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Kieron Gillen: Über – Das letzte Aufgebot

April 1945: Die deutsche Wehrmacht scheint besiegt zu sein. Doch plötzlich taucht eine Truppe von “Panzersoldaten“ auf, die unbesiegbar zu sein scheint. Darunter befinden sich auch die menschlichen “Schlachtschiffe“ Siegmund, Siegfried und Sieglinde, die mit brutaler Gewalt verhindert, dass die Rote Armee Berlin erobert. Doch eine der Wissenschaftlerinnen, die beim Entwickeln der deutschen Super-Soldaten beteiligt war, gelingt es sich nach Großbritannien abzusetzen um im Auftrag von Winston Churchill ein Gegenprogramm zu entwickeln…

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Für den US-Verlag Avatar Press entwickelte der, auch für Marvel tätige, britische Autor Kieron Gillen („Wolverine – Origin II„) die Serie “Über“, die der afro-amerikanische Zeichner Caanan White in Szene setzte. Bei Avatar Press erscheint die mittlerweile auf 30 US-Hefte angewachsene Reihe im Umfeld von Horror-Comic-Serien wie “Lady Death“, “George A. Romero`s Night oft the Living Death“ oder “The Drive-In“ nach Joe R. Lansdale. Garth Ennis veröffentlicht hier Comics wie “Crossed“ oder “Red Rover Charlie“.

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Auch Alan Moore (“Watchmen“, “V for Vendetta“) ist mit seinen an H. P. Lovecraft orientierten Comics wie “Neonomicon“ oder “Providence“ bei Avatar Press vertreten und schreibt auch gerne zu Werbezwecken ein paar nette Worte über die Werke seiner Kollegen. So meint er etwa, dass “Über“ ein “akribisch und sorgfältig ausgearbeitetes Stück erweiterte Parallelgeschichte“ ist, gegen das “die meisten anderen Vertreter dieses Subgenres offen gestanden schlampig aussehen“.

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Trotz des Lobs von Moore meldet Marc-Oliver Frisch im Vorwort der deutschen Ausgabe von Panini einige Bedenken zu “Über“ an: “Der Grat zwischen gewinnbringenden literarischen Experiment und voyeuristischen Nazi-Trash bleibt schmal.“ Ähnlich sieht es auch Kieron Cullen selbst, der zu jedem der sechs im ersten “Über“-Sammelband enthaltenen US-Heften noch ein selbstrechtfertigendes Vorwort verfasste. Diese Texte, in denen Cullen u. a. hofft, dass die Leser “keinen Gefallen“ an seiner Serie finden, hat Panini dankenswerterweise mit in die deutsche Ausgabe aufgenommen.

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Ich persönlich halte “Über“ – trotz der sorgfältig recherchierten Berliner Straßennamen – eher für eine trashige Serie, die sehr viel weniger an der Schilderung eines alternativen Geschichtsverlaufs, als am in Szene setzten von blutiger Action interessiert ist.

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Wolverine: Origin II

Ende 2001 startete Marvel die sechsteilige Miniserie „Origin„, die mit einem Tabu brach. Erstmals wurde aus der Jugend des beliebtesten X-Man Wolverine erzählt, von dem zuvor wenig mehr bekannt war, als dass er mit Nachnamen Logan heißt und aus Kanada stammt. Die vom Briten Paul Jenkins erzählte und von Andy Kubert gezeichnete Geschichte floss 2009 mit in den Prolog des ersten „Wolverine„-Solofilm von 2009 mit ein. Damit war der Zweck der Übung erfüllt, denn Marvel wollte, dass Wolverines Origin ihre Premiere im Comic und nicht im Kino erlebte.

Wolverine - Origin II

Es hat lange gedauert bis in Marvel-Comics weiter von den Lehr- und Wanderjahren des populären Mutanten erzählt wurde. Erst Anfang 2014 startete mit „Origin II“ in Form einer fünfteiligen Miniserie eine Fortsetzung, die Panini uns gleich komplett in einem Softcoverband oder als auf 777 Exemplare limitiertes gebundenes Buch präsentiert. Wieder stammt die Geschichte von einem Briten. Kieron Gillen („Über„) gelingt ein spektakulärer Auftakt, indem er den jungen Wolverine in einer Szenerie zeigt, die an „Das „Dschungelbuch“ erinnert.

Wolverine - Origin II

Der Mutant lebt kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs glücklich und zufrieden in der verschneiten kanadischen Wildnis bei einer Wolfsfamilie. Doch das kann natürlich nicht so bleiben. In den einsamen Wäldern taucht ein Eisbär auf, der dort genauso wenig hingehört wie ein britischer Wissenschaftler, der gemeinsam mit deutschen Soldaten und in Konkurrenz zu einem Wanderzirkus-Direktor Jagd auf Wolverine macht.

Wolverine - Origin II

Während Andy Kuberts farbenfroh und plastisch koloriertes Artwork bei „Origin“ am Rande des Kitsches angesiedelt war, überrascht sein Bruder Adam bei „Origin II“ mit einem interessanten Seitenlayout. Dieses ist nicht immer sehr lesefreundlich, da es sich oft (aber oft auch nicht) über zwei Seiten zieht. Doch Kuberts Bilder sind gelegentlich ganz schön spektakulär geraten und Kieron Gillens Geschichte kann sich lesen lassen. Mangels Erwartungsdruck hat mir persönlich diese Miniserie besser gefallen als der Vorgänger.

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