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Jeff Lemire: Essex County

Nachdem die Mutter vom kleinen Lester starb, zog dieser zu seinem Onkel Ken aufs Land. Da dieser alleine lebt, weiß er nicht was er mit dem Jungen anfangen soll und ist ziemlich frustriert, dass Lester alle Vorschläge für gemeinsame Aktivitäten ablehnt und in eine Comic-Traumwelt flüchtet. Diese teilt er mit dem seltsamen bulligen Tankstellen-Besitzer Jimmy, der – bevor er einen Puck an den Kopf kam – ein Eishockey-Star war.

Jeff Lemire: Essex County

Auf den ersten Blick sehen die schwarzweißen Zeichnungen von Jeff Lemire, dessen Serien “Sweet Tooth“ und “The Nobody“ immerhin bei DC Vertigo erscheinen, etwas arg krickelkrackelig aus. Doch wer sich auf “Geschichten vom Land“ („Tales from the Farm“)einlässt, findet darin alles was er braucht, um nachzuvollziehen wie es ist (bzw. vor einigen Jahrzehnten war), ein Jahr seiner Jugend im ländlichen Essex Country in Kanada zu verleben. Recht gelungen ist auch der – man glaubt es kaum – noch skizzenhaftere “helle“ Stil in dem Lemire Rückblenden in die Geschichte einfließen lässt.

Jeff Lemire: Essex County

Für den Comic spricht auch, dass sich Jeff Lemire trotz des geringen Umfangs seiner Erzählung nicht nur mit der kindlichen Phantasie- und Problemwelt von Lester beschäftigt (und auch nicht die naheliegende Kinderschänder-Schiene fährt). Ebenfalls sehr sensibel wird geschildert, wie der Landwirt Ken immer wieder versucht mit seinem Neffen Freundschaft zu schließen und sich nach dessen Zurückweisungen noch einsamer fühlt.

Jeff Lemire: Essex County

“Geschichten vom Land“ ist der Auftakt von Jeff Lemires “Essex County Trilogy“. Auch im zweiten  Teil „Geistergeschichten“ („Ghost Stories“) erzählt er wieder von Eishockey und dem Leben in der kanadischen Provinz. Doch abgesehen davon, dass es am Ende der diesmal sehr viel epischeren Geschichte eine kurze Wiederbegegnung mit jenem kleinen Lester gibt, der davon träumt ein Superheld zu sein, ist “Geistergeschichten“ ein völlig eigenständige Story, die allerdings genauso mitreißend und sensibel erzählt ist.

Jeff Lemire: Essex County

Im Zentrum des Geschehens stehen zwei ungleiche Brüder vom Lande. Während der eher schmächtige Lou den Traum hat, in die Großstadt zu gehen um Eishockey zu spielen, strebt der bullig-gemütliche Vince ein ausgeglichenes bodenständiges Familienleben an. Für eine kurze Weile folgt Lou seinem Bruder jedoch nach Toronto und beide feiern gemeinsam im dortigen Eishockey-Team große Erfolge. Es hätte so schön werden können, wenn Lou nicht seine Freundin und spätere Ehefrau Beth mitgebracht hätte. Nur ein einziges Mal betrügt Vince seinen Bruder, doch danach ist sein Leben praktisch vorbei.

Jeff Lemire: Essex County

Vince bleibt in Toronto, vegetiert dort unter dem Motto “Die Stadt wird nicht Teil von dir, du wirst Teil der Stadt“ vor sich hin und lässt die Kontakte zu Lou und Beth abbrechen. Erst als seine Mutter stirbt und er zum ersten Mal nach 25 Jahren nach Essex Country zurückkehrt, wird ihm klar, wie leer sein Leben ist…

Jeff Lemire: Essex County

Jeff Lemire erzählt zwar eine tieftraurige Geschichte, zeigt aber auch, dass wir alle Schmiede unseres eigenen Glückes sind und es jederzeit in der Hand haben unser Schicksal zum Besseren (aber leider auch zum Schlechteren) zu wenden. Die Lässigkeit mit der Lemire seine rotzigen schwarzweißen Bilder (und diese klobigen Nasen!) zu Papier bringt, steigert den Genuss an diesem großartigen Comic-Roman.

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Mit „Die Krankenschwester“ („The Country Nurse“) vollendet Jeff Lemire  seine Essex Country Trilogie. Was zunächst nach einer nur lose und hauptsächlich durch die Örtlichkeit – eine menschenleere kanadische Agrarregion – zusammenzuhängen schien, setzt sich nach der Lektüre des Abschlussbandes zu einem faszinierenden Gesamtwerk zusammen.

Jeff Lemire: Essex County

Lemire reist diesmal auch noch zurück ins Jahr 1917 und schildert ein ebenso tragisches wie heroisches Ereignis, in das die Großmutter der Hauptfigur Anne Quennevile verwickelt war. Anne arbeitet als Landkrankenschwester in Essex Country, kümmert sich um die vereinsamten Bewohner und fungiert – da die Landmenschen zumeist nicht mehr als nötig miteinander reden – oft auch als Überbringerin von traurigen Nachrichten.

Jeff Lemire: Essex County

Dennoch erzählt Lemire keine tiefschwarze Geschichte, sondern zeigt, dass die meisten Menschen ihr Schicksal selbst in der Hand haben und es jederzeit zum Guten wenden können.

Eine deutsche Gesamtausgabe von Essex County  wäre toll, doch immerhin gibt es die Reihe in drei Einzelbänden bei der Edition 52.

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Constantine: Der Funke und die Flamme

Im Rahmen des im September 2011 erfolgten “New 52“-Relaunch startete DC gleichzeitig 52 Comic-Serien neu und feierte dies mit Ausgaben, die alle die Nummer 1 auf dem Cover trugen. Hierzu musste teilweise ganz schön tief in die Mottenkiste gegriffen werden und Serientitel wie “Mister Terrific“, “Captain Atom“, “Blue Beetle“ oder “Resurrection Man“ wurden mittlerweile schon längst wieder eingestellt.

Constantine

Immer noch am Laufen (und auch bei Panini auf Deutsch lieferbar) ist die von Peter Milligan getextete Serie “Justice League Dark“. Hier formierten sich “düstere“ DC-Figuren mit einem Hang zu Zauberei und Magie wie Madame Xanadu, Deadman, Shade, the Changing Man, Zatanna aber auch Frankenstein zu einem Team. Mit dabei ist natürlich auch der britische Mystery-Detektiv John Constantin, der sich zuvor innerhalb der Serie “Hellblazer“ eher bei der für erwachsenere Comic-Geschichten zuständigen DC-Tochter Vertigo herumtrieb.

Constantine: Der Funke und die Flamme

Nachdem “Hellblazer“ kurz zuvor mit Ausgaben 300 eingestellt wurde, bekam John Contantine ab Anfang 2013 eine eigene Serie im DC-Universum. “Constantine“ startete mit der vierten Welle der “New 52“-Comics und wird von den beiden auch als Zeichner tätigen Kanadiern Jeff Lemire (“Essex Country“, “Sweet Tooth“) und Ray Fawkes getextet. Beide haben auch schon für “Justice League Dark“ geschrieben. Ihr John Constantine reist innerhalb der fünfteiligen Eröffnungs-Serie “Der Funke und die Flame“, die Panini gebündelt veröffentlicht, über Norwegen und Myanmar (alias Birma oder Burma) zwar auch in seine Heimatstadt London, doch sein Hauptwohnsitz ist jetzt New York.

Constantine: Der Funke und die Flamme

Gezeichnet wurden die Miniserie, in der es um einen magischen Kompass geht, recht ansprechend von den Brasilianern Renato Guedes und Fabiano Newes. Zwar fehlt der Geschichte ein wenig der gesellschaftskritische gegenwartsbezogene Touch den Autoren wie Garth Ennis immer wieder bei “Hellblazer“ einbrachten, doch als Mystery-Serie funktioniert „Constantine“ bestens.

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