Davodeau: Die Ignoranten – Wenn Wein und Comic sich begegnen

Sicher ist jeder auf irgendeinem Gebiet ein absoluter Ignorant. Während der Comic-Zeichner Étienne Davodeau (“Lulu – Die nackte Frau“, „Der schielende Hund“) kaum etwas über die Wein-Produktion weiß, kennt sich der Winzer Richard Leroy überhaupt nicht mit Comics aus. Das Konzept diese beiden „Ignoranten“ zusammenzubringen, sich über ihre Arbeitsmethoden austauschen zu lassen und dies zu einem von Davodeau gezeichneten Comicalbum zu verarbeiten, klingt nur bedingt prickelnd. Doch das Resultat kann sich wahrhaft lesen lassen.

Étienne Davodeau: Die Ignoranten - Wenn Wein und Comic sich begegnen

Das liegt sicher auch daran, dass Richard Leroy kein typischer Weinbauer ist. Der ehemalige Bankangestellte produziert in seinen Weinbergen einen fast schon legendären trockenen Weiswein in sehr viel kleineren Mengen als er verkaufen könnte. Seine Produkte sind bei den französischen aber auch internationalen Gastronomen und in amerikanischen Weinführern schon mehr als ein Geheimtipp. Es hat schon fast etwas Mystisches wenn Leroy seine Reben beschneidet, seinen Weinberg frühmorgens mit seltsamen Substanzen dünkt, versucht genau die richtigen Holzfässer auszuwählen und bei der Gärung darauf verzichtet Schwefel oder ähnliches zu verwenden, sondern den “Traubensaft sich selbst überlässt“.

Étienne Davodeau: Die Ignoranten - Wenn Wein und Comic sich begegnen

Doch auch über Comics erfährt der Leser so einiges. Während Davodeau nicht immer erfolgreich versucht Leroy beim Winzern zu helfen, empfiehlt er seinem Freund auch einige Comics zur Bettlektüre. Während dieser bei “Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons recht bald eingenickt ist, haben ihm Comics wie Art Spiegelmans “Maus“ oder “Der Fotograf“ von Emmanuel Guibert und Frederic Lemercier schlaflose Nächte bereitet. Da Davodeau gut in der französischen Comic-Szene verdrahtet ist, besucht er gemeinsam mit Leroy neben den Festivals in Saint Melo oder in Bastia auf Korsika auch Zeichner-Kumpels wie Jean-Pierre Gibrat („Der Aufschub„) oder Marc-Antoine Mathieu („Gott höchstselbst“). Die daraus resultierenden Gespräche hat Davodeau äußerst lebendig in lässigen schwarzweißen Zeichnungen zu Papier gebracht.

Étienne Davodeau: Die Ignoranten - Wenn Wein und Comic sich begegnen
Eine Rolle spielen auch die Produktionsmethoden in der französischen Comic-Industrie. Davodeau besucht gemeinsam mit Leroy seine Druckerei in Belgien um zu überprüfen wie seine Farben auf dem ausgewählten Papier zur Geltung kommen oder seinen Verlag Futuropolis in Paris. Hier bekommt der Leser einen Eindruck in die Sorgfalt mit der in Frankreich nicht nur Weine produziert sondern auch Comicprojekte angeschoben und begleitet werden, was Früchte trägt in originellen Werken wie “Die Ignoranten“.

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Gibrat: Der Aufschub

„Cambeyrac, 1943, Ein Land im Krieg, ein Dorf in dem der Krieg weit weg ist.“
Der junge Julien Sarlat sollte aus seinem kleinen französischen Dörfchen nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert werden. Bei einem Zugunglück kann er fliehen. Als er zu seiner Tante zurückkehrt, erfährt er, dass er als tot gilt, weil eine Leiche mit seinen Papieren gefunden wurde. Er versteckt sich im leeren Schulhaus des Dorfes, beobachtet seine eigene Beerdigung und vor allem höchst eifersüchtig seine geliebte Cécile.

Gibrat: Der Aufschub

„Der Aufschub“ wurde vom zuvor eher für softpornographische Comics bekannten Jean-Pierre Gibrat („Mattéo„) spannend erzählt und in sehr stimmungsvoll aquarellierte Bilder umgesetzt. Die Kritiker des Fachmagazins „RRAAH!“ kürten den ersten Band von „Der Aufschub“ zum „Comic des Jahres“ und entsprechend hoch waren die Erwartungen danach beim abschließenden zweiten Teil.

Gibrat: Der Aufschub

Doch Gibrat enttäuschte auch hier nicht und erzählt weiterhin scheinbar idyllisch vom Zweiten Weltkrieg in der französischen Provinz. Zwar gab es auch 1944 immer mal wieder unangenehme Zwischenfälle mit der Miliz und der immer stärker werdenden Resistance, aber Julien interessiert sich eigentlich nur für seine Cécile, der er endlich gezeigt hat, dass er noch lebt. Er darf nun zwar in ihrem Zimmer schlafen, aber so richtig auf seine Kosten kommt er doch nicht, angeblich weil die Großmutter nebenan schläft.

Gibrat: Der Aufschub

Julien hat in seinem Versteck auch Waffen für den Widerstand gebunkert. Von den Resistance-Kämpfern wird er ziemlich rüde behandelt, als diese ihr Material abholen. Dies öffnet ihm die Augen und er bricht nach Paris auf um dort für den Widerstand arbeiten…

Gibrat: Der Aufschub

Mittlerweile liegt auch eine sehr schöne Hardcovergesamtausgabe von “Der Aufschub“ vor, die als Bonusmaterial noch 16 Seiten mit Skizzen und zusätzlichen Illustrationen enthält. Weitere wunderschöne Aquarelle von Gibrat enthält das Artbook “Jeanne und Cécile“. In Laufe der Geschichte, die Gibrat in seinem Comic “Von Dieben und Denunzianten“ erzählte, eröffnet er dem Leser, dass es sich bei der Hauptfigur Jeanne um die Schwester von Cécile handelt.

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