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Jijé: Jerry Spring

Auch wenn es etwas zynisch klingt, die frankobelgische Comicszene profitierte davon, dass während des Zweiten Weltkriegs der Import von US-Serien immer schwieriger wurde. Ende der 30er-Jahre kämpfte auch im Spirou-Magazin Superman für „Truth, Justice and the American Way“ und der Red Ryder versuchte den Wilden Westen zu bändigen. Als der Nachschub aus den USA ausblieb, übernahm der vielseitige Joseph Gillain alias Jijé das Zeichnen des Red Ryder und konnte hier für sein ab 1954 Spirou-Magazin erschienenes Western-Meisterwerk üben.

Jijé: Jerry Spring

Mit Jerry Spring startet Ehapa nach Jeff Jordan, Lucky Luke, Isnogud, Tanguy und Laverdure (diese Flieger-Serie übernahm Jijé nach einigen Alben von Albert Uderzo) und Blueberry (hier sprang gelegentlich als Ersatzzeichner ein, während Jean Giraud alias Moebius einen großen Teil des Jerry Spring-Alben Unterwegs nach Coronado zeichnete) eine weitere Gesamtausgabe eines frankobelgischen Comicklassikers. Der erste Band enthält neben gleich vier albenlangen Geschichten ein 30-seitiges hochinteressantes und exquisit bebildertes Vorwort.

Jijé: Jerry Spring

Die an B-Movies erinnernden Western-Abenteuer die Jerry Spring zu bestehen hat, mögen heute etwas altbacken wirken, doch Jijés Artwork ist zeitlos modern. Dies zeigt besonders gut in diese in Schwarzweiß abgedruckten Gesamtausgabe. Der Verzicht auf Farbe war Jijés Wunsch, denn beim Zeichnen orientierte er sich an US-Zeitungscomics wie Steve Canyon und geizte nicht mit schwarz ausgemalten Flächen. Das Kolorieren hingegen langweilte Jijé und wurde nach wenigen Alben auch nicht mehr von ihm ausgeführt.

Jijé: Jerry Spring

Auch wer nicht sonderlich beeindruckt von den bei uns bei Bastei, Condor und Carlsen veröffentlichten Jerry Spring-Alben war, dürfte in dieser sehr schön aufgemachten Gesamtausgabe einen meisterlichen Zeichner mit einem enorm lässigen Strich neu entdecken.

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Jijé: Bernadette von Lourdes

Mit gleich 16 sehr schön aufgemachten gebundenen Comicalben geht die Canisi Edition an den Start. Dabei handelt es sich um Comics, die “der neuen Generation den katholischen Glauben näher bringen“ sollen und daher die “ideale Geschenk“ für “Firmlinge und Erstkommunikanten“ sowie “für Ministranten“ sind. Zu den Alben – darunter gleich vier Alben, die sich mit Päpsten der Neuzeit beschäftigen – gibt es Lehrmaterial & Arbeitsblätter für den Schuluntericht, diese können auf www.canisi-edition.com herunterladen werden. Doch auch für Comic-Freunde sind zumindest drei der Titel sehr interessant, denn diese stammen vom Altmeister Jijé (Jerry Spring), der den frankobelgischen Comic maßgeblich prägte.

Jijé: Bernadette von Lourdes

Neben Jijés Comic-Biographien zu Charles de Foucauld und Don Bosco erscheint in der Canisi Edition auch dessen Nacherzählung der Lebensgeschichte der Heiligen “Bernadette von Lourdes“. Dies passt thematisch recht gut, denn der Grundstein für den Schweizer Verlag wurde in Medjugorje gelegt, einem Städtchen in Bosnien-Herzegowina, das zum Pilgerort wurde, nachdem es dort bei einigen Jugendlichen zu Marienerscheinungen gekommen sein soll. Auch die 14-jährige Bernadette Soubirous behauptete, dass ihr 1858 oberhalb einer Grotte in der Nähe von Lourdes mehrmals eine weißgekleidete Dame erschienen sein soll.

Jijé: Bernadette von Lourdes

Zehn Jahre nach Hal Foster (Prinz Eisenherz) adaptierte Jijé das Leben von Bernadette Soubirous in Comicform. Die Geschichte erschien 1958 mit einer Seite pro Woche im Mädchenmagazin Liné wurde dort aber nicht komplett veröffentlicht. Erst 1979 wurde in Belgien eine vom Atelier Vitorio Leonardo neu kolorierte Gesamtausgabe veröffentlicht, die die Canisi Edition übernahm. Wer mehr dazu wissen möchte, dem sei Gerhard Försters Artikel zu Jijés Canisi-Comics in der Sprechblase # 226 ans Herz gelegt.

Jijé: Bernadette von Lourdes

Joseph Gillain alias Jijé war ein religiöser Mensch und bringt dies auch in seinen drei bei der Canisi Edition erschienenen Comicgeschichten zum Ausdruck. Im Nachwort zum Comicalben Gringos Locos, das sich ziemlich frei erfunden mit einer USA-Reise beschäftigt, die Jijé 1948 gemeinsam mit Morris (Lucky Luke) und André Franquin (Gaston) unternahm, schreibt Laurent Gillain, dass sein Vater “glaubte was er glaubte“ und ihn für “frömmlerisch zu halten hieße, ihn schlecht zu kennen. Seine Art war es, sich hinter einem Kirchenpfeiler das Lachen zu verkneifen.“

Jijé: Bernadette von Lourdes

Daher ist Jijés Bernadette von Lourdes auch kein religiöser Erbauungs-Comic. Ganz im Gegensatz zum nach dem Roman von Franz Werfel entstandenen Kinofilm Das Lied von Bernadette von 1948 zeigt Jijé nicht in kitschigen Bildern wie einem jungen Mädchen die Heilige Jungfrau erscheint, sondern überlässt es dem Leser selbst zu beurteilen ob da was war oder nicht. Für den gut erzählten Comic spricht auch, dass Jijé sehr einfühlsam von einem Leben in Armut in einer ungerecht geordneten Welt erzählt. Daher ist es sehr zu begrüßen, dass dieser Comic endlich in einer vorbildlich aufgemachten Edition erschienen ist.

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