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André Franquin: Schwarze Gedanken

Zwischen 1977 und 1983 brachte die Comiclegende André Franquin (Gaston) zunächst für Le Trombone illustré und, nachdem diese Beilage des Magazins Spirou eingestellt wurde, für die Zeitschrift Fluide Glacial einige für seine Verhältnisse ungewöhnlich düstere Geschichten (passenderweise auch noch) in Schwarzweiß zu Papier.

André Franquin: Schwarze Gedanken

Franquin betonte immer wieder, dass keinerlei Zusammenhänge zwischen diesen Idées Noires (Schwarze Gedanken) und seinen damaligen Depressionen und Nervenzusammenbrüchen bestanden und diese “dennoch neckischen“ Comics “nichts anderes als ein Ulk“ sind.

André Franquin: Schwarze Gedanken

Franquins bitterböse Darstellung von Jägern, Militärs und blindem Fortschrittsglauben ist sehr eindringlich und leider zeitlos. Die Comics hinterlassen beim Leser den Eindruck sehr viel mehr zu sein, als nur der Vorwand für eine makabre Schlusspointe . Vielmehr war es ihm gelungen den passenden Zeichenstil für härteren Comic-Tobak zu finden, den er in seinem ausgereiften Gaston-Funnystil nur schwerlich an den Leser bringen konnte. Seine Figuren sind dabei viel mehr als nur Silhouetten und verfügen innerhalb ihrer Schwärze auch noch über zusätzliche Konturen.

André Franquin: Schwarze Gedanken

Nachdem bei Carlsen bereits Gesamtausgaben der Schwarzen Gedanken veröffentlicht wurden, erscheint zum 40. Jubiläum der Reihe mit Es waren einmal Schwarze Gedanken eine faszinierende Mischung aus Sachbuch und Comicalbum. Auf 120 Seiten kommen ein Großteil der Schwarzen Gedanken zum Abdruck. Hinzu kommen noch weitere ähnlich gelagerte Comics, die Franquin teilweise zusammen mit Marcel Gotlib (Die Dingodossiers) gezeichnet hat.

André Franquin: Schwarze Gedanken

Abgerundet wird der Band durch aussagekräftige Interviews mit Interviews mit Franquin, dessen Tochter Isabelle und Gotlib. Enthalten sind auch Hommagen von anderen Zeichnern wie Édika oder Goossens. Darunter befindet sich auch ein Auszug aus dem Comic Katharsis von Luz. Darin beschreibt dieser wie er versuchte zu verkraften, dass er den Anschlag auf Charlie Hebdo knapp überlebte. Im Buch ist auch zu erfahren, dass Franquin Charlie Hebdo nicht nur regelmäßig gelesen hat, sondern auch immer wieder darüber nachgedacht hat für das französische Satiremagazin zu arbeiten.

André Franquin: Schwarze Gedanken

Bedauerlich ist nur, dass das Buch nicht auch als Gesamtausgabe taugt. Zum Abdruck kommen “nur“ 46 der insgesamt 65 von Franquin gezeichneten “Schwarzen Gedanken“. Auf die paar zusätzlichen Seiten wäre es doch nicht wirklich angekommen, zumal manche der enthaltenen Hommagen nur bedingt gelungen sind. Doch es gelingt in einer Mischung aus Texten, Interviews, Comics und Skizzen dem Leser den Menschen André Franquin ein Stück näher zu bringen.

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Luz: Katharsis

Am 7. Januar 2015 kam Renald Luzier alias Luz zu spät in die Redaktionssitzung der französischen Satire-Zeitung Charlie Hebdo. Er hatte morgens zusammen mit seiner Ehefrau Camille noch etwas seinen 43. Geburtstag gefeiert und als er in der Rue Nicola Appert ankam, sah er wie die Brüder Kouachi schwerbewaffnet aus den Redaktionsräumen stürmten. Luz zeichnete für die eine Woche später erscheinende Ausgabe von Charlie Hebdo das grüne Titelbild mit Mohammed, der ein Schild mit der Aufschrift “Je suis Charlie“ in der Hand hält.Luz: KatharsisVon dieser Ausgabe wurden über 3 Millionen Exemplare verkauft. Im Mai 2015 kündigte Luz nach über 20 Jahren bei Charlie Hebdo, da es ihm nach dem Attentat belanglos erschien weiterhin politische Karikaturen zu zeichnen. Überhaupt war ihm eines Tages “das Zeichnen abhanden gekommen. Am selben Tag wie auch eine Handvoll teurer Freunde“, schreibt Luz im Vorwort zu diesem Buch. Im Gegensatz zu Cabu, Carb oder Wolinski kehrte jedoch das Bedürfnis zu Zeichnen bei Luz zurück, “zugleich dunkler und leichter.“

Luz: KatharsisEs sind großteils sehr persönliche Geschichten und Beobachtungen, die Luz in seinem Buch Katharsis der Öffentlichkeit zugänglich macht. Mit seinen Zeichnungen versuchte er innere Dämonen zu besiegen und zugleich seiner Frau zu vermitteln, was in ihm vorgeht. Eine ganze Seite hat Luz, der zuvor fast nur schwarzweiß zeichnete, mit einer roten Fläche gefüllt, nur am unteren rechten Rand ist ein kleiner blauer Farbklecks zu sehen. Dies steht für den blauen Mantel, den Luz‘ Ehefrau Camille trug, als sie am 7. Januar 2015 ihren Mann am Tatort traf.

Luz: Katharsis

Der Sinn von mancher Bildergeschichte in Katharsis erschließt sich nur schwer, andere wiederum sind verdammt komisch oder manchmal auch sehr sinnlich. Es ist faszinierend mitzuerleben, wie ein begabter Bilderzähler versucht, sich selbst zu therapieren.

001Dieses Bestreben scheint erfolgreich zu verlaufen, denn nachdem Luz zunächst nur herumstehende starrende Männchen zu Papier brachte, gelangen ihm später bereits laufende Männchen. Auch der Versuch ein laufendes Männchen zur Welt zu bringen, ist von Erfolg gekrönt, denn Ende 2015 wurden Luz und Camille Eltern!

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